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Nr. 196
Tet eiefcentt lijtliet erscheint täglich, außer Sonntag«. - Beilagen: viermal mödientüth SietzenerZamilienblStter. ,roeimolroöd)enfLKreh' diattsürdeaNrelrOietzen «Lienskag und Freitag) ; zweimal monail. tanb wirtschaftliche Seitsraoe» .^ernsprech - Anschlüsse !ür die Redaktion 112, 'L*erlag u. Expedition 61 Adresse Mr Depeschen: «nxelger «ufern.
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Erster Blatt
16(. Jahrgang
Dienstag, 22. August 1911
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotafionsbnid und Verlag der vruhl'schen Univ.-Vuch. und Stcinöruderei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7.
Büdingen: ,^ern|precher Nr. 50 Seschäftrftclle vahnhofstrahe 16a.
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eine ses- auf dem auf dem
wie Schintel mit Brentano wettete.
Tie Große Berliner Kunstausstellung 1911 bietet ielnbc Uebersicht über das Schassen Schinkels. Wie Gebiete der Architektur, so hat der geniale Meister auch
U$O11 ?One“: JaK<lkönit ;t2 der ^verfabS Erinnerung.
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IftStÄS .’ ot rchäicr, Nktort« 'nc,Gustav Walter.
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der Malerei Hervorragendes geleistet. Besonders hingezogen suhlte er sich zur Landschaft. Mag er seinem künstlerischen Empfinden in Aauarcll- und Gouache- oder m Lelfarben Ausdruck gegeben haben, immer ist etwas erstanden, das sich durch Größe der Auf- mnung und Tiefe des Stimmungsgehaltes auszeichner. Eines der im Besthe der König!. Nationalgalerie befindlichen Gemälde ist, wie wenig bekannt sein dürste, das Ergebnis einer Werte, b:e au Eigenart nichts zu wünschen übrig läßt. Näheres darüber bat Marl Gropius an Alfred von Wolzogen, den Schwiegersohn Schinkels, mitgeteilt.^Zu einer geistvollen, fröhlichen Gesellschaft, die lich abends in Schinkels freim zu versammeln pflegte, gehörte (5lernens Brenrairo. Einst war unter den Gästen tue Rede daraus gekommen, wie schwer es sei, in einer Zeichnung das aus- Andrucken, was der Dichter so leicht durch Worte barficllen könne. <cd)infel, der während des Plauderns unbefümmert zu zeichnen puegte, widersprach oer Behauptung. Daraufhin erklärte Ären tano^ eine Erzählung aus dem Stegreise erfinden zn wollen, die Schinkel nicht im entferntesten durch Zeichnen zu verfolgen und verständlich auszudrücken vermöchte. Nach längerem Hin- uni) yerreben wurde unter allgemeinem Jubel eine Probe beschlossen. Brentano erzählte und Schinkel komponierte die umständliche Beschreibung eines alten Jagdschlosses, das nach dem Tode des fürstlichen Bestvers einer Cberförfterfanulie zur Wohnung und Instandhaltung anljeimgefallen war, füllte den ersten albend aus, und fast in derselben Zeit entstand auf dem Pa vier die Momposition dieses Schlosses mit allen erdenklichen Einzelheiten der Erzählung. Mit dem Ende der Woche war die Erzählung beendet, aber auch die Zeichnung dazu. Ta der Obersörster in der Erzählung starb, das geschilderte Terrain aber aus lauter üeben bestand, so daß sich kein Plätzchen sand, den Toten begraben zu können, so mußte der Sarg vom Folien herab auf einer Q)onbel über den Fluß gefahren und der Tote jenseits des Schlotes bestattet werden. Ein pirsch, der sich vor einem roten Ober Torjtcr nicht mehr sürchtet, trat in die verlassenen Räume, und ein kleines Kind blies, als ein Zeichen der Vergänglichkeit, sogenannte Pustblumen ab. Tas alles war aus dem Marton so klar
Der Besuch der tüttischen Thronfolgers in Berlin.
Es war in der alten Türkei fast allgemeiner Brauch daß weder der Sultan, noch der Thronfolger Mo n ft ar. tinopel verließen oder gar ins Ausland reiften. Cb sich dieser Brauch daran knüpfte, daß der Sultan und Thron folger am wöchentlichen Feiertage der Mohammedaner, der., Freitag, gehalten sind, ihr (Webet in der Csmanie-Moschce zu verrichten oder vielmehr darin, daß die türkischen Wüt benträaer des alten Regimes dem Sultan das Elend bei burch die Gouverneure ansgesogenen Provinzen verhüllen wollten, bleibe bahingeftellt. ^ebenfalls hat man von Reisen bes Sultans in ber Türket ober gar von solchen ins Auslanb nur gehört, als Abbul Azis 1867 bic Pariser Welk ausstelluvg besuchte.
Mit diesen Berhültnissen hat man nun in der neuen Türkei gründlich aufgeräumt, teils weil bas sungtürkische Regime burchaus mobern und liberal ist und daher auf die alten religiösen Gebräuche nicht mehr großen Wen legt, teils weil es verstanden hat, den in die eigene Tasche wirtschaftenden Provinzgouvernenren größtenteils ein Ende zu bereiten. Es bedeutete daher ein Novum in der Ge schichte des türkisck-en .Hofes, als Mohammed V. im Mai dieses Jahres seine Reise nach Macedonien und Albanien antrat, und es war ebenso bedeutungsvoll, als der Thron folger Jussuf Jzzedin im vergangenen Jahre als offizieller Vertreter des Sultans an den Trauerfeierlichteiten für König Eduard in London leilnahm und auch bei der englischen Krönungsseier zugegen war, eine Reise, die er mit einem Aufenthalt in Paris und Rom verknüpfte.
Es würde daher, von diesem Standpunkte ans betrachtet, nicht viel bedeuten, wenn der türkische Thronfolger Jussuf Jzzedin, der mit seinen 54 Jahren schon int gereiften Mannesalter steht, in dieser Woche in Berlin einzutresfen gedenkt. Und doch liegt zwischen dem auf drei Tage berechneten Besuch des Thronfolgers in Berlin und den bisher in London, Paris und Rom gemachten Besuchen insofern ein großer Unterschied, als die beiden Londoner Besuche direkt bind) wichtige Ereignisse veranlaßt waren, ber Besuch in Paris inkognito stattfanb, während der Besuch in Rom offiziellen Charakter trug, wenn er auch burch feine bestimmten Ereignisse bcgrünbct war. Nimmt man nun zu beni jetzigen, lebiglicb burch eine Einladung des Kaisers veranlaßten Berliner Besuch des türkischeil Thronfolgers hiiizu, daß Jussuf Jzzedin auch dem Wiener und Bilkarester Hof auf der Rückrei|e Besuche abstatten will, so geht daraus zur Genüge hervor, baß bic Türkei, unbeschadet ihrer bisherigen neutralen Haltung, doch mehr zu den T r e i b u n d m ä ch t e n h i n n e i g t als zu den Ententemächten, von ihrem Erzfeind Rtißland natürlich ganz abgesehen. Zweitens aber wird aus den Reisen Jussuf Jzzedins, mit denen doch auch ganz naturgemäß politische Besprechungen verbunden sind, klar, daß er bei dem durch seine lange Haft resp. Internierung unter Abdul Hamid zermürbten jetzigen Sultan Mohamnied V. schon letzt eine ähnliche Stellung einnimmt, wie Erzherzog Franz Ferdinand in Cesterreich-Ungarn. Man wird daher mit der politischen Bedeutung Jussuf Jzzedins schon jetzt zu rechnen haben.
So wird man sich fragen müssen, welche politischen Zwecke er jetzt mit seiner Berliner Reise zu verfolgen gedenkt. Tie Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, locnn man sich vergegenwärtigt, daß der führende Teil ber Jungtürken seine Ausbildung in Paris erfahren hat, und die Türkei, seit dort der deutsche Einfluß immer mehr gestiegen ist, England auf jeden Fall zum Gegner hat. Hub boch gibt es einige Punkte, über die sich bic Türkei mit ihren Widersachern auf dem Wege über Berlin verständigen könnte. Oeftcrreich-Ungarn kommt hier ebensowenig in
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Frage wie Rumänien, da, wie der Besuch des Thronfolgers in Wien und Bukarest beweist, bic Beziehungen zwischen der Türkei auf der einen und Cesterreich Ungarn sowie Rumänien auf der anderen Seite die denkbar besten sind In der Türkei hat man die Abtretung Bosniens und der .Herzegowina schon lange verschmerzt und setzt jetzt alles daran, 'irr Cesterreich Ungarns und Rumäniens als Bun desgenossen für den Fall eines Krieges gegen Rußland und die kleineren Balkanstaaten zu versichern.
Tcstomchr aber sind die Beziehungen zn Italien gestört, mit dem die Türkei über Tripolis Streitigkeiten genug Latte. Betrachtet boch Italien Tripolis als sein Ar beitsfeld, unb paßt boch die Türkei den dortigen Italienern ganz besonders scharf auf die Finger, weil sie cs nicht erleben will, daß, wie Tunis und Algier an Frankreich, so schließ lich Tripolis an Italien fällt Nun ist zwar durch das Bor bringen der Franzosen int Hinterlande von Tripolis ber wirtlchastsvolilischc Wert von Tripolis von Jahr zu Jahr gesunken, aber die Italiener würden and) gerne mit den schönen Ueberrcsten von Tripolis vorlieb nehmen. Sic hoffen das jetzt, nachdem sie in Algeciras durch Frank reich und England in ihren Hoffnungen auf Tripolis gründ lich enttäuscht wurden, mit Hilfe Deutschlands und Ceftcr reich-Ungarns zu erreichen und schließen sich deshalb den beiden Kaisermächten enger denn je an. Es würde daher, will Teutschland und Ccftcrrcidyllngam sich die Türkei ver- pslichten, ohne Italien zu verlieren, im Interesse des Drei- bundcs liegen, wenn Italien unb die Türkei sich über gewisse italienische Konzessionen in Tripolis einigten, ohne daß darum bic türkische Cberhoheit über Tripolis in Gefahr geriete. Tie Türkei sowohl wie Italien haben für Tripolis sehr viel von den Franzosen zu fürchten. Es dürste deshalb gerade jetzt, wo Tentschland mit Frankreich im Ma- rokkostreit liegt und Italien sich von Frankreich und England abzuwenden scheint, die gegebene Zeit fein, mit Hilfe deutscher Vermittelung die Differenzen zwischen der Türkei und Italien über Tripolis anszugleichen.
So dürfte die politische Mission des türkischen Thron- solgers in Berlin diesen Punkt als ersten und wichtigsten berühren, ganz besonders auch deshalb, weil ein durch keine tripolitanischen Zwischensälle gestörtes Einvernehmoli zwischen Italien unb der Türkei auch auf das Verhalten Montenegros zur Türkei günstig wirten müßte, da König Nikita bann au dem ihm verwandten italienischen Hofe kein Gehör mehr für seine Beschwerden finden würde. Außerdem aber würde ein gutes türkisch-italienisches Verhältnis auch auf bic Mrctafragc nicht ohne Einfluß bleiben, die jetzt durch die Auf'rollung ber Neubesetzung des Lbcrkommissarpostens (an Stelle von Zaimis) brennenb zu werden verspricht.
Was im übrigen in Berlin zur Besprechung gelangen wird, trägt feinen politischen, sondern lediglich wirtschast- licben Eharakter und wird wohl kaum zu irgend welchen Differenzen zwischen den beteiligten Staaten Anlaß geben. Tie von einer sranzösischen Eisenbahngesellschast in der europäischen Türkei zu erbauenden Eisenbahnlinien sind schon vertraLsmaßig unter e3unimmung der Treibund möchte sestgelegt. Nur das Problem der Sandschak B a h n st r e ck e, sowie das Problem der G o l f st r e ck e der Bagbadbahn harren noch ihrer Lösung, ohne baß man deshalb an Streitigkeiten zwischen der Türkei und Lester- reich Ungarn ober zwischen Teutschlanb unb England zu beuten braucht. Immerhin aber wäre es wünschenswert, wenn es gelänge, den türkischen Thronfolger für die österreichische und reichsbeutsche Stellung zu diesen Fragen zu gewinnen. Und das wird umsoweniger schwer fallen, wenn, worauf die Türkei den größten Werl legt, durch deutsche Vermittelung ihr Verhältnis zu Italien ein freundschaftlicheres geworden ist.
Die Stimmung in Deutschland und Frankreich.
Während die Sozialdemokratie Masienversamminngeir gegen den Krieg abt alt, ist doch die große Mehrheit be-> deutschen Volkes dafür, daß die deutsche Regierung den französischen Anmaßungen gegenüber 'est bleibe Auch neuerdings leistete sich die französische Presse wieder die stärksten Ausdrücke:
Tkt „Tempr" über ein „Trinkgeld" für Tentschland.
Ter „Berliner Lokalanzeiger" meldet ans Paris: Tee „Temps" tritt für sofortige Aufhebung des die deutsch- französischen Verhandlungen ningebenden Geheimnisses ein unb ferner für das Recht, der f r a n z ö s i s ch e n P r e > s e fortan die Führerrolle in der ganzen Streit frage zn übergeben. Ein Trinkgeld hänge von dem guten Willen des Spenders, also von Frankreich, ab, man dürfe aber lein Trinkgeld im Namen des Faust- recht s verlangen.
Auch das „Echo de Paris" spricht in beleidigender und wegwerfender Weise von dem ..Trinkgclb", das Deutschland zu gewähren sei. Ter französische Kriegsminister ftfirh feine Landsleute in diesen stolzen Phrasen, wie folgende Meldung befugt: .
Parts, 21. Ang -ter Kriegs m i n i st e r bielt ut Trevoux, Departement Ain, auf einer landwirtschaftlichen Ausstellung eine Rede, in der er u. a. faßte:
Wir sind eine friedfertige Nation, aber »vir blicken mit Stolz auf unsere ruhmreiche Vergangenheit. Wir ivoUen auf leine unserer Ueberlicieriniflc» verzichten. Ta? Vertrauen, welches ivic in die Geschicke unseres Landes haben, gilt ebenso sehr beit Wirklichkeiten der Gegenwart wie den Möglichkeiten der Zukunft. 3d) trinke auf das republikanische Frankreich, das seit einigen Monaten der Welt cm so schöne- Beispiel nationalen Stolze-, nationaler Tatkraft und Größe gibt.
Von den ihn am Nordoahnhaf erwartenden Berichterstattern und Photographen mit shmpathischen Zurufen begrüßt, erklärte der Botschafter E a m b o n, fein Wort gehöre zurzeit dem Minister des Aeußern, er fei außer Stande, der Presse irgendwelche Mitteilungen zu machen.
Bordeaux, 21. Aug In der heutigen Sitzung des Generalrates iam der frühere Ministerpräsident Monis, der Vorsitzende des Gencralrales, aus die Stellung Frank reichs zum Auslände zu sprechen, die er für ernst hielt, bereu Schwierigkeiten man aber nicht zu übertreiben brauche. Die Regierung werde alle Franzosen um sich scharen, um Frankreich die Wohltat des Friedens zu sichern, der auf der Grundlage des Rechts gegenüber jeder Ungerechtigkeit gewahrt bleiben müsse.
Versailles, 21. Aug. 2.50 Mann des ö. Genie- regimentö sind nach Marokko abgegnngen, um bei dem Bau der Schmalspurbahn in der Umgegend von Fez beschäftigt zu werden.
Tagung des Rhein Main-Gaues des Alldeutschen Verbände? in Mainz.
In einer von fast sämtlichen Lrtsgruppcn des Gaues besuchten Vertreterversammlung des Rhein-Main-Gaues des Alldeutschen Verbandes im Mainzer Hof hielt, so berichtet man uns, Privatdozent Tr. Wirth-München einen Vortrag über Marokko, seine wirtschaftliche und politische Bedeutung für das Deutsche Reich Ter Leiter der Vcr sammlung, der Gauvorsitzcnde Rcallehrer G r ü u s ch l a g, brachte nach einer lebhaften Aussprache eine Entsch l i e gung zur Verlesung, bic einstimmig angenommen würbe. Sie hak folgenden Wortlaut:
„Tie am 20. August in Mainz versammelten Vertreter des Rhein-Main-Gaues des Alldeutschen Verbandes stehen einmütig auf dem Standpunkt: Es kann nicht deutlich und oft genug betont werden, daß die deutschen Ansprüche au» Marokko gegen keinerlei Entschädigungen außerhalb diefcs Lan desaufgegeben werden dürfen. T ic besonders durch Englands unfreundliche .Haltung für unser Deutsches Reich zu einer Macht-
und anschaulich zur Darstellung gebracht, daß sich Elemens Brentano geschlagen fühlte unb seine Wette verloren gab. Im Jahre 1820 hat dann Schinkel den Karton ut Lei ausgeiüllt. Das Schloß, in altfranzösischem Stil mit zierlich geschnittenen Laubwänden, thront auf einem am Strome ragenden Berge. Zu ihm hinan führt über verschiedene Terrassen ein durch gemauerte Brüstungen und Tore gesicherter Weg, den eben cur Htrsch betreten hat. Unten am Ufer stehen Bauernhäuser und eine Kirche, während jcnicitd die Kavelle eines Klosters liegt. Nahe dabei dehnt sich cm Friedhof, der bald den neuen Gast empfangen wird, denn cm .Habit trägt über den Strom den Sarg mit dem Toten. Wie das Leben verglüht, so auch die Abendsonne, die mit ihrem letzten Golde durch bic Zweige des im Vordergründe sich reckenden Baumes schimmert. Eine Scheibe, die am Stamm des Baumes hängt, ifr von einem Pfeil mitten ins Herz getroffen. Unbekümmert um Tod und Vergehen, geben sich mehr nach rechts hin Kinder bei einer Kürbislaube frohen Spielen hin. So geschlossen ist die Komoosition, so ganz zuiammcngestimmt au feiner, koloristischer Harmonie, daß niemand vermuten Tann, daß bei der Konzeption des Bilbcs fremde Willkür gewaltet hat. Schinkels geistige Gewandtheit und außerordentliches .'tonnen haben eben alle Schwierigkeiten, die sich der Lösung der Wette darboten, glänzend besiegt.
Heue vahnsystenie der Schweiz.
Tic Schwei; steht gegenwärtig vor der Konzessionierung neuer Bahnwsteme im Gebirge. Tas originellste Proickt, das sich noch auf keinerlei frühere Erfahrungen Nüven fann, ist das einer Schlittenbahn über die A l e tf ch g le t s ch er in Wallis. Es handelt sich dabei um die Verbindung zweier Bahnen, einerseits der bis zur Station Jungfrauioch geführten Jungfraubalin, an dererseits der aus dem oberen Rhonctal bei Fiefch nach Märjelcn fahrenden Linie. Zwischcit betden liegt der Aletschgletscher. Ter elektrische Betrieb der Schlittenbahn legt und^hält tm S-cil ohne Gnde Schleife in Bewegung. An die«cm Sctlring werden bic Schlitten angebängt. Die Bahn wird in 3 Seilringsck
a.. ;.i nachts, um Einfrieren
unterbrochener Bewegung gehalten werden. Tie Gletscherstar,onen wären Zehnbächen, Märjelcn und Konkordia. Die Schlitten sollen
nut Segeltuchübersvannung Play für 10 Personen bieten. Zum Ucbcrbriiden der großen Gletscherspalten werden Rollbahnen hergestellt. Ter Betrieb der Bahn könnte nur zwei Monate i. I. dauern. Tie Reise verliefe zwischen 2250 und 3450 Meter Höhe ü. M. Tie Steigung beträgt aii der steilsten Stelle 37 Prozent. Tie Fahrtgeschwindigkeit wird auf 180 Meter in der Minute geschävt, der Fahrpreis mit 80 Ets. für den Kilometer berechnet, die Fahrtdauer auf 2 Stunden angelegt. Gegen die originelle Bahn, deren Konzession in Bern noch nicht erteilt ist, macht sich aber eine starke Heimatschutzbcwegung geltend. —
Ein zweücs Projekt betrifft das L u f t d a h n f y st c m, dos in der Schweiz noch nicht besteht und gegen das wegen der Betriebssicherheit noch Bedenken bestehen. Eine solche war oberhalb MoMreux am Genfer See zwischen den durch einen Mgrund getrennten, ziemlich gleich hoben Tönern 0Jlu>n und Sonzter geplant, aber die Konresnonäre verzichteten darauf. Am Monte Vre bei Lugano wurde die Konzession verweigert, weil eine Drahtseilbahn leicht anzulegen war. Nun ist die Frage wieder int Tessin am Lago Maggiore aktuell geworden. Da das einzige Schwcizerdorf im italienischen Vedascatal, Jnbemini, eine oirclte Verbindung mit dem Mutterlande verlangt. Eine Straße käme für das 700 Meter über dem Scefvtegcl liegende, 350 Einwohner zählende Torf zu teuer. So will man es mit einer Lu'tbahn versuchen, die freckich nur für die Güterbeförderung eingerichtet werden soll In verschiedenen ^ctTCiAcr Tälern finoct übrigens die Postbedienung hoch unb senkrecht über der Talsohle gelegener Dörfer mittels Lustbahn statt. — Ein drittes Projekt ist die Einführung der in Italien schon erprobten Filovia, des Auto^ mobils ohne Schienen mit elektrischer 2rahtobcrleitung. Dieses Zwischending zwischen Bahn unb Fuhrwerk ist seiner billigen Her Heilung unb seiner bedeutenden Tragkraft wegen sehr beliebt, scheint aber doch im Betrieb ziemlich kostspielig zu sein. In Italien sprach man sich über seine Verwendung immerhin un ganzen fcefnebigeno aus, so daß sich ein weiterer Versuch, zumal ui Gebirgstälern mit schwachem Verkehr, wohl lohnt, Tie Schienen- loiigkeit der Fckovia ermöglicht trotz der CVerleitung ein beaucmcs Ausweichen von zwei Metern bet Begegnungen und ist somit bei engen Straßen doprctt emp.hlcnswert.


