Ausgabe 
30.9.1911 Zweites Blatt
 
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Sw etter Blatt

Nr. 250

(irldjrtnl täglich mit vu-nabme de- Sonntag-.

Eeneral-Anzeiger für Oberhejjen

T>e ^Glehener Lamlllendläfter" werden dem .Anzeiqer* viermal wöchentlich deigeleqt. da- KrtHblatt für bei Krell Liehen" zweimal wöchentlich. DielandwIrtlchaflUchrn Lett» frage»" erfchemen monatlich jroeunaL

Samstag, 50. September (9(1

RoianonSdcuck und Verlag der Vrüblichen UnlveriuäiS- Buch- und 6teinbnid<ctu 9L Lange, (Bieyen.

Redaktion, Eroeditron und Druckerei: Schul- st: ue 7. Erveduion und Verlag: 9<cbofiu>n.fc*e# 111. XeL-lU)r.- HryeifletlMiefcaw

Vie bayrischen zinanzverhältnisse.

München, 2*3 Gcvt. Ter in ccr h:u..^n Kammer- slbung öcrßclcfftc «uoaetentiv urf für 1) 1 2 1 3 fd 'Xv\t im Eruiiarnim m Einnahmen urttr Ausgaben mit 676 214 154 Mark, das ist gegen das Budget der lau cnoen ^in.iLiptrioOf ein Mehr von uO<A>a 526 Marl, wovon 2'J 565 29J Urinf auf den Haushalt dec (riienbüfaiiuraualhmg uiu> 20 500 236 Mark aus die übrigen Lerivallungizwiige entfallen. Ter Abschluß oc» 4hartei bot auch diesmal manche 5Mimglcücn. c.' naiü>en nidx nur reine Uefaerichüuc zur Beringung, lo.mcrn es war nxa an 4um« **7? erheblicher jculutiag quj-ujieia.cn uns andercrieils waan Mittel auSzuwerien für Arisgabcn, für i. die dtmuc .iguug j.ou.

c*!,c 't^*unfl ,tur unaoilluuuig geia-cifen n>ar, 10

000 Mark iur bie vom lebten .\?odjjya||cr Gcichudiglen, eine Million tut die Verstellung ocr dadurch jvntürten Straren un Brüllen.

Trotzdem war es unter Beobachtung strengster Sparsamkeit möglich, das Budget in einer aorm abiulosen, iu;iu)c tu \ c- fricutguug einer Uicilje weiterer etaattbcuinni :c, fowie b.e Uur ftcUung erheblicher cummcn jür die Lohneri,vi-iiitg votiüfai, oljiu bau die Hohe der süc die >Lchulocniilgu«ig bcflunnuai <,unti;'c trgenbivtc geändert würd' Der ocbcittiiajc van.galt ... Ministeriums des ftöniolidjcn Hauses uns de-, Äeuilrrn ich.icnl mit einem Mehrenordernis von 217 89u Mark, bei des xv.wA Ministeriums von 71b 112 Mark, jener des <ätaat»mini,"urüinu> des Innern von 1530 051 Mark ab, der .vanshalt dec üuiinv mintiteriumä mit einem Mchrerwr^ern,^ ion 1 175 056 - karr und des Finanzministeriums Von 13u3 450 Marl. wäre nicht möglich iur die Vlufbcifcrung der Lohrergehälter Mittel flüssig zu machen.

jjm Ei, enbahnhauShalt, ocr ein günstiges Bild er gibt, lind neben der Leistung von 3 fUalliyiuu an die öviuial- staalskasse die Tilgung der venragvmahigai 4 Millionen 'Jiarf unb die weitere 9tüdflcllung ,ür die Schu.oculilguug in Höhe ton 3 Millionen Mark vorgciehen. Ter fcoiut,m er B 0stverwal tu n g weist eine Mehrcmnahme von 3 4öj732 Warf ans

Die inarotfooerljaiiöluiigcn.

VariS, 29. Sept. Tie nationalistische Presse bc;cugt einige Unznsriedenheit, weil bie deutsche Um wort am bie s)loic ber sranzvsilchen Regierung noch nicht die tknuitwe Beendigung her Marolkoverhandlungen bringt. TerI igar 0", der in di.ser Angelegenheit die Stimmung der Regierung stets getreu ivicm > gespiegelt bat, erNart hierzu: Rach lärlunbigungcn an bc,.um.i- rid)tctcr Stelle mutz man sich hüten, die Tinge zu sci'i^arz zu sehen. 3» ofiijidlen Kreisen lucigcrt man sich, in bau b;uiii in Verlangen etwas zu erfanden, was d.e Bcivrechungcn irgendwie imn scheitern bringen könnte. Ministerpräsident Uaillaur der gestern eine lange Unterredung nut dem Minister des ticuüern, dc selves, hatte, beschlosj in Uefacreinstimmnng mit diesem, die Antwort der französischen Regierung und) Berlin zn senden, ohne bau der Ministerrat crii darüber zu diskutieren brauch. Wir können uns zu dieser Beschlainigung nur beglückwünschen.

xa-3 Blatt will ferner wi sen, daß es sich b.i tc.i lejtcn Ti fieren,cn »nnidjcn der bcutichcn unb der französifchen 5ic flierung haiiptsächlid) um bie üragc der Bergwerke m M a - rokko handle.

Ocutsches Ucicb.

Ter Reichskanzler v. Bethmann-tzollweg ist wieder in Berlin angetroffen.

Am Freitag abend wurde -wischen den Vertretern der bul­garischen Regierung, Gcschow, Professor Tr. Po- powinew und Stantschew einerseits und der deutschen Regierung andererseits die .stonfularkonvcntion, die Aus- lieferungskonoeMwn und die Verlängerung des Handclsver- trag« unter-eichnet. Aus diesem Anlaß gab StaatsselrctSr v. Uiderlen-Dachker mittags zu Ehren der Iticrtrcter der faul garischen Regierung ein Diner.

'2er Berliner Magistrat beschloß, in sieben Markt- dal len je zehn Stände für den L e e f i s ch v e r k a u s einzurichten. Die vom Berkaus abends übrigbleibeiucn Reste nimmt die Marit- hallem'erwaltung den Vcri.iusern zu anbcrivcingcr Verwendung ab, so daß nur frische Fische zum Berkaui kommen.

Zu der Erklärung cc.- ..Borwans' über Oie Verhandlungen betrenenb bas Wahlbündnis zwischen Zent rum und Sozialdemokratie bemerit diepolnische Bollszeilung": Ter Ausschuß, den bie 3cntrum»iTafiion d.s ausgelösien Rein. tageö für die Wahlen eingesetzt halte, lefaitic, wie mir mir aller Bestimmtheit versichern können, bas Angebot Bebels einstimmig ab unb setzte den Abgeordneten Müller Fulda davon in Memttni:-. Bas dieser vorher ober nachher mit bat Sozialistensührcrn ver­handele, davon erfährt dieBolkszeilung" durch die Beröfsenl lichung desVorwärts" zum erstenmal, dies ist daher lediglich a: der cjgcncn Initialn - des Abgeordneten Müller hervor gegangen uno dessen persönliche Angelegenheit Weder von der Fraktion noch von dem genannten Ausichuß erhielt Müller den Auftrag zu Anktlüpfungen der Sozialdeinolratie. In Bukun'l dürste eine derartige private Aktion zweifellos ausgeschloiien bleiben." Das Zentrum versteht es ausgezeichnet, die Rollen zu verteilen. Es wirb mit der vorstehenden ürllarung aber viele Ungläubige finden.

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Die IDirren in Persien.

Petersburg, 29. Sept. Tie letzte noch im Betrieb be kindliche Telegraphen Verbindung ztvifchen Persien unb Rußland über Täbris unb Tiflis i|t unterbrochen.

Die Bluttat von nkdermorkn vor dem Schwurgericht,

wth. Gießen, 29. Sept.

Rack) der Verlesung der Schuldfragen, die etwa eine Stunde in Anspruch nimmt, unb nach einigen Bemerkungen des Vor­sitzenden begannen um 1/?12 Uhr

die Plädoyers

Unter sehr starkem Andrang des Publikums. Namentlich waren viel Frauen unb Mädchen anwesend.

Zuerst nimmt Efaerstaatsanwalt Hofmann bad »ort zur Begründung der Anklage.

Weit über die Grenzen unterer Provinz, ja weit über das Vciicnlanb hinaus hat das Verbrechen, das heute uns ges.crn das iu irargeritlit deschu nji, wegen der Frechheit unb wegen ber -Lchetnütchleit, mit vcc ei begangen worden 11. Avi ^h.n criegt. co Leitete der Vertreter der c.iaaiiLivöibe icine 1' j nünbigc, wuan.ge Rede ein, um dann dazu uoerzugehen, wie der L.,cmann Walter am Aoeno des Tag.s, an dem ic.nc Cbcfrau h.ngeiiiordct le ar sc, nach xjauic kam Er dac.»:c er,: an kein Verdrehen, nahm ritimebr an, ferne Frau fei butiy ciiieitzltzLchlaian>ali aus dem Heben geichicden. VI.5 er u<ct bie durchwühlten itu.rn uuo ka icn in 1 uicm öauie sah, da würbe dem. Manne i.ar, daß er irre. D.r bald (iiu>ieu::ic ®r|t ir. cto.l bcitJiigtc, daß die Frau Walter criöurgt und cm Era.ckuu m.; geiwrbcit fei. Dank glüulicher Um anbe fa-jen bie Later i.enige iagc nach dem Bcrsrechin schon h.nt.r Schloß und bxicgci unb har.cn heute ihrer 2:rann, 01c 111 An­betracht ihrer Daten natürlich nur die schwerzten S^iascri sein könne», die das Gesetz lulaui.

ju nehmen, daß man aber doch davon Abstand genommen habe. Deute, die wie Erde und L?ol'. einen Iicbiiabl legebeii wollten uub sich vor dem Gebell eine- dundrs fürchteten, die sich ängstlich zurüaziehen, als fie am Morgen der Tat einer Frau aniubng iuur.cn, die ohne ©affen hingehen, das sind keine SRenid.vn, um vorsätzlich unb mit Uebcrlegung einen Menschen zu tuen. ~ ie tbfiva aufnabme habe nicht bargetan, daß erbe unb Wolf mit llcbcrlcgung gefaaiucit hatten, aber dies fei nulig, um sie des -.orocs lu-uldig zu sprechen.

Rechtsanwalt Kaufmann verliest eine ReichSgerichtSentschei. bnng, wonach dieses ein Todesurteil auffaob, wo der Tuicr einen clrtJ unb einen stneee. mitviachte und dann fein Mester ge­brauchte. Der vormgense Fall liege ähnlich. Sem Klient haoe der Frau Walter nur verwehren wollen, ihm fainberno in den en Irrten oder zu fchreien. Tie Vlngetlagten wußten auch gar nich>:, daß bierau int öaufe war, unb eS fei aus allen uic'cn Um .üiibcn Tieouahl und Mörperoerkuung mit tödlichem < uoig gegeben. Wenn ihm die Gcichworcnen aber dann nicht loigcn Lunten, so ici allem die Tat des Erve al» Totichlag mu jic.io anzulchen.

a.cr Cbcriiaai-.'aniuait gejt bann auf die Schilderung der Perivnlichlnt oes vm. Wo.,, den er noch als ln.ibcnl;.i t bc- icid'net, unb des Wi.h. u r u c naher em. Eroc, dn t. feiner Vugcnb >chon eine ganze Re.he von Vvrttra en öcrjütn ijabc, zu Stufe gc unkn uno ein grnwh.ihcii^ matziger Verbrecher gewor..n, vis ec leine ^au.jabn mit Raub und Morb Ironie. Fn die Beweisauinähme eingehend, u'ihrt der tinllugcr den Ge,chworeuen in großen ;$ügcn vor, wie die Tai, ubir die |ie nrte-.rn lohen, gevoren uno dann mit laltcr . Uebcrlcgiing und nut Vorfa^ ausge ührt loorocn ul. 5,cr Le* bauie, ein schweres Sccbtcucn zu ucgehen, Iuh u.c drei An­geklagten nicht wieoer lov. Ramoein inan sich biud) uen (iui- brudi bei dem Smnueo ueßler die Werkzeuge zur Tat per- schal,t^ bat, geht man ans Werk unb programmäpig, wir man du» Verbrechen gcrna.it faatie, luuroc cs auch ausgc uyn. Erbe unb Wolf haben dir <,ru.i Walter erwürgt, haben sie kalt gc- mcober ihr die T!u,t afagmcili, wie )ic es |iu) Dorgeitonuncii haben. Woli 1 al ba^ Cpier an den i'aareu gepa.1i uno zu Äodeu gern en, Lrbc geht mit aller i^emutSruhe in die ft a mm er, nia.. t ie.il ... ..n.. er uai unb schneidet von einem Bettuch

einen laugen Jur. ab, der zu. ^.dilinge wird Tamil, unb das 11 das Sll,e-.i.,ucm.c und o-rauiamiie der ganzen Tet, wirs die am Wodc.i licgc.ioc, von ©olf an den £)anoen ge­haltene Frau, die noch iv^cit, von den Heiden crbroiiclt, inbent jeu^r an einem Lnoc der Schlinge zieht, eine vie.nichere uno gcmiiii.ee Art, einen Men scheu zu Tobe zu martern, wie sic hier Dur den olefchworenen |e,tge,.ellt worden in, dürste feiten Vorkommen. Rachoem man nun dec Frau Walter in dieser Weisedie Luit obgeiieilt hatte', wie sich die beiden An- geklagliu auSorucken, motcien fic die beiben tritben bce Schlinge noch einmal besonders scu zu, damit die sich ja nicht wieder öffne. Ais sic nun die Frau getötet hatten, da Hoben iie nicht etwa aus dem £)au|c, nein, nun erst begingen sie in aller Ruhe o.'ii blaub, zu oem bie .ingcflagtc ftaiijarin.i Wolf nach ihrem cignicn Äeilundnis nicht etwa nur angeitiftct, fonberii mit Rat und Tal Bcihilic geleistet hat. Lhne Reue haben sich die drei Menschen nach Vreuvung der schweren Bluttat von Friedberg 11 am Frantsurt a. M. begeben, um die Früchte ihre, biaubcu zu gcnicgcii. Üroe hat sich |cin herausaeputzt. .Heinrich Wolf hat von dem erbeuteten Gut 45 Mk. erhallen unb feine Schweiler faelarn von Erbe ein Zwanzigmarstlück, das von dem geraubten Gelbe hcrrührte.

Auf b:e Schuldsragen eingehend, plädiert der £bcx- Trbe und .v einrtch Wolf fchnloig zu sprechen , des schweren Ticbstahls, d c S M 0 rdcs unb des fr. cn Raubes, drei Verbrechen, die sie gemcinfoiii begaitjm .,-aocn. Tie Frage, ob ber noch nicht LS 3cl)tc alte S?uj. Wui> die CrkenntNiS vcscs en hat, bau er r.rafbare r>aiidlungen begehe, stehe bei ber Intelligenz unb Beanlagung des jungen Menschen außer Zweifel und müsse ebenfalls bejaht werden.

-tic Angetlagte Mathari na Dolf müsse fdjulbig ge« sprorncii «ucrucn der Beihilie des schweren Raubes. Cb fie auch zur Ermordung dem lirbc unb ihrem Bruder mit Rat unb Tat Ötlfc gekniet, stellt er in das Ermessen der Geichworencn.

Rechtsanwalt Kaufmann, der Verteidiger ErbeS, bemerkt, daß auch tr und feine Kollegen die Tat inrabidjeuen unb es tief bebaitcrn, daß babei ein Menschenleben rum Cpier gefallen sei. Es fei nicht in Abrede zu stellen, daß die Staaisa.iwaltfchait von dem Moment an, wo sie die Anklage erhebe, eine Partetverlretung sei. die für die Schuld der An- genagten eintritt. Ties hat auch das Gesetz anerkannt und darum bestimmt, daß jeder Angcllagte vor dein Schwurgericht einen Verteidiger haben muß, der dafür eintuireicn hat, daß dessen Tat nicht harter angeiehen wird, als es das Gesetz vor- daß eS ihm fern liege, etwa einen Mohren weiß zu waschen, deshalb habe er es im Ein- Verständnis mit feinem Klienten unterlaifen, bei den Schuld- fragen die Frage nad) mildernden Umstanden zu stellen. Wenn der Angeklagte Erbe ein Verbrecher geworden sei, so iolle man, wie dies ja auch der Cbcrftaaloanmati getan bat, seine schleckt. Erziehung, seine mißlichen Fam.lienverhällnii'se als Erklärung ba;ur heranzichen. Erbe ist geständig des Enibruchsdiebstahls ,n der miebe, die Frage danach muß also besaht n erdcn. Richt aber ionnc er zugeben, daß Erbe als Mörder bestraft werbe Als man ans Derk ging, da handelte eS fick darum, Geld zu be kommen, nicht aber darum, bie Frau zu ermorden, fcättc Erbe die» gewollt, so hätte er sich des Schlagrings oder des Messers, die er bei sich hatte, bedient. Tie Redensanen von kalt machen ufro. feien nicht io tragisch zu nehmen, man müsse ihm glauben, baß er damit nicht habe sagen wollen, er werde einen Morb oder Totschlag begehen. Wenn die Anklage in einzelnen Punkten die Geständnisse veriverte uno den Angeklagten Glauben schenke, bann muffe man ihnen auch glauben, baß Frau Walter noch lebte, als iie das i?aud oerlieben, und daß Erbe seine lieber- zeugung ausfvrach, daß er der Dolf gegenüber meinte, die Frau lei nur betäubt und komme wieder zu |ich.

In der Bewcisau'nahmc fei festgestellt, daß man ursprünglich beabsichtigt habe, einen Strick zum Linden unb einen Knebel

-ree Verteidiger bei Heinrich Dolf, Rechtsanwalt Kouis, schliegt sich den Ausiuhrungen und den Anträgen bet Jiti. i-amvaltu Mau.mann an. Er verweist daraus, bau fein Klient nou) mng uno unoeurait fei und vollitändig unter dem Einilutz ocs Eroe gciionocn habe.

Ter.Verteidiger der Katharina Dolf, Recht.- aimait vomberger, betont, daß in der Verhandlung nuDi» ourge&ra.. 1 ivoroen fei, was zu der Annahme berechtige, als sei das .'lädchcn nut 'Rat uno Tal an einem Unternehmen beteiligt geivcfcn, welches das Leben der Frau Skalier faulte ge­fährden tonnen. Sie war bei der Tat nicht zugegen, und es kann favu i.eiis davon bie Rede fein, daß fie zur Ausübung eines lieb- l.ahlS ooer eines ciniachen Raubes Dolf Rat und Tat erteilt habe. In bieiem Sinne bitte er die Geschworenen, ihren Dahr- iprudi zu fällen.

'v.a^tem ber Vertreter der Anklage erwidert und die b r c. y e r t e 1 ö 1 g c r noch einmal gciprochen Haden, erhalten Oie Angeklagten das Dort. Erbe crllart kurz, er habe nicht daran gcban-i, die Frau Walter zu toten. Heinrich Wolf bemerit, er bereue, was er getan, und bitte um ein mildes Urteil. Katharina Dolf weint heuig, will fprechcn, kann aber fein Dort linden.

Nachdem nun der Vorsitzende, Landgerichtsrat B r ü e l, eine 1* t itiuibigc Rcchtsdelehrung an die Geschworenen erteilt hat, ziehen sich diese zur Beratung zurück.

Raa, 1*. 4 Hünbigcr Beratung betteten die Geschworenen den Saal U'ieder, der fid) inzwischen beängstigend gefüllt hat. Unter atemloser Spannung DcrlünDct der Obmann, Buchdruckereibeiiher K ind-Gicßen, den

Dahxspruch der Geschworenen, der für Erbe und Heinrich W 01 i lautet auf schuldig

1. des schweren TtebstahlS,

2. des Mordes unb des schweren Raubes in einer gemeinjam auvgciufarten Tat.

Für den Angektagten Dols sind die mildern den Um­stände bei dem fchiveren Tiebuall verneint, daaeg ul'-.

I c liier Handlungen bei essen habe. Bei ber Angeklagten Katha­rina Wolf mürbe die Beihilfe jum Mord und schweren Raub von den Geichworencn verneint, bie Frage nach B e 1 Hilfe zum einfachen 'Raub bejaht unb ebenso die Frage, ob faieriür mildernde Umstände gegeben seien. Tie Frage nach Hehlerei wurde ebenfalls bejaht.

Ober st aatsanwaltHofmannbeantragte, gegen Erbe wegen Raubmords als allein zulässige Strafe den Tod, wegen des schweren, im Rückfall verübten Diebstahls 5 Jahre 3 u ä> t h a u S unb bauernoen Ehrverlust auszusprechen

Gegen ben noch nicht im itrafmünbigcn Alter ftebenben Öeinridi D ol s ging fein Antrag auf eine Gcsamtstraw von 14 Fahren GefängniS und gegen bie Katharina Dolf auf 4*/r Fahre Gefängnis.

Rechtsanwalt Kaufmann erklärt, für Erbe keinen Antrag stellen zu tonnen.

Rechtsanwalt KochS bemerkt, er halte baS beantragte Straf­maß für Den noch jugendlichen Heinrich Dolf, der unter Cent Einfluß des Erbe gestanden habe, für zu hoch, überlasse es aber dem Gerichtshof, eine geringere Strafe auSzusprechen und einen Teil der Untersuchungshaft anzurechncn.

Rechtsanwalt Homderger hält bie gegen bie Katharina Dolf beantragte Strafe iur nicht angemessen. Er bittet, eine weit niedrigere Strafe auszusprechen unb bie Dauer ber Untersuchungs­haft in Anrechnung zu bringen.

Ter Vorfitzenoe, Lanbger.chtSrat Brüel, verkündet folgendes Urteil:

Ter Angeklagte Erbe ist wegen Raubmord zom Tode verurteilt. Wegen des Diebstahls im Rückfall »st er mit 3 Ja.,rett Zuchthaus, Verlust der burgerlicheu Ehrenrechte auf ^eden zeit unb Polizeiaufsicht zn bestrafen.

Ter Angeklagte Hch. Wolf ist wegen Raubmord unb schweren Diebstahls zu einer GefamtgefängniSstrafe von 11 Jahren zu verurteilen.

Tie Angeklagte Katharina Wolf, welche die Geschwo­renen nur wegen einfachen Raubes verurteilt haben, fei mit 2 Jahren Gefängnis zu bestrafen. Ten beiden rln- geklagten Dolf feien je zwei Monate ber Untersuchungshaft ut Al. »uz »u bringen.

Xie Verteidiger für Heinrich Dolf unb für Katharina Doli erklärten in deren Ramen, bad Urteil annehmen zu wollen LberstaatSanwalt Hofmann erkannte das Urteil gegen Erde und Heinrich Wolf an, behielt sich jedoch eine Erklärung wegen bei Urteils gegen Katharina Doli vor.

Aeutzerlich ruhig nahm Erde sowohl wie Heinrich Dolf dos schwere Urteil entgegen. Ter Angeklagte Erbe beauftragte sosori innen Verteidiger, Rechtsanwalt Mouimann, beim Reichsgcriäu die Revision anzumelben. Er war diesem gegenüber sehr erregt und erklärte, so ruhig lasse er sich nicht köpfen.

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