Ausgabe 
15.7.1911 Drittes Blatt
 
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viele Kirschen. Jetzt steht das andere Obst bevor. Ebenso versenden die Webereien Friedrichsdorf (ehemalige französische Kolonie) viele Waren.

= Bad-Nauheim, 14. Juli. Bis zum 13. Juli sind 20503 Kucgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 7925 anwesend waren. Bäder wurden bis zuni 13. Juli 233 096 abgegeben.

Starkenburg und Rheinhessen.

Mainz, 15. Juli. G e m e in g e f ä hrl i ch e r B e t r ü g er. Kürzlich wurde eine hiesige Frau in einer Privatbeleldrgungs- klage zu einer Woche Gefängnis vonr Schöffengerrcht verurtenl. Sofort näherte sich int Gerichts!lur der Verurteilten ein sogen. Kriminalstudcnt, erklärte, er habe der Verhandlung mit -u- gehört, sie hätte unhebingt frcigesprochen werden müssen. L>ie müsse gegen das Urteil Berufung einlegen und ob sie noch Zeugen hätte. Als die Frau bemerkte, sie habe noch 3 Zeugen und wolle sie die Woche einem Rechtsanwalt übergeben, erklärte ihr der imeigennukigeBerater", sie brauche keinen Rechtsanwau, er werde die Sache für sie machen. Die Verurteilte war damit einverstanden und kam am Nachmittag der Betreffende in Die Wohnung der Frau, wo er sich die drei Beugen, notierte. Als das geschehen, ließ er sich alsKostenvorschun" für bie Zeugen 6 Mk. geben, die er auch erhielt. Am nächsten Tage sand er sich schon wieder bei der Frau ein und erklärte, er mu||e noch 3 Zeugen zur Stelle schaffen und als ihm diese angegeben, ver­langte er wieder 6 Ml. Kostenvorschub, welchen Betrag er auch erhielt. Am nächsten Tage fand ec sich schon wieder bei der Frau ein und erklärte der freudig Aufhorchenden, da,; er es am Gerichte durchgesetzt, daß die Woche Gefängnis in eine Geld­strafe umgewandelt werde, er brauche aber einen Kostenvorschuß von 18,50 Mk. und 1,50 Mk. für seine Bemühungen. . Die Frau gab freudig bie 20 Mk. hin, worauf sich her Schwindler entfernte. Jedesmal hatte er einen Begleiter bet ,tch, der aus der Straße auf denBerater" wartete. Am darauffolgenden ^.age fand sich der Gauner wieder bei der Betörten ein und erklärte ihr, die Strafe sei in 100 Mk. umgewandelt worden. Als die Frau über den hohen Betrag jammerte, meinte er, vielleicht gelinge es ihm, noch an der Strafe auf dem Gericht etwas herunter- zubringcn, er werde am anderen Tage Bescheid sagen. Die Frau hatte inzwischen einer Flurnachbarin die Sache erzählt und diese warnte sie davor, an den Schwindler noch irgend welche Geld­beträge zu geben, sie solle sich erst auf dem Gericht erkundigen. Noch am gleichen Tage fand sich der Betreffende wieder bei der Frau ein und erklärte ihr, er habe cs fertig gebracht, bau bie Gelbstrafe auf 70 Mk. heruntergefetzt worben sei, wenn sie ihm das Gelb gleich mitgebc, werbe er bie Sache noch am gleichen Tage auf bem Gericht orbnen. Die Warnungen ber Flurnach­barin halten aber Erfolg; bie Frau erklärte, sie werbe das Geld nm nächsten Tage selber auf bas Gericht verbringen. Der Schwind­ler entfernte sich hierauf und ließ sich nicht mehr sehen. Gestern gelang es, den Täter, einen gerichtsbekannten Tüncher, zu ver­haften, sein Begleiter, ber jebenfalls teil an bem erschwmbelten Gelbe hatte, wirb noch gesucht._______________________________________

Gerrchrsjaal.

Die Weddingkrawalle vor dem Reichsgericht. Das Reichsgericht hob auf bie vom Angeklagten eingelegte Revision bas am 28. März vom Landgericht I in Berlin gefällte Urteil, das ber Redakteur des Vorwärts Wermuth wegen Be­leidigung der Polizei aus Anlaß ber Krawalle am Webding zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt worden war, auf. Die Aushebung erfolgte wegen Mlehnung von .Beweisanträgen betreffenb Aus­schreitungen der Polizei.

Eine Gerichtssitzung in der Schneiderwerk- statt. Zum vierten Male sollte am Donnerstag vor einer Ab­teilung des Rixdorf er Amtsgerichts gegen die Schneiderin Emilie B. verhandelt werden, die wegen verschiedener Verfehlungen angeklagt war. Aber Frau B. kam nicht. Stets pflegte sie kurz

Bfef&S »'er ÄS Ä Ä pin Krantbeit-'-attest ein. Kurz entschlossen machten sich bie Herren M Gerichts zu einer Lokalbesichtigung aufden Weg, um bie finbige ^rbtipihcrin daheim zu überraschen. Der Vogel war NlUurlich aus- acfloaen und nach der Feststellung dieses Tatbestandes,beaab sich das Kollegium wieder zurück. Em Schutzmann und cm Gerichts- htrncr machten sich zwar im Auto auf die Suche nach der Frau, aber sie wurde nicht gefunden. Erst am Nachmittag tauchte die Kranke" mit ihrem Töchterchen wieder iN^ihrer^ohnung aus.

Sport.

-6- Nächsten Sonntag morgen finden auf bem Trieb interne olympische Wettkampfe des Ä i eße n e r B al l s p l e l k l ib§ 04 flalt Vorgefehen ist ein Sechskampr, bestehend aus 100-Meter° Mallaufen, Kugelstoßen (7*/4 Kg.,, Schlei.derbaU.veit.verfen, ^iskns- werien, We.tstoß und tOO-Pieier-Atallaiuen. Die m eressanten Kämpfe können von jebermanu belicbtigt werden. Am 30. er. finbet ein Vereinszehnkampf der Gießener Rasensportoereine auf Dem Sportplatz an der Hardt statt.

preisoetteihmg im Deutschen Hunöflug.

Das Preisgericht für den Deutschen Rundflug 1911 trat zwecks Entscheidung über die Verteilung ber Preise zusammen. Es wurde festgestellt, daß fein Flieger sämtliche Strecken des Rundflugs zuruckgelegt hat. Auf Grund der von den Zei^ nchmern geführten Listen ergab sich folgende Schlutzwertung und Preisverteilung:

1 Benno König 1882.50 Kilometer 40 000 Mark; 2. Hans Vollmöller 1837.50 Kim. 25 000 Mk.; 3. Bruno Büchner

1363.75 Kim. 10000 Mk.: 4. O. E. Lindpaintner 1222 oO Klm. 7000 Mk.; 5. Dr. Wittenstein 941.50 Kim. 6000 Mk.; 6. Eugen Wincziers 751.00 Klm. 5000 Mk.; 7. Schauenburg 585.50 Klm. 4000 Mk.; 8. Robert Thelen 497.00 Klm. 3000 Mk.

Von den beiden Preisen des Kriegsministeriums fiel der erste Preis von 5000 Mk. als Zusatzpreis für den Sieger des Rundfluges an K ö n i g , der ) w e i te P r e is von 4000 Mk. als Zusatzpreis fiel an B o l l m ö l l e r. Ferner halte das Kriegs- minifterium ber Fabrik, bie die vom Gewinner des ersten Zu- satzpreises gesteuerte Flugmaschine geliefert hat, eine Flugzeug- bcftellung nach bem Typ dieser Maschine in Aussicht gestellt. Diese Flugzeugbestellung wurde den Albatroswerken, Berlin- Johannisthal, zuerkannt. Von den P r e i s e n der S t a d t B e r- l i n fiel ber erste Preis im Werte von 2500 Mk. für den Sieger des Rundfluges an König. Der zweite Preis im Werte von 1500 Mk. wurde Büchner zugefprochen. Der Preis war für den­jenigen Flieger ausgesetzt, ber auf der letzten Strecke des Rund­fluges Halberstadt-Berlin die beste Zeit erzielte. Der dritte Preis der Stadt Berlin im Werte von 1000 Mk. fiel an Vollmöller, der mit 1350 Meter die größte beglaubigte Höhe erzielt hatte. Der Preis des Kronprinzen für den Sieger des Rund­fluges wurde König zuerkannt. Der erste der beiden Ehren­preise ber Automobiltechnischen Gesellschaft würbe ber Daimler" Motoren-Gesellschaft, Untertürkheim, als der Fabrikantin des von Vollmöller benutzten Mercedes-Motors zu- erfannt, der zweite Preis ber Argus-Motoren-Gesellschaft, Rei- nickenborf bei Berlin, als der Fabrikantin des von Büchner be­nutzten Motors. Außerdem wurde von der Firma Hagele und Zweigle für den Sieger, also Herrn S'önig, ein Ehrenpreis, bestehend aus einem H. u. Z.-Kühler, nachträglich gestiftet.

Börfcn-Wochenbericht.

Frankfurt, 14. Juli.

Nachdem der politische Druck, der kurze Zeit auf der Börse lastete, gewichen war, hat der Markt wieder eine festere

Haltung gewonnen Dies ist hauptsächlich den titrieren wirt-. sch östlichen Berichten und dem flüssigen Geldstande zuzuschrei­ben. Insbesondere ist es der Ei s e n m a r 11, auf bem jvb ane Besserung zu vollziehen scheint. Zwar lauten die Berichte noch vielfach widersprechend, auch die nod) ungelöste sttt'age ber für unsere Industrie so wichtigen 23erbanb5crnciieruiigcii steht einer stärker aufstrebenden Bewegung noch hindernd un. Weae, aber es unterliegt keinem Zweifel, daß der internationale Markt sich wieder in aufsteigender Richtung bewegt. Hieraus zieht na­türlich auch unsere heimische Industrie, die bei starkem Markte auf den Absatz int Auslande angewiesen ist, Vorteil. _ lieber die Preise werden nod) Klagen geführt. Dies ist natürlich, weil die starke Erhöhung der Produktion, die soweit Deutschland tn Betracht kommt, zum Teil mit Vorbereitungen für bie Verbands­erneuerungen zusammenhängt, indem man sich in den neuen Syn­dikaten hohe Quoten ischern will, auf die Preise drücken muß, aber wenn bie Aufnahmefähigkeit des Weltmarktes stand halt, bann werden allmählich auch die Preise anziehen. In einem gewissen Gegensatz zu ber Besserung der Industrie steht die Lage unseres Geldmarktes, ber augenblicklich große Flüssig­keit zeigt. Guter Gang ber Industrie und billiges Geld pflegen sich einander auszuschließen. Tatsächlich liegen der gegenwär­tigen ungewöhnlicksen GÜdslüssigkeit auck) außergewöhnliche Ur­sachen zugrunde. Sie hängt zusammen mit den von ber Reichs­bank getroffenen Maßregeln, die die Inanspruchnahme von Lom- barbgclbern zum Quartalswechsel stark beschränkte uiid infolge- belfen jetzt, nach Ueberroinbung des Quartalswechsels, Rückzah- zahlungen in dem früheren Umfange nicht mehr erforderlich macht, ferner mit der kurze Zeit geübten Zurückhaltung des Kapitals im Kaufe von Wertpapieren wegen ber politischen Beklemmung, in der Hauptsache fußt sie aber auf dem Vorhandensein großer Guthaben des Auslandes in Deutschland. _ Nun muß aber mit der Wahrscheinlichkeit gerechnet werden, daß ein Teil dieser Gel­der wieder nach dem Auslande abfließt. Der verhältnismäßig niedrige Stand der Devisen läßt die Rückzahlung für unsere baute banque augenblicklich vorteilhaft erscheinen, überdies för­dert auck) der niedrige Zinsfuß an und für sich die Zurückziehung von Guthaben aus Deutschland und bann hat Frankreich, welches hier ganz besonders in Betracht kommt, auch größeren Eigen­bedarf einesteils wegen der sich etwas überstürzenden Emissionen, bann aber auch für die Einführung von Zerealien. Die Er nte- berichte hatten keinen stärkeren Einfluß auf die Börse. Die amerikanische Ernte bat unter ber großen Hitze gelitten, in Deutschland haben sich die Ernteaussichten aber etwas gevessert. Lebhaft ist das Geschäft an der Börse nicht gewesen, insbeson­dere ließ der Umfang des A n 1 a g e g e s ch ä s t e s zu wünsck)en übrig. Von deutschen Fonds konnten die dreiprozentigen etwas anziehen, die Käufe Darin waren aber mehr spekulativer Natur, Denn das Kapital begünstigt die vierprozentigen Titres. Ausländische Renten weisen vielfach Preiserhöhungen auf, insbesondere Ungarn und Rusten. Für letztere Simulierten die Verhandlungen über die Aufnahme einer Eisenbahnanleihe von 100 Millionen Mark, ferner auch die günstigen Ziffern des Staatshaushaltes. Portugiesen konnten sich erholen, auch Chi­nesen und Japaner waren besser. Bankaktien befeftigt, na­mentlich die führenden Werte von deren Handelsgesellschaft bevor­zugt wurden. Aus der Tatsache, daß das Institut mit dem Prinzip der Zentralisierung des Betriebs gebrochen hat, folgert man, daß es sich nun bald weiter ausdehnen wird. Trans- portwerte lagen ruhiger, Schisfahrtsattien befestigt auf die Verlängerung des transatlantischen Pools und die Erhöhung der Kajütepreise, in Montanvapieren wurden viclfack) Deckungskäufe ausgeführt, die die Kurse steigerten, Phönix hatten die Führung. Von Jndustriepapieren wurden die chemischen Werke sowie die Aktien von Maschinensabriten bevor­zugt. Scheideanstalt stiegen nahezu 30 Prozent, ohne daß be­sondere Gründe für diese Steigerung bekannt geworden wären, Holzverkohlung 8 Proz., Ultramarin ebensoviel und Höchster 6 Prozent, von Maschinenfabr'ken Dürkopp 11 Proz., Kley er 5 Proz., Mannesmann 8 Proz. und Wittener 6 Proz. Elek­trizitätswerke ruhig, Zuckerfabriken fest, namcntlid) Wag Häusler, die 7 Prozent gewonnen haben, Privatbiskonto 27/i6 .Prozent.

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Auch beim Nachfüllen

verlange man ausdrücklich

| Man hüte sich vor Nachahmungen! |

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und achte darauf, dass die Würze aus der grossen Original-Flasche gefüllt wird; denn darin darf gesetzlich nichts anderes als MAGGI« Würze feilgehalten werden. C16

»MAGGI* gute, spar»ame Küehe.