Nr. 78
Vien« Blatt
W. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Erscheint tL-lich mit Ausnahme des Sonntag».
General-Anzeiger für Sberheften
Die „Gietzeuer LamNienblStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, dar „XreUbtalt für den Kreis Giehea' zweimal »öchenttich. Die „Laudwirtschastlichen Seit« fragen“ ericheinen monatlich zweimal.
Samstag, 1. April
Rotationsdruck und Verlag der Lrühl'schen Universität» - Brich- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag:
Redaktion, 112. Tel.-Ad ruAnzergerGleßen.
Der Flug Paris-Berlin gescheitert.
Wieder einmal hat sich der französische Chauvinismus durch <ehte jede Grundlage entbehrende Fehde gegen einen friedlichen Wettbewerb zwischen deulselzcn und französischen Fliegern bloßgestellt. Durch eilte ins maßlose gesteigerte Hetze franzö- si schor s'Chauv ini st en b l ä 11 c r hat sich das Pariser ^/Journal" genötigt gesehen, seine mit dem Verlag Ullstein bezw. „B. Z. am Montag" getroffenen Vcr- cmbaruitgcn zu lösen und so den für den Juni geplanten -.Europäischen Rundflug" in Frage zu stellen. Bott wörtlichem Standpunkte ans betrachtet, sehr bedauerlich: politisch kann man die französische Hetze natürlich mir als äußerst blamabel bezeichnen, lieber die bisher wenig befamtte Agitation der französischen Blätter entnehmen wir der „B. Z. am Mittag" folgende Ausführungen:
„ES begannen plötzlich im Anschluß an die Diskussion über die Zustände in der französischen Fremdenlegion die Chauvinisten in Paris gegen den Flug zu rumoren. Das von allen Beteiligtelt als rein sportlicher Wettbewerb gedachte Unternehmen wurde zu einem politischen Ereignis gestempelt. Ein täglich erscheinendes nur zum Zweck der Bekämpfung des Rundfluges geschaffenes Flugblatt: Les ttois Couleurs, das mit den gröbsten Entstellungen imb boshaftesten Anschuldigungen gegen die Veranstalter des Rundfluges arbeitete, wurde auf den Boulevards verkauft. In diesen Flugblättern wurde neben arideren auch das belustigende Mävcl>cn aufgettscht, der preußische Kriegsminister Iwbe dem Verlage Ullstein u. Co. 100 000 Mark für den „B. Z."-Preis der Lüfte and seinen Geheimfonds zur Verfügung gestellt. Im Quartier Latin forderten ferner Maueranschläge die akademische Jugend Frankreichs zunr Widerstand gegen den Rundflug auf. Ein Säbelduell, das in den letzten Tagen infolge dieser Anschläge zwischen einem in Paris studierenden Deutschen uird dem Vorsitzenden der französischen nationalen Studentenliga in St. Cloud aus gefochten wurde, zeigte, welche Erregung durch diese chauvinistischen Kundgebungen künstlich erzeugt worden war
Rock) vor wenigen Tagen glaubte das Journal die nationalistische Preßkampagne als ein Strohfeuer ansehen zu dürfen, das ebenso schnell verlöschen würde, wie es aufgeslammt war. In zwischen hat das Journal aber einsehen müssen, daß die durch die andauernde Verhetzung geschafsene Situation ernster ist, als cs zunächst angenommen hatte, und hat uns ohne Rücksicht auf feine vertraglichen Rücksichten erklärt, daß es nicht in der Lage sei, den Runüslug über Deutschland zu. führen."
Die „B. Z. a. M." meint weiter, daß für die Regungen des Chauvinismus nickt bloß polittsche Momente von Bedeutung gewesen sind, sondern daß man in Frankreich fürchtete, daß, ähnlich wie einst der deutsche Automobilismus, fetzt auch die deutsche aviatifche Industrie aus dem internationalen Wettbewerb kommerzielle Vorteile erzielen werde. Offenbar batten diese Befürchtungen neue Nahrung durch die ausgezeichneten Leistungen erhalten, die während der letzten Tage die deutschen Offiziersflieger Erler und Mackenthun bei ihren Ueber- landslügen erziehlt haben. \
Erfreulicherweise lyätt die ,,B. Z. a. M." ihren 100 000 Mark- preis aufrecht und sagt zum Schluß ihrer Ausführungen: Die von uns gestifteten 100 000 Mark werden auch.nach dem scheitern des internationalen euroväisckMr Rundflugs der Aviatik zugute kommen. In iüctd)cr Weise dies geschehen wird, darüber hoffen wir Kbon in kürzester Zeit unseren Lesern Mitteilung zu machen.
3. Sitzung Großherzoglicher Handelskammer Gießen für die Streife Gießen, Alsfeld und Lauterbach.
Protokoll - Auszug.
Gießen, den 17. März 1911.
Anwesend sind die Herren: Geh. Konrmerzienrat Heichelheim als Vorsitzender', Kommerzienrat Schirmer als erster stellvertretender Vorsitzender, Kommerzienrat C. Grünewald als zweiter stellvertretender Vorsitzender, Friedberger, I. Grünewald, 3bring, Münker, Roll, Ramspeck, Röhr, Rühl und der Syndikus.
Bor Eintritt in die Tagesordnung begrüßt der Herr Vorsitzende das neu eingetretene Mitglied, Herrn Bankier Jakob Grünewald, nachdem dessen Wahl von dem Großh. Ministerium des Jmrern bestätigt worden ist. Herr Grünewald dankt für die Begrüßungsworte uni) gibt die Versickerung ab, daß er bestrebt sein werde, an den Ausgaben der Handelskammer tatkräftig mit- zuarbeiten.
1. Gesetzentwurs betr. d i e G em e i n d e u m l a g en.i
Zu dem Bericht des Ersten Ausschusses der Ersten Kammer der Land stände über den Gesetzentwurf betreffend die Gemeindeumlagen, haben die hessischen Handelskämmern in gemeinsamer Beratung wie folgt Stellung genommen:
a) Steuer vom Grundbesitz. 1. Der Ausschuß hat die von der Zweiten Kammer beschlossene Freilassung der land- wtttsckaftlichen Oelonomiegebände gut geheißen, ist aber gleichzeitig insofern auch dem Gewerbe cntgegengciommen, als er vorgeschlagen hat, daß für die ausschließlich gewerblichen Zwecken dienenden Gebäude nur die Hälfte des Wertes versteuert werden soll.
Die Handelskammern fordern jedoch eine vollständige Gleichstellung dieser beiden Arten von Gebäuden derart, daß die landwirtschaftlichen Oekonomiegebäude wie auch die gewerblichen Zwecken dienenden Gebäude der Grundsteuer entweder ganz oder nur zur Hälfte der Grundsteuer unterliegen sollen.
2. In Artikel 4 Absatz 2 bat der Erste Ausschuß gegenüber der Regierungsvorlage und der Fassung der Zweiten Kammer die Aenderung vorgenommen, daß als gemeiner: Wert von forstwirtschaftlichen Grundstücken nicht der 33J/3 fache, sondern der 25 fache Betrag des Jabresreinertrags anzusehen ist. Mit Rücksicht aus die Eigenart des forstwirtschaftlichen Betriebes haben die Handelskammern davon abgesehen, ihrersefts zu diesem Beschlüsse Stellung zu nehmen. Hingegen haben sie es als im hohen Grade bedenklich bezeichnet, wenn die Berechnung des Steuerkapitals auch der land- wirtichaftlichen Grundstücke, wie sie von dem Ersten Ausschuß nunmehr vorbeschlagen wird, auf eine völlig veränderte Grundlage geitcHt wird, indem nicht mehr der gemeine Wert, sondern das 25 sacke der Pachtpreise bezw. der 9le in ertrage der Besteuerung zu Grunde gelegt werden soll.
Die Handelskammern fordern daher die Wiederherstellung des Artikel 4 Absatz 3 des Gesetzentwurfes in der Fassung der Zweiten Kammer der Landstände.
b) Steuer vom Gewerbebetrieb. 1. Die Zweite Kammer der Landßände hat die Regierungsvorlage dahin geändert, daß Erwerb- und Wirtschaftsgenossensckwften sowie rechtsfähige . Konsumvereine allgemein steuerpflichtig sein sollen. Ter Erste ' Ausschuß will dagegen lairdwirtschaftlillre und gewerbliche Produk- tions- und Verkaufsgenossen>ck>aften von der Besteuerung ausge- . nominell sehen. Hiergegen haben die Handelskammern starke Be- | deuten vom Standpunkte des gerocrblichm Mittelstandes geltend 1 gemacht und die Wiederherstellung des Beschlusses der Zwesten 1 Kammer als dringend wünschenswert bezeichnet.
i 2. Hinsichtlich des Maßstabes der Besteuerung der Gewerbe hatten die Handelskammern vorgeschlagen, daß das Steuerkapital C/'i des Anlage- und Betriebskapitals und Vi des Ertragswertes-, mindestens der Höhe des ganzen Anlage- und Betriebskapitals gleichkommen, muß. Der Erste Ausschuß hat indessen diese Be-
( stimmung gestrichen, er hat ferner im Gegensatz zu den Vorschlägen ' ber Handelskammern beschlossen, Betriebe, die einen Ertrag von
unter 1300 Mark erzielen, ganz frei zu lassen, d. h. in solchen Fällen den Ertragswerr überhaupt nicht zu berücksichtigen, sondeni als Steuerkapital nur % des Anlage- und Betriebskapitals zu Grunde zu legen.
Tie Handelskammern konnten sich mit diesen Beschlüssen nicht einverstanden erklären und haben um Wiederherstellung ihrer Vor schlüge gebeten.
3. Als bedeutsame Verbesserungen des Regierungsentwurfes haben die Handelskammern folgende Vorschläge des Ersten Ausschusses anerkannt:
in Artikel 9 a : Feststellung des Betriebskapitals in einer den praktischen Bedürfnissen entsprechenden Weise:
in Artikel 9: Aufzählung derjenigen Gegenstände, welckie 5um Betriebskapital gehören und ferner Abzugsfähigkeit von Kapital- schulden, sofern sie unmittelbar aus dem laufenden Geschäftsbetrieb herrühren, an der Hälfte des Wertes der Warenvorräte:
in Artikel 15: Zugrundelegung des 3 jährigen Durchschnitts bet der Ertragsfeststellung und Deklaration bet Erträgen unter 2600 Mark:
in Artikel 21: Erhebung der Warenhaussteuer in Form eines Zuschlages zur Gewerbesteuer, dessen Mindestgrenze 25 Prozent und dessen Höchstgrenze 150 Prozent der Gewerbesteuer betragen soll;
in Artikel 24: Erhebung der Filialsteuer in Form eines Zuschlages zur Gewerbesteuer, dessen Mindestgrenze 25 Prozent und dessen Höchstgrenze 100 Prozent der Gewerbesteuer betragen soll:
In Bezug hierauf haben, es die Handelskammern als wünschenswert bezeichnet, daß die Höchstsätze für die Warenbaussteuer wie für die Filialsteuer gleichmäßig auf 150 Prozent festgesetzt werden.
in Artikel 26 a: Verhütung einer gleichzeitigen Erhebung von Warenhaus- und Filialsteuer.
2. Entwurf einer preußischen Polizeiverordnung, betreffendden Berkehrmit Mineralöl und M in er a l ö l m i schun gen. Der Zweck des Entwurfes ist, dem Publikum einen hinreichenden Schutz gegen die Gefahren flüssiger Destillationsprodukte und deren Gemische mit anderen Stoffen zu gewähren. In seinen einzelnen Bestimmungen gehl aber der Entwurf weit über das Ziel hinaus und ist geeignet, der Lackfabrikation und besonders dem Zwischenhandel in Lacken Hindernisse schwerster Art zu bereiten. Da anzunebmen ist, daß diese Verordnung nicht auf Preußen beschrankt bleibt, sondern eine einheitliche Regelung des Verkehrs mit Mineralölen für das Reich im Sinne des preußischen Entwurfes stattfinden wird, haben die hessischen Handelskammern in gemeinsamer Beratung im Interesse der im Großherzogtum stark vertretenen Lackfabrikation zu der Frage Stellung genommen untr sich auf den Boden einer Denkschrift des Verbandes Deutscher Lackfabrikanten gestellt, in welcher 6um Ausdruck gebracht ist, daß eine solche Verordnung im ganzen zwecklos und für die Lackindusttie und den Lackhaudel überaus nachteilig fein würde. Tie Handelskammern sind deshalb bei der Großh. Regierung in zweckentsprechender Weise vorstellig geworden.
3. E i n g ä n g c.
a) Gutachten. Gerichtlicherseits war die Handelskammer aufgefordert worden, sich gutachtlich über die folgende Frage zu äußern:,
„Ist es Handelsbrauch, daß eiu Kaufmann im Falle des Abschlußes des Geschäfts durch einen Reisenden, wenn eine Auskunft über den Besteller von einem Austunftsbureau nachträglich cin- geholt worden und diese ungünstig ausgefallen ist, berechtigt ist, die Liefwntitg so lange abzulehuen, bis der Besteller gezahlt ober Sicherheit geleistet bat."
Die .Handelskammer hat sich dahin ausgesprochen, daß ein derartiger Handelsbrauch nicht besteht.
b) Bestellung von Sachverständigen. Eine hiesige Großhandttmg in Getreide, Mehl, 'Futter- und Düngemitteln hatte bei der Handelskammer den Aittrag gestellt, dahin vorstellig zu werden, daß bei den hiesigen Gerichten beeidete Sachveriiändigc für die verschiedenen Branchen ernannt werden. Die Handelskammer hat die Berechtigung dieses Anttages anerkannt und die entsprechenden Schritte eingeleitet.
c) Frachtermäßigung für Steinbrucherzeugnis s c. Von Interessenten der Stciubruchindusttie des Westerwalds ist beantragt worden, sür allenAbfall bei der Herstellung vonPflaster- ftetnen, Packlagesteinen, Kleinschlag, Steingrus, Splitt, Stein- sand. Satz- und Senksteinen im Falle der Ausfuhr einen besonders ermäßigten Ausnahmetarif nach den in Frage kommenden Rhein- umschlagsbäfen zur Verfügung zu stellen. Von der Kgl. Eisenbahn- birrftion Frankfurt a. Main um eine gutachtliche Aeußerung über diesen Antrag ersucht, hat sich die Handelskammer dahin ausgesprochen, daß vom Standpunkt der Basaltindusttie des Kammer - bezirkes, gegen den Antrag Bedenken nicht geltend zu machen find und daß die Frage, ob auch der Kammerbezirk aus einer allgemeinen Ermäßigung der Frachten für Abfallstoffe der Steinbruch- indufttie im Falle der Ausfuhr Vorteil ziehen wird, bejaht werden müsse.
d) Von unterrichteter Seite liegen noch Mitteilungen vorüber Vorschriften, betreffenb die Beifügung von Rechnungen bei Pottpaket-Sendungen nach Rumänien, Urlaub zur Erfüllung militärischer Pflichten, lohne über zweifelhafte Firmen in Amerika, Argentinien, Belgien, China, Frankreich, Rußland, Tripolitanien europäische und asiatische Türkei. Näheres hierüber erfahren Interessenten auf dem Sekretariat der Handelskammer.
wandern und Reifen.
P. Schlitz, 30. März. Der Wanderplan für das Jahr 1911/12 des 3m eignere in Schlitz des V. H. C» ist inzwischen erschienen: er umfaßt 12 Wanderungen. Der Verein, der in ganz kurzer Zeit zu einer Mitgliederzahl von 80 Personen angewachsen ist, hat für das neue Jahr eine Prämie ausgesetzt. Jeder Herr, der mindestens an 10 Wanderungen und jede Dame, die an 8 Wanderungen teilnimmt, erhält das goldene Klubabzaichen.
Vermischtes.
* Eine grausige M ord g eschich te. Von dem vor einigen Tagen verstorbenen Journalisten und Thectter- fritifer Romeo Carugati erzählen die italienischen Blätter amüsante Geschichten. Ca-rugati war einer der originellsten Typen der italienischen Zeitungswelt, und die Artikel, die er schrieb, zeichneten sich durch einen oft recht drolligen und bizarren Witz aus. Vor fünf oder sechs Jahren wurde eines Morgens ganz Mailand durch den mit Riesenlcttern gedruckten Titel eines Artikels der ,Lombardia" in große Aufregung versetzt; die Aufschrift lautete nämlich: „Tic grauenvolle Ermordung eines armen Barbiers". — „Entsetzliche Einzelheiten über den Mord vor der Porta Ticinese". Tie Schilderung der Mordtat aber begann folgendermaßen: „Gestern abend wurde in einem sehr besuchten Lokal vor der Porta Ticinese ein aus guter Familie stammender, im besten Ruse stehender armer Barbier, der nicht nur in Mailand sehr bekannt ist, in herzloser Weise ermordet. Uns blutet die Seele, wenn wir die grauenvolle Tat erzählen sollen, der ungerührt sehr sehr viele Leute beiwohnten . Tcu Berichterstattern der anderen Mailänder Zeitungen, die von der furchtbaren Mordtat keine Ahnung gehabt hatten, der Polizei und dem Publikum sträubten sich beim
Lesen dieser Zeilen die Haare, wenn man aber den ttn blühendsten Kvlportagcromansttl geschriebenen Artikel weiter las, fand man des Rätsels Lösung, unb es gab dann überall' ein herzliches befreiendes Lachen. Vor der Porta Ticinese war in der Tat ein Bar bi ei' ermordet worden, unb cs war wirklich ein sehr bekannter Figaro, der sich des besten Leumunds erfreute, nämlich Rossinis „Barbier von Sevilla", den man am Abend vorher in dem vor der Porta Ticinese gelegenen Verdi-Theater in Grund und Boden gesungen hatte. Romeo Carugati, der Kritiker der,Lombardia", hatte dieses Theatcrverbrechen mit der in Blut getauchten Feder eines ScnsattonSreporterS geschildert und ganz Rttnland wenigstens für ein paar Augenblicke lang in den Glauben versetzt, daß ein Kapitalverbrechen begangen worden sei.
* D i e g e s ch m u g g e l t e M e d i zi n au f d c r B ü h n e. Eine lustige Anekdote von einem berühmten englischen Schauspieler erzählt eine Londoner Wochenschrift. Der auch außerhalb Englands bekannte Künstler ist die größte Sorge seines Hausarztes, denn er sträubte sich stets, Medizin zu nehmen, und alle Ueberredungskünste des ärztlichen Ratgebers scheiterten an des Künstlers Erklärung: Ich nehms nicht! Kürzlich trat er in einem Stücke auf, in dem der Held im letzten Akt aus einem Kristallpokal Gift trinken soll. Tcr Künstler hatte den Regisseur vorher verständigt und ihn gebeten, Portwein in den Giftbecher zu tun, damit das Publikum auch deutlich sehe, wie der Held den Gifttrank langsam und mit Ueberlegung kaltblütig schlürft. Der Schauspieler erntete am 2lbend großen Beifall; als er aber in der Endszene den Giftkelch an die Lippen führte, mußte er zu seinem Entsetzen bemerken, daß dieser statt des ersehnten Portweins einen sehr krustigen, sorgsam bereiteten — Sennesblättertee enthielt. Run gab es freilich kein Zurück; er mußte die Medizin nehmen. Sein Mienenspiel soll dabei von erschütterndem Realismus gewesen sein, und das Publikum bereitete dem .Wuftler zum Schluß stürmische Ovationen. Er aber hat seinem schlauen Hausarzte den gescheiten Trick nie verziehen, obwohl ihm der Sennesblattertee ausgezeichnet bekommen sein soll'.
* Ah so! Herr: „Ohne Sie hat mein Leben feinen Wett mehr!" — Dame: „Und wenn ich Sic dennoch nicht crhörenl kann?" — Herr: „Dann muß ich eben ein anderes ansangen!"
* Ein Ker l. „Herr Nachbar, da Sic jetzt Schweüieschachten hatten, schicken Sic Ihrem Sohn, der beim Militär ist, wohl und) eine ordentliche Portion davon?" — „Ach wo! Der hat so viele Bräute . . . neulich hat er uns sogar ein Paket mit Wurst geschickt!"
Viichcttisch.
— Das Offizielle Hotel-Adreßbuch b c S Reichsverbandes Deutscher G a st w i rt s v e r b ä n d e ift ein Handbuch für den gesamten Reiseverkehr, wie es bisher wohl fein Land in dieser Art au'weisen fann. Der stattliche Band in gefälliger moderner Ausmachung ift fein schematisches Verzeichnis von Hoteladressen. Tas Werk enthält die Beschreibung von tausenden deutscher Orte in aller AnSsuhrlichfett und zivar je nach der Be- deutuug, den der einzelne Platz im Reise- und Touristenverkehr einnimmt. Besonders sind die Kur- unb Badeorte, die Luftkurorte, Sommerfrischen unb Touristenstationen, sowie die Mittelvunkte des modernen Verfehrslcbcns behandelt tvorden. Wer sich über einen deutschen Ort, der in touristischer oder fommerzieller Hinsicht nur irgendwie eine Bedeutung hat, unterrichten will, wird nach dem hübschen Band des Oinzietlen Hotel-Adreßbuches greifen. Stach den einzelnen Ortsbeschreibungen finden sich wichtige Berkehrsadressen (Spediteure, Banken, Gasthöfe), nut den für das reisende Publikum bestimmten näheren Angaben. Im Anhang des Buches werden die deutschen Touttstengebiete vorgeführt und dann in einer Anzahl sehr interessanter Abhandlungen die sämtlichen deutschen Wintersportgebiete mit einer Uebersicht über die Charakteristik der einzelnen Winterfrischen und Wintersporlplätze dtejerGebiete. Einreichhalttges Bezugsgnellenregisterüber die verschiedenen Bedarfsartikel wird besonders von dem Hotelgewerbe geschätzt werden. Stadlpläne erhoheil die praktische Bedeutung des Buches, das in jedem größeren Orte in Hotels, in den meisten Reisebureaus, Geschäftsstellen der Berkehrs-Vereiiie und vielen Stadt- unb Gemeindeverwaltungen zur kostenlosen Benutzung amliegt.
— Deutschland als Weltmacht. Vierzig Jahre Deutsches Reich. Unter Mitarbeit einer großen Anzahl berufener deutscher Gelehrter, Offiziere nnd Fachmänner herausgegeben vom Kaiser-Wilhelm-Tank, Verein der Soldatenfreunde, Verlag Kameradschaft, Berlin. Zur vierzigiährlgeii Wiebettehr der Begründung des Teutschen Reiches hat derKaifer-Wilhelm-Danf 58 hervorragende deutsche Männer als Mitarbeiter gewonnen, um mit ihrer Hilfe unter Schrätleitung von Dr. B a l l e r !l e d t ein Werk 511 schaffen, das den Deutschen zeigt, ivas Deutschland ist, was c-s leistet und wie es geworden ift Die Beiträge sind in 9 Abteilungen gegliedert: Volk und Staat. Wirtschaftliche Verhältnisse. Soziale Verhältnisse. Wiffenschan, Technik, Kunst. Bildungsivejen. Kircheii. Gesundheitswesen. Wehrkraft. Politik, Kolonien, Auswärtiges. Tas Buch ist recht geeignet, Interesse zu erwecken an unserem gesamten wirtschaftlichen, poluischeu usw. Leben und Freude am Vaterlande zu machen. Es ist ein echtes deutsches Staatsbürger- Hausbuch.
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