Ausgabe 
21.9.1911 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Es starben an: Zusammen:

4

Blinddarmentzündung 4 (4)

4(8)

Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen.

ö

C

Wetter

Ltiederschlaq: 0,2 mm.

6(1) KD

17 (13)

8

8 SSE

9

5

9

6(1) 1(1)

21 (16)

2 4(4)

2(1) Kl) 1(1) 2 (1) 3(1)

4(2)

7

2

2

2

19.

19.

KD 2(1) 2(1) 1 4(2)

1

Lebensschwäche Scharlach Milzbrand Lungenttlberknlose Lungenentzündung Herzkrankheit Gehirnschlag Magen- und Dann- katarrh

Krebs bösartigem Kropf sonstigen Todes- tlrsachen

1. Tag.

2. Tag.

Briefkasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) Nach Nidda. Nein.

Sanatorium Lindenfels

zwischen DarmstadtHeidelberg, 400 m hoch herrt gelegen. (ss%

s z

Vorabend 5.50. Predigt.

Morgens 5.55. Predigt. Nachmittags 4.00.

Vorabend 7.05.

Morgens 5.55. Nachmittags 4.00.

Höchste Temperatur am Siiedrigsts ,

4. Oktober, 4. Dezember 1911 und 10. Januar 1912 junge Leute als Freiwillige eingestellt, die das Schneider-, Schuhmacher-/ Segclmacher-, Elektrotechniker- oder Mechaniler-Handwerk erlerM haben, nicht jünger als 18 und nicht älter als 19_> Jahre sind; desgleichen Schreiber von Beruf, die mindestens zwei Ins drei Jahre bei Behörden tätig geweseir sind und eine sehr gute Hand­schrift besitzen. Gesuche um Einstellung sind unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes, ausführlicher Berufszaug- nisse und eines Meldesckieines zu dreijährig-freitvill., bei Sckweiber/ Elektrotechniker und Mechaniker zu vierjährig-frcinnll. Dienst an das obige Kommando cinzureichen. r

kf. Der Hund als P o st b e a m ter. Die amerikanische Stadt Brighton kann sich rühmen, den einzigen als Beamten anerkannten Hund zu beherbergen. Eigentlich ist der Hund, der 3acf heißt, nicht angestellt, sondern nur seine Besitzerin, Frau Pollock. Fran Pollock hatte ursprünglich daS Amt, jeden Tag, wenn der Schnellzug die Stadt durchfuhr, zur Bahn zu gehen, um den Postbeutel, der uom fahrenden Zuge aus gemorien wurde, auf­zuheben und gut* Postaustalt zu tragen. Alltäglich war Jack dabei ihr treuer Begleiter. Nun traf es sich eines Tages, daß Frau Pollock eine Verletzung am Fuße hatte und. nicht gehen konnte. Um tue Zeit, wo sie sich gewöhnlich mit Jack zusammen zur Bahn aus- machte, wiirde der Hund unruhig und heiilte und tobte so lange, bis inan ihm die Tür anfmad)tc. Dann schoß er schnurstracks zur Bahn und nach kurzer Zeit war er mit dem Postbeutel im Maul richtig im Hause angelangt Als praktische Amerikanerin zog Frau Pollock hieraus Nutzen und ließ von da an den Hund immer allein den Postbeulel abholen. Die Postbehörde weiß das und duldet es, denn sie fragt nur nach der Leistung. So ist Jack ein richtiger Postbeamter so lange, bis ihn vielleicht eines schönen Tages ein junges Hundesräiilein von semer Pflicht abspenstig macht.

* 3er ft reut. Professor (beim Anblick mehrerer barfüßiger Jungen):.Hm, hm, die Kneipkur bricht sich doch immer mehr Bahn!"

* In her Sprechstunde. Zahnarzt:Was toünftfjen Sie?" Bauer: wünsch' an guten Morgens

Sport.

Petersburg, 20. Sept. Heute früh begann das Inter­na t l o n a l e A u t o nr o b i l r e ii u e >i P e t e r s b u r g - S e b a st o-- pol, aii deni mehr als 60 Automobile von beinahe allen Staaten Europas uud Nordamerikas teiluehineii.

voin

2.-15. Jahr:

1(1)

55

67

88

Septbr. -f- 30,9 * C.

=. + 9.8 *0.

<*. Hennelberg, Zürich

Direkte Bezugsquelle von Seidenstoffen jeder Art Schon verzollt! Verlangen Sie Muster! (D*/i

Monatl. Uebersicht der Todesfälle in der Stadt Sietzen.

Monat August 1911.

Einwohnerzahl: augeuomnten ju dl,800 (inkl. 1600 Mann Militär).

Sterblichkeitsziffer: 19,93

nach 2lbzug von 29 Ortsfremden 8,81 d/oo.

Kinder

Festesatlsgang 7.05.

Wochengottesdienst: Morgens 5.15. Uhr, abends 5.30. Uhr.

Zeuge: Tie Polizeiassistentür gab mir auf, mich ihr zu nähern und zu fehen, was mit ihr los sei.

Weinwirt Volk sagt aus, daß der ganze Handel mit der Assistentin dadurch entstanden sei, daß er eines Tages einen ie lobenden Artikel zum Neuesten Anzeiger gebracht habe. Nach dessen Veröffetttlichung war ein Sturm der Entrüstung entstan- ben, weil man durchaus nicht allgemein mit der Assistentin zu- rieden war.

Darauf werden noch einige weitere Zeugen über angebliche grundlose Vernehmungen von Kellnerinnen und deren Ver­ehrern vernommen.

Sodann tritt die Mittagspause ein.

In der Nachmittagssitzung ereigneten sich verschiedene Zwischenfälle.

Es mürbe eine große Anzahl junger Mädchen vernommen, ne entschieden bestreiten, der Polizei Anlaß zum Einschreiten gegeben zu haben. Ein Fräulein Raff bekundet, daß sie einmal mit einer Freundin und zwei Herren einen Spaziergang machte. Dieser Vorgang habe einem Schutzmann Veranlassung gegeben, einen der Herren aufzufordern, einen Namen anzngeben. Sie elbft sei ans die Wache gebracht worden, man habe ihr die Hand­tasche und den Geldbeutel weggenommen und sie ärztlich untersucht.

Gastwirt Mehren bekundet, daß eine seiner Kellnerinnen auj das Bureau der Polizeiassistentilt geladen und dort aus­gefragt wurde, ob es in dem Lokal jju Zärtlichkeiten käme. Tie Kellnerin sei ganz verzweifelt gewesen und habe bei thm Be­schwerde geführt. Es gelangt dann ein Fall zur Sprache, wo­nach sich die Polizeiassistentin auf ein Inserat hin als Animi^- kellnerin in dem benachbarten Kastel angeboten haben soll. Es stellt sich im Lauf der Verhandlung aber heraus, daß die Pottzei- assistentin mit jener Person nicht identisch ist. Es gelangt hieraus das Inserat wegen der Frauentropfen zur Erörterung. Hierzu wird Kaufmann Gimpel bemommeit. Er bekundet: Ernes Tages kam ein Polizeibeamter zu mir und brachte mir einen Brief, in welchem ich gebeten wurde, Auskunft zu geben, ob die von mir vertriebenen Frauentropfen ein Abtreibungsmittel seren und ob ich sie einer Dame abgeben würde. Ich habe sofort bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. Eines Tages erhielt ich dann eine Vorladung vor die Polizei, und da stellte es sich heraus, daß die Polizeiassistentin selbst den Brief an mich ge­schrieben hatte.

Polizeisekretär Herz bekundet, unter welchen Umständen der Brief an den Zeugen polizeilich abgestempelk und dann in dessen Hände geraten sei. In einer Besprechung habe er dann geäußert, es sei das einfachste, hinzugehen und sich bei dem Zeugen zu entschuldigen. Daß die Polizeiassistentin dann hinging und etwas anderes erzählte, habe er nicht wissen können. Angeklagter Hirsch: Ich stelle also fest, daß man den Zeugen nicht um Entschuldigung gebeten, sondern darum herumgeredet hat.

Polizeikommissar Kindhäuser, der die Polizeiassistentin zu ihrem Vorgehen anstiftete, erklärt, daß die Polizei früher Ver­trauenspersonen für solche Zwecke hatte. Als die Polizeiassistentin eintrat, wurde sie gefragt, ob sie solche Briefe schreiben wolle. Er halte das Vorgehen der Polizei in diesem Falle für durchaus erlaubt. Es wird dann luieber eine Reihe junger Mädchen vernommen. Eine Bureaubeamtin B. war auf der Messe zu-

Martte.

fc. Frankfurt a. M. Schweinemarktbericht vom 20. Sept. Ausgetrieben waren 1575 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 52.0054.00 Mk., Schlachtgewicht 65.00-67.00 Mk., vollsieischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 50.00-51.50 Vik., Schlachtgewicht 6468.00 Mk.; vollfleischige Schweine von 100120 kg Lebendgewicht 52.0053.50. Mk., Schlachtgewicht 6567.00 Mk.: vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 51.5«)53.50 Mk., Schlachtgewicht 66.0067 Alk.; Fettschweine über 150 kg Lebendgewicht 00.00 bis 00.00 Mk., Schlachtgewicht 00.00-00 Mk. Sauen 0000 Mk. Geschäst langsam, verblerbt Ueberstand.

Limburg a. d. Lahn, 20. Sept. Fruchtmarkt. Durch« chnittspreis pro Aialter. Roter Weizen (nasiauischer) 17,40 Mk, weißer Weizen (anqebaute Fremdsorte) 16,90 Alk., Korn 13,80 Alk., Gerste: vuttergerste 00,00 Mk., Braugerste 13,00 Mk.. Hafer Alk. 9,00, (ärbfen 0,00 Mk^ Kartoffeln 78,00 Mk.

Erwachsene; nn

1. Lebensjahr:

2(1)

.iassistentin vor brachten.

Nächste Zeugin ist Meta G. Die Zeugin bekundet: Im Marz 1910 überbrachte mir ein meiner Familie beTannter Schutz­mann einen offenen Zettel, der die Unterschrift der Frau Schapiro trug. Bors.: War aus dem Stempel zu ersehen, daß es sich um ein Schriftstück der Sittenpolizei handelte. Zengin: Nein, aber aus der Unterschrift, auch der Schutzmann hat das angenommen. Bors.: Hat Frau Schapiro Sie auch nach anderen Mädchen gefragt? Zeugin: Ja, sie fragte mich nach betat Verkehr mit anderen Mädchen, die ihr mehr oder weniger verdächtig erschienen. Ich fetbft wußte von den Mädcheir nichts Nachteiliges.

Fräulein Sch. gibt an, daß sie beim Besuche der Messe von der Polizeiassiftentin angesprockwn und von ihr verwarnt wurde, weil sie mehrfach mit verdächtigen Mädchen Umgang hatte.

Kontoristin S. be'Eunbet, daß die Polizeiassiftentin eines Tages zu ihrer Mutter Tarn und sagte, sie solle die Tochter strenger halten, denn sie verkehre mit unanständigen Mädchen. Von dem inzwischen abgesetzten Polizeiaspiranten Bruder sei sie auf Ver­anlassung der Polizeiassistentin auf der Straße seftgehalten worden. Er sagte zu ihr, sie möge sich in Acht nehmen, wenn sie noch einmal mit diesen Mädchen zusammen gesehen werde, werde er Strafantrag stellen. Sie habe sofort erwidert: Beweisen Sie mir, daß Sie zur Stellung eines fotdjen Strafantrags bc- rechtigt sind. Hierauf habe der Aspirant erwidert, sie solle sich vorsehen, sonst werde sie auf der Stelle durch einen Schutzmann verhaftet, Alehnlich habe sich auch die Polizei­assistentin geäußert.

Der Schutzmann Lösch, der der Meta G. die Ladung überbrachte, bekundet, er habe aus der Unterschrift erkannt, daß es sich um eine sittenpolizeiliche Sache handelte. Er stellt der Zeugin, bei bereit Eltern er wohnte, ein Lutes Zeugnis aus. Ebenso bekundete der Stiefvater des Mädchen, der Ma­schinenmeister im Neuesten Anzeiger ist, daß seine Tochter durch­aus anständig sei.

Vors.: Sie sollen gefragt worden sein, ob Sie die Polizei- pssistentin stürzen .wollten? Zeuge: Ja, daran liegt mir aber nichts. Ich habe nur, als die Zeitungen die Sache zur Sprache brachten, auch meinen .Fall dem Herrn Verleger unterbreitet Beigeordneter Berndt bestreitet, daß er gefragt habe, ob der Zeuge die Assistentin stürzen wolle. Ter Zeuge bleibt aber dabei und bekundet noch, daß er sich über bte Vorladung auf die Sittenpolizei sehr erregt habe.

Eine Anzahl weiterer Mädchen werden über den Verkehr der Meta G. vernommen, können aber über sie nichts Nach­teiliges aussagen.

Leutnant B. kennt die Meta G. überhaupt nicht, er gibt aber zu, mit einer hier vernommenen Zeugin intim verkchrt BU haben.

Polizeiaspirant a. D. Bruder: Ich war berechtigt, in die Integrität der Meta G. Zweifel zu setzen, weil ich in Gesprächen mit Offizieren ihren Namen hatte nennen hören. «Bewegung.) Vors.: W»rr denn dabei davon gesprochen worden, daß sie mit den Offizieren Unsittlichketten treibe? Zeuge: Nein (Erneute Bewegung.) Vors.: Und wie Tajuen .Sic an das Mädchen heran?

Summa: 52 (29) 34 (20) 7 (1) 11 (8)

Anm.: "Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Zch die Vernehmung der Zeugen geleitet hätte. Ich mußte ihm aber erklären, daß Herr Berndt die Sache nach meiner Ueber- fceugung gut gemacht hätte und verwies auf die vorliegenden Akten. Herr Hirsch erflärte dazu, es komme darauf an, wie die Fragen an die Zeugen gestellt werden. Das vorliegende Material sei ein ganz anderes als das, was ihm vorgelegen habe. jl§r zeigte mir auch ein Protokoll, das mit den Mädchen auf- geiromnien war. Dessen Inhalt war diametral entgegengesetzt den Aussagen, die die Mädchen vor dem Beigeordneten Berndt tzemacht hatten. Ich habe aber die Uebcrzeugung, daß die Mädchen vor Herrn Berndt richtig ausgesagt haben.

Bors/: Sie sollen über das Material, das Ihnen der An­geklagte Hirsch vorlegte, sehr verblüfft gewesen sein. Zeuge: Ich war allerdings kolossal erstaunt, daß die Protokolle sich wide^ sprachen, ick habe aber nicht gesagt, daß das des Herrn Hirsch das richtige sei. Der Zeuge verbreitet sich dann über die Maß­nahmen, die die Stadtverwaltung in Bezug auf die Artikel traf. Man hatte zunächst beschlossen, eine Berichtigung zu schicken und nicht gleich Klage zu erheben. Der Beigeordnete Berndt habe aber die Berichtigung so scharf gehalten, daß Hirsch zu einer Er­widerung kam, die die Klage zur Folge hatte. Wenn ein Gegen­satz zwischen ihm und Berndt konstruiert werde, so sei das müßig.

Was Frau Schapiro anlange, so (könne er nur sagen, daß deren Tätigkeit höchstes Lob verdiene. Es gelangt dann der £ätigTcit§berid)t der Polizeiassistentin zur Sprache, in dem sehr viele diskrete Dinge behandelt werden und der als Buch erschienen ist. Der Zeuge drflärt hierzu, daß er den Bericht als eine Fundgrube für alle Soziologen, Politiker, Polizeivorstände, Stadt­verwaltungen usw. ansehe, er habe daher nichts gegen die Ver­öffentlichung einzuwenden gehabt. Er habe bann aber sein Er­staunen ausgedrückt, daß das Buch auch im Buchhandel zu haben sei. Im allgemeinen müsse er aber erklären, daß er gegen die Verbreitung nichts einzuwenden hatte.

Angekl. Hirsch: Erinnern Sie sich Herr Oberbürgermeister, daß wir ein Protokoll in den Akten fanden, wonach ein Fräulein Sadler mit einem jungen Franzosen in der Ludwigstraße und später mit einem Leutnant ^uf der Großen Bleiche gesprochen iKtben solle und daß ich Sic fragte: Steigt Ihnen nicht die Schamröte ins Gesicht, daß darüber ein langes Protokoll aus­genommen wird, daß so etwas in Mainz passieren kann? Zeuge: Ich erinnere mich des Vorganges nicht mehr. Staats- ünwakt: Ich habe ein solches Protokoll niemals bei den Akten gefunden. Beigeordneter Berndt: Ich habe das Fräulein Sadler heute zum erstenmal in meinem Leben beim Zeugen­aufruf gesehen. Angekl. Hirsch: Es ist doch merkwürdig, daß das Protokoll, das mit ihr ausgenommen wurde, sich nicht mehr in den Akten befindet. Staatsanwalt: Das ist ja der Vor­wurf der Amtsunterschlagung. Angekl.: Ich kann nur wiederholen, daß das Aktenstück beseitigt sein muß, wenn es nicht mehr vorhanden ist. Angekl. (zu Oberbürgermeister Göttelmann gewendet): Ich sehe Sie an, sehen Sie mich auch an, ob Sie das können? Zeuge Tr. Göttelmann: Ich bitte, mich gegen die Art und Weise des Angeklagten in Schutz 3-u nehmen. Ter Vorsitzende ruft den Angeklagten in erregter Meise zur Ordnung.

Zeuge Dr. Göttelmann wendet sich dagegen, daß in der Stadtverordnetenversammlung eine Wmachung dahin bestanden habe, die Sache nicht öffentlich zu verhandeln. Der Zeuge wendet sich auch energisch dagegen, daß der Angeklagte ihm gestern vor­geworfen habe, er hätte doppeltes Spiel getrieben.

Stadtverordneter Professor Dr. U e b e l bekundet: Sofort, nachdem die Debatte (über den Fall von mir eröffnet werden sollte, wurde mir das Wort entzogen. Ich habe damals den Ein­druck einer Komödie gehabt. Ich hatte den Eindruck, daß Fran Schapiro unter allen Umständen gctxxft werden sollte. Der Zeuge verbreitet sich dann ausführlich über das, was er als Mitalied der Jugendfürsorge-Abteilung an dem Wirken der :Frau Schapiro anszusetzen hatte.

Der Angeklagte Hirsch läßt sich von dem Zeugen bestätigen, daß die Polizeiassiftentin einmal ein Mädchen nicht in Stellung gehen ließ, so daß es der Armenpflege zur Last fiel. Das Mädchen gab an, die Polizeiassiftentin habe sie für lungenkrank erklärt, sie solle in eine Anstalt gebracht werden. Der Zeuge hat das Mädchen untersuchen lassen, wobei festgestellt wurde, daß es überhaupt nicht lungenkrank war. Ebenso stellt er fest, daß Frau Schapiro Kosten für ihr Heim beanspruchte, die ihr nicht zustanden.

Assistent Dr. Drescher berichtet über die Tätigkeit der Polizeiassiftentin im Krankenhause, über die er sich nicht beklagen Tonne.

Medizinalrat Dr. Balser äußert sich zu dem Fall der Hebamme B. Er erklärt, er wäre damit einverstanden ge­wesen, daß die Polizei hier vorgehe, wenn er es rechtzeitig er­fahren hätte.

Redakteur Net er (Mülheim-Ruhr) war früher am hiesigen Tageblatt tätig und bekundet, daß die erste Aufregung über die Mainzer Polizeiassistentin entstand, als ein Arttkel in der Frank­furter Zeitung erschien, der die Tätigkeit der Polizeiassistentin sehr lobte. Im Anschluß an den Artikel seien in seine Re­daktion viel Leute gekommen, welche Klagen über die Polizei-

vermischtes.

* Einstellung v o n Freiwilligen in der Kaiser­lichen Marine. Wie nicht allgemein bekannt sein dürste, werden bei der 3. Abteilung der I. Werftdchision .in Kiel zum

Luftschiftachrt.

Frankfurt a. M., 20. Sept. Das Kartell der Südwest­deutschen Lustschiffer-Vereine, dein acht Vereine angeboren, hat in der in Frankfurt abgehaltenen Generalversammlung 40 000 Mk. zur Anschaffung zweier Flugzeuge bewilligt, die den Mitgliedern der Kartellvereine und der Militärbehörde zur Verfügung stehen. Ferner wurden für das Feldberg-Observatorium des Physikalischen Vereins und die unter der Leitung von Exzellenz v. Nieder stehende Luslschifferschule in Berlin Zuschüsse bewilligt. Es wurde beschlossen, im Frühjahre 1912 wiederum einenDeutschen Zuverlässig­keitsslug" zu veranstalten, zu dem Prinz Heinrich von Preußen schon die Üebernahme des Ehrenschutzes zugesagt hat. An dem demnächst in Breslau ftatlfinbenöen Luftschiffertag stellt das Kartell der Südwestdeutschen Lustschiffervereine den Antrag, die Einstellung von 5 Millionen Mark für Zwecke des Flugwesens in den Etat des Deutschen Reiches und der Bundesstaaten zu verlangen.

München, 20. Sept. Auf dem Flugfeld Oberwiesen- f c l d ereignete sich gestern ein Unfall dadurch, daß der Ingenieur Otto, als er mit einem Passagier ausgestiegen war, in etwa 20 Meter Höhe die Mütze verlor und diese in die Steuerung flog, wodurch letztere unbrauchbar wurde. Der Apparat ging so rasch zu Boden, daß ein Teil des Apparates zertrümmert wurde. Otto und der Passagier blieben unverletzt.

München, 20. Sept. Oberleutnant Erhard, der mit Oberleutnant Grafen v. Wolffskeel von München ins Ma­növergelände nach Dorfen flog, wurde bei der Landung nicht unerheblich am Kopse und Rücken verletzt. Der Apparat wurde stark beschädigt. Wolffskeel blieb unverletzt.

fammen mit einem Fräulein S. Um 8 Uhr abends wurde sie von dem Polizeiaspiranten Bruder gestellt, der ihr sagte, sie solle mit zur Polizeiassiftentin kommen. Sie hätte dann samt ihrer Freundin von der Assistentin Vorhaltungen erfahren, weil sie sich angeblich ausfallend benommen hatte. Auch die Zeugin S. bekundet, daß ihr das Vorgehen des Polizeiaspiranten und der Frau Schapiro höchst unangenehm ausgefallen sei. Sie seien an jenem Tage in einem Kinematographentheater gewesen und hätten sich ruhig und anständig entfernt. Trotzdem sei Bruder an sie herangetreten und habe sie zur Polizeiassistentin bestellt. Trotzdem bin ich auf der Polizei untersucht worden. Angeklagter Hirsch: Das ist doch etwas ganz Ungeheuerliches, daß hier in Mainz ein junges Mädchen, lediglich, tveil es mit einem Herrn ein Kinematographentheater besuchte, auf der Polizeiwache untersucht wird. Was sind das für Zustände in Mainz, daß ein junges Mädchen, gegen das absolut nichts vorliegt, in dieser Weise blosgestellt wird. Ich sehe das Fräulein hier zum ersten Mal, aber ich bin darüber auf das tiefste empört. Vors.: Ich möchte bemerken, daß die Dame im Verdacht stand, mit Offi­zieren zu verkehren. Zeugin: Nein, das stimmt nicht, das ist alles erlogen und erdichtet und es ist eine Schande, daß man einem jungen Mädchen auf der Wache einen Namen anzuhängen sucht, dessen Bedeutung sie überhaupt nicht versteht. (Bewegung1 Die Zeugin weint heftig.) Angekl. Hirsch: Der Polizeichef Obstselder hat ja selbst gesagt, daß Frau Schapiro in diesem Falle zu weit gegangen sei. Ich habe Zeugen dafür, daß er erklärte, die Frau Polizeiassistentin lasse ja alle Mädchen von Mainz hier a u f m a r f dj i c r c n. Daß man so arbeiten darf, ist als ungeheuerlich zu bezeichnen. Vors.: Weshalb haben Sie sich untersuchen lassen, wurden Sie gezwungen, oder taten Sie es, um endlich Ruhe zu haben? Zeugin: Was sollte ich armes Mädchen denn tun, man hatte mich lange genug gequält und da ließ ich es geschel-en. Angekl. Hirsch: Das habe ich mir auch gesagt, ein armes Mädchen kann sich nicht helfen, wenn man so in es eindringt. Direktor Kupferberg von der hiesigen Ent­bindungsanstalt bekundet, daß er verschiedentlich Diffe­renzen mit der Assistentin hatte, die einen barschen Ton anschlug, wenn es sich darum handelte, noch ganz arbeits­fähige Schwangere in das Institut hineinzubringen, das sowieso an ttebersüllung litt und nur solche aufnehmen konnte, die im letzten Stadium waren.

Daraus tritt der Polizeiaspirant Bruder vor und erklärt, daß die Zeugin S. ihm 'als verdächtig gemeldet worden sei wegen ihres Verkehrs mit anderen verdächtigen Mädchen.

In später Abendstunde inerben die Weiterverhandlungen auf morgen vertagt.

kirchliche Nachrichten.

Irraelttische Religionsgemeinde.

Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage).

Samstag, den 23. und Sonntag, den 24. Sept. 1911:

Neujahrsfest.

1. Tag. Vorabend: 6 tthr. Predigt.

Morgens: 7.30 Uhr. Predigt.

Nachmittags: 4 Uhr.

2. Tag. Vorabend r 7 Uhr.

Morgens: 7.30 Uhr Nachmittags: 4 Uhr.

FesteSausgaug: 7 Uhr.

NB. Während der Predigt ist der Eintritt nicht gestattet.

Israelitische Religionrgesellschast.

Gottesdienst.

Samstag, den 2 3. und Sonntag, den 2 4.Sept. 1911:

Neujahrsfest.

bis 20.

. 20.

Sept.

1911

ttiarometer auf 0° reduziert

l

«.eiiipciuiuL der Luft

Absolute Feuchtigkeit

20. 2|'

42,0

20.0

9,6

20. 9«

.38,9

16 4

9,2

21. 7

L

<36.1

14,6

10,9

5

07641 FrdlL-Zim Stock» »er 1. Oft.

1 Oktober i res bflielbit

Per L DI

5 es

»Vs?

ftnS'Jöne z- fcS ttlD

zweite

R-°nstr«f

TflW n.? per 10.

-HtemM

r'tzWllM wimmer m.Sube !d-r?paierruvev

Lft Llord.

vl"'PloBrai

I Ulveifeufteriae 3 I hrridor, grobe St I immer, Badezuno I Mchenkammer in ml schönem Obst­garten, Gas und E | Zu erfragen nn Po

WM. (

I cd), et. 4-3i« mit Loggia, ffW »immer unb autn i i. Oktober zu vei

Woonftme 22

eine «nC.V «an 'Mtz

zu verm. H fin mein. Nc

Zubehör.^^ärber l WW« ru verm. Ludwin

2 W. Nolge Be Mer ivaier 3-Zim I ^ vermieten, gr

I

Zubehör, 11. Sto Näheres Aliktlti

\ 3 Zm

AkichW weil hoher iuu Gs- M/er, Lil M Mmie, fr D'mn-z mit Trockenboden, Gartenanteil ver sväter zu vermiete 2*. Wma ruhige Leute ver vermieteu. Mai

4 Zinn

MI WilbelmM Löhnung, ;u vermieten. Au ^MemVchul^ LsLEL?

2 Zinn

1 Sroße Z