Ausgabe 
22.4.1911 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt

161. Jahrgang

ür. 94

Gietzener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des EonntLgS.

General-Anzeiger für Sberheffen

DieOlehener LamllinidlStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für de« Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die .^andsirtfchastlichev Seth fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Samstag, 22. Apru syy

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchan UnwersuätS - Buch- und Steindrrickerei.

R. Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51.

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Ans Stadt und Land.

Gießen, 22. April 1911.

** Mutter- und Säuglingsfürsorge. Der Er­trag des BlumentagS fließt der Mutter- und Säuglings­fürsorge zu, die in ganz Hessen einheitlich organisiert ist, so daß der Ertrag deS BluinentagS dem Bezirk wieder zugute kommt, wo er eingegangen ist. Die Meinung, daß es sich habet nur um eine Fürsorge für uneheliche Kinderhandelt, isi, wie schon mehrfach betont wurde, irrig. Die Zentrale und ihre Zweigstellen wollen Kenntnisie verbreiten in einigen elementaren Grundsätzen der Hygiene. Dadurch werden sie tausenden von Kindern das Leben retten können und wiederum tausende von Kinder vor Krankheit und Siechtum bewahren. Für diesen edlen Zweck sollen die Gelder deS BlumentagS benützt werden.

** Hessischer Blumentag Die Vorbereitungen zum Allgemeinen hessischen Blumentag sind auch auf dem Lande in vollem Gange. Im Kreis eLauterbach wird in sämtlichen 67 Gemeinden Blumenverkauf stattfinden, ebenso in sämtlichen Gemeinden des Kreises Heppenheim, Mainz und Dieburg. Nicht die kleinste Gemeinde hat sich davon ausgeschlossen. Auch in den Kreisen Friedberg und Schotten scheinen Veranstaltungen in allen Gemcin- den ohne jede Ausnahme zustande zu kommen. Die Nach­richten aus den anderen Kreisen lauten ebenfalls sehr günstig.Keine Gegend des Hessenlandes will" wie ein Komitee schreibtan Gemeinsinu und sozialem Pflichtgefühl hinter der anderen zurückbleiben". Kommt doch auch der Ertrag immer der Zweigstelle des Kreises zugute, in dem er eingeht Besonders erfreulich ist der Umstand, daß täglich in größerer Zahl Material für Bor­träge über die Mutter- und SäuHlinasfürsorge bestellt wird. Es werden sehr viele derartige Borträge gehalten werden. Der ideelle Gewinn des Blumentags für den Gedanken' der Mutter- und Süuglingsfürsorge wird des­halb allein schon ein schöner Erfolg sein. Dock) ist nach dem Stand der Dinge die Hoffnung berechtigt, daß auch der materielle Erfolg nicht ausbleiben wird.

Landkreis Gietzen.

«= Allendors a. d. Lumda, 20. April. Am 3. Oster- feicrtag haben wieder vier junge hiesige Handwerker 1 Schlosser und 3 Schreiner ihre Gesellenprü- sung mitgut" bestanden-, außerdem liegen noch einige Anmeldungen und bezw. Gesuche um Zulassung zur Prüfung vor. Der vor etwa zwei Jahren neu gegründete Orts- gewerbeverein hat sich recht gut entwickelt. Es gehören ihm Lu.rzeir ca. 50 Mitglieder an. Auch die vor Jahresfrist ms Leben gerufene Sonntag szeich enschule erfreut sich bei den angehenden Handwerkern eines regen Besuches.

Starkenburg und Rheinhessen

w. Worms, 21. April. Unter der Firma Elektri­zitätswerke Rheinhessen, Aktiengesellschaft, Worms wurde eine Gesellschaft gegründet, die den Zweck hat, die Provinz Rheinhessen mit elektrischem Strom zu versehen. Tas Aktienkapital der Gesellschaft beträgt drei Millionen Mark, auf das vorerst 25 Prozent eingezahlt werden. Sitz der Gesellsck)aft ist Worms. Gründer der Gesellschaft find die Stadt Worms, die Rheinische Schuckert-Gesetlschaft, Mannheim und die Süddeutsche Diskonto-Gesellschaft, Mannheim, Bauunternehmer Zucker-Worms und Prokurist Wiedermann-Mannheim. Dem Ersten Aufsichtsrat gehören an: Oberbürgermeister Köhler-Worms, Justizrat Dr. Ste­phan-Worms, Kommerzienrat W. Kölsck>-Worms, Kom­merzienrat Dr. Ernst Blankenhorn-Mühlheim (Baden) und Direktor Frank-Heidelberg.

Kreis Wetzlar.

w. Wetzlar, 21. April. Mit dem 1. Juli tritt der Geschichts- und Altertumsforscher unseres Kreises und zu­gleich der Senior der rheinischen Geistlichen, Pfarrer All­menrod er zu Oberbiel, in den .wohlverdienten Mhe- stand.

4- Münchholzhaus en, 21. April. Ter Kreistag hat den Gemeinden Dutenhofen und Münchholz­hausen zu den Kosten des Ausbaues der Verb in-' dungsstraße einen Kreiszuschuß von 2270 Mark be­willigt. Hier herrscht fortgesetzt eine rege Bautätigkeit. Für die Folge steht der Bau einer neuen Kirche auf der Tagesordnung, da die alte Kapelle schon längst nicht mehr den Bedürfnissen entspricht. Die Zusammenlegung der Ländereien hat auch die Platzfrage für die neue Schule enbgültig geregelt.

n. Hadamar, 21. April. In dem hiesigen Kalk­werk- und Steinbruchbetriebe der Firma I. G. Brötz aus Limburg ereignete sich gestern abend 7 Uhr ein schwerer Unfall. Der 37 Jahre alte Verwalter Ph. Thorn geriet in die Steintrommel und wurde darin zermalmt, so daß der T o d sofort eintrat. Er hinterläßt Frau und zwei Kinder.

Sport.

D. Gießener Regatta. Tie Id. Regatta deS Süd- deutschen Ruderoerbandes wird hier Sonntag, 11. Juni, unter Leitung des Ruder - Klubs£>afl"ia abgehalten. Tie Ausschreibungen sind folgende: 1. Begrüßnngs - Vierer (Ehren- preis des hiesigen Rad-KlubsGermania", zwennal nach­einander oder dreimal ohne Reihenfolge zu gewinnen); 2. Junior- Giner; 3. Ansänger-Dicrer; 4. Senior-Vierer (Ehrenpreis der Stadt Gießen, Wanderpreis); 5. Junior-Vlerer; 6. Senior-Vierer (Verbandsprets, zweimal nacheinander ztt gewinnen, Mannschaften von 4 ausgeschlossen); 7. 2. Achter (Mannschaften von 12 aus­geschlossen) ; 8. Einer (Lahnpokal, Heraussordertrngspreis der Hassia", zweimal nacheinander zu gewinnen) ; 9. Senior-Vterer (ft'ir Mannschaften, die im Rennboot noch nicht gesiegt haben); 10. Ermunterungs-Vierer; ll. Trost-Vierer; 12. 1 Achter (Tamen- preis). Meldesckftnß Sonntag, 21. Mai, nachmittags 3 Uhr. Rennungsschluß unb Startverlosung Sonntag, 28. SDlai, nachin. 3 Uhr, im Bootshaus derpassia".

D. Süddeutscher Ruderverband. Laut Beschluß der in Frankiurt a. Ai. abgehaltenen Vorstandssitzung sind der Rildervereiii Nieder r ad unö der Ka steter Ruder­klub .Germania" in den Verband ausgenommen worden.

vörserr-Wochcnbericht.

= Frankfurt a. M., 21. Aprft.

Die Unternehmungslust, die schon vor den Feiertagen sich stark reinnierte, blieb nur auf ein Minimum beschränkt. Während die Grundstimmung kürzlich noch immer als fest bezeichnet wer­den konnte, hat sich jetzt der Börse eine schwankende, vor­wiegend zur Schwäche neigende Haltung bemächtigt. Die Auswärtsbewegung war nicht mehr so geschlossen wie bisher, da die Kurse zahlreicher Papiere eine Höhe erreicht haben, bei denen sie von selbst ihre Beweglichkeit einzubüßen beginnen, nniter mehrten sich aber auch die Anzeichen für eine Ueberschätzung der Konjunktur, so daß die Börse nicht mehr darüber hinwegsehen konnte und sich zur !E r l ei chteru ngderBezugsverpflich- t u n g e n veranlaßt sah. Die rückgängigen amerikanischen Eisen­preise gehen parrcklel mit einer gleichen Bewegung am englischen und belgischen Eisenmarkt, die Ausführungen der Oberschle­sischen Eisenbahnbedarfs-Gesettschaft über die wenig günstigen Aus­sichten der schlesischen Hüttenindustrie, der Rückfall des deutschen Stabeisenmarktes in Schwäche, die Verschlechterung des westlichen Kohlenmarktes und die kritisch: Wendung des Frachtenmarktes Marktes haben ihren Eindruck nicht verfehlt. Auch die schlechteren Geschäftsabschlüsse, mit denen jetzt die Nachzügler unter den Jn- dustricgesellschaften herauskommen, sind nicht unbemerkt geblieben. Zu den Gründen, die der Spekulation eine Verminderung ihrer Engagements nahelegten, gehörte auch die Rücksicht auf die Geld- marktverhältnisse. Es lagen zwar wieder freundlichere Meldungen über die Gcstalttntg des englischen Gckdmarktes vor, aber bei uns liegen die Geldverhältnisse nicht so günstig wie sonst im Avril und hat sich der Privatdiskontsatz wieder etwas ermäßigt, so will man doch erst abwarten, in welchem Maße sich eine Erleichterung des Geldstandes bemerkbar machen wird. Beachtet wurde, daß der Produktenmarkt unter dem Einfluß des letzten wenig günstigen Berichts vom Saatenstand in Preußen eine feste Haltung angenommen hat. Die Ernteaussichten scheinen nicht so günstig zu liegen, wie es den Anschein hatte. Unter stärkeren Schwankungen verkehrte namentlich der M o n t a n- markt, an dem Phönix-Aktien im Vordergründe des Interesses standen, weil verlautete, daß die Gesellschaft seit Juli 1910 einen

Mehrgewinn von rund 4 Millionen Mark erzielt habe. Die Auftoärtsbewegung war nur von kurzer Tauer, sowohl.Phönix- Aktien als die anderen Montanpapiere unterlagen später stärkerem Angebot. Aehnlich war es mit t>cm Kassamarkt bestellt. Das Gros der favorisierten Papiere stagnierte oder lag schwach. Etwas fester lagen Schlickert ^Aktien auf Andeutungen über Elek­trisierungspläne in Bayern, wobei cs sich um ein Objekt von etwa 15 Millionen Mark handeln soll. Andere Elektrizü.ätswerte zeigten ebenfalls befestigte Haltung. Ter Danken in a_r k t neigte zur Schwäche, ebenso Bahnen, nur Schontung und Staatsbahn waren gebessert. Schiffahrtsaktien zeigten matte Haltung, konnten sich aber schließlich erholen. Etwas gebenett waren auch heimische Fonds infolge der Auslösung des Konsortiums für die 31 * * *,2ooigcn Anleihen. Von fremden Renten batten Portugiesen und Mexikaner unter den politischen Meldungen etwas zu leiden^ Privatdiskonto SVie0/»-

Handel.

O Nidda, 21. April Gegenwärtig sind in unserer Ofcgenb die Preise für schlachtbares Rindvieh so doch, wie noch nie. Zum Osterfeste Taufte Metzgermeister H. Rullmami II. hier von einem Landwirt zwei Ochsen für 1600 Mark. Die Ge­meinde Wallernhausen erlöste beim Verkauf eines dienstuntauch- lichen Faselochsen 900 Mark. Tas Tier hatte etwas mehr als 30 Zentner Lebendgewicht. Für Kälber wurden 60 bis 62 Psg. Lebendgewicht bezahlt. Dagegen ist der Preis für fette Gdvoeinc gesunken. Solche wurden schon zu 56 Pfg. das Pfiirw Schlacht­gewicht eingefauft.

Markte.

F. C. Wiesbaden. Diehh o a r k tb e r i cht vorn 21. April. Austrieb: Rinder > 9 (Ochsen 6, Kühe 63, Bullen 00), Kälber 240, Schale 126, Sehweine 228.

Tendenz: Rinder, Kälber, Schaft und Schweine ruhig.

Pt eis Turch- pro 100 Psd. schnittspreiS tebcnb» L-ru-ch> pro 100 l'hmt) gtividu

Ochsen. von-blSvon-bir

Vollfleischige, ausgemästete, höchsten

Schlachtivettes, höchstens 6 Jahre alt 4951 8890

Junge, fleischige, nicht ausgernäsle und äUeve ausgemästete 4548 S487

Ungejochte 5053 9195

Färsen, K ü h e.

Bollsteischige ausgemästete Färsen höchst.

Schlachtivertes 4752 3591

Vollfleijchlge ausgemästete Kühe höchst.

Scl)lachtwertes bis zu 7 Jahren. . 4043 7778 2UUere ausgemästete Kühe und ivenig gut entwickelte jüngereKühe it. Färsen 3639 7377 Mäßig genährte Kühe und Färsen . . 3235 65 70 Kälber.

Feinste Mastkälber 6568 105-114 66 109

Mittlere Mast- und beste Saugkälber . 6368 104-112 >3 108

Geringere Mast- und gute Saugkälber 5762 95103 59 >9

Geringere Saugkälber 4245 8590 43 87

Schale.

Aeltere Masthammel und gut genährte

Schaft 40-42 82-85 41 83

Weidemastschase 47-49 61-63 48 62

Schweine.

Vollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner

Lebendgewicht 4749 6163 48 62

Vollfleischige Schweine über 2 Zentner

Lebendgewicht 4743 6061 47 60

Vollfleischige Schweine über 2'/, Zentner

Lebendgeivicht 4748 6162 47 61

Fleischige Schweine unter 80 kg Lebend­gewicht 43-00 5500 43 55

Ueberftanb bei Rindern, Kälbern, Schaken und Schweinen.

flcromt

50 89

46 85

51 93

19 88

41 77

37 75

33 67

fe. Frankfurt a. M., 21. April. H e u- und S t r o h m n r kt. Angeiahren waren 9 Wagen Heu und 0 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 3,303,50 2)1 f., Stroh (Kornlangstroh) 0,00 bis 0,00 Mk., Wirrstroh 0,000,00 Mk. Alles Siir 5u Kilo. Geschäft rege. Die Zufuhren waren aus Oberhessen und bem Kreise Dieburg.

Dr. Zucker's >1 obleniäurebäber mit den Kisten sind nach den neuesten vergleichenden Untersuchungen von Vrosessor Dr. Junghahn und Dr. Baedecker-Berlin ein einzigartiger voll­wertiger Ersatz der Bäder in Rauhei ni, Kissin g c n nsiv. <hvs/j

und von an*

Der Leprabazillus und seine Bekämpfung. Ueber das Wesen der Lepra, die Art ihrer Verbreitung lieber tragung haben die Doktoren Duval und Cour et der Tulane-Universität in Neu-Orleans eingehende Studien

Die Tragödie im Palast des Menelik.

Nach Paris ist dieser Tage der Dr. Vitalien xirrückgekehtt, dem der tränte Negus Menelik vor allen anderst fern Ver­trauen geschenkt bat, und der französische Arzt macht über bte tragischen Auftritte, die sick) im Laufe der letzten Monate tm Palast des erkrankten Herrschers absprelten, einige ergretstmdo Mitteilungen. , ,.

Als ick, von Addis Abeba abmfte", so erzählte er,lebte der Kaiser noch. Ich habe ihn gefeiten, mit ihm gesprochen, unb er hat mir geantwortet. Ich weiß sehr gut, daß alle Zettungen bereits seinen Tod verkündet und lange Nekrologe verottentltcht haben. Tas überrascht mich auch nicht, da das Gerücht von seinem Tode sogar tu seiner eigenen Hauptstadt verbreitet war. Ich kann demgegenüber jedock) folgendes versichern. Im Oktober 1909 bestimmte der Negus, nachdem er von neuem durch einen schweren Anfall geschwächt worden war, den kürzlich geworbenen Ras Tesamma zum Regenten, und in jener Zeit verbreitete sich das Gerüätt von Menelits Tode im Volke. Damals war es auch, daß die Ras die Bewegung gegen die Kaiserin Taittt organisierten. Ter Kampf gegen sie wurde immer heftiger, so daß diese schließlich Don dem Treiben abgestoßen wurde und verlangte, nach ihrem Heimatland abreisen zu können. Ms Menelik, der in seinem Palast von allen, außer seiner Frau, verlassen war, unb der sich nicht bewegen und nicht reden konnte, erfuhr, daß Tattu abreifen wollte, verlangte er mit einigen fieberhaft auf ein Stück Papier hingekritzelten Dorten, daß die Kaiserin bei ihm bliebe. Und er weigerte sich zu essen und zu trinken, bis ihm die Versicherung gegeben luurbe, daß die Kaiserin nicht abgereift wäre.

Es ist kaum möglich, alle die Wechselfälle im einzelnen zu erzählen, die sich lvährend jener Kampfzeit im Palast von W>dis Abeba abspielten. Oft durchlebten wir Augenblicke der furcht­barsten Aufregung. Wir waren häufig nahe am Bürgerkrieg, und es war ein tiefer Schmerz, den unglücklichen Kaiser zu sehen, wie er stumm der furchtbaren Tragödie in seinem Palaste, von der er jede Phase verfolgte, beiwohnen mußte. Man kann sich kaum ein ergreifenderes Drama vor stellen, als das dieses Herr­schers, der über den Kampf gegen die Kaiserin, die Gefährtin seines Lebens und seine Mitarbeiter in, genau unterrichtet mar unb der doch weiter nichts tun konnte, als mit seiner zitternden Hand auf ein ätikE Papier die Worte kritzeln: ,^Jch will nicht, daß sie abreift." Die Kaiserin reifte denn auch nicht ab unb bleibt fitzt am Schmerzenslager bes alten Kaisers als eine hingebende Krankenpflegerin, die auf jeden kleinsten Wurrfch des Leidenden

lauscht. Sie hat jede politische Absicht aufgegeben. Die Ras regieren im Namen von Ligh Jassu, und der Kaiser beobachtet sie, besorgt, was aus seinem Werke werden sott. Als ich von Abessinien ab reifte, ging es Menelik besser, und ich begab mich zu ihm, um mich zu verabschieden. Seit über einem Jahr hatte er kein Wort mehr gesprochen, aber jetzt öffnete er den Mund und fragte: Wohin gehst du?" Ich antwortete ihm:Nach Paris." Da hob er die Hand, die sich noch bewegen konnte, drückte mir den Arm und sagte:Aber auf den ersten Ruf wirst du doch zurückkehren?" Ich versprach es ihm, und er dankte mit einem Blick. An jenem

5. Januar hatte also der Negus das Wort wiedergefunden, aber für einen Mann wie Menelik heißt es nicht leben, wenn er auf einem Lehnstuhl ober auf einem Bett wie gefesselt daliegen muß, unfähig, seinen Witten auszuführen, unb in schwerer Sorge, ob seinem Werke Lebensdauer verliehen sein wird. ..."

gestellt, deren Ergebnis sie hoffen läßt, ein Serum zur Er­zielung von Immunität gegen diese schreckliche Krankheit zu ent­decken. Sie hatten für ihre Untersuchungen das Lepra-Kranken­haus von Jberville zur Verfügung, das bereits feit 20 Jahren besteht unb in dem eine Reihe von sehr komplizierten Fällen zur Behandlung gelangen. Lange Zeit war es sehr schwierig gewesen, die Leprakranken in dem Asyl festzuhalten, aber man hat bas Heim so komfortabel eingerichtet, daß jetzt alle Vorurteile dagegen aufgegeben sind und die von der Krankheft Befallenen ober auch nur Verdächtigen sich ohne weiteres hineinbegeben. Auf diese Weise hat man die Krankheft in Luisiana erfolgreich be­kämpfen und die Fälle von Erkrankung bedeutend herabmindern können. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, zeigen auch die .Kranken selbst Besserung ihres Zustandes, unb in sechs Fällen ist sogar eine Heftung erzielt. Tie Behandlung ist einfach unb besteht in der Hauptsache in einer vernünftigen Lebensweise, häufigen warmen Bädern unb ernigen Ritteln. Zugleich haben die beiden Aerzte über das Wesen der Krankheft einige n?ue Tatsachen ermitteln können, über die die Revue berichtet. Man schreibt die Entstehung der Lepra gewöhnlich dem Genüsse nicht gekochter und verdorbener Fische zu, wie die Krankheft in der Reget auch nur unter einer an einem Ufer wohnenden Bevöl­kerung ausbricht. Sie ist jedoch nicht erblich unb durch einfache Berührung zu übertragen, wie man wohl angenommen hat, sondern

sie entsteht nur durch den Genuß von mit Levrabazillen infit ziert em Fisch, insbesondere des Goldfuchs. Der Leprabazillus, der bereits von Hansen und Neißer 1880 entdeckt wurde, gleicht! in seiner Form und seinen sonstigen Eigenschaften fein' genau dem Tuberkelbazillus. Er widersteht jedoch den Mitteln, b-: die anderen Mikroben zerstören. Die beiden amerikanischen Aerzte sind nun eifrig tätig, ein' Serum zu entwickeln, bas die Leprabazilleu: zu vernichten vermag.

Krankenlektüre An die Aerzte. DemKunstwart" wirb geschrftben:Es gibt kaum eine Zeit, die den Menschen so empfänglich für gute Lektüre findet, wi? die Wochen r nesung nach einer schweren Krankheit Auch während der L id ten Krank­heitszustände, die bei dem heutigen Vcrsicherungswe >en selbst die Minderbemittelten in Scharen in die Krankenhäuser -sühren, sind die Leute geneigt, ihr Interesse von den Alltagssorgen bcc Berufs­lebens höheren Ting en zuzuwendett. ^inb nun unsr.; rauten* Häuser gerüstet, dieses Verlangen nach geistigerTheraui-" zu; befriedigen? Tie Antwort muß betrüben. Tie Bücherei, die den Patienten zur Verfügung steht, ist in den meisten /Villen durchaus minderwertig. Von einer bewußten Auswahl bester, oder doch guter Bücher ist keine Rede. Meist findet man ? iehr geringe Anzahl von mittelmäßigen Romanen, die von u ndeinem Gönner­der seinen Bücherschrank vom Schund säuberte, geftif! t wurden^ Taneben eine Reihe von alten Journalen, Witzblättern, illustrier­ten Wochen- und Monatsschriften, die die Aerzte nr! - -u Hause Herumliegen lassen wollen." Nicht minder trostlos sieht es übrtgensi in den Wattezimmern der Aerzte (unb Rechtsanwalt- aus. Auch hier werden dem Patienten, der bei dem langen, oft unru befallen Warten geradezu zum Lesen gezwungen ist, alte Bäderprospekte, illustriertePrachtwerke", zerschlissene Albums und ab<".grift-mq Bände irgendeinerttnterhaltungsbibliothei" ober gar :K 11-imr» albums zu gemutet. Unb bock ist eine kleine geh-;-. Bus .rrt- etwa aus ben billigen Sammlungen zusammcngestellt, um . nig Geld zu beschaffen. TieRegiekosten" könnte das

Einkommen des fcerrn Doktors nrch tragen. Fr. -v/.; den Einfluß des seelischen Zustandes seiner 9? arten Len aur ren i .rr er­lichen sehr unterschätzt, wird er.sogar diese Au-o- ols unnütz" im engsten Berufsinteresse anseh.it b:ir;rn .-swuhl wird nicht allzu große Schwierigkeiten bereit .- ein gefunbaj Humor wird den Vorzug versienen, doch nick: allein ! ?rrschen! dürfen. Der Dürerbund wird in der ListeLeichtes zum Lesen", die er vorbereitet, auch einige besonders als Krankenleftüre ge­eignete Bücher anführen.