Ausgabe 
31.10.1911 Zweites Blatt
 
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161. Jahrgang

Zweites Blatt

Ir. 256

Um den Drachenthron.

Lüden Chinas ergriffen: von

19

isch-Betlin.

4-6 Ubr:

Sie ist am Waschtag unentbehrlich, Sie ist der Wäsche ungefährlich ? Sie macht wie Schnee die Wäsche weiss' Jhrgilt daher allem der Preis!

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rstadt.

amt Willkomms.

trldjetnt täglich mit Ausnahme deS Eonntag«.

DieOtthrner KomiliendläNer" roerben dem ,Anieiger' viermal roöd) entheb beigelegt, ba8 * Krettblatl für de- Kreis Lietzen" ircrimal wöchentlich. Ttetandwlrtichaltltchen LrU- fragen" erlchemen monatlich jroeimoL

Dienstag, 5(. Gttober 1911

RotancniSdrutt und Verlag der Br üblichen Universität-»Buch- und ktetndruckeret, R. Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: straire 7. Exved non und Verlag: IHct-aftion-.e^ 112. Tel.-1?ldr- AnzeigerDteßen.

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Aur Seffcit.

Aus dem Wahlkreis ObcrftabtKrieSheim.

Ter Vorsipenbe des Lande-auSfchuffeS der na ionaHibe- rafen Partei, Tr. Osann, veröffentlicht an die Dähl-er deS 13. Wahlkreises El^rstabt-'Uri''r'lmim folgend- Aufforderung:

Tic nntinnnKiW.-r.ifc Partei bat im 13 Wahlkreise einen Kandidaten nicht flufgeftefit, so dass sich nur die Kandidaten der fortschrittlichen Vvlksvartei und der Sozialdemokratie entgegen- stehen 3d) ersuche die nationalliberaleu Wähler, für den Kandidaten der fortschrittlichen VolkSvartei Vauunternehmer Lames in Darmstadt die Stimme abzugeben und für dessen Wahl mit aller Kraft einzutreten.

doinuS Jüanschikai.

Tiefe Verhältnisse scheinen ja nun das belgisch-englisch- sranzösische Bankionsortium veranlaßt zu haben, China eine Anleihe in Höhe von 120 Millionen Mark lediglich auf kaiserliches Edikt hin zu bewilligen. Aber von dieser An- leihe wird die jetzige Nationalversammlung ebensowenig etwaS wissen wollen, wie die Revolutionäre. Tie National­versammlung will überhaupt in keine auswärtige Anleihe willigen, weil China dadurch immer mehr in Abhängigkeit von den fremden gerät, und den Revolutionären kann man es wahrlich nicht verdenken, wenn sie im Falle ihres end- I gültigen Sieges keine Anleihe einlösen wollen, bie zu ihrer I Niederwerfung bestimmt war. In Japan dagegen sieht man in dieser unter der Hand aufgenommenen Anleihe ein | Moment, das unter Umständen zur Verletzung der chinesi­schen Integrität ausgebeutet werden könnte. Nun, Japan I wird wohl, da die kaiserliche Familie sich, wie man hört, : im Falle der Eroberung Pekings durch die Rebel-len nach Mulden flüchten und dort unter japanischen Schutz stellen will, auch so Veranlnssung haben, in bte Verhältnisse der neuen Republik China einzugreifen.

Ob Jüanschikai, der Vielgewandte, nicht ein doppeltes (ober gar dreifaches Spiel spielt, durch das er selbst über Republik und Mandfchutum auf den Trachenthron gelangen will ? Ehrgeizig ist er dazu trotz seines Alters genug. Muy es doch im höchsten Maße auffallen, daß gerade nach der ! Ernennung Juanschikais zum Generalissimus em Armee- ' korps von 27 000 Mann, das dicht vor den Toren Pekings steht, und das Jüanschikai, der es selbst organisierte, bis aus den letzten Blutstropfen ergeben ist, am Sonntag der kaifer- lichen Regierung ein Ultimatum unterbreitet hat, das von sämtlichen von Jüanschikai kürzlich auserwählten Gene­rälen unterzeichnet ist. Es wird darin im Einverständnis mit der Nationalversammlung die Forderung der sofortigen Einführung einer wirklichen Konstitution und einer weit­greifenden Schmälerung der Rechte des kaiserlichen Hauses erhoben, wenn daS Korps nicht Peking stürmen folL

Neues Rachgcbcn des Thrones.

Peking, 30. Okt. In einem kaiserlichen Erlaß, der heute veröffentlicht wurde, red)tfertigt der Thron feine bisherige Untätigkeit, kündigt den sosortigen

Der gegen die den Chinesen verhaßte Manbschubttnastte ursprünglich in Hupe und Hankau ansgebrochene Aufstand bat allmählich den ganzen Süden Chinas ergriffen: von Ecmton bis Nanking befindet sich das 300 Milltonenretch in hellem Aufruhr, und man fürchtet jetzt sogar, daß die nach europäischem Muster ausgerüsteten und ausgebildeten Re- betlenheere, die von tüchtigen Generalen befehligt werden, nach Peking marschieren, nachdem fid) der vor kurzem von bet Regierung ausposaunte Sieg über die Rebellen bei 5» auf au als ein Sieg auf dem geduldigen Papier heraus- gestellt hat.

Im Kaiserschloß zu Peking hatte man diese Gefahr schon lange kommen sehen; man klammerte sich aber an die Hosinung, daß es dem großen Staatsmanne Jüanschikai, den man vor bald 3 Jahren vom Hofe verbannt hatte, gelingen würde, noch einmal die Mandschudynastie zu retten. Jüan­schi kai hat lange gezögert, die ihm angebotene ehrenvolle Mission anzunehmen, indem er ein altes F-ußleiden o s Grund feiner Weigerung angab und sich damit einen sehr sarkastischen Witz gegenüber der Regierung erlaubte, weil im Januar 1909 gerade dieses Fußleid.n in seinem Cntlassungs- betret als Grund angegeben war. So mußte man in Peking an das Fußleiden Jüanschikais glauben, obwohl man ganz genau wußte, daß der alte Fuchs nur deshalb mit seiner Reise nach den vom Aufruhr bedrohten Provinzen zögerte, weil er seine Vollmachten noch verstärkt sehen und überhaupt die ganze Entwicklung der Tinge in den aufstän­dischen Provinzen noch etwas abwarten wollte.

Tas mußte, da Jüanschikai selbst Chinese ist, dem man­dschurischen Kaiserhause ohne weiteres verdächtig sein. Aber man fand eben keinen anderen Retter in der Not, als Jüan­schikai und mußte deshalb feine Forderungen blindlings annehmcn, zumal sich der Rebellenführer Liiüanhcng in­zwischen zum Präsidenten der neuen chinesischen Republik proklamiert hatte. So erhielt Jüanschikai am 27. Oktober den Titel eines Alterhöchstbevollmächtigten, also eines Gene­ralissimus, dem die ganze Heeres- und Flottenmacht un­abhängig vom Kriegsminister unterstellt wurde. Aus seinen Wunsch wurden die Kriegs- und der Verkehrsminister entfernt und eine ganze Anzahl anderer wichtiger Posten mit Chinesen besetzt, ja, die Regierung mußte ihm sogar eine zu seinem persönlichen Schutze bestimmte Leibwache von 12000 Mann zusichern. Tas Hingt, zumal Jüanschikai auch im Einverständnis mit der Nationalversammlung, bte augenblicklich in Peking tagt, eine Reihe gesetzgeberischer mib administrativer Maßregeln zugunsten der Reformer und des Chinesentzrms gellend machte, deren Erfüllung ihm zugesagt wurde, schon sehr nach Til'tatur, mag man auch in der verbotenen Stadt noch so sehr darauf hoffen, baß eS Jüanschiiikai gelingt, mit bcn Rebellen zu einer Einigung zu gelangen, daS noch auf einige Zeit bie Existenz der Mandlchn'di nastie sichert, wenn auch unter dem Major-

Erlaß einer Verfassung und die Bildung eines Kabi­netts an, von dem der Adel a u S g e s ch l o s s e n ist unb idicrt den Aufrührern und politisch Schuldigen Ver­zeihung zu.

Ein kaiserliches Edikt erteilt den Beamten eine Rüge, daß sie das Geld deS Volke? veruntreut hätten. Ter Kaiser schwört in dem Edikt die Verfassung zu refor­mieren unb sie gewissenhaft zu beobachten. Er fordert die Untertanen auf, ihn nicht mißruverstehen. Wenn bas Volk, verleitet von Verbrechern, sich nicht einige, dann fei eine Zukunft Chinas undenkbar. Von dem Thron sei ein besonderes Edikt erlassen worden, in bem allen politi- s.chen Verbrechern Straferlaß gewährt wird, die im Zusammenhang mit der Erhebung von 1890 unb anberen iolitifd)cn Ausständen verurteilt worden sind, sowie auch jenen, die der jetzigen Revolution gezwungen sich ange- chlossen haben. Ter bisherigePräsf "nt der Ra­tio n a l v e r sa mmlungHahis h u, ein M inbfdju, wird zurücktreten und von bem (Hnncfcu Litschiatu ersetzt werben, ebenso wird der Dolizeiminister Küsitschun seines Amtes enthoben und durch den Chinesen Tsd)aopingtschun ersetzt.

Die letzten Kämpfe.

Han kau, 30. Eft. Heber das Gefecht am 27. Ok­tober werden nachträglick; noch folgende Einzelheiten be- fannt: Bei der Annäherung der Regierunastruppen gaben die Aufständischen gestern ihre starke Stellung hinter den Brücken, Dämmen unb Eifenbahnübergängen ber Sümpfe des Siebenmeilen-Creeks auf. Zehntausend Mann Regie-

Gießener Anzeigen

General-Anzeiger für Gberhesten

Mich0 a"yL,= .

»s.Whr

Drillinge.

Als uns der Himmel im Juli v. I. Drillinge schenkte, empfahl uns der Arzt bald, wir sollten die Kinder zu ihrer Stärkung und Kräftigung ständig Scotts Emulsion ein- nehmen lassen. Wir haben dies daher über ein Jahr lang regelmäßig durchgeführt und sind der festen Überzeugung, es nur -Scotts Emulsion zn verdanken, daß sich die Kleinen (2 Knaben und 1 Mäd­chen) so prächtig entwickelten und auch für die Zukunft das Beste versprechen. Der Appetit ber Kinder ist andauernd ausgezeichnet, ihr Geist lebhaft; die Zähnchm sind, ohne Beschwerden zu verursachen, durchgebrochen, und alle drei, die ziemlich zu gleicher Zeit laufen lernten, bewegen sich jetzt zu unserer großen Freude stink und sicher umher. Ter Arzt hat kürzlich erst wieder bestätigt, die Drillinge seien kl äs­tige, blühende Geschöpfchcn ohne irgend ein Zeichen von engli­scher Krankheit oder ähnlichem. Scotts Emulsion ist tat­sächlich ein wahrer Segen für unsere Drillinge gewesen.

MiftcUiina von Herrn Sobrrt SSirv, TU-ersrld, Siet tanbifrr. U, btn 11. Trz. 1810

Man verlange und kaufe nur Scotts Emulsion.

ScottS Emulsion wird von nn« auSf4tidj(i$ im groben teilcut. nr.b »war niee nach toewicbt oder Matz, sondern nut in versiegelten Crtgt.tci'IafOt.t in Horton tau unieter eäuimarfe (Fischer mit dem Lorich,. Gtott Lbetone e. m. b. H tjrir.fh:rt u. M.

LUftandteUe: jreinftetSlebUinsIdJebe-rttaB Wft, frima Sly;erin V'ft, unter« T'Dirsongiantet Äolt 4ft. innerer Spbonafautei fiaton 2ft, £uid. 2tonant ift hinficr ctai. ®ammijpinr. »ft. ^:«ser in ft, «Ikohol 11--. Hrrtju alvoüärlche U nullten mit Mandel» unb Gaultherrart je i »ropttn.

rungstruppen passierten während der Nacht unb ber Mor­gendämmerung dies Defilöe und griffen heute früh die Aufständischen an, die in einer Stärke von 5000 Mann sich erneut verschanzt hatten. Tic Verteidiger behaupteten die Stellung hartnäckig, obschon die überlegene Artillerie des Angreifers sie mit heftigem Shrapuelfeuer überschüttete. Auch die acht Kanonenboote des Admirals Sah näher­ten sich dem Schauplatz des Kampfes, zogen sich dann aber noch einmal zurück, als ob ber Admiral zu dem Entschluß gekommen fei, sich nicht am Gefecht zu beteiligen. Später kehrten sie wieder und fügten den Aufständischen durch Beschießung von rückwärts große Verluste zu. Tie Batterien ber Aufstänbischen erwiderten das Feuer, vermochten jedoch keine Wirkung zu erzielen. Die Aufständischen traten in guter Ordnung den Rückzug an. Die Regierungstruppen folgten unmittelbar, unter­stützt von dem Shrapuelfeuer ihrer Batterien. Ter Kampfes- mut ber Aufstänbischen war so wenig erschüttert, baß sie nachmittags mit Verstärkungen zurückkehrten und einen Gegenangriff versuchten. Ter Kampf war völlig ungleich. Die gut ausgebildeten Regierungstruppen warfen bie be­waffneten Laufen mit Shrapnel-, Maschinengewehr- und Gewehrseuer zurück. Tie Aufständischen vermochten aller­dings ihre Geschütze zu retten. Die Kanonenboote nahmen am Nachmittagsgefecht keinen Anteil.

Peking, 30. Okt. Tie Tätigkeit ber Aufstänbischen in Taiguanfu, die sich eines Abschnitts der Bahn Peking-Hankau bemächtigt haben, erregte in Regierungs- kreisen Bestürzung. Man entsandte in großer Hast die Truppen nach Schansi. Eine andere Verteidigung der Hauptstadt wurde bereitgestellt. Unter den Mandschu- beamten ist eine Panik eingetreten. Viele bereiten die Flucht vor.

Schanghai in Flammen?

Schanghai, 30. Okt. Eine amtliche Funkendepesche meldet: Die Kaiserlichen sind nach heftigem Kampf westlich der Rennbahn in die Stadt eingedrungen. Die Stadt brennt an verschiedenen Stellen.

Tie Rückeroberung Hankau?.

London,- 30. Okt. Der Korrespondent des Reuterschen Bureaus telegraphiert aus Siackonsien unter dem 29. Oktober: Tie Rückeroberung Hankaus nahm bereits drei Tage in Anspruch, und immer noch ist der Widerstand der Ausstandi- schen nicht völlig gebrochen. Aus den Erzählungen verwundeter Soldaten, die von der Front zurückkehrten, gebt hervor, baß ber Kampi bei der Einnahme von Liuchiamiao am Freitag srüh besonders heiß war. Tie Aufständischen leisteten tapferen Widerstand und richteten cm tödliches §euer aut bte Kaiserlichen von den Dächern der Häuser, von wo ne sich, durch bas Feuer der kaiserlichen Geschütze gezwungen, später zuruckzogen. Ter Kamvf wurde am Sonnabend mittag wieder ausgenommen. Der Angriff auf Hankau wurde am Sonnabend abend wieder eröffnet und die Stadt am Lonntag eingenommen, xie Kaiserlichen wateten durch Wasser, das ihnen bis an die Brust ging, und schossen die A u f st a n d t > ch en nieder, die sich ihnen m großer Zahl entgegenstellten, xer Kampf selbst dauerte bis 4 Uhr nachmittags.

Rme Kundgebung in Tientsin.

London, 30 Okt. Nach einer dem Reuterichen Bureau auS Tientsin zugegangenen Meldung man'cf)terten bte a (is­ländischen Truppen heute früh rund um bte Ftwmbcn- niederlassungen, um vor ber emhetnmchen Bevölkerung eine Kundgebung zu veranstalten. ...

London, 30. Okt. Ter Zollkommmar hat einen von Schuyenfung im Namen ber Tientsiner 3 niet g"o m t» tees unterzeichneten Brief erhalten, in dem mtigeieilt wird, baß bas Komitee die Absicht hat, binnen kurzem von 4,1 ent f in und Peking Besitz zu er g r c neu_____________

Mmtki. 6p der worin. Dr. Do? aller Art: GeweM| n. Produkte. @ebr®H ngen, Datier usw. L iboratoYUini I

igM liniksiraße).^ beud von 7 , Lungenkranken und^ prtme in re Mg-h-ng-n

Volt.

Seer mit Flotte.

Von ber französischen Marine DieLibre Parole" verlangt, baß für daS verunglückte Panzerschiff LibertS" rafchcstcns Ersatz geschaffen werbe unb regte zu diesem Zwecke an, daß Frankreich mit ber brasilianischen Regierung wegen Uebcrlassung eine- ihrer DreadnoughtsMinaS GkraeS" oderSao Paulo", die für Brasilien angeblich einen LuxuS- gegenstand feien, in Verhandlungen treten nwgr^

ZlrbeiterbctDcgung.

Tic TabaVarbeitet in Bremen lind zu Gunsten der Arbeiter von Westf"l<»u imh Livve in d'tt Svmvathie- a u 5 ft a n b getreten. Die Zahl der Ausständigen beträgt zu­sammen etwa 1000. In einer zahlreich be,mixen Versammlnitg von Arbeitern der H e i z u n g S b r a n ch e wurde besdstosseit, am 1. November in den Ausstand zu treten. ES kommen etwa 600 Personen in Frage.

In Essen haben über 100 nicht organisierte Tabak- a r b ei t e r in den letzten Tagen die Arbeit niedergelegt unb sich den ausgesverrten Organisierten angeschlossen. Weitere Kündigungen stehen bevor.

In Berlin fanden gestern abend vier Versamm­lungen ber Damenschneider unb Schneiderinnen unb der Heimarbeiterinnen statt, in denen zu dem Streik Stellung genommen wurde. Tie Arbeiter und Arbeiterinnen bestehen auf einer 15 prozentigen Lohnerhöhung. Bei einem allgemeinen Aus­stand würden 50 000 Personen in Betracht kommen.

Vie Unierschlagungen beim 3n,anterlc=H6jimcnt 6|.

4 Thorn, 29. Oktober.

In der fortgesetzten Verhandlung vor dem Kriegsgericht der 35. Division wegen der umsangrcicheu Turchstechereieii und Unter* schlagungen beim Infanterie-Regiment Nr. 61 kam der wider' rechtliche Verkauf ber Patronenlpilsen zur Sprache. Die daran beteiligten Angeklagten behaupten, daß sie nichts widerrechtliches getan haben. I

In der Zeugenvernehmung bekundete ein Unteroffizier, der Menagebuchhalter war, daß er beim Anttitt seines Urlaubs fünf Säcke Kaffee zu je 60 Kilo zurückließ. Als er wiederkam, merkte er, daß vier von den Sacken fehlten. Er benachrichtigte einen Offizier, der eine Llevision vornahm. In einem verschlossenen Raume deS Kantinenwirts Gretzunger wurde dann ein Sack ge­funden, die übrigen drei wurden bei einem Kaufmann, der Ab- nehmer des Gretzunger war, entdeckt. Der frühere Kantinen- Pächter Gretzunger erllart sich für völlig unschuldig. Allerdings könne er sich auf vieles nicht mehr recht besinnen. Die Waren, die er an andere Kauflettte weiter gab, hätten auS seinen Be­ständen hergerühtt, teils hätte et sie auch bei den Menageliefe­rungen geipart.

Im Laufe ber Zeugenvernehmung ermahnt ein KriegsgerichtS- rat einen Zeugen, die volle Wahrheit zu sagen mit der Bemerkung, daß in diesem Prozeß 90 Prozent der Zeugen verdächtig sei.

Der Buchhalter Voge von' der Firma Born u. Schütze, die die gestohlenen Patronenhülsen kaufte, erklärt, seine Firma habe nicht annehmen können, daß die Hülsen aus Diebstählen herrührien. Der Vertretet ber Anklage hält dem Zeugen vor, in Thorn wisse lebet Händler, daß Unteroffiziere unb Mannschaften keine Hülsen verlaufen dürften: es fei auffällig, daß die große Firma Born u. Sckmtze dies nicht wisse. Tic Verhandlungen wer den fortgesetzt.

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