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16.12.1911 Fünftes Blatt
 
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Samstag, 16. vczemder (9V

Rotetton«bni<f tmb Verlag brr Br üblichen Unt»ctfnäil 6".i<th unb fiitinbrudrcct R. Sanft, Gießen.

SUbohtan, Expedition unb Truderrt: Schul« ftraec 7. Expebinon unb Vettaq 5>L ReDal tiorc «E111 teL-tibr.: Anzeiger^'even.

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Münster Blatt 161. Jahrgang

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Die Uebe sührung Abdul Hamids nach Konftontinopcl?

Bekanntlich wurde der frühere Sultan der Türkei, Abdul Hamid, nadjbcrin er durch die Inszenierung einer Gegen­revolution im Februar 19M gezeigt hatte, daß es ihm mit der Einführung der Konstitution nicht ernst war, am 27. April 1909 deö ottomanischen Thrones für verlustig er­klärt und kurz darauf in Saloniki interniert, weil ihn das jungtürlische Komitee hier in dem Zentralpunkt seiner Macht für sicherer ausgehoben hielt, als in irgend einem der noch so festen Taroancllenschlöiser am Bosporus. Er bewohnte hier mit seinem Harem unter der Bewachung einer dem jun-gtürliichen Regime völlig ergebenen Leib­wache die herrlich gelegene Villa Allanrini, fand aber, trotz- dem er an recht bedenklichen nervösen Erscheinungen litt, immer noch Mittel und Wege, sich mit der Außenwelt in Verbindung zu setzen, um das Werk keiner Befreiung durch- »uführen. Und jedesmal, wenn diese Fluchtpläne scheiter- len, erfuhr die Oeffenttichleit etwas von dem ehemaligen Beherrscher aller Gläubigen.

Heute aber liegt die auf den ersten Blick recht befremd­liche Meldung vor, daß Abdul Hamid mit seinem Hofstaat in zwei Extrazügen von Saloniki nach Konstantinopel über­führt worden und dort bereits eingetrosfen fei. Leider erfährt man nicht, aus welchen Gründen die türkische Re­gierung diese Maßregel getroffen hat. Ter Blaustift der Zensurbehörde hat augenscheinlich die Depesche verstümmelt, denn in ü/rem SchlußsatzAbdul Hamid ist schwer enranH" dürste, wenn man darin nicht etwa bie Andeutung seines bereits erfolgten Todes sehen will, schwerlich der eigent­liche Grund für seine unfreiwillige Rückkehr nach Konstan­tinopel als Staatsgefangener zu erblicken sein.

Und doch ist es in Anbetracbt der gegenwärtigen äußeren und inneren Verhältnisse in der Türiei nicht schwer, sich die Notwendigkeit der Ueberführung Abdul Hamids nach Konstantinopel zu erklären. Hat man doch in der Stadt am Bosporus eigentlich nie auigehört, feine Befreiung zu fürchten, und muß ihre Möglichkeit jetzt um so eher in Be- tracyt ziehen, als die itaüenifdje Flotte wieder im Aegäi- schen Meere kreuzt und es trotz allen Einspruchs der Mäuste gar nidit ausgeschlossen ist, daß sie eines schönen Tages Saloniti bombardiert und bei der allgemeinen Verwirrung Abdul Hamid dann durch seine Anhänger Gelegenheit zur Flucht fände. Wahrscheinlich würde ihn dann ein itaiieni- fcheS Schiff aufnehmen, und die Italiener hätten damit einen Trumpf in Händen, toic sie ihn kaum besser wünschen könnten. Denn Abdul Hamid bleibt nod) immer für Millio­nen von Mohammedanern der Kalif, der unabsetzbar war, so daß sie den jetzigen Sultan Mohamed V. nur als Usur­pator betrachten und unzweifelhaft sich jetzt gegen ihn und daS jungtürlische Regime erheben würden, wenn sie Abdul Hamid von Bord eines italienischen Kriegsschiffes aus zum Kampfe aufriefe. Bei dem dann ausbrechenden Bürger­kriege würde sich die Türkei ganz von selbst genötigt sehen, ihren Frieden mit Italien zu machen und auf Tripolis zu verzid)ten.

Aber auch am innerpolitischen Horizont zeigen sich in der Türkei schwere Wolken. Meldete dod)Tally Mail" erst vor wenigen Tagen, daß die Stellung der Komiteepartei ernstlich gefährdet wäre, seitdem s^ch die oppositionellen Parteien zu einer Gesamtgruppe zusammengeschlossen hätten. Und diese Lage würde nod) dadurch verschärft, daß sich innerhalb der Armee, auf die sich die Partei für Einheit und Fortschritt bisher verlassen konnte, Gegenströmungen geltend machten, ja, sogar das Lffizierkorps in verschiedene oppositionelle Gruppen getrennt fei, so daß, wenn das Komitee dauernd aus feiner vorherrschenden Stellung vcr- drängt würde, dies alles zu schweren inneren Unruhen Anlag geben müßte. Und diese Meldung findet insoweit ihre Bestätigung, als das jungtürtische Komitee kürzlich in Konstantinopel, wo sid) infolge der Ernennung Rlfaat Paschas zum Botschafter m Paris eine Neuwahl zur Kammer nötig machte, eine Niederlage zu verzeichnen hatte (11. Dez.), rote sie schlimmer nicht gedacht werden tonn. Erhielt doch bet oppositionelle Kandidat 196 Wahlmäiiner-^timmen, roähreird es der Komitee-Kandidat, der hochangeschcne Inst.z- Minister Memduh Bei nur'auf 105 stimmen brachte, und baliei waren das altes dieselben Wahlmänner, die früher geschlossen den Komitee-Kandidaten gewählt hatten.

Wenn solches in einem Augenblick geschieht, wo die Türkei von Italien kriegerisch bedroht ist, wo sie mit Rußland über Persien Difierenzen hat, die Bandenbewegung in Mazedonien wieder auflodert, und Kreta mehr denn je unbotmäßig ist, so sieht man daraus, daß der Komitee* Partei die Zügel zu entgleiten anfangen, rocU in ihrer Mitte Hader und Zwist herrschen. Es mag ja ^n, daß es schließlich dock) noa) gelingt, angesichts der augenblialichen bedrohlichen Verhältnisse die widerstrebenden Elemente mit dem lungturkischen Regime zu, versöhnen und die innere Krise bis zur Beendigung des Krieges mit Italien zu ver­tagen. Heute herrscht in türkischen Reglerungskreisen, also m der Komiteepartei, jedenfalls allgemeine Zerfahrenht.it und bei der Opposition, also bei ber liberalen Vereinigung, den Unabhängigen und Nationalitäten, allgemeine Unzu­friedenheit. Angesichts dieser Lage sucht sich die Regierung natürlick) ihrer alttürkischen Gegner, der Anhänger Abdui Hamids, zu versichern und vor allem der Perionlichkcit des Exfuttans selbst.

Es stimmt gut zusammen, wenn mit der Meldung von der Ucbcrfül rimg Abdul Hamids nach Aonitannnopel gleich­zeitig berichtet wird, da>; die Regierung seine heroor- ragendsten Anhänger in Kon n an.uiopel o er has­ten tobe Nur wird daraus niajt nar, ob öije --"Haf­tungen es Abdul Hamid nach seinem Eintreffen in Kon­stantinopel erschweren sollen, mit ihnen gegen Die qieruna zu konspirieren, oder ob man nickst einer weitver­zweigten Verschwörung der Anhänger Aboul Hunnds aui die Spur gekommen tu und es deshalb auf jeden ^au tut sicherer halt, Abdul Hamid in Konuan.inoptt unter Augen zu haben. In den Schtös.ern am Bosporus und den banviien, hat schon so mancher E.sultan, ivenn er unbequem wurde, feinen ftillen Tod geiiinben.

Wien, 14. Tcz. Ter ., - ^cien /Sicue;' ging ein

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worden, wie ein amerikanisches Versiaierungsbiatt mei

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Abduls Hamid heute dort eingetrosfen ist. Aus Saloniki seien zwei Conderzügc nach ftonftantincpcl unterwegs.

An hieiigcr informierter Stelle wird derNeuen Freien Presse" mitgeteilt, daß man keine Bestätigung der Nach­richt habe, daß Abdul Hamid nach Konstantinopel ilbergeiübrt werde und daß die Gerüchte über einen Systemwechsel in der Türkei unbegründet seien.

Aus Salonit wird inzwischen gemeldet, daß die Nachricht von der Ueberführung erfunden sei. Etwas Wahres wird an der Sache aber fchvn fein. Vielleicht find noch timoägungcn im Gange:

Sal 0 nik, IG. Tez. Das Gcrüäit von der Ueberführung des früheren Sultans nach tcvns.an.t.iopel ist erfunden.

vuchcrlisch.

Der Roman einer Kaiserin^ Katharina II. von Rußland. Gckchichtllcher Roman von Eugen Zabel. Mit 47 Porträts und Iliuliraiwnen nach Vorlagen in den Schlössern und Museen von <Ll. Petersburg unb Moskau. Berlin, Rich. Bong. 'Tiefe Erzähmng, d.e sich but SerieRomans berühmter Männer und Frauen" selbstänoig emreibt unb der Feder eines gründlichen Kenners des Zarenreichs entstammt, schildert das größte weibliche Herrschergenie ber Geschichte in glänzender ^oppcl- veleuchtung, cus^cinuanua des Roroens', ats leoenslumge, einen fieinen deutschen Fürstenhos entstammende Frau.

_ Max Tauthenbcy, Raubmenschen. Roman. Verlag von Albert Langen m Lirünchen. In Dlax Tauthendey scheint em unauiboniu; strömender, unersoiopf.icyer Quell zu wohnen, so reich an dichterischen Gaben ist er geworden, und so ftilch unb unmittelbar und seine Schöpfungen. Tauthendey schuf aus seiner lebendigen Unprünglichkeu heraus rin Werk, das voll Eigenart und reichem Leoen i|t. Ter -LCyauplad seines Romans, Mexiko, hat ihm eine Fülle außergewöhnlicher Möglichkeiten ge­boten, und so ist ihm rin^Werk von großer fetoltänbiger Schönheit unb exotisch-sinnluyem Duft gelungen.

Druckmanns Almanach für das Jahr 1912 ist soeben erschienen Er enthält Beiträge von Max von Bochn, Houlton Stewart Chamberlain, Hermann Mutheuus, Heinrich Ludioig llrlichs, Heinrich Dölfslin.

Vcrmifcbtes,

ff. Sind Zähne versichert? Eine Neuyorker Ver­sicherungsgesellschaft ist in eine recht unangenehme Lage versetzt

ffeer und Flotte.

Ein Franzose über den Geie^ttwett der Zeppelin-Luftschiffe.

Ter Vizepräsident des französischen Aero­klubs, Graf de la Vaulx, der kürzlich an einer Fahrt mit dem LuftschiifSchwaben" teilgeiwmmen hat, erklärte e.nein Be- richterstauer desMattn", baß bie Zeppelinschen Luftscyifie in­folge ber Verbesserungen, roUdie iie feit zwei I ähren erfahren haben, nicht bloß zum AuitlärungSbienst geeignet, son­dern auch eine gefährliche AngrissSwaffe geworben feien. TieZeppeiuis" könnten mehrere Taufend Kilo­gramm Sprengstoffe ausnehn.en, ohne Auienthalt an 1OOO Kilometer fliegen und so am ersten Tage einer '.Wobihii.rung in Frankreich ericyeinen, Brüden, Eisenbahnen und Befritigungs- loerke zerstören, in den Städten Panil verbreiten und mittels ihrer Funkentelegraphcn dem Generalstab Meldungen er­halten. In einer Hoi^ von 2JuO luicteni unb bei ihrer Ge,chwin- digkeit von 75 Stuometern pro Stunde tonnten sie fia) jeber Verfolgung entziehen. Tie Franzosen hauen leine Zeit mehr zu verlieren, roe.m sie die Stärkeren bleuen wollten. Ter von den beulschen Lriiuarbe.jöcben üuernommeneZeppelin" sei offenbar nur ber enie ber Reihe, beren Zahl geheimgehalten werde. Tie Luflschiühalleii, roclche in Teutichland, besonders ui Elsaß Lothringen uno längs des Rheines ime bie Pilze aus dem Boden ichietze.i, mußteii zu etwas dienen. Wenn Frank­reich sich nicht in i'lcht nehme, setze es sich einer schmerzlichen llederraschung aus.

Börscn-rSochcnbcricht.

= Frankfurt a. M., 16. Tezember.

Dar daS Geschäft an ber Börse im Hinblick auf bad Herum nahen bes Jahresschlusses in biefer Woche auch nicht sonderlich belebt so war bie Grundslimmung doch Dorroiegmb wieder tat. Anaes'ichts ber Fülle von Anregungen aus dem Wittichastsleben find die Besorgnisse hiniichtuch ber Getdbelchanung zum Uliimo mehr in den Hintergrund getreten unb auch die politiichen itko- mente kamen fast nicht zur Erönerung. Unb bennoeb mahnt Oie Geldlage etwas zur Vortubt. a.er Trioatbulont hat bie Bankwerte bereits erreicht, was zum .teil damit zmammenhangt, daß die Prioaidanken als Ausgleich für die Lombarddiskonue- rung der Reichebank vom 15. .te,ember ab .auch die Debet,alben Innen Provistonszuschlag fordern. Aus bieiem Grunde wurden .wch vor Medw möglichst viele Tiskontiecungen oorgenommen und es durften auch wei.crhin bei einem^o-pro.entigen Drwatoi-k.nt viele Wechsel zur Bank strömen. Tag diese beitrebt sein wird, '-1 nro^enuaen Tiskontfatz nach ^-cöglichkeit zu halten, ist aetiBrti Ser öcangen S fteOt nr« baW- Wichtig« iT birie Stage waten iu.- ine «öre Die ürachnchien ang on hlmsSen ontan-Snbußt.e, tro bet eg^datwn einen Anrer; zu neuer Betätigung gaben. Aut dem Eiienmorkt hat die Besmöftigung roei.er m einem Derartigen Uraiangcjugenom- mL hnfe biae Werte jetzt aut lng:re jeu hinaus mit Arbeit besetzt^ind,^ ob wenn auch tze korie l'eiibcr IQon bie Gewitz- he t emrrangen Hane, ba5 bie betferung in ber enentnbuime im

Versicherter fordert ben Ersatz ber kuiistlichen Zähne seiner Frau, die Dieser auf eine cigcmunuiaje Weise abhanden gekommen lind. Während sie am offenen Herdieuer stand, mußte sie husten, ihr künstliches Gebiß lötte sich und fiel ins Feuer. Nun ist bie Streit­frage: bkhören die Zähne zum Mobiliar der Wohnung? Tann ist die Geieilschaft eoavpsllchtig. Oder stellen sie eine Stau- maschine bar, die in die Veriicherung nicht mitaustzenommen worden ist? Wahrscheinlich wird in dieser heiklen Streitfrage die Entscheidung des Gerichts angerufen werden, und man ist auf ben '.'Umgang sehr gespannt.

kf. 1 e bie Lokomotiven wachsen. Im Nalional- mufcuin in Wafhingtoii ist eine der ältesten amerikaiiischen Xloto« inoiiucit zu leben. Die Nlaschine ,Zohn Süll", die aus der elften Zeit Der anientaniidjen Gisendahnen, also ans Dem Anfänge Der 3-er Jahre uamniL Gegenivärtig sind es die Amerikaner, Die Die größten Lokomotiven bauen und |o wirkt em Vergleich Dieter alten üotomotiüc mit einer moDemen Riesenlolomotive recht merkwürdig. ,Zohn Bull" hat mit Kohle und Walter eiii is)eivicht von 11 -tonnen. £ie moDemen tolomotioen Der Vereinigten Staaten wiegen mit Stonle und Walter ungeiahr 2uO Tonnen 1 Beim .John Bull' hatten Die Räder einen Turchmesier von 1,3b 'Ih'eier, bei Den moDemen Lokomotiven benagt der Ttirchmeßer 2 UJleter ober mehr. »Zohii Vull' und seine Zcilgenotien hatten Kesselanlagen von 2,8u Vieler Lange, Die eine peizslache von 22 Quadratmeter hatten. Sie moderne 9üe enlolomonue hat Kessel von 7 V.eter Hange und versagt über ^>elzslacheii von mehr als 4Ou Quadrat­meter.

Fortschrriten begrifien fei, so bat doch die weitere V ! . ng d-5 EifenrnarkteS aufs neue die EmbilDungskrait der Srcfulatim angeregt. Eine oollgültigc Bestatigmig für die günstige Wir: fchaftSlage empfing die Börte sodann durch die Rachri len v.m Kohlcnmarkt. Tie riesigen Wagcngestellungen int iH.ibrb.- uf tpred'cn allerdings eine deutliche Sprache über bie Zunahme des Kohlenverbrauchs, und das Kohlensvitdikat ist au t in v Lage gewesen, die Bctciligilngs,ifier |ür Kohlen und Koks iu .

Tätigkeit in der Montanindustrie bat wohl zum grat,en iril ihren Grund darin, daß der an sich schon vorhandene Begehr durch die langandauetnDe politttche Beanruhlguii.i iurui.tUdalMt worden ist. Es betteht jetzt allerdings die i>)e,abr b i raschen Ucbcrjuttigung; überdies kann die Borte aber aua, dadurch eine schwere Enttäuschung erleben, daß sie die Verbandssragen, mit deren Einwirkung man doch tveiier rechnen muß, uiivit nicht 111 gebührendem Maße würdigt Tie

Industrie vorgelegenen Atiregungen emyfingda noch einen In sotidcrcn Zuwachs durch die recht gümtigcn Marktberichte au.- dem AuSlande, >vo ebensalls die Ram rage nach Kohle und Eisen im Steigen begannt ist. AuS Belgien, England unb Frankreich wurden Preiserhöhungen gemeldet und auut auf dem amcrttaitifdKn Eisenmartt ta-eint die Betterung jetzt sichtlicher sortzuschreuen. Ucbcrbaupt lauten bie allgemeinen Wirticha>l> berichce au5 Amerika neuerdings zuvertichtlicher, so dati au.j bie Neuyorker Börse, die in der letzten Zeit wieder ei 'diich unter dem Einfluß der tvirttd)aitdpoliti)d>en Fragen zu kibcti gehabt hatte, eine festere Haltung ainienmen konnte. Im Vorder gründe des Intereises standen bei unS naturgemäß '.vl ontflit papiere, die fast durchweg Kursavancen erzielten. In an­deren I n d u st r i e p a v 1 e r e n war das Geschäft ruhiger, doch siiid auch hier wieder ment KUrsbesserungen au verzeichneti. Fen lagen and) SchiffahrtSwerte und Bahnen, während Banken in ruhiger Haltung veriehrten. Von Anlagewerten wurden Türten, Russen unb EHine,en besser bezahlt.

EingcjauSt.

iFür Form unb Inhalt aller unter Dieter Rubrik stehe, ii.cn Artikel ubcrniinnu bie Vicoaliion dein Piioulutn gegenüber leinet Ui

Verantwortung.)

Gießen, 15. Tez.

Ter Artikel bet Redaktion im Gießener Anzeiger über die Schundliteratur wird wohl von allen vernünftigen Memclnn als dasWeientlia-e treckend" gelesen worben sein. Wie ganz ander-.- und nicht besonders verständig, geberdet sich der geitrige linsender. Er will die paar Papierhändler, welche diesogenannte Sd)unb literatur" noch verlaufen, bontvttiert wissen. Ja, glaubt beim der Herr Einsender ^vermutlich ist er ein ebenso guter Ehrist als Beamter, büß die »anbler mit Vorliebe billigen 6dmuö Per taufen, woran der Verdienst nur nach Pfennigen bemessen ui ? O nein, verehrter Herr: Wenn große und gute Buch.-r gekauu würben, würde es keinem GeschattSinann n in all en. billige 1U und 20-Pig.-Hefte zu verkaufen. LlltS Liehe zum ^d;iinb wahr hastig nicht.' Aber was ist denn cigentlid) Schund? Wissen Sir das so genau? Ich kenne zum Beispiel eine ganze '.'iniaht ei wachsener Leute, bie Eonan Toyle, Buffalo Bill, usw. usw. gi lesen haben und nod) lesen,^aoer ttovuem keine V-rc recher gc luorbcn sind. Unb glauben Sie, baß sich diese Les^r von " porschreioen lassen, was sie evenntell Irien dürfen? £bct glanvca Sie ferner, daß die hiesigen Bud)- oder PaptLrl-andlcr, um Ihn Ivette Ibundschatt nicht zu verlieren, fick) von Ihnen Vorschrcklen mad>en ließen, baß sie von erwachsenen Leuten bestellte Bücher nicht lieferten, nur weil es nach Ihrer Meinung Sümnb in? In Gießen liegen, so viel ich weiß, dank der Einsicht der bc rrefsenden Geschäftsleute, keine berartiacn Hefte mehr in ben Arn- lagen, unb mehr kann meiner Ansicht nach, aud) ber wülendst. Sc^tnbbefdmpier" nicht. verlangen. Im l'lbrigen nt die Auf forberung zum Boykott des Eim'enbers gerade keine besonders chnst liche Tat. P-

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