Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Line geologische Uederraschung auf -er 3nfel Rügen.
Für die deutschen Geologen ist die Insel Rügen immer ein besonders fesselnder Forickungsgegenstand gewesen. Es gibt wohl keine andere Stelle deutschen Bodens, wo die um* gestaltenden Kräfte der Eiszeit besser studiert werden rönnen, weil dort neben den Ablagerungen dieses Zeitalters in den mächtigen Krcidetlippen des nördlichen Teils auch noch ältere feste Gesteine vorhanden sind. Dadurch hat sich besser als anderswo seststcllen lassen, daß der Truck der gewaltigen Eismassen erhebliche Umgestaltungen des Untergrunds l)ervorgerusen, große Kreideschollen weiter geschleppt und allerhand Stauchungen und andere Störungen verursacht har. Der Geologe der Uniocrfttät Greifswald Prof. I a e ck e l hat während der letzten vier Jahre der Insel Rügen eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet und ist dabei zu Ergebnissen gelangt, die einen ganz neuen und überraschenden Ausschluß über die geologischen Verhältnisse geben. Besonders maßgebend für die,e Schlußfolgerungen war ein Profil am Steilufer der Halbinsel Jasmund, wo Äreidejchichten und überlagernder Gletscherlehm und Ge- jchiebemergel nebeneinander stehen. Aus der Zeichnung, die Professor Jaekel in Monatsberichten der Teutfchen Geologischen Gesellschaft veröffentlicht hat, geht klar hervor, baß die Erdoberfläche an jener Stelle noch nach dec zweiten Eiszeit eine durchgreifende Umgestaltung erfahren hat. Sie muß nämlich durch »veitgehende Brüche zersetzt und dann gegeneinander verschoben worden sein. Tas ganze Gebiet der Halbinsel Jasmund ist nach der Äuisassung von Professor Jaekel in jener Zeit zertrümmert und durch Brüche in Längsstreifcn zerlegt worden, die dann gegen das Meer hin beiderieits stas,elsörmig absanken. Nun sand noch eine dritte Vereisung statt, die auf das so zerrüttete Gelände traf. Dadurch mußte der Eisdruct aufs beste zur Geltung kommen, was in der Weise geschah, daß die frühere Bedeckung mit Gletscherleym sorcge.e^t und mir andern Ablagerungen durch einander gemengt wurde. Außerdem schleppte das Eis, wie schon gesagt wurde, große abgerissene Schoben der
aber die Stimmen für den Kandidaten der rechtsstehenden Parteien abgeaeben. TaS ist gewiß erfreulich: aber man darf daS gestrige Ergebnis nicht als vorbildlich betrachten. Die Wähler Korells waren durchaus nicht sämtlich überzeugte und in der Wolle gefärbte Freisinnige und Fortschrittler. Es waren viele politisch ungeschulte Leute darunter, die auf keine Partciparole eingeschworen waren.
Tas Hauptzentrumsblatt, die „Germania" schreibt:
Da die Fortschrittler für die Stichwahl die Parole ausgegeben batten: Für den Sozialdemokraten, und da man nicht glaubte, daß die Nationalliberalen der mühielig zustande gekom- menen Parole: Für Werner, folgen würden, so schien der Sieg des Sozialdemokraten nicht zweifelhaft zu sein. Er bat aber nur 3646 Stimmen in der Stichwahl zugewonnen: also haben bei weitem nicht einmal alle Fortschrittler für ihn.geslimmt. Tie Zahl derjenigen, die es getan haben, vermindert sich noch, wenn man annimmt, daß auch einige Nationalliberale sozialdemokratisch gewählt haben. Werner bat 4611 Stimmen mehr als in der Hauptwahl erhalten. Auch wenn seine Partei noch einige Reserven ausgebracht haben sollte, so ist es doch ausgeschlossen, daß es so viel gewesen seien, und da die 2512 nationalliberalen Stimmen, selbst wenn sie sämtlich für Werner abgegeben worden wären, längst nicht ausreichcn, so bleibt nichts übrig, als das; etwa 2000 Fortschrittler für ihn gestimmt haben müßen.
Während die „Köln. Ztg." wiederholt das Eintreten für Tr. Werner mißbilligt, sagt jetzt auch die partciamt- liche „Nationalliberale Korrespondenz" deutlich, daß die Parole für den bürgerlichen Kandidaten geboten war:
Die gestrige Stichwahl in Gießcn-Nidda hat das erfreuliche Ergebnis gezeitigt, daß das Mandat vor dem lieber- gang in sozialdemokratische Hände bewahrt bleibt, womit der Zweck der von der nationalliberalen Wahlkreisorganisation aus- gegebenen Parole erfüllt ist. Es konnte und durfte die Persönlichkeit des bürgerlichen Mandatbewerbers die Gießener Wählerschaft nicht abhalten, im Interesse der bürgerlichen Solidarität gegen die Sozialdemokratie selbst dieses schwere Opfer zu bringen.
Tie „Freisinnige Zeitung" macht nur folgende kurze Bemerkung:
Wie der Ausgang zeigt, ist es in Gießen zu einer „falschen" Stichwahl gekommen, so daß schließlich die Reaktion in ihrer unangenehmsten Gestalt, im Radauaniisemitismus den Erfolg da- vongetragen hat. Wir hoffen, daß es dem Liberalismus möglich sein wird, bei der nächsten Wahl den Kreis den Antisemiten zu entreißen.
Die für die fortschrittliche Politik tätige „Bossische Zei- Lungt" tröstet sich mit folgenden Bemerkungen:
Die Parteien der Rechten haben keinen Grund, über den Ausfall der Wahl in Gießen zu frohlocken.' Tie Antisemiten haben in dieser Legislaturperiode schon vorher bei den Reichstags- ersaßwahlen in Eisenach (an Stelle von Schack) und in Zschopau- Marienverg (an Stelle des verstorbenen Abg. Zimmermann) zwei schmerzliche Niederlagen erlitten, denen nirgends ein Erfolg gegen- nbcrstand. In Gießen ist es ihnen zum ersten Male in dieser Legislaturperiode gelungen, wenigstens ein Mandat zu behaupten. Tie Konservativen und ihr bündlerisch-christlich-sozial-antisemitischer Anhang haben seit 1907 nicht weniger als sieben Mandate verloren. Emden-Nordau und Labiau-Wehlau an die Freisinnigen! Siegen-Wittgenstein und Oletzko-Lyck an die Na- tionalliberalen, Eisenach, Zschoppau-Atarienberg an die Sozialdemokraten, Alzey-Bingen an das Zentrum, das seinerseits Jm- menstadt an die Nationalliberalen abgeben mußte. Terart ist die konservativ-klerikale Mehrl)eit, die — der Uebergang des bünd- lerischen Mandats in Alzey-Bingen an das Zentrum kommt nicht in Betracht — bei keiner einzigen Reichstags-Ersatzwahl gegenüber den Parteien der Linken einen Erfolg errungen hat, in vier Jahren um sieben Mandate schwächer geworden: von 216 auf 209 Mitglieder zurückgegangen. Sie nähert sich also schon jetzt bedenklich der Grenze, wo unter 397 Mitgliedern des Hauses die Mehrheit zur Minderheit wird.
Tas „benwiradjaje „Berliner Tageblatt" nennt das Ergebnis „in höchstem Grude bedauerlich und geradezu schmachvoll" und fährt bann fort:
DaS Resultat ist, was man nicht verschweigen kann und soll, deswegen besonders beklagenswert, weil auch ein Teil derjenigen
Eine Erklärung der NakionalltberaleUc
Die Geschäftsleitung der nationalliberalen Partei bittet uns um Aufnahme folgender Erklärung, die wir gestern leider nicht mehr unterbringen konnten:
In Nr. 66 der .Freis. Ztg/ wird behauptet, daß der erneute Entschluß der N a t i o n a l l i b e r a l e n bez. der Sttchwahlparole „dadurch zustande gebracht worden ist, daß au der Sitzung nicht al le Mitglieder des nationalliberalen Wahlausschusses eingeladcn worden sind, sondern nur diejenigen, von denen man von vornherein annahm, daß sie für Werner zu haben waren'.
Tiese Behauptung ist eine g r o b e Unwahrheit und eine 1 ch w e r e Verleumdung der geschaitsführenden Vorstandsmitglieder. Wir stellen auSbrüdlid) lest, daß gemäß dem Beschluß der Vertranensmännerversammlung vom 28.Januar l.Js. sämtliche Mitglieder des Wahlkreisoorsiandes und des engeren Vorstandes des nationalliberalen Vereins zu Gießen zu der entscheidenden Sitzung eingeiaden waren. Wir stellen weiter fest, daß diese Körperschaft keinen neuen Beschluß gefaßt hat, sondern denjenigen der Vertrauensmänneroersammlung vom 29. Januar auf Unterstützung des bürgerlichen Kandidaten zur Autziührung gebracht hat, indem sie den Antrag aus Einberufung einer neuen Vertrauensmännerversanimlung ablehnte.
Wähler, die im ersten Wahlgang für den fortschrittlichen Vollspai teilet, den Pfarrer Korell. gestimmt, in der Stichwahl der Parteiparole nicht gefolgt, sondern der Abstimmung ferngebliebci'. ober sogar zu bem antisemitischen Kandidaten übergegangen ist. Selbst wenn man das Verhalten eines Teiles der Kvrellscheu Wähler, das nicht zu entschuldigen ist, wenigstens er erklären will, so wird man zweierlei erwägen müssen. Zunächst und vor allem: das Stück spielt in Hessen, in der festesten Hoch bürg des Antisemüismns, auf einem Schauplatz, wo man bisher einen wirklichen Liberalismus überhaupt kaum gekannt. Sodann der sozialdemokratische Kandidat, der Kassenkontrol leur Beckmann, war eine recht ungeeignete Persön lichkeit, und so sehr man seine Wahl auch zu fördern suckle, weil sie die Niederlage des schwarz-blauen Kandidaten bedeutet hätte, so sehr muß doch betont werden, daß ihm jene Werbekrait fehlte, die einem bürgerlichen und bäuerlichen, biSlnw an da» Zusammengehen mit den Sozialdemokraten nicht gewöhnten Publikum über die Abneigung und Bedenken hinwegliclfen kann. Es ist auch für den Ausgang der größeren Wahlschlacht, die un» bevorsteht, überaus nachteilig, daß die sozialdemokratische Partei leitung sich daraus versteift, fast überall Kandidaten auszustellen, die persönlich und geistig wenig oder nichts bedeuten, nur gut gedrillte Parteibeamte sind.
Der fozialdcmolratiiche „Bo r w ä r t s" kommt über die Niederlage des Genofjen Beckmann mit dem .Hinweis hinweg, daß Reichstagsmandate doch nur dann voll zu schätzen seien, wenn sie aus eigener Kraft gewonnen würden. Zugleich tadelt und charakterisiert er die Wahlagitation des fort- schrittlichen Kandidaten Korell. Das Blatt schreibt:
In Gießen ist heute der Antsieinit Werner gewählt worden. Er hat die Stimmen der National liberal en wohl vollständig bekommen unb von den freisinnigen Wählern muß beinahe ein Drittel entgegen der Wahlparole ihrer Partei dem Re- Präsentanten der schmutzigsten Nuance des schwarzblauen Blocks Den Vorzug vor dem Sozialdemokraten gegeben haben. Das bürgerliche Besitzinteresse fat über das freiheitliche Ideal auch bei bat Freisinnigen einen glänzenden Sieg erfochten. Wir bedauern leinen Moment den Verlust dieses Mandats, das uns sicher hätte zufallen müssen, wenn die Liberalen ihre Pflicht ebenso erfüllt hätten wie die Sozialdemokraten eS getan haben, wo immer Liberale im Kampfe gegen den sclstvarz-blauen Block gestanden haben. Betracksten wir doch Reichstagsmandate nur als Symptome unserer Stärke und sckstitzen sie nur dann voll ein, wenn sie aus eigener Kraft errungen sind. Aber wir begrüßen die Klärung. An der Disziplinlosigkeit der Liberalen mag auch die Art der freisinnigen Agitation nicht ohye Schuld gewesen sein. Herr Korell hat mehr auf die Zahl ber Stimmen gesehen, als auf die Gesinnung seiner Wähler und hat namentlich den schutzzöllnerischen Vorurteilen mehr als erlaubt Rechnung getragen. Jetzt hat es sich gezeigt, daß mit so gewonnenen Scharen nicht viel Staat zu machen, .ist. Mir gewonnen^ so, zeronnen..
durchaus ungewöhillich dar. Es handelt sich um ein Riesentier aus der Familie der Dinosaurier, der überhaupt die größten Reptilien zugehören, insbesondere um einen Vertreter der Jguanodonten, die sonst vorzugsweise aus der belgischen Kreide bekannt geworden sind. Tas Tier ist nicht nur mit seinem Kiwchengerüst, sondern auck mit einem großen Stück seiner Haut erhalten geblieben, die um die Glieder zusammengeschrumpft, dicht um die Knochenober- flächen zusammengezogne und schließlich in der Gegend der Brust wie ein großer Vorhang gefaltet ist. Ta noch niemals zuvor etwas ähnliches bei den Resten eines seit so langer Zeit ausgeftorbeaien TierS beobachtet worden ist, müssen wohl besondere Gründe zu einer so volltommenen Erhaltung vorgelegen haben. Professor Osborn nimmt an, daß jenes Reptil, nachdem es eines natürlichen Todes gestorben mar, eine Zeitlang auf einer Sandbank in einem Fluß gelegen habe, bis es burrb und durch ausgetrocknet war. Die Ham, die nun hier zum ersten Male einer Untersuchung Borge legen hat, zeigte sich mit Warzen von verschiedener Größe bedeckt. Tie Oberschicht ist auffallenb dünn, ein Umstand, der zu der Annahme führt, daß diese Reptilien den größten TeilZhrcr Zeit im Wasser selbst verbrachten. Darauf deutet auch die Tatsache, daß auch die vorderen Gliedmaßen, die im übrigen sehr klein sind, feine Klauen oder Hufe tragen, sondern in ein breites Hautstück ausgehen, da» die Finger flossenartig verbindet. Terart gestaltete Seine konnten keineswegs sonderlich geeignet zum Gehen auf festem Lande fein. Die Haut ist außerdem auf der Unterseite des Körpers ebenso zart wie auf der oberen Seite. Es ist ein ganz gewaltiges Gejchjpf gewesen, dessen Länge ungefähr 9 Meter und dessen Höhe 4\'-2 unb 5 Meter betragen hat.
— Kurze Nachrichten äusKunst n. W i s s e n s ch a f t. Vom 19. bis 22. April wird zu Wiesbaden unter dem Vorsitze des Herrn Geh. Rat Pros. Tr. Krehl Heidelberg) der 2 8. Deutsche Kongreß für innere Medizin tagen. Die Sitzungen finden im Neuen Kurhause statt. — Als nachträgliche Gabe zu dem kürzlich unter allgemeinem Anteile begangenen 90. Geburtstage des Freiherrn Rochus von Lilienerou, des Sammlers der geschicyl liehen Volkslieder der Teutfchen, er scheint bei Breitkopf und Härtel in Leipzig eine Festschrift, die ihm von den Vertretern deutscher Musikwissenschaft überreicht wird. Zu den 33 Beiträgen dieses stattlichen Bandes haben sich die bedeutendsten Foncher vereinigt, die Deutschland auf t- in Gebiete der Musikgeschichte unb Musikwissenschaft gegenwärtig besitzt.
preffeftimmen zur Eichener Stichwahl.
Das Ergebnis der Stichwahl in unserem Wahlkreise Gießen-Grünberg-Mdda beschäftigt natürlich die ganze deutsche Presse. Da man vielfach nicht recht darüber unterrichtet ist, wie die Wähler des Pfarrers Korell auf dem Lande sich zusammensetzten, ist die allgemeine Ueber- raschung umso größer. Einzelne Blätter, darunter der „Vorwärts", wissen eS aber schon, daß die fortschrittliche Volkspartei nicht über 5000 Stimmen verfügte. Wir wollen übrigens bei genauerer Nachrechnung billigerwcise zuaeben, daß nur etwa 1500 Wähler Korells jetzt zu Dr. Werner übergegangen sein mögen. Interessant ist, wie der „Vorwärts" sich für die fortschrittliche Stichwahlhilfe bedankt. Und ein famoses Gegenbild findet man im „Berliner Tageblatt, wo der Spieß umgedreht und behauptet wird, dabei sei es „gerade der „Vorwärts" mit seiner Ungeschicklich« feit und Verbohrtheit gewesen, der immer wieder die Phalanx der Linken, die ein Gebot der politischen Notwendigkeit sei, durchbrochen habe". Da daS B. T. ziemlich heftig auf die „Beckmänner" als „sehr wunden Punkt der ganzen sozialdemokratischen Wahlmache" schilt, wird diese Anmaßung schwerlich unerwidert b.eiben. Sehr komisch ist es, daß Blätter wie das B. T. jetzt auch zur Einigung im Liberalismus blasen, nachdem sie vorher den National- liberalismus nach Kräften verhöhnt und beschimpft und seine bedingungslose Unterwerfung gefordert hatten.
Die konservative „Kreuzztg." freut sich und stellt Betrachtungen für die Zukunft an:
Diese- Ergebnis ist erfreulich. Nicht allein aus dem Grunde freuen wir und darüber, daß der Wahlkreis den rechtsstehenden Parteien erhalten geblieben und daß überhaupt ein neuer Mandatgewinn für die Sozialdemokratie abgewehrt worden ist, sondern hauptsächlich deshalb, well in der liberalen Wählerschaft das Bewußtsein aufzudämmern beginnt, daß die fort» sclnittliche Volkspartei ein schnödes Spiel treibt, ivenn sie daraus ausgeht, ein bürgerliches Mandat nach dem andern aus- luliejern. Wenn, wie wir zu hoffen wagen, die liberale Bürgerschaft sich weder von den Umschlingungen der fortschrittlichen Helsershelfer der Sozialdemokraten befreit und sich selbständig zeigt, bann muß es gelingen, bei den bevorstehenden Reichstagsneu wähl en die überspannten Erwartungen der Roten auf einen ungeheuren Mandatsgewinn zu zerstören.
Auch die freikonservative „Post^ legt dem Ergebnis „eine gewisse symptomatische Bedeutung" bei:
Er zeigt, dalß die fortschrittliche Wählerschaft wenigstens zum Teil polmsch reifer und vernünftiger ist, als die in der Partei leitenden Elemente. Aehn liche Erfahrungen haben zur Zeit Eugen Richters die Freisinnigen schon einmal gemacht. Auch damals fand der Versuch, die freisinnigen Stimmen in der Stichwahl den Sozialdemokraten gegen rechtsstehende Kandidaten zuzuführen, nur sehr geringen Anklang bei der freisinnigen Wählerschaft. Die Kleinbürger, welche das Gros derselben aus- machen, waren nicht zur Abgabe sozialdemokratischer Wahlzettel zu bewegen. Zum Teil liegen nach dem Gießener Vorgänge die Sachen jetzt noch ebenso. Man wird auch in der Folge wohl, wenigstens an vielen Stellen, damit rechnen dürfen, daß die sortschrittlichen Stimmen nicht vollzählig für die Sozialdemokraten in die Wagschale geworfen werden.
Die agrarische „T e u t s ch e Tageszeitun g" urteilt, ziemlich viele Wähler, die sich durch die einschmeichelnden Reden des Pfarrers Korell hätten fangen lassen, feien bei der Stichwahl vernünftig geworden uno hätten den fortschrittlichen Führern die Gefolgschaft aufgesagt:
Die für den nationalliberalen Kandidaten bei der Hauptwahl abgegebenen Stimmen scheinen sämtlich dem Kandidaten der rechtsstehenden Parteien zugute gekommen zu sein. Die Wähler des Pfarrers Korell sind in der Mehrzahl zu dem Sozialdemokraten abgeschwenkt: eine immerhin beträchtliche Minderheit hat
Kreide mit sich und verlagerte sie an andere Stellen. Aehn- liche Verhältnisse sind schon längere Zeit von der interessanten kleinen Insel Möen bekannt, deren Sstuser gleichfalls Kreidekltppen aufweist, die jeder gesehen hat, der bei Tage eine Seefahrt nach Kopenhagen gemacht hat. Tie neue Annahme, wonach diese Störungen erst in einer späteren Epoche der Eiszeit eingetreten sind, führt noch zu weil wichtigeren Folgerungen. Es wird danach nämlich wahrscheinlich, bau die in Pommern zaylreich auftretenoen Partien aller Gesteine aus der Tertiär-, Kreide- und Jurazeit auf ähnliche Weise an ihren jetzigen Lagerungsort gekommen sind, nämlich als Schollen, die von dem Eise der letzten Vereisung losgerissen und verschleppt wurden.
— Der Jffland-Ring für Albert 23 aff ermann. Der Ring Inlands ist von Friedrich Haase an Albert Basser- mann vererbt worden. „Tiefer Ring dem Würdigsten!" — so hatte einst August Wilhelm Jssland, der berühmte Berliner schauspieler und Theaterdichter, in feinem Testament über einen eisernen, reich mit Tiamanten gcsu müctten Ring bestimmt, der sich in seinem Besitz befand. Immer der bedeutendste deutsche Schan- Ipieler sollte den Ring erhalten, und ein Minutturbild Inlands war ihm beigegeben. Nach Inlands Heimgang war der 9iing in den Besitz von Ludwig Tevriem gekommen. Danach erbte ilpt Emil Tevrient, von bem er an Töring gelangte. Theodor Törmg dererbte ihn an Friedrich Haase. Haase hatte urivrünglich für diese Erbschaft Müterwurzer, danach Mattowskv, ipäier Kainz ni Aussicht genommen. Sie alle sind vor ihm ins Grab gesunken. Rach Besprechimg mit einigen literarischen Freunden hat Haase zuletzt die Bestimmung geiroifen, der Ring solle Albert Basser- mann zufallen. Mit dem entsprechenden Briefe Haases wurde er von Haases Testamentsvollstrecker Juuizral Pcicl-aeliS am Sonntag Bassermann übergeben.
— Eine Mumie aus der Kreidezeit. Selbstverständlich nicht etwa eine menschttche, da es Menschen damals auf der Erde noch nicht gab, sondern eine Tiermumie, und zwar eine solche natürlicher Emstehung, ist im amerikanischen Staat Kansas aufgefunden worden. Zhre Unterjuamng hat der beste Kenner der ausgeswrbeiren SSirbemcre in America, Professor Osborn, übernommen gehabt und ihre Ergebmste ietzl in dem ttmerttaniichen Museums-Journal beschrieben, Der Fund stellt sich danach als
nr. 70 Erster Blaff W. Jahrgang Donnerstag, 25. Mar; M
Der «leftener awjdg« A X^T 9 monatlich?!^" tettek-
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