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28.6.1911 Erstes Blatt
 
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Nr. 149 Erstes Blatt 161. Jahrgang Mittwoch, 28. Juni 1911

Der «lehener Anzeiger Ä M Ve»«st»pret»r

erscheint täglich, nutzer 1lIich7LPf^ viertel-

Sonntags. - Beilagen: M a A. a A jährlld) Tlf. 2.20; burd)

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wirtschaftliche Leitfraaer W ^F J W ^F W ^F XF W Chefredakteur: A.Soey

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iür die Redaktion 112, <V^ politifchen Dell: August

SS? General-Anzeiger für Gberhefien ZML- 'ü^b^r^nmmE R°totion$6ru(f und Verlag der vrühl'schen Unio.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redattion, Expedition und vruckerei: Zcbulstrahe 7. ^an^-Q.^bi^btn bi« vormittags S Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 50 Seschaflrftelle vahnhofftrahe lös. Anzeigenteil: H. «eck.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Vas preußische wahlrechtrintermezzo.

Tie Spannung am Schlüsse dieser Session des Abgcord neten!)emfes fjat heute wenigstens ein Ventil erhalten der volksparteilichc Antrag nn7 < : n i ü h rung des 31 c i di s tagswahlrecht s in Preußen ist nicht nur auf die Tagesordnung, sondern tatsächlich auch zur Verhandlung gekommen. Tic Regierung hat bind) Abwesenheit geglänzt und dadurch kundgegcdeu, daß sie ihrer Erklärung aus der ersten Lesung des Etats, wonach sie den fetzigen 3cit punkt für einen abermaligen Resormversuch fin ungeeignet hält, nichts mehr hinzuznsugeu ha» Aeußerlich betrachtet hat also der Antrag seinen Zweck nicht ganz erreicht; trotz dem aber ergab die Beratung einige nirfit ganz uninter­essante Momente, die ihre Wirkung in .Hinsicht auf die kommenden Wahlen zu in Reichstag nicht verseylen werden

Herr Träger begründete den Antrag seiner Partei, Äer in seinem ersten Teil ans Abänderung des Wahlrechts Mn Sinne des Reichstagswahlrechts abzieil, im zweiten Teil Mif eine anderweitige Feststellung der Wahlbezirke. Ter llditzigjährige Temotrat sammelte zwar ein aufmerksames Auditorium uni sid), aber ans Form und Inhalt seiner Rede ging hervor, daß die Pater des Antrags selbst sid) keine allzu große Wirkung nach der sachlichen Seite Der sprachen. Herr Trager selbst vertagte seine Wünsche für die nächste Session. Was er im übrigen zu iurcr Begrün­dung vorbrachte, das war eine Nachlese ans den Debatten des Vorjahres, und zur Stärkung der Nvlwendiglco der Reform fügte er die Verleihung de? Reichstagswahlrechts an Elfaß-Lothringen als Novum an Für die Sozialdemo­kraten sprach im Sinne des Antrags Abg Hoffmann. Bei den MehrheitSverhi'l'.nissen des Hauses war es für Herrn v. .Heydebrand nicht schwer, ein Echo für seinen strikte ablehnenden Standpuntl zu wecken Draußen allerdings, bei den Wählern, wird er eine andere Antwort erhalten. Tiefe werden in die Sieitcneit der gesamten Linken cinftim men, wenn sie hören, das; die MonievontiDcn deswegen am gegenwärtigen Wahlrecht festhalten, weil der Mittelstand dadurch besonders zu seinem Rechte kommt. Daß das Jen trimt bei dem Wahlrechtsantrag ein ziemlich schlechtes ofe wissen hatte, das zu zeigen bedurfte es lväyrl'ich nicht erst der Rede des Abg. Herold. Ter streitbare alte Herr machte and) sonst aus seinem Herzen leine Mördergrube, denn er sagte offen, daß das Zentrum bei Verfolgung seiner polititchen Ziele mit den Parteien zur Red;teu mio zur Linken, auch mit den Svzialbemotraten zusammengeyr, ie nad)dein. Hierauf von dem Sprecher der Aationaltibe-- rnlen, dem Abg Schiffer, festgenagelt zu werden, war den Herren der Mitte ziemlich nnaugenepin. Tic Stel­lung seiner Partei kennzeichnete dann Abg Schifier dahin: Wir sind für das direkte und geheime Wahlrecht, lehnen aber nad) wie vor das gleiche Wahlrecht ab, und verlangen ein abgestuftes Wahlrecht, aber nicht nad) Maßgabe des geltenden Rechtes, al io nach wesent­lich plutokratischen Gesichtspunkten, sondern unter Berück sid)tigung der ideellen Momente, wie sie in der geschicht­lichen Eiitwicklung der sozialen und wirtschaftlichen Zu stände des Landes gegeben sind Wir wollen hierbei be­rücksichtigt wissen die Ausbreitung der Bildung und das politische Verständnis Wir iomni en hierbei den Bedürf­nissen des Mittelstandes am besten entgegen. Tie Wahl IteUeinleilung darf nicht nadi dem Prinzip der Bevvlte- ruiigszabl, sondern unter Beachtung der verschiedenartigen wirtschaftlichen Entwicklung der Landesteile erfolgen Tie

Die deuischen Universitäre» im Sommersemester 19U

Seit der Gründung des Reiches bat die Zahl der Besucher der deutschen Univerfiläteu von etwa 13 000 in fast regLlmahig verlaufener Steigerung so erheblich zugenomincn, das; schon Mitte der IbbiX'r 3<ilrc, als die Zahl sich verdovpelt hotte, am die a>> wattige Steigerung und die drohende Ueberrüllung der akademischen Berufe hingeivicsen wurde. Indessen nug die deutsche Studenten­schaft neuer an, verdreifachte bis VJ04 ihre anfängliche Jabl und erreichte nun im laufenden Sommer ö < 2 30 gegen 34 84, im Vorial'i. Ta die Zahreszunahme, die stä) au, 2383 be­läuft, geringer ist als die voririhngc von 3147 und die im Sommer 1909 in Höhe von 3901, i't anzunehmen, da« der be­deutende Zufluß des letzten Zahrzehnts alUnählich wieder in normale Grenzen zurüdgehi Von der heutigen Ge'amizahl der deutschen UniversitätSstudenten find 54 0/8 rnannlichen und 2o52 weiblichen Geschlechis gegen 17 423 und 376 oor drei Jahren: reichsangehorig find davon zurzeit eiwa ooOOV gegeii 14U0V, aus dem Ausland stammen etwa 4300 gegen 3594. xy neuette Zunahme der Besucher der deutschen Universitäten nt darnach zu einem Nicht ganz unweienilichen Teil auch am die Zulaming der A-rau zum Unioerfitätsstiidium und die Zunahme^ der aue- ländiichen Studenten zürückzuführen Zählt man der Liudent.n-- zijscr noch die sogenannten Hörer dieses Semeners hinzu, namliä' 2848 Männer und 1212 Frauen, so ergfbt iiä', da« derzeit 61 290 Personen am deutschen Nniversitätsunterricht teilnehmen, eine bis jetzt nneneidxc Zahl.

Ein Vergleich der heutigen Beitandzisiern bei einzelnen Fakul­täten bzw. Studiensächer mit den vorjährigen und den vor iüni Jahren, im Sommer 1906, zeigt, welche Veränderungen in den Studienrichtungen bezw. den sie beeinflussenden Bedunninen von Staat und Gesellsä)aft indessen eingetreten, .ind bc'onoerS welchen Berufen die jüngsten Semester zugestromt nnd. v« die>cr Richtung fällt hinsichtlich der Hauvt'acher des akadeimichen Ltu diums das ungeheuere Anwachsen der Mediziner au), ':e stiegen von 6683 im Sommer 1906 auf 10 682 im Vonahi und neuestens weiter auf 11927. Ihnen am nächsten ttehen die Phil o - s o p h e n Philologen und H r n o r i k c r , bi: derzeit 1 j 1)8 zählen, gegen 15 475 und 10 832: Mathematiker und Ra turwilsenschaftler 'ind es 844-_ gegen <93 < und 6c?- , 3 ii t i ft e it 11 023 (11 323 und 12 375 , evangelische i I) c o - logen 2825 (2507 und 2329 . katholisch: Theologen 1834 lxl" und 1841), Kameralisten und Landwirte 2729 2406 und 1801 Pharmazeuten 916 (1147 und l<b<), Zahnärzte 104b (1264

gegenwärtige Wahlkreiseinteilimg ist eine große Ungerech­tigkeit."

Rackdem bann noch die Abgg. Frhr. v Wedlitz (Frk> und M o r f a n t it int Sinne ihrer früheren Stellungnahme gesprochen unb Abg. Fischb eck (Bp.> unter ziemlich ftiir- mischen Gegenlnndgebungen der Rechten die Sdtlnßrede gehalten, wurde abgestimmt Abg Schiffer hatte bean­tragt, aus dem ersten Teil des volksparteilichcn Antrags allgemeines, gleiches, direktes, geheimes Wahireckit das Wortgleiäies" ju streichen. Bei der Abstimmung über diesen Antrag schifier stimmten für die Aufrecht- erhaltung des Wortes mit den Freisinnigen, den Sozial- bcmofratcii, dem Zentrum unb den Polen bezeichneuberweise and) die beiden konservativen Parteien! Ter also unver­ändert gebliebene Antrag der Vollspartei wurde bau ad) glattweg abgelehnt. Beiin zweiten Teil bes Antrags, die Wahlkreiseinteilung betreffend, wiederholen die .konser­vativen die gleiche Momöbie Hier lag ebenfalls ein Antrag des Abg. Sdiiffer vor, die Bezugnahme auf die Volkszählung von 190.5 zu streichen Tie beiden Rechtsparteien erhoben sich mit den Freisinnigen und Sozialdemokraten gegen die Streichung und lehnten sodann mit einem Teil des Zen­trums den Antrag derBolkspartei selber ab! Tamit war der Dahlrechtsantrag erledigt.

Der Zoll Zatho.

Tie liberalen Geistlid)eu Groß-Berlins stellten die bereits angerünbigte Protesterklärung gegen die A in t s e n t l a s s u n g des Pfarrers I a t h o wie folgt fest:Wir erblicken in der Tatsache der Amtentlassung des Pfarrers Iatho, dessen Iesus<Züngerschaft unwider­sprochen vor aller Welt klar liegt, eine unabsehbare Schädi­gung der Religion unserer evangelischen Landeskirche. Wir werden unbeirrt durch alle Folgen unserer Verlündiguiig des Evangeliums, allein unserer Gewissensüberzeugung folgend, int protestantischen Geiste nad) wie vor ausuben" Tie Erklärung ist unterzeichnet von Pfarrer Alfred Ft scher - Berlin, Pfarrer Lie. D. Hollmann- Nikolassee,^Pfarrer Sic. Traub- Tortmund, Pfarrer Proi. D. v. Soden- Berlin. Eine zustimmende Erklärung sandten 77 Geistliche, darunter 44 aus Berlin und Umgebung.

Zu drei vorn rheinisch westfälischen Verband der Zrennde qynge(ifdicr Freiheit -m nj n »-cranstolteten V ersa m m l u n g c n, an denen 7000 Personen teil nahmen, wurde gegen die Absetzung des Pfarrers Zatho P rötest erhoben.

Ter liberale N a s s a n i f d) c U u t o it b e r e i n und die evangelische Vereinigung Wiesbadens haben beschlossen, den Kölner Freunden eine Kundgebung zugehen zu lassen, iu der sie bie vollste Sympathie unb zugleich das Bedauern über den durch den Ausfall des Urteils bind) das Spruch-, kollegium gesdtehenen Eingreifens in die Rechte des evan­gelischen Gemeindelebens ausgesprochen wird.

Das neue französische Kabinett

Eaillaur begab sich am Ticnvtag abend nad) dem Elysöe, um FalliöreS anzuzeigen, daß das Kabinett nun­mehr gebildet fei. Es hat wlgendc Zusammensetzung: Präsidiutn und Inneres: Eaillaur, Justiz: Crnppi, Aus­wärtiges: Te Selbes, .strieg: Meifimn, Marine: Teleassö, Unterricht: Steeg, Finanzen: >Uvtz, Leffentliche Arbeiten: Augagneur, Handel: Eottyba, Ackerbau: Sams, Kolonien: Lebrun, Arbeit und soziale Fürsorge: Renault.

Ministerpräsident Eaillaur hat sich mit seinen Minister- follegen, deren Ernennung Präsident Falliöres schon unter­zeichnet hat, im großen und ganzen bereits über die üitcf'b

unb 755 , Forstwirte, nur in Münden, Tübingen unb Gießen, 170 (123 unb 144, unb Tierärzte, nur in Gießen imniairikii licrt, 160 .141 unb 114 . T ar nach haben gegen 1906 nur ab 3 c n o m m c n bic Zuristcn, infolge der überall vorhandenen Heber» fülhntg, aus gleidi.m Grunde und ganz erheblich auch bie Phar maieuun, irährenb der jüngste Rückgang der Zahnärzte in ber burckigcmhnen Erhähiing ber Anforberungen an bic Voibilbnng Maluritätsvrinziv, und der Verlängerung und Verteuerung des

Studiums über hau vl zu suchen ist.

Von der heutigen cigmihdien Stubcntenzahl fiitb derzeit 28 981 an den 10 urcuf;t>d*cn Ihiircriitdtcn eingeichrieb.n gegen 27 577 ün Sommer 1910; an den 3 banerisdwn befinden iich 9445 gegen 9369, an den 2 badischen 5532 gegen >279 unb an den übrigen 6 cinieluaatlirfien, einschließlich ber rcid)elänbifd'cn ui Strastburg, 13 222 gegen 12 602.

Ten Bcfuck)sziffern ber einzelnen Universi­täten stellen wir, um bic Entwickelung ber Hochschulen im einzelnen unb im Verhältnis zueinander, binnen Jahresfrist dar- zustellen. bie entwreä enbcn Zahlen des vorjährigen Sommei- Halbjahres gegenüber. Wie auch im Winter ficht bic Universität ber Reicksliauvtstabt an bet Svire ber Hach'chulcii - ite_ hat -.urzeu. 8(139 Studenten, wornnlei 695 Frauen, gegen «902 unb 626. München Itar 6942 im Voria'-. t>M»0 , Leipzig 4b88 1592, Bonn 4174 1070 , Zteibiitg 3080 2884 . Halle 2581 >451 Breslau 2586 2432, Göllingen 2492 23-5.5, Heibcl

2061 , Straßburg 2079 19b4 , '.L'mnitcr -'009 2U»7;, eitel >0:'l 1760 , Z' na 1902 1817 , Königsberg 1517 1381 , Win, bürg 1449 1429 , Gießen 1315 1334 , Grei'swall) 1180

1029 , Erlangen 1104 .1050 , Rostock 920 834 .

* Der höhere Sch uldienftin den Schutzgebieten DieVerl. Akab. Nachr." melden: Nach ben von dem Stac:<- ickciar des Reichs Molonialanited getroirenenBestimmimgen iüi bic Einnahme znni höheren Schuldienst in ben Schutzgebieten' kommt zurzeit iür akademisch gebildete Lehrkräfte als einzige Schule bie Realsck)ulc in Windhoek in Frage. Bewerber muffen löroerlid).ir den Schutzgebietsdienst geeignet, nicht -ber 35 Zahre alt fein, der Militarvilicht genügt haben ober vom Militärdienst endgültig beireit fein. Ter fühlbare Wohniin^-c mangel tu eübrncitarrifa bebingt es, daß zurzeit nur unverheiratete aus Berück'ichtigung ihrer Meldung rechnen können. Tie Tienstverpilichtung betragt zurzeit für Teutschsüdwestafrcka

lini c n seines Regierungsprogra m m s verständigt Tie Einzelheiten des Programms sollen später festgelegt hinbcn, ebenso der Wortlaut der Erklärung, die am Freitag nn Parlantent verlesen werden soll. EaiNaus wird iidi der Hammer zur sofortigen Beratung ber an gekündigt en Anfragen zur Verfügung halten Zum Präfekten des Seine- Departernents ist der oieneralzolldirektor Tclannel) aus­ersehen worden. »

Wie verlautet, hat Eaillaur in den Unterredungen mit seinen künftigen Mitarbeitern dervorgehoben, daß er vor allem die unverzügliche E r l e d i g n n g d e s Bud­gets anstrebe und daß er diesbezüglich die Vertrancns- tragc werde Zn der Zrage der Wahlreform snchl er eine vermittelnde Wirkung, die bic Stimmen sämt­licher Republikaner auf fick, vereinigen könnte Wie schwer cs ivborf) sein dürste, einen Ansgleicks zwischen den An­hängern und den Gegnern der Verhältniswahl zn erzielen, zeige sid) in den von den ersteren gefaßten Kefchlnßanlrägen, in denen sie erklären, daß sie, gestützt aus die von der großen Mehrheit der Hammer ansgedrücktc Willens kund gebung, die Wahlrcform aus Eirund de:> Proportionalwahl systcms rasichestens dnrdisühren wollen und daß die dies bezüglichen Vorlagen bereits bic größtmöglichsten Zuge­ständnisse au die Geguer der Wahlrcform culhalten.

Die englische versajsungssrage.

Tie konstitutionelle Mrisis ist wieder in jchärs st er Weise ausgebrochen durch die erfolgte Bekannt­gabe des Amendements eines Lords zur Parlamentsbill. Lord L a n s d o w u c brad)tc ein Amendement ein, daß keine Maßregel, das die Mronc oder die protestantischc Thron­folge berühre oder die Einrichtung nationaler Parlamente für Zrland, Wales, Ldwttland oder England zum Ziel habe, oder irgend eine Maßnahme, die nicht von dem vereinigten Momitfe oder dem Unterhaus gutgeheißen wurde, der lonig- lichcn Sanktion unterbreitet werden dürfe, bevor itidn das Urteil der Wähler eingeholt ist Ferner unterbreitete Lord Eromer einen Zusatzaiiirag, der bic Erncnnnng eines Komi­tees von sieben Mitgliedern aus beiden Häusern vorsieht, das bestimmen soll, ob ein Gesetz eine derartige Bcdentuiig habe, daß es dem Urteil der Wähler untcrbicitct werden müsse. Tie Blätter beider Parteirichtungcn erklären die Vaßc für ernst und weisen daraus hin, daß die Lord» der Meinung seien, dec Vcrjicherungsgesetzentwnrf halte die Populaiitat der Regirrung beeinträchtigt. Ferner seien die Lords der Meinung, daß das Voll durd) die Arönnngs icicrlichkciteu einen so tiefen Eindruck belommeii habe, daß, falls bic Regierung gcztvungen sei, zurückzutreten, )ic bic zweite allgcnuine Wahi nid) überleben werde. Zur alle Fälle seien bic Lords entschloisen, die Regierung zu zwingen, fid) Har darüber zu äußern, welche Garantien jtc vom König bezüglich der Ernennung der Peers erhalten.

politifdic Tagcssclian.

Vom Reichsgericht.

Ter Staatsselretär de s Reich s j u st i z a m t S T r. Lis c o weilt zurzeit im Reichsgericht. Zn Begleitung des Rcichsgcrichtspräftdcnteu Tr. Frhrn. v. Sedendorsf wohnte Tr. Lisco einigen Verhandlungen der Zivilsenate bei. Für die nächsten T^gc ist der Besuch von Verbandlun- gen der Strafsenate in Aussicht genommen. - oHeidijcitig durfte die Mitteilung Zntcrcssc erwecken, daß burd) die im vorigen Zähre erfolgte Erhöhung der Revisioussumme eine erhebliche M i n d c r u n g in R c v ifionseing ä ngen zu verzeichnen ist. Andererseits ist durch die Mehrarbeit der vom Cftober 1910 au tätigen Hilssrichler ein großer Fori-

brei Jahre Für bic Ausreise sowie iür bic Heimreise nach bc- enbetem Tienftverhältnis wirb eine Vergütung gewährt, 'criin wirb iür allgemeine Uin.zugstostcn ei.i Betrag von 1200 Mart gezahlt. Lbcrlehrer erbauen int Schutzgebiet ein Auscmgsgchau von 7700 Mark fährlick', fteigenb in 6 Zähren bis am 11 900 Mark unb weiteren 9 Fahren bis am J3 400 Mark, carnbcn freie Wohnung und, soweit möglich, freie ärztliche Behänd lung unb etwaig freie Verwiegung. Tic etatsmatzige AniteUmig kann, io-'ern freie Stellen vorbauben iinb, äh Beginn ber 2. Tienit- veriobe crolgcn. Seitens ber .'lolonialveiwaliung wirb baraui hingewirkt, baß ben Beannen iür den Fall des Ausichcibens aus bent Kolonialbienst ber Rücktritt in ben heimiichen 2 i en ft unter Wahrung des Dienst alters offen gehalten wirb.

Atemnot bei Tabakrauchern. E-- gibt gewiß EnthaltsamkenSapostel, die sich id)kd)tl;in darüber ireuen, wenn iegenbemem der von ihnen uerbamnuen Genußiinitel wieder ernt nette Schlechtigkeil itadigeiogt wirb. Tas gilt ebenso gcgcniibci bem 'Alkohol wie dem Kaffee, dein Tabak u;ib anbercn 2ingen, bie vielen Meirichen zur Erhöhllug ihrer L'ebenstreube bienen. Tie Anklagen gegen diese als <Mre verschrieneu Stone werden von ber gegiierischcn Seire geivöhnlich sehr iibeitriebcn und man kann im QÜneineuien nur die Regel ansftellen, oaß erstens ein Heberinch [jtci wie überall schädlich ist nnd zweitens feder davon lasse:, |oU, der on sich bic Erfahrung einer nblen Wirkung auch bei inäbiaeiu Gebrauch gemach: hat. .folgen schwerer An und jcbcnfalto leiten, wenn kein eigentlicher Liißbrauch mit solchen Gemißmitteb: ge­trieben wird. Tas betont auch Tr. Reckitt, der un üancet jeute Beobachlimgen über das yiuitrcteu von Ateinbeichwersen bei Rauchern inittc.lt. Trotz einer unstangreichen und vielfahngen (*r- fahrimg hat dieser Arzt nur cm einziges Mal eine solche Cmdjein- ung tu hohem Grade iefijuflcllcii gehabt. ES hanbeUe sich um einen 54jährigen i'lann, der über Atemnot bei langem Stehen unb besonders bei schnellem Gehen oder beim Treppensteigen klagte. 2a 'ich leine sämtlichen Crganc als gestutd erwiesen, konnte zu­nächst feine Erklärung für das chcidcu gegeben werben, die aber schließlich im Tavak^enuß geunben wurde.Jliicl) hier war aber weniger der Tabak felb't verantwortlich zu nmooen als bic Au, wie er geraucht wurde. Ter Manu Halle nämlich bie an |id) gar nicht qtoße 2lenge von sechs bis sieben fleinen Pfeiseu täglich ver- raiicht, dabei aber seu zehn Zähren ctcclbc Pfeife benutzt, ohne sie jemals gn.nbltch zu reinigen. 2iachbein er über dies hygienische Verbrechen aiügeklärt werden war, verloren sich nach ctntgeii Wochen auch bic lästigen Hemmungen ber Atninngsorgaite.