Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.
Ein Vertreter der Nation «illiberalen ivarnt vor mi optimistischer Auffassung. Man solle die nulitärifdien Fähigkeiten der Marokkaner nicht unterschätzen In der nwdcrncn Kriegs- tedmif aiisgeblldet, konnten sie sehr Kfährlich werden. Ter natronalliberale Redner halt es daher für erforderlich, zu erwägen, daß man vor bic Notwendigkeit von Gegen- maßregeln gestellt werden könnte.
In scharfer Weise erhebt der Wortsührer der Sozialdemokraten Einspruch gegen jede Anregung einer Verstärkung der Rüstung. Von volkSvarteilichcr 2eile wird dazu bemerkt, cS sei nicht Sacke der Volksvertretung, solche Anregungen zu geben, das sei Lache der Regierung.
Ein konservatives Mitglied findet gewisse W i d c r - sprüche zwischen den Darlegungen des Staats-' sekrctärs des Auswärtigen und des Vertreters des K r i e g s m i n i st e r s. Tas Auswärtige Amt scheine doch nickt ganz so eingehend, wie es wünsclnnswert sei, mit anderen Nessons, in erster Linie dem Kriegsministerium, in Verbindung gewesen zu sein Im übrigen betont der konservative Redner nochmals die Notwendigkeit einer möglichst vertraulichen Belrand- lung der ganzen ?lngelcgenheit, um eine Schädigung der deutschen Interessen, die sonst leicht einrieten könnte, zu verhüten.
DaS Zentrum äußerte sich zu der behandelten Irage nicht. Eines seiner Mitglieder machte den Vorschlag, über die von Bassermann im Plenum aufgeworfene Frage zu verhandeln, ob anstelle Entsendung des „Panther" nach Agadir nicht besser zwe, Armeekorps hätten mobilisiert werden sollen. Auf den Einspruch eines .nationalliberalen Mitglieds, daß man darüber nicht gut in Abwesenheit Basscrmanns verhandeln könne, mitb davon abgesehen. Die iveitercii Verhandlungen waren durchaus vertraulich. Am Nachmittag werden sic fortgesetzt.
In der heutigen Nachmittagntzung hitll Generalseldmarsckall' Frhr. v. d. Goltz einen Vortrag über die islamitische Frage in ihrer Beziehung aus das Marokkoabkommen und den italienisch-türkischen Mricg. Es kann hierüber nichts weiter mil- geteilt werden, als daß Frhr. v. d. Goltz ebenso wie Staatssekretär v. Kiderlen-Wachter betonten, daß eine andere Stellung nähme als tuender Neutralität für Deutschland nicht habe ut Frage kommen können. Tann trat der Ausschuß in die Lesung des Marokkoabkommens ein. pragraphemveise. In der auch hierbei vertraulich geführten Verhandlung stellte der Staatssekretär mit Entschiedenheit in Abrede, daß Deutschlands Interessen in bezug auf die Schifsahrl, die Fischerei oder den Bostbetrieb durch das Abkommen benachteiligt würden.
Tcr Termin Der wrey'schcn Erklärung.
London, 20. Noo. Im Unterhaus fragte Bari ng (Unionist), wann der Minister des Aeußeren, Grey, die versprochene Erklärung abgebe und ob Premierminister Asquith deut Dause die Zusicherung geben wolle, daß die Gelegenheit zu einer ausreichenden Erörterung über die Erklärung gewährt mürbe. Asquith ertmberte, die Regierung sei brr Ansicht, daß unter diesen Umständen die Erklärung und Besprechung über die Politik des Aeußern im Unterhanse mast Länger verschoben werden sollte^ und hat Montag den 27. November für diesen Zweck befHmmt, Grey wird die Sbussprache mit einer Erklärung eröffnen.
Berlin, 21. sJtoD. Ter Berliner „Lok. Anz." meldet aus London: Tos Erstaunen und der Unmut des britischen Publikums über die Gefahr, in welche die Entente mit Frankre'ich un"b Rußland Engla nd beinahe geführt hätte, wachsen immer mehr. Der unionisttsche „Evening Standard" schreibt:
Wir müssen durchaus klare Mitteilungen haben, daß dis Entente kein Bündnis ist, das den Zweck hat, es Frankreich und England zu ermöglichen, Deutschland von dem Platz an ber (Sonne fernzuhalten. Das Blatt erklärt weiter, Grey müsse die unumnntnbene Versicherung erteilen, daß die englische Nation nicht ohne ihr Wissen und ohne ihre Zustimmung in die unbeschränkte Haftpflicht eines Kriegs unl> Friedens hinein- gezogen werde.
In englischen parlamentarischen Streifen herrscht sichtliche Befriedigung über die Festsetzung des Termins
schreibe — 14 Tage lang unbean twortet gelassen habe. Nun soll zwar Herr v. SHbcrlen diese Behauptung in der Freitagssitzung des Ausschusses widerlegt haben, da aber auffallenderweife von dieser Widerlegung in der amtlichen Meldung nicht die Rede ist, so wird man vorläufig daran fefthalten müssen, daß auch hier wahrscheinlich unser Auswärtiges Amt ein Verschulden trifft.
Ueber das ganze Verhältnis Deutschlands zu Eng land während der Marokkoverhandlungen wird man, weil dabei die Persönlichkeit des Kaisers in Betracht kommt, wohl erst nach geraumer Zeit klar sehen. Allerdings dürfte die Rede, die Sir Edward Grey demnächst über das deutsch englische Problem im Unterlaufe zu halten gedenkt, sowohl einige Aufklärung über den Gang der Marokkoverhand- lungen bringen, als auch die Faberschen Behauptungen, soweit das möglich ist, richtigstellen.
Tie Kolonialabkommen im BtidgklanSschuß.
. : Berlin, 20. Nov.
Ter Budgetausschuß des Reichstags setzte heute die in der Hauptsache vertrauliche Verhandlung über die Marokkoangelegenheit fort; sic wird auch nachmittags tagen. Zu Beginn der Sitzung wurde von den Vertretern mehrerer Parteien Beschwerde erhoben über die unzutreffende Darstellung der Vorgänge der letzten Sitzung in einigen offiziösen Blättern, sowie über Nichtbeachtung der Vertraulichkeit. Staatssekretär v. Kiderlen Wächter erklärte dazu, daß, was die vertrauliche Behandlung anlange, er nur die Zweckmäßigkeit der Veröffentlichung von Regierungserklärmrgen zu beurteilen habe. Soweit es sich um Notizen in der Presse über den vertraulichen Teil der Verhandlungen handle, so sei keine einzige davon durch das Auswärtige Amt veranlaßt worben. Der Staatssekretär äußerte sich bann zu dem Vorwurf, das Auswärtige Amt habe sich mit den militärischen Instanzen nicht in genügender Fühlung gehalten. Von irgendeiner leichtiinnigen Behandlung der militärischen Seite könne keine Rede (ein. Schon vor dem Abkommen von 1909, das ja der Reichstag einmütig gebilligt habe, sei das Auswärtige Amt über die marokkanische Angelegenheit in eingehenden Erörterungen mit den militärischen Behörden geroclcn. Ter in dieser Beziehung erhobene Borwurf müsse mit der größten Entschiedenheit zurückaewiesen werden. Eine schwarze Gefahr bestehe zurzeit nicht.
Don sozialdemokratischer Seite wird dieser Auffassung beigetreten. Daß marokkanische Truppen im Falle eines europäischen Krieges in Europa Verwendung finden würden, sei nicht anzunehmen. Zum mindesten würde Frankreich einen erheblich größeren Teil an europäischen Truppen in Afrika halten müssen im Hinblick auf die Gefahr von Ausständen.
Ter Staatssekretär beftätiate das unter Bezugnahme auf die Vorgänge im Kriege 1870/7 1. Die Ziffern, die er darüber in der Plenarverhandlung mitgeteilt habe, hinsichtlich der Verwendung afrikanischer Truppen, stammten Dom Generalstab Der in Algier mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht angestellte Versuch — nur ein solcher komme in Betracht — sei bei den Franzosen in der Kolonie auf starken Widerspruch gestoßen, da diese in der militärischen Ausbildung der Farbigen eine Verstärkung der Aufstandsgefahr erblickten. Der Staatssekretär verweist u. a. auf den Aufstand der Scpoys.
Der Vertreter des Kriegsministers, General Wandel, gab die gewünschten näheren Auskünfte über die Auffassung des Kriegsministeriums hinsichtlich der „schwarzen Gefahr". „I n a b s e h b a r e r Z e i t" werde man nicht damit zu rechnen haben, daß Frankreich zur Verstärkung seiner militärischen JVräftc in erheblicher Zahl marokkanische Truppen werde verwenden können. Die „schwarze Gefahr" sei tatsächlich nicht so groß, wie man früher geglaubt habe. Es werde wohl noch lange Jahre dauern, bis man größere Truppenmassen aus Marokko in das Heer werde einstellen können. Freilich „auf die Dauer" sei es nicht von der Hand zu weisen, daß das Protektorat zu einer .Verstärkung der französischen Wehrmacht führen werde.
Die Nachwirkungen der deutjch-sranzWchen Verträge.
Tie Nachrichten, die von den Parteivertretern euv dem unter Ausschluß der Oefsentlichkeit tagenden Budgetausschuß des Reichstages laut werden, stimmen schlecht mit einer offenbar amtlich beeinflußten Mitteilung der „Köln. Ztg." überein, wonach Kiderlen 'Wächter am 'Samstag Nachweise geliefert hätte, daß die Kritik des Reichstags und der Presse nicht begründet gewesen sei. Wenn sogar ein Blatt wie die „Kreuzzeitung", die Meldung der „Köln. Ztg." zurückweist und schreibt: „Wir haben uns bei allen in Betracht kommenden Fraktionen erkundigt und übereinstimmend die Antwort erhalten, daß die Notiz (bet Kölnischen) eine glatte Erfindung ist und die vertraulichen Mitteilungen des Staatssekretärs über die Haltung der deutschen Regierung gegenüber der englischen nichts enthielten, was den Fraktionen nicht schon vorher, d. h. vor chrer Stellungnahme zum Marokkoabkommen, bekannt geworden ist, auch nichts, was die Ansichten der M.tglieder ber Budgetkommrssion hätte andern können", so wird dadurch die amtliche Prcßmache Kiderlen-Wächters direkt an den Pranger gestellt.
Daß das Auswärtige Amt es gegenüber England an Hochdruck nicht hat fehlen lassen, bezweifelt heute überhaupt kein Mensch mehr, nachdem durch Indiskretionen des englischen Hauptmann a. D. Faber, der als konser- vativor Abgeordneter zu den eifrigsten Vorkämpfern der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in England gehört und auch in der englischen Flottenliga eine tonangebende Rolle spielt, bekannt geworden ist, daß Deutschland kurz vor der Rückkehr des Kaisers von der Nordlandreife (28. Juli) am Vorabend eines Krieges mit Frankreich und England stand. An den Indiskretionen Fabers ist ja zweifellos im einzelnen manck>eS unrichtig s das eine aber läßt sich daraus erkennen, daß die englische Regierung nicht gewillt war, dem von Deutschland tatsächlich ausgeübten Druck zu weichen. Erst nach Rücksprache mit dem Kaiser haben, wie man schon früher vermutete, Herr v. Bethmanu- Hollweg und Herr v. Kiderlen-Wächter England gegenüber in ihren Marokkoforderungen nachgegeben, so daß es verständlich genug ist, wenn sie über diese Episode mehr als gerne schweigen.
Nein, um den von Deutschland auf England damals ausgeübten Druck handelt es sich heute gar nicht mehr, [onbem um die Frage, warum »veder Herr v. Bethmann- t.Hvllweg, noch Herr v. Kiderlen-Wächter die bcEannte drohende Rede Lloyd Georges im Mansion House (21. Juli), der die von Faber behaupteten Ereignisse folgten, unter Darlegung des deutschen Standpunttes ebenso öffentlich beantwortet hat. Es wäre dann vielleicht möglich gewesen, England, falls es die deutschen Gründe würdigte, Von seinen Kriegsvorbereitungen zurückzuhalten, und vor allem wären Herr v. Bethmanu uno Herr v. Kiderlen bann nicht in die Lage gekommen, den für Deutschland schmählichen diplomatischen Rückzug antreten zu müssen, mögen die Gründe, die den Kaiser zu diesem Befehl veranlaßt haben, gewesen sein, welche sie wollen. Man hat als eigentliche Veranlassung der Lloyd Georgeschen Rede angeführt, daß das deutsche AuswärtigeAmt England beleidigt habe, indem es eine Anfrage der englischen Regierung, die kurz nach dem „Panthersprung" nach Agadir, also Anfang Juli, erfolgte, — sage und
tlx. 274 Erstes Blatt M Jahrgang Dienstag, 2(. November M
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Heues über einen Liederroman Heinrich o. Kleifts.
(Zum 100. Geburtstage des Dichters, 2L November.)
Es war im Jahre 1802. Heinrich v. Kleist war wund und verzweifelt. Das Verlöbnis mit der Braut hatte er gelöst, feinem dichterischen Schassen wurde keine Anerkennung zuteil. Da ward ihm das stille Gütchen, wo der liebenswürdige alte Lieland mit seiner Familie hauste, eine Stätte der Ge- nesung, wo er zum ersten Male das Glück reiner Anerkennung seines Dichterberuses genoß und wo er für fein wundes Herz neue Liebe fand. Eine Tochter hatte der Dichter-Patriarch noch dn sich in Ösinannstätt, das war Luise, damals 137, Jahre alt und so hübsch, daß Kleist um ihretwillen saft Bedenken trug, aus einem häufigen Tagesgaste der Mitbewohner Lsmann- ÜattS zu werden. Daß zwischen dem Dichter und dem lieblich heranblühenden Mädchen fick eine zarte Zuneigung cniipann, das ist den Biographen Kleists schon lange bekannt gcwe,en, und bekannt ist auch, daß der ewig Unstete forteilte, als er inne wurde, datz er Liebe gewonnen habe. Erst jetzt aber erlaubt uns ein neu ans Licht kommendes Schriftstück einen tieferen Blick in diesen merkwürdigen Herzensroman des Dichters deS „Käthckens von Heilbronn". Professor.Bernhard Seubert in Graz hat nämlich einen Bries Luisens ausgcsunden, in dem sie selbst über ihre Beziehungen zu Kleist Auskunst gibt Ter Bries ist bisher wohl in einzelnen Stellen bekannt gewesen, gewinnt aber seinen Wert erst als Ganzes: er wird mit den nötigen Erläuterungen versehen von Prosefior Seussert im näckucn Hefte des „Grenzboten" verössenllicht loerben und liegt uns in den Aushängebogen vor. Zum Verständnis dieser werivollen neuen Urkunde über das Herzensleben Kleists ist daran zu erinnern, daß Luise das jüngfte von Wielands Kindern war und nach dem Tode der Mutter bis zur Ankunst Kleists recht Der rinfamt dahinlebte. Kleist war ihr erstes großes Erlebnis. Bei dem Verhättnisse mit Luise Wieland empsing er wohl mehr als er gab; daß er dabei Wünsche ausregte, die er nicht aus regen wollte, sah er und wollte es doch nicht sehen, und so kam es schließlich dahin, daß er dieser Liebe entsliehen mußte. )teun Jahre nach dieser Idylle bat nun Luise, damals 22 läbrig, m einem Bliefe vom 19. 'Jlpril 1811 ihrer Schwester ein Ge- itändnis ihrer yugenbliebe abgelegt und zugleich den Tichter und «ich dabei in einer Weise psvckologisch erörtert, die sie in der 'hmft der Beobachtung als Wielands Tochter zeigt. Sie spricht in diesem Briese von ihrer Vereinsatnung, von der gefährlichen Zeit, in der sie sich damals befunden habe. Tie Mutter tot, der Vater beschäftigt', in ihrem Innern erwachen neue Empfindungen, die sie doch niemand anvertrauen kann, da ihre Ge- 'chwister ihr fernstehen. „In dieser für mich, ich glaube für alle jungen Mädchen, gefahrvollen Zett kam Bruder Ludwig
wieder zu uns, und mit ihm sein Freutid Heinrich v. Kleist, den Tu auch persönlich kennst. Eine Beschreibung von diesen eigenen Sterblichen brauche ich Tir daher nicht zu machen. Tiefer Freund eines Bruders den ich liebte machte von dem Tlugcn- blick an wo ich ihn fah einen Eindruck auf das Herz Deiner ganz unerfahrenen Schwester der jetzt nach acht Jahren nicht ganz verwischt ift Es ist schwehr alle die anscheinenden Kleinigkeiten zu beschreiben die aber alle von so großem Einfluß waren daß er durch die Umstände begünstigt mir glauben machte, ick scy wieder geliebt — und ich war zu schwach an ihr zu zweifeln. Ludwig war ernstlich aufgebracht gegen Kfleist) und cs hat, wie ichs erst spät erfuhr, manchen unangenehmen Wortwechsel zwischen ihnen geben. Schwester Amalie haßte ihn von ganzer Seele, und dieser Haß war allein hinreichend mich von ihr zu entfernen; Caroline war selbst zu sehr von ihm eingenommen um mich zu beobachten; im Ganzen war das Benehm aller Trey gegen mich unverzeihlich. Ich hatte Verstand genug die unglücklichen Folgen dieser Leidenschaft zu begreifen, w^nn sie mir mit Verstand und Theilnahme wären Dorgenellt worden, was aber nickt geschah. — Ter Vater wußte Anfangs nicht von ihr — wie er sie aber erfuhr hatte sich Shleift) schon auf mein und der Caroline Wunsch entschlossen, uns zu verlassen. Er reift auch würklick ab — ich blieb zurück! mein Gemüths- zustand mußte nothwendig auch auf meinen Körper einigen Einfluß haben da ich ohnehin schwächlich war. Jetzt erscheint mir K leist-s Betragen gegen mich freilich in einem Hellern Lichte; doch wünschte ich nicht daß Tu schlimm von ihm dächtest. — Wenn er auch nickt zu den ganz edlen Menschen gehört, die ja ohnehin eine Ausnahme machen, so ist fein Caracter doch gut; und er würde sich dieses Leichtsinns gegen mich Nicht schuldig gemacht haben, wenn er weniger Ädelickes Blut >oder vielmehr unadcliches) in seinen Adem hätte. — Bald nach seiner Abteile zogen wir nach Weimar; als ich da ein Jahr still und höchst eingezogen gelebt, aber leider weder Muth und Kraft gehabt hatte etwas mehr zu wollen und zu werden: erschien dieser zauberische Kleist wieder. Noch ganz derselbe licbe^roüröige Mensch der durch seinen Geist, dazumahl noch sehr" bricheidenen füllen Caracter und Benehmen, so intcrei'iant war. Mein Vater empfing ihn als einen allen Lieben Freund,^und ich mit einer Fassung die ich mühsam errungen hatte. So erhielt ich mich in dieser Stimmung auch wie ich mit ihm allein war: bis zu seiner Abreise die wenige Tage später, erfolgte. Nach diesen kurzen Besuch schrieb Kleist, zwey Briese an Vater die aber unbeantwortet blieben und so haben wir von ihm selbst nichts wieder gehört. Hier hast Tu meine Charlotte die kleine Gr- schichte meiner frühen. Liebe die meinen Caracter einen noch ernsthafteren Anstrich gegeben hat als er wahrscheinlich sonst erhallen hätte, well ich von Natur sehr hellerer Gemuthsatt bin.
die auch zuletzt den Sieg über sie getragen; und was das Beste ift, vor vielen jungend (!) Thorhriten bewahrt hat. Ich weis nicht hast Tu etwas von ll leist) gelesen? ich habe ein Lustspiel von ihm hier ausführen sehen welches aber gänzlich durchfiel (die Weimarer Llufsührung des „Zerbrochenen Ztruges"). Tiefen Winter bekam ick Gelegenheit wieder em Schauspiel, Käthchen' von Heilbronn und 3 Erzählungen von ihm zu lesen. Ich dächte man könnte keinen von diesen seinen Werth absprechen, aber es kann sehr viel an alle getadelt werden, so wie viel fehlt bis sie vollendet genannt werden 10191ten. Er ist aber einer von den ausgezeignenden (!) Poetischen Genien dieses Zeitalters gegen die aber jeder Vernünftige Mensch viel einzuwcnden hat: hauptsächlich daß sie selbst mit ihren Werken so vollkommen zufrieden sind — und größtcnthells die verachten die sich anmaßen em gescheites Unheil über sie zu fällen. — Habe die Güte wenn Tu mir über diese Eröffnung Deine Gedanken und Gefühle schreibst, sic allein auf ein Papier zu sagen. Dieser Gegenstand ist bei uns schon so verjährt als daß ich wünschen tönte ihm beim Vater und. besonders bei den klebrigen in Erneuerung zu bringen."
Mit Reckt bemerkt Professor Seufjert, daß der Ernst, die Klarheit, Tiefe und Wärme dieses Briefes wobl verstehen lassen, was Kleist in dem Kinde aHille, dessen Seele ihm ihre Blüte öffnete. Auch der Vater ocritand, was in ihr vorging; er hat in die Novelle „Menander uird Glycerion", die er während Kleists Besuch niederschrieb, Porträtzüge Kleists und Luisens cui- gezeichnct, und erst durch dies Erlebnis scheint sein jüngstes Kind ihm seelisch nahegerückt worden zu sein. Und Kleist selbst ? Hat Luise Wieland m feinen Dichtungen gar keine Spuren hinterlassen ? Mit Sicherheit ist diese Frage nicht zu entscheiden, wohl aber meint Scun'ert, daß die Fabel von den beiden Tauben nicht sowohl auf Kleists einstige Braut Wilhelmine, als auf Luife Wrelaiid zu bauen fei, und bestechend ist auch seine Vermutung, daß die Gestalt Luisens Kleist bei dem vierzehn) ährigen schlichten K a thchen mit oorgeschwcbt habe, bas Wetters Zauber unterliegt, wie die gleichaltrige unverbildete Luise ,piesem räuberischen Kleist" Kch hingibt.
— EinBilderdiebstahlinFlorenz. Während eines Gewittersmrme- drangen in der Nacht von Sonntag zum Montag Drebc durch das Dach des San Marco-Museums in Florenz und erbeuteten eine Reliquienmalerei des Fra Beato Angelicos im Verte von einer Viertelmillion Mark. Tie Diebe hatten sich nach bvrübter Tat auf den P a-zo fan il'iarco hmabgelasfen. 2*r Diebitahl wurde Durch zwei Burger eiuCetft, die über das herabhangende Seil stolperten..


