Ausgabe 
23.11.1911 Erstes Blatt
 
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Wolf ist gewählt. Oberhessen 1, Rodheim--Ober- Rosbach: Dr. Georg von Helmolt, Rechtsanwalt in Meder-Wöllstadt (Bauernbund) 2545, Richard Wittrich, Re­dakteur in Offenbach a. M. (Soz.) 1383 Stimmen. Gesamt­zahl der abgegebenen Stimmen 3928. von Helmolt ist gewählt. Oberhessen 14, Vilbel: Busold, Arbeiter­sekretär in Friedberg (Soz.) 2448, Will, Lehrer in Rendel (nl.) 2216 Stimmen. Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen 4664. Busold ist gewählt.

Deutscher Reich.

Aus Donaueschingen wird gemeldet: Der 'Kaiser, Fürst und Fürstin Fürstenburg sowie die gesamte Jagdgesellschaft unternahmen am Mittwoch vormittag einen Ausflug in Automobilen bei gutem Wetter nach der Burg Hohenzollern. Dort wurde das Frühstück eingenommen, zu dem der Fürst von Hohenzollern nebst Tochter und Gefolge geladen waren.

Ausland.

Tas österreichische Abgeordnetenhaus lehnte in namentlicher Abstimmung mit 268 gegen 189 Stämmen den An­trag ab, in dem die Regierung autgefordert wird, ohne weitere Verhandlungen mit Ungarn jedes Ansuchen um Zulassung der Einfuhr überseeischen Fleisches zu bewilligen und die Einfuhrbewilligung weder der Zeit noch der Menge nach zu be­grenzen. Tas Abgeordnetenhaus nahm mit 259 gegen 183 Stim­men den Antrag an, in welchem die Regierung aufgesordert wird, nach Bedarf für eine nach Zeit und Menge beschränkte Einfuhr von Fleisch aus Argentinien und den Balkanländern dringend Sorge zu tragen. Das Abgeordnetenhaus nahm weiter einen An­trag an, die Regierung aufzufordern, die Verhandlungen mit Ser­bien über Abschließung eines ..Handelsvertrages einzuleiten in dem Sinne, daß gegen angemessene Zugeständnisse Serbien an die österreichische Industrie die Einfuhr von Fleisch aus Serbien ohne Beschränkung gestattet wird.

In der Eartonhall zu London hielten die Anhängerinnen des Frauenstimmrechts eine Versammlung ab, um gegen den Ausschluß der Frauen vom Wahlrecht durch die Wahlgesetz- vorlage der Regierung zu protestieren. Alsdann zogen sie die Bictoriastraße hinunter und versuchten auf den Parlamentsplatz vorzudringen, wurdest aber durch ein Polizeiaufgebot daran ge­hindert. Hierauf gingen die Frauen dazu über, die Fenster des Regierungsgebäudes, der Danken, sowie der anderen Häuser ein- Mschlagen, worauf eine Szene wilder Unordnung folgte. Üeber hundert Verhaftungen wurden vorgenommen. Mehrere hun­dert berittene Schutzleute waren damit beschäftigt, die Ordnung wiederherzustellen.

Ter japanische Botschafter in Berlin, Baron Chinda, wurde zum Botschafter in Washington, und der japanische Gesandte in Stockholm S u g i m u r a zum Botschafter in B e r - l i n ernannt.

Provinzial-Ausschuß der Provinz Oberhessen.

Gießen, 22. November 1911,

Anwesend: Provinzialdivektor Dr. Usinger als Vorsitzender, 7 ordentliche und 1 Ersatzmitglied.

1. Reklamation gcg n die Bürgermeisterwahl tzuGrüningen. Der Rekurs gegen die En.scheidung des Kreis­ausschusses Gießen, wonach der neugewählte Bürgermeister Bingel bestätigt wird, wurde vor der Verhandlung zurückgenommen.

2. Enteignung von Gelände in Gemarkung Saasen zur Verbreiterung der Mittelgasse. In der heutigen Sitzung wurde über die Höhe der zu gewährenden Entschädigung verhandelt. Da aber als Beweismittel benannte Akten des Amtsgerichts Grünberg bis zum Termin nicht ein- getrofsen waren, wurde die Verhandlung bis zur Beschaffung der für die Entscheidung notwendigen Unterlagen ausgesetzt. Ein­geleitete Vergleichsverhandlungen waren fruchtlos.

3. Fasel Haltung in der Gemeinde Ulfa., .Der Ge- meinderat von Ulfa hatte die Faselhaltung an den Wenigst­nehmenden vergeben. Der Bürgermeister war hiermit nicht ein­verstanden und berichtete an das Kreisamt Schotten, daß es sich empfehle, die Fasel dem seitherigen Halter zu belassen. Der Kreisausschuß beschloß, daß dem Protokoll über die Vergebung der Faselunterhaltung die Genehmigung nicht zu erteilen, vielmehr dem seitherigen Faselwärter die Wartung der Fasel auch weiter zu belassen sei. Hiergegen verfolgten vier Gemenrderatsmitglieder Rekurs an den Provinzial-Ausschuß, der in seiner Sitzung vom 16. September d. Js. entschied, daß dieser Rekurs als unzulässig zurückzuweisen sei. Er stellte sich auf den Standpunkt, daß, weil es sich hier um Meinungsverschiedenheiten zwischen Bürger­meister und Gemeinderat handele, der Beschluß des Krcisausschusfes dem Bürgermeister einerseits und dem Beigeordneten namens des Gemeindcrats andererseits zuzustellen gewesen wäre. Dies sei nicht geschehen, mithin laufe die Rekurssrist für den Gcmeinde- rat erst von her formell richtigen Zustellung ab. Andererseits könnten die wer Gemeinderatsmitglieder als Vertreter des Ge­meindcrats mangels eines entsprechenden Beschlusses desselben nicht angesehen werden. Das Kreisamt Schotten veranlaßte alsbald die Zustellung wie vorstehend erwähnt und der Gemeinderat beschloß dann, Rekurs einzulegen. Der Provinzialausschuß gab diesem statt und entschied, daß das Protokoll über die Vergebung der Faselunterhaltung zu genehmigen sei. Er zog dabei be­sonders in Betracht, daß von keiner Seite die Person des neuen Halters beanstandet worden war. Die Kosten des Verfahrens hat die Gemeinde Ulfa zu tragen.

4. Polizeibefcbl gegen Johs. Friedrich Zu­laus von Brauerschwend. Quer über die Straße, in der das Anwesen des Zulauf steht, lief früher eine Mulde, die auf Betreiben des Johs. Lerch II. von der Gemeinde durch einen Rohrkanal ersetzt wurde. Dadurch trat eine Erhöhung her Straße ein und es bildete sich eine neue Mulde vor der Zulaufschcn Hofreite. Um mit seinem Fuhrwerk passieren zu können, füllte Zulaus diese Mulde mit Erde und Steinen aus. Dadurch wurde aber der, Abfluß d^r Abwässer in der Straße aufgehalten. Des­halb erließ das Kreisamt Alsfeld Polizeibefehl gegen Zulauf, indem ihm die Wiederherstellung des früheren Zustandes aus­gegeben hntrbe. Der Provinzialausschuß, an den Zulauf rekur­riert hatte, beschloß, die Akten an das Kreisamt zwecks weiterer Aufklärung des Sachverhaltes zurückzugeben.

5. Klage der Landesversicherungsanftalt Gr. Hessen in Darmstadt gegen die Ortskrankenkasse Gießen. Ueber die Sackte haben wir bereits am 14. v. Mts. berichtet. Damals war die Bes^'lußfassung ausgesetzt worden. Seilte wurde Urteil dahin verkündet, daß der Klage stattzugeben und Beklagte zu verurteilen sei, an Klägerin 144,10 Mk. zu zahlen. Beklagte hat !>e Kosten des Verfahrens sowie eine Ver- handlungSgebühr von 20 Mar? an die Provinzialkasse zu ent­richten.

Au» Stadt uud Land.

Wie1 ph 28 November 1911.

Die Sommersterblichteit 1911.

Nach dem amtlichen Ausweis des Ministeriums des Annern, Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege, sind rn den fünf größeren Städten des Großherzogtums in den Wochen vom 22. Oktober bis 11. November 1911 nur 37 Kinder gestorben. Man darf danach annehmen, daß. die gefährliche Nachwirkung des heißen Sommers nunmehr überwunden ist. Zieht man bereits jetzt ein Fazit der verflossenen 10 Monate des Jahres, so erhält man für die Säuglingssterblichkeit im Jahre 1911 bis 1. November d. I. folgende Prozentzahlen: Mainz = 14,3, Darmstadt = 12,8, Ossenbach = 18,3, Worms = 18,1, Gießen = 9,8 Prozent. Diese Prozentzahlen werden sich für das ganze Jahr kaum mehr erheblich ändern.

Die entsprechenden Zahlen für den Zeitraum 1901190" betrugen: Mainz 19,5, Darmstadt 16,3, Offenbach 17,3 Worms 17,6, Gießen 15,5 Prozent. In den Jahrei 19061910: Mainz 15,3, Darmstadt 13,7, Offenbach 15,8 Worms 14,1 und Gießen 8,8 Prozent.

Daraus ist ersichtlich, daß trotz der kaum noch dage­wesenen ungünstigen Sterblichkeitsverhältnisse dieses Som­mers, die z. B. in Aachen und Erfurt in den heißen Wochen zu einer die des Vorsommers um das 34fachc übersteigenden Sterblichkeit geführt hat, die Säuglings­sterblichkeit in den genannten Städten nicht in dem Maße migenommen hat, wie man denken sollte, und daß sie fogai in Mainz und Darmstadt um zirka 1 Prozent geringer ae wesen ist, wie im Durchschnitt der Jahre 19061910, man allgemein als günstigere Jahre bezeichnet hatte, und daß sie mit dem Durchschnitt der Jahre 19011905 ver­glichen, noch bedeutend günstiger abschneidet.

.Bis Ende des Jahres wird man (auch für die kleineren Städte und Landgemeinden) genauere Jahreszahlen haben Man muß dann dre hesjischen Zahlen und ihr Verhältnis zi den Vorjahren mit den voraussichtlich abnorm hohen Zahlen der.Säuglingssterblichkeit in ganz Deutschland vergleichen, um 'beurteilen zu können, inwieweit die Fürsorgetätigkeit in Hessen genützt hat. Dabei werden Prozentziffern von 2025 Prozent für Städte von der Größe Darmstadts in diesem Jahr außerhalb Hessens nicht selten sein. Hätten z. B. Darmstadt uno Mainz eine solche Säuglingssterblich­keit (statt 12,8 und 14,3 Prozent) zu verzeichnen, so wären in diesem Jahr in diesen 6eiben Städten zirka 400 Säug­linge mehr gestorben.

Uebrigens wissen wir auch für ganz Hessen schon jetzt, daß in diesem Jahre bis zum 1. Juli 252 Säuglinge weniger starben wie in den sechs ersten Monaten des Jahres 1910, nämlich nur 1683 statt 1925 int Jahre 1910 und 2131 im Jahre 1909. Im Juli erst begann die Hitze ihre Opfer zu fordern und vernichtete mehr Leben, als ge­wonnen waren.

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** Tageskalender kür Donnerstag, 23. Nov.: Hansa- bun d. Borirag von Tr. H ü t t in a n n- Berlin: Welche ?\or- dernnqon mutz der Gewerbetreibende an den Reichstags, kandidaien stellen? Abends 9 Uhr nn Hotel Einhorn.

Frauenbund der deutschen Kolonial-Gesell^ schatt. Vortrag van Hauptmann a. D. v. R a m s a y - Reise- Erlebnisse in Ost-Aülka. Abends 8 Uhr im großen Horsaale*der Universität.

Ober hessischer Geschichtsverein. Vortrag von Pros. Dr. H e l in : Religionsanlchaiiungen im germanischen Heidentum Abends 8>a Uhr nn Caie Ebel.

G r a m m o p h o n - K o n z e rt des Alldeutschen Verbandes zum Besten der Deutschen in Ludern und Bluinenau. Abends 8/4 Uhr in Steins Garten. *

** Ordensangelegenheit. Der Großherzog hat dem Oberbürgermeister Dr. Göttelmann zu Mainz die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen oes ihm von dem König von Preußen verliehenen Roten Adler-Ordens 3. Klasse erteilt.

** Lehrer Personalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Schmidt aus Butzbach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Vöckelsbach, dem Schulamtsaspiranten Joh. Ger lach aus Aßmannshausen (Preußen) eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Unter-Schönmattenwag, den Schulamtsaspiranten Ewald Falls aus Neukirchen (Preußen) und Karl Reichard aus Fürth i. O. Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Krumbach.

** Schwurgericht. Behufs Bildung der Spruchliste für (bie am 4. Dezember beginnende Sitzungsperiobe des Schwur­gerichts des 4. Quartals 1911 wurden die Namen folgender Hauptgeschworenen ausgelost: 1. Hch. Karl Koch, Landwirt in Düdelsheim; 2. Wily. Ströbel, Mühlenbesitzer in Vilbel; 3. Beruh. Duchardt II., Sattler in Alsfeld; 4. Phil. Schudt, Gutspächter in Londorf; 5. Hch. Karl Pfnorr, Rentmeister in Londorf; 6. Karl Louis Vogt, Landwirt in Reichelsheim; 7. Friedr. Zöller II., Fabrikant und Beigeordneter in Schlitz; 8. Hugo Rohde, Gutspächter in Düdelsheim; 9. Wilh. Engel, Buchdrucker in Schotten; 10. Wilh. Stessan L, Landwirt in Gettenau; 11. Karl Schott, Kaufmann in Grünberg; 12. Alfr. Buschmann, Rentner in Ober-Rosbach; 13. Julius Philippi, Landwirt in Wohnbach; 14. Friedr. Nathes, Landwirt in Nieder-Gemünden; 15. Jos. Aicher, Prokurist in Hirzenhain; 16. Gg. Emmerich Haustein, Rentner in Friedberg; 17. Hch. Ludw. Langsdorf, Fabrikant in Friedberg; 18. Alfr. Bock, Fabrikant in Gießen; 19. Ernst Kutsch, Professor in Gießen; 20. Hch. Sack II., Fabrikant in Heuchelheim; 21. Nik. Th. Ferd. Ewald, Landwirt in Ockstadt; 22. Kaufmann Isenburger, Pferde­händler in Friedberg; 23. Gg. Weber, Landivirt in Göbelnrod; 24. Wilh. Becker II., Bürgermeister in Holzhausen; 25. Friedr. Häuser III., Landwirt in Nieder-Weisel; 26. (ürmund Rodrian, Gutspächter in Büches; 27. Max Jmhäuser, Kaufmann in Gießen; 28. Job. Phil. Wilh. Kleemanu, Gemeinderechner in Rodheim v. d. Höhe; 29. Julius Schilling, Kaufmann in Schlitz; 30. Gg. Birkenstock, Landwirt in Brauerschwend.

** Der preußische Buß- und Bettag brachte unserer Stadt trotz des schlechten Wetters lebhaften Ver­kehr. Aus den benachbarten preußischen Gebieten waren viele Leute hierhergekommen, die am Nachmittag entweder Einkäufe machten oder die Cafss usw. bevölkerten. Das Stadttheater hielt zwei Vorstellungen. Auch das Kolosseum und die anderen Vergnügungslolale waren gut besucht.

"Von der Poll. Wir machen baraur aufmerksam, daß am 26. November, dem Geburtstage des Großherzogs, die Pollschalter nur wie an Sonntagen geöffnet sind und nur eine einmalige Brief-, Paket- und Gelbbestellung (vormittags) siattsinbet. Die Annahme von Telegrammen unb Gesprächen findet jedoch wie an Werktagen statt.

** Nationalliberaler Verein. Die für Don­nerstag angekündigte Generalversammlung kann nicht an diesem Abend, sondern erst am Freitag den 2 4. November abgehalten werden. (Näheres Annonce.)

* H i l i e für Lusern u n d B l u in e n a u. Alan schreit'! uns: Bei der Neuariiakeit des vom Alleniswen Verband veian- statteten Korne»les für Gießen ist es vielleicht nicht unangebracht bie Ihteile nuferer bedeuiendsten Dlnfifcr wiederziigeben:Tas vorge'übrle Grammophon eiusvricht den höchsten Aniordernnakn. Es flmnt Io, als ob der Sänger neben einem stände, so betulich ticten alle individuellen Eigentümlichkeiten der Stimme und des Vortrags hervor." (Helix Weingartner).Tie Grammophone... lind glanzende Errtmaenschgsten der Neuzeit" (Felir 'Dlotil).Tas Gi ammopdon reproduzierte mit annähernder Volllommenheit, w»n in Klang und Stärke sehr angenehm, so daß ich ihm wohl das Zeugnis ausstellen kann, auch einem empfindlichen Ohre einen an- genehmen Ohrenschmaus bereitet zu haben." (Richard Strauß», öo gewähren die Darbietungen Ihrer Apparate namentlich auf gesanglichem Gebiete auch dem empfindlichen und reizbaren Ohre ei"?" großen (^enub". F»itz Ctembach) ,,. . . und muß sagen, baß icf) im höchsten Grade entzückt war von den Darbietungen dieses Wunderavvarats". (Arthur Nikiich). Der am Donnerstag vorgefiihrte Apparat ist ersten Ranges, die Platten, Gesänge aus den Memersmgern, Lohengrin und dem Ring der Nibelungen geben die Stimmen miseier besten Wagnersanger, wie Kurte, .leinhals. Bender, Moreno unb anderer wieder. Als Znoabe folgen am echlu& zwei Earulovlatten, dasLache, Bajazzo" ans dem Bajazzo und dasAch wie so trüge» isch" aus Rigoletio mit der berühmten turzeu Koloratur in der zweiten Strophe.

* * S t a b 11 h e a t c r. Es sei nochmals daraus hmgewiesen, iaß bie diesmalige Freitagvorstellung aussällt, da am Samstag jarauf zwei Vorstellungen gegeben werden: nachmittagsH ä n s e l und Gretel" bei Volkspreisen und abendsIphigenie in f Tauris" als Festvorstellung zu Großherzogs Geburtstag. Tie Mittagsvorstellung beginnt um 3^2 Uhr, die Abendvorstellung um 71/3 Uhr.

Landkreis Gießen.

«mx. Lick, 21. Nov. In großen Schrecken würde gestern abend eine Frau aus einem Orte des Vogelsbergs versetzt, die von Gießen aus mit dem um 1/2? Uhr abgehenden Zug die Heimreise anaetreten hatte. Sie wollte in Lich aus» steigen und in oer Richtung nach Grünberg weiterfahren. Da im hiesigen Bahnhof das Einfahrtssignal noch nicht ge­zogen war, mußte der Zug oberhalb des Schloßparkes un freien Felde halten. In der Annahme, daß der Zug bereits im Bahnhöfe sei, öffnete die Frau die Wagentüre und stieg aus. Ber oer Dunkelheit stürzte sie mit ihren Paketen den hohen Bahndamm hinab, ohne sich ernstlich zu verletzten. Bevor sich die Frau von ihrem Schrecken erhoL hatte und den Bahndamm heraufkam, fuhr der Zug weiter und ließ sie zurück. Im Bahnhof wurde das Bahnpersonak von dem Vorfall verständigt und man begab sich sofort auf die Suche nach der Frau, die der Gegend unkunoig, leicht hätte verunglücken können.

Kreis Büdingen.

H. dingen, 22. November. Zur Geburtstags- reier des Professors Tr. Friedrich T hu dich um in Tübingen, geboren den 18. November 1831 in Büdingen, hatte die Stadtvertretnng beschlossen, ihn zum Ehrenbürger bet Stadt Büdingen zu ernennen. Bürgermeister Fendt und Gemeinderat Hinkel haben die Urkunde in Tübingen über« reicht. Von den Ehrungen Thudichums hört man noch: er erhielt Glückwunschkundgebungen sämtlicher deutschen Juristen« sakultäten. Der König von Württemberg sandte seinen Flügel« aöjutanten Kabinettschef Frhrn. v. Soden mit einem Blumen­arrangement (den höchsten württembergtschen Orden besitzt Thudichum bereits). Der Schultheis von Tübingen gratulierte, an der Spitze einer Abordnung; ebenso sandte die Stadt Wildbad ein Geschenk und langes Schreiben. Th. war seit 50 Jahren immer Kura ast von Wildbad.

Büdingen, 22. Nov. (Schöffengericht.) Die Händlerin A. T. aus Friedberg hat gegen einen amtsrrchterlichen Straf­befehl toepen Uebertretung der Gewerbeordnung Einspruch er hoben. Sie wurde zu Geldstrafen von 2 Mk. und 5 M., ober je 1 Tag Haft verurteilt. Ter Metzger und Wirt Th. O. in Büdingen wird wegen Viehseuchen-Vergehens (er hatte 2 Schweim von ber Erbacher Mühle nach Bübingen verbracht ohne im Be­sitze eines Ursprungs-Zeugnisses zu sein), zu einer Geldstrafe von 15 Mk. ober 3 Tagen Haft verurteilt. Ter Taglöhner A. W. von Büdingen hatte gegen einen amtsrichterlichen Strafbefehl Einspruch erhoben. Er wurde zu einer Geldstrafe von 1 M. oder 1 Tag Haft verurteilt. Gegen einen Jugendlichen wurde wegen Körperverletzung ein gerichtlicher Verweis ausgesprochen. In der Privatklage des Handelsmannes L. G. in Rohrbach gegen den L. G. in Düdelsheim wegen Beleidigung wurde bie Haupp verhanblung auf Antrag ausgesetzt. In ber Privatklage des H -fkutschers L. Sch. in Büdingen gegen die H. D. Ehefrau roeaen Beleidigung wurde die Hauplverhandlung auf Anttag ausgesetzt und neuer Termin auf den 4. Dezember 1911 bestimmt. Der Taglöhner H. Sch. aus Haincken, ohne festen Wohnsitz, z. Zt. hier in Untersuchungshaft, wird wegen Bettelns in eine Hast­strafe von 3 Tagen und wegen Ruhestörung in eine solche von 1 Tag verurteilt und mit den Kosten belastet. Tie Privat- klage der A. Sch. Ehefrau in Büdingen gegen bie I. Sch. Ehe­frau wegen Beleidigung wurde nach Beweisaufnahme durch Ver­gleich erledigt. Ter vorläufig seftgenommene Schreiner R. Sch. aus Egelsbach wurde durch Polizeidiener Hardt dem Schöffen­gericht vorgeführt, weil er in der Nacht vom 19. auf 20. No­vember l. Js. Ruhestörung verübt hatte. Er wurde deshalb zu einer Haftstrafe von 1 Tag und in die Kosten des Verfahrens verurteilt.

O Hirzenhain, 22. Nov. Im Vogelsberg fiel in der Nacht auf Mittwoch der erste Schnee; allerbN^ bestand er aus einem gut Teil Regen, so daß er nur vor kurzer Dauer war.

Kreis Alsfeld.

X Alsfeld, 22. Nov. In ber gestrigen Stadtvori standssitzung teilte ber Vorsitzende zunächst mit, daß der EinspruchderViehbesitzergegendenVoranschlag wegen Erhöhung des Sprunggeldes von 2 Mk. auf 2,50 Mk. vom Kreisausschuß für begründet und die Erhöhung als unzu­lässig erklärt worden sei. Die vorgelegte Abrechnung über den Alsfelder Prämiienmarkt 1911 wurde genehmigt. Gegen die Stadtrechnung 1910, die zur Kenntnisnahme und Begutachtung vorgelegt wurde, fand man nichts zu erinnern. Zu der von dem Bauausschuß beschlossenen Fortsetzung! des Trottoirs in ber Hersfelder Straße bis zum obersten Teile der Straße wurde nachträglich Genehmigung er­teilt und ber erforderliche Kredit bewilligt. Zur Erhöhung oes F e u e r j ch u tz e s in der Stadt wurde beschlossen, noch zwei Hydranten einzubauen, deren Fehlen sich als mißständin herauS- gestellt hat und zwar in ber Lntherstraße und am Pfarrwieiewveg. Auf Ersuchen be§ städtischen Baubureaus wurde beschlossen, um eine bessere Reinigung ber städtischen Kanäle zu er­möglichen, verschiedene Kanalreinigungsgerätschaften im $ et rage bis zu 200 Mark anzuschaffen. Der mit verschiedenen Fimen über die Unterhaltung derelektrischen Freileitung! abgeschlossene Vertrag wurde genehmigt. Zu dem Wirt- jchaftskonzessionsgesuch des Karl Malkmus wurde die Bedürfnisfrage bejaht, da in dem fraglichen Hause bereits früher eine gutgehende Wirtschaft betrieben wurde und der Gesuchsteller lediglich seinen Wirtschaftsbetrieb an der Marburger Straße in das neue Lokal verlegen will. Die vorgeirommene Wahi der nid)tftänbigen Mitglieder des Schulvorstandes ergab die Wiederwahl der seitherigen Mitglieder. Zu einem Gesuch um Ausstellung einer Wagenhalle außer­halb des Ortsbauplanes wurde Erteilung des nach 8 5 des Ortsbaustatutes erforderlichen Dispenses befürwortet. Be­züglich des Verbindungsweges zwischen Marburger Straßen ndderHohl, über dessen Beschaffenheit Beschwerden eingegangen sind, wurde eine alsbaldige Ortsbesichtigung beschlossen.

? Erpenrod, 22. Nov. Zu den jetzt einsetzenden Holz­macherarbeiten in den umliegenden Waldungen war dieses Jahr ein stärkeres Angebot von Arbeitern vorhanden als sonst; sie konnten nicht alle angenommen werden. In den Riedeselschen Waldungen hauen Italiener wiederum Eisenbahn­schwellen. Es ist verwunderlich, warum unsere deutschen Holz­macher diese gewiß lohnende Arbeit nicht auszuführen vermögen.

X Wensaajen, 22. Nov. Eine seltene Jagd­beute mitten im Dorfe wurde einem hiesigen Jäger zu- leil. Auf der Scheuer eines hiesigen Gastwirtes hatte sich ein Fasan niedergelassen unb wurde beS Jägers Beute. Seit Fasanen in dem nahen Burgwalde ausgesetzt worden find, haben sie sich gut vermehrt.

Kreis Lauterbach.

= Lauterbach, 23. Nov. Die Höhen um Lauter­bach tragen heute vormittag eine ziemlich dichte Schnee­decke.

= Maar, 22. Nov. Der Landwirt Euler und sein Knecht wurden mitsamt Fuhrwerk und Pferden in der Gemeindelehmarube von einer einstürzenoen (gruben* wand verschüttet. Aus ihre Hilferufe eilten etwa 400 m entfernt wohnende Leute herber und befreiten die W*