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31.8.1911 Erstes Blatt
 
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Donnerstag, 3t- August M

Erstes Blatt

161. Zahrgang

GietzenerAnzeM

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

TieNorddeutsche Allgemeine

türkische Thronfolger Prinz

E s f em d i trifft am 31. d. Mts in Berlin ein, um aus Ein­ladung des Kaisers der Parade der Garde du Korps beizu-

klaüt i t :1

Welchen Sturm von Begeisterung erregte nicht zu seiner gcsecht aus der Schlacht von Ang- Wettstreite mit Michelangelo als dekoratives

Nr. 204

Tn »tetzeaer Snjelget erschein» täglich. au»er SonntagL. - Beilagen: viei mol wöchentlich sietzenerZ-mlUendllilter (Primat roodienU.Kttlt' dlaNlvrdenNreis Lietzen <IienStagnnd?,reitaa>.

,emial monail. Cent wtrtichaftlicheLeitttosei <<tni|pred) - Anfchlüsse (ui die Redaktion 112, "rrtaq u.ErpcDil'on 51 tlbtefie Kit Teoeschenr

ährten zu der Feststellung der Tatsache, daß in erster Linie die landn'iNiäiasttichcn Produtte, wie Milch. Butter und Eier, bedeutend im Preise gestiegen sind, da einerseits die einheimischen Produzenten infolge der Türrc und namentlich auch der tn zahl reichen Gegenden herrschenden Viehseuche viel weniger liefern als sonst, und da andererseits die Expedition dieser Produkte aus dem Auslande, der Butter aus .Holland, der Eier aus Galizien und Ungarn, infolge der großen Hitze mit sehr ansehn lidicn Schwierigkeiten verbunden ist. Unter solchen Umständen kann es nicht überraschen, daß die Zwischenhändler sich den herrschenden Mangel an Lebensmitteln zunuve macken, u m ihre Preise a n s z u s ck l a g e n. Wenn Paris vorerst noch seine Not an frischen Gemüsen leidet, die aus der vor treu litt) bewässerten Bannmeile geliefert werden, so sind die Preise trotzdem, beispielsweise für grüne Bohnen und Salat, um 50 - 80 Proz. gestiegen. Eine einzige Ausnahme machen vorläufig die Seefische, die in relativ genügenden Mengen nach Paris gebracht und hier um jeden Preis losgeichlagcn werden, da sich die Zwischenhändler und .Kommissionäre nicht der Gefahr aussetzen wollen, die Ware während der gegenwärtigen Vifoc innerhalb weniger Stunden verderben zu sehen. Tie See- ,'ische bilden also gegenwärtig das tz a u p t n a h r u n g S m i 11 e l der Arbeiterbevölkcrnng von Paris, die sich damit recht gut abfindet. ... .

Bedauerlicher Weise mengt sich in yewincn Gegenden des Nordens und naincntlid) in den GrnbendiNriuen um Tenain bic Politik in die M Umgebungen gegen bic Verteuerung der Ledens- mittel. Tic 5rauen, bi; m den einzelnen LrtschaNen in ge­schlossenen Zügen ausmarsr i reu und bic Händler zwingen, die Lebensmittel zu b;n von den Manifestantinnen selbst festgescvten Preisen zu liefern, hatten säst überall Versammlungen, in denen bicInternationale" aus Vollem Halse gelungen wird. Tort, ivo bie Händler siai weigern, die Lebensrnittel zu den ihnen aufcrlegtcn Preisen h;izugeb;n, werden sie eimadi sabotiert. Ganze Körbe mit Eier werden u m g c ft o 6 c n, Läden belagert und Bauernhöfe umzingelt. Ernste Aus- fdjtcitungcn tonnten bisher dank dem rechtzeitigen Eingreiien der Eenbarmen fast überall vermieden werben, obwohl and) ab »mb zu einige Verhanungen vorgciu)uiinen werden mußten. Mehrere Händler zogen es angesichts der Trohmigcn der Menge vor, bie Lebensmittel selbst zu vernichten, statt sie zu den ihnen o n g e b o t c n e n Preisen z u verkaufe n. El-arak- leristiid) ist die Tatsadze, das; d>; Weiber deS Nordens sich fehr encrgifck jeb; Einmischung des starken Geschlechtes in ihre Kund- gebnngen verbeten und selbst nicht handgreifliche Mittel gefchcut haben, um fist) der Eindringlinge zu entledigen.

Ein AuSfland der Krankenwärter.

Zeit jenes Reiter hiari, das er im-------- ,-----

Gemälde für den großen Ratiaal des Palazzo Vecchio m tfloreni inalte 1 Tie ganze künstlerische Jugend strömte herbei, um an diesem Werke die sich darin offenbarende neue Malerei zu er­lernen. Und doch war noch lange kein Jahrhundert nach der Vollendung dieses Meisterwerkes vergangen, als von ihm nur noch Kopien und die Studienblatter und Entwürfe des Meisters Kunde geben konnten. Ter Bewurf dec Mauer, so scheint es, war schlecht gewählt worden, er sog die Farben nicht aus, und als Licnardo sie durch ein Feuer zu trocknen versuchte, gelang das wohl bei den Farben des unteren Mauerteiles, aber die oberen begannen zu fließen <w<3 o?'* ^'***' 1 h"

abelsberger. rir eröffnen am Montag, ta sebtember, abends s1 iiüerem UnierriMiimnici:! Ä Aufüznlchji, r Damen und Horm Meldungen sind münblid, *i riftl. an Herrn sekretär ofec Mühlgasse 43, zu ntrcl etäizeitig beginnt ein kurm r Maachinenwchrelbti Unlieber der beiden SttcJ Teilnehmer an dem 3nlc:r rius.

abclsberaer Zttnogr«: Verein (E.v.b grgr. IMl kamcnverein Kadklsdn^

Zeitung" schreibt: Ter i V h f i u r Zzzedin«

seiner Hand erkanntes Panel, dieVerkündigung", im Louvre besitzen, das man als wohlerhalten bezeichnen kann

Im übrigen besaßen wir bisher im ganzen sieben 'icher beglaubigte Schöpfungen Lionardos, fast alle entweder unvollendet oder vom Zahn der Zeit arg zerfressen und nun ist von diesen sieden das eine von rndiLoici Hand geraubt! Wohl geben uns die herrlichen Studien und Skizzen, )ie Lionardo hinterlassen hat, wohl geben uns feine Schriften, deren vollständige Veröffentlichung jestt unaufhaltsam fortichreitet, für immer einen Begrifi von der Gewalt icines Geistes, doch das Geschick seiner malerischen und vlastischen Schöpfungen ist und bleibt eine Tragödie, wie die Kunstgeschichte feine zweite kennt.

Haus'

unter sehr

EL'^cner Lniciqcr er?

ff. TieGraburne Manfreds, des Hohenstaufen, gefunden'!' In einer Kirche des Städtchens Eeprano an der Südostgrcnzc der Provinz Rom, das schon in den Zeiten der Samniterfnegc bekannt war und m den Kämpfen oer letzten Hohenstaufen eine Rolle ivielte, befindet iid) das Grabmal pes heiligen Ardum, des Schutzheiligen der Stadl. Tiefes Grabmal stammt aus dem Jahre 1620. Aber auf beiden Seiitn der Urne beenden fick Skulpturen, Die nach ter Art der Blattstilisierung und der Blumcnomamcnte deutlich dem 13. Jahrhundert ongc- hören. Auf Dem Mittelfelde aber ist ein nach links gewendeter Adler dargestellt. Der die Krallen, wie um zu greifen, ausi'ttcckt. Tiefes Wappen stimmt nun nad) Art und Zeichnung, wie Der italienische Forscher Ciovanni Eolasanti soeben nachweist, mit Den Hob atstaufenwappen, das uns Die berühmte Chronik des LelfenfreunDes Billani im 14. Jahrhundert beschrieben hat, genau überein. Wie Die Urne nach Eeprano gekommen ist, hat Eolafanti, weiter fori'chenD, ebenfalls gefunden. Im Jahre 1614, also elf Jahre vor Der Bestattung D<s heiliggesprochenen Ardum, n>ar die alte Brücke über Den Linfluß abgebrochen worden, und bet dieser' Gelegenheit hatte man den Sarg Manfreds, der am Fuße dieser Brücke einst im 13. Jahrhundert beige,etzt worven war, gehuiben. Tgß es sich bei Dem auf gefunden en Sarge in Wirklichen ut.r Den Sarg Manfreds hanoelte, zeigt (Solaianti in einleuchtiuder Weife. Tiefer Sarg wurde damals offenbar ui jene Kirche ge-i bracht, ohne Daß Die Reste Manfreds, falls sie überhaupt als diese anerkannt worden waren, in gebührens pietätvoller Weife Darin aufberoabrt und neu beigesetzt wurden Vielmehr kam die, alte kostbare Urne gerade recht, um als letzte Ruhestätte DeS neuen Stadtheiligen zu Dienen.

Kulturbilöer aus Sranfreid).

Tie Folgen Der Hitze und Türrc machen sich natürlich auch in Frankreich bemerkbar. Man klagt dort über starke Lebensmttlelteucrung. Statt nun ruhig den Ursachen nach­zugehen und auf ordnungsmäßigem Wege Abhilfe au er streben, unternimmt es ein Teil des französischen Volkes, das sich auf seine Bildung und Kultur sonst so viel einbilbet, in rauften Strastenauftritten eine Geraallherrschafl zu inszc gieren. Um das Bild zu einem besonders lieblichen zu machen, hat die Frauenwelt dabei Den Bortritt genommen, und es heistt, daß sie sogar die Einmischung der Männer energisch abgewehrt hätte. Folgende Meldungen geben inen Begriff von dein Aufruhr:

Zwangsmittel gegen die Bäcker.

Paris, 30. Ang. In B i l l Y - M o n 1 i g n h bet Len veranstalteten die Einwohner eine Strastenkundgebung gegen bic teuren Lcbensmiltelpreise und zwangen zahlreiche Bäcker,sichschristlichzuverpflichten, das Kilo gramm Brot zu 30 Pfg. zu verkaufen. Ein Bäcker, der infolge seiner Weigerung von Den Leuten bedroht wurde, fchost einen der Angreifer nieder. Tie Menge stürzte sich ans ihn und mißhandelte ihn furchtbar; sodann drang sie in sein Haus ein und vernichtete die ganze Ein­richtung. Tie Gendarmen, die einschreiten wollten, wurden mit Steinen beworfen und mehr ober minder erheblich verletzt. Erst der aus Lens herbeigeeilten Gen- darmerie gelang es, die Ruhe einigermaßen wiederherzu­stellen.

Qln Sturm gegen die Butter- und Sierhandler.

In St. Quentin stürmten heute vormittag 1500 Webergehilfen Die Lerkaufsstände Der Butter- und Eierhändler und vernichteten einen großen Teil der Waren, weil die Händler zu hohe Preise verlangten. Die Polizei -oar außer stände, die Händler zu schützen. In mehreren Orten bei Truai und Nantes veranstalteten Arbeiter rauen heute vormittag. S t r a ßs n kn n d g-e b u n y e n gegen die teuren Lebensmittelpreise und zwangen einen Teil der Händler, Die Preise zu ermäßigen.

Bezoqspre,»:

m cm .ult* 75 IM., viertel« läbriid) Mk. 2»0; durch

> ..bbolf- u. Zweigstellen monatlich KL PI.; Durch die Post Mk.r.viertel- fährt auSschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ ausivart» 80 Pfenniq. Chefredakteur: -lLoetz. Beraiuworlltch für Den ____ ___ polmsdren Teil: Auaust General-Anzeiger für Oberheffen MM? rlnnatzme von Anzeige« Rotationsörud und Verlag Der vrühl'schen Univ.'Vuch' und Stcinönideret R. Lange. Redaktion, Erpedktion vnd vrnckerel: 5chulstraße 7. «and': Heilem r Den dl! oornV's'uh^ Büdingen: Fernsprecher Rr. 50 Heschäftrpelle Bahnhofstraße 16«. __________ Au'-is-ntril: H. «eck.

(Eine Tragödie der Kunstgeschichte.

Unter Den Hundcrttausenden, bic überrascht und entrüstet von dem frechen Raube der Gtoconda aus Dem Louvre Kenntnis genommen haben, haben sich wohl nur sehr wenige ver gegenroärtigt, welch ein dämonisches Lchicktal Darin hegt, Daß gerade eine Schöpfung Lionardo da Vincis von bieicnt Frevel be­troffen worden ist. Tenn diesen Meister hat in einer Art unD in einem Maße, wie die Äunstgeschickte es lonit nicht kennt, schon zu seinen Lebzeiten und erst reckt bann nach icmeni -tobe auf Schritt und Tritt ber Fluch d erfolgt, babi lerne Werke fast alle nach unb nach dem völligen U n t e r- gange ober ber entiteHcnben Zerstörung anheim fielen. Weltbekannt ist es, baß sein grotzes Abendmahl im Refektorium des Klosters Santa Maria belle Grazie zu. Mai- land schon nad) wenigen Jahrzehnten die Spuren eines starken und unaufhaltsamen Verfalles aufwies. Gleichviel, ob das vou Lionardo gewählte, für die Wandmalerei nicht geeignete Mal- verfahren, ob die nickt ausreichend entfernte Feuchtigkeit der Mauer, ob endlich bie sorglose, ja zumteil frevelhafte Behandlung des Werkes die Schuld trug, Tatsache ist. Daß bic Zerstörung des Werkes im Lause der Jahrhunderte immer weiter iort- geschritten ist und daß wir heute diese in der ganzen Kunst­geschichte einzig dastehende Schöpfung nur als eine traurige Ruine besitzen, von der der treuliche Restaurator Cavenaghi ravicl zu retten versucht hat, wie möglich ist. Und das ist nicht das ein jige Werk von Lionardos Hand, bas diesem Schicksale ver fallen ist.

i fließen Ms Basari"im Jahre'156.) bens weggeschwemmr worden Unb 10 bat e5 Der auf Den ^moDiuiigcn Saal umhaute, war bie @cfd)td)te diese» Sette» bereit» tut immer maebngen WMe» ntlenbe VJ

zum Abschluß gelangt AlL Drittes Unglückswerk in biefer Reche > von Lwnardo nur em emziges Heine», erst, neueromg-,. ais

ginalitftt unb Kühnheit willen bic höchste Bewunbcrung erregt hat Auck hier müssen wir und Damit begnügen, auf ben Skizzenbüchcrn des Meisters uns eine kümmerliche Vorstellung Der untergangenen Arbeit zu erschließen, da das Modell selbst beim Eimalle der Franzosen durch aascognische Bogemchnyen zerstört worden ist. dteilid) bis zur Vollendung im Gusse hat Lionardo das Werk nickt gebracht, was ihm eine scharfe, ja giftige Bemerkung von Michelangelo eingetragen bat. Unb ba­nnt kommen wir auf em zwe«es Kapitel bes Unglücksromanes von den Schicksalen der Werke Lwnardos. Lckon bie Zeit­genossen haben ihm zum Vorwürfe gemacht, daß er viele begonnene Serk die das Allerhöchste versprachen, nicht vollendet habe. So ist bie herrliche Anbetung der Könige, an ber Lionardo 1481 arbeitete, eine Ccluntermalung am Holz ge­blieben, in welcher Form man sie noch heute in der Umzien- galcric zu Floren; bewundern kann, unb ebenso bat Vtonarbo ben höchst geistreichen heiligen Hieronymus bed Sali- katis unvollendet gelassen. 4-ie äußerst spärliche Zahl von Werken aber, bie Lionardo wirklich bis zu Ende geführt hat unb die zugleich fick bis beute erhalten haben, haben durchweg stark gelitten So ist seine Felsenmabonna i m Louvre in übler Veriassung unb zum Ted stark übermalt, und auch Der in derselben Galerie aufbewahrte I o h a n n e 5 , an dem wohl übrigens von vornherein eine Schülerhand mitgearbeitet bat, ist in manchen Partien sehr schlecht erhalten. ä.azu tritt nun end­lich noch eine große Anzahl von Werkm des Meisters, bic spurlos verschwunden und. Verschwunden ist das Ge­mälde das er nach dem berühmten Harten ber heiligen Anno felbbritt ausgemhrt zu haben fcheint .unb welches nicht m Dem bekannten Bilbe des Louvres zu erkennen ist.. Bcrschwunden ist bas original bieses wundersamen Kartons selbst, verschwun­den feine Lcba, von Deren Schönheit noch eine Anzahl von 'loDien zeugt spurlos verschollen sind seine mylbologuchen ftellungcn, wie bic des Bacchus, Der Venus, der Pomona, an Denen Lionardo, wie wir roinen, gearbeitet bat, unb ferner eine aan-_c An;al)l von religiösen Bildern, bie gleichfalls als seine Schöpfungen genannt wetten. Auch bas Bildnis der Gincora d'e' B e n c i, an dem er in derselben Zeit gearbeitet bat, in Der er bie Mona Lisa porträtierte, ist von der Z-tt, wer weist wohin, Unb so bat es ber auf den Schöpfungen

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Paris, 30. Slug Tas Syndikat der raufen» to ä.rt v de t älfjintl^ Wen L . naier. Das bisher vergeb lid. gegen die angeblich mangelhafte Verköstigung und die gesuiibhcilsschablichen Schlafstellen und insbewndcre gegen Die Beitragsleistung zur Arbeilcrpensionstane Emiprud) erhoben hatte, droht mit dem Ausstand. Von 4000 Krankenwärtern, gehören 34(X) dem Syndikat an.

Die wieder beginnenden lXutjch-jranzöslschen Verhandlungen.

Berlin, 31. Slug. Ter französische Botschafter in Berlin, Herr Jules Eambon, wollte gestern abend udli .Paris nach Berlin abreifen. TerBerliner Lakalanzeiger" siellt in einem Artikel über bie Entwickelung Der Marokko- frage, als vollkommen sicher hin, daß von Gebiets» abtretungen in Marokko bei Den Verhandkungen zwi­schen Teutjchland und Frankreich überhauptniemals die Rede gewesen ist. Tamit falle auch die Fabel, Teulschlauds Zurückweichung vor England, in nichts zu- jammen, und das Löwengebrüll der'britischen Minister er- scheine als das, was es in Wirklichkeit war, als billige Rodornontaden, berechzzet auf Wirkung nach außen, be­sonders aber nach innen Was die Langsamkeit der Ber- yandlungen betrifft, so sei sie ertlärlidi dadurch, daß sich die Franzosen langiam an den Gedanktn gewöhnen, wenn ist das glcid)falls hochberühmte Modell zu nennen, das Lionardo in Mailand zu einem Reiterbe ukm a l c für Fran­cesco Sforza hergestelkt unb das gleichfalls um feiner Ori-

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Bon unserem Pariser Mitarbeiter erhalten wir über diese Vorgänge folgende Ausführungen:

0 Paris, 30. Aua Tie.Empörung gegen die Teuerung nimmt, namentltd) im Norden, einen bereits bedenklichen Um fang an, so daß die Bchörden im Auftrage des Ministers des Innern Vorkehrungen getroffen haben, um allen neuen Aus idjreitungcn vorznbeugcn. Tic Teuerung, die ursprünglich aus allgemeine Gründe unb Ursachen zurückgeführt wurde, io be­sonders die f o r t g e s c tz t c E r h ö h u n g o c r A r b e, t e r l ö h n e und mithin ber Erzeugst ngsko st en, ist gcrabc in d.e,em Zahrc burch bie aiihaltenbe außergewöhnliche Hitze und Trockenheit erheblid) gefördert worben. Indes jcbodi bic Hausfrauen beS Nordens fick entsdstossen zeigen, zur ^elbuhilic iU greifen, indem sie bic Lebensmutelliändker und Bäcker zwingen, ihre Produkte zu beftimmten Preisen herzugeben, nchmvn bic Bewohner von Paris vorerst noch bic Teuerung ruhiger hin, obwohl sic gerabe hier bic größten Fortschritte gemacht bat. Daß man aber auch in ber Hauptstabt nicht ohne Besurchtungcn hinsichtlich ber Folgen ber Teuerung ist, geht aus der Tatsache hervor, daß schon feit einiger Zeit ber Polizewrasekt Lepme feine Untergebenen angewiesen hat, in aller Linke Erhebu^igen über bic gegenwärtigen Lcbensmittelpreise anzustellen <n'c

ie T^utschlandS Zustimmung zu dem Geschehenen haben wollen. Dafür zahlen zu müssen Außerdem handelt es ich um bic Regelung einer Anzahl von Tetaiks. Wenn >ic neuen Grundlagen, welche der französische Botschafter nach Berlin miibringen wirb, im groben und ganzen an­nehmbar sein werden, was vermutlich das Auswärtige Amt beute noch nicht weiß, wird man sich daraus gefas t machen können, daß noch acraiimc Zeit verstreichen wird, bevor alle Pünktchen auf Die i gesetzt sind.

Tic von den gestrigen Pariser Abendblättern dem französischen Botschafter nach Berlin mitgegebenen wohlgeineinten Ratschläge wiederholen im wesentlichen das, daß Frankreich keinen Anlaß habe, über bie von ber Gesamt- rcgicrung gutgeheißenen Zugeständnisse hinauszugehen Ein Olelcitsspruch ist,gemeinfani standhaft zu bleiben gegenüber offenen ober verhüllten Bestrebungen Tcutfdilanbo, an irgend einem Punkte Marokkos festen Fuß zu fassen" Min­der pathekisch Ringen bic Acußerungen in der Frage der Abgrenzung der Aequatorialgebiete Hervor- zuheben ilt, daß die noch vor wenigen Tagen in den Zei­tungen sehr beliebt gewesene Form der geharnischten Ent- w c b e r: C b c r aus ben Erörterungen über bie beginnen ben Berliner Bcrhanblungen verscknvunben ist. Es scheint, baß bicjc maßvolle Sprache in einem so wichtigen Augenblick aus ben Wunsch bes Herrn Eambon zurück- zusühren ist.

Ter bloß gestellte englische Botschafter in Wien.

So u bo ii, 30. Aug. Aus eine Anfrage bezüglich ber Vermutungen, Die in ber Presse DeS Kontinents wiederholt an Die jüngst in DerNeuen Freien Presse" erschienenen Ar­tikel geknüpst werden, erhielt das R e n t e r s ch e Bureau vom Auswärtigen A m t ö i c Antwort, daß kein britischer Diplomat für das betreffende In­terview verantwortlich sei.

Tiefe Erklärung, die übrigens auch kein Tcmcnti ist, so schreibt das Wolfffche Bureau, ähnelt der bereits gestern vom Rcuterbureau der englischen Presse gegebenen Mit teilung, wonach man in Londoner amtlichen Mreifenkeinen englischen Tipiomaten kenne, der für das Interview ver- anttvortlich 1.1' Di citcte Meldung klingt bc

ftimmter; es ist aber zweif'ell)aft, ob eS sich wirklich um eine neue bestimmte Meldung oöer nur um eine im Jnier- cfje des Anfchcns ber engli>chen Diplomatie beliebte Un genauigkeit handelt. Cb Sic Eartwright in Wien vteibt ?

«Eine Marokkovrrfammluug in Berlin.

Berlin, 30. Aug. Eine heute obgehaltene Marokko- Versammlung nahm eine Entschließung an, bic verlangt, Tcutschland solle von Frankreich bic Rückkehr auf den Bobcn her Algecirasattc fordern oder fich gleiche Rechte in West Marokko sichern, wie Frank­reich in irgend einem anderen Teile beanspruche. Tic Redner betonten, man wolle bic Regierung nicht in einen Mticg hetzen, aber bas friedliebende Teunchland werde nötigen­falls wie ein Mann die Ehre und oie Interessen Tenisch- landS verteidigen.

Eine französische Eisenbahn von Easablaaca nach Rabat.

Paris, 30. Aug. Aus Versailles n>iro gemeldet, daß zwei Hompagnien des 5. Gcnieregiments nach Marokko abgehen, um eine Eisenbahn von Easavlanea nach Rabat zu bauen. ___________________________________________

Vie Ankunft der tüttijchen Thronfolgers in Berlin.