Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Berlag: edgi^ 51. Redaktion:112. Tel.-Abr.:AnzeigerDießen.
formen der Hüte mit gewaltigen Krempen und der krempenlosen, fast nur aus einer Krone bestehenden Hüte zurückführcn. Da die breitkrempigen Hüte von Haus aus die kleidsameren sind, so macht die Kronenpartei außerordentliche Anstrengungen, um sich die Gunst der Damenwelt zu erobern, und die jüngsten Modelle der krempcnloscu Hüte sind so verwegen, daß man sie beinahe als einen Aprilscherz ansehen möchte. Da sieht man einen Hut, der röhrenförmig weit nach lstnten überfällt und durch eine reiche Federgarnitur noch ferner verlängert wird. Ein anderer erinnert an einen Feuerwehrhelm, ein dritter, aus dem zwei große Ohren hervorwachsen, an die alte Narrenkappe. In engem Zusammenhänge mit dieser Hutfrage iteht die fortschreitende Umgestaltung der Haartracht. Jene häßliche Negerfrisur, bei der das Haar in gewaltigen Wülsten über die Stirn hinausgelegt wurde, ist in der Versenkung versclyounden. Flache Frisuren behaupten den Kampsplatz: allerdings zeigt sich bereits eine Neigung, sie kegelförmig über den tfinterfopf hinaus zu vergrößern. Bemerkenswert ist die Häufigkeit moderner Lockenfrisuren. Ter ganze Kopf wird mit Ringellocken bedeckt — es wird wohl nicht mehr lange dauern, so wird die gute alte Dapillote in ihre alte Herrschaft triumphierend zurückkehren. A F
Mittwoch, 19. April 19U
Rotationsdruck und Berlag der Brühlfchen Universität- - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
8. Deutscher hilssschulkag.
S.u. H. Lübeck, 18. April 1911
Unter zahlreicher Beteiligung lourde heute morgen der a ch t e Verbandstag der Hilfsschulen Deutschlands mit der Eröffnung einer Ausstellung von Erzeugnissen des Werk- unterrichts eingeleitet. Im Anschluß an die Eröffnung der Ausstellung fand eine Sitzung des Ausschuss'es für Lehr- und Lernmittel statt, die sich mit den Iugendschriften und Hilfsmitteln für Schutzzöglinge, mit dem Mias der Hilfsschule ufto. bescksti'tigte. — Tann stand zur Beratung „Tie Selbständigkeit der Hilss- schulen". Bei der Behandlung der ,,Pflichtstunden.;ahl der Hilfsschullehrer" einigte man sich aut folgende von Zieting iPan- toro) vorgeschlagenen Leitsätze: 1. Bezüglich der Pflicht stunden- zahl der an Hilfssckiulen und in Hilfsschulklassen tätigen Lehrpersonen ist eine weitgehende Verschiedenheit festzu stell en. Dieselbe zu beseitigen, muß Ausgabe des Verbandes sein. 2. Solange nicht ein Hilfsscknllgesetz besteht, ist eine Regelung dieser Frage durch Verfügungen der Landes schul behörden anzustreben. 3. Für
R. B. Darmstadter Theaterbrief. Am 2. Oster- feiertag erlebte Humperdincks neue Märchensage Die Königskinder" eine glänzende Erstaufführung am Tarm- itäfcter Hoftheater. Der -te?t, von Ernst Ros wer -Deckname für Elsa Bernstein in Niünchen >, nl bereits vor Jahren mit einer melo- dramischen Musik von E. Humperdinck über die beütfdvn Bühnen gegangen und hat int vorigen Jahre n. a. auch in Gießen Erfolg gehabt. Als Oper meist unter Verwendung der gleichen Motive durchkomponiert ist das Derk vor fur^em erst in Amerika aufgcführt worden und bat seitdem erst an wenigen deutschen Theatern Eingang gefunden. Daran mag die Schwierigkeit der Einstudierung schuld sein, aber auch der Umstand wirkt mit, daß die zwar hochpoetische und sprachlich geschickt beljanMte Handlung in der jetzigen musikalischen Einkleidung entschiedene Längen aufrecht, die den Eindruck absckreäcken müffeir. Die dem Text eigentliche dramatische Höhepunkte fehlen, so bringt auch Humperdincks Musik vorwiegend das Stimmungsmoinent zur (Geltung. Besonders lyrische Schönheiten bringt der 3. Akt. aber auch der Abschluß des ersten, sowie die kleinen Monologe des Köni'L'ohns im zweiten Aufzug sind melodische und harmonische Meuwrstücke: bereuuderswett ist überall dre kontrapuuktrsche Kunst und ixe
erlittid)e Instrumentation, in der sich der Meister von „Hänsel und Gretel" offenbart. Die hiesige Aufführung, der das Grotzherzogspaar, sowie Prinz Heinrich mü (Verna blin und Sohn beiwohnten, sand tn Anwesenheit des Komponisten und vor nahezu ausverkauftem Hause statt. Sie war namentlich in dekorativer jOtnfidn glanzend, aber auch die Besetzung der Hauptrollen durch zvrl. Geyersbach Gämemagd, Herren Becker Königssohn und Lemper Lpielmann) ließ keinen Wunsch unbeiriebigt. Mit ckv- rakteristischen Typen vervollständigte Frl. Howard Hexe und die Herren de Lccuwe und Stephani das treuliche Ensemble Das begeisterte Publikum dankte dem Schöser des Werks, n>ic seinen glanzenden Darstellerti durch reichsten Beifall mid Blumenspenden und nes Humperdinck und den verdienten Kapellmeister Hofrat de Haan ostmals an die Ranipen. Eine sehr gesittete und ver-- itandmsvolle Gänseherde stand zeitweilig im Mittelpunkt des Interesses.
Ein deutsches Musikseft in Brüssel Aus Brüssel wird berichtet: Im Thöatre de la Monnaie reirt» rät Zyklus von Vorstellungen veranstaltet, der Werke von Richard Wagner, Richard Strauß, Claude Debussy und Gluck umfaßt. Bon Wagner werden aufgeführt „Lohengrin", .Tann- Hauser", „Rheingold", „Walküre", „Siegfried" und „Götter- därnmemng", die unter Leitung Otto Lohses von beutf-dten -Längern gesungen werden. Von Richard Sttauß werden di- „Salome" und „Elektra" aufgeführt, von Gluck zwetmai der „Orpheus", von Debussy „Pelleas und Melh'ande".
— Eine provencalische Kunstausstell ung int HapstPalast SU Avignon. In der großen Kapelle des PapstpalaltcS zu A v f g no n, in dem jetzt die umfassenden Wiederherstellungsarbeiten ihren Anfang nehmen, ist eine ">lus- stellung eröffnet worden, die die Hauptkünstler der Provence vorführen soll. Alle Zeichen sind in ihr vertreten, das 16. Ia!n- hundert durch Simon de Chälons und einige Keine Lokalmeister das 17. Jahrhundert durch den guter Bildnismaler Finsomus und dre Kunstlenamilien der Mignard und Parrocel, da-. 18 Jahrhundert durch Ban Loo, die ausgezeichnet? Mcarseil'ler Kunsts lerin ?yram;-otfe Tnparc, Joseph lernet uno Duplesfrs den größten Raum beanspruchen die Maler des 19 Iahrl-mdent^ Alcard, Monttcelli, Loubon ufto. Auch eine AbteÜung ^>'n MBrldhmwraroeiten und Kunstgegenständen vervollständigt das Bild der provencalEchen Kunst.
irren, den Einmarsch amerikanisck)cr Truppen in Mexiko, und zwar nicht zum Schutze des Porfirio Tiaz, sondern zur Einsetzung einer Regierung unter Madero, der in Washington bindende Erklärungen dafür abgegeben Huben mag, daß seine Regierung ebenfalls unionssreundlick sein wird
N e w y o r f, 18. April. Während des gestrigen Kampfes bei Agua Priska sind int ganzen sechs Amerikaner in Douglas ivon das Ziel verfehlenden Kugeln getroffen worden.
Nach einer telegraphischen Meldung aus Douglas überschritt der Führer der Aufständischen in Agua Prista, Garaja, in der vorigen Nacht die Grenze. Er ergab s i ch für seine Person dem Führer der amerikanischen Truppen: der Kampf hörte um 10 Uhr 45 Minuten auf. Die Aufständischen blieben im Besitz aller Stellungen.
Douglas (Arizena), 18. April. Die Aufständischen räumten Agua Prista, weit die Munition und die Mundvorräte erschöpft waren. Ein Teil der Aufständischen jagte in größter Unordnung und Bestürzung davon.
Washington, 18. April. Tie Abreise der Truppen für die Philipp innen wurde wegen der Lage in Mexiko auf ein halbos Jahr aufgesck)oben. — Der Kongreß plant vorläufig nicht in die mexikanischen Wirren einzugreifen. — Aus der Stadt Mexiko wird gemeldet: Präsident ,Diaz unterbreitet heute dem Kongreß Friedens Vorschläge.
Ein Waffenstillstand?
Mexiko, 18. April. Beim A u swärtigen Amt ist von dem Leiter der mexikanisckien Junta in Wüstung ton der Abschluß eines Waffenstillstandes angeregt worden. Tas Auswärtige Amt hat darauf geantwortet, daß die Regierung dieser Anregung sympathisch gegenüberstehe.
Tie Antwort der mexikanischen Regierung.
Washington, 18. April. Tie Regierung von Mexiko gab dem Präsidenten Taft die Versicherung ab, daß die Vorkommnisse in Agua Prista sich nicht wiederholen würden. An der Ofrenze werde künftighin die Politik strenger Zurückhaltung befolgt.
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Die „Kölnische Zeitung" meldet aus San Antonio: Der politische.Horizont ist heute bewölkter denn je. Beweis dafür ist die Entsendung des 6. Reiterregiments von Des- moines (Iowa) an die Grenze, um die Grenzwachen auf 3000 Mann zu verstärken. Tie amerikanische Note an die mexikanische Regierung ist sehr bestimmt gehalten. .Der Angriff der Aufständischen auf Juarez soll durch eine Depesche des Washingtoner RebellenführerS Dr. Gamez verzögert werden, um den erhofften Frieden zu erleichtern. Tie Maderos s«d offenbar sehr sriedensbedürftig. Sie sind deshalb gestern von Eagle-Paß nach Chibuahua auf- gebrochen, um Francisco Maoero friedlich zu stimmen. Die mexikanische Regierung dagegen rüstet zum Krieg. Sie hat die Löhnung verdoppelt und beruft jetzt Freiwillige. .Nebenbei bieten sich freiwillige Organisationen an, die von reichen Farmern, Minenbesitzern jund anderen unterhalten werden. Etwa 8000 Soldaten werden morgen in einer großen Parade mitmarschieren.
Aus Statt uud Land.
Gießen, 19. April 1911,
Die Gemeindesteuern in den größeren Städten bestens.
Von den fünf größten Städten Hessens marfdyiert iw* bezug auf die Steuerabgaben Offenbach an der Spitze. Ms Zuschlag zu den doppelten Grundzahlen und zur ein* fachen staatlichen Einkommensteuer, die in diesem Jahre 2 299 589.30 Mk. betragen, werden diesmal genau wie int vorigen Jahre 189 Prozent erhoben. Tie Gemeiudesteuem sind seit 1906 um 78 Prozent gestiegen. Sie betrugen 1906: 121 Prozent, 1907 123 Proz. (Bürgel 155 Proz. , 1908 154 Proz., 1909 177 Proz., 1910 und 1911 189 Prozent. Tie uneinbringlichen Gemeindesteuern betrugen im Jahre 1909: 106 796 Mk. bei 34 662 Steuerposten und einer Einnahme non 3 886 464 Mk. gleich 2,75 Prozent. In diesem Jahre betragen btc staatlichen Einkommensteuern 317 477 30 M.k in der Stadt Offenbach selbst und 84 461.90 Mk. im Stadt-, teil Bürgel: zusammen also 1 401 939.20 Mk.: die doppelten Grundzahlen (30 Prozeitt der firierten Reinerträge vomi Grundbesitz, Gewerbebetrieb und von der Kapitalrente) in Bürgel 41 714.90 Mk., zusammen: 8J7 6o0.40 Mk. .tn» gesamte Steuer-kapital beträgt dem-, nach in diesem Jahre 2 299 589.30 Mk., nwvon 2173 412 50 Mark auf Offenbach und 126176.80 Mk. aus Bürgel entfallen. Im Vergleich zum Vorfahre erhöhte sich das qe- samte steuerkapttal um 130645.50 Mk. 'und zwar um 118099.40 Mk. in der Stadl Offenbach und 12546.10 Mk. in Bürgel. Ter gesamte Steuerbedarf beträgt in diesem
Kleine Modeneuheiten.
. Wenn schon seit mehreren Jahren hie Spitze immer mehr m den Vordergrund der Modebühne getreten ist, so kann man hie Mode heuer großenteils geradem eine Spitzcnrnode nennen, unh zwar beschränkt sich die Gunst der Mode jetzt nicht mehr auf tinc einzelne Klasse von Spitzen, sondern sie liebt es alle zu verwenden. Ja sogar nebeneinander werden drei, vier verschiedene Epitzenarten in Weiß und Creme bei demselben Kleid verwandt, großes Aufsehen erregt die kostbare Spitzenrobe, die jungst hie Ihöne Mrs. Langtty bei einer Lonhoner Erstaufführung trug, lieber einem weißen Crepe he Chine-Rock fiel als doppelte Tunika ein kostbares Uebergewand von Spitzen, aus dem gleichen Materiale war die Bluse hergestellt, und nur noch eine rosenrote Schärpe unterbrach die zarte Spitzcnflut.
Mit dieser Spitzeninohe ist nun zugleich auch der kleidsame Und verwendbare Spitzenkragen wieder in seine Rechckc ein- gesctzt worden: dabei hat aber die Mode ein ganz neues und raffiniertes Mittel erfonnen, um ihn zu neuer Wirkung zu bringen:
wird nämlich mit Steinen aller Art gesäumt oder sonst an vasienden Stellen geschmückt. Besonders bei Abendgewändern wird vte» kostbare Verfahren angewandt, und es soll baim das Spiel
^lckKcs auf den Steinen verbunden mit den matten Tönen her Tpitzc eine feltene Wirkung hervorbriugen. Uebrigens brauck-m bie utr Verwendung gelangenden Steine nicht immer gerade htc kostbarsten zu sein: das auch sonst gegenwärtig beliebte Jet knrd gleichfalls zu dieser Art der Garnitur mit Erfolg benutzt.
Tie Seiten sind lange vorüber, wo her Pelz nur im Winter Vme Rolle spielte. Wenn schon die nrärnntc Frühlings'onne Mzt und leichte Stosse und Spitzen die Herrschaft angetretm “wen, fällt doch der Pelz hanrm nicht fort. So wird der Pelz den Frühlmgsklcidem, natürlich in bescheidenem Umfange als verwandt und gerade die kecksten Gegensätze- reizen -"ode: ein ganz lekftfer Gazcmuif mit Pelzbesatz und sogar ttn Lttoblnn mit einem Pelzbesatz.' Eines dieser Modelle fitste einen Strohhut etwa von hei" Form eines Kegels, dem die Spitze abgeschnitten war. Gewaltige Federn überragten ihn, den ^iond aber begleitete ein Pelzbesatz: und aller Theorie zum ^rcmc m nickt in Mrede zu stellen, daß die Wirkimg dieses anmutig und pikant roar. In her Behauptung spielt sül;
■ tCSn Miller, aber erbitterter Kampf ab — her Kampf c„u nb Krempe. Im Ganzen unh Großen um ird) uchstlich alle heutigen HutforMN anj die beiden Grand
Hilfstchullehrer und Lelircrimien beträgt btc roöcbentlidw Höchst* frunhensahl 24. Dieselbe ermäßigt iidi nut dem zunebmendc« Tienstalter nack den oilsschulbehordlickien Beschlüsfen. 4. Leiter von ausgebauten hrciflaifigcit Hilfsickutlm erteilen höchstens 18 DockiensttmhenMit einer Vermehrung her Klassen vermindert sich diese Stundenzahl bis auf 12 bei einem sechs ober mehr Heilig cm System 5. Hilfssckullelner ober Lehreriimen, auch solche, bic in Nebenklassen unierridttnt, welche Normalschulen ungegliedert sinh, sollen nickst zmn Unterrichte an biesen heran- gezogen werden.
Um 3 Uhr nachmittags begann im großen Saale her Stabt* halle hie Borversammlung des Verbanbstages, bic von >2tahtschulrat Dr. D c h r h a h n (Haitnover) eröffnet nrnrhe. Daim sprach Hllfsschullchrcr Ra atz Eherlottcnburg) über „Der Werk unh Arbeitsunterricht in her Hilfsschule Er berichtete an bfr Hanb folgender Leitsätze: „Der Werk- unh Arbeitsunterri äst muß integrierender Beßanhtcil, O^runblage unh Stutze her unterridstlichm und erziehlichen "Arbeit in her Hilfsschule werden. 1. Physiologisckic Gründe: Turcki den Arbeits* unterricht werben infolge planmäßiger Schulung der vlstisischen Kräfte das Gehirn und bic damit verbunhenen Nervenbahnen ut iltrcr Entwicklung geförbert. Es werden somit die Funkrionen gekräftigt, deren Störungen als l)auvtsächlichste Ursache heS geistigen Tiefstandes der Kinder zu belrachlen sind. Jnsbefondere ist mit her Entwickelung her Haudgeschicklichkeit eine Besserung der' häufigen zentralen Sprachstörungen zu erwarten. 2. Psychologifch- didakttfchc Grünbe: Klare Vorstellungen und Anfchainmgen ge* reinnen HÄssschitlkinher nie durch logische Uebersührung, sondern nur durch sinnliche Ucberzcugung. Nur konkret lernen sic denken und sprechen. In her Hilssschule ist habet möglichst ein An* schauungsuntcrricht an wirklichen Dingen zu pflegen. Der Werk* unh Arbcilsunterricht ist Anschauungsuntcrrickst in höchster Potenz. Er kräftigt wie kein anberer Unterricht den für fchwachbegabte Minder höchst beheutfamen Tast- und Muskelsinn. Durch sein Entgegenkommen an den Spieltricb ist er in hohem Maße geeignet, hie psychische Passivität der Kinder aufzuheben, ihrer leichten Ermüdbarkeit zu steuern, Gebächtnis unh Phantasie zu beleben unh den Äinbern einen kleinen Schatz von Ersahrungswissen za sichern. — 3. Erziehliche und soziologische Gründe: Auch bei Psychovathcu wird her Arbeitsunterrichr getragen von sichtlicher Arbcitsfreubigkeu. Er ist somit geeignet, sic zur Selbstbetätigung und Arbeüsamkeit zu erziehen und dadmch ihre Erwerbsfähigkeit anzubahmm. Er belebt wie fern anderer Unterricht die bei Sckwach* begabten selten vorhandenen altruistischen Gefühle sowie die der Wertschätzung ihrer Arbeit und führt bic Kinder dadurch auch zur Achtung vor frembem Eigentum."
Nach kurzer Aussprache wurden hie Leitsätze von her Ber* samntlung gebilligt. Tie für heute vorgesehenen übrigen Themata mürben von her Tagesordnung abgefetzt. Morgen vormittag rinbet bte Hauptversammlung statt.
Die vereinigten Staaten und der Ausstand in Mexiko.
Als bic Bereinigten Staaten von Norbamerika an ber mexikanischen Grenze Truppen zusammenzogen, angeblich -um ein Hinübertreten ber mexikanischen Revolutionäre über die Grenze und ihr unerwartetes Borbrecheu gegen bic :üearerungstimppen burch Entwaffnung zu verhüten unh so bas morsche Regiment des amerikafrennblichen Präsi- i mten Porfirio Diaz zu stützen, konnte man erwarten, daß bie Amerikaner nur nach einer Gelegenheit suchten, um in bic mexikanischen Wirren selbst einzugreifen unb bannt auch Mexiko in ben Bereich ihrer Mackftsphäre zu ziehen Es fam bad ei, wie es scheint, ben Vereinigten Staaten gar nicht herauf an, ob bic Partei Porfirio Diaz am Ruber blieb, •ober ob Madero unb seine Anhänger zur Herrschaft gelangten; bie Hauptsache blieb, baß ote amerikanische Politik auch Mexiko, wie bie übrigen kleineren Staaten Mittel amerikas fortab beherrschte. So fanben, während bic amtlichen Verhandlungen mit Porfirio Diaz fortbauerten, gleichzeitig in Washington anßeramtlichc Vcrhanblungcn mit ben Bvübern unb Parteigängern Madcros statt, die zur Folge hatten, baß Porfirio Diaz nicht nur in bic Entfernung bcs verhaßten Vi.zcpräsibenten Eorall willigte, sondern auch unter aitderm ben Rebellen ein gerechtes Wahlrecht unb Neutralität bei ber Besetzung her Verwaltungsstellen versprach. Zu biesem Zugestänbnis mußte sich Por- ftrio Tiaz umso eher bequemen, als Japan, mit bem er eine Art Bünbitisvcrtrag abgeschlossen zu haben scheint, ihn amtlich beSauouierte, inbem es bie beabsick)ttgte Ucbcr- lassung einer Kohlenstation an ber Magbalenenbay in Abrede stellte. Porfirio Diaz verlor bainit seinen Trumpf gegenüber ber Union, bie wohl — unb trotz alles Ab leugnens — bie Besetzung ber Grenze beshalb verfügte, um auf die politische Haltung Mexikos einen Truck auszuüben. Mrfirvo Tiaz ist deshalb für bie Union heute schon eilt Mer Mann, unb bic jüngsten Ereignisse zeigen, daß die Vereinigten Staaten jetzt mit den Rebellcit an einem ■Strange ziehen.
Bekanntlich war die mcxikünisck>e Revolution für bie Amerikaner, die eö sich leisten können, eine Art Komödie, öie sie veranlaßte, in Extrazüaen an die mexikanische Grenze zu eilen, um sich von texanischem Gebiet aus bie Kämpfe mit Krimstechern anzufehen. Von biesen Sctftachtenbumm- leru würben nun am Sonnabcub einige burch verirrte Üu* geln verletzt, unb bas gab, da cs sich um von ben Rcgic/- rungstruppen abgegebene Schüsse hanbelte, ben Amerikanern Veranlassung, mit ihrer Kavallerie bic Grenze zu überschreiten unb bic Einstellung bes Kampfes zu erzwing<m. Lte nahmen hierbei für bic mexikanischen Rebellen in.so- iern Partei, als sic bie Regierungstruppen hinberten, über ätP Olrenzc zu entkommen unb sie bamit direkt den (£nt- torern auslteferten. Ja, iwch mehr, bie Union verlangt letzt von her Regierung Porfirio Diaz Entschäbigung für bic gelöteten unb öerruunheten amerikanischen Schiachtcn-- bummlcr, so baß in biefer Frage biplomatischc Schwierigkeiten unvermeiblich finb.
DaS bebeutet natürlich für Porfirio Diaz, ber es in Rücksicht auf feine persönliche Stcterheit nicht wagt, die in und um Mexiko stehenden zuverlässigen Truppen im wirklichen Aufftanbsgcbict zu verwenden, eine weitere Erschwerung seiner Lage, die schon durch die letzten Siege ber Rebellen prekär genug geworben ist. Es heißt, daß Porfirio Diaz sich zur Flucht rüste, und daß nach feiner Entfernung ein Friedensabschluß zwischen den in Mexiko um die Herrschaft ringenden Parteien bevorstänbe. Tas ist auch zweifellos anzuuehmen, nachdem bic Union Warnungen an Mexiko erlassen hat. Heißt cs doch hort, baß ftch Ereignisse, toic die an her Grenzstation Douglas, nicht wiederholen dürften, wenn nicht die Vereinigten Staaten zur Anwendung von Gewaltmaßregeln schreiten sollten. 'Das bedeutet ohne Zweifel, da bei den Kämpfen an der Grenze niemand feine Hand dafür ins Feuer legen kann, daß sich Kugeln nicht doch auf amerikanisches Gebiet ver-
Rr. 91 Zweites Blatt 161. Jahrgang
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.Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, baS S L. ■ W WL, B ■ 5L fl S ■ 4 B SL, Ä
„Krtisblart ffir den Kreis Sietzen" zweimal 11 Ä < d ▼ V VH ▼
wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit* • *•. <
fragen" erscheinen monatlich zweimal. General-Anzeiger für Oberhefien


