Ausgabe 
3.8.1911 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

herbeizuführen.

ür die elektrische

b

der Provinz. Ein Chargierter sprach int Namen aller Studenten den Glückwunsch der Studierenden aus.

Tie ganze Feierlichkeit wurde durch musikalische Dar­bietungen aller Art unterbrochen.

Um 5 Nachmittags schloß sich im Konzerthause ein großes Festmahl zu 700 Gedecken an. Der Kronprinz war bereits um 6 Uhr nachmittags nach Valieri in den Seealpen abgereist, wo er als Gast des Königs von Italien an den Steinbockjagdcn teilnimmt.

Landkreis Gietzen.

n. Leihgestern, 2. Aug. In dem Grubenfekb GrenFW Gemarkung Lützellinden fand man beim Bohren mäch­tige Eisen- und Manganerz lager.

X Treis a. d. Lda., 1. August. Gestern nachmittag erlitt der 40jährige Landwirt Heinrich Karl Klein beim Kornabmachen einen Hitzschlag, dem der starke Mann, trotzdem sofort Hilfe zur Stelle war, nach etwa einer Stunde, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, erlag. Auch nn benachbarten Allen darf a. d. Lda. wurde gestern ein älterer Mann auf dem Felde unter den Anzeichen des Hitz. schlageS ohnmächtig; doch gelang eS den Bemühungen des schnell gerufenen ArzteS, ihn wieder ins Leben zurückzurufen, so daß er sich bald wieder erholte. Wie man hört, wird eS jetzt hier in Kürze mit der Erbauung der von der Firma Kunz in Mühlheim a. Nh. dahier geplanten Fabrik feuer- fester Steine Ernst werden. Es geht das Gerücht, der hessische Staat beabsichtige, dieser Firma, die hier bereits zwei Quarzit-Steinbrüche besitzt, das in dec Gemarkung ge­legene große.Quarzitlager im Bommelstein, um daS sich auch andere Firmen bewerben, nur unter der für unseren Ort sehr vorteilhaften Bedingung verpachten zu wollen, daß hier eine Fabrik errichtet wird.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 2. Aug. Rege Tätigkeit herrscht gegenwärtig an unserem neuen Güterbahnhof, der auf die Ostseite des Stadtteils Fauerbach kommt. Die Erdmassen werden acht Meter hoch aufgeschüttet. Am fleißigsten wird in der tunnelartigen Unterführung ge­arbeitet, Die Personen- und Güterbahnhof verbindet und 180 Meter lang und 17 Meter breit ist. Die Unterführung soll bis zum Herbst vollendet sein. Me seitherige kleine Unterführung wird abgebrochen. Auch an der neuen Zu­fuhrstraße (Fritz^Reuter-Straße) tvird tüchtig gearbeitet.

L. Bad-Nauheim, 2. Aug. Im Kettlerheirn ist der Erzbischof von Bamberg, .Ritter v. Ab er t, zur Kur eingetroffen.

Starkenbura und Rheinhessen.

X\5uIhQ' 2- der verflossenen Stacht hat

ich in dem stark zerklüfteten Sandsteingebirge des im Bau begriffenen Tunnels der Umgehungsbahn bei Elm wohl infolge Nachgebens emer Sandschicht ein 78 Meter hoher o und die Verbauung einer auf Holz stehenden .

Zone durchschlagen, so daß der Solstollen voraussichtlich einige Tage gesperrt sein wird. Sämtliche Personen konnten sich vor Eintritt de§ Unfalls rechtzeitig in Sicherheit bringen.

besitzt ferner noch zwei Häuser, auf dem Kirchenplatz und in der Lindengasse. Aus der R e ch n u n g sei hervorgehoben, daß die Beiträge leider wieder zurückgegangen sind. Die meisten Leute wissen nicht recht, welche Bedeutung der Verein hat, der die organisierte Prioatwohltätigkeit vor- stellt. Wer seinen Beitrag gibt, genügt also dieser Pflicht der privaten Wohltätigkeit. Diese Erwägung sollte zur Zahlung viel höherer Beiträge veranlassen. Dte Einnahme aus Beiträgen betrug diesmal nur so viel als die Ausgabe allein für private Unterstützungen! Die Gesamteinnahme war 74 000 Mk., die Ausgabe etwa 300 Mk. weniger. Stadt, Kirche, Sparkasse usw. leisten jährlich einen Beitrag. Zum Schluß 'fand V o r st a n d s w a h l statt,-wobei sämtliche aus- scheideiide Mitglieder wiedergewählt, an Stelle der ver­storbenen Frau Follenius Frau Sanitätsrat Haupt neu gewählt wurde.

** Raub mord in Nieder-Mörlen. Die ^Vor­untersuchung gegen den Chauffeur Wilh. Erbe von Frank­furt a. M, den Schmied Wolf von Nieder-Mörlen sowie gegen dessen Schwester Käthe, die vom Geheimen Justizrat Wehner als Untersuchungsrichter wegen der Bluttat in Nieder-Mörlen geführt wurde, ist beendet und die Akten sind zur Erhebung der Anklage an die Staatsanwaltschaft ausgehändigt. Die Anklage wird gegen die beiden Burschen auf Raubmord und gegen das Mädchen wegen Beihilfe er­hoben werden.

Freibad für Männer. Im städtischen Freibad au der Lahn wurden im Juli ds. Js. 12 800 Bäder gegen 2281 im Juli des Vorjahres genommen. Die höchste Tempe­ratur im Wasser betrug, mittags 12 Uhr gemessen, 22 Grad, während im Jahre 1910 im Juli nur 17 Grad gemessen wurden.

m. O f f e n b a ch, 3. Aug. Infolge von Lohndifferenzen haben über 400 Arbeiter der Schleifmaschinen- und Schmirgelfabrik von Meyer & S d) m i b t ihre Kündigung eingereicht. Die Arbeiter erklären sich bereit, während der vikrzehntägigen Kündigungsfrist zwecks friedlicher Bei­legung der Differenzen mit der Firma in Unterhandlungen zu treten. Die Lohnbe wegung der Spengler und Installateure droht jetzt verschärftere Ernten an- zunehmen, nachdem in einer gutbesuchten Versammlung einstimmig beschlossen wurde, mit den äußersten Mit­teln zu versuchen, eine Regelung der Lohnverhältnisss

Denkmal werden so gefördert, daß man bereits am 18. Juni des kommenden Jahres, am 97. Jahrestage der Schlackst von Waterloo, die feierliche Enthüllung vornehmen wird.

Zur Erforschung der Schlafkrankheit. Aus London wird berichtet: Ein soeben erschienenes Weißbuch gibt Kunde von einem bedeutungsvollen Unternehmen, das das Bri­tische Kolonialanit eingeleitet hat. Die Regierung hat einen Ausschuß eingesetzt, der drei Jahre lang in Afrika Forschungen Über die Beziehungen der afrikanischen Tierwelt jur Verbreitung der Schlafkrankheit vornehmen wird. Die Staatskasse stellt jähr­lich 100 000 Mark zu diesem Zweck zur Verfügung. Dem Aus­schuß gehören hervorragende britische Gelehrte, wie Sir D. Bruce, Bros. Newstead und Dr. Davey Pom Medizinischen Amte in Nyasaland, an.

y Papier aus Nickel eine neue Erfindung Edisons. Aus Petersburg wird dem Pest Ll. Budap. ge­schrieben: Der jüngste Sohn Leo Tolstois, Lev Tolstoi jr., der, jetzt Amerika bereist, hatte Edison einen Besuch abgestattet und wurde von dem berühmten Amerikaner herzlich empfangen. Wie Loo Tolstoi jr. berichtet, hat Edison ihm eine seiner neuen Er- fbtbungen gezeigt, die von großer Bedeutung sein dürfte. Die Erfindung ist die Herstellung von Papier aus Nickel auf elektrischem Wege. Dieses Papier ist unzerstörbar und bietet außerdem die Möglichkeit, die umfangreichsten Manuskripte als dünne Bücher 8rU drucken. So würde man z. B. sämtliche Werke Tolstois auf Nickclpapie» in einem ganz kleinen Band nnterbringen können. Die neue Erfindung soll bereits anfangs nächsten Jahres reali­siert werden. (?) Vielleicht handelt es sich wieder um eine Reklame für Tolstoi.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Aus Brindisi wird gemeldet: Ws dort Bahn- arberter damit beschäftigt inaren, das Erdreich auszugraben, stießen sie plötzlich aus ungeheure unterirdische Gewölbe. Man afoufot, daß sich um die Ueberreste einer alten unterirdischen Totenstadt handelt. Aus dem großen Hörsaale der Unv- verfität in Jena wurde Ernst A b b e s M o s a i k b i l d, ein Ge­schenk des einheimischen .Künstlers Otto Hartung, gestohlen Tas Bild tft aus mehreren Tausend farbigen quadratischen Steinen «tawWesgejeül^

nachmittag gegen 2 Uhr entgleiste ff iti F J f)U?0L ?tcber^ör«M)orf infolge falscher der v-Zug Nr. 47 mit der Loko- sn"f Wagen. To t si n d d e r Loko- mcifterU^Ar'cbe-r Zugführer und der Pack- l? » s r er wurde schwer, eine Rer-

c, ", eunerheblich verletzt. Die Lokomotive und' c wurden vollständigzertrümmert, Wagen sind unerheblich beschädigt. Der Bertchr «HL

Ausland.

In Paris fand am Mittwoch die erste Sitzung des Kon­gresses des nationalen Eisenbahnsyndikats statt. Es kam wegen der Sabotagen zu heftigen (Erörterungen. Einzelne Revolutionäre suchten die Sabotagen zu entschuldigen und wollten verhindern, daß sich der Kongreß mit dieser Angelegenheit be­schäftige. Die gemäßigten Elemente dagegen sprachen in scharfer Weise ihre Entrüstung über die Saboteure aus. Der Kongreß be­handelte auch die Frage des Antimilitarismus. Bidegarray, der Vertreter der Confsderation generale du travail, erklärte, er sei Antimilitarist, aber nicht Vaterlandsfeind. Man müsse die Frei­heit des Vaterlandes im Falle eines feindlichen Einfalles ver­teidigen.

Balfour kündigte im englischenUnterhaus an, daß er am 7. August ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung beantrage wegen des Ratschlags, den die Regierung der Krone betteffs der Ernennung neuer Peers in gewissen Fällen gegeben habe.

?lus Cherbourg wird demMatin" gemeldet: Unter den Mannschaften der To r p e d o boo t s f lv 11 i l l e des Aer- m e l k a n a l s brach eine Meuterei aus, welche in einer feind­seligen Kundgebung gegen einen Schiftsleutnant Ausdruck fand. Nicht bloß die Matrosen, auch die Teckoffiziere und Obermaats erhoben gegen den Leutnant die Beschuldigung, daß er sie übermäßig an strenge und daß er ungerechtfertigte Be­strafungen auferlege.

Tas chinesische Kriegsministerium benachrichtigte den Generalgouverneur von Mulden, daß ab Herbst 1911 in der Mandschurei erstmalig probeweise nach deutschem Mu st er die neue Ordnung der Rekrutenaushebung in Anwendung kommt.

Em schwerer Unfall der V-Fuger Halle-Verlln.

Jüterbog, 2. Aug. Bei Ricder-Görsdorf ind die Lokomotive und der Packmagen des V.ZugS 47 Halle-Berlin entgleist. Der Lokomotivfüh­rer, der Zugführer und der Packmeister sindtot, die Reisenden sind unverletzt.

ung-* ei^aIten folgende amtliche Wel-

Kreis Wetzlar.

st Krofdorf, 2. Aug. Mit der Jnneninstallation für die elektrische Beleuchtung ist bereits der Anfang gemacht. Die von der Stadt Gießen beschäftigten Installateure werden auch dte Einrichtungen für die Beleuchtung in der Bürgermetsteret, dem Rentamt usw. ausführen. Auch die Raume der Burg Gleiberg werden elektrisches Licht erhalten.

Hessen-Nassau.

X. Hanau, 2. Aug. Der Musketier Pabst mann von der 7. Komp, des Jnf.-Regts. Nr. 88 ist seit gestern luchttg, nachdem er die Kompagniekasse um etwa 500 Mk. bestohlen hat.

tiM leuchtendes Beispiel, sich begeistert um die Fahnen ihres Königs scharten. Daß immer Breslaus Studenten von dem gleichen Meiste beseelt sein mögen, ist meine Hoffnung und mein Wunsch.

Drei Universitäten verdanken ihre Entstehung der hochherzigen Entschließung des König Friedrich Wilhelms III., zwei davon, Berlin und Bonn, tragen seinen Namen. Damit das An­denken an ihren Stifter auch bei der Breslauer Universität späteren Generationen stets lebendig bleibe, will ich ihr hiermit gleichfalls feinen Namen verleihen. So soll denn mein Königlicher Tank Und Glückwunsch ins zweite Jahrhundert, geleiten die S ch l e s i s ch e Friedrich Wilhelms-Universität. Unter diesem Ehrennamen bleibe sie, was sie war, zur eigenen Ehre, dem Vaterlande zum Ruhme, der Menschheit zum Fortschritt.

Gegeben Bergen, an Bord M. I.Hohenzollern", den 26. Juli 1911.

Alsbald erhob sich der Rektor, um unter sich immer erneuern­den Jubelrufen der Festgäste dem Kronprinzen in herzlichen Worten den Dank für die Ueberbringung der kaiserlichen Botschaft auszu­sprechen. Er schloß mit einem Hoch auf den König und Kaiser, in das die Versammlung begeistert einstimmte.

Hierauf führte der preußische

Kultusminister Trott zu Solz

aus: Der heutige Tag ist ein Tag des Dankes. Wir danken dem Stifter der Universität König Friedrich Wilhelm III., der von hier aus den Aufruf an sein Volk erließ. Ein Jahrhundert ist seitdem vergangen. Schlesien und Deutschland ist reich und mäch­tig geworden. Reicher Segen ergoß sich von Breslau aus über alle deutschen Lande. Ich glaube der Universität Breslau nichts besseres wünschen zu können, als daß sie den Wegweiser finden möge in eine ruhmvolle Zukunft.

Auch diesem Redner dankte der Rektor unter lebhaftem Beifall der Versammlung.

Es folgte die Begrüßung durch die übrigen preußischen Uni­versitäten, welche

der Rektor der Berliner Universität, .Geheimrat Professor Dr. R u b n e r , überbrachte. Er führte u. a. aus: Die Breslauer Studenten sind auch stets bereit gewesen, mit der Waffe in der Hand das Vaterland fru schützen. Waskommen wird, wissen wir nicht (Bewegung), aber wir entnehmen aus der Vergangenheit das Vertrauen auf unsere Zukunft. (Leb­hafter Beifall.) Möge die Breslauer Universität stets ein leuch­tendes Gestirn an dem Himmel der Wissenschaft sein. (Lebhafter, großer Beifall.)

Es sprach bann noch der Vertreter der Heidel bergen Universität, Prorektor Geh. Rat Prof. Dr. v. D u h n, namens der außerpreußische n Universitäten und die Ber- treter der verschiedenen ausländischen Universitäten und Aka­demien, letztere meist in ihrer Landessprache. Auch

der Vertreter Frankreichs

Prof. Charles Nadler von der Sorbonne führte zunächst in französischer Sprache aus, daß Frankreichs Geisteswelt und Wissen­schaft die Jubelfeier der Universität Breslau mit den aufrichtigsten Wünschen für eine blühende Zukunft begleite, schloß bann aber feine Ansprache mit folgenbern Satz in deutscher Sprache:Deut­sche und Franzosen, gleich im politischen Kampf, können nicht 'mehr als Kämpfer vorgestellt werden!" (Stürmischer anhaltender Beifall, an dem sich auch der.Kronprinz lebhaft beteiligte.)

Es erfolgte die Ueberbringung der Glückwünsche der deutschen technischen Hochschulen sowie der Akademien und der wissenschaftlichen Institute des Reiches und des Auslandes, für die der Rektor ebenfalls namens der Universität Dank sagte.

Nunmehr betrat

Kardinal von Kopp

hinter allgemeiner Spannung den Katheder, um folgendes auszu­führen: Ein Brennpunkt des ehrlichen Sttebens nach der höchsten Wahrheit, das war die Aufgabe, welche im Jahre 1812 bas neue Gebilde der Breslauer Hochschule übernahm. Das war auch die Aufgabe, die die Provinz Schlesien erwartete, wenn auch die Wissenschaft gyviß nicht eine provinzielle ist. Die höchsten Stellen der Bildung sind zugleich auch die Stätten unentwegten Strebens nach der höchsten Wahrheit. Je höher aber der Mensch über die Niederungen des Alltagslebens hinausklimmt, desto ungefesselter ist er selbst von den Banden der Umwelt. Ernste Arbeit, efjrlidye Uebergeugung, sachliche Wertung, hingehende Pflichttreue, gegen» fettige Achtung, weitherzige Duldsamkeit, muß das Grundprinzip der Universität sein. (Allseitiger Beifall.) Ich habe nur auf die katholisch-theologische Fakultät hinzuweisen. Sie steht als ebenbürtiges Glied da. Allen politischen Strömungen zum Trotz hat sie ihre Aufgabe hochgehälten und ist dem konfessionellem Frieden nie hinderlich gewesen. So wird sie umgeben von der Verehrung der Katholiken. Welche Fülle von dankbaren Aeuße- fcungen bringt die heutige Jubelseier! Möge die Stadt Breslau noch recht viel Freude an ihrer Universität erleben! (Lebhafter

Verfall.)

Hierauf nahm das Wort

GeneralsuperintendentNottebohm,

welcher ausführte:Im Namen der evangelischen Kirche Schlesiens habe ich der Universität Breslau die herzlichsten Glückwünsche dac- Subringen. Die Gründung der Universität im Jahre 1811 war für die evangelische Kirck>e Schlesiens von hervorragender Be­deutung. Sie sollte ja die langersehnte notivenbige evangelisch- theologische Fakultät bringen. Taß hier in Breslau nebenetnanb-en eine evangelische und eine katholische Fakultät errichtet würbe, iftjbon eminenter Bedeutung für beide Konfessionen gewesen. Den größten Dienst hat die Universität unserer Kirche erwiesen, und «erweist ihn itoch, indem sie unsere Eünftigen Geistlichen in den Dienst der Gemeinschaft stellt.

Es sprachen noch der Oberpräsident von Schlesien, Dr. von Günther, Oberbürgermeister Dr. Bender, die Abordnungen

Aus Stafct und Land.

Gießen, 3. August 1911.

** Die Universität läßt der Darrnst. Ztg. nach­stehende, von dem Gesamtsenat einstimmig beschlossene Er­klärung zu Gunsten des humanistischen Gym­nasiums zur Veröffentlichung zugehen: Im .Hinblick auf neuerdings wieder hervortretende Bestrebungen, den griechi­schen Unterricht an humanistischen Gymnasien preiszugeben, oder erheblich einzuschränken, erklären toir, daß wir ein solches Vorgehen mit der Preisgabe des humanistischen Gymnasiums überhaupt gleichfetzen müßten So fern es uns auch liegt, die Gleichberechtigung des Realgymnasiums und der Oberrealschule mit dem Gymnasium antasten zu wollen, so müssen wir doch dem humanistischen Gymnasium als Vorbereitung auf die gesamten Universitätsstudien nach wie vor eine besondere Bedeutung beimessen, und erkennen daher in einer ernstlichen Schädigung dieser Schule zugleich eine schwere Gefahr für unsere eigenen Aufgaben. Dies gilt besonders für alle die weiten und wichtigen (Gebiete, für die eine gründliche Einsicht in däs Wesen und die Zu­sammenhänge geschichtlichen Werdens Grundlage und Vor­aussetzung bildet. Mir erachten es deshalb für unsere Pflicht, gegen jene schädlichen Bestrebungen so frühzeitig und nachdrücklich wie möglich Verwahrung einzulegen. Wir legen außerdem Verwahrung dagegen ein, daß die Schule für Schädigungen unserer Jugend haftbar gemacht werden soll, die wir nur als allgemeine Folgen der mo- »ernen Lebensgestaltung ansehen können, und wir erklären, raß uns gerade im Hinblick auf den Kampf gegen diese schäd­lichen Folgen jedes weitere Zurückweichen in den Anforde­rungen der Schule gefährlich erscheint.

** Der Allgemeine Verein für Armen- und Krankenpflege hielt gestern im Schwesternhaus seine Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende Kirchcnrat D. Schlosser erstattete den Jahresbericht, der ein anschauliches Bild gab von der ausgedehnten und segens­reichen Arbeit des Vereins, der neben der kirchlichen und tädtischen Armenpflege seine besonderen nötigen Aufgaben jat. Unterstützt wurden 122 Personen mit Suppe, Milch, Kohlen; mit barem Geld nur in besonderen Fällen. Vielen Kindern wurde Aufnahme in die Kleinkinderschule oder in >as Säuglingsheim, vielen Armen Hauspflege oder Kur bewttligt. Die Schwestern pflegten außerhalb in 620 Fa­milien, rm Schwesternhaus lagen 527 Kranke. Stark in Anspruch genommen Ivar die Krippe, in der eine Anzahl junger Damen. mithalf. Dagegen war die Wagenpflege, wie der Vorsitzende sich ausdrückte, einVeilchen, das im Verborgenen blüht", bei der cs noch nicht zu einem Zu­sammenhalt und Fortschritt gekommen ist. Der Verein

Dar Mittelmeer seinen Anwohnern!

Der Präsident des österreichischen Abge­ordnetenhauses, Dr. Sylvester, hielt am Diens­tag abend in einem politischen Verein in Salzburg eine Rede, in der er u. a. sagte:

Wir stehen in Deutsch-Oe st erreich unter dem Einfluß des genialen W erkes Bismarcks, wir können uns wieder entwickeln in Europa, Bismarck machte Europa wieder zu einem Weltteil, indem er den Dreibund geschaffen hat. Ich war immer Anhänger dieses genialen Werkes und werde immer diesen Ge­danken Bismarcks in Oesterreich verrieten. Wir wollen heute den Blick noch erweitern, wir wollen auch eine Harmonie unter den Mittelmeermächten herbeiführen. Ich präge vielleicht das erstemal diesen Gedanken, der möglicherweise in einem Lande, das dem deutschen Volke nicht gut gesinnt ist, un­angenehm ausgenommen wird. Dieser Gedanke faßt sich zusammen in den Satz: Das Mittelmeer seinen Anwohnern! Dies richtet sich insbesondere gegen eine- Macht, die die Hände in allen Dingen der Welt hat und die das germanische Deutschtum zurückdrängen will. Wir lassen uns das nicht bieten. Wir gehen da Hand in Hand mit den Italienern unb Franzosen. Wenn wir Einigkeit unter den Mittelmeermächten herbeiführen, so wird dieser Macht geschlossen gegenüber getreten werden.

Inzwischen ist imFigaro" wieder ein neues Gerücht aufgetaucht, wobei es heißt, es fei u. a. auch die Abtre­tung von Tahiti an Deutschland von der Berliner Diplomatie ins Auge gefaßt worben, da bas Deutsche Reich nach einer neuen Flotte in den australischen Gewässern Ver­langen trage. In Berlin hüllt man sich nach wie vor in Schweigen.

Deutsches Heid).

Die Vereinigten El bschiffahrtsaesell schäften geben bekannt, daß sie und die ihnen angeglieberten Unternehm­ungen den Schiffahrtsberiieb wegen des außerordentlich niedrigen Elbwasserstandes vollständig einftcUen müssen.

Im WahlkreiseSiegen-Wittgenstein-Bieben- kop s hat eine Verriauensmännerversammlung der Fortschrittlichen Volkspartei den Mittelschullehrer unb Stadtv. Korfs aus Frank­furt a. M. als Kandidaten für die nächste Reichstagswahl' aufgestellt. Herr Korff hat die Kandidatur angenommen.