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Die „«ießener Somillenblätter* * werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, dar „Kretsblatt für bei Krtls Eietzen" zweimal wöchentlich. Die „ranbwirtfchastllchei S«U- ,tagen** erscheinen monatlich zweimal.
vletter Blatt lbs. Jahrgang
" Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesjen
Samstag, l5. April |9V
Rotationsdruck und Verlag der vrÜhrchen UniversuätS - Birch- und Steindruckerei.
9L Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion. ^^112. Tel.-AdruAnzergerGreben.
Aus Hessen.
—-Errichtung einer Gestütsstation in Dich. Aog. Fenchel hat bei der Zweiten hessischen Kammer beantragt, die Regierung zu ersuchen, im südöstlichen Teil des Krerscs Gießen eine Gestütsstation in Lich zu errichten und die erforderlichen Mittel hierfür im nächsten Hauptvoranschlag einzustellen. In der Begründung des Antrags wrrd au-sgeführt: Nach dem Arbeitsplan des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für die Provinz Oberhessen für den Kreis Gießen ist Lich für die Ankvruna von Stuten für das hessische Pferdestammbuch und für die Veranstaltung von Pserdeschauen für den 1. Bezirk Ober-Hörgern Langgöns, 2. Bezirk Lich, 4. Bezirk Gießen und 6. Bezirk Alten-Buseck Lollar vorgesehen. 9hni hat auch die Pferde- haltung in solchem Maße auf der Südostseite des Kreises Gießen zugenommen, daß die Errichtung einer Gestüts- stativn als dringendes Bedürfnis zu betrachten ist, das mit jedem Jahre zunimmt. Lich ist als Sitz einer Station in erster Linie ins Auge zu fassen, da hier die Voran- staltungen für Pferdezucht im Arbeitsplan des Landwirt- schastskammer-Ausschusses der Provinz Oberhessen für den Kreis Gießen vorgesehen, unter allen Gemeinden des Kreises die meisten Pferde besitzt, und zirka 20 Kilometer von den übrigen Stationen entfernt ist. Lich liegt fast im Mittelpunkt von 27 Dörfern mit 1100 Pferden, wovon fast die Hälfte Stuten sind. Stallungen stehen zur Verfügung.
rm. Darmstadt, 14. April. Ms neuer Land- tagskandidat für den zurückgetretencn Abg. Dr. Glu,sing wird jetzt neben Direltor Bastian einer der ausgesprochenen Führer der nationalliberalen Partei, Prof. Dr. Aeßling genannt, auch bezüglich anderer Personen wird zurzeit mit den Wahlmännern verhandelt.
Börsen Wochenbericht.
= Frankfurt <l M., 13. April.
Obwohl es an Anregungen fehlte, erwies sich die Grund- srrmmung der Börse als fest. Die bevorstehenden Feiertage hab.n die Geick-ästslust etwas vermindert, von einer wachserü«n '.-itigimg, Effekten abzustoßen, ivar aber taum etwas zu bemerken, üaraus erklärt es fid), daß die Kurse sich im allgemeinen behaupten konnten. Den Vorgängen in Albanien, Marokio und Mexiko schenkte die Börse nur geringe Beachtung und die W irisch a f t S k o n j u n kt u r wird günstig beurteilt, obwohl die Entscheidungen in den amerikanischen Trustprozefien noch immer aus- stehci^ und niemand sagen kann, welchen Einfluß ein zuungunsten des Trust ausfallendes Urteil haben ivürbe. Inbezug auf die Geldvcrhältnisse glaubt man einen die günstige Tendenz störenden Einfluß vorerst nicht befürchten zu müsien. Das Hauptgeschäft fand, abgesehen von einzelnen Jndusttiepapieren, am Montanmarkt statt. Auf diesem Gebiete betätigt sich die Spekulation wieder mehr, und obgleich der Kohlenmarkt nicht günstig liegt und auf dem internationalen Eisenmarkt manäze abschwächende Anzeichen vorhanden sind, legte die Unternehmung größere Zuversicht an den "Tag. Einige Anregung boten die hohen Versandziffern des Stahlwerksverbandes. Auch die Ankündigung einer Eisenbahnvorlage leistete den Bestrebungen der Unternehmung einigen Vorschub. Im übrigen wirkten wieder günstige Dividendenschätzungen, die bei der Rombacher Hütte auf 11 o/o (L V. 8%), beim Bochumer Verein auf 14 bis 16% gegen 12% im Vorjahr lauteten und auch beim Phönix über die vorjährige Höhe hinausgingen, stark stimulierend. Lattächlich ist die Beschäftigung unserer Hüttenwerke zurzeit recht befriedigend, und namcniiid) in Schienen und Eisenbahnmaterial ist der Absatz flott. Ob aber diese Verhältnisse nicht )d)on in den Kursen zum Ausdruck gebrach: sind, ist eine andere Frage. Rege Umsätze landen in Elektrizitätswerten statt, namentlich als verlautete, daß die Einführung des elektrischen Betriebs auf der Berliner Stadtbahn in Angriff genommen werden solle. Zweistllos wird dabei den großen Elellrizitätsgesellschasten Gelegenheit zu umfangreicher Betätigung gegeben fein, da aber Entschließungen in dieser Frage noch nicht ersolgten, wird man es doch als ver
früht bezeichnen müssen, wemi man aus dieser Betätigung erhoffte Gewinne schon heute in den Kursen ausgiebig cScomptiert. Das Geschäft in diesen Werten ist zuletzt etwas ruhiger geworden, nnmerhin falben Schuck er t 2%, Edison und Siemens & Halske je 3% Kurssteigerung zurückbehalten. Deutsch Atlantiscktz: Telegraphen und Akkumulatoren Berlin stiegen auf die Dividendenerhöhungen 6V-* bezw 7%. Reiniger Gebberr und Sckiall waren gefragt, da die Gesellfü)aft eine Kapttalserbvhung vornehmen wird. Bon Maschinenfabrikaktien waren Klencr, Moenus, Motoren Oberursel, Gritzner, Mannesmaim und Pfälzische Nähmascknnen begünstigt. C h e m i s ch e W e r t e waren etwas erholt. Am Banken markt zeigte sich einiges Interesse für Handelsgesellschaft und Banane Ottomane: von Bahnen traten Baltimore, Orientalische und Schanlungbahn hervor. 2 ch if fa h rt s wert e matter. Fonds wenig verändert. Priv.- Dis k. 218/ic%.
handel.
** Landwirtschaftliche Genossenschaftsbank in Darmstadt. Nach dem Bericht des Vorstandes erzielte die Bank im 2 7. Geschäftsjahr bei einem Gesamtumsatz von 315,81 Millionen Mark einen Reingewinn von 153 103,18 Mark, der die Verteilung einer Dividende von 4 Prozent auf das voll eingezahlte Grundkapital von 2,5 Mill. Mark =• 100 000 und eine Zuweisung von 50 000 Mark an die Reserven zuläßt. Es erhöht sich dadurch der Stand der Reserven auf □50000 Mark, das sind 22 Prozent des Grundkapitals, der Betrag des eigenen Betriebskapitals der Bank auf 3,05 Mill. Mark. Ausweislich der Bilanz sind unter dem Gesamtbetrag des fremden Betriebskapitals von 15,20 Mill. Mark an Einlagen der Mitglieder 13,27 Mill. Mark enthalten, und zwar 7,55 Mill. Mark Einlagen in laufender Rechnung und 5,72 Mill. Mark Depositeneinlagen, darunter 5,45 Mill. Mark, also der weitaus größte Teil, mit 12monatlicher Kündigungsfrist. Ausgeliehen waren an die Mitglieder in laufender Rechnung 10,42 Mill. Dlark und gegen Tarlehnswechsel 1,65 Mill. Pearl, mithin zusammen 12,07 Mill. Mark. Gegen das Vorjahr falt sich der Schuldensland der Mitglieder bei der Bank um 0,14 Mill. Mark, ihr Einlagebestand um 3,58 Mill. Mark erhöht. Im Verkehr mit den Mitgliedern, die im Laufe des Gesck>äftsjahres 3,44 Mill. Mark mehr eingelegt als abgehoben haben, hat eine Steigerung des Umsatzes gegenüber dem Vorjahre um 20/22 Mill. Mark ober um 27,19 Proz. stattgefunden. Auch der Umsatz im Giroverkehr mit der Reichsbank hat um 11,16 Mill. Mark zugenommen, während der Gesa m t u m s a tz infolge des geringeren Umsatzes im Kassen Bank-- unb Wechselverkehr gegen das Vorjahr um 25,62 Mill. Mark = 7,50 Prozent zurückgegangen ist. Der geringere Umsatz im Kasse-, Bank- und Wechelverkehr ist darauf zuruckzuführen, daß der stärkere Geldzusluß aus Genossenschaftskreisen, wie der größere Bestand langfristiger Depositeneinlagen die Beschaffung von Geldmitteln zur Befriedigung des periodisch, oft stoßweise einttetenden größeren Geldbedarfs der Mitglieder durch Diskontierung eigener Wechsel ober Akzepte der gelbbedürftigen Vereine in dem abgelaufenen Jahre weniger notig machte als in früheren Jahren. Der Rückgang der Umsatzzisfer im Wechselverkehr ist weiter verursacht durch das veränderte Wechselstempelgesetz, das die Bank in 1909 veranlaßte, sämtliche Depotwechsel zurückzugeben und keine neuen mehr aus stellen zu lassen. Im Scheckverkehr hat die Einreichung von Schecks, die der Bank zum Einzug ober zur Verrechnung überlassen wurden, der Stückzahl nach um 7,71 Prozent abgenommen, dem Betrag nach dagegen um 7,72 Prozent zugenommen. Der Turchschnittsbettag eines Schecks ist um 89 Mark ober 15 Prozent größer geworden. Die früher so häufig vorgekommenen Abschnitte mit kleinen urb mit kleinsten Scheckbeträgen verschwinben allmählich aus dem Verkehr. Aus den Bilanzveröfsentlichungen ber der Bank angeschlofienen 3 9 4 Kre- bitgenossenschaften, deren 48 543 Mitglieber ein Vermögen von 692,77 Mill. Mark und ein Einkommen von 55,25 Mill. Mark versteuern bezw. besitzen, geht hervor, baß sie Ende 1909 ein eigenes Betriebskapital an Geschäftsguthaben und Reserven von 8,14 Mill. Mark haben unb daß an fremden Gelbern 118,84 Mill. Mark bei ihnen angelegt bezw. von ihnen aufgenommen sind. Von Dem gesamten Betriebskapital von 126,98 Mill. Mark waren in Immobilien, Hypotheken unb Käufschillingen 60,13 Mill. Mark angelegt ober ausstehend. Wenngleich ein großer Teil der gegen Realsicherheit ausgeliehenen Gelder dem Personalkrebit diente unb eine Grenze zwischen Real- und Personal-
kredtt bei Den Mitgliedern der ländlichen Genossenschaften oii schwer zu ziehen ist, so muß doch wiederholt darauf hingewiesen werden, daß die Festlegung überschüssiger Geldbestände in Kauf schillingen und Hypotheken Die Genossenschaften in eine fdmncrigc Lage bringen kann und selbst recht gut geleitete Vereine wieder holt schon in eine solckie gebracht bat. Die vornehmlich dem Geldausgleich der hessischen Verbandsgenossenschaften dienend' Genossenschaftsbank kann mit ihren Zinssätzen den Schwankungen bet Geldleihsäpe im allgemeinen Geldmarkt nicht folgen: in: Interesse der Genossenschaften und bereit Mitglieder muß sie auf tunlichste Stabilität ihrer Sätze halten. Diesem Grundsatz ist sie auch ün abgelaufenen Gesckräftsjahr treu geblieben: seit 1. Januar 1907 haben wir unsere allgemeinen Zinssätze im laufenden Rechnungsjahr nicht geändert
Köln, 13. April. Die Äufsichlsratssitzung der Aktien.Gesell schäft für Verzinkerei und Eisenkonsttuktion oorm. Jakob H i 1 gers in Rheinbrohl har besckstossen, der auf den 29. Mai einzuberufenben Generalversammlung vorzuschlagen, nach reich lichen Abschreibungen wiederum 12 Prozent Dividende zu verteilen und 101 558 Mark auf neue Rechnung vorzutragen
Märkte.
le. Wiesbaden, 13. April. Heu» n b Strohmarkl. Angefahren waren 6 Wagen Heu und Strofa Man notierte; Heu 7.20—b.2u Mk., Stroh lRichtslroh) 4.00—5.20 Alk. — Fruchtmarkt. Hafer 16.80—00.00 Alk. Alles für 100 Kilo.
Die nach- A n r 7 t P 6,nd TOn 12 ühr mittags bis 12 Uhr stehenden avl L IV nachts nur für dringende Fälle sicher anzutreffen : D16/4
Am Sonntag dem 16. April (1. Feiertag):
Dr. Klein, Ost-Anlage 37.
Sanitätsrat Dr. Zinsser, Goethestrasse 10.
Am Monta«; dem 17. April (2. Feiertag):
Dr. Kipper, Wilhelmstr. 2. — Dr. Kicbter, Frankfurter Str. 4
kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
1. Osicrscicrtag, Sonntag den 16. April: Follette zum Besten des Kirchenfonds.
Gottesdienst.
3n der Stadtkirche.
Vormittags 61/, Uhr: Pfarrer Schwabe.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für Matthäus- und Markus - gemeinde gememfam. Piarrer Schwabe.
Abends 6 Uhr; Beichte. Piarrer D. Schlosser.
3n der Zohannerkirche.
Vormittags 9'-, Uhr: Pfarrer Ausfelb.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes gemeinde.
Pfarrer A u S i e t d.
Abends 6 Uhr: Piarrasststent S ch o r l e m m e r.
2. Ostcrfciertag, Montag den 17. April: Kollekte für die Arnien.
3n der Stadtkirche.
Vormittags 91/, Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Matthausgemeinde. Feier des heiligen Abendmahls.
Pfarrer D. Schlosser.
Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Kon- sirmanden aus der MarkuSgemeinüe. Piarrer Schwabe.
Abends 6 Uhr: Piarrasststent Schorlemmer.
Die Konfirmation der Kinder aus der Markusgemeinde findet den 23. April, am Sonntag Quasimodogeniti, und in Verbindung damit Feier des heil. Abendmahls statt.
Jn der Zoyanncstirche.
Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Bechtolsheim er.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die L u k a s gemeinde.
Piarrer Bechtolsheim er.
NachniittagS 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Ron* firmanden aus der Johannesgeineinde. Pfarrer A u s f e l d.
Die Konfirmation der Kinder auS der Johannesgenieinde findet am 23. April, am Sonntag Quastmodogeniti, und in Verbindung damit Feier des heil. Abendmahls statt.
Sstcrn.
Ostern ist das christliche An,ci>tchungsfcsi, zugleich von heid- nrfcher Zeit her bas Fest der Auferstehung und des Wi. der erwachens der Natur und Hai seinen Namen bekommen von dem heidnischen Fest. Wenn sich über eine Göttin Ostara, von der eine Zettlang viel die Rede nxrr, nichts Bestimmtes hat ermitteln lassen, so muß es bock) bei den alten Germanen ein göttergleiches Wesen gegeben haben, bas zu tun hatte mit dem Osten, in dem die Sonne ausgeht; bas etwas war wie die Eos oder Morgenröte der Griechen, -u- glcid) aber in sich auch bas zunehmende Tageslicht schloß, das für den Norden von so ganz besonders großer Bedeutung ist. So wurde Ostern, nachdem die Auferstehung des Heilandes von ber Kirche in den ersten Frühling verlegt mar, bei den Deutschen zu .incm Doppelfreudcnfest. Tas bat sich kundgegeben in zahlreid>en ,alten Sitten und Gebräuchen, die 5um Teil selbst ins Ucbermütige 'allen: im Osterfeuer, im Ostcrtanz oder Osterreigcn, den sogar die Sonne mttmacht, indem sic in der Frühe des ersten Ostertages drei Freudensprünge ausführt, ün Osvernxisserholen, im Ostereiersuchen, im Ostergelächter.
Reizend gibt sich die Freude über das Erwackien des Frühlings kund schon bei deutschen Dichtern des Mittelalters. „Sie ist meines Herzens öfter tag", heißt es bei einem Minnesänger von her Geliebten, bei einem andern „meines Helles Ostertag". In Tristan und Isolde ist in bezug auf die letztere zu lesen „der Treu» denrciche Ostertag, der lachMd in ihren Augen lag" und Wetter: „Dein Gruß mar meiner Freude Ostertag".
Ostern fällt verschieden, früher oder später, wenn aber ein Sprichwort sagt:
„Es fomme Ostern, wann es null. So kommt es doch in dem April," so hat das Spridstvort nicht recht, denn ich habe mancfanal schon erlebt, daß Ostern im März kam. Später aber als am 25. April kann es nick-t kommen, und so erscheint es dock) in diesem^Jahre noch nickst gar so spät, sondern etwas über 8 Tage vor dem Schlußtermin^ Immerhin ist es möglidj, daß einiges von dem, was zu ben £ ft erb lum en gerechnet wird, vor dem Fest schon verblüht ist. Tas güt von den Veilchen, die ja auch diesmal schon im März, nach dem sie auch Märzveilckstn benannt sind, zur Blüte kamen. 0 wie reizend ist ihr Ersd)citicu im ersten Frühling! Einen Tag nach dem anderen sicht man sich nach ihnen um, und noch nichts ist zu sehen, — dann aber au einem Morgen sind sie plötzlich) in Menge da und stecken ihr Köpfchen zusammen wie Zünder, die sich zum Spiel versammelt haben.
Auf den Gartenbeeten olüften wohl noch in den Feiertagen d-ie gelben Narzissen, die Osterlilien genannt werden, ob aber die Weil em ch-ck,en »wch richtige Osterpalmen ro erben abg.ben können, das schLttit mir nickst ganz sicher zu sein. Jedenfalls icor-cft wird der grüne Boden des Buchenwaldes, der am besten zum Ziel des Osterspazierganges genommen wird, mit zierlichen weißen Anemonen oder Windrösd)en, die aud) Osterblumen heißen, geschmückt
sein. Ihnen gesellen sich) die blauen Leberblümchen, aud) Herzfreude genannt, und die goldgelben Schlüsselblumen oder Himmelssdstüsscl. zu. O wie erfreut es das Herz dann, umherzuwandern zwischen diesen lieblichen Frühlingskindern unter den knospenden Zweigen der Buchen, von denen allerlei Vogelstimmen erschallen! Das gehört mit zur Oster fr eude, die uns, io_ hoffen wir, der April, der ja als launisch verschrieen ist, nicht stören wird. Ist et doch diesmal um die Ostersestzett schon in gesetzterem Alter.
Eine Pflanze heißt im Volks munde Osterluzei, doch blüht sie weder um Ostern, noch hat sie sonst etwas damit zu tun. Ihr botanischer Name ist Aristolochia clcmatiti», aus Aristolochia aber ist durch Verdrehung oder schiefe Volksetymologie, wie man sich ausdrückt, „Osterluzei" geworden, wie aus Foenum graecum „Feine Grete". Es gibt noch mehr Beispiele der Art.
Warnemünde. Johannes Trojan.
*
— Das Ostergelächter. Die Freude über den Sieg der Sonne wurde im Mittelalter von der Kirche in sehr naiver Weise bewiesen, ©aftrenb der langen Fastenzeit waren die Gottcs- l)äuser dunkel geblieben und die Abendgottesdienstr, lamenta- tiones, d. L „Klagen" genannt, waren auch nicht dazu angetan, die Gemüter fröhlich zu stimmen. Das geschah erst in den Oster- tagen. Darum bemühten sich die Prediger am Osterfest, namentlich tti den dcachmittagsgottesdienften, durch Erzählen von allerlei lustigen Geschichten die Gemeinde für die bitterernste Vorzett zu entschädigen und sie zu ftöhlichcm Lachen anzuregen. Lauter Beifall, das sogen. Ostergelächter (risus paschalis), pflegte den Redner zu belohnen. Die mittelalterlichen Schwanlbücher enthalten zahlreickst Beispiele sold-er „Osdermärlein". Und manche noch heute im Volke umhergehende heitere Pfaffen- und Teufelsgeschichte mag in jener Zett entstanden fein. Ebenso sollen die in der deutschen Ltteraturgeschichte wohlbekannten Schwänke des Pfaffen von Kahlenberg vielfach zur Erzielung des „Ostergeläch- ters" benutzt worden sein. Bereits ün 14. Jahrhundert begann man gegen die allgemein verbreitete Unsitte oorzugehen. Wie wenig Erfolg dies hatte, beweist die Tatsache, daß sie zu Luthers Zett und auch nach der Reformation noch in Blüte stand, so daß der Basler Reiormaior Lekolampadius (f 1531) sich genötigt sah, eine Schrift über und gegen diesen Braud) zu schreiben. Einige Beispiele. Ein Chronist berichtet von einem geistlichen Herrn, der int Jahre 1399 folgendes von ber Kanzel sprach: „Nun, liebe £ einlein, muß ich mich nach der Gewohnheit richten, eud) zu belustigen, und ein Lstermärlein erzählen. Da mir aber nicht gleich eines einfallen will, so merrr dies: Welch.r Mann Herr über seine Frau ist, der hebe jetzt beide Arme hoch unb schreie ,^Juch!" Da fid) nichts regte, rief der Geistliche: „Juch!" Ein altgemetties Geiäch.ee etscholt unb m:n ging vergnügt von bannen. I Etti ähnliches „Ostermärlein" wird aus oem Klo>ier Marchtelv am Donauufer erjüblt. Dort wollte im Jahre 1506 der Prediger, daß em Planst, der gar sticht unter dem PaMoüel stästde, das.
Osterlied beginnen sollte. Aber tiefes Schweigen — Jein Mann riskierte es. Da forderte er die Frau zum Gesänge auf, die zu Hause das Zepter führe — und alsbald hallte das Haus wieder von dem Gesang der Frauen, die alle auf einmal fangen. Nach eine-, anderen Lesart hatte nach langem Zögern chi Mann es doch gc wagt, das Osterlied zu intonieren. Darüber herrschte eine so groß Freude unter den Männern, daß sie dem Retter ihrer Ehre ein Festmahl gaben.
— Rotes Wasser. Zum Staunen der schon ün Frühjah.' die Schweiz bereisendeii Reisenden, aber auch zum großen Vci druß der schweizerischen Fischer, tritt auch inwiefern Jahre mit Ablauf des Winters in mehreren der dortigen Seen wiederum di • Erscheinung des sogenannten „Burgunderbluts", die intensive Roi färbung des Seewassers auf, die das Volk mit der Schlacht von Murten vom 22. Juni 1476 in Verbindung bringt, in ber an beii Ufern deS gleichnamigen Sees das eidgenössische Heer den em scheidenden Sieg über Karl den Kühnen und seine burgundischen Edelleute und Knappen errang, deren Blut bat von Weinbergen und Obstbaunihainen umkränzten See tiefrot gefärbt haben soll. Ti: Wissenschaft hat selbswerständlich nie an das Blutwunder in dem eine halbe Quadratmeile großen, bis 46 Meter tiefen See geglaubt, har aber erst 1896 die seltsame Naturerscheinung durch Entdeclluig einer winzigen, nur im Mikroskop als Eutzelwesen er kennbaren Alge Osclllaria nchescens aufgetlärt, deren faden förmig durcheinander verfilzte Kolonien den Boden des Seebeckeno bedecken, auch auf ber Oberfläche schwimmen, unb, well in ben Zellen reichlich lichtbrechende, rote Farbstoffkörnchen vorhanden ]inb, dem Seewasser eine Färbung vom Hellrosa bis tiefen Pur purrot geben, gleich als ob feinstes Ziegelmehl darin suspendiert wäre. Vermutlich infolge von Verschleppung durch Wafservöget hat die ursprünglich auf den Mur teuer und Baldegger See bc schränkte Alge in den letzten Jahren eine zunehmende Verbreitung iaud> auf den schmalen Rotsee bei Luzern- gefunden, so daß man die Rotfärbimg in den beiden letzten Wintern sogar durch das Eis der Seen hindurchleurhten saft. Für die Fischerei ist sie eine große Gefahr, weil ber von ben Fischern ab gesetzte Laich tn den Schleim polstern der Algcnlolonren unfehlbar zugrunde geht unb weil auch ber aus schlüpf enden Brut dadurch die Kiemen verstopft wer den, so daß btc jungen Fische infolge von Sauerstoffmangel sterben. Die Osclllaria nchescens ist ein Mitglied ber weitverbreiteten Ordnung der Blaiialgen (Cyanophyceen), bic in allen Gewässern, wo sie ,ich reichlich vermehren, mich deswegen sehr läftig werden, well die sich zerfetzenden Scblermmaisen einen pestilenzialischen. Geruch ausströmen. Ucberaue wid.nstandsfähig gegen Temperatur untcr'chiebc, kommen sic ebensowohl im eisigen Wasser ber Glei scherbäche wre tn dem heißen bampienb-m Wasser des Karlsbads Somdels vor, wo sie den sich ausicheidenben Kall deS Mineralwassers auffangen imb zur Entstehung deS Sprudelsteine Ber-- anlassung geben.


