Vermischtes.
* Ein einträglicher Schwindel verursacht der Ber- Kner Kriminalpolizei seit Monaten erhebliche Arbeit: der sog. Mdoptionsschwindel. Er besteht darin, daß durch Jnseraie Kinder zur Adoption ober Pflege mit Abfindungssummen ausgeboten werden. Wie bei dein sogenannten Darlchnsschwindel, frnrnnt es den Inserenten keineswegs auf die regelrechte Abwicklung des Geschäftes an, sondern auf die angeblichen Aus- Lu nftsgebühren von 3 bis 6 Mark, die von den Reflck- stanten gefordert werden, ohne das; sie natürlich das Kind und die Abfindung erhalten. Wie beim Darlehnsschwindel die Unternehmer einige Leute nachweisen, denen sie Darlehen, natürlich «außer jedem Verhältnis zu den vereinnahmten Gesamtgebühren, verschafft haben, so haben auch die Adoptionsschwindler Renommier- kunden, die von ihnen tatsächlich ein Kind mit, einigen tausend Mark bekommen haben. Das ist noch der günstigste Fall; denn dabei sind nur einige hundert oder tausend arme Leute um ihre 3 bis 6 Mark gekommen, während eine Person wenigstens einen Vorteil davon gehabt hat, also wie bei einer Lotterie, die bei vielen tcarsend Losen nur einen Gewinn aufweist; vielfach aber existiert das Kind nur in der Behauptung des Inserenten, und «alles gezahlte Geld ist verloren. Etliche dieser betriebsamen Leute besitzen sogar die naive Frechheit, in ihren Drucksachen zu erklären, ihr Geschäft sei vom Berliner Polizeipräsidium geprüft, in der, vielleicht zutreffenden, Annahme, damit das Mißtrauen des Publikums zu zerstreuen und ihm zu imponieren. Diese Behauptung ist Unsinn. Solche Geschäfte unterstehen leider nicht einer polizeilichen Kontrolle, und die „Prüfungen" bestehen darin, daß in den Geschäftsräumen Durchsuchungen abgehalten unb «alle Bücher und Korrespondenzen zu den bereits anhängigen Strafverfahren beschlagnahmt worden sind. Die Adoptionsschwindler wohnen nicht nur in Berlin und inserieren hauptsächlich in Provinz- und Lokalblättern im ganzen Reiche. Eine Ver- vrteilung solcher Leute zu Freiheitsstrafen, gibt den Geschädigten doch nicht ihr Geld wieder, so daß nur empfohlen lverden kann, Inserate, in welchen Kinder mit Geld zur Adoption oder in Pflege angeboren merben, gänzlich unbeachtet zu lassen. Bei einigem Nachdenken muß sich jeder sagen, daß es so viel reiche Kinder nicht gibt unb baß, wer dabei über einige tausend Mark verfügen kann, keinen gewerbsmäßigen Vermittler braucht, sondern sich einfach an gemeinnützige Unternehmungen, wie die Zentrale Str Jugendfürsorge u. a. m. wendet.
kf. WennFrauenGeschworenesind. Höchst sonderbare Nachrichten kommen soeben aus Seattle in den Vereinigten Staaten über die Folgen, die dort die Einführung des Gesetzes Über die Mitgliedschaft von Frauen bei Geschworenengerichten hat. Eigentümlicherweise drängen sich nämlich in dem genannten Staate die Frauen keineswegs iuizu, als Geschworene zu fungieren, seitdem sie die Ungelegenheiten kennen gelernt haben, die mit dem neuen System verbunden sind. In Tacoma, wo die Schwurgerichte mit sechs Männern und sechs Frauen besetzt sind, mußten, als das Gericht sich noch am Abend nicht über die Entscheidung geeinigt hatte, in dem Beratungszimmer spanische Wände errichtet werden, damit auf deren einer Seite die Männer und auf der anderen die Frauen die Nackt verbringen konnten. In anderen Städten wurden die Beratungen auf die Weise unterbrochen, daß die Geschworenen beiderlei Geschlechts in den Zimmern benachbarter Hotels, vom Umgang mit der Welt abgeschlossen, unter» gÄracht wurden. Diese Erfahrungen haben dahin geführt, daß, als dieser Tage in Seattle 23 Frauen zum Geschworenendienst vusgelost wurden, 22 von ihnen um Befreiung von dem Amte einkamen und nur die 23. ihren Willen, das Amt anzutreten, erklärte, weil sie nämlich die Einkünfte eines Geschworenen gut gebrauchen könne. Das Gericht lehnte dann aber auch sie ab, «well es zu unverhältnismäßigen Umständlichkeiten führe, wenn um der einen Frau willen für Sitzungen, die über Nacht ausgedehnt werden müßten, besondere Vorkehrungen getroffen werden müßten.
Börsen-Wochenbericht.
Frankfurta. M., 15. Sept.
Nach den schweren Erschütterungen der letzten Zeit ist nun doch durch die verschiedenen Erklänmgen über den Stand der Maroktoverhandlungeu wieder eine besonnene und ruhige Haltung an den deutschen Börsen eftrgekehrt und es ist auch kaum zu befürchten, daß sich die panikartigen Vorgänge an den Effektenmärkten wiederholen könnten, selbst, wenn die Marokko- Verhandlungen sich noch länger hinziehen sollten. Denn durch die exekutiven Verkäufe der letzten Wochen ist die Lage markttechnisch entschieden gesünder geworden und das Wirtschaftsleben
handel.
London, 15. Sept. Dem »Daily Chronicle" in Neuyork zufolge taufte eine neue Gesellschaft namens Great Republtc Steel Eompany mit einem Kapital von 1 800000 Pfund zur Bekämpfung des Stahltrusles ausgedehnte Erzlager in Alabama und Tenessee und ist im Begriff noch weitere zu erwerben. Die Gesellschaft soll Kapital aus Deutschland, Großbritannien und Japan erhalten haben.
ist glücklicherweise trotz der politischen Erregung frei von Sto- nrngen geblieben. Betonen doch alle industriellen Fachblatter, daß nicht nur der Abruf gut bleibt, sondern daß besonders auch das Exportgeschäft an Lebhaftigkeit wenig zu wünschen übrig läßt. Auch die Rechenschaftsberichte der großen Montangesell- schaften, die jetzt herauskommen, macken einen guten Eindruck, und noch mehr wird das von den demnächst erscheinenden Berichten der Elektro-Gesellschasten zu erwarten sein, die von einem Rekordjahr und von Rekordaufträgen für die neue Gefchäftsperwde werden melden können. Jedenfalls hat unsere Industrie unter der Herrschaft der Verbände eine glänzende Entwicklung genommen, und wenn die Grncucrung der Verbände gelingt, woran zu zweifeln noch keinen Grund vorliegt, nachdem einer der schwierigsten Verbände, der Rohcisenverbaick, erneuert worden ist, so dürfte es selbst für die wachsende Gxjeugung an Unterkunft nicht fehlen, denn der Eisenverbrauch der Welt ist in stetigem Steigen begriffen. Nicht zu unterschätzen sind allerdings die Gefahren, die der Koniunktur aus der Leoensmitteltcuerung drohen, wenn auch Misere Ernte an Brotgetreide nach neueren Berichten befriedigend ausgefallen ist. Auch die S t r e i k g e f a h r , die in den Kalkulationen der Börse tu letzter Zeit eine so große Rolle gespielt hat, sollte man nicht ganz aus dem Auge verlieren. Nach dem Aufflackern l einer neuen geschäftlick)en Betätigung ist allerdings in1 den letzten Zagen wieder mehr Ruhe in die Börse eingekehrt Tie Haltung ist abwartend, aber auch die Abgabeneiguna vielfach sehr gering. Das Börsengeschäft ist unregelmäßig unb schon kleine Beträge beeinflussen die Kurse erheblich nach oben oder unten. Die herrsä-ende Zurückhaltung gebietet sich schon durch die Nähe des Herbslürmius, zu dem die Lombardverteuerung der R-ichsbank zum zweiten Male in Wirksamkeit tritt und zur Erschwerung des Schiebungsgeschäfts beträgt. Zudem sind zurzeit die Geldmarktverhaltnisse wenig geklärt. In dieser Woche bat namentlich der Abmg französischer Gelder nach der Heimat viel von sich reden gemacht, wenngleich dieser lediglich auf gladmarkttechnischen V.rhaltniisen beruh: und andere Momente, wie etwa polittscl)e, nicht in Frage kommen. Man kann überdies mit Sicherheit annehmen, daß das Geld von selbst wieder den Weg dahin finden wird, wo es den besten Nutzen findet, und wenn die heimischen Zinssätze anziehen (für Ultimo-, gelb rechnet man schätzungsweise diesmal auf vielleicht mehr als 6%), so dürfte der Pariser Scheckkurs alsbald wieder sinkende Tendenz verfolgen. Eine Klärung der «Verhältnisse kann nicht mehr lange auf sich warten lassen, wovon auch die Maßnahmen der Reichsbank abhängig sind, die bei aller gebotenen Vorsicht, doch noch an einer ruhigen Auffassung der politisck)en, wie der Geldverhältnisse festhält und nicht ohne reifliche Abwägung die Absicht zu erkennen gegeben hat, der Gesckstiftswelt eine Diskonterhöhung möglichst lange zu ersparen. Sprechen auch am Geldmarkt alle Anzeichen dafür, daß wir über den gefürchteten Herbsttermin schließlich ohne Erschütterung Hinwegkommen werden, so wird man doch gut tun, sich in feine unangebrachte Sicherheit bezüglich der werteren Gestaltung der Dinge zu wiegen. Kühle Zurückhaltung und vor allem Vermeidung jeglichen Ueber- schwungs wird vorerst die Richtschnur für Pie Börse hleiben müssen. Privat-Tiskonto 3lö/i6%-
Tlf„ Bohnen per Pfd. 25—40 Psg, Gurken 100 Stück 2,00-3,50 Pik., Birnen das Pfund 10—20 Psg., Zwelschen bas Pfund 8—12 Pfg. Alarklzeik von 8—2 Uhr.
le. Frankfurt a. M., 15. Sept. Heu- und Strobmarkt. Angefahren waren !" Wagen Heu und 2 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 5.uU-5.3<) Alk., Stroh (ftornlanqitroli) 2.50—2.80 Mk., Wirrslroh 0,00—0,00 Alk. Alles für 50 Kilo. Geschäft mittelmäßig. Die Zufuhren waren aus Oberhessen und den Streifen Dieburg und Hanau.
-i-. Homberg a. d. Ohm, 15. Sept. Heute wurde hier S ch w e i ii e m a r f t abgehalten, der sehr gut befahren war. Der Handel ging trog der niedrigen Preise schlecht Es wurden für rad Paar Merket 18 bis L6 Mark bezahlt. Läufer kosteten 40 bis 60 Mark.
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Markte.
Gießen, 16. Sept. Markt berickt. Auf heutigem Wocken- markte kostete: Butter pr. Pfd. 1,25—1.35 Alk., Hühnereier 1 St. 8—9 Pfg., Enteneier 1 Stück 9—10 Pfg., Gänseeier 1 Stück 10 bis 15 Pfg., Käse pr. St. 6—8 Pfg., Kasematte pr. St. 5—6 Pfg., Lauben pr Pr. 0,80—1,00 Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Alk., Hahnen pr. Stück 0,80—1,80 Alk., Enten pr. St. 1,80—2,20 Alk^ Ganse das Pfd 80—00 Big., Ochsenfleisch pr. Pfd. 82—90 Pfq„ Rindfleisch pr. Pfitnd 86—90 Pfg., Kuhfleisch 70 Psg^ Schweinefleisch pr. Pfund 70—90 Pfg^ Kalbfleisch pr. Pfd. 70—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd 60—88 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kg. 8.00 bis 9.00 Alk., Weißkraut das Sluck 15 bis 30 Psg^ Zwiebeln per Ztr. 10,00—12,00 Alk., Milch das Liter 22 Psg^ Aepfel per Pfd. 8 bis 15 Pfg^ Nüsse 100 Stück 50—60 Pfg^ per Ztr. 0—00
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Betr.: Tie landwirtschaftliche Winterschule in Lich
Tie landwirtschaftliche Winterschule in Lich, welche amMon- tay, den 6. November ds. I s. ihren nächsten Winterkursus beginnt, verfolgt das Ziel, jungen Landwirten diejenigen Kennt- niste zu vermitteln, welche heute zur Bewirtschaftung bäuerlicher Güter notwendig sind.
Ausgenommen werden junge Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren, welche das Unterrichtsziel der Volksschule erreicht haben.
Aeltere Landwirte können als Hospitanten ausgenommen werden.
Tie Schüler können in Lick Wohnungen in bürgerlichen Familien mit Heizung und Licht nebst voller Verköstigung zum Preise von 1,30 Mk. täglich, Schüler, welche nicht übernachten, Mittagstisch zu 60 Pfg. erhalten.
Tas Schulgeld beträgt für das Winterhalbjahr 20 Mk.
Anmeldungen sind an den Schulvorfteher, Großh. Oekonomie- rat Weitzel in Lich, zu richten.
Gießen, den 29. August 1911.
G.roßherzogliches KreiSamt Gießen.
Dr. Usinger. D9/e
Energie und
Muskelkraft
können in ihrer
Entwicklung leicht durch solche Getränke behindert werden, welche geeignet sind, einen schädlichen ■ Einfluß auf die Konstitution auözuuben. Da- V her der Kampf vieler Aerzte gegen Alkohol B 1 und Kaffee. Ein wirklich nahrhaftes Getränk, ] welches gleichzeitig entzückendes Aroma und Wohlgeschmack in sich vereinigt, ist Van H o u t e n S C a c a o. Es ist überraschend, wie rapide sich Van HoutenS Cacao als tägliches Getränk einführt. Früh morgens als erstes Frühstück wird er von Erwachsenen und Kindern gleich gern genommen. Bei dem wirklich hervorragenden i k Geschmack von Van HoutenS Cacao kann d von einem ,über"bekommen gar nicht die ■
Rede sein. Wenn Sie zweifeln soll- ten, so machen Sie einmal einen
Versuch. TaS Risiko ist nicht, groß.
tBsVt
Vergebung.
Die Lieferung von Weißzeug und Krankenkleidern für die medizinischen und Frauenkliniken soll im Wege deS öffentlichen Angebots für das Rechnungsjahr 1911 vergeben werden.
Die Lieferungsbedingungen und Muster sind auf dem Verwaltungsbureau nachmittags von 3—5 Uhr einzusehen.
Angebote, mit entsprechender Aufschrift versehen, sind bis zum Eröffnungstermin
Montag, den 25. September 1911, nachmittags 4 Uhr unter Beifügung von Plustern, jedoch getrennt von diesen, an die Großh. Verwaltung der medizinischen und Frauenkliniken einzureichen.
Zuschlagsfrist 14 Tage.
Die Lieferung kann auch geteilt vergeben werden.
Gießen, den 8. September 1911.
Großh. Verwaltuugsdircktiou der medizinischen und Frauenkliniken.


