Ausgabe 
31.10.1911 Erstes Blatt
 
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161. Jahrgang

Erstes Blatt

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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

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i t bte 91eboftion 112, Itfdnq u. Expedition 51 llhicfie lur Depeschen:

Einberufung italienischer Reservisten.

TerBerliner Lotalanzeiger" nielDet aus Ehiasso Wie dasGiornale d'Jtalia" meldet, ist die Eindem

11.

Göbelnrod.

sein. Ter Lpitzüergischrn Station ist es gelungen, sich einige Male Verbindung mu der deutschen Telesunienstarion Nord.» deich und der irländischen Station Poldhu zu schaffen.

Nr. 256

Tex «iebener Anzeiger etidifint täglich, außer Sonntag-. - Beilagen: nin mn ( wöchentlich Oits-tnerZamilienblütter, ifvttinnl ipödientl.KteiSi dlattsvedeullreirSietzen

siellerisch wie stimmlich besonders gut aufgehoben. Etwas weniger | gewinnende Stimmittel vermochte Fräulein Schaub als die Mgcndschwache Frau Georgette zu entfalten; doch hatte auch sie reckt glückliche Momente, besonders bei dem ergötzlichen Schwanken zwischen ihrem koketten Treiben und der Angst vor dem ver­räterischen Glöckchen. Ihre Ehehäl.tc, der dummpftisigc^ boshafte und stets geprellte Thidaut, überwiegend Spreck>- und Sviclroll?, fand in Herrn Bernhardt einen sehr gewandten, mit na­türlicher Komik begabten Vertreter. Prächtig lag Herrn S e m v e r der flotte, stets wein- und liebedurstige Wachtmeister Belamy. Wie üblich, wurde von ihm im 3. Akt das LiedSoldatenart" von Abt, eingelegt, dessen frischlebendige Wiedergabe über die Leere der Kor.iposition hinwegtäuschcn konnte, Herr Jahn als Snl- vain gebot über recht gute Stimmittel: beiSck)macht"-Ltcllen möge er sich vor dem Klebenbleiben hüten, die nickt seltenen Plattheiten der Musik verttagen das nicht: sie sind am erträg­lichsten bei stets flottem Tempo und leichtem Zugreifen, (im Teil des Publikums schien zwar bei mehreren besondersgemhlovl.en" Stellen des Werkes anderer Ansicht. Nun, ohne oie gewährte Salbung mit einigenSckmal;"-Tropfen geht cs nun einmal nicht! Tie Chöre waren recht frisch: schade, daß ihre Amgabe manchmal musikalisch etwas durstig ist. Regie und Inszenierung ließen kaum zu wünschen übrig. Für die Pausen dün-e sich wohl eine kleine Kürzung und für den Souffleur-Kastengeist etwas mehr Vorsicht empfehlen. Tas zahlreich erschienene Publikum zeigte sich mit Recht dankbar für die gebotenen, hier nicht allzu- käufigen Genüsse. Dir würden uns freuen, die verehr.en Darm­städter Gäste bald wieder hier sehen zu dürfen. Vielleicht ver­mitteln sie uns bald einmal den G.enuß einer oder der anderen bedeutungsvollen Neuheit. P;

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Studentenparlament in Leipzig. Deute ver­sammelten sich auf die Einberufung deS UniversitälSrektors Pros. Tr Lamprecht etwa 2000 nicht inkorporierte Studenten, die über die Satzungen des seit langem geforderten Studenten­ausschusses, den Entwurf des ersten S«dentorwarlsm«tts ad- ftimmat sollten. Geheimrat Lamprecht -^.richnere btn_ Zag als einen der denkwürdigsten, di- in der Entwicklung der S "v ickaft zu vcrzcickncn und. Ber der Ab unmung wurden ungen gegen eine kleine Minderheit c:;_ setzt sich aus zwei Ausschüssen zusam. deuten und der nicht infoi pariert en C

zweiniol monoil. tant>- «irlschaftliche Leilfracea ^eniiprcd) - Anschlüsse:

Tie Rückeroberung von Tripolis durch die Türken?

Berlin, 31. Okt. TasBerliner Tageblatt" meldet auS Konstantinopel: Im General stab ist heute nach­mittag eine DepescheausTripoliseingetroffen, wonach Tripolis von den Türken wieder erobert worden ist. In zweitägigem erbitterten Kampfe wurden 5000 Italiener getötet, 700 gefangen ge­nommen und 75 Geschütze, 37 Mitrail- leusen und 1700 ft i ft e n Munition er­beutet. Die Bestätigung der Meldung durch das Kriegs- ministerium steht noch aus, ist aber wahrscheinlich, da das Kabel von Tripolis ebenfalls in tür­kischem Besitz ist und die Depesche direkt aus Tripolis kam. Der Korrespondent erfährt von einem hohen Tiplomaten, daß ihm heute nachmittag beim Diplo­matenempfang auf der Pforte der Minister des Aeußern mitgeteilt habe, die Italiener seien in Tripolis ein- geschlossen und die weiße Flagge sei gehißt.

DieDeutsche Tageszeitung" meldet aus Pera: In der Kammer teilte der Abgeordnete von Bolu, Hamid- Bey- mit, daß Tripolis wieder von den Türken erobert worden sei. Die Verluste der Italiener feien außerordentlich groß, 5000 seien getötet, 700 gefangen. Tie Nachricht wird von kompetenter Seite bestätigt.

Das BlattJeune Turque" erfährt, daß die Pforte am Samstag? abend ein dringendes Telegramm der italienischen Regierung erhalten habe, worin um sofortige Einstellung^der FeindseligTei- ten und Einleitung von Verhandlungen nachgesucht wird.

Eichener Lheaterverein.

TaS Glöckchen des Eremiten.

Gastspiel des Großh. Hoftheaters. und der Hofmusik in Darmstadt. Gießen, 30. CLobcr.

Ter Komponist dieser h.ireren Over, A. MaiNart igeb. 1817 zu Montpellier, geil. 1871 zu Moulins auf. der Flucht vor den Teutschen) hat noch 5 andere Opern geschrieben, die aber aus der Bühne nie heimisch wurden. Nur mit dem Glöckchen des Ereniiten gelang cs ihm nach der erfolgreichen Eritaufsührung zu Paris im Jahre 1856 die Gunst des Pubihkums ;u erringen und bis heute zu erhalten. Er verdankt dies in erster Linie seiner leichtflüssigen, gefälligen Musik, die zwar die Meister- werte der französischen Splewper iBoildieu, Aub^r, Adam' nicht erreicht, aber doch von einem gesunden Hauch jener prickelnom Anmut und Leichtigkeit durchweht ist, die leider in der Munk immer seltener zu weroen droht. Zum guten Teil ruht sein Er­folg auch auf dem glücklich erfundenen Textbuch (der -siost hat auch zu einer italienischen, in Deutschland undeach.et gebliebenen Oper von Sarria, Neapel 18 <5, Anlaß gegeben). Ein guiet- Text ist bekanntlich erste Lebensbedingung einer Oper, und an dieser Klippe ist schon manch.'s musikalisch wcrwollere Werk ge­scheitert. Das Textbuch desGlöckchens" zeigt zwar keine tincien literarischen Qualitäten, bringt aber mit den nötigen Ingredienzen von Leichtferttgleit und Scntimentalilät eine hübsche. Bcrwicke- lung und Lösung nebst den erwünschten Gelegenheiten. oder Borwänden für Trink-, Liebes- und Soldaten-Lieder u. dergl. bewähtten Requisiten, auch ein bischen historisckien Hintergrund (Eevennenkrieg 1704) kurz eine ganz ehrenwerte Routine aus der Grundlage eines gesunden Talen.es unb gefälligen Könnens. Tas ist durchweg der Charakcei des Wertes, daS uns oh.te v.el Geistes- oder Gemüts-Anspammng einen Arend anständigen, hei­teren Genusses versehafst ein Verdienst, das mit gar nicht unterschätzen. __ '

Tie Ausführung, welche den kunstlert,chen Gelang-- w.e ^n- strumcntalkrästcn des Darmstädter LoftheaterS eine dankbare und nicht schwierige Ausgabe bot, war durchweg sehr lobenswert. Es fällt uns hier zwar gleich ein Won Goethes ein (aus Wuhrlm Meister - Ter Künstler muß nur niemals einen unbedingten Seifall für" das, was er hervor'oringt, verlangen, denn der un­bedingte ist am wenigsten wert, und den bedingten wollen bte Herren nicht gerne", aber wir haben diesmal in der Tat mdtf viel Anlaß zu einschränkendenBedingungen" unsekes LobeS. Die sympachifche Hauptrolle der ebenso temperament- als gesühl-

Kurze Nachrichten a ' r Kunst n n b Wissen­schaft. Tr. Konrad Willgerodt, ttatsmäßiger a. o. Pro- feuer der anorganischen Chemie und Technologie unb Ab­teilungsvorsteher an der naturwissenschaftlich-mathematischen Ab­teilung des chemischen Laboratoriums der Universität Frei­burg L Br. begeht am 2. November seinen 7 0. Geb urts- tag. T i e Telefunkenstation auf Spitzbergen ist nun vollständig errichtet, doch wird die Festlanostati ter Insel Jngö bei 5?ammcrfe't erst anfangs November rt

Eine Akademiefür kommunale Verwaltung, In der Städtischen Tonhalle in Tüsscldorf war am Montag nachmittag ein Fest antai-lich der Eröffnung der von der Stadt Tüsseldorf gegrunoeten Atademie für kommunale Ver­waltung. Nach einer Ansprache des Oberbürgermeisters £ et)« l e r uiid des Vor'ipendcn des Tirektoriums der Atademie, Most, hielt der 5tnbicnoitettor der Atademie, Unwcrsitätsvrosessop ^ticr-Somlo die Festrede über kommunale Wilsenschaft und kommunale Ausbildung. Darnach begannen die von der Sladt- verivaltung uno der Handelskammer Tür den Bezirk Düsseldorf gemeinsam eingerichteten akademischen Vorlesungen für allge­meine Fortbildung unb wirtschaftliche Wissenschaft.

Zur Errichtung eines Denkmals für Robert Koch, den verstorbenen berühmten Bakteriologen, hat sich unter dem Vorsitz des Ministerialdirektors Tr. Kirchner ein Ausschuß, gebildet, dem namhafte Persönlichkeiten aus allen Kreisen bet' Bevölkerung angehören. Es ist beabsichtigt, nut einem Ausruf zur Sammlung von Beiträgen an die Eeifentliäjfcit zu treten.' Dem Kaiser, der den orrstorbencu Forscher besonders schätzte, ist von dem Plane Meldung erstattet worden. Tie Minister v. Dallwitz,: Tr. Telbrück, 2r. Lentze und von Tro.t zu Stolz, sowie der Staats­sekretär des Reichskolonialamts v. Lindcyui'r Üben ihren Beitritt erklärt, und der Reichskanzler Dr. von Belhmann-Hollweg hat den Ehrenoorsitz übernommen.' In den leitenden Kreisen der städtischen Verwaltung von Berlin steht man, da Robert Koch der Ehrenbürger der Stadt Berlin war, dem Plane sympathisch gegenüber.

fung dcrRefervistenklasfevon 1880, im g a n z e n 100,000 Mann, unmittelbar bevorstehend.

Tie italienischen Verluste.

Rom, 30. £It. Ter Tberlommandant des tripolitani- scheu Lperationskorps teilt heute hierher telegraphisch die Verluste mit, welche die unter seinem Kommando stehenden Streitkräfte v o m 2 3. b is e in s ch l i e ßli ch 2 6. L k 1 o b e v in den Kämpfen vor Tripolis erlitten. Demnach wurden 13 Offiziere unb 369 Mann getötet, 16 Offi­ziere und 14 8 Mann verwundet. Der Kriegs- minister behält sich vor, die Namen folgen zu lassen. Das Mißverhältnis zwischen der Zahl der Toten und Verwun­deten ist dadurch erklärlich, daß einige Mteilungen, dar­unter das 11. Bcrsaglieri-Regimcnt, aus allernächster Nähe angrisfen. Tic Lücken in den verschiedenen Heeresabtei- lungen vor Tripolis sind übrigens bereits ergänzt.

D-e Begeisterung in Konstantinopel.

Konstantinopel, 30. Olt. Tie t u r k i s ch c P r e f f e jubelt über die Erfolge in Tripolis.Sabah" sagt, der Krieg enthülle die große Kraft des Lttomanen- tums, nämlich die Treue der Araber gegenüber dem Khalifat. Ten Blättern wurde verboten, Me.duugen über die Durchreise der türkischen Offiziere durch Aegypten nach Benghasi und über die Entsendung von Geld und Lebens­mitteln durch Aegypten zu veröffentlichen.

Tic wirtschaftlichen Maßregeln der Türkei.

DieNordd. Allgem. Ztg." meldet: Tie türkische Generalzolldirektion ordnete zur Aussührung des Gesetzes, nach welchem seit dem 23. Oktober von allen ita­lienischen Waren eine Zollgebührvon hundert Prozent vom Werte zu erheben ist, an, daß alle Aaren, die vom 2. November 1911 ab aus europäischen Ländern, aus deren Besitzungen im Mittelmeer, aus Marokko und Aegyp­ten ausgefuhrt werden, bei der Einfuhr in die Türkei von einem Ursprungszeugnisse begleitet sein müssen, widrigenfalls sie bis zum Gegenbeweis als italienische Waren angesehen werden. Taö Ursprungszeugnis kann von der zuständigen Lokalbehörde des Ausfuhrhafens sowohl auf die Lriginaliaktura gesetzt als auch besonders erteilt werden. Die Legalisation des Zeugnisses durch einen türkischen Kon­sul ist nicht erforderlich.

Konstantinopel, 30. Okt. Wie verlautet, hat die Pforte an ihre Botschafter Telegramme gerichtet, die besagen, die Pforte wünsche keine Vermittelung mehr, sondern sei zum Kriege eirtschlossen. Eine Ab­ordnung von vier Senatoren unb sechs Deputierten soll die Hauptstädte Europas aufsuchen, um gegen die Italiener Propaganda zn machen. .

Die italienische Zensur.

Der telegraphische Namtichttuverlehr der römischen Korrespondeirten mit ihren Mailänder Blättern ist von der Zensurbehörde verboten worden.Corriere d'Jtalia" weist darauf hm, daß die Zenfurbehörde sogar vor einer Ver­letzung des Briefgeheimnisses nicht zurückschcue. An Zeitungen gerichtete Briefe würben geöffnet ober über- Haupt nicht zugestellt. Die Regierung habe das Recht und die Pflicht, gegen falsche und tendenziöse Nachrichten cmfzu- tretetL Was aber jetzt geschehe, sei eine unbegreifliche Un­geheuerlichkeit, eine barbarische Belästigung und eine törichte Uebertreibung des Rechtes, das in diskreter Form ange­wendet werden sollte.

Die italienische» Streitkräfte.

Erst in den allcri-eptcn Tagen bejannen sich die Italie­ner darauf, daß die bisherigen Truppen in den ausge­dehnten Operationsfeldern von Tripolis nicht genügen, um gegenüber den bereinigten Türken und Arabern große Lor-

strömen immer zahlreicher herbei, selbst auS den entfernteften Ge­bieten. .>

-Sicher ist, daß bfc Italiener das zwischen Türken und Arabern bestehende Verhältnis falsch beurtei t hatten. MS ihnen die arabischen Bewohner von Tripolis huldigten, glaubten sie schon die ganze Wüsteiibevölkcmng hinter sich zu haben, und mußten es nun erleben, daß zu der Garnison von Tripolis von 10000 Mann noch mindestens 60000 An­gehörig? der verschiedenen Wüsteustämme stießen unb wei­tere Zu-ckae in Aussicht stehen. Von einer wirklichen Er­oberung Tripolitaniens kann wohl nicht mehr bie Rede ein, seitdem die grüne Fahne des Propheten von den -Tua- rcgs erhoben ist, seitdem die Italiener auf ihrem Rückzüge begonnen haben, Moscheen zu entweihen, arabische Frauen zu vergewaltigen und im krassen Widerspruch zum Völker­recht alle bewaffneten, aber sonst friedlichen Eingeborenen als Rebellen uiederzuschießeu. Die Italiener können Gott danken, wenn sie bei dem erwachten Fanatismus der Araber und der Taktik der über Aegypten nach Tripolis gelangten GeneralstobSossi-iere überhaupt noch ihre Schiffe erreichen. Truppenuachschübe können ihnen heute wohl die Küste sichern, aber nicht den Vormarsch iuS Innere; denn dieses wird wegen der Regenzeit bald wie ein großes Sckflamm- Meer ausseheu, wo 200 000 Mann, wie sie Jla.ien brauchte, wenn sie nicht wie die Eingeborenen, ausschließlich von Datteln leben, gar nicht zn ernähren sind.

Ter BerlinerLokal-Anz." vom Montag enthält die erste Meldung seines Sonderberichterstatters in Tripolis über Tunis, worin die Kämpfe vom 23. d. M. nochmals der Wahrheit gemäß dargestellt werden. Darin heißt es:

In dem Äanwi am Montag, den 23. d. M., wurden 56 5 Italiener getötet oder verwundet. Tie Verluste der türkischen Truppen waren nur gering, dagegen die der arabischen Reiter sehr erheblich, wenn auch geringer als die der itaiieuischcu. Seit dem Putschversuch, der in der Stadt sich aushaltcuden Araber am Montag ist die ganze Außenstadt abgesperrt. Alle, auch die vornehmsten Araber und die Kawassen werden, sowie v- die Straßen betreten, visitiert. Hunderte wurden gesesselt eingebracht und massenweise erschossen. Die Italiener schießen schlechter als die Franzosen in Casablanca, ihre frühere Disziplin hat ausgehört, und oie MannschasI hat buchstäblich dcn Kops verloren. Tie Lstiziere haben die Leute teilweise nicht mehr in dec Hand. Ter Generalstab ist ÜbernervöS, ebenso die Gendarmerie. Die Türken, haben einen regelmäßigen Karawanendienst eingerichtet, wodurch sie^ihre Sßcr- pslegung aus den südlichen Provinzen ermöglichen. Die Arader

Tie Italiener auf dem Rückzüge.

Seit etwa einer Woche ist cs den italienischen Truppen trotz aller Tapferkeit herzlich schlecht gegangen: nur war eS bis heute nicht möglich, diesen Mißerfolg der italie-- Nischen TripoliSerpcditi'ou einwandfrei festzustellen. Denn während bte türkischen Depeschen schon lange von ber un­günstigen Lage ber Italiener sprachen, gaben bie italieni­schen höchstenfalls zu, baß bie Verluste auf italienischer Seile bei ben fortwährenden Kämpfen wohl groß gewesen wären, die Toten und Verwundelen aber noch nicht hätten gezählt werden können. War bas schon einigermaßen selt­sam, so mußte es noch seltsamer berühren, oaß die italie­nische Preise die Zahl ber getöteten Türken unb Araber ganz genau zu beziffern wrHte unb babei in Anbetracht dec geringen türkischen Heccesstärke wahre Zahlenorgien feierte.

Wenn bie Zeitungsberichterstatter vom Kriegsschauplätze möglichst serngehalten werben, und bie amtlickcn Depeschen bie Zahl ber Toten unb Verwnnbeten nicht anzugcbcn vermögen, bann sieht es nach allgemeiner Erfahrung schon ' schlecht um bie bctressenbe lriegführenbe Macht. Die italie­nische Verlustliste vorn 23. bis? 26. Oktober liegt ja nun heute allerdings vor. Sie gibt zu, daß in diesen vier Tagen 13 Offizterci unb 3o9 Mann getötet unb 16 Offiziere, i sowie 142 Mann verwundet sind. Aber es muß sehr be- f bcnFlid) erscheinen, baß sie nicht bie Namen der außer t Gefecht gesetuen 540 enthält, so baß man, zumal auf Grund türkischer Nachrichten, (denen zufolge allein am 23. Oktober 565 Italiener getötet wurden, gezwungen ist, die Verluste der Italiener bedeutend höher anzunehmen.

Die Italiener könnten sich aber über diese Verluste noch hinwegsetzcn, wenn nicht gleichfalls feststände, daß sie sich auf dem Rückzüge nach ber Küste befinben. Unb heute wird von verschiedenen Seiten auS Konstantinopel gemeldet, Tripolis sei von ben Türken und Arabern wieder zurückerobert worden unb die weiße Fahne sei über der Stadt gehißt worden. Jcbensalls steht es um bie italie­nische Sache recht schlecht. Wenn die Melbuug bestätigt wirb, bie italienische Negierung habe in einem bringenden . Telegramm an bie Pforte angeregt, daß bte Feindselig^ leiten sofort eingestellt würben, so erhellt bas.bie Lage. Tie Stimmung in Konstantinopel ist natürlich begeistert unb kriegerisch; man will bort von Frieben jetzt nichts mehr wissen.

unb tugendrcichen Rose Fricruet war bei Fräulein Brüter dar-! sind gleichberechtigt. Je 50 Studenten wählen einen Abgeordnttcn. -....... - ' ' * Die Satzungen des ersten Studentenparlaments dürsten für bte

anderen Universitäten vorbildlich sein.

Dienstag, 5|. Oktober (9U

Ve^nqvvrei»: monalÜck75Ps^viertel- jälnlich Pik. 2.20; bür* Abholt- il ZiveigsicÜen monnilid) 65 Pf.; durch die Post Pik.2. viettel- jährl. mvtfdiL Bestella. ZeilenvreiS. lokal 15M* auSivärt» 20 Pienniq. Chefredakteur: A Goetz. Verautwortltch für ben politischen Teil: August

General-Anzeiger für Gberyeffen

Annahme" von Anzeigen Kofaflonsbrud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Zchnlstrahe 7. Land': C.Heb:^'ur den bi! öormiuagti'ti'iit) vüdingen: Fernsprecher Nr. 269 GeschästLstclle Bahnhofstraße 16 8. Auzeigentcit: H. Beck

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