bis 1909 in der Rechtsschutzstelle für Frauenschutz in Frank- furt tätig und danach im sozialen Museum in Frankfurt beschäftigt war. — Wie jetzt festgestellt worden ist, betragen die Unterschlagungen des durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Vorstehers der Invalidenversicherungsstelle. Ripper, 9769 Mk. Man hatte anfangs versucht, die unterschlagene Summe von den Hinterbliebenen auf dem Klagewege wieder zu erlangen. Da aber die Klage aussichtslos'erscheint und der Stadt bis jetzt bereits 994 Mk. Kosten entstanden sind, wurde beschlossen, die Klage aufzugeben.
Hessen-Nassau.
= Fulda, 26. April. Eine 60 Jahre alte Witwe Reith, die seit längerer Zeit Spuren von Geistesstörung zeigte, wurde gestern nachmittag in ihrer Wohnung verbrannt aufgeflinden.
L 11. Landesuniversität. Für das Sommersemester 1911 künden die Doktoren Dannemann, Friedrich, Glaue, Groos, Mittermaier, Sommer einen Kursus über Jugendfürsorge für Hörer aller Fakultäten an. Eo werden lesen: Dr. Groos über Psychologie des Jugendalters, am Freitag, 5. Mai; Dr. Mittermaier über ©trafred)t unb Zwangserziehung, am 12., 19., 26 Mai; Dr. Friedrich über das Strafverfahren gegen Jugendlid)« und die Jugendge-rrchte (Geschichte, Rechtsvergleichung, neuere Entwürfe), am 2., 16. Juni; Dr Sommer über die klinischen Formen de§ auHedovenen SchavachjiunS, am 23. Juni;
Gießener Strafkammer.
Gießen, den 25. April 1911. Eine Wirtschaftskonzession unter Bedingungen.
Dem Eigentümer eines hiesigen Automatenrestaurants war vom Kreisausjchiitz aus erfolgte Reklamation die Konzession zum Wirtschaflsbclriebe unter der Bedingung erteilt worden, daß das Lokal abends um neun Uhr geschlossen werde. Der Pächter der Wirtschaft kehrte sich aber nicht an diese Beschränkung und dehnte den Wcrtschastsbetrreb brs auf elf Uhr aus. Er wurde vom hiesigen Schöffengericht deshalb mit zwanzig Mark Geldstrafe belegt. Er Uetz ledoch das Urteil anfechten mit der Begründung, die ihm auserlegte Beschränkung des Wirtschaftsbetriebes sei ge- etzlid) unzulässig, sie widerspreche dem Grundsatz der Gewerbe- frelhcit. Die Entscheidung des Gerichts ging dahin: Die Konzession zum Betriebe einer Schankwirtschast kann an sich nicht unter einer Bedingung erteilt werden, da dies nicht Sache des Kreisausschusses ist: jedoch ist die zuständige Behörde befugt, zu prüfen, ob ein Blwürfnis für Errichtung einer Wirtschaft vorliegt oder nicht. Aus Grund der Prüfung dieser Frage rann sie die Kon- zeision erteilen oder versagen. Sie kann aber auch zu dem Ergebnis kommen, daß für bestimmte Tageszeiten ein Bedürfnis Dorliege, für andere aber nicht, und sie ist deshalb auch berechtigt, den Umfang der Konzession zeitlich zu beschränken, wie dies im vorliegenden Fall gesehen ist. Die Berufung des Angeklagten wurde dementsprechend als unbegründet zurückgewiesen.
Wegen Bettelns.
Der Eisendreher K. F. B. von E. war vom Schöffengericht Alsfeld freigesprochen worden, trotzdem er zugestarid, in Als- eld gebettelt zu haben. .Das Gericht hatte angenommen, daß sich der Angeklagte in einer unverschuldeten Notlage befunden habe. Es ergab sich indessen, daß der Angeklagte wegen Bettelns 23mal vorbestraft ist. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft erkannte daS Gericht gegen den Angeklagten, der inzwischen ein festes Arbeitsverhältnis gesunden hat, auf einen Tag Hast.
* Reisende ohne Fahrkarten. Reisende, die so spät vor Abfahrt des ZngeS euitreffeii, da.ß sie sich keine Fahrkarte mehr lösen können und infolgedessen ausnahmsweise ohne Fahrkarte durch die Bahnsteigsperre gelassen werden, werden in Zu- luust stets vom Bahusteigsdxlffner darauf aufmerksam gemackst werden, daß sie nach § 16 der Eisenbalmverkehrsordnnng einen erhöhten Fahrpreis zu zahlen und zur Vermeidung nock) höherer Zufdstäge dies dem Zugbegleitpersonal sofort und unaufgefordert zu melden haben. Rei>ende, die von Ansdstußzügen im gleichen Bahnhof kommen, können bekanntlich an ihrem Reiseziel die fehlende Fahrtarte ohne Erhöhung nachlüsen, wenn ihnen an der Uebergangsstation die Zeit fehlte.
** Forlbil dun gsnnl erricht für roeiblid)e faufm. Angestellte. Nach der Gewerbeordnung sind die Gemeinden befugt, für weibliche Handlungsgehilfen und -Lehrlinge unter 18 Jahren durch Ortsstatut die Verpflichtung zum Besuche einer Fortbildungsschule auszusprechen. Aui i'örunö dieser Bestimmung ist von dem Kaufmännischen Verein für weibliche Angestellte bei der Bürgermeisterei die Einführung deß FortbildungSschulzwangeS für die 'm HaudelS- geiverbe tätigen weiblichen Angestellten beantragt worden. Um nun ausreichende Unterlagen für die Erstattung eines von der Bürgermeisterei eingeforderten Gutachtens über diesen Antrag zu gewinnen, hat die Handelskammer Fragebogen ausgestellt, aus denen zu ersehen ist, auf welche Gesichts- punkte bei Beurteilung dieses Antrages betonterer Wert ge» legt wird. Die befragten Kaufleute werden gebeten, diese Fragebogen bis ginn 5. Mai zu beantworten.
•• D l e L'chtspi-le (Kolosseum) boten auch in den h'tzten Tagen viele unterhaltende und sehenswerte Dar- butungen, die namentlich auch dadlirch gewinnen, daß die Bilder klar und deutlich, sowie ohne daS lästige Flimmern zu sehen sind. Da heute abermals ein Programmwechsel eintritt, sei auf das Institut, daS auch an heißen Tagen einen angenehmen Aufenthalt bietet, für derartige Vorführungen Liebende hingewiesen.
♦♦ Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Das h e । ) i f d) c Ministerium des Innern hat an die KreiSämter und Krcisveterinärämter folgendes Ausschreiben ae- nchtet: Aus die häufigen Eingaben,, daß der Berkaus von Ein- cgci'djiucincn und Ferkeln aus unverseuckiten Gehöften der Sperr- bewirke gestattet werden möge, ermächtigen wir Sie zu gestatten, baß Ferkel und E i n l e g os chw e i ne aus e i n e in un - v c r s e u cki t e n G e h ö f t eines Sperrbezirks in ein anderes un- verseuchteS Gehöft desselben Sperrbezirks unter der Bedingung r>erbrad)t werden dürfen, daß die Seuchenfreiheit beider Gehöfte , icdcSmal durch den zuständigen Fleisdibeschauer unmittelbar vor dem Besitzwechsel der Tiere festgestellt ivird und daß letzterer ohne jede Unterbrechung und unter polizeilicher Aufsicht erfolgt. , Die einmal in ein anderes Gehöfte verbrachten Tiere dürfen während der Sperre aus diesem Gehöft nicht mehr entfernt werden.
Landkreis Gießen. ।
— Stangenrod, 25. April. Im Gasichause von Karl i Rock veranstaltet die hessisd)e Landwirtschaftskammer am ' Sonntag nachmittag einen Vortrag über: „Aufzucht, Pflege und Fütterung des Jungviehes; Vorteile des Weide- s anges", den Oekonomierat Wcitzel-Lich hält.
4 Lich, 24. April. Der Blumentag wird hier, in der : Heimat unserer Großherzogin, in größei-em Maßstab am 7. M a i ' abgehalten, öüi Ortskomstee, das sich ans der Fürstin zu Solms-
<6cridv^iaiil.
Berlin, 25. April. Vor dem Schwurgerichte deS Landgerichts I begann die Verhandlung gegen den Vermittler Margolin und die Sängerin Fröhlich wegen schivercr Urkundenfälschung, Betrugs und versuchten Betrugs.
Pfarrer KoreD über feine Beteiligung an dem volt-kalender „Scholle".
Pfarrer Korell-Kvnigstädten erläßt in der ,,Franks. Ztg." folgende Erklärung:
In der antisemitisdi-agrarischen und üt der Scharfmacherdresse wird neuerdings eine Hede geght meine amtliche Stellung und politische Arbeit veranstaltet, die einen Saß der politischen 3alyredrunbfd)au in ber „Scholle", einem in München ersck^menden Bollskalcnder, zum Ausgang hat. Es werden da in derber, satirisch gefärbter Sprache die Hahresereignisje be- leuchtet und bei Rußland eine ängstliche Zarenreise und die Ermordung eines russischen Polizeiobersten erwähnt. Dies geschieht in einem Tone, den id; für meine Person niemals gewählt und audj nicht gebilligt hätte, wenn mir der Saß vorgelegt worden wäre. Ich will aber doch zur Steuer der Wahrheit fest- stellen, daß er im Rahmen und Stile des ganzen Artikels keines» Wegs zu der Auslegung berechtigt, die ihm politische Gegner in tendenziöser und demlnziatorisdier Absicht geben. Will auch hinzu- fügen, daß ich es mir nicht auferlegen lasse, meine Meinung über die Politlk deö Zaren und seiner Regierung zu verschweigen, deshalb, weil sozialdemokratische Reden über das Ziel hinausschossen und „bürgerliche" Politiker Hessens in Ehrfurcht ersterben zu müssen glauben. Was ich zu sagen habe, wird and) fernerhin gesagt werden in der Form und Richtung, die id) als liberaler Politiker und ' Pfarrer verantworten kann. — Ich denke nicht daran, mich mit der Tatsad)e zu entschuldigen, daß ich den Artikel weder geschrieben, noch vor seinem Erscheinen gekannt habe, und daß mein Name nur aus persönlicher Gefälligkeit für den Verlag der hessischen Ausgabe deö Kalenders als Mitherausgeber auf das Titelblatt gekommen ist. Meine Gegner, die den mit Namen gezeichneten Artikel als von mir geschrieben ausgeben, würden an tatsächlid)e Feststellungen in 14 Tagen doch schon keine Erinnerung mehr haben. Sie beuten erfahrungsgemäß jeden Saß, der irgendwie mit mir in Verbindung gebracht werden kann, gegen miet) zur Denunziation aus. Id) erwarte deshalb aud) nicht, daß die Herren nunmehr ihre falsche Darstellung freiwillig berichtigen. Da aber die politische Arbeit meiner Freunde, insbesondere der Pfarrer, die Kandidaten der Fortschrittlidren Volkspartei sind, durch diese Hetze empfindlich gestört werden kann, dort, wo man den Sachverhalt und besonders die hessische Methode der nationalen, vorn Reichsverband gegen die Sozialdemokratie und toon Worms beeinflußten Polemik nicht kennt, will ich folgendes |um Schlüsse feststellen:
1. Der Jahrgang 1911 der „Scholle" ist seit Sommer v. I. in weit über 25 000 Exemplaren in ganz Süddeutschland ver- breibrt; in dieser Zeit ist bis zu meinem Auftreten als Äanbic dat in Gießen-Grünberg, oder genauer bis wenige Tage vor der Wahl aud) nicht die geringste Beanstandung des Kalenders laut geworden.
2. Erst im Gießener Wahlkampfe tauchte die Sache auf uno wurde von den Antisemiten in einem Flugblatt verwertet, in dem man mich aus der Tiefe einer wohl 6 Monate auf Vorrat gehaltenen nationalen Entrüstung als Begünstiger der Nihilisten und Mordbrenner hinstellte.
3. Der Sachverhalt wurde zwar noch während deS Wahl- fampseS bekannt gegeben; indessen war der Bissen für sie doch zu appetitlich, alö daß die Blätter der rechtsstehenden Parteien ihn hätten liegen lassen können. Und so geht die Hetze munter weiter — wahrscheinlich bis zur nächsten NeichstagSwahl.
Königstädten, am 23. April 1911.
'Adolf Ko r eil.
Deutsche- Ueich.
Der Zweckverba ndsausschuß deS preußischen Abgeordnetenhauses beendete die zweite Lesung des allgemeinen Zweckverbandsgesetzes. In der Schlußabstimmung wurde der Entwurf mit allen gegen die Stimmen der Freisinnigen angenommen.
Nach Mitteilung des geschäftsführenden Ausschusses des wü r t- t e m b c r a i s ch e n B l u m e n t a g e s sind insgesamt rund 583 000 M ark gesammelt luorbcu. Verkauft wurden drei Millionen künstlicher Nelken, 100 000 Festpostkarten ohne Marke, 160 000 mit eingeprägter Freimarke, und 60 000 der Königfpitzer Karten. Die Unkosten betragen 72000 Mark, so daß als Nettobetrag die runde Summe von 511 000 Mark sich ergeben hat.
Die Konferenz der deutschen R e t t u n g s h a u s- verbände und Erzieh nngöverbände eröffnete in M ü n- ch e n ihre 12. Tagung. Der Hauptvortrag wurde über das Thema erstattet: Welches Lebensalter soll die Altersgrenze bei der lieber* Weisung in Fürsorgeerziehung fein? Die Versammlung sprach sid) einmütig gegen die Herabsetzung von 18 auf 16 Jahre aus bei der llebcriueifung zur Fürsorgeerzühung, und forderte, daß biejenig.n Bundesstaaten, welche bisher nur bis zum 16. Lebensjahr überweisen, die Altersgrenze auf 18 Jahre heraufsetzen.
Nachrichten aus Stockholm zufolge ertoägt man dort den Plan, einen außerordentlidien Reichstag einzuberufen, um den Handelsvertrag mit Deutschland zu erledigen.
Ausland.
Kaiser Franz Josef, dessen Befinden wieder sehr zu- fricbenflellenb ist, wird am 2. Mai die Reise nach Ösen pest antreten. Der Aufenthalt dort, an den sid) ein solcher in Goe- doelloe anschließt, wird sich auf mehrere Wochen erstrecken.
Im englischen Unter hause schreitet die Aussprache Über die z w e i t e Klau sel ber Pa r l a m e n t s b i l l, die das Vetorecht der Lords in der allgemeinen Gesetzgebung einschränkt, nur langsam fort, obwohl die Sitzungen verlängert mürben. Die Opposition brachte eine Reihe von Zusahanträgeit ein, die die Homerule und verschiedene andere Maßnahmen von der Anwendung der ParlamentSbill ausschließen: die Regienmg erflärte aber, feine Ausnahmen anzunehmen. Alle Zusatzanträge wurden abgelehnt.
Präsident F a l l i ö r e s ist am Dienstag abend nach Tunis zurückgekehrt.
AuS Karow bei Uhnow ist die Nachricht von judenfeindlichen Ausschreitungen eingetroffen. Militär wurde requiriert Der Vertreter der Statthalterei ist nad) Karow abgereist.
Dr. Äannemann über Psychische Anomalien als Ursache er- zieherischer Schwierigkeiten, am 30. Juni und 7. Juli; Dr. Glane über Jugendschutz (innere Mission), am 14., 21, 28. Juli jeweils abends von 7—8 Uhr. Auditorium 42.
LehrauitSperfonalien. Der Groß Herzog Hai den Oberlehrer an dem Ostergymncisium zu Mainz, Prof. Dr. Moritz Munier, auf seinNachsuehen, unter 9lnerfennnng 'einer langjährigen treuen Dienste, in den Ruhestand versetz! und ihm auS diesem Anlaß die ftrone zu dem Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps deS Großmütigen verliehen.
•• Ernannt wurden der Gefangenaufseher am Landeszuchthaus Marienschloß Gg. Trautmann zlim Gefangenausseher am ProomzialarresthauS in Darmstadt und der '^efangenausseher am ProvinzialarresthauS in Darmstadt Karl Uiebeler zum Gefangenaufseher am Landeszuchthaus MariensdKoß.
Entlassen wurde der Lehrer an der kath. Schule zu Wald-Michelbach Jak. Klee auf sein Nachsuchen.
^ Säuglingssterblichkeit in den größeren Hesse sch en Gemeinden. In dm hessischen Gemeinden, die bei der Vollszählung 190.) über 3000 Einwohner zählten, stellte sid) die Säuglingssterblid)keit (d. h. die Sterblidjfcit der im ersten Lebensjahr Gestorbenen) in dem Jahrfünft 1906—1910 auf je 100 Scbcni)geborene wie folgt: Main» (m. Vororten) 15,3, Darm- sladt 13,7, Offenbart) mit Bürgel 13,8, Worms 14,1, Gießen 8,8, Gingen 10,2, NemJsenburg 14,9, Lampertheim 25,3, Friedberg 8 0, Bensheim 19,3, Viernheim 18,7, Atze» 16,0, Kostheim 21,6, Pfungstadt 18,6, Eber^adt (Starkenburg) 16,6, Heppenheim a. d. B. 19,3, Weisenau 19,1, Longen 9,8, Griesheim 15,8, Dieburg 13,4, Bürstadt 17,8, Gonsenheim 15,8, Mühlheim 12,1, Ar- Hellgen 10,0, Sprendlingen (Starkenburg) 10,1, Groß-Gerau 8,2, Bad-Nauheim 69, Vilbel 12,9, Bretzenheim 24,8, Alsfeld 7,7, Seligenstadt 14,3, Rüsselsheim 9,8, Lor sei) 21,5, Nierstein 11,4, Butzbach 6,0, Gernsheim 18,2, Lauterbach 7,3, Ober-Ramstadt 14,6, Osthofen 16,2, Bi ber 10,7, Nieder-Jngelheim 10,9, Groß- Bimmern 15,6, Oppenheim 10,0, Bischofsheim 9,4, Groß-Umstadt ]A?f Ober-Ingelheim 13,1, Gins heim 10,0, Michelstadt 9,1, Büdingen 12,1, Mörfelden 7,7, Hechtsheim 21,1, Finthen 23,3, Wimpfen 17,8, Kelsterbach 10,7, Roßdorf 11,6.
** Der Verein der fortschrittlichen Volks- Partei hielt gestern abend im Einhornsaal eine gut besuchte Hauptversammlung Lrb, die in Verhinderung der Vorsitzenden der Schriftführer Stadtv. Dr. Ebel leitete. Nach dem von ihm erstatteten Recheilschas.Sbericht stieg bi* Mit- aliederzahl int Berichtsjahre auf 311. Die Haupttä.igkeit d s Vereins galt der S t a d t v e r o r d ne t e n w a h t und namentlich der R eich s t a gs e r s atz w a h l, die beide für die Partei einen E r folg, bedeutet hätten. Namentlich habe das Stimmenverhältnis bei der Reichstag<swa.l)l bewiesen, daß ein linksliberaler Kandidat mehr Aussicht habe, gewählt zu werden, als ein nationalliberaler. Der Verein trete nach wie vor für eine Einigung der beiden liberalen Parteien für die nächste Reichstagswahl ein, da nur hier- durd) die Wahl eines liberalen Abgeordneten möglich sei. In der Besprechung über den Jahresbericht stellten sich alle Redner auf den,elben Standpunkt. Der von Kaufmann I u gh a r d t jun. erstattete Kassenbericht ergab einen kleinen Uederschuß. Bei der V o r st a n d s w a h l wurden die seitherigen 25 Vorstandsmitglieder wieder- und sechs weitere neugewählt, darunter zum er st en mal eine Dame, Frau Lehrer Sd)wöbel. Ferner wurde beschlossen, den Beitrag für das nächste Jahr mit Rücksicht auf die darin stattfindende Reichstagswahl auf 3 Mark fest- zu,etzen. Mit der Mitteilung, daß demnächst für die Wahl- treiSorganisation eine besondere Satzung mit einem gewählten Wahlkreisvorstand gesd)affen werden solle, sd)loß die Sitzung.
Ach, Bürgermeister Dörmer und Frau, sowr'eSttftsdechant Klingel- Hoffer und Frau zusammenfetzt, trifft die Vorbereitungen zu den. Verkaufstag. Nachmtttags findet eine Festlichkeit mit Reigen- aufsührungen statt, abettds ist ein Konzert mit Abendunterhaltunq ui Steins Saalbau vorgesehen. Gestern nachmittag waren die Jungfrauen der Stadt zu einer Sitzung auf dem Rathaus ein- gclaben. Gegen 30 Mädchen haben sich bereits als Blumenver- touferinnen am Bahnhof und in der Stadt angemeldet. — Die Aufnahmeprüfung in die Präparandenschule findet am 2. Mai statt. Die Anmeldeziffer, die die Zahl 60 nicht erreicht hat, ist gegen die Vorjahre zurückgegangen.
Kreis Büdingen.
X Nidda, 26. April. In dem Konkursverfahren über daS Vermögen des Vorschuß - und Kreditvereins Ober-Mockstadt findet demnächst eine dritte Abschlagszahlung von etwa 100 000 Mark auf die nicht bevorrechtigten Forderungen von 2 031958 Mk. statt. Bei den beiden früheren Zahlungen wurden 500000 Mk. aleicb 25 Proz. verteilt.
+ Dauernhei m, 25. April. Heute mittag brach im Dauern Heimer Hofe Feuer auS. Die Scheuern sind abgebrannt, derWolmbau und die Stallungen gerettet, lieber die Entstehung des Brandes ist noch nichts bekannt.
Kreis Schotten.
= Ulrichstein, 25. April. Daß Fest der goldenen Hochzeit begehen am 29. April die Eheleute Markus Reiß IV. in geistiger und körverlicher Frische.
Kreis Friedberg.
— Friedberg, 26. April. Nachdem die Mauk- und Klauenseuche nunmehr auch in Bruchenbrücken und Nrcder-Erlenbach ausgebrochen ist, erläßt das hiesige Kreisamt umfassende Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung der Seud)e. Sperrbezirke sind die Gemarkungen Rockenberg, Vilbel Nieder-Erlenback) und Brucherrbrücken. Die übrigen Gemarkungen des Kreises sind Beobad)tungsgebiet. .
(?) Jlbenpadr, ^pril. Der Brandstifter^ der am Samstag abend im hiesigen gräflichen Schlosse einen Zrmmerbrand angelegt hatte, ist nunmehr in der Person des Dieners Becker ermittelt worden. Becker wurde nach Friedbera in Unterhtrfnmo§baft gebracht.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Darmstadt, 25. April. Die Konferenz für e b an geltfdje Gemeindearbeit hielt heute hier ihre 2- Gillung ab, die von mehreren hundert Teilnehmern auv allen Teilen Deutschlands besucht Mar. Nach gemeinsamem Gesang und einer Ansprache durch Pfarrer Veite- Darmstadt mnchte der Vorsitzende Pastor St o ck - Gr.-Lick>ter- felde Mtttetlungen über die Bedeutung und die Aufgaben der Konferenz, die in erster Linie darin bestehen, den Fo r t- bestand der evang. Kirche durch innige Zusammenarbeit nut dem Laieuelement zur Belebung der Gemeinde betzutragen Es müsse mehr Zusammenhalt geschaffen und der Schrankenunterschied zwischen hoch und niedrig unter den Ktrd>enbesuchern beseitigt werden. Dies sei als das letzte und einzige Mittel zu betrachten, um die evang. Ktrche zu stutzen und zu erhalten. Hieran schloß sich ein Vortrag des Konsistorialrats Pros. D. theol. Rentdorf- Letpzrg über das Thema: Volkskirche, Kirchengemeiude und Gemeurdearbeit. Er zeigte, daß die Volkskirche schon von Luther und ,den Reformatoren gefordert und auch heute nock) als Landeskirche zu erhalten sei, solange die Umstände es zulassen. Durch ihre Entwicklung werden die Gemeinden zu selbsttätigem und selbstveranttvortlichem Leben erweckt Für die Lebendigmachung der Kirchengemeinde hat die moderne in ihrer Wurzel durchaus deutsch-evangelische Ge- memschaftsbewegung mit dem Ziel der Beteiligung der Laien an der Wortverkündung einen hohen Beruf, den sie durck) Fruchtbarmachung ihres Einflusses auf die Kirchen- gemeinden ein ernstes Bestreben sein muß. Eine lebhafte Aussprache schloß sid) an.
m. Offenbad) a. M., 26. April. Der städtische Verfassungsausfchuß beschloß, als Gehilsin zur Wohnungsinspektion Fräulein Elise Remy anzustellen, die eine gute und praktische Vorbildung besitzt und von 1905
ficcr itnfc Flotte.
Berlin 25. April. DaS „Militärwochenblatt" meldet: Oberst v. Giasenapp, Kommandeur der Schutztruppe im Reichskolonialamt, wurde der Rang eines Brigade-Kommandeurs verliehen, v. Heydebreck, Major in der Schutztruppe für Südwestafrika, wurde mit der Führung dieser Schutztruppe beauftragt.
Stuttgart, 25. April. Der „Schwäbische Merkur" meldet: Ter König hat dem Generaladjutanten Freiherrri v. Bilfinger zum heutigen fünfzigjährigen Militärdienstjubi > läum daS Großkreuz des Militärverdienstordeiis verliehen.
2lit# Stadt litte fmtd.
Gießen. 26. April 1911
** Tageskalender für Mittwoch, 26. April Ceffentl. Vortrag im Verein der Hausbesitzer: üiechtSanwalt Raav: Die WertzuivachSsteuer. Abends 8"/. Uhr tm oberen Saale des „Tletropol".


