Nr. 121 Erster Blatt 161. Jahrgang Mittwoch, Mai 1911
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General-Anzeiger für Sberhesfen ML-
L„od«e von Lazei-e« Botattonsbrutf und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steinöruderet R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Stbulftraßt 7. CflnJ;.: s.Heb: für den m vormtAA^Uh? vadingen: Zernsprecher Nr. 50 Geschäftsstelle vahnhofstraste 16a.^"ze.gemett: H. Beck.
Die heutige Nummer umfatzt 16 Seiten.
Die wirtungen öes Unglütfsfalks von Iffy.
O Paris, 23. Mai.
Einzelne ungeduldige und ehrgeizige Politiker, die in 6er Katastrophe von Issy-les-Moulineanx die ganz unvcr- hossle Gelegenheit erblicken zu dürfen glaubten, ihren jeder- zeit gekrankten Ehrgeiz befriedigen und Frankreich mit ihren hohen staatsmännischen Fähigkeiten beglücken zu können, sind wieder kleinlaut geworden, seitdem sie sich an den Auslassungen der maßgebenden Führer der radikalen und sozialistisch-radikalen Partei davon überzeugen konnten, daß In diesen Kreisen nicht nur der Wunsch, sondern der feste Wille vorherrscht, das Kabinett Monis in der gegenwärtigen kritischen Stellung mit allen Kräften zu unterstützen. Tic Regierungslüsternen drehen die Lache nunmehr so, daß sie Herrn Monis, für den sie in Wirklichkeit nie große Sympathien bekundeten, mit ihren Lobeserhebungen geradezu erdrücken, um zu dem Lck)lusse zu gelangen, ein so gewissenhafter und pflichttreuer Republikaner, wie Herr Monis, werde wohl selbst am besten wissen, ob er von seinem Krankenlager aus noch weiter die Leitung der Geschäfte Frankreichs führen könne oder nicht.
Ihre Ansicht, die sic natürlich verheimlichen, geht dahin, daß der Ministerpräsident außerstande ist, seine hohen Funktionen auszuüben, allein sic verbergen diese unter den Blumen, mit denen sie Herrn Monis zu überhäufen belieben. Sehr zutreffend charakterisierte der unabhängige sozia- Ustifchc Abgeordnete Augagncur, ehemaliger Generalgou- verneur von Madagaskar, die gegenwärtige Lage mit den Worten: „Tas Ministerium Monis ist weit eher eine medizinische, denn eine politische Frage. Zeigen wir uns nicht eil- fertiger als die Aerzte." Und in der Tat wird das Gutachten der Acrzte einzig und allein auf die weiteren Entscheidungen des Ministerpräsidenten einen Einfluß ausüben. Gegenwärtig hält Herr Monis es noch immer für möglich, an der Spitze der Regierung zu bleiben und sich in seiner Eigenschaft als Präsident deS Ministerrats im Parlament durch den Vizepräsidenten, den Iustizminister, vertreten zu lassen. Ten verkappten Widersachern, die auf die Notwendigkeit Hinweisen, die Reform der Wabt- gesetzgebnng ehestens in Angriff zu nehmen, die die Anwesenheit des Ministerpräsidenten in der Kammer erforderlich machen würde, wird von der Umgebung Herrn Tlonte’ nahe gelegt, daß die Wahlreform gegenwärtig weniger-dringlich sei, als die Verteidigung der Laienfch.ile, über die die Regierung einen Gesetzentwurf ausgearoeitcl hat, dessen Erörterung die Kammer bis zu den großen Ferien vollauf beschäftigen könnte. Ter Senat hat einer- feite mit dem Budget für 1911 hinreichend zu tun, damit man die nunmehr fast sicher gewordene Genesung deS Ministerpräsidenten in aller Ruhe abwarten tarnt.
Hinsichtlich der Ersetzung des Kriegsministers 93 er- tcaujr gilt es gegenwärtig als fast sicher, daß der Abg. Elsmentel, Berichterstatter des Kriegs-Budgets und ehemaliger Kolonienminister, die Erbschast Herrn Ber- icaur’ antreten werde, für die er durch seine eingehenden Studien aller Armeefragen vortrefflich vorbereitet erscheint.
Wir erhalten noch folgende Meldungen:
Pari s', 23. Mai. Ter Vollzugsausschuß der radikalen und s o z ia l i st i s ch -r a d i t a 1 e n Partei faßte in einer außerordentlichen Sitzung einen Beschlußantrag, in dem dem Schmerz über den tragischen Tod Berteaux' and dem Wunsche nach baldiger Genesniig des Ministerpräsidenten Ausdruck gegeben und der „Regierung, welche dieser mit solcher Energie leite, volles Vertrauen jur die Verwirklichung der von der Partei angestrebten
demokratischen, sozialen und Verwaltungsreformen" ausgesprochen wird
Radikale und sozialistische Abgeordnete erhoben in den Wandelgängen entschieden Einspruch gegen die von mehreren Antiministcriellen ausgestellte Behanpiung, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine Kabinettskrise unvermeidlich fei. Sie erklärten, das Parlament müsse dem Ministeriuni ans zwei Gründen Vertrauen und Kredit gewähren, aus Gründen des Taktes und des Gefühls, denn der Ministerpräsident habe ein Recht daraus, daß man ihm gerade jetzt Sympathie entgegenbringe, und aus polb tischen Gründen: denn die Kammer habe dem Mini ft er iu in wiederholt ihr Vertrauen bewiesen.
Ter frühere Minister Viviani sagte, es sei unmög lich, daß Frankreich wegen einte Fliegerunfalles feine. Politik ändere.
In der Kammer hielt der Präsident eine Gedächtnisrede auf Berteaux, dessen Tod ein Verlust für die Republik, das Heer nnd das Vaterland bedeute und drückte den Wun.ch für die Wiederherstellung des Ministerpräsidenten Monis aus. Tie Kammer bewilligte den Kredit für die Bcisepuug Berteaux auf Staatskosten nnd vertagte sich auf Montag.
Nach einer halbamtlichen No:e wird der Min.stervräsident die von ihm -um Nachfolger Berteaux auserseyene Per, sönlichleit Sonnabend dem Ministerrat bekannt geben, io bau das Kabinett bei der für Montag anberaumten Diederaumahme der Kammerverhandlungen vollzählig sein wird. Tos Ministerium wird von der Kammer eine Abänderung ihrer vor beit Liter ferien gesaßten Beschlüsse verlangen, wonach gleich zu Beginn der gegenwärtige» Tagung tic Beratung ber Wahlrefo r m in Angriff genommen werden sollte. Marineminister Delcame wird oeantragen, baß bcin Gcictzentivuri über das Flottcn- vrogramm der Vortritt yelaisen werden möge, da hierdurch der Ban ber geplanten Kriegsschiffe, beschleunigt würde.
Ter Ministeipräjident Monis verbrachte die Nacht zum Tiensiag gut. Am Tiens tag früh wurde ihm der Tod des Kricgs- m in ist er H mitgeteilt. Monis vier mehrmals aus: Mein armer F 1111 ü1 iviMich' bim v.n ' i i' -r'.a Wor!.' dl.s Te? .
Lin Aussiug öcr heWchen Kammermitglieöer.
R. B. Darmstadt, 23. Mai.
Einem seit Jahren nicht mehr geübten Brauch folgend hat heute nachmittag die Zweite Kammer wieder einen parlamentarischen Ausflug unternommen, bei dem zur Verbesserung unserer Finanzen jeder Teilnehmer die Kosten für Fahrt und Atzung selber zu tragen hatte. Tie Fahrt ging mittels Sonderzuges nach Jugenheim, und der Einladung waren auch Mitglieder der Griten Kammer und der Regierung gefolgt. Von der Zweiten Kammer waren nur die sozialdemokratischen Abgeordneten dem Ausflug f e r n g c b l i c b c u und zwar erst im letzten Augenblick, nachdem ihnen die Gewißheit geworden war, daß beim Essen ein H o ch auf den Großyerzog aus gebracht werden würde, wovon man bei früheren Anlässen itnbegreislicherweise Abstanb genommen hatte. Nach einem Spaziergang auf den Heiligenberg und seine berühmte Terrassenaussicht fand man |ich in der „Krone" zu einem gemeinsamen Essen zusammen. Während dessen erschien auch der mit lebhafter Freude begrüßte Präsident Haas, der bann nach herzlichen Begrüßnngsworten cm dreifaches Hoch auf den Großherzog ausbrachte. Später hieß Vize- Präsident Morell noch besonders die Herren der Regte rung und der Ersten Kammer willkommen, wobei er auch mit anerkennenden Worten der Tätigkeit der Presse gedachte. Als Vertreter der Ersten Kammer dankte Fürst zu Isenburg - Hirstein und wies auf das in letzter Zett zwischen beiden Kammern zutage getretene Einvernehmen hin, das auch in Zukunft gefördert werden möge. Er schloß mit einem Hoch auf den Präsidenten Haas. Namens der Regierung'dankte Geh. Rat Wil brand. Ter Vizepräsident der Zweiten Kammer Kor eil brachte ein Hoch aus unser Hessenlanb aus. Später gab u. a. noch ein Vertreter der
Presse eine gutgemeinte humoristische Kritik der verf(Siebenen Kammerrcdner resp. Parteiführer. Beim <sdHU||C bes Essens trafen auch die brei Minister und mehrere weitere Ministerialräte, sowie bad Präsidium der Ersten Kammer ein, und dann gruppierte man sich im Garten beim Kaffee in zwangloser Weise So nahmen an einem Tische Staate- Minister Ewald und Geheimrat Tr. Becker mit einflußreichen Kammermitgliedern, wie Tr. Lsann, Tr. Schmitt und Motthan, an einem anderen Tische Finanzminister Braun und Minister v. Hombergk mit dem Grafen v. Gortz, dem Vizepräsidenten Storcll unb Tr. Weber, an einem dritten Tisch neben den Geh. Raten Wilbrand und Best Graf zu Erbach.Fürstenau, Oberbürgermeister Köhler, Tr. Heibeii- rcich u. a Platz, doch dürsten aller Wahrscheinlichkeit nach politische Themata gar nicht berührt worden fein; es ging wirUich recht harmlos her! Tas einzige, wirklich greifbare Ergebnis dürften einige Gruppenaufnahmen der Ausflugteilnehmer sein, die wohl dadurch wesentlich an Interesse gewinnen werden, weil sie nach ber heute in ber Ersten Kammer erfolgten enbgülligen Grlebigung der Wahlrechtsvorlage das letzte To Ium ent bilden dürsten, das uns die nach dem iiibircttcn Wahlsystem gewählten Mitglieder der Zweiten Kammer in effigie vor Augen führt.
Auf das Bcgrüßungstelegramm an den Großherzog traf olgenbe Antwort ein: „Lehr erfreut über treues Gedenken danke ich allen vielmals. Ernst Ludwig "
Die Kolonne Uloiniers in Fez.
Tie auf etwa 20 0U0 Mann Ku ichätzenden Truppen deS Generals Moinier sind jetzt in ber Hauptstadt Fez eingerückt Gleichzeitig aber bringt ins Innere von Marokko von £ften her, also von Algier, die Heeresmacht des Generals Girarbot, die vorläufig nur 3000 Mann stark ist, aber burch bie algerischen Truppen leicht auf 15000 Mann gebracht werden kann. Und diese militärischen Anstrengungen wurden oder werden gemacht, trotzdem authentische Nachrichten versichern, baß ber Sultan und bie ^in Fez lebenben Europäer nicht mehr bedroht seien. So stellt sich die französische Expedition nach Fez, gegen bie man, solange ber Sultan unb bie Europäer in Fez wirklich bedroht erschienen, nichts einzuwenden hatte, als eine dem Ausland, unb namentlich Spanien unb bem Drei- bunb feindliche Aktion heraus, weil es nicht abzusehen ist, ivic lange die Franzosen in Fez bleiben werden, um die Herrschaft des Sultans zu stützen, und weil die auch nur interimistisch sein sollende Besetzung UdschaS und ber Lchauja t artruf hinzubeuten scheint, daß bie Franzosen auch Fez nicht verlassen werben, bis sie die Durchdringung von Zentralmarokko, wenn auch nut Hilfe von Kämpfen, vollcnbet unb Marokko völlig tunifiziert haben.
Fez, 23. Mai. Tie Kolonne Molniers ist am 21. Mai abends ohneSchwert st reich eingerückt. Alle Europäer sind wohlauf.
Wie ein Funkentelegramm aus Ialla $te meldet, ist die Truppenabteilung des Generals Moinier auf ihrem Marsch nach Fez nur ayi Samstag unb am Sonntag vormittag beunruhigt worben An diesen beiden Tagen wurde sie von Schardatriegern angegriffen, konnte sie aber durch Geschützfeuer aus ihren Stellungen vertreiben. Tie Gegend rings um Fez war, als die Abteilung Gorto eintraf, frei von feindlichen Stämmen. General iPloi* iticr bestätigte durch Fulikenspruch an den Toyen des diplomatischen Korps, daß die Europäer in Sicherheit seien.
Der (Entwurf eines Derfid)erungsge[c6es sür Angestellte der nunmehr dem Reichstage vorliegt, entspricht dem seinerzeit veröffentlichten Entwürfe m allen seinen Teilen. Neu cingefügt ist ein Abschnitt über bie Befugnisse der privaten V e r s i ch e r u n g s k a s s e n, die unter Umstän-
Himmelfahrtsflora.
Kutturgeschichtliche Plauderei.
Don Paul Panig.
Wie alle unsere christlichen Feste tief im Naturleben wurzeln und daher bereite in heidnischer Vorzeit, wenn auch unter anderem Namen und in anderem, b. h. natura listischem Sinne gefeiert mürben, ber bann eine christliche -Deutung unb Bezugnahme auf bas Leben unb Wirken des Erlösers erhielt, so auch bas H i m m e l f a h r t s s e st, ber 40 Tag nach bem Cftcrfonntagc, baher stets ein Donnerstag. Um diese Zeit ist das frische fröhliche Naturleben nach des Winters starrem Tode auf feinen Höhepunkt angelangt: wohin das Auge blickt, üppige, wogende Saatfelder, dicht laubige, lichtgrüne Bäume, teilweise gehüllt in einen zarten Blütenflor, der mit den Blumen auf Wiesen und in Gärten um bie Wette süße Düfte verbreitet, mifbe Lüfte, bie um tounbeqam gestaltete bunte Blütenkelche kosen, unb hoch droben im blauen Aether unb im bunfchi Gebüsch ein vielstimmiger Iudelchor zum Preise der neuerwachten Früh- lingsßerrlichkeit. Tas Tichterwort (Fr. Sobenftebr ist nun zur Wahrheit geworben.
„Wenn am Gletscher heiß die Sonne leckt Unb bie Quelle von den Bergen springt. Alles rings mit jungem Grün sich deckr Und bas Lustgelön ber Wälder klingt, Lüfte lind und lau Würzt die grüne Au, Und der Himmel lacht so rein und blau: Schallt es von den Höhen.
Bis zum Tale weit, O wie wunderschön Ist die Frühlingszeit!"
Dies wonneselige Entfalten der Frühlingspracht, die reichen Natursegen zur Erntezeit verheißt, schrieben unsere Vorfahren dem Walten des rotbärtigen Gottes Donar zu, der mit dem geschleuderten unb stets in feine Hand zuruck-
leljrcnbcn Hammer den Donner hervorrief, sich im Gewitter- sturm und Regenschauer offenbarte unb baher von un- enblich wohltätigem, aber auch unheilvollem Einflüsse auf bas Naturleben war. Ihm war oer nach ihm genannte Donnerstag geweiht, unb im Monat Mai, in bem fein Wirken am oficnhinbigften sich dem Sterblichen offenbart, war ein folcher Donnerstag für feine besondere Verehrung bestimmt, um ihn gnädig und mild zu stimmen.
Seinem Einflüsse wurden auch die Heilkräfte zu- geschrieben, die gewissen Pflanzen innewohnen und die nach dein Glauben unserer Vorsahren gerade an diesem bem Gotte geweihten Tage von besonberer Kraft waren. Diesen Glauben übertrug bas Volk, nadfbem das Christentum den heidnischen Gott verdrängt und das Gedächtnis an die Hirn melfahrt des >Erlösers ohne Mühe mit einem der sonst dem Gotte geweihten Donnerstage verknüpft batte, auch auf diesen Tag. Und so lebt noch heute in vielen Gegenden ber Glaube, daß am Himmelfahrtstage gewisse Pflanzen von besonderer Heilkraft feien, deren Amfuchen man ftch nicht verdrießen läßt, ja, geradezu zu einem festlichen Braiick)e gestaltet Man windet Kränze aus solchen Blumen, hängt biese in Stuben, ja, selbst in Ställen auf unb glaubt sich unb das Vieh für dieses Fahr gefeit gegen Krankheit, Btttzgefahr und fonftige Unfälle. Unter biefen „X'immel- fahrtsblumeii" ist vor allem bas schlichte Ruhrkraut zu nennen, auch Katzenpfötchen, in Württemberg Mause- ohrle genannt, als Immortelle von unseren Gärtnern unb Blumenhändlern wegen seiner Tauerhastigkeil besonbers geschätzt, botanisch zur Gattung Gnavhalium gehörig, bereu vornehmste Spezies bas bekannte Ebelweiß bildet. Auf feuchten, fumofigen Bergwiesen entfaltet das fchlichtePflänz- chen um diese Zeit seine unscheinbaren weißen oder rosa angehauchten strohartigen Blüten, bie in einen zarten Flaum gehüllt scheinen. Am Kocher u. a. beginnt man schon früh mit dem Einsammeln, zumal noch vierfach der Glaube verbreitet ist, man könne sich mit solch einem zarten Blümlein unsichtbar und im Kriege schußsicher machen. In Ulm
unb Umgcgenb heißt bie Pslanze Eugelblümchen, weil nach der Legenbe bie Engel es in ben Händen trugen, als sie dem gen Himmel entschwebenden Erlöser zum Empfange entgegen eilten.
Ferner ist als Himmelfahrtsblume die A r e n s w u r z e 1 zu nennen, auch deutscher Ingwer, Magenwurzel usw. genannt Man grabt bie fleischige Wurzel aus unb glaubt aus ihrer Gestatt auf bie Fruchtbarkeit bes Jahres schließen zu tonnen. In Frankfurt a. M. würbe chebem bas Luchen bieser Pflanze als besonberes Volksiest gefeiert, bas man jetzt am brüten Pfingsttage begeht. Tie Knolle enthält einen scharfen Milchsaft, getrocknet unb gekocht liefert sie ein gesundes Nahrungsmittel, das bereits den alten Griechen bekannt war, und gibt 25 Proz. Stärkemehl (Aronsstärkq. Eine bekannte Spezies derselben Gattung ist der Aronsstab, als Zimmerpflanze noch jetzt vielfach beliebt.
Eine dritte Himmelfahrtsblume ist das in Thüringen, am Harz u. a. hochgeschätzte Al le rman usher r.nk raut, das geradezu wegen seiner zahlreichen guten Eigenschaften als Glücksblume gepriesen wirb. Es ist eine Art Siegwurz mit süßlich schmeckenber, schwach veilchenähnlich riechender Wurzel und führt auch bie Namen rintbc Sicgwurzel, Aller- mannsharnisch, Ackerschwcrtelwurzcl usw. Es scheint, als ob die Alraunwurzel, bie wegen ihrer rounberbaren, an eine Zwergengestalt erinnernden Form ehedem in hohem An- lehen stand, ja, geradezu als verzaubertes Wesen galt (Alraunen mit biefer Pslanze identisch ist; andere denken an eine Alliumartos (Lauch. Sie wurde wegen ihrer Heilkraft namentlich bei Hieb, Schuß- unb Stichwunben besonders geschätzt und vielfach als Amulett getragen. Außerdem besaß sie noch eine bcfonbcrc Eigenichatt, weshalb sie besonders vo-i jungen heiratslustigen Mädchen am Himmel- fahrteiage g^iucht wurde: ju sollte bewirken, daß der verliebten Era'.ocktter iiodi im lau'c.TJahre ihr sehnlichster Wunsch ir. Erfüllung geht. . . Freilich: unfehlbar scheint auch das Ailermannsberrnkraut nicht zu jein, und durum


