Ausgabe 
24.10.1911 Drittes Blatt
 
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Im einzelnen spricht man von der Suspension der Zolle <nif Futtermittel, an denen wir ja leider eine ungünstige Ernte gehabt haben. Man vergißt dabei, daß bie große Masse derjenigen Futtermittel, aus die der Landwirt in einem knappen Fahre, wie im letzten, in erster Linie angewiesen ist, die Kraft­futtermittel in der großen Masie zollfrei eingehen (Lebhar e Sehr richtig I rechts) und daß wir daran einen Import von run 270 Millionen jährlich haben. Bei Hafer, in welcher Frucht wir eine schlechte Ernte gehabt haben, würde Suspension uberhaup nicht in Frage kommen können. Der Mais, der unter vew Mittel sein würde, steht nach den bisher vorliegenden Nachri en über die ganze Welternte nicht genügend. Argentinien un Amerika scheinen bei steigendem Eigenbedarf einen großen uever- schuß zum Export nicht zur Verfügung zu haben. Wir imo also im wesentlichen mit all unseren Bedürfnisien an Fu er­mitteln auf die Donauländer angewiesen,. Bei otper Angebotslage erscheint es mir doch bedenklich, eine Suspension zu verfügen, von der es mehr wie zweifelhaft ist. ob sie letzt dem Diehhalter und damit dem Fleischverbrancher überhaupt zu­gute kommen würde. (Sehr richtig l rechts.) Abg. Spahn a von der Suspension der Zölle auf Gemüse ge­sprochen. Ich behalte einem meiner Herren Nachbarn vor, in der Diskussion eventuell hieraus einzugehen. Aber von dem ge­samten Gemüseimport gehen 93 Proz. zollfrei ein un nur 7 Proz. sind mit einem verhältnismäßig geringen 3orr beJmtetr Eine große Hilfe würde man also auch mit dieser Maßregel nicht erzielen. (Hort! Hört! rechts.)

Weiter ist heute hier ausführlich das Thema der Einfuhr­scheine verhandelt worden. In der Presse wird es zumeist so dar­gestellt, als ob dies ein besonders wirkungsvolles Mittel sein würde, und als ob es sich dabei um die allereinfachste Sache der Welt handle. Daß das nicht der Fall ist, das weiß der Reichstag aus der Denkschrift, die wir im vorigen Jahre vorgelegt haben, und das geht ja auch aus den Reden hervor, die hier darüber ge­halten worden sind. Aber gerade, weil es sich um ein recht schwer zu behandelndes Thema handelt, ist es für Agitationszwecke be­sonders geeignet. (Lebhafte Zustimmung rechts, Heiterkeit und Lachen links.)'

. Wer sich der Einführung der Einfuhrscheine erinnert, weiß noch."baß es sich dabei um ein System handelt, daß Sie künstlich nennen mögen, das aber darauf berechnet war, einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Produktionsverhältnissen im Lande zu schaffen, und daß es Einfuhrscheinen gelungen ist, diesen Aus­gleich tatsächlich her 'stellen. Deshalb sind auch in den Landes­teilen, für die der Ausgleich bemesien war, Landwirtschaft und Handel vollkommen einig der Ansicht gewesen, daß an dem System nichts geändert werden möge. (Beifall und Widerspruch.) Eine Aenderung würde sonst zu Zuständen zurückführen, über deren Ungerechtigkeit lange und mit Recht geklagt wurde. Wir haben trotzdem die Frage einer Aenderung des Einfuhrscheinsystems sehr eingehend erwogen (Hört, hörtl), sind aber zu dem Ergebnis ge­kommen, daß die vorgeschlagene Aenderung eine Einwirkung auf die gegenwärtigen, gesteigerten Preise nicht haben würden. (Sehr richtig!) Gewiß ist das Einfuhrscheinsystem mit Mängeln be­haftet, namentlich im Interesse des Reichskasse. (Sehr gut!) Aber, wie ich betone, wo es sich jetzt doch für uns nur darum handeln kann, die gegenwärtigen Schwierigkeiten zu beseitigen, würde diese Aenderung nicht dazu geeignet sein. (Beifall und Widerspruch.) Sie werden mir das zugeben, wenn ich die ein­zelnen vorgeschalgenen Aenderungen konkret anfasse.

Man hat vorgeschlagen, die bei der Ausfuhr von Hafer er­teilten Scheine nur bei der Einfuhr von Hafer verwenden zu lassen. Das würde einen überaus schweren Eingriff in unsere landwirtschaftlichen Verhältnisse zur Folge haben. Denn, wie der Vorredner schon herborgehoben hat, hat die Einführung des Aus- fuhrscheinshstems zu einem wesentlich vermehrten Haferanbau ge­führt. Diesem vermehrten Haferanbau steht nun ein kolossal ge­wachsener Import an Futtergerste gegenüber. Dieser Import ist in den letzten 10 Jahren von rund 5 auf 28 Millionen Doppel­zentner gewachsen. Nun könnten Sie theoretisch darüber streiten, ob die Beschränkung der Haferausfuhrscheine auf die Hafereinfuhr der Einfuhr der Futtergetreide hinderlich sein müßte. Praktisch müssen wir aber unter allen Umständen mit der Gefahr rechnen, daß eine solche Beschänkung die Preise für Futtergerste in die Höhe treiben würde. Ich wüßte nicht, wie wir in diesem Jahre der Futterknappheit die Verantwortung für eine solche Maßregel übernehmen sollten. Man wird weiter, ähnlich wie beim Hafer verlangen, daß die bei der Ausfuhr von Roggen erteilten Scheine nur beim Import von Roggen verwendet werden dürfen, um der übergroßen Roggeneinfuhr vorzubeugen. Ich glaube, auch in dieser Beziehung gibt man sich übertriebenen Vorstellungen hin. Der gesamte Ueberschuß unserer Roggenausfuhr über die Roggen­einfuhr beträgt 3,2 Prozent der inländischen Roggenerzeugung. Aus diesem Verhältnisse geht hervor, daß es sich bei der Roggen- ausfuhr, wenn sie sich in den Grenzen hält wie bisher, nicht um einen Gegenstand handelt, welcher für die Verhältnisse des ge­samten Landes von Bedeutung ist. (Widerspruch links.) Dabei kann es lokal gewiß höchst unerwünscht, namentlich für Mühlen sein, wenn zuviel Roggen an der Stelle ausgeführt wird, lokal! Aber für den Osten das geht aus den Vorstellungen, die mir tagtäglich, namentlich aus Handelskreisen des Ostens zugehen (hört, hort! rechts) würden Sie mit einer derartigen Beschrän­kung der Einfuhrscheine Handel und Landwirtschaft in eine äußerst schwierige Lage bringen (hört, hört! rechts) und endlich, ähnlich wie beim Hafer übernehmen Sie die Garantie dafür, daß, wenn wir eine solche Beschränkung vornehmen, wir nicht die Weizenpreise steigern? Und wollen Sie bei dem zunehmenden Verbrauch von Weizenbrot in diesem Jahre die Gefahr einer solchen Steigerung auf sich nehmen? Ich bin der Ansicht, daß diese Mittel, diese Aenderungen, die uns vorgeschlagen sind, die unerwartete Hilfe nicht bringen werden, dafür aber andere Zu­stände im Gefolge haben könnten, die die Situation sehr er­schweren würden. (Sehr wahr! rechts.) Ich will dabei noch gar nicht darauf Hinweisen, daß Sie Aenderungen am Einfuhrschein­shstem doch nicht mit sofortiger Wirkung einführeu werden, son­dern einen gewissen Zwischenraum bis zur Wirksamkeit ver­streichen lassen müssen. Bis dahin könnten möglicherweise wieder ganz andere Verhältnisse eintreten.

Es ist dann in der Oeffentlichkeit und wohl auch hier an­geregt worden, wenn man auch am Einfuhrscheinsystem als solchen festhalte, könne man doch gewisse Auswüchse beschneiden. Als solche sind bezeichnet worden die Verwendbarkeit der Getreide­ausfuhrscheine für die Einfuhr von Petroleum und Kaffee und die Herabsetzung der Gültigkeitsdauer der Scheine von 6 auf 8 Monate. Ich halte diese Vorschläge für akzeptabel, wiewohl ich noch nicht der festen Ueberzeugung bin, daß sie eine übergroße Wirkung haben können. (Rufe links: Akzeptabel!) für dis­kutabel! Muse links: Für atzeptabell), dann habe ich mich ver­sprochen. (Heiterkeit links.) Für diskutabel! Ich habe schon gesagt, wir haben uns die Frage der Aenderung des Einfuhr­scheinsystems nach allen Seiten hin überlegt und haben diese Maß­regel, die hier vorgeschlagen ist, als eine Maßregel von minderer

Bedeutung erachtet, und ich kann nur wiederholen, wenn ich diese Frage für diskutabel erkläre, so bin ich für meine Person im gegenwärtigen Moment noch nicht absolut von der Wirksamkeit der Maßregel überzeugt, denn es ist mit Recht vom Abgeordneten Oeser darauf hingewiesen worden, daß die Getreideeinfuhrscheme durch den Weizenimport vollkommen verzehrt werden und daß die Umlaufszeit der Scheine tatsächlich nur etwa zwei Monate be­trägt.

Im Anschluß hieran hat der Abgeordnete Oescr von den Aus- fuhrtarifen für Getreide gesprochen. Ich kann mitteilen, daß die Frage der Aufhebung dieser Eisenbahn-Ausfuhrtarife den Landes- eisenbahnrat beschäftigen wird, der gesetzmäßig mit der Sache zu befassen ist. Um Mißverständnissen von vornherein vorzubeugen, will ich dabei bemerken, daß die Getreide- und Mühlenfabrikate nach Danzig, Memel und Königsberg hierbei nicht in Betracht kommen.

Nun zur Frage bei Einfubr von Vieh unb Fleisch. Vor einem Jahre ist hier ausgiebig über bieses Thema gesprochen unb es ist vom Bunbesratstisch erklärt worben, baß wir im Interesse un­seres Viehbestanbes auf ben Grenzschutz nicht verzichten können, baß aber die Einfuhr von Schlachtvieh unb Fleisch in weitem Um­fange schon fetzt zugelassen sei. Inzwischen sind für Schlachtvieh Jmporterleichterungen gegen Dänemark unb Schweben einge­treten. Im vorigen Jahr haben die Verhältnisse auf dem Fleisch­markt ungünstiger gelegen wie jetzt. (Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Die Preise, die dem Landwirt gegenwärtig für Vieh und Schlachtvieh gezahlt werden, sind hoch, aber nicht übermäßig hoch. Das wegen Futterknappheit zu erwartende Angebot würde doch zunächst nur einen Preisdruck zur Folge haben. Gewiß können die Verhältnisse sich verschärfen, wenn die Futterknappheit zu einer großen Verringerung unserer Viehbestände führen sollte. Aber auch in dieser Hinsicht bitte ich Sie, sich übertriebenen Vor­stellungen nicht hinzugeben. Die preußischen Landwirtschafts­kammern haben im September berichtet, daß es zwar in manchen Landstrichen schwer sein wird, das Vieh durchzuhalten, daß dafür aber in anderen Gegenden das Durchhalten des Viehes, wenn auch unter Schwierigkeiten und momentanen Opfern, durchaus möglich sein würde. (Sehr richtig! rechts.) Was die Erweiterung der Fleischeinfuhr anbelangt, so kämen für sie im wesentlichen nur Rußland und Amerika in Betracht, denn aus den anderen Län­dern ist sie schon jetzt gestattet. Die Fleischeinfuhr aus Rußland versagt wegen der Rinderpestgcfahr. Gegenüber Amerika besteht nur ein Einfuhrverbot von Rindfleisch wegen her Gefahr der Einschleppung des Texasviehes. Dagegen ist die Einfuhr von Schafen und Schweinen nicht verboten, das Fleisch muß allerdings die Kautelen des Fleischgesetzes erfüllen. (Aha! links.) Wir können unmöglich jetzt die im Interesse der Hygiene erlassenen Bestim­mungen des Fleischbeschaugesetzes abändern. Sie (nach links) be­klagen sich immer über einen übermäßigen Schutz unseres Vieh­bestandes. Bedenken Sie aber, daß es unter diesem Schutz der deutschen Landwirtschaft gelungen ist, 95 Prozent des gesamten Fleischbedarfs aus dem Inland zu decken. (Hört, hört! rechts und im Zentrum.) Dabei ist in den letzten Jahrzehnten der Fleisch­konsum Deutschlands so gestiegen, daß wir hinter England kaum noch zurückstehen.

Von England unterscheiden wir uns nur insofern, als dort nicht 95 Proz., sondern nur die Hälfte des Fleischbedarfs aus Eigenem gedeckt wird. (Hört, hört! rechts.) Dieser Vergleich scheitnt mir doch nicht zu Experimenten zu ermuntern, die unsere Viehbestände schädigen, und uns damit allmählich in eine größere Abhängigkeit vom Auslände bringen wür­den. (Sehr richtig! rechts.) Eine solche Abhängigkeit vom Aus­lande würde für uns außerordentlich gefährlich sein. (Sehr richtig! rechts.) Eins allerdings will ich mit aller Entschiedenheit betonen: der Schutz, den die Land­wirtschaft genießt, schließt Pflichten, große Pflichten der Landwirtschaft gegenüber der Allgemeinheit, gegenüber den Konsumenten in sich. (Lachen links.) Lachen Sie doch nicht, ich spreche ja ganz in Ihrem Sinne. Darum richte ich von dieser Stelle den dr i n g e n- ben Apell an die deutsche Landwirtschaft, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, daß unser Viehbestand nicht verringert wird; eine solche Verringerung würde sich nicht bloß an der Viehzucht, sondern auch an der Stellung der ganzen Landwirtschaft bitter rächen.

Ich kann nach diesen Darlegungen nicht zu der Ueberzeugung gelangen, daß die von Ihnen vorgeschlagenen großen Mittel über die bedrängte Lage hinweghelfen. Ich betone bei dieser Kritik noch enmal, daß ch es für unmöglich erachte, den elemen­taren Ereignissen gegenüber durchgreifend abzuhelfen, unb ich bin weit davon entfernt, es so darzu- stellen, als ob die Maßnahmen, welche von den Regierungen er­griffen worden sind, eine solche durchgreifende Abhilfe darstellen. Aber, wir haben nach Mitteln Ausschau gehalten, welche eine praktische Wirkung haben können, und ich sage dem Ab­geordneten Oeser dafür Dank, daß er in dieser Beziehung auch ein anerkennendes Wort für die Maßnahmen der Regierung gefunden hat. Wie in jedem geringen Erntejahr, diesmal aber vielleicht in besonderem Maße hat sich gezeigt, daß d i e D e t a i l ° preise für Lebensmittel den tatsä chlichen Ernteergebnissen nicht entsprechen. Dem Konsu- menten, der die hohen Detailpreise zu zahlen hat, ist das kein Trost, aber an der Tatsache kann man nicht vorübergehen, man muß sie hervorheben, ^n Brotgetreide ist kein Manko, die Preise dafür sind nicht überhoch, namentlich wenn man berücksichtigt, daß die Güte des jetzigen Brotgetreides eine erhöhte und bessere Aus­beutung an Mehl lieferte. Die Preise für Fleisch sind gegenwärtig nicht abnorm. Allerdings haben wir an Gemüse und an Kartoffeln mit Untererträgen, zum Teil mit bedeutenden Unterträgen zu rechnen. Bei ben Kartoffeln hat sich aber zum Glück, je mehr wir uns dem Ende der Ernte genähert haben, herausgestellt, daß die tatsächlichen Er- träge über die früheren Schätzungen hinausgehen, daß wir in einzelnen Landesteilen mit ausgedehntem Kartoffelbau eine befriedigende und zum Teil gute Ernte haben (Wider­spruch bei den Soz.) und daß auch, wie im Westen und in anderen Landesteilen, wo die Kartoffelernte im ganzen nicht beftiedigt hat, doch lokal neben schlechten Erträgen auch gute Erträge zu finden sind. Ich hebe das absichtlich hervor, um nicht meinerseits dazu beizutragen, durch übertriebene Darstellung auf ein Steigen der Detailpreise mit hinzuwirken. (Sehr gut! rechts und im Zentrum.)

Ich kann es nicht zugeben, daß, wenn wir die Ergebnisse der Gesamternte z u s a m m e n f a s se n die Detailpreise, die gezahlt werden, den tat­sächlichen Ernteergebnissen wirklich Rechnung tragen. (Hört, hört! rechts und im Zentrum.) Heber die Gründe dieser Spannung ist bei den Teuerungsdebatten im Reichstage hin- und hergestritten worden. Ich will auf die Einzelheiten nrcht eingehen. (Zurufe bei den Soz.: Sehr schade!) Nur so viel steht fest, daß an einer übermäßigen Spannung zwischen Großhandels, unb Detailpreisen weder die Dürre noch unsere Wirtschaftspolitik, noch die Regierung die Schuld trägt (Oebb sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Nicht schuldlos'sind die

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dem Gewinn, auf den der Handel einen legitimen Anspruch wird es auch Menschen geben, die die Spannung von über Proz. für überhoch ansehen. (Lebhafte Zustimmung.)

Mit den Frachtkosten kann sie bei den ermäßigten Tarifen

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übertriebenen Darstellungen der Teuerung (Stürmische Zurufe: Sehr wahr! rechts unb im Zentrum), in denen sich ein großer Teil unserer Presse monatelang gefallen hat (erneute stürmische Zustimmung rechts) unb diese über­triebenen Darstellung, haben keine preisbrückende, sondern eine preis steigernde Wirkung. Man hat angeblich dem kleinen Manne helfen wollen, in der £at hat man ihm geschadet! (Beifall rechts und im Zentrum.)

Die Negierungen sind bei den Mitteln, die sie angewendet haben, bestrebt gewesen, auf eine Herabminderung dieser Spannung, wo sie übermäßig oder ungerechtfertigt ist, hinzuwirken. Die Negierungen haben bas getan, inbem sie einmal die bekannten Frachtermäßigungen bewilligt haben, die darauf berechnet sind, in diesem Erntejahr, das sich durch so verschiedene Erträge in den verschiedenen Landesteilen auszeichnet, die Verteilung der Produkte über das ganze Land zu erleichtern. Sie haben weiter Einrichtungen der Kommunen angeregt und unter st ü tz t, welche einem übermäßigen Anwachsen der Detailpreise vorbeugen sollen. Die Frachtermäßigungen beziffern sich für das gesamte Gebiet der Eisenbahnverwaltungen auf viele Millionen, sie betragen aber auch im einzelnen, z. B. für- die Futtergerste, so viel, daß der auf ihr liegende Zoll auf mittlere Entfernungen, wie Breslau. Hamburg, gänzlich aufgehoben oder doch sehr gemindert wird. (Hört! Höri! rechts.) Man hat diese Frachtermäßigun­gen angefochten, indem man etwa bekrittelt hat, um wieviel sich die Fracht um 1 Pfund Kartoffeln ermäßigt. Ich glaube, man muß anders rechnen. (Sehr gut!) Vor einigen Wochen war der Marktpreis für Eßkartoffeln in Ostpreußen 2,302,90 Mark, gleichzeitig wurden hier in Berlin für dieselben Kartofteln 56 Mk. bezahlt, also eine Steigerung bis zu 3,70 Mk. (Seb* Haftes Hört! Hört! bei der Mehrheit.) Gegenüber den Spesen

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nicht begründet werden, denn die Fracht für Kartoffeln beträgt von Ostpreußen bis nach Berlin 30 Psg. (Heiterkeit.) Auch die Anregungen an die Kommunen sind angefochten worden und der Abg. Scheidemann hat die ironische Bemerkung darüber gemacht, wir hätten den Kommunen gesagt: Hannemann, geh du voran. Wozu diese Jroniesierungl (Zustimmung.) Zahl» reiche größere Stadtverwaltungen haben mit Erfolg Einrichtungen getroffen oder in Aussicht genommen, um im Hinblick auf eine , etwa eintretenbe Fleischteuerung den Seefisch verkauf zu erleichtern, und ich kann nur die Hoffnung aussprechen, daß diese j Einrichtungen Bestand haben werden auch über die Zeit einer ! Teuerung hinaus. Zahlreiche Stadtverwaltungen haben des weiteren Einrichtungen vorgesehen, um einem übermäßigen An­steigen der Detailpreise vorzubeugen, und Sie wissen alle aus den Berichten der Presse, daß selbst die Ankündigung der Ein­richtung in einzelnen Fällen genügt hat, um das Niveau der Detailpreise wieder auf eine vernünftige Höhe zu bringen. (Sehr wahr!) Neben den großen Privatunternehmun- g c n halte ich eigentlich dieKornmunenfürdie einzigen? die in der Lage sind, einem übermäßigen A n hra chsen der Detailpreise Einhalt zu tun (Hört! Hört!), und die geeignet sind, den örtlichen Verhältnissen- die Einrichtungen anzupassen. (Sehr wahr! rechts.) Das ist notwendig, denn ich bin weit entfernt, zu behaupten, daß derartige Einrichtungen überall und in gleicher Weise möglich sind. Wie sie aber zu differenzieren sind, kann nur von der Kommunalverwaltung ent- i schieden werden. Ich glaube, derjenige tut mehr, der dem Kon- i fumenten beim täglichen Einkauf seiner Lebensmittel billigere s Preise zu verschaffen sucht, als derjenige, der sich immer nur I theoretisch über das Verkehrte unserer Wirtschaftspolitik entrüftet (Lebhafter Beifall rechts.)

Was sollen dieser gesamten Entwicklung gegenüber die alten Rechenexempel, die Sie aufstellen, und mit denen Sie dem Volke zeigen, um wieviel Pfennige das Pfund Brot, bas Liter Petro­leum, die Schachtel Streichhölzer angeblich durch die Schnaps- und Schlotjunker verteuert worden ist. (Lebhafte Zustim­mung. Heiterkeit und Gelächter.) Danach bemißt sich nicht der Wert ober Unwert eines Wirtschaftssystems, fonbern danach, ob c§ die Kräfte eines Volkes vermehrt ober verkümmert hat. (Leb- hafte Zustimmung.) Nun, Darben unb Hungern sind es nicht, die- die Expansionskräfte und den Expansionsdrang erzeugt haben, der in unserem Volke lebt Aber Sie wollen es einmal anders versuchen. Der verständliche Unmut, der über gestiegene Preise herrscht, macht ^nen

im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen

neue Hoffnung. (Lebhafte Zustimmung rechts. Gelächter und Un­ruhe links.) Deshalb wird agitiert, und vielfach auch ohne Skrupel agitiert. (Erneute Zustimmung rechts. Unruhe links.) Der nächste Reichstag wird wichtige Ent- scheid ung en über unsere Wirtschaftspolitik z u fällen haben. (Hört! Hört!) Sollte es der Agitation ge­lingen, die Zusammensetzung des nächsten Neichstages durch Stim­mungen zu beeinflussen, die eine Folge der notwendigen Schäden der diesjährigen Dürre sind, bann werden wir die vor­übergehende Teuerung mit einer schweren und bau ernben Schädigung unseres gesamten Wirtschaftslebens bezahlen. (Lebhafte Zustimmung rechts, Bewegung und Unruhe.)

Meine Herren, es steht mehr auf b e m Spiele, als bte Debatten über diese ober jene Mittel, mit benen wir über gegenwärtige bedrängte Zeiten hinwegzukommen versuchen, er­kennen lassen Von großer Bedeutung ist die dauernde Sichern n g derjenigen Zustände, unter denen unser Wirt­schaftsleben in den Volksständen aufgeblüht ist. Die Herabminde­rung der Lebensmittelpreise allein kann niemals bas leitende Prinzip einer verständigen orientierenden Wirtschaftspolitik fein. Lohnende Arbeit- ist die für jeden sozialen Fortschritt notwen­dige Vorausbedingung. Lohnende Arbeit hat unser Volk, das sich an Arbeitslust durch kein Volk der Erde über­treffen läßt, unter dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem ge­sunden. Sollen wir dieses segensreiche Ergebnis in Frage stellen, durch wirtschaftliche Experimente, wie Sie sie wünschen!? Sollen wir damit die .Grundlagen unserer Volks- ernährungunserer Finanzen, unserer Wehr­kraft erschüttern? Wer die Verantwortung für einen solchen Schritt fühlt, wird das nicht tun. (Beifall.) Für mich istdieentschlossene

Fcsthattunq an der bisherigen Wirtschaftspolitik

/ * 6e6en d as Land. (Erneuter lebhafter Beifall rechts.) Und ich werde mich durch keine Angriffe in der Ueber- °UI!r-rrre l?ssen, daß ich damit auf dem rechten Wege b A^Eender Beifall rechts. Zischen links.)

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