wegen der elsaß-lothringischen Frage wissen wollten, möchten aber ausdrücklich festftellen, daß sich der Reichskanzler und Staatssekretär Delbrück wie auch in allen unterrichteten Kreisen bekannt ist, in dieser Sache von Anfang an in voller Uebercinstim- Mung befunden und gehandelt haben; darin hat sich nichts geändert. Ist schon die Annahme grundfalsch, der Reichskanzler könnte in dem Scheitern der Vorlage für sich einen Anlaß zum Rücktritt sehen, so ist es geradezu blödsinnig, ihm unterzuschieben, er würde in diesem Falle seinen Mitarbeiter zum Sündenbock machen, der mit allen Kräften um das Gelingen des wichtigen Werkes bemüht ist.
Ausland.
Die Wiener „Korrespondenz Wilhelm" schreibt: Der Kaiser wird vor seiner Abreise von Ofenpeft nicht mehr allgemeine Audienzen erteilen. Die Absage der Audienzen erfolgte, um den Kaiser zu schonen. Der Monarch wurde nämlich in der vorigen Woche von einem leichten, unbedeutsamen Schnupfen l)eimgesucht. Man hatte von dem Aufenthalt in Waldsee ein Schwinden oder eine Besserung des Schnupfens gehofft, doch konnte infolge des schlechten Wetters sich die Wirkung der Luftveränderung nicht einstellen. Die Absage der Audienzen ist nur ein Gebot der Vorsicht. Die Schonung soll die Wirkung haben, daß der Monarch am 29. April die Frühjahrsparade abnehmen kann.
Die Pariser Polizei wurde verständigt, daß-Turin gegenwärtig der Rendezvousplatz zahlreicher Anarchisten ist, von denen verbrecherische Anschläge gegen die Turiner Ausstellung ins Werk gesetzt find. 50 Ausländer wurden verhaftet. Man fand bei ihnen große Mengen von Sprengmitteln und Schußwaffen.
Präsident Falliöres begab sich von Gabas nach Toulon.
Hebet bie neuen Strömungen in der jungtürkischen Partei wird aus Konstantinopel gemeldet: Die Führer der Dissidenten der jungtürkischen Partei, welche bereits die Mehrheit besitzen, berieten über die in der nächsten Vollberatung der Partei zu stellenden Anträge. Wie verlautet, werden die Dissidenten zunächst die Wahl eines neuen Bureaus beantragen, als dessen Obmann der Abgeordnete von Dibra, Basri, kandidiert. Sodann wird die Ausschließung des Finanzministers, des Obmanns Talaat Bey und mehrerer Abgeordneter aus der Partei verlangt werden. Hierauf berieten die Führer über die Zusammensetzung des neuen Kabinetts. Hakki Pascha soll Großwesir bleiben. Außer ihm werden nur der Kriegs- und der Justizminister beibehalten. Einem Gerücht zufolge sei die Verlegung des Zentralsitzes von Saloniki nach Monastir geplant.
Deutsche Kolonien»
Braunschweig, ^1. Aprü. Internationale Kolonialinstitut schloß seine gestrige erste Sitzung mit der Erörterung der Fragen der Nutzbarmachung der alteingestammten öf.enllichen Organe der Eingeborenen für die Verwaltung der tropischen Kolonien. Heute wurde zunächst über eine Organisation des Kampfes gegen >en Alkohol in den Kolonien bei den verschiedenen Nationen verhandelt. An der Aussprache beteiligte sich der rühere Generalgouverneur des Kongostaates, Janssen. Aus )en Darlegungen des Geheimrats Zoepfl ergab sich, daß Deutschland im Kampf gegen den Alkohollonsum bei den Eingeborenen durch seine scharfen neuen Verkauf s b eschränkungen bezw. Verlaufsverbote in Südwestafrika, Ostafrika und Kamerun an der Spitze der Kolonialstaaten steht. Es folgte die Beratung des Themas „Kolonialbanlen" und „Kreditorganisationen" für die Eingeborenen unter dem Gesichtspunkte der gewerblichen und der Handelsentwickelung.
Vergebung von Leistungen und Lieferungen innerhalb der Ztaatrbauverwaltung.
Darmstadt, 21. April.
Im Anschluß an den Verdingungserlag von 1893 und auf Grund des Etatsgesetzes von 1879 sind im Einverständnis sämtlicher Ministerien durch Amtsblatt der Ministerialabtellung für Bauwesen für Vergebung von Leistungen und Lieferungen bei Staatsbauten die Grundsätze hinsichtlich der Arten der Vergebung und der Zuständigkeit der Baubehörden neu festgestellt worden.
Die seither befolgten Grundsätze dafür, welche Arten der Vergebung im allgemeinen uitd in bestimmten Fällen zu wählen seien, sind Vorbehalten, für die Fälle des engeren Wettbewerbes und der freihändigen Vergebung genauer ausgesprochen und erweitert worden. Neu ist die Bestimmung, daß Leiitungen und Lieferungen, deren überschläglicher oder veranschlagter Wert den Betrag von 1000 Mark nicht übersteigt, ohne Rücksicht auf sonstige Erwägungen zu engerem Wettbewerb ausgeschrieben werden tonnen; ferner ist die obere Grenze, bis zu der ohne weiteres freihändig vergeben werden kann, von 300 Mark auf 600 Mark erhöht worden. Für Bauunterhaltungsarbeiten, die zu festen Preisen auf Grund der amtlichen Preisverzeichnisse freihändig vergeben werden, bleibt für diese Art der Vergebung die seitherige Grenze von 300 Mark befteh<m, da es sich hier immer um Arbeiten kleineren Umfangs handelt, auf die nur jene festen Preise zweckniäßig Anwendung finden, und weil die Mcksichten auf die bedeutenden finanziellen Konsequenzen, die eine Erhöhung des erwähnten Grenzbetrags mit sich bringen würde, weitergehendes nicht zuließen. In den Fällen des engeren Wettbewerbes oder der freihändigen Vergebung ist bei der Auswahl der Unternehmer nach Möglichkeit zu wechseln. Auch ist dabei, namentlich bei Vergebungen bis zu, den vorgeiwmmenen Grenzbeträgen von 600 !und 1000 Mark, auf die leistungsfähigen ortsansässigen Gewerbe- ' treibenden besondere Rücksicht zu nehmen.
Durch Erlaiß der neuen Bestimmungen wird den schon seit längerer Zeit bestehenden Wünschen der Baubehörden nach Neuregelung der Grundsätze über die Arten der Vergebung und nach Erhöhung ihrer Zuständigkeit hinsichtlich der Einleitung eines Vergebungsverfahrens und der Zuschlagserteilung Berücksichtigung zuteil. Zugleich sind Rücksichten auf eine Vereinfachung des Geschäftsganges genommen, lieber die Grenze, bis zu der die Zuständigkeit zu erweitern sei, ist auf einer vorangcgangenen Konferenz mit den Amtsvorständen verhandelt worden. Die Bestimmungen des Amtsblatts schließen sich dem damals erzielten Ergebnis im wesentlichen an; zum Teil gehen sie darüber hinaus. Im übrigen sind die in anderen Bundesstaaten bestehenden Bestimmungen entsprechend berücksichtigt worden. Insoweit man bei ben Grenzbeträgen unter denen anderer Staaten geblieben ist, geschah dies mit Rücksicht auf die für Hessen in Betracht kommenden Verhältnisse und gemäß den hier gesammelten Erfahrungen. Man nähert sich dabei den badischen Bestimmungen. In der Zu- ständrgkeit werden die hessischen Baubehörden, wie schon seither, so auch nach dem Entwurf, besser gestellt sein, wie in Baden und auch in anderen größeren Bundesstaaten. In Baden ist Ine Entscheidung über die Ergebnisse der Verdingung und die Erteilung des Zuschlags in allen Fällen auch wenn die Baubehörde ein öffentliches Ausschrciben erlassen hat, Sache der Verwaltungsbehörde; bevor diese ihre Entschließung getroffen hat, dürfen rlroeiten nicht verdungen und nicht angeordnet werden, pnb Joenn in Preußen die Ortsbaubeamten zur selbständigen Vergebung im Wege der öffentliä>cn .Ausschreibung bis zum Betrage von 15 000 Mk. von der Pro- Mnzialbehörde ermächtigt werden können, so ist doch hierbei die große Einschränkung gemacht, daß dies nur gilt für den Fall, daß den Mindestfordernden der Zuschlag erteilt wird. In Sachsen haben
scheinbar die Amtsvorstände weitgehend' Vollmachten für die Ver- 0, sie werden jedoch auch hier durch die Bestimmung be- t, daß die Genehmigung des Finanzministeriums zur Zuschlagserteilung dann einzuholen ist, wenn Bedenken gegen den Mindcstfordernden vorliegen, die Bauleitung daher einen anderen Bewerber bevorzugen »u müssen glaubt.
Durch solche Bestimmungen werden die Baubehörden wohl oft dazu gedrängt, den Mindestfordernden, wenn es nur einigermaßen zu vertreten ist, die Arbeit zu übertragen, und es wird damit tatsächlich erreicht, daß der Grundsatz: die niedrigste Gelo- forderung als solche darf für die Entscheidung für den Zuschlag keineswegs den Ausschlag geben — ein Grundsatz, der, wie in den hessischen, auch in dem preußischen und dem sächsischen Verdingungserlaß enthalten ist — in der Praxis nur in wenigen Fällen Anwendung finden wird. Es wird eben Vergebung an den Mindestfordernden doch im allgemeinen die Regel bilden.
Die hessischen Bestimmungen suchen solches zu vermeiden. Die Amtsvorstände sind durch eine dem Vorstehenden ähnliche einschränkende Vorschrift nicht gebunden; sie sind innerhalb der ihnen übertragenen Zuständigkeit befugt, die Entscheidung nach den allgemein gültigen Vergebungsbestimmungen selbständig zu treffen.
Die Zuständigkeit der Amtsvorstände, Vergebungen einzuleiten, geht für freihändige Vergebung bis 600 Mk. (seither 300 Mk.), für engere Wettbewerbe (neu hinzugetreten) bis 1000 Mark Wert des jeweiligen Verdingungsgegenftandes; zur Zuschlagserteilung sind sie, gleichmäßig für alle Arten der Vergebung, befugt bis zum Betrage von 6000 Mk. (seither 5000 Mk.) Wert des jeweiligen Verdingungsgegenstandes in ein und demselben Gewerk.
Einer höheren Genehmigung der schriftlichen Vertragsurkunden mit den Unternehmern bedarf es nach den neu vorgesehenen Bestimmungen nur insofern, als die Vergebung selbst hinsichtlich ihrer Einleitung ober der Erteilung des Zuschlages der Genehmigung einer höheren Behörde bedurfte und letztere sich hierbei die Vertragsgenehmigung ausdrücklich Vorbehalten hat. Unter höherer Genehmigung ist nach der „Darmst. Ztg.", die der Ministerial- abteilung für Bauwesen verstanden, insoweit sich nicht das zuständige Ministerium die Entscheidung Vorbehalt.
Ans Stadt und £anO»
Gletzen, 22. April 1911.
* • Tag es kniender: Kolosseum: Lichtspiele. Täglich Vorstellung.
Kinematograph: Neuer Spielplan.
Biograph: Neuer Svielplan.
Militärkonzert auf der »Liebigshohe*. Sonntag nachmittag 5 Uhr.
Anlagemusik am Sonntag vormittag 11'/, Uhr in der Süd- Anlage. Svielplan: 1. Erste Peer Gynt Smle von Ed. Grieg (I. Morgenstimmung, JL Ases Tod, III. Anitras Tanz, IV. In der Halle des Berqlömgs); 2. FruhlingsUed von Gmmod; 3. ,Früh- liiiqslust", Walter nach Jos. Slranß'fchen Motiven aus der Operette .Frühtuigslult"; 4. Armeemarsch Nr. 126 von Hetias.
*
* * Dr. t heo l h. c. Der Archidiakonus Sic. theol. Dr. Phil. C. Lülmann an St. Jakobi in Stettin wurde von der theologischen Falultat der Landesuniversität zum Dr. theol. hon. causa ernannt.
* * Lehrerpersonaiien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Joh. Phil. Rögner aus Wörrstadt eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Biblis.
" Aus dem M i l i t ä r iv o ch e u b l a t t. Ai a x i m i l i a n Prinz zu Solins-Hohensolms-Llch, Seekädett von der Marineschule, erhält das Zeugnis der Reife zum Fähnr. zur See und ist unter Belassung in vorgenanntem Dienstverhältnis mit dem 31. März d. Js. zum Lt. zur See vorbehaltlich der Patentierung ernannt.
• • Die BerkehrS-Einnahmen auS dem Personen« und Güterverkehr betragen nach vorläufiger Feststellung für die Eisenbahndirektionsbezirke Frankfurt a. M. und Mainz im Februar 8 834 000 Mk. ober gegen das Vorjahr mehr 538 000 Mk. = 6,49 Proz.; in der Zeit üoui Beginn des Rechnungsjahres 123 256 000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 6 910 000 Mk. ----- 5,94 Proz.; für die Preußisch • Hessische Elsenbahngemelnschaft im Februar 145 759 (MO Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 9 338 000 Mk. — 6,85 Proz., in der Zeit vom Beginn deS Rechnungsjahres 1853 335 000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 120 521000 Mk. ---- 6,96 Prozent.
* * Blumentag. Für oen am 6. Mai stattfindenden f^lumentag hat sich erfreulicherweise inzwischen noch eine Anzahl Damen gemeldet. Trotzdem reicht die Zahl noch lange nicht aus und es wird gebeten, daß sich Frauen und Mädchen, die sich denc schönen Werk der Nächstenliebe widmen wollen, möglichst sofort bei Herrn Provinzialdirek- tor Dr. Usinger (Kreisamt) melden.
* ' Im Kinematograph erfreute sich seither das große, von Mitgliedern des Kömgl. Theaters in Kopenhagen gespielte Drama „Versuchungen der Großstadt* eines lebhaften Zuspruches. In knappen, packenden Bildern wird uns das Leben eines jungen Mannes aus vornehmem Hause vorgeführt, der in die Rege einer Tänzerin geraten ist und sich durch allerlei Schicksale schließlich doch wieder zu einem soliden Leben durchrmgt. Daneben werden noch mehrere andere Lichtspiele gegeben, von denen wir Rauke fliegt, Ton- iolini im Automobil, Das Geheimnis der Stahlkammern und das Pathö Joiirnal erwähnen.
* * Der Hassiabezirk Gießen der Kriegerkameradschaft Hassia hält am 7. M a i im Lenzschen Fetsenkeller seinen Frühjahrsbezirkstag ab. Den wichtigsten Teil der Tagesordnung bildet die Beratung der Anträge für den Vertretertag der Hassia in Friedberg und die Wahl eines Vertreters.
* * Die Fünfziger 1856 —1906 halten, wie ihr Ausschuß beschlossen hat, zur Feier ihres 55. Geburtstages am 20. Mai einen Kommers ab.
• • A - B - C- Schützen. Am Montag werden in Gießen unseren Schulen 531 A-B-C-Schützen, und zwar 238 Mädchen und 293 Knaben, zugeführt. Der junge Nachwuchs verteilt ich wie folgt: Volksschule 208 Knaben, 197 Mädchen, Töchterschule 42 Mädchen, Gymnasium 43 Knaben, Realschule 41 Knaben.
* * Er darf keine Steuer bezahlen. Man schreibt uns: In Hessen besteht die merkwürdige Einrichtung, daß der Steuererheber immer nur die ältesten Ziele auf dem Steuer* zettel quittieren darf, das Geld dagegen zurückweisen muß, wenn der Zahler ein Ziel überbringen null, das ist so, wenn das Ziel auch dadurch verjährt ist, daß versäumt wurde, vor Ablauf deS gesetzlick)en Vierteljahres den Lohn zu beschlagnahmen. Ein Arbeiter, der in der Landwirtschaft tätig und zum Bauhandwerk überging, erhielt einen Steuerzettel, auf dem die Steuer für baS halbe Jahr vorher gefordert war. Der Arbeiter berief sich aus das Lohnbeschlagnahmegesetz, wonach nur für zwei Ziele gepfändet werden könne, und bot den entsprechenden Betrag an. Der Erheber weigerte sich, einen Pfennig zu nehmen, der nicht ür die beiden ersten Ziele gelte, der Arbeiter bestand auf den Swel letzten Zielen und so blieb er die vier Ziele schuldig, denn weder für die ersten, noch für die letzten konnte gepfändet werden, weil fene verjährt waren, diese aber nicht angenommen wurden. Nuw ist die Sache soweit, daß der Mann sechs Ziele schuldig ist.
von denen fünf verjährt sind, und wenn nicht etwas außergewöhnliches passiert, bleibt er sein Leben lang von der Steuer befreit ohne daß ihm ein Gerichtsvollzieher beikommen kann. Er selbst hat durchaus das Bestreben, in die Reihen der Steuerzahler einzutreten, alle Versuche scheitern aber an der geheiligten Vorschrift Jetzt führt der Mann gegen seine Steuerlosigkeit Beschwerde beim Ministerium in der Hoffnung, daß er sein Geld vielleicht doch noch loswerden könne.
* * Zirkus Straßburger. Tie Eröffnungsvorstellung des Zirkus Straßburger, die gut besucht war, wies im allgemeinen ein recht schönes, unterhaltendes Programm auf. Neben hübschen Pferdedressuren, die von Herrn Coß- m y e vorgesührt wurden, riefen vor allem die Darbietungen des einbeinigen Artisten Bargol und die der Glistons- Akrobaten lebhaften Beifall hervor. Namentlich die Leistungen des jüngsten der Glistons am Persch erregten Bewunderung. Auch die übrigen Nummern des Programms wurden beifällig ausgenommen.
” Eine vielbegehrte Persönlichk eit ist der Chemiker Alfred Oskar Moser, geboren 10. Mai 1867 zu Döhlen. Er hat in letzter Zeit unter verschiedenen Namen in größeren Städten Betrügereien mit Erfolg auf folgende Art auSgeführt: Er annonciert in Zeitungen, daß gebildete Damen durch Uebernahme eines „Hauptverkaufs- und Versandlagers chemisch-pharmazeutisch-kosmetisch und hygienischer Spezialität" einer leistungsfähigen, konkurrenzlosen Firma täglich 10—20 Mk. verdienen können, die Reklame werde die Firma selbst übernehmen. Auf Antivort erscheint Moser per. sönlich, schließt einen Vertrag ab, schickt dann unter Nach- nähme für etwa 100 Mk. Ware und läßt nichts mehr von sich hören. Tie Ware besteht in „Götter-Speise" und .Venus-Speise" zur Verschönerung der Körperformen. Moser ist von großer, schlanker Figur, hat blondes Haar und gleich, farbigen zugespitzten Vollbart. Es sei vor dem Betrüger gewarnt.
* * In Amerika verstorbene Hessen. Elisabeth Hein, 88 Jahre alt, aus Nieder-Seemen, in Bellmont; D. Berg, 82 Jahre alt, aus Heddernheim, in Chicago; Gg. S e i o e l aus Pfungstadt, in St. Louis.
Landkreis Gießen.
= Allendorf a. d. L., 21. April. Die Beerdigung des während seiner Mllitärzeit verunglückten Phil. Wilh. Arnold findet am Sonntag hier statt. Es ist noch nicht bekannt, bei welcher Gelegenheit der hoffnungsvolle junge Mann ertrunken ist.
Kreis Büdingen.
- l. Büdingen, 21. April. Das neue Schuljahr der Kleinkinder) ch ule beginnt Montag den 24. April. An diesem Tage findet auch die Neuaufnahme von Kindern statt.
O Aus dem Kreife Büdingen, 20. April. Nach einer VerfügunD des Krcisamts an die Gemeindevorstände werden sich künftig die Ausgaben für „Unterstützung Hilfsbedürftiger" in manchen Gemeinden ganz bedeutend erhöhen. Mit Rücksicht auf die finanzielle Lage des Kreises und aus anderen Gründen hat nämlich der Kreisausschuß beschlossen, daß die Kosten für Pflege von GeisteskranlKn, Blödsinnigen, Epileptischen und Blinden, insoweit Ortsarmenverbänöe des Kreises dafür aufzukommen haben, mit Wirkung vom 1. April d. I. annurnochzur Hälfte auf die Kreiskasse übernommen werden sollen. Diesen Beschluß hat der Kreistag angenommen. Eine Bereitstellung der erforderlichen Mittel, die in einigen kleineren Gemeinden verhältnismäßig recht hoch sind, kann nun nicht mehr für das laufende Jahr in den Voranschlägen erfolgen, weil sie bereits festgesetzt sind.
O Bad Salzhausen, 21. April. Der Besitzer einer hiesigen Villa bewohnt sie nur vorübergehend in der besseren Jahreszeit, ist aber für die Zeit seines hiesigen Aufenthalts in Hessen steuerpflichtig. Bei Abrechnung der beteiligten Staaten, bezw. Gemeinden, hat sich nun herausgestellt, daß gedachter Herr noch 13 000 Mark Staatssteuer an Hessen und 3580 Mark Gemeindesteuer an unsere Gemeinde nachzahlen muß. Dem Millionär fällt das nicht schwer und unjerer Gemeindekasse ist die außerordentliche Einnahme recht willkommen.
O Wallernhausen, 20. April. Hier hackte ein 8jähriger Junge einem 5jährigen Spielkameraden mit einem Beile zwei Finger ab, der dritte Finger ist halb durchgehauen. Ein zufällig im Dorfe anwesender Arzt aus Nidda nahm das verletzte Kind in seinem Automobil mit. Als die Eltern die Schreckensnachricht auf dem Felde erhielten, eilten sie sofort ihrem Liebling in die Wohnung des Arztes nach.
Kreis Alsfeld.
== Alsfeld, 21. April. Im Frühjahr d. Js, sind im Kreise Alsfeld eine Anzahl schwerer Vergiftungen ganzer Familien durch Blei vorgekommen, die nach den angestellten Untersuchungen auf den Genuß von Mus aus glasiertem Topfgeschirr zurückzuführen waren. Die chemische Untersuchung hat^ ergeben, daß die Abgabe von Blei an den Inhalt der Töpfe von einer ungeeigneten Herstellung der Topsglasur herrührte. In einem Vergiftungsfall zu Groß-Felda wurde festgestellt, daß der betreffende Topf, in >em das Mus aufbewahrt wurde, auf dem dortigen Markt von einem auswärtigen Händler gekauft war, jedoch konnte »er Name desselben nicht ermittelt werden. Zur Verhütung ähnlicher Vergiftungsfälle wurden die Töpfer in den Kreisen Alsfeld und Lauterbach, wo vermutlich die frag* ich en Topfgeschirre verfertigt wurden, angewiesen, die Betimmungen über den Verkehr mit Blei- und zinkhaltigen Gegenständen aufs genaueste zu befolgen, und daß sie chwere Bestrafung zu gewärtigen haoen, wenn die Unter- uchung der von ihnen hergestellten Töpfe, die Zusammen- etzung der Glasur, den Bestimmungen nicht entspricht.
Kreis Schotten.
□ Schotten, 21. April. Unser Kreisrat Geheimrat S ch ö n s e l d feiert am 29. April feinen 7 5. Geburtstag. Cs ist ihm zu Ehren eine größere Festlichce.t g.plant. Da Geheimrat Schönfeld für^ die Kriegsteilnehmer von jeher viel getan hat, so werden sich sämtliche Kriegsveteranen des Kreises zur Feier in Schotten einfinden. Um 12 Uhr findet vor dem Kreisamtsgebäude eine Parade der Veteranen statt. Daran schließen sich Festessen und Kommers in der Turnhalle. Auch die Bürgermeister ämtlicher Orte des Kreises treffen zur Gratulation ein. Der noch sehr rüstige Geheimrat ist jetzt 53 Jahre im Amt und gedenkt hier iwch fein 60 jähriges Dienstjubiläum feiern zu können.
□ Ulfa, 21. April. Die Arbeiten für unsere Wasserleitung sind dieser Tage vergeben worden und sollen nächster Woche beginnen. Die Herstellungsarbeiten waren zu 69 000 Mk. veranschlagt. Da das niedrigste Angebot der Firma Alberding-Fulda 49 000 Mk. war, so spart die Gemeinde 20 000 Mk. Tas Wasser wurde von dem Wasserwerk Rainrod gekauft, das 220 Kubikmeter Wasser besitzt, aber nur täglich etwa 80 Kubikmeter gebraucht. Ulfa zahlt für das Wasser die einmalige Kaufsumme von 18 000 Mark. Maschinen sind nicht nötig, da unser Hochbehälter 22 Meter tiefer zu liegen kommt als der zu Rainrod.
□ Vom Vogelsberg, 21. Avril. Eine Veredlung des Vogelsberger Rindviehes wird von Viehzüchtern im Verein mit der Landwirtschaftskammer beabsichtigt. Um den erwas leichten Aogelsberger Schlag zu größerer Fleischlieserung


