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General-Anzeiger für Oberhejjen
Ute „Oletzeaer Jeefneiblätttr" werden dem ^Ineeifler' etermal wöchentlich bei|degt, da« „KreMlail ftr kl Kreis «leben" iweimal »SchenKich. D4r ^L«b»lrtfchgstllchev Mt- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Drittes Blatt Ibj. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Samstag, 2b. August syy
fUlationlbnirf imb Verla- der Brühlfch« UnwersllLt« - Buch- und Kreindruckeret.
Ä. Lange, Gieren.
Rebaffion, Expedition und Truckerrt: Schul« strotze 7. Expedition und Verlag: e*^6L Redaklwn:e--OSlir. Tet.-Adr^Anze,gerGietzen,
Dom UirNschen Thronfolger, dessen Besuch am deutschen Kaiserhofe in den nächsten Tagen bevorsteht — es ist der erste Besuch dieser An, den die deutsche Geschichte zu verzeichnen bat —, ist erst in jüngster 3cit soviel bekannt geworden, daß man sich ein Bild von dem künftigen Beherrscher der Gläubigen machen kann. Lange, lange Jahre hat Jussuf Jzzedin in seinem Palaste in Skutari unter der strengsten und arg wöhnischsten Kontrolle seines Oheims Abdul Hamid ge lebt. Seine schöne, hoch am Abhange von Tchamligia ge legene Besitzung sieht über den Bosporus hinüber gerade nach Jildi^Krosk, der ehemaligen Residenz Abdul Hamids, und aus bcn Fenstern dieser Residenz spähte der gestürzte Sultan viele Male unb durch sein Fernglas forschend hin wer Mir Wohnstätte Jussuf JzzevinS, den er besonders scharf beobachtete, weil er ihn wegen seiner Ansprüche an den Thron und wegen seiner Intelligenz für gefährlich hielt. Die Besitzung von Tehamliyia, wo Jussuf Jzzedin wohnt, ist ein schöner Park, in dem eine Anzahl kleiner, bequem aus gestatteter Häuser verstreut sind. Tort führt Jussuf Jzzedin den probten Teil des Jahres ein eingezogenes, angenehmes Dasein: doch haben ihn in letzter Zeit seine Pflichten als anerkannter Thronfolger immer mehr in die Oeffentlichkeii und auf Reisen aeführt.
Er ist der älteste unter den vier Söhnen und drei Töchtern des Sultans Abdul Asis und steht im Alter von 53 Jahren. Von mittlerer Größe, kräftiger Erscheinung, an Bart und Haar schon etwas angegraut, mit gesunder ok sichtssarbe, macht er einen angenehmen und freundlichen Eindruck. Sein Blick ist lebljast, um seine Lippen schwebt gewöhnlich ein liebenswürdiges Lächeln. In seinem Be tragen ist er ruhig und vorsichtig, doch zeigt er sich Be suchern geoenüber enlgeaenkommcnd. Seine Lebensführung ist sehr gleichmäßig und geordnet. Er ist ein nüchterner Mann intb liebt seiner Natur nach in allem Maß zu halten. Ein frommer Muselmann, ist er doch von allem Fanatismus weit entfernt. Jussuf Jzzedin gehört zu den r ci ch st e n Prinzen der Sultansfamilie; man berechnet sein per fönliches Vermögen auf etwa 4 Millionen Franken, außer' dem bezielst er als Thronfolger eine Apanage von etwa einer falben Million. Er bekleidet im türkischen Heere den Rang eines Marschalls, ohne jedoch gegenwärtig ein bestimmtes Kommando iraic zu haben. Er beherrscht das Französische, bedient sich seiner aber nur im Falle der Notwendigkeit. Sein Hauptinteresse bildet die Politik Es versteht sich, daß er ein überzeugter Anhänger der neuen Ordnung in der Türkei ist, und seitdem ihn seine Reisen inS Ausland geführt haben, hat er sieh auch mit den politischen Berlsiiltnisjen der europäischen Staa ten vertraut gemacht. Zeitungsleltürc betreibt er geradezu mit Passion, und wenn Jussuf Jzzedin einmal den Thron besteigt, dann wird die Türkei zum ersten Male von einem Sultan regiert werden, der Europa durch eigenen Augen schein kennen gelernt hat.
Französische Museumsverhaltnijse.
M. G. Paris, 24. Aug
Der Raub der Mona Lisa ist den Kennern französischer Museumsverliältnisse nicht aNzu überraschend gclommcn Mehr als ein wertvolles STunftrocrt ist in dem vergangenen Jahrzehnt aus dem Louvre spurlos verschwunden: das ist in Paris offenes Geheimnis, so sehr man seinerzeit au cf bemüht gewesen ist, die betreffenden unangenehmen Affären zu vertuschen. Jetzt hat „zum Glück" die Entführung eines unersetzlichen Werkes die Geister mobil gemacht. —
Wie man im übrigen in Paris sowohl, wie speziell in der Provinz in den Museen wirtschaftet, darüber haben I die hervorragenden Kunstkenner Herr de Psrsra und Heurn Revers kürzlich in der „Revue des Beaux-Arts" Bericlne veröffentlicht, die an Deutlichkeit nkchts zu wünschen übrig assen Nach Herrn de Psrsras Beobachtungen waren tväli rend der verganaenen heißen Wockjei, im Louvre nicht die geringsten Vorsichtsmaßregeln getroffen, um die nach Süden und LÜdwesten liegenden Säle vor dem Einfluß de. starken Sonnenbestrahlung zu schützen Eharles Bernets berühm les Gemälde „La Chasse de Charles X.“ (in der Salle de l’Enterrement d’Ornans), ferner der „Moulin ä 1‘eau“ von Hobbema und die Gemälde von Jan Steen Salle des Hollandaia) alles Werke ersten Range-, waren, noch dazu bei offenen Fenstern, derart der Sonne ausgesetzt, daß die Leinwand der Gemälde sich gezogen hatte und der Firnis absplitterte. In anderen Sälen, wie $. B. in der „Eol lection Ehauchard" brüteten die unschätzbaren Werke von Eorot, Decamps und Delacroix bei 37 Grad Hitze, natürlich ebenfalss bei offenen Fenstern!
Die Verhältnisse in der Provinz können nach dem aufsehenerregenden Bericht von Henri) Revers nur mit dein Epitheton „verbrecherische Sorglosigkeit" gekennzeichnet wer den. In Nimes ist das städtische Museum feit nicht weniger als zivanzig Jahren provisorisch (!) in einem Parterresaal untergebracht, der so feucht ist, daß die Wände mit Schimmel bedeckt sind. Ter Zustand der Kunstwerke läßt sich ahnen. Bisher hat man noch fein Mittel gefunden, um diesem „Provisorium" ein Ende zu machen. In Dijon, in Le Havre, in Besanqon, in Rennes wetteifern die Kataloge der Museen an *?tlter mit den Werken, einige sind seit 30 Jahren nicht mehr korrigiert oder ergänzt worden. In Ehambsrn, in Auxerre, in Bourg sind die vorhanö'cnen -'.ataloge infolge von Aenderungen in den Museen gänzlich unbrauchbar. In Elermoiit-Ferrand hat man eine Reihe wertvoller alter Gemälde durch „Restaurierung" lotal verdorben. Tas Schönste aber hat Herr Revers bei der Jnspizieruiig des Museums von (Säen erlebt „Ich sand", so erzählt er, „das Museum in großer Unordnung. Ter Rauchfang in einem, zu ebener Erde gelegenen Zim mer der Verwaltung halte kurz vorher eine Feuersbrunst in dem ersten Stock verursacht. Dort war in dem Saal der holländischen Meister ein wundervolles Werk von Teiiiers vollständig verbrannt, zwanzig andere Gemälde waren durch die von der Feuerwehr hereingeschleuderten Wasserniassen schwer beschädigt worden Der Aussetzer, den i h ui dieser Verwüstung antraf, berichtete, daß man v her Gefährlichkeit des Rauchfanges feine Ahnung gehabt habe und daß der Baumeister, der jetzt die Ernenerungsarbeiten geleitet, den ominösen Mamin ruhig stehen lasse. So könne sich, die Katastrophe jeden Tag wiederholen. Was aber mich angeht, so fügte der Wackere hinzu, so tue ich mein Bestes, um die Gemälde wieder zu restaurieren. Ich traute zuerst meinen Ohren nicht, fragte aber dann, mit welchen Mitteln er denn die Gemälde in Stand bringe. O, das ist sehr einfach, meinte der gute Manu lächelnd, die Gemälde werden mit Kartoffeln abgerieben, dann sehen sie wieder ganz wie neu aus; alle Gemälde der italienischen Schule, die Sie hier sehen, sind auf diese Weise restauriert. Sehen iie nicht superb aus'?"
Ter Aufseher, der mit — Kartoffeln die alten Italic uischen Meister „wieder neu macht", das ist allerdings iapienti fat! Ob jetzt, nach der neuen beispiellosen Lehre, aus eine Besserung der geschilderten unwürdigen Zustände zu hoffen ist?
wandern und Reisen, väöer und SommcrfrifdKR.
V a b R a u b e i in. "i i
wurde am 23. August mit Fräulein Marie Jatge aus Reu- not f gemeldet, die aus diesem Anlaß von der Bad.- und Kur- vermaUung hurd) einen Rosenstrauß ausgezeichnet mürbe. aic Hochsaison ist nun vorüber, und es beginnt damit für Bad Nauheim die Jeu, die als jctwnste und vielleicht günstigste für eine Kur dereichnei iverden kann. Die Hotels und Pensionen sind nicht mehr iiberitillt roie in der Hochsaison, und die Beiiner können sich infolgedessen letzt mehr den einzelnen Gästen widmen und ihren ueuellen Wünschen Rechnung tragen treffen berat äug' täglich noch eine Menge Kurgäste ein, namentlich von anker* beim men Ländern, tue wahrend der großen Hiywelle die meitc Rene nicht ausführen konnten, unb in ben Badelmusern, iM. Park und ani der Terrasse erblickt man überall neue Gesichter, die die Schönheiten des Bades gemeßen. Tie Darbieninyen der Kuinerivaining stellen auch letzt in nichts den der Hockwilvn nach Pom 31. August Ins f>. September sind lokale iaini^ lucthpiele vorgesehen, für die eine Anzahl wertvoller Preiw auS* gesetzt sind Es finden Herren-Toppelfpiele und Herren- und Damcn-Toppelspiele statt.
£uftfd)iffal)rt.
Döberiv, 26. Ang. Auf dem Robrlnckergebiet des Töbc- ritzer Truppenübungsplatzes stürzte heute ein mit zmei Mil i- tärfl leger n besetzter Einbecker ab. Bon ben Fliegern kam einer völlig unverletzt bavon, der andere erlitt eint; Fuß Verstauchung.
Wien, 25. August Ter Ingenieur Sablatnig vollendete den vom Laube Riederösterreich mit 20000 Kronen auS- gestatteten Flug bnrch Rieberöfterreich.
— Die erste englische L n s t p o st. Am V. September wirb in London der erste regelmäßige europäische Postbienst durch die Flugmaschine beginnen: von diesem Tage an soll täglich von der Flughalle von Henden ein Flieger mit seiner Flugmaschine nach Windsor fahren, um hier die Postsäcke mit Briefen abju- liefcrii, die ihm in London übergeben werden. Ter König hat erlaubt, daß dieser fliegende Briefträger im Windsorpark landet. Tiefer Poststugdienst ist von einem Ehrenautzschuß eingerichtet, der mit dem Postmünster einen regelrechten Vertrag geschlossen hat. Als Poststieger ist G r a h a m c White mit einem festen Gehalt eingestellt. Tie Lnftpost fleht also fortan dem Publikum zur Beförderung vo>i Brieffendungen offen, doch wer von biefem stolz an- qekünbigten Unternehmen praktische Vorteile für ben Postbienst erhofft, steht sich einstweilen enttäuscht. Tenn zur Befcrderung iverhen mir von bem Ausschuß hcrauSgegcbcne lttnsichtSkarten ober Briefe zugelasfeu, bie in llmschläge eingefchlosien sinb, bic ebenfalls vom Ausschuß zum Preise von 1 Schilling unb 1 Penny abgegeben werben. TaS Lustporto ist also einstweilen noch ziemlich teuer unb wirb nach menschlichem Ermeßen burd) größere Zuverlässigkeit in der Bestellung der Senbungen wohl faum aufgewogen werben. Tagegeil ist mit der Post ein Abkommen getrosten, wonach alle diese Sendungen außer dem gewöhnlichen Poststempel noch einen besonderen Aufdruck erhalten, der die stolzen Worte enthält »Erste Luftpost des Vereinigten Königreiches-. Eine Verantwortlichkeit für Befchädigmig, Verspätung oder Verlust der aufgegebenen eenbunqen wird nicht übernommen. Trotzdem diese Einzelheiten de>i mit Pomp angekündeten Postdienst burd) bie Lust zu einer wahrscheinlich kurzlebigen Seltsamkeit herabminbern, beanspruchen die englischen Zeitungen für Großbritannien ben Ruhm, al5 erste Nation die Flugmaschine in ben Dienst ber Post gestellt zu haben und man ermuntert alle Leser, bie Einrichtung zu benutzen, um sich ein „Andenken* zu sichern. Selbstverständlich Ive r b en bie durch Flugmaschinen n a ch W i ii d s o r gebt a cf) t e n Ansichtskarten unb Briese von bo r t aus auf gewöhnlichem Postwege nach London zurück- gefchickt unb erst bann weiter v e rjanbt.
Vermischte».
• D i e Hitze unb bic Kindersterblichkeit. AuS London wird berichtet: Ein trauriges Bild von dem furchtbaren Einfluß der diesjährigen Sommerhitze auf die Kindersterblichkeit gibt ein soeben veröffentlichter amtlicher Bericht. In der ver-
^rauen-FerUlleion.
Die Wafserkugcl.
Laßt mir frei von eigenem Erraffen Meine Hände. Ich will Wunder schaffen.
Eine Frau in grauen Porzcittagen
Kannte eine Dasscrkugcl tragen '
Ohne Hülle, nur in fick gebannt, «Ihraft der Reinheit ihrer ivcißen Hand
Und ich möchte für ein fiebernd Leben Wasserkugcln aus dem Waffer heben.
Frieda Sckowf.
Kleine Modeneuheiten.
Rach einer recht langen Zeit fast völliger ‘Jlbroeienhcit kehrt gegenwärtig auf bas Gebot eines cdmcibcrS hin, ber ut ber Welt bcs Okichmads eine gewichtige Stimme bat, ber M a traten- fragen in bie Franenmobc zurück: unb zwar irirb et vor erst hauptsächlich ju ben langen Mänteln, bie augenblicklich eine io große Rolle spielen, getragen. In ben verseh,edeniten warben, normen unb Arten kommt er vor. Rieht ^mr wird zweiseitiger Satin vcrwanbt, sondern auch ein neuer -Leidenierge, mü bunt gemusterter llntericibe: andererseits sieht man auch diele »tragen in gerippter Seide mit ganz glatter, einfarbiger Unter,cibe. Ein Kragen, der zu einem Autornobilmantel angefertigt ist, zeigt eine bronzebranne Oberfläche und dazu eine blaue unb weine Innenseite: ein anbemr Mantel Hat eine Innenseite beS »tragen* jn Mausbraun, entsprechend dem Futter des Mantels, wahrend dieser selbst eine waldgrüne Farbe zeigt. . t . .
Ungewöhnlich viel Phantasie und Gefchmack verwendet die gegenwänige Mode auf den Sck'leicr. Eine pikante und neue Schlei er art ist der geftreirtc Schleier: außerdem sieht man, w»e dcrcils im Sommer, au di für den öcrblt weiße Spitzen, cmcier, die unter möglichst malerischen Gesicktspuntten zu dem Hule ui sarbige Beziehungen gestellt werden. Tic Pariferinnen haben flötzlicki ihr Herz für persische Schleier entdeckt Tre russischen Spitzen sind sie leid geworden, und aus Perfien igu nunmehr ixi-i Heil kommen. Tic persischen Schleier haben freilich auch besondere Vorzüge: sie sind ungewöhnlich lang unb weich unb eignen sich zu Putz unb Schmuck aller Art vorzüglich. Einerseits dienen sie wirNich als Sckleier, und ihre ieibenen Maschen sind in hervorragender Weife geeignet, den Glanz einer zarten Haut halb zu verbergen, halb zu enthüllen: und anberericit* vermag ein antiker perfifdx'r Schleier, mit dem man eine Abend, toilette verziert, diese wunderbar zu Deridühien. Auch Mantel werden mit alten, in ein wenig strengerem Stil gehaltenen Schleiern besetzt. Aber nid)t blos zur Vollendung ber Toilette sind die persischen Schleier geeignet. Tie Kissen, auf bic die heutige Pariserin ihr müdes Haupt sinken lätzt, und nut ben beliebten persischen Schleiern ausgeftattet, ferner ficht man ,ie an
Handtaschen, Tischdecken und selbst an Sesseln und Stühlen.^ Ra- türlid) werden bereits für die am reichsten gearbeiteten Stücke dieses neuen Luxusartikels die erstaunlichsten Preise gezahlt.
Eine ungewöhnliche, wenn auch wenig geschmackvolle Neuheit kommt auch auf dem Gebiete des Gürtels auf den Markt, der aus Federn hergestellte Gürtel, zu .dessen Herstellung sowohl Federn von Hanshühnern wie von Jagdvögcln verwandt werden. Außerdem gibt es Handschuhe und Hutbänder aus Federn, unb bie herrschende Mode will, daß die Bänder solcher Hüte, die mit Federbändern geschmückt sind, mit weißer Florett- scidc besetzt sind. Kf.
kf. Ehcf crien. Ein dem „Daily Mirror" und nach bet Aussage dieses Blattes auch der weiteren Oeffentlickkeit wohl bekannter Schriftsteller, dessen Name es aber verschweigt, schreibt an die genannte Zeitung: „Alle Eheleute sollten ihre Ferren jeder für sicki verbringen unb währenb ber Trennungszeit ein- auber Liebesbriefe schreiben. Es gibt fein besseres Mittel, die Flamme ber Liebe zu unterhalten unb neu zu beleben, bie im Ge triebe bes Alltags immer Gefahr läuft, erstickt zu roerben." Ter ungenannte Schriftsteller versichert weiter, eine solche Rück- fchr zu ben Höflichkeiten unb Zärtlichkeiten ber Brautzeit werde ben auf ewig Verbunbenen viele Vergnügungen unb Ueberrafchun- gen bereiten unb ihre Absichten hinsichtlich ihres künftigen gemeinsamen Lebens stärken. Denn bic getrennten Gatten zärtliche Briese austausthcn, wie sie sic einst vor ber Ehe geschrieben haben, so werben bic Erinnerungen an jene Glückstngc in ihnen wieder lcbenbig werben, und sie werden die frische Empfänglichkeit für das Wesen bes Anderen wiedeninden, die sie als junger Mann und innges Mäbcken besaßen. Wenn die ferne Gattin lieft:
Tu fehlst mir immer, ich zähle bie Tage, bis wir uns wicbcr- sehen " so wird sie sich der Zeit erinnern, da sic selbst die Minuten zählte, bis der Geliebte kam. Und wenn der Gatte einen ähnlichen Bries bekommt, w wird er vergessen, wie oft bie benere Hälfte ibn getadelt, ihm Egoismus und Gleichgültigkeit oorge- ivorsen bat. Es fragt fick freilich, wie wen btefe sinnreiche Theorie des englischen Schriftstellers der Srrfhcbteit Stand halt. qi?an möchte eimvenben, daß Schulkinder, bic bas ganze Jahr über gern zur Schule gegangen sinb, wenn sie ihre vierwöchigen Ferien aus bem Lanbc ui gebracht haben, oft nur mbr wiberwillig ivicbcr ben Weg zur Schule gehen. Wie, wenn auch Ehegatten, bie bisher nie unter bem Zwange des Zusammenlebens gelitten haben, in ber süßen Luft ber Freiheit plötzlich entdecken, daß düse ihnen viel besser bekommt, als bas bisherige Leben? 2xn- uoch so pessimistische Einwendungen wie bieie haben auch etwas Theoretisches: unb jedenfalls verdieM jener Vorichlag Beoch tung, ba er auf richtigen Grundgedanken ruht. Wenn alle Del: Serien hm, warum fallen dann Ehegatten nicht auch einmal Ferien haben? _
kf Der Streif der sckonheitskonkurrcn' tinnen. Zum Streik ber Tockrrdciter und^der Eisenbahnen hat England nun auch noch einen dritten Streck betommar.
In Folkestone war eine internationale SchönhcitS- konkurrcnz für die vergangene Woche angefagt worden. Da nahmen die Ereignisse nn letzten Augenblick eine so scküinmve Wendung, daß der ,$eranftaltcr, JHobcrt Forsyth, anorimen mußte, daß keine weiteren »harten verkauft würden. Es war verkündet worben, der Preis solle von 6 englischen und 12 ausländischen Schönheiten um kämpft werden. Bei der Auswahl der 6 englischen Schönheiten aber hatte die Jury ber G. unb 7. Dame gegenüber keine Eutscheibung treffen können unb deshalb dies« beiden zusammen den 6. Platz angewiesen. Nun aber wollten bic Ausländerinnen anstatt zu Zwölfen, zu Vierzehn antreten. Die Damen, bie sich schlecht miss Rechnen verstehen, sahen nidA daß 7:14 sich nicht von 6:12 unterscheide Mer die Eng»- länderinnen wurden mm mehr aufsässig und erklärten, nut an dem Wettkampf teihunebmen, wenn nicht mehr Mädchen aus der Fremde als einheimische zugekassen würden. Herr Forsyth hielt entgegen, daß hoch den zum Teil von weither, aus Frankreich- Spanien unb Italien gekommenen 'JUiolänberinnen gewisse Vorrechte cmfleräiimt bleiben müßten. Doch bie Englänberimtrn ließen sich aus nichts ein. Sie erklärten, roenji nicht bis zu einer be-> summten Stunde ihre Wünsche erfüllt seien, tvürden sie abreisen. Herr Forsyth mußte der Gewalt weichen. Er ließ öffenllidi erklären, daß bic Ausländerinnen untereinander 6 »tonfurrentütttat auswählen möchten: nur bie Fürstin Belgambouze, bic aus Algier gekommen roar, solle wegen ihrer weiten Reife ohne Los an ber Konkurrenz teilnehmen. So war wenigstens bie Veranstaltung gerettet.
C. K. Tas Frauenrecht im persischen Paria- ment. Nun bat das Frauenstmrmrecht mich im persischen Parlament feinen Vorkämpfer getunten, und der Teheraner Mitarbeiter der Times gibt eine vergnügliche Schilderung dieses denkwürdigen Ereignisses. Das Parlament beriet gerade über die Vorbereitungen zu den kommenden persischen .Herbstwahlen, als sich unerwartet der Abgeordnete von Hamadan, Hadschi WakUel Rooy, zum Wort meldete unb eine leibenichaftlicke Rede für das Frauenstimmrecht hielt. Eine Woge des EMfetzens ging durck die Reihen der wackeren Volksvertreter, als ber Hadschi rundweg erklärte, die Frauen besäßen eine Seele und Rerbte und sollten daher auch mitrebat unb mitwäblen Voll Eifer sorberte dieser Frmtenfreund die Unterstützung ber Geistlichkeit, aber ber oberste Vertreter des Ulemas erhob sich und erklärte, nie im Leben seien seine Ohren durch so schamlose Aeußerungen beleidigt worden In wilder Aufregung sprach der wackere mohammedanische Gotte-mann den Frauen ''owohl die Seele als alle Rechte ab und erklärte, daß solche Lehren das Ende des F-slam bedeuten würden. Schließlich erhob sich der Präsident des Parlarnemcs und sorberte die Schrrst- 'uhrer auf. in ihren Berichten diesen entwürdigenden w i s ch c n s a l l zu unterdrücken, oamft keine Erinnerung an ihn die ruhmvolle Ehromk des persischen Parlcrments beflecke. ‘JJtit sichtlicher Erleichterung bejubelten bic Abgeordneten dielen Vorschlag und ichlei nigst ging man sur Beratung weniger aufregender Fragen übej.


