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Jahrgang
Erscheiul tS-ttch mit Aufnahme beS SsnnlagS.
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Die „Gietzener Famiüeublätter" werden dem .Anzeiger^ eiennal wöchenltich beigelegt, das „Xrelsblatt für den Kreis Ziehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Leit- fragen" erscheinen monatlich zwermal.
Redakrion, Expeditioir und $ ruderet: 64 ul* stratze 7. Expedition und Äerlag: e=<S 61* Redaktion: 112. Tel.-Adr.. AnzetgerVioben.
An- Stadt und Land.
Gießen, 21. April 1911.
"Veränderungen im hessischen Gendarmerie- ivesen. Die seit längerer Zeit angestrebte Vereinfachltng bei der hessischen Gendarmerie hat nun m einer vom Ministerium angeordneten Neuorganisation Ausdruck erhalten. Die bisherigen Distrikte Starkenburg, Rheinhessen nnd Oberhessen und damit die Kommandeurstcllen fallen weg, während die Stelle eines zweiten Offiziers bei dem UorpSkommando neu geschaffen wurde, deren Inhaber den Korpskommandeur in seinen Dienstobliegenheiten unterstützt nnd ihn im Verhinderungsfälle zu vertreten hat. Da der Distriktskommandeur für Rheinhessen Major v. Zahn in den Ruhestand getreten ist, wurde der DistriktSkommandettr Oberstleutnant Schmidt, seither in Gießen, wie wir meldeten, zum zweiten Offizier bei dem Gendarmeriekommando in Darmstadt ernannt. Auch bei der inneren Einteilung der Gendarmerie I stehen noch Vereinfachungen bevor.
'tfjaffung neuer Stationen und Haltestellen, Bahnhofsum- anten und bergt, für die Linie Gießen—Frankfurt getan at. Diese Fürsorge reicht bis in die allerjüngste Gegenwart in ein. Man denke nur an die Bahnhofs neubauten in ießen, Friedberg, Nauheim, Vilbel usw An den Kosten ?rfür partizipierte Hessen nur zu einem bescheidenen Teil, mlich insofern, als hessische Haupt- und Nebenbahnen !'. die vergrößerte Bahnhöfe einmündeten Noch im letzten üsischen Budget findet sich ein Posten, der zum Nach- nken Anlaß geben könnte. Für den Bahnhofsumbau Fried rg sind rund sieben Millionen Mark erforderlich. Hie , 'n entfallen auf Hessen 9,4 Prozent = 653000 Mo i 7iefe Beteiligung an den Baukosten ist berechnet nach d ;
hsenzahl, die für die hessischen Linien, die den Bahn! /ciebberg berühren, in Frage kommen. Wären die hessisck ■iebenbahnen Friedberg—Hungen und Friebberg—NG • d?t gebaut worden, so hätte Preußen den Friedberg Brhnhos ganz allein umbauen müssen. Aehnlich war
•i den kostspieligen Bahnhofserweiterungen und Umbau> Gießen Man unterziehe sich einmal der Mühe, .'mmenzurcchnen, was Preußen in den letzten bni. rohren für die besonders kostspielige Strecke Gießen—Fra- ntt, die früher hessisch war, ausgeben mußte, um sich ^gegenwärtigen, wie sich Hessen finanziell gestellt fiät wenn c* diese Bahnlinie behalten hätte. yZebcnbci beme'' :ft es auch ganz schief, zu verlangen, daß das Großher.u um Hessen nach seiner Einwohnerzahl an den Eisenbahn cherschiisseu partizipieren müsse, denn ein volkreicher j . eoohlhabender Teil des Südens von Oberhessen ist dur. eine sehr bedeutsame Bahnlinie, die preußisch ,ist, durcl schnitten.
Am wenigsten Veranlassung für hessische Beschwerde gibt die Uebernahme der Oberhessischen Eisenbahn. Gießen—Fulda und Gießen—Gelnhausen. Bei diesem Stüä des GemeinschastSvertrags mußte Hessen heilfroh fein, gar? unrcntabele und schlecht gebaute Linien in ein großes c: heitlich verwaltetes Netz einverleibt zu sehen.
Im Schluß kritisiert Prof. Dr. Siermer nochmals den Gemeinschaftsvertrag, woraus wir folgende Stellen cn. nehmen:
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M. ^75 M. 2.20 M. L6 M-110 M. 1.11)
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namhafte Reste auf. Nur dadurch, daß Preußen für den hessischen Anteil der Main-Weser Bahn beinahe 4i/3 Mill. Mark mehr bezahlte, als sie Hessen gekostet hatte, war die große Schuldentilgungsattion des Jahres 1880 möglich.
Die Mai n-W eser-B ahn (Frankfurt—Gießen—Cassel), so fährt Prof. Biermer an einer anderen Stelle fort, bte von 1849 bis 1880 im Mitbesitze Hessens, seit 1866 aber unter preußischer Verwaltung war, war ursprünglich ebenfalls eine recht rentable Bahn. Wenigstens war das in den sechziger Jahren der Fall. ES schwankte die Rente zwischen 6,2 und 7,2 Prozent. In den siebziger Jahren stiegen zwar die Einnahmen zeitweilig noch erheblich weiter, aber noch stärker vermehrten sich die Ausgaben, so daß die Rente auf ungefähr 4 Prozent durchschnittlich zurückging. Grooß spricht von einer „unglaublichen Vermehrung der Ausgaben" und behauptet, daß das u. a. mit teueren und großartigen Versuchen mit verschiedenen Oberbausystemen, die auf der Main-Wes er-Bahn gemacht worden sind, zusammenhänge. Ich bin leider nicht in der Lage, den Sachverhalt klar- stelleu zu können. Ich kann mir aber nicht gut denken, daß Preußen wirtlich nur aus Schikane Luxusausgaben sich geleistet hätte. Dagegen steht fest, daß Preußen pen Fahrdienst und das Fahrmaterial ganz erheblich verbessert hat, wie das ja auch später bei Verstaatlichung der Ludwigs bahn der Fall war Außerdem bricht ja in den siebziger Jahren die schnüre deutsche Wirtschaftskrisis aus, die überall die Eisenbahnrente geschmälert hat.
Gerade von oberhessischen Abgeordneten ist anerkennend hervorgehoben worden, was Preußen auch nach der Uebernahme des hessischen Anteils der Main-Weser-Bahn durch
wurde das UeberfHegen des brennenden Bergwaldes durch den Ballon mit Interesse beobachtet. Wie eine silbemq Kugel schwebte der Ballon in majestätischem Fluge über das knisternde und sprühende Funkenmeer.
— 3nm Thema Kaufmannsdeutsch Ein Leser schreibt der „Welt des Kaufmanns": Ein .Hamburger Lehrling bekam von seinem Lehrherrn immer tadelnde Worte zu hören- wegen gewisser Briese, die er gelegentlich bei Tofumentfenbtmgert an die Hanken zu schreiben pflegte. Schließlich riß dem Principal die Geduld, da er immer nrieber dasselbe vorgesetzt bekam, und er redete dem jungen Mann ins Gewissen: „Schreiben Sii doch mal einen vernünftigen Bries, bei Ihrer Abituricntenbildunh sollten Sie doch eine so einfache Sache fertig bringen." Der Lehrling war boshaften Charakters und schrieb einen Brief — der dann für gut befunden wurde und noch heute als Musterbriei gilt. „Sehen Sie, wenn man nur will." sagte der Chef. Des Lehrlings erster, für schlecht befundener Brief:
Wir übergeben Jlnren einliegend erste nnd zweite Ausfertigung unseres Wechsels Nr. . Mr gefl Einziehung, indem wir die ar Verladung gehörigen Dokumente . . . beifügen Gleichzeitig verweisen nur <sie auf den angehefteten. 3ettel Gr eifach-, nach dem Sie Ihr Verhalten einrichten wolleu.
Des Lehrlings zwester, für gut befundener Brief:
In der Falte dieses behändigen wir Ihnen unsere Tratte la und Ila? Nr . und bitten Sie, das Inkasso derselben, gefl übernehmen zu wollen. Glerchfalls bcigeschlosien erhallen sie d'.e zur Verschiffung geh. Dokumente und bitten wir Sie, dieselben nur gegen Akzept unserer Abgabe dem Kunden auszv- händigen. Zu Ihrer Richtschnur rügen wir Avis in triplo bei, nach welchem rorr Sie ersuchen, sich beim Inkasso richten M wollen. W
— Kurze Nachrichten aus Kunst im stssen»* schäft. Die erste OedipuK-Aninrhrung des Deirtp&En Theaters in Frankfurt a. M. unter Leitung Mar rdts findet be» stimmt am Mittwoch, 17. Maa d. Js., im Alb Schuimmu-T Heater statt. Es sind im ganzen drei Ausführungen geplant. Dte beiden Wiederholungen find am 18. und 19. Mrn.' Der Verband der französischen Musiker erhob Ei n s p c u cd dagegen, daß an dem Sarah Bernhard- Tlreater yi 'Varis für die nächsten russischen Lvern durchweg stalienisch: Musiker augeroorben wurde». Es heißt, daß der ttaltennische Botschaften die ttauenischerc Mutzker v er anlas fcn wolle, auf das Engagement zu »erachten.
Aunst, wrs-cnschaft nnd Leben.
Schönherr und die Handel-Mazzetti. Im Anschluß an einen Vortrag des Literaturhistorikers P. Erpcditus Schmidt und einen Aufsatz in der Augsburger Postzeitung wird der Dw'ter von „Glaube und Heimat" in vielen neritaten Zet- ttrugen offen des Plagiats beschuldigt, weil in seinem Stücke Anklänge an einzelne Stellen in dein Romane der katholischen Dick>- tcrin 5>ande!-Maz^Qti zu fiubcu sind. Der Vorwurf i|t itatätlich töricht und unhaltbar. Der Dichter selbst äußert sich darüber, da Frau Handel-Mazzetti selbst leider von „abgeschrtebenen Stullen" spricht, folgendermaßen in einer Zuschrift an das Berliner Tageblatt: „Ich stabe „Glaube und Heimat" geschrieben; Frau Baronin Handel-Mazzetti zwei Liebesromane aus der Zeit der Gegenreformation. Wir haben beide die einschlägigen^ quellen studiert, kennen auch nwstl Raupack^ „(Äwngelisches Oesterreich", Arnold Lüsches Perstörsakten in großer Zahl; die Bibel nicht ;u vergessett. Wie leicht kann man sich da bei dem engbegrenztcn Stoffgebiet in den Quellen begegnen: ins lebendige Trielnoerk tu ein er Menschen und in das Radstaus meiner dramatischen Hattd- Imtg hat mir Teilte Baronin Handel-Mazzetti geguckt! Ick habe ein hartes, simples Drama geschrieben, in dem kein Wort von Liebe tönt: Baronin Handel-Mazzetti hat zwei Romane ge- schrieben, die von Liebe mit stärkstem hnsterischen Einschlag förmlich übertriefen. Ein Weib! Zwischen unserer gegenseitigen Prob lemstellung, Art, Berknüvfung, Ziel und Handlung, liegt eine Welt, die' zwischen Mann tmd Weib. Seit acht Monaten lieg« mein Buch „Glaube und Heimat" jedermann zugänglich im Handel nur, wurde ungezählte Male besprochen: Frau Baronin Handcl- Mazz-etti hat ivährcnd dieser langen Zeit nie einen inneren Trieb vcrichin, mir etwas zu sag ein So habe ich ihr ivohl auch nichts genommen. Ta idir eit man schon; da wehrt man sich beizeiten. Fran Baronin, hätten Sie dock schon viel früher einmal an mich einen sehr lauten Brief geschrieben, anstatt jetzt hinter meinem Rücken her an Pater (^pedittis Schmidt zu schreiben? Pater Liebe von der Llugsburger Postzaitnng hat auch schon auf mich geschossen. ?Lber er soll noch ein halbes Hundert ähnliche Worte und Sätzchen und Bildch?n ans Handel-Mazzettis Roman und aus „Glaube nnd Heimat" heransgraben, aus Saft und Erde lieben und sie nebeneinander legen wie tote SarkEllen: Aus „Glaube und Heimat" wird immer nur allein der Schönherr und niemals die Frau Baronin Handel-Maz-etti gucken. Der ganze
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für vberheffen
Wendungen würden durch eine Werterhöhung des Anlagekapitals wettgemacht Die drückenden Neuinoestrerrtng«« zugunsten der vorhandenen Bahnen dienen in erster Linie der Werterhaltung, mögen nebenbei auch einen gewissen wertsteigernden Charakter haben, aber sie können nicht! wie die für den Erwerb und Neubau von Bahnert verwandten Kapitalien schlechthin als „werbende Anlagen" angesprochen werden In dieser Beziehung ist eine Remedur des Gemeinschaftsvertrags recht und billig und wird wahrscheinlich #u einer Entlastung der hessischen &taat8* ' se führen.
Ein zweiter Fehler des Vertrags vom Jahre 1896 seine Unkündbarleit Ich verstehe nicht, wie sich Hessen nt eine solche Fessel hat einlassen können. Ich würde rich gar nicht wundern, wenn ein spitzfindiger Formale rist käme und sich den Scherz leistäe, diesen ewigen .rtrag als „gegen die guten Sitten verstoßend" an^u- 'stten. Ewige Verträge macht man nicht. Sie erwecken dem schwächeren Teile das Gefühl der Hilflosigkeit, id dieses Empfinden ist allemal die Quelle dauernden nbehagens. Es wäre durchaus denkbar, daß man den ..enbahnvertrag auf Zeit abgeschlossen hätte, wie das bet- ielsweise bei Handelsverträgen der Fall ist. Ich gebe ibftredend zu, daß dieser Vergleich hinkt; denn Handels- rträge, wenn sie nicht erneuert werden, bebürfeu keinen nständlichen Liquidation gegenseitiger Vermögensrechte, jei wäre es wirklich ein Unglück, wenn alle zehn oben nfzehn Jahre eine Revision des Eisenbahnvertrags vorsehen wäre? Ich glaube nicht. Wahrscheinlich bTiebte 1 .- ja in der Hauptsache beim alten. Mer in Hessen hätte .an wenigstens oas Gefühl, mitsprechen und die Sicherei t, Beschwerden verbringen zu dürfen.
Es gäbe freilich ein probates Radikalmittel, das das roßherzoatum Hessen mit einem Schlage seiner schweren chuldentilgungssorgen enthöbe. Das wäre der Verkauf t hessischen Bahnen an den preußischen Staat. Ich weiß, iß ich mit einem solchen Vorschlag meinen Mitbürgers
Gemütsruhe raube. Man wird mir vorwerfen, daß rx) Hessen ein wichtiges Hoheitsrecht nehmen wolle. Wer ateses Eisenbahnhohettsrecht ist ja doch nur ein papiernes. >3er es ernst und gut mit dem hessischen Staat und seinem ..inanzen meint, wird einsehen müssen, daß die Frage ?er Tilgung der Eisenbahnschuld das bren- > 2 n b ft c Problem ber Gegenwart ist, übrigens pufft nur in Hessen, fonbern auch in anberen Staaten Preußen ist ber anerkannte Meister in ber Tilgungspolitik. Würbe, ?5 heute ben ganzen hessischen Eisenbahnbesitz übemeh- meu unb bamit auch die ganze Gisenbahnschulb, so würde bas Hessenlanb bic schwerste Sorge, bie auf ihm lastet^ los werben. Ich will aber biesen Reformgebanken lieber nicht weiter ausspinnen, benn er wird ja in absehbares Zeit doch nicht akzeptiert werben.
Besonders wichtig ist eine Bestimmung des Gemein schaftsvertrags über bie Aufwenbungen für solche Ergün rungsanlagen (Ban zweiter unb anderer Gleise, Umbar von Bahnhöfen und bergt), beren Verrechnung nach preuß' scheu Verwallltngsgrunbsätzen nicht zu Lasten bes Betriebetats zu erfolgen 'hat. Nach preußischer Ufancc finb bas Aufwenbungen über 100 000 Mark. Alles, was darüber hinausgeht, trägt der einzelne Staat für die von ihm in bic Gemeinschaft gebrachten Linien; bei Hessen auch für bie Main-Neckar-Bahn. Jnbessen wird für diese Sonder < aufwenbungen eine Zinsvergütung von 3 Prozent den Tei lungsziffern zugerechnet. Wie die Erfahrung lehrt, handell es sich hier um sehr erhebliche Summen, die bic Eisenbahn- schulb hat mächtig anfchwellen lassen. Solange ber An- lcihezinsfuß nur wenig über 3 Prozent ftanb, würben indessen bic Ausgaben bank biefer Bcrechnungsmethode nicht nur ausgeglichen, fonbern überbeckt. Denn wenn ber Bc triebsüberschuß bes gesamten Gemeinschaftsnetzes vier und mehr Prozent betrug, machte der hessische Staat sogar ein gutes Geschäft, em Punkt, ben man im Groo ß scheu Lager eigentümlicherweise vollständig übersehen zu haben scheint. Trotzdem halte ich die fraglichen Vertragsbestimmungen für anfechtbar. Es läßt sich nachweisen, daß die Geleisevermehrungen, Erweiterungen und Umbauten der Güterbahnhöfe nur zu einem kleinen Teil für den Lokal- verkchr, zum größten Teil aber für den Transitverkehr notwendig werden. Aufwendungen dieser Art müßte aber billigerweife ber Betriebsetat tragen.
2Bemr es wirklich finanztechnisch nicht burchzuführen ist, ben lokalen unb ben Gemeinfchaftsnutzen abzufchätzen unb für bic Kostenaufbringung grunbfätzlich verschieben zu behandeln, so sollte man wenigstens versuchen, den Minimalbetrag von 100 000 Mk. erheblich zu erhöhen, zumal es zweifellos unrichtig ist, zu behaupten, diese Auf-!
Wurf ist mein, unb icber Stein, von mir gehauen und gefügt, trägt meine Marke. Ich habe mein Werk, darin ich über Glaubensstreit igleik en hinweg um Menschenliebe warb, an der großen Heerstraße' erbaut. Jeder, der vorüberkommt, halte es, wie er mag: Er grüße es, bespeie es ober werfe nach ihm einen Stein — ich sage Amen zu allem!"
,— EinBallonübereinemWalbbranb. Dian schreibt der Frkft. Ztg. aus ber Pfalz: In eine eigenartige unb nicht ungefährliche Lage kam am Ostermontag ber Ballon „Saarbrücken" der Sektion „Saar-Mosel" bes Nieberrheinischen Vereins für Luftschiffahrt, ber mittags i/212 Uhr in Pirmasens zu seiner zweiten Fahrt aufgeftiegen war. Dieser Ballon ber erst jüngst in Saarbrücken getauft wurde, ist der Ersatz für ben Ballon „Saar", dessen unglückliche Fahrt über die Nordsee noch in trauriger Erinnerung ist. Der Ballon überflog bei prachtvollem, sonnigen Wetter das ganze Pfülzerwaldgebiet und gelangte gegen 12 Uhr mittags in bie Nähe von N e u- ftabt a. b. Haardt, wo das Haarbtgebirge zitr oberrheinischen Tiefebene abfällt. In diesem Ranbgebirge wütete 'seit dem frül)eii Vormittag ein großer Waldbrand, ber über 150 Morgen Kiefernwald ber Gemeinbe Hambach vernichtete und erst gegen 1 Uhr nachmittags gelöscht werben konnte. Der Ballon näherte sich dem Waldbranbgebiet in west-nordöstlicher Richtung in einer Höhe von etwa 1500 Metern unb befand sich bald über demselben Von dem Ballon aus gesehen schien ber Waldbranb zu beiben Seiten einer großen Straße zu wüten: bie brenn enbe Wald fläche bot einen schaurig-ßchöneii Anblick. Da dem Ballon durch die h o ch in die Luft geschleuderten Funken Gefahr drohte, indem bie mit 1600 Kubikmeter Gas gefüllte llugel hätte anbrennen und explobicren fönnen, so ging der BallPrführer, Oberleurnairt Seeb (Zweibrückeni, von 2020 Meter Höbe auf 2200 Meter hinauf, so baß ber Ballon ben Waldbrand ungefährdet überflog. Ter Ballon gelangte in 2300 Meter Höhe über bic Rheinebene, um seine Fahrt über Heidelberg ins Neckartal fortzusetzen. Bon den zahlreichen Touristen, die am Waldbranbgebiet toeüten,
Professor Dr. Biermer über die preutzisch-hessisc c Lisenbahngemeinschast in
Auf bie Geschichte des hessischen Eisenbahnwesens wirj Prof. Dr. Biermer einen sehr interessanten Rückblick. W entnehmen seinen Darstellungen eine Stelle über bie frühe Tilgungspolitik:
Interessant war bic hessisck)e Tilgungspolitik ber Mai Neckar-Bahn gegenüber. Sck)on im Jahre 1847 bcgai 1 man mit ber Tilgung Bis anfangs ber sechzcher^ Jahr ■ wurde 1/2 Prozent getilgt, von da an hat man bie Tilgv erheblich verstärkt. Wenn Eisenbahnbirektor Grooß ab mit großer Genugtuung konstatiert, baß Hessen in . Lage gewesen sei, bis rur Eisenbahngemeinschaft bic Mai Neckai Bahnschulb vollstänbig zu amortisieren, so hätte nicht unerwähnt lassen bürfeu, aus welchen Mitteln bc: die Resttilgung erfolgt ist. 1879 nämlich ftanb bic Schi noch mit 31/3 Millionen Mark zu Buche. Im Jahre ban erfolgte halb ber Verkauf des h cf fischen Anteils ber Ma Weser-Bahn an Preußen. Für biesen hessischen Besitz war. Anleihen im Betrage von 12,8 Millionen Mark nottoci: big geworden Mehr als die Hälfte davon war aber lu reils von Hessen getilgt. Preußen bezahlte für den beffi scken Anteil 17i/i Millionen Mark. Der Verkäufer halle also über 11 Millionen Mart für andere Tilgungszweck verfügbar, und so kam cs, daß Hessen den Rest der Main Neckar Bahnschuld zurückbezahlcn konnte. Es blieben bain noch 6,8 Millionen Mark der Anleihen von 1846 für ou Bahnlinie Hanau—Offenbach unb die drei Main-West Bahnanleihen von 1846, 1849 und 1850 zur Tilgung übrig Die Ludwigsbahnanleihe von 1853, die ursprünglich 1,2 Millionen Gulden betrug, und bic noch mit 323 000 Mi w Buche ftanb, kam ebenfalls zur Rückzahlung, unb schließ lief) war cs auch noch nwglich, bic Anleihe für bie Ober- hessischen Eisenbahnen von 1879, bic runb 39 Millionen Mark betrug, unb bie noch gar nicht getilgt war, um 7,4 Millionen Mark zu kürzen. Richtig ist cs also, baß bas Großhcrzogfum Hessen früher eine sehr vernünftige und reichliche Schuldentilgung befolgt hat. Nicht richtig ist
. es dagegen, wenn es so dargestellt wird, als wäre diese
Tilgungspolitik in ihrem Abschluß^im Jahre 1880 nur ans eigener .graft möglich gewesen. Sowohl die Main-Neckar- Bahnschuld als die Main-Weser-Bahnschuld wiesen noch
S.S-.I


