Ausgabe 
23.2.1911 Erstes Blatt
 
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Gießen, den 9. Februar 1911.

Der Wahlkommisiär. Dr. Ufinger.

Wetteraussichten in Hessen am Freitag dem 24 fahr. 19j 1; Stark auffrischende bis srurnusche Winde, wieder Trübung, Regen, rn'lb* Schneebericht: Hoberodskovf - 3 Grad, starker Südwest, Nebel, Schwächt möglich, doch zuin Teil vereist.

Letzte Nachrichten.

Aus der Hessischen Zweiten Kammer.

RB Darmstadt, 23. Febr. Die Zweite Kammer trat heute in die Boranschlagsberatung ein. Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Abg. Dr. Osann, ging in längeren Aus­führungen aus die Finanzlage ein. Der neue Voranschlag trage

126ö) tüchtiger . .

kann sofort bei dauernder Be­schäftigung eintr. bei (9o. Stcul, Schneiderrnstr. in Bettenhaufen, Post Langsdorf (Cberheffen).,

f)a&C3n Hamburg wurden zwei Postschaffner unter dem Verdacht, einen Postbeutel mit 94 Einschreibebriefen ge­stohlen zu haben, verhaftet. Beide gestanden ^.n, den nach Varis bestimmten Postbeutel entwendet, sämtliche Wechsel und Schecks, die zum Teil auf hohe Beträge lauteten, v e r- brannt, Geld und Wertsachen aber, auf bte sie es ab­gesehen hatten, nicht gefunden zu haben.

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In Nizza überfuhr die Prinzessin Dobcnlo he- Schillingsfürst bei einer Automobilmbrt auf dem Boulcvard ein Kind, das unooriichtigerroeüe vor den Wagen getauten war. Tas Kind wurde tödlich verletzt. ...

Infolge Schneeverwehungen traten tu russisch Polen und m Galizien viele Verkehrsstörungen cm. Etwa 15 Züge blieben im Schnee stecken, f e ch s P c r s o n en kamen um. Bei Czenstochau stießen im Schneegestöber zwei Güterzüge zusammen. Zehn Wagen wurden zertrüm­mert, drei Zugbeamte wurden töllich verletzt.

Die russischen Pelz Händl er beschlossen, den Minister­präsidenten um ein Verbot des Zobclfanges ipätyrenb zweier Jahre zu bitten, da nur hierdurch der Ausrottung des Zobels vorgebeugt werden könne.

vüchertifch.

Als neueste Veröffentlichung des Friedberger (5c.- schichtsvereins erschien eine Abhandlung von F. Dreher: Professor Dr. Johann Philipp Tieffenbach. 17861860. ^cin Leben und Wirken." Die Abhandlung gilt dem Andenken des ehcmallgen Rektors der Friedberger Aiunistinerschule. Dicffcnbach war 18121815 Erzieher des späteren Großherzogs Ludwig Ml. unb 18151818 außerordentlicher Professor für Geschickte in Gießen Mit Tiefs en bachs Berufung an die 1842 gegründete Auguslinerfchule in Friedberg setzt seine fruchtbare schriftstellerische Tätigkeit ein von der Dreher auf 6 Seiten eine erschöpfende Zu­sammenstellung gibt. Die bekanntesten Werke Dienenbacks sind seine .Geschichte von Hessen" (1831), feineUrgeschichle^dcr Wet- icrau" (1843) und seine grundlegendeGeschichte der etabt und Burg Friedberg" (1857). Außer Diesfenbachs Arbeiten ist noch berücksichtigt, was während der letzten 50 Jahre in Friedberg für die Erforschung der Wetterauer Geschichte getan wurde, im ganzen etwa 400 Abhandlungen aus der Friedberger bezw. Wctterauer Geschichte.

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Morgens: 9.00 Uhr. Predigt.

Nachmittags: 3.39 Uhr.

SabbatauSgau g: 6.45 Uhr.

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Sabbatleier am 25. Februar 1911:

Freitag abend 5.30 Uhr.

Samstag morgen 8.30 Uhr. Predigt.

Sam-stag nachmittag 3.30 Uhr.

Sabbat-Ausgang 6.45 Uhr.

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Vermittlung auch durch die ge= werbsmätzige ®teUenocimittlerin Frau Hüttenberger, Seltersw.67.

Bekanntmachung.

Betreffend: Reichstaaswahlen hier: Ersatzwahl im 1 Wahlkreis des Grotzherzogtums -Heffen.

Für die bevorstehenden Reichstagöwahlen bin ich zum Wahl- kommissar des ersten Wahlkreises des Großherzogtums, bestehend aus:

1. Kreis Gießen.

2. Aus dem Kreise Alsfeld die Gemarkungen:

L Atzenhain, 2. Bernsfeld, 3. Ermenrod, 4. Flensungen, 5. J lS dort, 6. Kirchgarteu, 7. Lehnheim, 8. Merlau, 9. Nteder-Ohmen, 10. Ober- Ctimen, 11. Ruppertenrod, 12. Wettsaasen, 13. Zellbach.

3. Aus dem Streife Schotten die Gemarkungen:

1. Eichelsdorf, 2. Gedern, 3. Glashütten, 4. Groß-Eicken, 5. Stein- Eichen, 6. Aüitel-Seemen, 7. Nieder Seemen, 8. Ober-Lais, 9. Ober- Seemen, 10. Ober Schmitten, 11. Steinberg, 12. Unter-Seibertenrod, 13. Bolkartshain.

4. Aus dem Kreise Büdingen die Gemarkungen

1. Bad-Salzhausen, 2. Bellmuth, 3. Bergheim, 4. Berstadt, 5. Bingen­heim, 6. Bisses, 7. Berfiadter Alarkmold, 8. Bleichenbach, 9. Blofeld, 10. Reichelsheimer Ameil an Bingenheimer Mark, 11. Bobenhausen I., 12. Borsdorf, 13. Dauernheim, 11- Dauernheimer Hof, lo-Schleiseld, 16. Echzell mit Echzeller Wald, 1/. Eckartsborn, 18. Effolderbach, 19. Fauerbach, 20. Geis Nidda, 21. Gelnhaar, 2L Fsend, und Doman., 23. Gettenau. 24. Heuchelheim. ^-Hirzenhain, 26Ä1slu0.%n' U K°rb- wald, 28. Leidhecken, 29. Lltzberg, 3ft Michelnau, 3H Nidda, 32. Cber- Widdershetm, 33. Ortenberg, 34- Namtadt, 3o. Schwickartshausen. 36 Selters, 37. Konradsdorf, 38. Unter - Schmitten, 39. Unter» Widdershetm, 40. Grund Schwalheim, 41. Usenborn, 42. Wallern- hauscn, 43. Wivvenbach bestellt worden. .

Ich bringe deshalb zur öffentlichen Kenntnis, daß

Dienstag den 14. März d. Js., vormittags 11 Ubt

in dem Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen die Protokolle über die Wahlen in den einzelnen Bezirken durchgeseben und das Ergebnis »ufammengenelit und sodann verkündet werden wird- Der Zutritt zu dem Lokal steht jedem Wähler frei.

durchaus den StmuxI ber Sparsamkeit, aber es sei wicht.vaftz^ was die Sozialdemokraten behaiipleten, daß ine Lparsamreit rat nnt.-n anfange. Eine stärkere Sckmlbenkilgung ftn durchaus tkx-

.11. Brauer Bauernbund besprach ebenfalls den qefanttat Voranschlag und wandte sich auf (hieben gegen bic ^oniatbemb halic Zn erster Linie sei eine stärkere c duilbcntilgung notig. '2111(1' die Erhöhung ber Bea in_t enbe > oldungen lei bringenb wünschenswert, wenn sie ohne 5tcuererböhiing durchgeführt iverden könne

Die Sitzung dauert fort.

sti.B Darmstadt, 23. Febr Die Abg. Molt Han unb Gcnoiieu haben heute in ber Zweiten .stammer einen A n lrag eingcbrackl, die Regierung zu crfudxn. ytr Gewinnung ber omuib- lagen für eine Revision des h e i , i i a. p r e u st i s ck e n G e - m e i n i ck a f t s v e r t r a g s dem nad iten L.inbtag alsbald nach seinem Zusammentritt eine Ucbcriichi über die seit Bestehen der E i s e n b a h n g e m e i n s cha f t auf den hessischen Strecken ein - getretene Betriebsstekgemng und bic dadurch i.ervorgerinene Wert Erhöhung vorzulegen. Weiter wird eine Ucbtriidu über bte do turd) notwenbig gewordenen Slci4>ital<üifrocnbimgcn und bte noch zu ernxirtenden Aufwendungen verlangt.

Zur Romreife des Kaisers.

:/: K ö l n , 23. Febr. (Priv.-Del.). Nach einer Berliner Meldung der Köln. Ztg. ist die Erörterung der Romreife des Kaisers in der italienischen Presse in ein bedauerliches Stadium getreten. Tie Angelegenheit wird von ihr in einer Weife behandelt, als ob der Kaiser- besuch in Rom Hintertrieben werden solle.

Nußland und China.

Berlin, 23. Febr. (Priv.-TelZ Es bestätiat sich, daß R u ß l a n d die chinesische Note für eine brauch­bare Grundlage für weitere Verhandlungen ansieht. In unterrichteten Kreisen ist man der Ansicht, daß bic An­gelegenheit das kritische Stadium überschritten hat.

London, 22. Febr. Nack) der Votierung der Par­lament s b il l ertönten von den Bänken der Ministeriellen langanhaltende Freudenrufc. Besonders Asquith war Gegenstand begeisterter Kundgebungen. Beim «vchlust der Aussprache erklärte der Minister des Innern, er weise die Behauptung zurück, daß eine Einigung möglich fei. Wenn Die Regierung die Einladung der Opposition zu einer Konferenz über die Refvrmfrage annehme unb bte Erlebigung ber Vetofraae bis zum nächsten Jahr verschie­ben wollte, fänbe sie im Unter Haufe nicht 50 Stimmen -ur Unterstützung. Die Regierung werbe kernen Schritt ungetan lassen, um bie Parlamentsbill schnell zum Gesetz zu erheben.

Cherbourg, 23. Febr. Die H afenb au-Arbei- 1 ter verlangen Lohnerhöhung unb finb in den Aus- , stand getreten.

sich abgesehen von den begleitenden Nebennm stan­den, wohl al3 das leichteste Vergehen, das dem Ehren­rate überhaupt zur Beurteilung vorgelegen bat. Diese Nebenumstände sind dadurch gegeben, daß der Selbstmord­versuch vorgetäuscht wurde, 1. um die eingeleitete Unter- . suchung zu Hintertreiben, 2. um diese Untersuchung aus eine falsche Bahn zu leiten, 3. um Zweifel an der Zu­rechnungsfähigkeit des Grafen zu erwecken und dadurch 4. diesem wenigstens den Titel, die Pension und bie Uni­form bei einer etwaigen Verabschiedung zu retten. Tat­sächlich ist die Untersuchung gegen den Grafen, die mit dem Thorner Prozeß abschloß, in ganz erheblicher Weise hinausgezögert worden, so daß der Rechtsbeistand der Gräfin, Notar Dr. Otto Sprenger in Bremen, wiederholt die schärfsten Eingaben an die in Betracht kommenden Be­hörden richten mußte, um überhaupt die Einleitung des Hauptverfahrens gegen den Grafen zu erzielen Ebenso wurden in bet Presse damals schwere Vorwürse gegen bas anscheinenb schleppenbe Verhalten der Militärbehörben ge­richtet Diese Sck)ädigung bes Ansehens ber Militärbehör­den hat Gras Pfeil burch sein Verhalten selbst verschulbet, und es war bähet ganz selbstvetstänblich, baß ber Ehren­cat dieses Verhalten in ben Mittelpunkt feiner Entschetbung stellte. Damit entfällt jebe Möglichkeit, bie Kaiserliche Kabinetsordre etwa gegen den Ehrenrat oder gar zu Gunsten des Grasen Pfeil ausspielen zu können.

Kleine Tageschrontt.

Im Königsstuhltunnel bei Deibelberg nmtbe in bet Nacht von ein stütz enden Stemmasstn ber 35iahtige Tunnel- arbeitet Gengenbacher aus Münchzell erschlagen. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe unb unmündige Kinder. Du Staatsanwaltschaft Hal eine Untersuchung emgelcitet.

In Karlsruhe stieß aus dem Wege zum Gtoßhetzoglichen Schlosse bet Hofwagen, in dem bet Gtoßhetzog und die Grotz- Herzogin saßen, mit einem Kohlenfuhrwe t k z u s amm en. Der Kutscher des Kohlenwagens ritz bie Pietde noch rechtzeitig beiseite, wodurch die Deichsel brach, so daß ein Unglück vct-- hindert wurde. Eine Scheibe des Doswagens wurde zer­trümmert: niemand wurde verletzt.

3m Kloster Zum guten Dirken in Manche n , einet Zwanas- erzieyungsanstalt für Mädchen, zerschlugen bic Zöglinge Fenster und zertrümmerten verschlossene Tüten. D ie ^hwestern waren dem wüsten Treiben gegenüber machtlos, so daß schließlich die Schutzmannschast herbeigeholt werden mußte.

Zwei qutgetleibete Herren, die in einem Automobil an- kamen, setzten in bet Lanleschen Heide bei Ser n au m Branbenburg einKistchenab unb fuhren schleunigst bavon. Ein Arbeiter fanb das Kistchen, in bem sich ein n e u geb o - renes ftinb unb ach tt ausenb M ar ksowie ein Schrei- ben, worin um Pfleae des Kinbes gebeten wirb besanden Weitere Nachfrage wirb in brei Jahren in Aussicht gestellt. Tas Kind wurde dem Krankenhaufe Bernau zugeführt. Näheres ist noch nicht ermittelt. ,

3m der Wilddiebaffäre in DSberitz sind müer dem Verdacht, ben Gefreiten erschossen zu haben, zwei Arbeiter in das Spandauer Untersuchungsgefängnis emgehefert worden, bie bei einem Lokaltermin eingestanden, an der Sache beteckigt " gewesen zu sein. Sie beftreiien aber, bie Schüsse abgegeben zu

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