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22.4.1911 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umsatzt 16 Seiten.

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stimmte der Ausschuß dann noch dem von der Zweiten Kammer unverändert angenommenen Gesetzentwurf, betr die Oberrechnungskammer, zu.

Wie die Zweite Kammer, so wird dem Vernehmen nach auch die Erste Kammer noch in der z w e i t e n Hälfte des Monats Mai eine kurze Tagung abhalten und sich mit den vorerwähnten Gesetzentwürfen beschäf­tigen, auch über die alsdann inzwischen von der Zweiten Kammer gefaßten Beschlüsse über die Abänderungsvorschläge inbetresf der G e m e i n d e st e u e r v o r l a g e in Beratung treten. Wenn nicht ganz unvorhergesehene Hindernisse ein­treten, so hofft man, daß die Schließung der 34. Le­gislaturperiode des Landtags uni die Mitte des Monats Juni erfolgen wird.

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politische Wochenschau.

Gießen, 22. April.

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Aunst, Wissenschaft und Leben.

DerAusbauder Mo ritzburgin Halle a. S. soll, wie dem Cicerone von dort geschrieben wird, in großem Umfange siatlfinden. Nachdem vor etwa einem halben Jahre die Schreiberichen Eheleute 50000 Mk. für oen Ausbau, des ehrwürdigen Baudenkmals zu Museumszwecken ver- macht hatten, haben die städtischen Behörden jetzt weitere 36000 Mk. bewilligt, um gleich ganze Arbeit zu machen. Ls soll nunmehr der noch in ruinenhaftem Zustand liegende südliche und der östliche Flügel der Burg bis zu dem unter Kardinal Albrecht von Brandenburg erbauten^Etn- gangsturm ausgebaut werden. _ An Anlehnung an Stiche und Zeichnungen, die den Zustand der Burg vor ihrer Zerstörung im ZOjährigen Kriege mit annähernder Deutlich- feit erkennen lassen, ist der Wiederaufbau des Wehrganges geplant, unter Zugrundelegung der Entwürfe und An- lichtszcichnungeu von Karl Re h orst, der den Bau des Museums in der Moritzburg geleitet hat. Im Erdgeschoß wird sich gegen den Burghof ein offener Hallengang mit Rundbogen öffnen, im Obergeschoß wird eine Reihe von Ausstellungsräumen entstehen, die vor allem bestimmt fein werden, die in den letzten Jahren geschaffene keramische Sammlung des Museums aufzunehmen. Nach der Aus- sÄhrung wird der Ausstellungsraum des Museums an- »ähernd verdoppelt sein. .

Die Eröffnung der römischen Ausstellung i Völkerkunde. Aus Rom wird uns unterm 21. April imeLbet: Tie Stadt ist anläßlich des Jahrestages der Gründung ütib Eröffnung der Ethnographischen Ausstellung mit Zahnen und Flaggen reich geschmückt, selbst die Wagen der elek­tischen Straßenbahn und die Omnibusse führen Flaggenschmuck. Line festlich erregte Menge belebt die Straßen. Vereine und Schulen ziehen, patriotische Wieder singend, nach dem Ausstellungs- »latz. Tas Königspaar und Prinz Arthur von Eoimaught -wurden auf der Fahrt zur Ausstellung mit begeiiterten Zürnten b'cgrüßt. An der Ausstellung wurden die Fürstlichleiten von den -Ministern und den Behörden, sowie dem diplomatischen Korps Mpsangen. Das Königspaar und Prinz von Connaught dnrch-

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Die französischen hiljztruppen für Marokko in Nöten-

Tie Abteilung des Majors Brömond, der die Ein­geschlossenen in Fez mit Proviant versehen soll, hat die größten Schwierigkeiten, da ihre Verbindung mit Haupt mann Moreaux, der wiederum BrSmond unterstützen sollte, abgebrochen ist. Wir erhielten heute folgende Meldungen:

Paris, 21. April. Nach einer Btältermeldung aus Tanger ist die Lage der Abteilung Brömvnds eine nahezu verzweifelte. Major Brämond rich­tete an einen Freund einen Brief, der mit den Worten schließt:Nicht auf Wiedersehen, sondern Adieu!" Ein anderer Offizier schrieb an einen Freund in Tanger, daß er sich, falls nicht ein Wunder geschehe, als verloren be­trachte. Aus Oran wird gemeldet, daß die Zusammen­ziehung der Verstärkungen für die Militärposten an der franzöiisch-maroktanischen Grenze 6 bis 7 Tage in Anspruch nehmen werde und daß in der nächsten Woche insgesamt an 0000 Mann am Muluyyflusse stehen werden.

In einem Telegramm des Majors Brsmond vorn 12. April, das heute vormittag im hiesigen Mini­sterium des Aeußern eingetrosfen ist, beschränkt sicb Bre- mond darauf, um Absendung von Munition und Geld zu bitten, sagt aber nichts daruoer, daß seine Lage so kritisch sei, wie in den letzten Tagen behauptet worden ist. Die Negierung, die damit beschäftigt war, die Verproviantie­rung der französischen Militärmission in Fez und der Ab­teilung Bremonds sicher zu stellen, traf nach Empfang dieser Depesche neue Maßnahmen, um den Wünschen Brs- monds sofort zu entsprechen. Hauptmann Moreaux stößt aber bei der Bildung einer Truppe in Alkassar, die be­stimmt ist, im Norden von Sebus vorzugehen, auf große Schwierigkeiten infolge der Feindseligkeit Raisu- lis. Als er einen Truppenteil von Sidictissa nach Su- kelstrba schicken wollte, verweigerten es die Kaids, da Raisuli ihnen verboten hatte, den Platz zu verlassen. Ebenso wurde es ihm unmöglich, einen Proviantzug zu finden, um Brä- monb mit Lebensrnitteln zu versehen. Der Konsularagent Boisset mußte am 19. April wieder abreisen, um noch­mals eine Verproviantierung zu versuchen.

Paris, 21. April. Monis, Er uppi, Berte- aut£ und Messimy hatten heute eine Besprechung über die Marokkoangelegenheit. Nachrichten aus Fez liegen der Regierung noch immer nicht vor.

Biserta, 22 April. Ter spanische Kreuzer C a t a l u n a", der hier die Rückkehr des Präsidenten Fal- lieres abwarten sollte, ist heute vormittag auf telegraphische Weisung nach der marokkanischen Küste abgegangen.

Aus den 2lusfd)üffen der hessischen Liften Kammer.

R. B. Darmstadt, 21. April. Der Wahlrechts- ausschuß der Ersten Kammer trat heute unter Vorsitz des Fürsten von L e i n i n g e n zu einer Beratung zusammen, um sich mit den Rückäußerungen der Zweiten Kammer über die Wahlrechtsvorlage zu beschäftigen. Der Ausschuß beschloß nach kurzer Erörterung, dem Kammer­plenum den Beitritt zu den unwesentlichen Abänderungs­beschlüssen der Zweiten Kammer zu empfehlen.

Im Anschluß an diese Beratung fand ebenfalls unter Vorsitz des Fürsten von Leiningen eine Sitzung des G e- setzaebungsaus schuss es der Ersten Kammer statt, bei- sich in erster Linie mit den Abänderungsbeschlüssen der Zweiten Kammer an den Verwaltungs-Gesetz- entwürfen beschäftigte. Der Ausschuß entschied sich da­hin, sowohl bezüglich der S d t e o r d n u n g, wie der Landgemeindeordnung, den wenigen, von der Zweiten Kammer getroffenen Abänderungen an den Rück­äußerungen der Ersten Kammer zuzustimmen, desgleichen den Beschlüssen der Zweiten Kammer über den Gesetzent­wurf, betr. die Verwaltungsrechtspflege und der vom anderen Hause unverändert angenommenen Vorlage, betr. die Kreis- und Provinzialordnung. Wenn, wie mit Sicherheit zu erwarten ist, die Vollversammlung der Ersten Kammer den Anträgen des Ausschusses zustimmt, so sind die genannten vier Gesetzentwürfe damit endgültig von den Landständen genehmigt. Neben der Erledigung verschiedener kleinerer Vorlagen schritten einen Teil der Ausstellung und nahmen sodann im Festpavcklon Platz. Der Präsident des Ausstellungsrates, Gras San Martino, der Vizepräsident, Abgeordneter Martini, und der Kommissar für die Sektion Piemont, Giordani, hielten unter großem Beifall aufgenommene Anspraclxm. Sodann erklärte der Unterrichtsminister Credaro die Ausstellung für eröffnet.

Ein Denkmal der Bruder Eoquelin. In Anwesenheit des französischen Unterstaatssekretärs der schö­nen Künste wird am 16. Juli in Boulogne-sur-Mer ein Denkmal für die Brüder Eoquelin enthüllt, dessen Aus­führung der bekannte Pariser Bildhauer M a i l l a r d über­nommen hat. Tas Modell des Werkes, das gegenwärtig seiner Vollendung entgegengeht, wird in diesen Tagen im Salon ausgestellt. Man sieht darauf die beiden Brüder an einer Marmorbank; der jüngere sitzt mit gekreuzten Armen und blickt zu dem älteren empor, der aufrecht lieht und, den Arm auf die Schulter seines Bruders gelegt, zu sprechen scheint. In der ausgestreckten Linken hält er ein Buch. Tie Bank erhöht sich in der Mitte zu einem Postament, das mit einer Molisre-Büste bekrönt ist, so­daß die beiden großen Schauspieler auch im Denkmal mit dem Dichter verbunden sind, dessen meisterhafte Inter­pretation ihr Lebenswerk gewesen ist.

_ Faulheit eine Krankheit! Dieses trostreiche Wort hat der bekannte Pariser Psychologe Ribot kürzlich aus­gesprochen. Er verteidigt seine Ansicht, die völlig ernuhaft ge­meint ist, in derRevue Philosophie" nut allen Wanen der Wissenschaft. Tic große Mehrzahl derer, die dem Anscheine nach acsund und kräftig smd, dabei aber eine unüberwindliche ^Ab­neigung gegen die Arbeit zeigen, erklärt er für krank. Diese Art von Indolenz, von Gleiä)gültigkeit und verschiedenen anderen Formen der Apathie lassen sich nach Ribots Ansicht in den meisten Fallen auf einen Mangel in der Blutbildung und im Aufbau des Körpers zurückführen, die zusammen die An­spannung der Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Gegenstand unmöglich machen könne.Tie Moralisten", so schreibt Ribot wörtlich,die sich in ihren Schriften viel nut der smilyeit beschäftigt haben, sehen in ihr nur einen Mangel, der die Oki eil- schäft schädigt. Sie haben aber die wirklichen Ursachen die,es Mangels übersehen und schreiben ihn deshalb einem Mangel

zugehen.

Taß unsere amtlichen Kreise mit einigem Interesse den Verlauf der marokkanischen Krisis verfolgen, zeigte erst gestern wieder eine halbamtliche Aeußerung derKöln. Zeitung". Es wurde darin hervorgehoben, daß die Fran­zosen mit ihrerHilfe" für Muley Hafid und die eingc- Mossene Stadt Fez recht vorsichtig sein sollen. Tenn die gespannte Lage hat sich ja gerade dadurch entwickelt, daß die Marokkaner sich gegen das drückende Joch der Fremd­herrschaft auflehnen wollen. Rücken die Franzosen tote» Ibcruin militärisch vor, so wird die Verbitterung womög­lich noch größer, und die Gefahr für die dort lebenden Euro- ' päer wächst. Tie Kolonne des Majors Brsmond sucht der bedrängten Hauptstadt, in der wohl bald Hungersnot aus- örecnen wird, näherzukommen, aber sie wird durch Regen­güsse und einen neuen Auf st and eines Volksstammes davon zuruckgehalten. Sv ist jetzt die Aufmerksamkeit auf die iranzchische Truppenableilung in der Schauja-Provinz ge-

richtet, die sich angeblich über Rabat der Hauptstadt nähern soll. Bisher haben die zweifelhaften und oft unglaub­würdigen Berichte vom marokkanischen Kriegsschauplatz sich nur mit unbedeutenden Scharmützeln beschäftigt; es scheint aber, als wenn in der nächsten Zeit Entscheidungen fallen könnten, die für die Zukunft des Landes von größter Wich­tigkeit sind und die vielleicht nicht nur passive Teilnahme der auswärtigen Mächte Hervorrufen werden.

Aufstände überall. In Albanien kämpfen die Türken noch mit den kriegerischen Amauten, in Mexiko haben die Aufständischen, wie es scheint, die Oberhand gewonnen. Präsident Tiaz wird wahrscheinlich sein Amt niederlegen müssen, das er seit 1877 bekleidet. Tie kriegerischen Er­eignisse, die ihn damals an die Spitze führten, nachdem er als General des Präsidenten Juarez die Imperialisten verdrängt hatte, machten einer friedlichen Entwickelung Platz. Das Land der Vulkane, Aufstände und Bürgerkriege mit feiner so verschiedenartig zusammengesetzten Bevöl­kerung wurde kulturell gehoben durch den Ausbau der Eisenbahnen, der bei der ungünstigen Oberflächengestaltung des Landes nicht geringe Schwierigkeiten machte, erhielt regen Handel und Verkehr. Ob jetzt wirklich dieinnere Fäulnis des autvkralisch-lapitalistischen Systems Diaz" auf gebrochen ist, wie dieFrkf. Ztg." sich ausdrückte, oder ob es sich nur um die ehrgeizigen Machenschaften Maderos, des Führers der Aufständischen, handelt, der bei dem Greisenalter des Präsidenten Diaz leichte Arbeit haben mag, muß dahingestellt bleiben Jedenfalls scheinen die Vereinigten Staaten von Nordamerika ihren bis­herigen Schützling Tiaz im Stiche lassen zu wollen, um sich rechtzeitig die für Amerika gängige weitere Entwicklung zu sichern. Bei den großen Kapitalanlagen der Amerikaner in Mexiko ist dies ja nicht unbegreiflich. Wenn jetzt aber Ma- dero seine Troyungen wahr macht und die mexikanischen Städte im Sturm nimmt, so wird die Lage schwieriger, denn die Entschädigungsansprüche der amerikanischen Ein­wohner Mexikos werden vermutlich nicht ausbleiben. Ob bann die alten Zeiten der Bürgerkriege wiederkehren werden, wer mag das heute wissen ?

Team

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Wir leben gegenwärtig ruhiger und stiller als die meisten anderen Völker, die ihre besonderen auswärtigen Sorgen haben. Denken wir nur an unsere französischen Raawarn! Vor welche schwerwiegenden Entscheidungen sind sic angcder verwickelten La^e in Diarokko gestellt, nachdem eben erst ein völliger Regierungswechsel statt- flejunbeu und Herr Eruppi, der Minister des Auswärtigen, sich bemüht hat, die Welt alter Gewohnheit und Erwartung gemäß von der Friedfertigkeit feiner Politik zu überzeugen. Und nun verlangen die französischen Patrioten von ihm, daß er die marokkanische Ernte unter Tach und Fach bringe. Dann brachten die tollen Ausbrüche der Win.^r Herrn Monis, dem neuen Ministerpräsidenten, umso unruhigere Tage, als die Nachklänge zum letzten Ausstand der Eisen bahu-Angestellten noch nicht völlig überwunden sind, und zu allen diesen Sorgen gesellte sich in den letzten Tagen noch die Aufdeckung jener fchamlosen Betrügereien und Fwwindclcicn, die auf die inneren Zustände der Republik nicht gerade ein günstiges Licht werfen. Man begreift es kaum, daß hochgestellte Persönlichkeiten, die sich in der Nolle von Führern der Liga für Menschenrechte gefielen, einen förmlichen Bund zu Betrügereien schließen konnten, wobei es noch eigentümlicher berühren muß, daß diese Betrügereien und Bestechungen auch nur möglich waren durch die zunehmende Eitelkeit und Großmannssucht der Republikaner, die nach Orden und Titeln eine eifrigere Aagb machen, als es in monarchisch regierten Ländern mög­lich ist. Denn es ist doch undenkbar, daß etwa bei uns durch staatliche Würdenträger gefälschte Orden unter die ' teilte gebracht werden, und die faßt unfaßbare Tatsache, i d ü planmäßig und regelmäßig Orden und Titel verliehen wurden, die es überhaupt nicht gibt, erweckt eine für das j stolze und eitle Frankreich tief be)d)äment)e Heiterkeit. Be­amte und Parlamentarier steckten mit im Spiel und machten Dgn Schwindel mit. Daneben bilden die Unterschlagungen im auswärtigen Amt, ebenfalls durch angesehene Leute aus- Sesührt, eine Sache für sich. Dagegen haben wir Deutsche, trotz er beginnenden Sommerszeit, in der gewöhnlich eine oder frie andereSensation" auszutauchen pflegt, eine staubfreie Hahn. Ein kleiner Nachklang zurAffäre Pfeil" hak kaum noch Aussehen gemacht, und cm wenig Bewegung bringen nur die fortgesetzten Tagesgespräche über das Ende des - 8liHfrlll gegenwärtigen Reichstags und den Termin der Neuwahlen, 2*^^ worüber aber so wenig zuverlässiges Neues vorge- *****1 t bracht worden ist, daß es sich kaum lohnt, darauf em-

Deutsches Aeich.

Ein Berliner ^eiegtamm derKoIn ischen Zei­tung" meldet:

Wir traten bereits den falschen Gerüchten entgegen, die von Meinungsverschiedenheiten zwis'Hm dem Reichskanzler und dem Staatssekretärdes Innern an Willenskraft zu, der durch ein zweckmäßiges Erziehungssyslem behoben werden fonntc. Ter Psychologe dagegen hat die Ursachen der Krankheit gesucht und dabei herausgefunden, daß die an geborene Faulheit die also offenbar nicht von der Willens- anfpannung abhängt - einen körperlichen und geistigen Ursprung hat. Bei der wifsensckmftlichen Untersuchung einer Llnzahl von Fällen ausgesprochenerFaulpelze" hat sich in dem ganzen Auf bau ihres Körpers ein Mangel an Spannkraft herausgeüelll: die verzschläge sind schivach, der Blutdruck in den Schlagadern ist niedrig und das Blut fließt langsam. Wegen dieser Mängel wird das Gehirn ungenügend mit Blut versorgt und mackn es dem Kranken wirklich unmöglich, die Aufmerksamkeit zu konzen trieren. Diese Feststellungen finden eine Bestätigung in bei Tatsache, daß zuweilen Menschen mit großer Geistesenergie und großer Körperkast wirklicheAnfälle von Faulheit" erleiden, die sie selbst nicht erklären können. Solche vorübergehendenFaul^ heitsperioden" bei gesunden Menschen erklären sich aus einer Verlangsamung des Blutumlaufes, zuweilen auch daraus, daß infolge von Verdauungsstörungen einzelne Gehirnteile nicht ge­nügend ernährt werden." Ribot hat sein Thema noch weiter verfolgt und glaubt, eine gewisse Aehnlichkeit zwischen hteier krankhaften Faulheit" und der Alterserscheinungen bemertt zu haben. Faulheit, so drückt er sich aus^ ilt gewissermaßen eine vorweggenommene Alterserscheinung. Für das Alter ilt die Atrophie einzelner Gewebe bezeichnend, die der Muskeln und Nerven, während andere sich im Alter besonders ltark entwickeln. Diese Veränderung im Ausbau des Körpers ruft auch Verände­rungen in der Geistestätigkeit hervor; Schwächerwerden des Ge­dächtnisses, hartnäckiges Beibehalten von Gewohnheiten, Ab­neigung gegen neue Gedanken und Hang zur Melancholie, und all dies ähnelt in gewisser Weise der krankhaften Faulheit.

Kurze Nachrichten aus Kumt und Wissen­schaft. Wie der B i s m a r ck - B u n d Franksurt a. M. mitteilt, findet die Ausstellung der besten Entwürfe für das Bismarck National-Tenlmal im Paulinen-Schlößchen zu W i esb a o c n erst vom 1. Juni bis zum 16. Juli und die entscheidende Sitzung des Ausschusses erst Ende Mai statt. - Fn Freiburg Breisgau) ist der frühere Professor der Augenheilkunde, Wilhelm Manz, im Alter von 78 Jahren gestorben. Tas Befinden des Komponisten Gustav Mahler, der in Paris am Typhus erkrankt liegt, gibt zu ernster Besorgnis Anlaß.

Nr. 94 Erster Blatt W. Zahrgang ' Samstag, 22. April M

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SSSr General-Anzeiger für Gberhessen SBSe

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