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2.11.1911 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt

M Jahrgang

Ur. 258

Erschein! S-ttch mH Ausnahme bei Hsnrita-L.

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Der (Genosse Raihmann wie? bem Herrn Direktor nach, daß er Gespenster gesehen Redner charaklerrsiertt aber das D r werslrchc der Handiungsrvise des Direktors selbst, der in der Uniform eines Cbauf'eurs in der Versammlung erscheine nnb sich sogar noch alS Chauifeurlehrling auSgebe Weil aber die Herren Direktoren wahrscheinlich selbst sehr gern in Versammlungen geben, so werde der Dransvorlarbeiterverband in nächster Zeil wieder eine Versammlung einberrrsen und die Direktoren sowie den ganzen Spitzelapparat dazu euüaben.

Die Versammlung mit dem verkleideten Herrn Direktor zog sich bis gegen 3 Uhr bin. In der Zwischenzeit litten sich die Inspektoren «auch die Uran, sowie die übrigen UeberwachungSbeamten entfernt. Wahrscheinli h ha cn sie zu kalte Füße bekommen. Immerhin dürfte es ein nicht dagewesene- Vorkommnis sein, welches auch der Komik nicht entbehrt, daß die Onmibusgesellschast das GcwerkschaftshauS be­lagern labt, um eine Versammlung zu verhindern und daß sie sogar einen Direktor als Chauffeurlehrling verkleidet in die Verfammlung entsendet.

Tie Omnibusangestellten mögen daraus ersehen, wie sehr die Direktion der Gesellschaft den Transportarbcitervcrband fürchtet!

Wir denken, die zahlreichenSpitzel" und der Direktor Schultz haben sich nicht befurchtet. DerVorwärts" gibt selbst zu, daß das noch nicht dagowesene Vorkommnis der Komik nicht entbehrt, und das ist in der Tat. der Haupt­eindruck dieser eigentümlichen Sitzung.

Donnerstag, 2. November M

fUtertonfbtud unb vertag bet vrühlfch« UnwersuLt» Buch- unb etembnidml flt Sangt, ©icfecn.

Redaktion. Exvedition unb Truderet i Vcdnl» ftrafee 7. -rvedmon unb Vertag: ^ÜS» 6L Rebaftwn:«^M, HL. Lel.-Vbc^AnzeigerGleiea,

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n. Mainzer Stadttheater. Aus Main« wird uns geschrieben- Madame Hanako, die bekannte javanische Tragödin, gab gestern mit ihrem Ememble auf unserer Bühne ein Gastwnl, das trop der Unverständlichkeit der oft geradezu grotesken Laute, die Zusckauer, Hörer darf ich wohl kaum lagen, in seitem Banne hielt Eine neue Welt tat sich in neuem Lichte dar. Vor den verwunderten Äugen entfaltete sich das bunifarbene Leben der fernen, plütendurchdufteten Nippon, unb tttne söhne unb mochtet

f*kflefjener ^aefllenblttler4 werden dem ettn4ftgere viermal wöchentlich beigdegl, das Xrtlibkn fBi de, Kreisleien*' zweimal »öchentltch. Dielanbwlrtschattllche» Lett» fragen" erscheinen monatlich iroeimeL

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bewegten sich in leichtem, trippelndem Schritt über die Bretter der Bühne, die in eine Wohnstätte des fernen Ostens gewandelll war. Das Spiel diesersonderlichen Leutchen" zeugte von großer Sicherheit und Bühnengewandtheit, obwohl die Stücke für unser Empfinden vielleicht aus etwas naiver Grundlage ausgebaut sind. Frau Hanako, ein kleines, zartgliedriges Wesen, legte ein glän­zendes Können zutage, dessen herzenswarme Komik in dem zweiten Stücke (O t a f e) zu lautem lachendem Beifall führte. Aber auch in dem ersten Stücke war das Spiel der Künstlerin sie stellte die Courtisane Murasaki dar von echtem, treibendem Leben getragen. Das Gastspiel dauert zwei Tage.

Wippchens Ruhm. Julius Stettenheim, der Witze- Kanzler, der am 2. November sein 80. Lebensjahr vollendet, ist besonders bekannt durch die Erfindung seiner Wippchen-Gestalt geworden, desKriegsberichterstatters aus Bernau", des ewig Vorschuß bedürftigen Flank rers. Tiefer Wippchen ist ein Fr und Höherer und Niederer gewesen. Auch in Bismarcks Hause war er wohlgelitten, rote Stettenheim selbst einmal in seinenH lleren Erinnerungen" erzählt:Als ich vor Jahren in einer Gesellschaft dem Grasen Herbert Bismarck vorgestellt wurde, sagte er mir, daß,wenn Baler krank an das Soia gefesselt sei, ihm die Mutter oder einer der Söhne aus dem Wippchen vorlese, was ihn sehr amüsiere." Moltke erkundigte sich so berichtet er im De­zember 1880 im Generalstabsgebäude bei einem der höheren dort arbeitenden Offiziere, wie es mit einer soeben eing.lausenen, nicht unwichtigen Nachricht aus einem der Donaufürstentümer stände. Als der Offizier erwiderte, daß die Notiz aus einer nicht gerade sehr lauteren Quelle stamme, fragte der große Stratege lächelnd:Sie wird doch nicht von Wippchen fein?" Als im Jahre 1878 der österreichische Ministerpräsident Gras Andrassy zum Berliner Kongreß gekommen war, brachte Stettenheim in denWespen" ein Interview des Ministers aus Wippchens Flunker- feder. Als nach dem Erscheinen des Berichts dann Stettenheim dem österreichisch-ungarischen S aatsmann vorgestellt rour^e, sprach dieser ihm seine Freude aus über das Interview, das ihn- oas liebste sei, das er je gehabt, da er nicht habe zugegen sein müssen.

Kurze Nachrichten aus Kun st und Wissen­schaft. In B o n n ist am 31. Oktober der Neutestamentter, nrb. Professor in der dortigen evangelisch-theologischen Fakultät, Geh. Konsistorialrat Tr. theol. et phil. Friedrich Sieffert, im 68. Lebensjahre gestorben. Eine Versammlung der Vereinigung Südw deutscher Kinderärzte findet am 10. Teiember l I, 12 Uhr, in der Kinderklinik des Stöbt. Krankenhauses zu ^ranffurta. M, statt. In Peters­burg hat ein Geistlicher einen interessanten Racine-Fund gemacht. Er hat ein Buch em deckt, dem er mit gutem Grund den TitelDie Seele Racines" gibt. Es ist eine Sammlung von Maximen und philosophischen Aphorismen.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhesjen

Publikum ist jetzt ganz gewonnen der Berliner hat sie hernm- gefriegt. denke, was das sagen will. Aber auch mein Herz ist an dieser schönen, großen Bühne mit tausend Faden hangen geblieben. In Wiesbaden hatten sic meine Anwesenheit in Frankfurt erfahren rafch setzten sie den Menoniten wieder an und luden mich dazu hinüber. Ich saß in der Loge des Hofrats A d e l o n g , welcher dem Kunsttempel als Oberpriester vorsiebt und kam mir wie Brahma vor, dem göttliche Ehren dargebracht werden Mit Bodenstedt kneipte ich nach der Aufführung. Ich schreibe dir dieses alles, und mir ist zu Mute, als schöpfte ich einige Tropfen aus dem Meere und tagte:das ist der Ozean*. Denn ein Meer von Empfindungen, von Erlebnissen innerer Art enthalten die 8 Tage, da ich unterwegs war. Ein Wiener .stritifer verglich mich neulich mit demD iomedes" in der Ilias ein tapferer Soldat, ein Ritter ohne Furcht, ohne Tadel, aber es fehlte mir der poetische Nimbus des Peliden, das A,ax und des Odvsfeus. Gut denn, ich will sein Gleichnis akzeptieren ich will nichts weiter fein als der Mann, der sich den einen Ruhm zuschreibt, daß er mitten in das Dunkel hineingestürmt tU und dem deutschen Volke zugerufen hatmir. nach, hinter dem Dunkel kommt der Tag". Und erns habe ich von dem Peliden doch: das sind die Myrmidonen, die deutschen Schauspieler, die jetzt von allen Ecken und Enden jauchzend zu­rufen, welche Siege sie mit meinen Stücken erfechten.

Während ich in Frankfurt war, kam mir Kunde aus Balel vom glänzenden Erfolge der Karolinger daselbst. Und nun stehe ich wieder dicht vorOpfer um Lpser".

Am 14 Oktober ist die Schlackt zu Hannover und zum Schlackttag werde ich dort sein. Wieder ein ganz unbekanntes Feld auf das ich trete das erste Stück in Prow zum ersten male soll ich hören, wie meinemoderne" crpracke klingt Denke an mich an dem Tage ich werde Freundes-Gedanken brauchen Ick habe jetzt manchmal ein Gefühl, als ob ich bei lebendigem Leibe verbrennte aber wunderbar dieser Feuertod mt nickt weh Für heute muß ich endigen, damit ich morgen an meinem Lustspiel arbeiten kann. Die Theaterzettel aus Mün­chen, Frankfurt unb Wiesbaden lege ich dir bei. Grütze an die Deinigen trage ich dir auf und an das Herz lege ich dir -Leinen E. v. Bildenbruch."

(Ein Brief UMenbruchs.

Welch leidenschaftlicher Begeisterung Ernst, v. Wildenbruch fähig war und wie diese gehobene Stimmung ictncr Brresprosa dichterischen Sckmmng verlieh, davon zeugt einer seiner lebens-- dollen Briefe an Berthold Litzmann, mit deren Berönentlickung Litzmann im neuen Hefte derDeutschen Rundsckwü fortfahrt. In Frankfurt hatte Wildenbruch der Aufführung vonVater und Söhne" beigewohnt, und fein eigenes Drama hatte fo mächtig auf ihn gewirkt, daß er bald darauf (in einem Briefe aus Berlin voiii 9. Oktober 1882) feinem Freunde Rechenschaft über lern Erlebnis ablegt: . .

Lieber Litzmann, tief in der Nacht es ist mein Schickial, das ich letzt nur in der Nacht dazu gelange, an dich zu imrewen, denn der Tag, der uns sonst die Zeit in 24 abg em ebenen -tropfen einschenkt, hat fick für mich in einen einzigen grotzen schluck verwan­delt tief in der Nacht setze ick mich nieder, um dir von den letzt- vergangenen Dingen zu erzählen. Aus deinem Briete, der mrck in Frankfurt erreichte, habe ick ersehen, daß du weißt, rote e* in München war. Die Aufführung und Inszenierung war man gut, der Erfolg des Harold trotzdem erfreulich. Aber vom Ge­ringeren zum Größeren, von München nach Frankfurt. Ja sie ist also geschlagen, die große Schlackt, das Stück, das aus dem Stahle der Preußischen Waffen zusammengelchmiedet, ist in der Preußenfeiiidlichen Stadt gespielt worden und wie ist es dort verstanden worden. Wenn du die Frankfurter Zeitung gelesen hast, weißt du, wie es war. Als im vierten 51 ne die herrlich inszenierteSchlachtmusik der preußischen Regimenter' erscholl, brach mir f a ft das Herz, als ich mir sagen mußte, daß dieser donnernde Appell an Alles, was Vaterlandsliebe heißt, auf den Bühnen Preußens nichtgehört _roerben soll. .

Tie Aufführung war zum größten Teile vorzüglich! Ganz herrlich Salomon als Ferdinand v. Ingersleben: gut Hottmann als Heinrich, gut beide Frcuien: mir nicht entsprechend Lobe als Valentin Bergmann. Er spielte ihnvernünftig" und darum eben unvernünftig. Die Inszenierung war bis zur zweiten Szene bes 4 ten Aktes ausgezeichnet; diese >L>zene war nicht gut und der letzte Akt sehr schlecht inszeniert und verlor deshalb ganz feine Wirkung In jeder lumpigen Oper haben die deutschen Bühnen Tausende von Statisten auf der Bühne zur Verfügung im ^zitierenden Drama etwa fünf. Das hob indessen die große Total-Dirkung nicht auf, und nach der Aufführung waren wir m einem herrlichen Kreise noch lange unb schön zusammen. Daß du doch nie dabei sein kannst!

Die Neugestaltung hat sich in jeder Hinsicht bewährt, namentlich m der Szene zwischen Heinrich und>elheid im dritten Akt Aw in der ersten szene des vierten AttcS. Die freiwilligen üäga: waren lang yub verständlich genug. Das FranHurler

Line eigen ümliche Sitzung im berliner Lewettschastrhause.

TaS sozialdemokratische Zentralorgan, der , Vorwärts", ist im allgemeinen nicht gerade interessant zu lesen. In seiner DienstagsMummer ist aber ein Artikel,

bet es wegen" seines komischen Beigeschmarkes verdient, daß davon Notiz genommen lvird Der Transportarbeiterver band hatte am 'Samstag die Berliner Omnibusbediensteten lufammenbcrufcn, um Jte wegen der schlechten Lage, in der ,ie sich befänden, fd»arf zu machen. Das scheint nicht recht gelungen zu sein, denn derVorwärts" ftcHt fest, daß nur einige Angestellte im Gewerkschaftshaus am Engelufer erschienen seien, dafür hätten sich aber umsomehrSpitzel" eingefunden. Um die Direktion zu ärgern und sich selbst tu trösten, fügt der Vorwärts hinzu, die Versammlung nach dem Gewerkschaftshaus sei nur anberaumt worden, um die Spitzel irre zu führen; die wirkliche Transportarbeiterver- sammlung sei nach einem andern Versammlungslokal am Kottbuser Tor eingeladen wordenunter Ausschaltung der lenigen Mitglieder, welche von der Direktion bezahlt werden, damit sie Mitglied werden sollen." Ohne uns über die Lohnstreitigkeiten ein Urteil anzumaßen, wollen wir doch den Sitzungsbericht desVorwärts" als inter­essantes Zeitbild wiedergeben:

Abends gegen 9 Uhr erschienen vor dem Gewerkschaftshaufe bann die ersten bon der Direk ion gesandten Ueberwachungs- personen. Nach und nach stellten sich immer mehr ein, so daß gegen 10 Uhr über 20 Inspektoren, Futtermeister, Schreiber - geb'lfen ufro. das Gewcrkschaftshaus belagerten, um jeden An- aest elften zu notieren, der es dennoch wagen sollte, in die V.r- fammlung zu gehen Ein Oberinsp.k.or aus der Gneisenaustiaße hatte sogar seine Frau mitgebracht, rodelte ebenfalls tapfer aus- hielt, damit keinSünder" durchschlüpf.n sollte. Dieser Kvrbon ym das Gewerkschaftshaus genügte aber der Direktion keines­wegs. In die fijerfammliing selbst hatte sie weitere drei Spitzel enttanbt. Die Direktion fdynnt aber ihren Spitzeln nil)t zu trauen, denn in der Versammlung wurde der Omnibus- direktor Schultz als Chauffeurlehrling verklei­det (!) entlarvt.

Der Verbandsleitung war die Ankunft dieses Herrn schon vorher gemeldet, da er aber persönlich nicht bekannt war, so wollte eS erst nicht gelingen, den Herrn herauSzusinden. In­dessen der Kampfergeruch feiner Uniform er hafte sie erst auS der BeNeidungslammer holen lassen verriet ihn. Zuerst iab er sich als Ct)auffeurlehrling aus. Als ihm aber am dem !ovi zuacsagl wurde, wer er sei, leugnete er nicht mehr, ersuchte aber, bleiben zu fönnett, weil er auch sprechen wolle. Das wurde ihm gestaltet. In feinen Ausführungen versuchte er den Nachweis zu erbringen, daß die Verbanosver reter über die Loh - und ArbetkSverh.ttniise der OmnibuSangesteltten nicht genügend orientiert seien und idnlöerlc di Lage des Personals so, wie er . sic durch die Tirek.ionsbrille und unter Berücksichtigung feines \ Gehaltes von 10 000 Mark pro Jahr beobachte hatte. Zum Schluß wollte er feine Aufnahme in den Verband bewirken! Den G.nossen Ra^hmann unb Riedel war es ein leichtes, dem Herrn den Nachweis iu erbringen, daß er falsch unterrichtet werde. Wenn er auch die Angestellten als sehr gesund und gut genährt als Beispiel für seine Behauptungen ansühren wolle, so entspreche das nicht den Tatsachen. Auch seine Ein­ladung an die Genossen Rathmann unb Riedel zu den Festen des Vereins, um sich zu informieren, wie gut gekleidet die Frauen unb Kinder der Omnibusangestellten seien, spreche nicht für die Behauptung des Direktors. Seine Aufnahme in den Verband wurde abgelehnt unb ihm anheimßcgeben, sich im Unter* nebmeruerbanb, welcher für ihn zuständig sei, aufnehmen zu lassen. Aber noch einmal nahm der Herr Direktor alias Chamfeur- lehrftng Sckultz das Wort, um daS besteh.nbe Spitzeltum im Be- triebe zu erklären. Er sagte u. a., daß dies nur ein Wwehr^ mittel sei gegen den Verband. Der Verband habe wohl großen Einfluß auf die Straßenbahnen sowie Hochbahn, weil Die An­zahl der Verbandsmitglieder recht groß fei, nicht aber im Om- nidusbetriebe Die Bevölkerung Berlins könne übrigens der Omnibusgesellschaft dankbar fein, daß sie es bisher verstanden hätte, den Einfluß des Verbandes in den Omnibusbetrieb zu verhin­dern. sonst bitte der Verband im Jahre 1910 einen großen Berkehrsstreik durchgesetzt. ______________________

Au» Staöt und Land.

(ftiei;en. 2. November 1911.

♦♦ Tie hessische Missionskonferenz hielt in Frankfurt a M ihre Jahresversammlung ab, die außer geschäftlichen Mitteilungen einen tiefgehenden, aus unmittelbarer Erfahrung während feiner 30.ahrige.n Mifsionstätigkeit in Indien geschöpften Bericht des Missionsinspektors Lic. F r o h n m c y e r - Bafel über den Ertrag der Missionsarbeit in Indien brachte. Der Redner legte dar, daß der Einfluß des Christentums in Indien immer mehr wachse und bewies seine Ausführungen durch Zahlen und durch Erzählung einiger erst im letzten Sommer auf einer Inspektionsreise in Indien selbstgewonnener Ein­drücke. Seine Ausführungen wurden von den anwesenden Missionaren der Baseler wie der Berner Missionsgesei'sckaft bestätigt. Am Nachmittag sprach Lehrer Gen g nage l- Niederramstadt über die Frage: Was dürfen wir von der Schule für die Förderung des Mifsionsinteresses erwarten? In begeisterter Rede forderte er von dem christlichen Lehrer die Vermittelung von Mifsionskenntnissen in der Sckntle, die, wenn sie ihrer Aufgabe, die Kinder religiös-sittlich zu erziehen, nachkommen wolle, an der Mission, dieser groß zügigen Apologie des Christentums, nicht vvrübergehen dürfe. Der Korreferent Pfarrer Weber-Lang-Göns wünschte die Herausgabe eines nicht zu umfangreichen Handbuchs für die Hand des Lehrers und eines Abrisses für die Schüler. Letzterer wurde von Pfarrer R ö m h e l d-Pfungstadt der Versammlung vorgelegt.

♦♦ Der akademische Ausschuß für Leibes­übungen, der im Sommer 1910 von dem Rektor der Ludovieiana eingesetzt wurde und aus mehreren Dozenten besteht, hat, wie man uns schreibt, in diesem Semester seine Tätigkeit mit dem Turnen wieder aufgenommen. Solange wir den beklagenswerten Mangel- an großen Türn- l-allen hier haben, muß sich die Universität mit einem Abend (Donnerstag ab 81/2) begnügen. Hoffentlich kann sie bald den Studierenden häufiger Gelegenheit zum Türnen bieten, das doch stets die unerläßliche Grundlage aller Leibes­übungen bleibt und durch keinen Sport je ersetzt werden wird. Freilich ergänzt dieser das Turnen, und es ist zu bedauern, daß unsere Studenten von der Gelegenheit hierzu Montag nachmittag aus dem schönen Spielplatz an der Marburger Straße) keinen Gebrauch machen. Umsomehr dürfen die Turnabende in der Halle des Realgymnasiums auch in diesem Winter wieder auf lebhaften Zuspruch rech­nen. Wer einmal'das fröhliche Treiben unter der Leitung

W v-, iilm h. N ieseck!

s einer gtmti er Gruppen bittj mbc bci der a ihre Stimmen?

des Universitäts-Turnlehrers Dill mitgemacht und ge­sehen hat, daß der völlig ungewandte ebenso auf feine Rechnung kommt wie der ausgebildete Turner, der bleibt erfahrungsgemäß dem Turnen treu. Ebenso sollten auch die Spaziergänge wieder guten Zuspruch Haden: der erste ist auf Samstag, 11. November (2.07 Uhr Lollar > festgesetzt. Glücklicherweise findet ja in einzelnen Kreisen unserer Stu- dentcnschast die Freude an Leibesübungen wieder mehr nnb mehr Eingang. Aber wieviel kann und muß doch noch geschehen, um dieser heilsamen Gegenwirkung gegen unfet nervenzermürbendes Leben zu ihrem vollen Recht zu ver­helfen!

* Die Freiwillige Gail' scke Feuerwehr hielt nm Sonntag ihre Schlußübung, verbunden mit bet Ein- ro c i h 11 n g ihres neuen Spritzenhauses, ab. Um 2> * Uhr erfolgte auf OSwaldSgarten die Besichtigung der Wehr durch bte Vertreter der Regierung, der Stadt, des Stadlvorstandes unb den Brcinbdirek.or Auch Vertreter der Gießener Freiwilligen Feuerwehr unb der Freiwilligen Feuerwehren von Heuckclheiiii, Rodhcim unb Großen-Lindcn waren erschienen. Nachdem die ein­zelnen Geräte vorgeiührt waren wurde ein Brandangriff auf die Svoerhafc'sch' Fabrik in der Steinsttaße unternommen, bet <i!S durchaus gelungen bezeichnet werden kann Während der .stritik des Branddirektors schmückten die Mannschaften ihre Ge­räte und c3 erfolgte sodann der Einzug in das Spritzenhaus. Hier überreichte Geh. Kommerzienrat Gail dem Kommandanten/ Prokurist Wenzel, in einer Ansprache den Schlüssel. Herr Wenzel dankte namens der Wehr und gab dem Wunsche Ausdruck, daß das neue Spritzenhaus ein Ansporn zur weiteren Entnncklung der Wehr, zum Schutze der Stadt imb yur Ehre des Hauses Gail sein möge.

** T i e r a s.i e r t e G a n s. Ein seltenes Geschick wider­fuhr kürzlich einer Gans in einem Orte des Vogelsbergs. Die Hausfrau, erbost über die vielen hartnäckigenStop­peln", entsann sich zur rechten Zeit, nnc man andere Stoppeln rafch und lercht beseitigen und die unangenehme Rauheit der Haut in zarte Glätte verwandeln kann. Sie holte den Patent-Rasierapparat ihres Eheliebsten und rasch war das^ Gänschen es muß doch wohl ein OUinserich gewesen sein sein und glatt. Ob das Gäns­chen vorher aucheingeseift" wurde'? Jedenfalls soll der Braten vorzüglich gemundet haben! Wozu man doch einen Rasierapparat nicht alles gebrauchen kann! Die Fabrikanten sollten sich diese großartige Reklame nicht entgehen lassen.

KreiS Alsfeld.

X Mücke, 1. Nov. Kürzlich wellte ein Postinspektor hier­um die P 0 st v e r l e g u n g an den 7,16 Uhr nachmittags von Alsfeld kommenden Zug zu prüfen. Tie Post schließt i'citb r und letzt an den nachmittags um 6,46 Uhr hier von Gießen ein* iressenden Zug. Würde die Verlegung der Post an den Alsfelder Zug stattt'inden, so müßten die Reisenden, die auf Postbeförderung rechnen, eine halbe Stunde länger warten.

§ Ruppertenrod, 1. Nov Die Verwirklichung des viel­besprochenen Cbmtalbabnprofeftd ist nach der Darlegung des Landtagsabgeordneten Brauer in nicht absehbare Ferne gerückt. Die (Äil'enbaiynbaufirma Lenz u. Co. in Berlin, die den Bahnbau ausführen wollte es hing nur noch an einer kleinen Deckungs­summe ist durch die Erfahrungen, die sie mit der Bahnlinie GrünbergLich gemacht bat, nicht mehr geroillt, die Bahn zu erbauen. Nicht an der schlechten Finanzlage Hessens liegt, wie man vielfach glaubte, die Nichtausftlhrung des Projektes, der Staat halt die gemachte Zw'age, sondern nur an genanntem Umstande. Auch das Bahnprojekt MarburgMücke, das in den nächsten Jahren ausgeführt werden sollte, ist wieder in rückläufige Bewegung getreten.

. Kreis Schotten.

O S e l l n r 0 d, 31. Okt. Dieser Tage wurde das in unserem Ort neuerbaute Christliche Gemeinschaftshaus der Chri- schonagemeinde eingcweiht. Es ist dies das erste Ver­sammlungshaus dieser Gemeinschaft im Vogelsberg. Das Ge­bäude, ein recht stattlicher Bau, mit anschließendem Versamm- lungssaal, steht am Ostausgang des Dorfes, an dem Weg nach Bobenhausen. Zahlreich hatten sich die Angehörigen der Ge­meinde zur Einweihung eingefunden, zu der Redner and Gießen, Marburg und von hier die Weihereden hielten. Ein Posaunenchor

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