Die heutige Nummer umfafot 12 Seiten.
Aus Liessen.
Tie Lavdtagsstichwahl in Wollstein.
Im LanbtagswahUreis Wöllstein ist nach genauer Feststellung nicht der bisherige Abgeordnete Eibach von der fortschrittlichen Volkspartei, sondern der n a i i o n a l l i b e - rale Kandidat Schott gewählt worden. Schott erhielt 2059, Eibach 2U47 Stimmen.
Heer und Flotte.
Hanau, 18. Nov. (General der Kavallerie a. D. Mols von Deines, G.'ncraladjutant des Kaisers, ist im 67. Lebensjahre gestorben. .
Adolf v. Deines wurde am 30. Mai 1845 ui Hanlut geboren, trat am 1. Oktober 1867 als Einjährig-Freiwilliger beim KönigS-Husaren Regiment (1. Rheinisdjes) Nr 7 ein und wurde am 6. Juli 1869 »um Leutnant der Reserve m seinem Regimcnte befördert. Mit diesem machte er ben deutsch-französischen Krieg mit und nahm an den Schlachten von Grove- lotte, Amiens, a. b. Hallue, der Zernierung von Metz u. a. teil, und wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse dekoriert. Als Major war er vom 3. Oktober 1888 an Flügel- adjutant des Kaisers, wurde am 27. Januar 1890 zum Oberstleutnant, am 29. Mürz 1892 zum Oberst befördert und am 23. Oktober 1894 unter Enthebung von diesem Kommando und Belassung als Jlügeladiutani zum Ober-Gouverneur der Prinzcu-söhnc des Kaisers ernannt. Durch A. K.--O. vom b. Mai 1900 zum Generaladjutanten des Kaisers erimuni, wurde Exzellenz v. Deines am 16. Juni 1900 unter Belassung als Gencraladjutant zum Kommandeur der 21. Division in Frankfurt a. M. ernannt. Am 17. Oktober 1902 erhielt er ebenfalls unter Belassung in dem Verhältnis als Gtencral- abjutant, das 8. Armeekorps und am 29. Mai 1903 wurde er zum General der franaUerie befördert. Am 2. Oktober 1906 wurde er auf sein Mschiedsgesuch zur Disposilon gestellt.
Ter 2 2. Dreadnought der britischen Flotte lief am Samstag in Devonport vom Stapel. Die Gemahliir^ des ersten Lords der Admiralität Churchill taufte das Schiff mit dem Namen „Centurion". Der Dreadnought hat ein Deplacement von 23 000 Tonnen, eine Geschwindigkeit von 21 Knoten und erhält als Hauptarmierung zehn 34 Zentimctcrgeschühe.
Ausland.
Kaiser Franz Joses hat Finanzminister Tr.^M eher auf seine Bitten von seinem Bosten enthoben. 3um oinan.uninijter ist Ritter von ZaleSki, zum Ackerbauminister der tidycdnW llniversitätsprosessor Bros und zum galizischen Landmannminister Abg. Dlugosz ernannt worden. . , . _ ,
Ter „Bohemia" zufolge beablichtigt die ö )t e r r e i d) 11 d) c Regierung, die Z u ck e r e x p o r t t a r i f e ab 1. März 1912 zu erhöhen.
Nad, der vom französischen Ministerium der önenthdnni Arbeiten und sozialen Fürsorge verössentliditen statistk betrug d i e Zahl der Geburten in Frankreich im ersten «eine,ter des Jahres 385 999, die der Todesfälle 404 278. Dieses Ergebnis, bemerkt der „Temps", sei umso tragenswerter, als im ersten Semester vorigen Jahres die Geburten gegenüber den Todesfällen einen Ucberschuh von 21 189 aumncicn.
Siebener Nonzertverein.
8. Konzert: Gcdächtuisfcicr des 100. Geburtstages von Fr. Liszt.
Landauf landab eine endlose Fülle von Liszt-Feiern! Ein verwöhntes Schoßkind des Glücks schon im Leden, ,»ndet er nun auch ün iobe fast überreichen Ruhm. Wenig Große im Reiche der Tonkunst hatten es so gut. Doch gönnen wir ihm Hlück und Ruhm: Als Virtuose lote als Komponist, Xirigcnt, Äusikschriftsteller uird besonders aud; als Mensch war er zwenellos ein Ausenvählter, wenn auch im übrigen die Urteile über leine Bedeutung — speziell als Komponist — recht weit auseinander geben. Die frühere Unterschätzung des Komponisten -yzt scheint letzt einigermaßen ins Gegenteil Umschlägen zu wollen, -tau er „seine Lanze weiter in die Zukunft bmeingcmoncn bade, als Richard Wagner, mag ihm allenfalls für eine gcw»,,e Psadnndcr- tätigfeit, besonders nach der Seite der Technik, der Erweiterung dcr muslkalychen Ausdruäsmittcl zugestanden werden. Als -Lchal- faiber war Wagner zweifellos die machtvollere und naturwuchiigere Künstlerpersönlichkeit — auch freier von, den ^setfaden bei Virtuosentums. Doch freuen wir uns, daß wir beide haben, jedenfalls bewährt sich bei Liszt das Wort Schillers an die Künstler: „Fern dämmere schon m eurem epiegel das kommenvc Jahrhundert auf." — Eingehenderes über das Leben unb Schat-en des Künstlers können wir uns criparcn, dem liubluum ut mer- über burd) eine Reihe von Veröffentlichungen, auch in dreien Blättern, fckon ein ungewöhnlich reiches Material gebeten worden.
In dankenswerter Weite hat uns der Konzcrtvereln mit zwei der bedeutendsten Werke Liszts bekannt gemacht; unter 1 einen symohonifcheii Dichtungen ragt neben dem — seiner^ Eigenart vielleicht noch kongenialeren — „Tante" die Fauit-Lymphonie besonders hervor. Sie tritt auch unserem Verliehen und Mitsühlen schon dadurch besonders nahe, daß fie und m eine \o tvoliloertraute Gedanken- und Gefühlswelt einführt: cr<uiit, Gretchen, Mephisto — Erde, Himmel, Hölle —, das sind die drei Themen, die dem Komponisten eine ganz auserlesene Gelegenheit gaben, mit glänzenden Farben und ltarken Kontrastwirkungen seine tonmalerische Meistersdiast zu betätigen. Der schlußchor mit Tenorsolo „Alles Vergängliche" krönt das Ganze in würdiger und stimmungsvoller Weise. Nach einer Zwisch-engabe von einigen Liedern — ein Gebiet, ans dem Liszt doch weit weniger glücklich ist — durften wir als zweites großes Werk den 13. Bwlm für Tenorfolo, gemischten Chor und Orchester kennen lernen, unter den zahlreichen religiösen Werken des Meisters wch. eines der bedeutendsten. — Tie Aufführung unter der bewähne.., ziAZcheren Leitung von Prof, liauiniaim war durchweg eine sehr gelungene, zumal in Anbetracht der zu überwindenden Schwieng- ieiten; eine besonders glückliche Hand zeigte der Konzertierter
Tas „Verl. Tgbl." meldet aus Bielefeld: Tie Bei- trauensmänner der F o r t s cd r i l 11 i ck, c n V o 1 k s p a r t c r babcit die A iifi ordern ng befl WahlauSl'dmsfes, PosadowskuS Sammelkanbibatur beiziitreten, abgelehnt. Es wurde cm- stimmig befchloffen, die Kandidatur Schlepps beizubebalten.
Tie „Bo,'s. Ztg." meldet aus Königsberg Preusten^: Bei den gestrigen Siadtveordnelenwablen für die dritte Jlblcilunft gewannen die Sozialdemokraten acht isitze, die bibber burd, Liberale vertreten waren.
,3. Halionalliberakr Parteitag.
~ Berlin, 19. Nov.
Unter Teilnahme fast aller Abgeordneten der nationalliberalen Frak.tonen des Reichstags und preußischen Landtages, sowie sonstiger führender Persönlid)keilen der Partei trat heute vormittag hier im großen Saale des „Rheingold" der 13. allgemeine Vertretcrtag dcr naticnalliberalcn Partei zusammen, der sich angesichts der kommenden Wahlen zu einer großen pro- grammaii|d?en Kundgebung gestaltete. Der Vorsitzende der Partei, Rupprecht, Herr Norden als Wirt und Fräulein Scholz als Wirtin.
kf. Eine Skandalafsäre in berdänischen Kunst- welt. Aus Kopenhagen schreibt man uns: Großes Aussehen erregt ein Skandal, der in der dänischen Künstlerwelt ausgebrochen ist. Er begann damit, daß der Maler Ernst Goldschmidt, der das „Neue Jfunitblatt" leitet, gegen den Kopenhagener Korrespondenten her weltbekannten englischen Kunstzeitschrist „The Studio", Bröchner, die Beschuldigung richtete, daß er seine Stellung dazu benutzt habe, um seine Sammlung von Werken dänischer Künstler in einer Weise zu bereichern, die als nicht unbedenklich bezeichnet werden müsse. Daraus strengte der Vertreter des „Studio" gegen (Goldschmidt eine Klage an, bei der dieser unterlag und zu beträchtlicher Geldstrase verurteilt wurde, weil es ihm nicht gelang, ben Wahrheitsbeweis für seine Behauptung anzutreten. Nunmehr aber hat die Angelegenheit eine sensationelle Wendung genommen durch die Veröffentlichung einer Erklärung über diese Angelegenheit, die von einer ganzen Anzahl der hervorragendsten dänischen Künstler herrührt. In dieser Erklärung wird Goldschmidt nahegelegt, den Prozeß vor eine höhere Instanz zu bringen, damit die dänische Künstlerschast bei der mündlichen Verhandlung Gelegenheit erhalte, sich über das von dem Korrespondenten des „Studio" beliebte Verfahren zu äußern. Zu den Unterzeichnern dieser Erklärung zählen u. a. Wilhelm Hammersköj, Viggo Jvhansen, Julius Paulsen, Joachim <s.loö* gaarh, Siegsrieü Wagner und Sigurd Wandel, Namen, au- denen zu erleben ist, daß so ziemlich die ganze Elite der dänischen Künstlerschast in geschlossener Front gegen Herrn Bröchner auf* marschiert.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Professor Zeng er, frübetet Musikdirektor der Münchener Hosover und Hofkapellmeister in Karlsruhe, ist im 74. Lebensjahre in München gestorben. — Tie Akademie der Wissenschaften in München, die in München emc Festsitzung zu Ehren ihres Protektors, des Prinzregenten von Bayern, abhielt, ernannte zu korrefpondierenben Mitgliebern bie Professoren H ir z el-Jena, B auschin ge r - Straßburg, Plank- Berlin, v. Kries- Freiburg i. Br., M e i n e ck e - Freiburg t. Br., Roux- Halte und W i ech er t-Göttingen. — Ter Ausschuß für das Äismarck-Nationaldenkmal auf der Elisen- höhe teilt mit, daß die Ausstellung der preisgekrönten Wett-> dewetbsentwürfe und Ergänzungsvotfchläge vom 23. Nov. 1911 an in Köln statfindet. — Zur hundertsten Wiederkehr des Todestages Heinrich v. Kleists fand am Sonntag mittag am Grabe in Wannfee eine stimmungsvolle Gedenkfeier statt. Die Gesellfchast für Theatergefchichte veranstalteteim Konzcrtsaas des Königlichen Kchauitzielhaujes eine schlichte, eindrucksvolle Gedenkfeier.
Beisetzung des Landtagsabgeordncten Orb. Am Samstag nachmittag wurde im Offenbacher Krematorium die Leiche des verstorbenen Landtagsabgcvid- neten und Landesfetrctärs der sozialdemokratisa-en Partei Hessens, des Stadtv. JohamteS Orb eingeäschert. Als Vertreter des Landtages waren zugegen der Vizepräsident der 2. hessischen Ständekammer, K o r e l l, ferner neben den Offenbacher Abgeordneten Justizrat v. Brentano (Ztr.) und Reichstagsabgeoidnelen Karl Ulrich (Soz.) die Abgeordneten Bach (natl.,-Mainz und Raab (Soz.)-Psungstadl und außerdem der Direktor des Bureaus der 2. Ständetammer, Regierungsrat Schenk-Darmstadt.
gen, vor einem weltlichen Gericht zu erfchei neu, ohne sich vorher der Einwilligung der kirchlichen Be Hörde versichert zu haben, der E x k o m m u n i k a 1 i o u vor fallen, so bedeutet das einen schweren Eingriff nicht nur in die Rechte dcr Persönlichkeit, sondern auch des Staates Denn ohne Genehmigung dcr vorgesetzten kirchlichen Be Hörde soll küustighin kein Katholik gegen einen Priester vorgehcn können, von dem er sich in Zivil- oder Stras- sachcn geschädigt fühlt. Tas bedeutet, weil hier eine Zwischeninstanz — und zwar geistliche — geschaffen wird, in deren Interesse es liegt, die Genehmigung zu verweigern, um die katholische Geistlichkeit nicht öffentlich zu blamieren, einen schweren Eingriff in unser ganzes gerichtliches Verfahren und damit in die Machtsphäre des Staates. Tie wirtschaftliche Wirk- samkeit der Geistlichen Hal zumal beim Genossenschaftswesen namentlich in Bayern, eine solche Ausdehnung gewonnen, daß cs doch unerhört ist/wcnu katholische Geistliche in obiger Weise vor dcr Einleitung eines Prozesses geschützt werden sollen, und ebeiiso vor der Strafverfolgung. Und handelt es sich hier, ganz allgemein gesprochen, nicht um einen Vorstoß gegen die Perfasj'uugcn aller Kultur- und Rechtsstaaten durch den Vatikan, dcr nicht scharf genug zurückgcwiesen werden kann? Denn in allen Versa,sungsurkuuden steht in dieser oder jener Form die Bestimmung: Niemand darf seinem Richter entzogen werden. Tas aber will dcr Vatikan mit dem neuen Motu proprio erteilen, ja, womöglich will er auf diese Weise besonderen Gerichten sür Geistliche den Weg ebnen. Man dars gespannt sein, wie sich dcr deutsche Reichskanzler diesem neuen Eiugriss in die staatliche Machtsphäre gegenüber vcrhall-cn wird. Im übrigen aber wird man bezüglich des Papstes das Wort eines Tiroler Landpfarrers unterschreiben müssen: Seine Absichten sind gut, aber eS fehlt ihm jede Einsicht.
Ventscbes Reich.
In der Haupwerjammiung des Rheinischen Vereins für Kleinwohnungswesen erklärte der anwesende Vertr.'tcr des Rcichsamtes des Innern, daß im Reichsvoramchlag von 1912 eine Erl-öhung d.s Bc.ragcs zur Förderung des Baues kleiner Wohnungen von 2 auf 4 Millionen vorgcnommcn werden soll.
wieder in der Wahl seiner Tempi. Der Chor hielt sich recht wacker; eine Verstärkung durch weitere klangvolle Stimmen — zumal im Männerchor — wäre ihm nod) zu wünschen, was aud, den teilweise etwas matten Einsätzen (z. B. im Fugato-^.cil des Psalms) zugute turne. Tas Crawuer (oeritarftc Kapelle des FranUurter Palmengartcns) zeigte sich oen oft ganz außergewöhnlichen Schwierigkeiten feines Parts un wesentlichen vollauf ge- wachicn. Unucrlcnnbar ,letzt Liszt hem Orcheiter roefenthd) naher als her menichllchcn Stimme: den Chor behandelt er ost ohne besondere Ruclfichtnahme auf die Tctiamation und überwiegend homophon, er dient ihm einsach als cm weiteres großes Orcheper- iniirument. , _ 4 .
Herr Kammersänger Forchhammer aus jranhurt wurde seiner Amgave gcanzenh gerecht, vor allem im Schlußsatz der Symphonie; wir erinnern uns nicyt, das heikle Tcnoriolo mit so sieghaften 2timmittcln geyör: zu bauen. Leider stellte sich im Bcr.aus des Aucnös eine tleine Indisposition ein, die der Sänger inhc» zu überwinden wußte. — Tie Hörer waren an- sanglich merlroürhtg lüyi; die Symphonie mit ihren unbeureit- baren Langen schien eine etwas allzu schwere Kost, später envarmte sich die Temperatur und zum Schluß kam es zu einer wohlverdienten Danlcsovatwn sür ben Konzertierter, der in der Tal ein gewaltiges stück kum.lerijcher Arbeit gcUruet hat. — Reu war für Gießen her Versuch, das Crdjeuer wie in der Cpcr versenkt vor Dem Podium aujzuyellen und letzteres dem Solisten uno Gb?r vorzubehaiten. -ica Hal ui) für bie Verschmelzung der Vielheit von EinzcKtimme» zu einer idealeren Klangcinheit gut bauaort — bildet auch für die Hörer einen gewissen sanften Zwang zu hingehenderer uuimediamteit und derbenert endlich das sturteLeitz«LiLncs zi^i,cyen C bor und Orchester. P»
— Gießener S t a dl t h e a te r: Tie Ahnengalerie, der neue Schwank von Walter Stein und Leon Heller fanb am Freitag bei gul.r Dar^.e.iung eine rej>t beifällige Aufnahme. Bier Grasen von 17 bis 90 mit ihrem Anhang, eine hübsche Krankenschwester nebst Vater und Mutier, em junger Arzl und verschiedene schönen bie.en den beiden Verfassern slokf genug zu einem untertza.tenden Spaß, der ganz am Enoe eine recht luaige unb überraschenöe Aus'.ösung cr-ohri. Unter Herrn Tir. sie.n- goetters R.gie wickele sich das Slückchen gtat: und vergnüglich ab. yerr Bakos als Anherr kä Hauses spiei.e seine Rolle ganz vorzüglich, aber auch alle anderen waren in bester Verfassung. Wir nennen iwd) Herrn Goll als Wolf, Herrn Gühne als Graf Eberhard, Fraulern Brehm als Grä.in, Fraudem Lona Schmidt als Krankenfchwejter Johanne,^Fräulein de Bruyn at5 Komtesfe, sowie Herrn Lolck und Frärnem de la Cha- pell e als v. d. Lache und Frau und Herr Sch roher als Tr,
Hr. 275 Erstes Blatt löst Jahrgang Montag, 20. November J9U
Sa Q 4XV Q monatlickTLM^ viertel-
GietzenerAnzeiger
''^'sprech-Anschlüfle: WLF politischen Teil: Aimuft
WkW General-Anzeiger für Oberhessen WW»
Annahme von Anzeigen Rotationsöruif und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steinbrnderei K. Lange. Redaktion, Erpedition und Vruderei: §chulstrahe 9and-: E Hcß; für den L ?oermUmSU9U% Büdingen: zernfprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Vahnhofstrahe 16a.-lnzeigenieii: H. Beck.
Die „Reformation“ pius X.
' Pius X. läßt es fich wahrlich keine Mühe verdrießen, Sie katholische Kirche, soweit er irgend kann, zu reformieren und zu reinigen Erst dcr Angriff g?gen die M-odcrnistcn, bann die Neukodisikation des kauonijchcn Rechts, das Vcr^ bot von Finanzgeschäften für Geistliche, die neue Lrdnuna der kirchlichen Feste, und jetzt ciit Motu proprio, das sich mit der Stellung der Geistlichen zu den staatlichen Gerichten, und dazu noch ein anderes in Aus- ficht stehendes, das sich mit dem Lebenswandel der Geistlichen beschäftigt.
Man kann überzeugt fein, daß Papst Pius X. persönlich, und nicht ettva Merry bei Bal und das Kardiualskollegium, hinter all diesen Erlassen steht. Ihm ist es Herzenssache, die Einigkeit der Lehre in der katholischen Kirche aufrecht zu erhalten, in ihrem Interesse die Geistlichkeit einerseits vor öffentlichem Gespött zu bewahren unb anbererseils ihre Stellung auch bem Staate gegenüber zu heben. Unb habet kennt er keine Schonung: er, ber 76jährige, greift schroff zu, wo es gilt, bas Ansehen ber katholischen Kirche, bie bereits Frankreich, Spanien unb Portugal verloren hat, in bem lirchlich lauen Italien wieoerhcrzustellen und bie konsessioucll gemischten Läuber, Teutschlaub und Lester- rcich-Uugarn, immer mehr bem Schlüssclwappen zu unterwerfen. e.
Ob es ihm auf diese Weise geltugen wird, dem die eutgegejtgcsctzte Richtung ncljntenbcn rollenden Rad der Zci. in die speichen zu fallen und die wissenschaftliche Erkenntnis um einige Jahrhunderte zurückzuschrauben, will uns mehr als zwetsclhaft ersä-eiuen. Ter große Zauberer in Rom hat, mag er auch uoch so sehr donnern, seine Macht übet Fürsten und Völker verloren.
Auch in katholischen Kreisen hat die moderne Dclt ansäfauung ihren siegreichen Einzug gehalten. Tie ständig wachsende Los von-Rom-Bewegung ui Oesterreich, die Tat fache, daß bei der Enzyklika gegen die Modernisten btc deutschen Katholiken zwar erschraken und |id) duckten, ber Mobernismus aber trotzbem weiter fortschreitct, ber Um raub, baß sogar die bayerische Geistlichkeit von ber Be eiligung oder Umlegung gewisser Wochensciertage auf bie olgcuben Sonntage nichts wissen unb sehr versiänblicher- wekse auf ben Besuch von Wirtshäusern nicht verzichten wollte, zeigt zur Genüge, baß ber Vatikan einen Teil seiner Macht, sogar in ben StTcijcn ber katholischen Geistlichkeit, -verloren hat. .
Unb nun will man bem katholischen Pfarrer noch seine Haushälterin nehmen, bie für fein leibliches Wohl sorgte! Das bemnächst erscheinende Motu proprio, bas zu Anfang dieses MoualS bereits augetünbigl, aber bis heute aus taltischcn unb bivsomatischen Gründen noch nicht oerösfenl- licht würbe, will ben sittliehen Lebenswandel ber Priester heben unb ihnen nicht weiter gestatten, gemeinschaftlich mit F-rancnöpersonen unter einem Dache zu wohncu, selbst weuu sie burch bas Baud der Verw-audlsck)as1 verbunden wären.
Viel emftcr aber, als diese eigeittlich nur häusliche. Angelegenheit ber katholischen Pfarrherren, ist bas am 12. 'JiODember im päpstlichen Amtsblatt veröffentlichte, vom 9. Oktober bs. IS. stammenbc Motu proprio Pius' X. Tenn wenn barin bestimmt wirb, baß alle biejenigen natürlich katlfolischen — Personen, bie e i n e u P r i c st e r z w i n--


