Ausgabe 
20.11.1911 Erstes Blatt
 
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stischen Zentralbureaus in Frankfurt a. M., zeigte an der Hand großer Tafeln, auf denen mit Hilfe von Kurven das Arbeits­angebot und die Nachtrage verglichen waren, wie unter anderem im Baugewerbe die Hauptanfrage im Frühjahr, dagegen in der Landwirtschaft im verölte stattfindet. Hier müsse der Arbeits­nachweis eingreifen und einen Ausgleich herbeiführen.

Als 3. Punkt der Tagesordnung wurdeEiniges aus den Erfahrungen der Wteilung für das Gastwirtschastsyewerbe" be­sprochen. Punkt 4 war ein Bericht über den zweiten Ausbil­dungskursus für Leiter und Angestellte von öffentlichen Arbeits­nachweisen. Ein gemeinsames Mittagsmahl vereinigte die Teil­nehmer der Konferenz nochmals, hieran schloß sich eine Besich­tigung des Kreisarbeitsnachweises und der Burg Klopp.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 20, November 1911.

Die Auszählung der Bevölkerung Hessens nach der Konfession

auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 ist ; n. d. Darmst. Ztg. nunmehr von der Zentralstelle für die Landesstatistik abgeschlossen. Es wurden ermittelt 848 016 Evangelische (gegen 803195 im Jahre 1905), 397 549- misch-Kattzoliscye (371680), 24 063 Israeliten (24696) und 12 423 Sonstige (9604). In den letzten fünf Jahren haben die Evangelischen um 5,6 Proz., die Römisch-Katholischen um 7 Proz. und die Sonstigen um 29,4 Proz. zugenommen, die Israeliten dagegen um 2,6 Proz. abgenommen. Unter Be­rücksichtigung der Ergebnisse der früheren Volkszählung kann man für das Großherzogtum Hessen folgende Tendenz feststellen: Die Katholiken nehmen rascher zu als die Evan­gelischen, die jüdische Bevölkerung nimmt ab und die Son­stigen, d. h. di^enigen, die keiner der drei großen Reli­gionsgemeinschaften angehören, haben den größten Zu­wachs. Zu diesenSonstigen" gehören im Großherzog- tum besonders die Deutsch-Katholiken und die Freireligiösen, die Freiprotestanten, die Altkatholiken, die Apostouschen, die Mennoniten, die Baptisten usw. Der Anteil der Katho­liken an der Gesamtbevölkerung ist von 28 Proz. im Jahre 1871 auf 31 Proz. im Jahre 1910 gestiegen, während der prozentuale .Anteil der Evangelischen an der Gesamt­bevölkerung im gleichen Zeitraum von 68,5 Proz. aus 66,1 Proz. gefallen ish

** Tageskalender für Montag, 20. Nov. Vortrag von Frl. Tr. Kröhne-Worms: Die Tätigkeit der Frau in Wohn­ungsaufsicht und Wohnungspflege. Abends LX Uhr im großen Hörsaal der Universität.

Vortrag von Missionsdirektor Spie cker aus Barmen: Tie Aufgaben der Rheinischen Mission bei der Bildung Heiden- chrlstlicher Bolkskirchen auf Sumatra und Nias. Abends 81/* Uhr m Steins Garten.

Vortrag der Freidenker-Vereinigung von Prediger Klauke- Jrankiurt: Die religiöse Krisis der Gegenwart. Abends 81/, Uhr im Einhornsaal.

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* Die Herzogin von Mecklenburg, die nebst ihrem Gefolge zur Hochzeit nach Büdingen fährt, nahm heute früh auf dem hiesigen Bahnhof das Frühstück ein und fuhr^ um 818 nach Büdingen weiter.

** Der VereinHessisches Lehrerinnenheittt" hielt gestern unter dem Vorsitz von Frau Lilly Wolfs kehl im Rathaussaale in Darmstadt seine diesjährige Haupwersamm- lung ab, zu der Abordnungen aus den Städten Mainz, Worms, Gießen, Offenbach, sowie eine Anzahl Ehrengäste, darunteu Oberbürgermeister Tr. Glässing, erschienen waren. Den Rechen­schaftsbericht erstattete Burcaudirektor D a n b - Darmstadt. Danach betragen die Einnahmen 21495 Mk., die Ausgaben 20 613 Mk. Tas Vermögen i|t aus 186 000 Ml. gewachien, d. h. Pas Rein­vermögen betrügt nach Abzug der Hypotheken noch 128 000 Mk. Dem Rechner wird Entlastung erteilt. Der Voranschlag für 1912, der mit einem Kassevorrat von 2700 Mk. rechnet und an Einnahme und Ausgabe 20 350 Mt. Vorsicht, wird gtttgcheißen. Aus dem Jahresbericht geht hervor, daß der Verein auch diesmal wieder seiner doppelten Aufgabe gerecht wurde. Vier Damen waren ständig und 94 vorübergehend mit zusammen 1415 Verpflegungstagen in dem Heim ausgenommen. Der Verein zählt jetzt 377 ordentliche und 170 außerordentliche Mitglieder. Hierauf wird ein Antrag des Frl. Fuchs beraten, der die Gründung einer K rank e n u n t e r ,t ü tz u u g s k a ,, e beirifft. Sie fordert zunächst die Bildung eines Fonds, der aus den Zinsen eines Kapitals von 100 000 Mk., al>v wyrlia- 35o Mr. vom Jahr 1912 ab bestehen soll. Der Antrag wurde angenommen und die Leitung Zunächst dem Darmstädter Heim übertragen. Der Betrag von 300 Mk. soll schon aus dem Jahre 1911 zur Verfügung gestellt werden.

.** Verpachtiing fiskalischer Jagden an Geistliche und Lehrer. Das Füianzrninisteriurn hat folgendes Ausschreiben erlassen: Durch Bekanntmachung vom 30. Mai 1829 war die Zulassung von Geistlichen und Schullehrern zu fiskalischen Jagdverpachtungen verboten worden. Unter den fiskalischen Jagdpachtbedingungen fjndet sich bereits seit längerer Zeit diese Bestimmung nicht mehr. Auf Wunsch Großh. Ministeriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten^stellen wir ausdrücklich fest, daß diese Bestimmuitg als ausgehoben anzusehen ift.

** Stadttheater. Das neue Werk von Stein und HellerDie Ahnengalerie" hat am Freitag den größten Lustspielerfolg errungen, der in den letzten Jahren zu verzeichnen war und so dürfte die morgige Wiederholung der Novität sicher ein volles Haus erzielen. Am Mittwoch, November, dem preußischen Bufltag, finden wegen der zahlreichen auswärtigen Besucher unserer Stadt zwei Vor­stellungen statt. Nachmittags wird bei Volkspreisen CHarleys Tante" gegeben, abendsPolnische W ir t s ch a f t". Die Abendvorstellung wird im Abonnement gegeben, doch ist der Anfang der Vorstellung wegen der Nachmittagsaufführung ausnahmsweise 7i/a Uhr statt

** Die Fleischer-Innung Gießen beging gestern in Zierlicher Weise ihr 25. Stiftungsfest. Damit verbunden war die Weihe einer von Frauen und Jung- rauen der Innung gestifteten Fahne. Das Vorstands­mitglied des BezirksverbandesBeider Hessen und Nassau", Gewerberat Falk-Mainz, der Ehrenmitglied der Gießener h^lt die Weiherede. Die Innung wurde am döovember 1886 von 22 Metzgermeistern gegründet. Bei Einführung der neuen Gewerbeordnung hat sich die In­nung für eineFreie Innung" erklärt. Unter der rüh- rtgen Zeitung der inzwischen verstorbenen Ehrenmeister Karl L>ack L, I .Klein und Ludwig Pirr, hat sich die Innung ra,ch^ und vorteilhaft ausgebaut. Sie besitzt eine eigene Krankentaoe, Viehversicherung und gehört derHäute- und ^i^^/"uugs-Genossenschäft Kassel" als Mitglied an. q an der Spitze der Innung Obermeister Ernst

Ludwig Sack.

RcichStagsabgeordncter Ba Hermann, eröffnete die Tagung mit einem Hinweis auf den Ernst der Stunde und brachte das Kaiserhoch aus. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Vizepräsident des preußischen Abgeordnetenhauses, Geheimrat Dr. Krause,, ge­wählt. Nach einigen Begrüßungsreden nahm

Reichstagsabgeordneter Bassermann das Wort zu seinem Referat über die politische Lage. Er führte aus: Tie nationalliberale Partei kann heute mit Hoff­nung in den Wahlkampf ziehen. Unser Aufmarsch ist vollendet. Man hat geglaubt, man müsse die Wahlen möglichst hinaus­schieben, Um einen Ausgleich zwischen den Streitigkeiten der bürgerlichen Parteien zu schaffen. Das ist eine falsche Einschätzung der Strömungen in der Volksseele, so schnell kommt das Ver­gessen nicht, das Volk will Gericht halten über das, was bei der Reichsfinanzreform am Volke gesündigt worden ist. Tie Sammlungsparole bedeutet den Wunsch, daß die nationalliberale Partei bei den Wahlen an der Seite von Konservativen und Zentrum stehe. Das ist eine Utopie und von vorn­herein zurückzuweisen. Es ist ferner zurückzuweisen der Versuch, wirtschaftliche Fragen in den,Vorder­grund zu schieben. Unsere Stellung zur Sozialdemo­kratie ist selbstverständlich dieselbe , geblieben. Wir werden in dem Kampfe gegen diese Partei unsere volle Schuldigkeit tun. Es gilt aber den Kampf gegen zwei Fronten, außer gegen die Sozialdemokratie auch gegen den schwarz-blauen ..Block. Ter Bund der Landwirte, ursprünglich rein wirtschaftlich, ist eine politische Organisation geworden und hat dadurch die Reibungs­flächen zwischen ihm und den Nationalliberalen vermehrt. Un­seren Gegensatz zum Zentrum brauche ich hier nicht zu be­tonen. Wenn wir anders zum Zentrum ständen, dann verdienten wir nicht den Kulturnamen einer liberalen Partei. Wir sehen, welche Erregung das Payernland durchzieht, wo das Zentrum versucht, Minister zu «türzen. Ihm ist die Taktik alles, das politische Prinzip nichts. Immer erstaunlichere Tinge erleben wir. Heute geht die Mitteilung über ein neues motu pro ppi o durch die Blätter, wonach jeder Privatmann, der einen Priester vor das weltliche Gericht zftiert, der Exkommunikation verfällt. Mit der fortschrittlichen Volkspartei haben Ab­machungen stattgefunden, die aber keine programmatische Bedeu­tung haben, unsere Stellung ist in vollem Umfange gewahrt worden. Wir meinen, daß es in dieser politischen Lage wünschens­wert ist, wenn die Liberalen bei diesen Wahlen nicht in ge­trennten Heerhaufen marschieren. Der Redner geht dann au die auswärtige .Politik ein und kritisiert scharf das Marokkoabkommen. In unsere Diplomatie müsse das in­telligente Bürgertum hinein, denn die Zeiten der höfischen Repräsentation feien vorbei. Die Erörterungen über die Teuerung und das Vereinsgesetz seien durchaus unbefriedigend und bureaukrattsch gewesen. Wir verlangen, daß, wenn unter­geordnete Beamte das Vereinsgesetz verletzen, die Regierung auch einmal auf den Tisch schlägt und sagt, wir werden dafür sorgen, daß die Schultheißen und Landräte und wie sonst heißen mö­gen, ihre Schuldigkeit tun. Der Redner plädiert dann für den Schutz der nationalen Arbeit und eine maßvoll fortschreitende Sozialpolitik und fordert zur Opferwilligkeft für die Partei auf.

Es folgte eins längere ___

Aussprache.

Landtagsabgeordneier S chiff erer (Tondern) stellte vor allem fest, daß die Nationalliberalen nie und nimmer an der bewährten Schutzpolitik rütteln würden. Ter badische Land- tagsabgeordneten Rebmann (Karlsruhe), der den Großblock in Baden zu verteidigen hatte, präzisierte seine Stellungnahme zur Sozialdemokratie. Er sei zwar stets ein entschiedener Gegner aller sozialdemokratischen Prinzipien, er sei jedoch ein noch schär­ferer Gegner des Zentrums. Zum Schluß seiner Ausführungen erklärte der Redner, daß man unbedingt der fortschrittlichen Volkspartei, mit der man ein Wahlbündnis geschloßen habe, die Treue halten müsse. (Stürmischer Beifall.)

Landtagsabgeordneter Tr. Lohmann führt aus, daß die größere Gefahr stets die näherliegende sei. Daher sei der Stand­punkt der Badenser zur Sozialdemokratie wohl zu verstehen. Er siebe auf dem Standpunkt, daß niemals, direkt oder indirekt, die Sozialdemokratie unterstützt werden dürfe.

Rechtsanwalt Meyer (Viürnberg) spricht dem Führer der Partei Herrn Bassermann, das vollste Verttanen der bayerischen Nationalliberalen aus. Er geht dann auf die Auftösung des bayerischen Landtages ein und erklärt, daß der 14. November für Bayern ein ganz unerhörtes, noch nie Tagewefenes bedeute. Die bayerische Regierung habe es gewagt, dem regierenden Zentrum den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Man habe bei dieser Gelegen­heit auch gemerkt, daß das Zentrum dem Grundsatz huldige: Wer nicht pariert, muß fliegen. Obwohl er dem Vertreter aus Baden in seiner Stellungnahme gegen das Zentrum recht geben müsse, so wolle er doch von einem Großblock, wie er in Baden bestände, nichts wissen. Dagegen wolle man das ganze bayerische Volk gegen den Ultramontanismus aufwiegeln. Mit der Herrschaft des Zentrums in Bayern müsse endlich tabula rasa gemacht werden.

Ms letzter Redner führte Reichstagsabgeordneter Tr. S t r e s e- mann u. a. aus, daß man einem Wahlkampfe entgegenginge, wie seit langem nicht. Man erwarte von ihm, einer neuen Epoche entgegengeführt zu werden. Das gleiche habe man auch von der vorigen Wahl erwartet, aber die Blockpolitik des Fürsten Bülow sei leider nur eine Episode geblieben. Wenn wir diesmal einer neuen Epoche entgegengehen wollen, so sei eines sicher: Die Regierung zeigt uns den Weg nicht. Wenn heute irgend etwas feststeht, so wäre das die völlige Ziellosigkeit mrserer deutschen Reichsregierung; es fehlten zielgebende größere Persön­lichkeiten. Nachdem der Redner noch aus den Terrorismus der Sozialdemokratie in Bezug auf das Recht des Arbeiters auf Arbeit ünd auf die Art und Weise des Wahlkampfes von Seiten des Zentrums eingegangen ist, wird die Aussprache geschlossen. >Der Wahlaufruf wird en bloc angenommen und der Parteitag alsdaim mit den üblichen Dankesworten geschlossen.

Konfercnj der Mitteldeutschen Arbeitsnachweis verbander.

ch. Bingen, 18. Nov.

... Die heube hier abgehaltene sehr gut besuchte Konferenz er- Mnete Kreisrat Dr. Steeg-Bingen. Das Interesse für den Verband sei ständig im Wachsen begriffen und baä Netz der Arbeitsnachweisstellen werde immer dichter. In Rheinhessen wür­den in nächster Zeit noch zwei Nachweisstellen errichtet werden und zwar in Alzey und in Oppenheim. Er fordere die Bürger­meister auf, in jeber Gemeinde einen selbständigen, wenn auch kleinen, Arbeitsnachweis zu errichten.

Der 1. Punkt der Tagesordnung war ein Vortrag über die Organisation der Wanderarmenfürsorge im Grobherzog- tum Hessen. Provinzlaldirektor Fey-Darmstadt führte aus, daß

Jahren die Wanderarmenfürsorge vollkommen um- gestaltet werden mußte. Von vornherein müsse beachtet werden ^..unter die Wanderarmenfürsorge nicht die Armen im land- ifiSSSL ®m2ne sondern diejenigen, die sich unter dem Gesetz befmden In den letzten Jahren hätte sei «nd i^d' ^brkannt, daß die Organisation nicht ausreichend IuäÄÄV!? dm einzelnen Stationen große Mißstände bie^tioM^Utn A^^Mchse beseitigen, habe man WnGnSrrt?^ Stationen bedeutend verringern müssen. Diese

-?Qr von dem besten Erfolge begleitet, so daß man fBunU 2 blr SOUem aud) fernerhin beizubehalten.

dm.?.. £ Jer Tagesordnung: Was ist erforderlich, um den

Arbeitsmarkt der Städte mit dem Arbeitsmarkt des platten Landes fnengere Beziehungen zu setzen? Dr. B u sch, Direktor des statt-1:

H a n f a b u n d - Versa m m l un g. Tie auf fcer 12. Januar t. I. festgesetzten Reichstagswahlen tver­ben über die wichtige Frage zu entscheiden haben, ob der deutsche Gewerbestand und das deutsche Bürgertum gewillt sind, mit aller Energie die ihnen zukommende Stellung im Staate, d. h. in der Gesetzgebung, Verwaltung und Leitung des Staates, sich zu erkämpfen und dafür ^orge zu tragen, daß die Gleichberechtigung aller Erwerbsstünde in Zukunft auch im praktischen Staatsleben die unverrückbare Grund­lage der deutschen Politik bilden wird. Wenn das erwerbs­tätige Bürgertum jetzt, wo es vor die Entscheidung gestellt wird, verzagt oder zaudert, wenn es seine eigene Sache im Stich läßt, dann verdient es die Zurücksetzung, die es er­fahren hat, und alles, was ihm dann seine zahlreichen Feinde noch in größerem Umfange auferlegen werden. Ter Hansabund darf daher erwarten, daß jeder Angehörige des deutschen Gewerbestandes seine Pflicht tut. Der Hansa­bund ist keine politische Partei; er ist eine'wirt­schaftliche Vereinigung mit den durch sein Wirtschaftspro­gramm bedingten wirtschaftlich-politischen Zielen. Es gilt daher, gemäß den Richtlinien des Hansabundes, die politi­schen Parteien, die allein die Wahlen durchzuführen haben, bei Aufstellung und Durchsetzung solcher Kandidaten zu unterstützen, die die Gewähr dafür bieten, daß sie in ihrer parlamentarischen Tätigkeit auch die Forderungen, die der Gewerbetreibende an den Reichstagskandidaten zn stellen berechtigt ist, nach Möglichkeit erfüllen werden. Welcher Art diese Forderungen sind, wird in der am kom­menden Donnerstag von der hiesigen Ortsgruppe des Haust, bundes imEinhorn" veranstalteten Versammln na Herr Dr. Hüttemann im einzelnen dartun. Es sei deshalb schon heute an dieser Stelle auf den Vortrag hingewiesen.

** Der VereinBürg ergesell schäft" feierte am Samstag und Sonntag sein 4 7. Stiftungsfest, Trngeleitet wurde es durch einen im Postkeller ab gehaltenen Herrenabend, der aufs Beste verlief. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden, Schlossermeister Dürr, gab dieser an Hand einer gelegentlich des. Stiftungsfestes herausgegebenen Festschrift einen kurzen Ueberblick über den Werdegang des Vereins, der trotz aller Stürme auch heute noch über eine stattliche Zahl treuer Mitglieder verfügt. Das Programm, das durch die von den Herren Hirsch und Kutzer verfaßten Lieder, besonders verschönt wurde, bot neben den unter Lettung von Adusiklehrer Gern­hardt zu Gehör gebrachten Männerchören, eine Fülle humor­voller Deklamationen usw. Den Abschluß des Festes bildete ein Familienausflug nach der Karlsruhe.

"Glück im Unglück. Am verflossenen Samstag fuhr ein Bierfuhrmann der Brauerei Jhring von Lich von der Liebigshöhe über den Schienenstrang der elektrischen Straßenbahn unterhalb der Kaserne her nach der Lichcr Straße. Der Fuhrmann faß auf dem Kutscherbock des Wagens, als die Pferde beim Vorbeifahren der Elektrischen unruhig wurden und wurde vom Bock geschleudert. Auch ging ihm dabei ein Hinterrad des Wagens über den Rücken hinweg. Die herbeigerufene Sanitätsmannschaft brauchte indes nicht tätig zu werden, denn der Fuhrmann hatte sich inzwischen wieder erholt, sich auf den Bock gesetzt und wac nach Llch gefahren.

Landkreis Gießen.

A Odenhausen-Lumda, 19. Nov. Der dienst- älteste Lehrer in der Provinz Oberhesscn ist unser Lehrer Johannes Schweitzer, der jetzt auf eine 52^/,jährige Diensl- zeit zurückblickt und sich noch bester Gesundheit erfreut. Das Lehrerseminar Friedberg verließ er 1859.

A Londorf, 19. Nov. Unsere Gemeinde hat den Anschluß an das Elektrizitätswerk Gießen beschlossen.

Geilshausen, 19. Nov. Die Molkerei-Ge- nossenschäft, die ihr neues Geschäftsgebäude am Bahnhof jetzt vollendet hat, umfaßt die Landwirte auS den Orten Geilshausen, Odenhaufen, Londorf, Kesselbach, RüddingS- Hausen, Lumda. Der Betrieb wird um die Jahreswende beginnen.

Kreis Büdingen.

cq. Echzell, 18. Nov. Unsere Gemeinde hat einen herben Verlust erlitten. Gestern abend um 8 Uhr verschied nach kurzem Leiden Bürgermeister Heinrich Reitz im Alter von 66 Jahren. Der unermüdliche Mann hat seine ganze Kraft der Gemeinde gewidmet, die ihn vor zwei Jahren ein- stimmig zum Ortsoberhaupt wählte. Die Vorstands- Versammlung des hiesigen ZweigvereinS des Evang. Bundes beschloß für den 17. Dezember Abhaltung einer öffentlichen - Feier unter Mitwirkung der Gesangvereine und des Musik­vereins.

KrciS Alsfeld.

r ücke, 19. Nov. Der erste S ch n e e im Vogels- berg ist heute nachmittag gefallen. Während er hier und 111 vev Umgegend nur wenige Sekunden Dächer und Felder weiß lleidete, blieb er auf den Höhen des Vogelsberg einige Zeit liegen. 9

Hessen-Nassau.

[] Marburg, 18. Nov. Wegen der in verschiedenen Orten des hiesigen Kreises ausgebrochenen Maul- nnd Klauenseuche wurde der auf nächsten Donnerstag hieran- flehende Schweinemarkt verboten. - Die Maul- und Klauen- seuche kam gestern auch in Hof Fortbach zum Ausbruch. Die Sperrvorschriften sind weiter ausgedehnt auf die Orte Ilschhausen, Hackborn, Erbenhausen, tzassenhausen, Leiden­hofen und Ebsdorf.

Das jüngste Erdbeben.

rv. ?t"^gart, 18 gtov. Nach der Beobachtung ver­schiedener Erdbebenwarten liegt der Erdbebenherd, das Ep i-

1 u -4? Grad nördlicher Lange und IO1/? Grad östlicher Breite in dem Greiizgediet der Oftschweiz und von Göppingen sind am Freitag vormittag unb V3II Uhr zwei weitere Erdstöße erfolgt, die nur lerchter iNatur waren und keinen Schaden an- nchteten. 1

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(Ein Grohseuer in Sangerhausen

das mehrere Menschenleben vernichtete, zerstörte am gestrigen Sonntag die Aktien-MalzfabrikSan- gerhaujen. Die gewaltige Fabrikanlage mit den drei großen fünfstöckigen Haupt- und mehreren Nebengebäuden war tn wenigen Stunden fast vollständig einge-

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