Ausgabe 
13.4.1911 Drittes Blatt
 
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Ur. 88

Drittes Blatt

161. Jahrgang

Erscheint täglich mit Lu-nahme bet Sonnlag«.

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stark sind die An

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jcit ging in vollkommener Ruhe und Glätte vor sich. I erzählen, das deutsche Theater komme mit einer Truppe von . . . ich bqonbcry entzückte, war Die vollkomene Unabhängigkeit, f etwa 300 Personen.

die Arbeit

Ein neuer Velasauez. Alle Biographen des großen

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bei der

Was mich be,-----------, .. . -

in der er arbeitete. Keine Verpflichtungen, irgendeinen Kollegen

mzuführen. lieber alles Erwarten Meldungen mit nahezu 200 Nummern Unterhaltung ist gesorgt.

Hessen-Nassau.

entschlossen sind. Es können auf dieser Reise Kauf- und Pachtverträge geschlossen werden, so daß der Anfbau der Gehöfte so zeitig erfolgt, daß die Uebersiedlung noch im Laufe dieses Wahres erfolgen hum. Tie Rcisetcilnehmer erhalten dieselben Vergünstigungen wie in den Vorjahren.

Rechenschaft zu geben: kein Verlangen nach stiller Ueberlegung, auch nur für einen Moment, und vor allen Tingen war er in feinen Entschließungen, so weit ich sehen konnte, nicht von vorher- gcgangcncnl Berichten an den Kaiser abhängig."

Besonders imponierte dem englischen Besucher die große intuitive Menschenkenntnis Bismarcks. Hapmerle, der öster­reichische Ministerpräsident, hatte Bismarck einige Besorgnis ein- geflößt. Er sagte von ihm:Hahmcrle ist ein Mann, der am Morgen, wenn er auiwacht, zunächst dreimalnein" sagt aus Furcht, er möchte irgend etwas von dem, was er in der Nacht geträumt, in Wirklichkeit begangen haben."

Donnerstag, 13. April 19JT

Rotationsdruck und Verlag bec Brühllsche» Universität« - Buch- und Steindruckerei.

9L Lang«, Gießen

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Ein französisches Denkmal auf deutschem Boden in Afrika DerSouvenir colonial fran^ais" jat den Beschluß gefaßt, ein. Denkmal ^ur Erinnerung an oen Tod des franzöfifchen Forschers de De Hag le, der in Dikoa im deutschen Tschaofeegebiet ermordet wurde, nach Afrikazu senden. Tie deutschen Offiziere dieses Ortes haben, wie dieIllustration" berichtet, dem Kapitän .Tilho in der Erimrerung an den riefen Eindruck, beit das tragische Ende des tapferen Franzosen auf die Bevölkerung gemacht hat, die Annahme dieses Tenkmals an- geboten, und man erwartet, daß die deutsche Tiplomarie ferne Errichtung auf demselben Vlay in Dikoa gestatten wird, wo de Behagle auf Beicht Rabahs erhängt wurde. Tas Tenkmal aus Beton ist unter Leitung des Obersten Espitallier ausgeführt; das Medaillon und der Frankreich symbolisierende Dahn stammen von dem Bildhauer I. B. Descomps. Das einfache Tenkmal wird in sieben Teilen verpackt und mit der Eisenbahn von Matadi über den rtongo und Ubanghu, dann übe: die Karawaneustraße und den Schoriiluß bis Fort Lamy geschafft, von wo es die französischen Offiziere nach Dikoa führen und den deutschen Offi­zieren übergeben werden. .

T e m R e in har dt l chen Oe dipus -0ait oi eIm Rußland stellten fick eigentümliche Hindernisse entgegen. Tie Grenzbehörden forderten für Reguifiten imd Kostüme einen un­geheuren Eingangszoll. Deshalb ver-ögerte sich auck die Auf­führung in Riga. Durch persönliche f^rhandlungen Reinhardts in Petersburg wurden Die Schwierigkeiten beseitigt. Tic Ein­trittspreise zu den Aufführungen in Petersburg sind reärl an­sehnlich. Em Sessel vor der Barriere 20 Rubel, Sessel in den ersten beiden Rechen lo Rubel mw. Ae oMchen

die Gemeindevertretung ab.

Kassel, 12. April. Auch in diesem Jahre werden drei bis vier B e s i ch t igu n g s r ei s e n hessischer Landwirte nach dem Ansiedlungsgebiet in Posen stattfinden. Die erste Reise wird Dienstag den 9. Mai von Kassel aus angetreten und eignet sich besonders für solche Landlente, welche schon zur Uebersiedlung fest

Arr» Stadt und Canö»

Gießen, 13. April 1911.

Gründonnerstag haben wir heute, welcher Tag schon seit dem 7. Jahrhundert als Gedächtnistag für die Em- jetjung des heiligen Abendmahls gefeiert wird. Sein Name wird verschieden gedeutet. Einige leiten ihn von der alten Eitle her, daß an diesem Tage grüne Kräuter gegesien wurden, andere führen ihn darauf zurück, daß nach beendeter Kirchen- buße die Büßer als Sündlose, als ,©riincfl wieder in die Kirchengemeindc aufgenommen wurden.

Die Allgemeine hessische Beamten-Sterbe- kaffe hielt am Sonntag imKa isersaal" zu Darm - stadt ihre 9. Mitgliederversammlung ab. Der seit­herige Vorstand, bestehend auS Geh. Oberbaurat Jmroth, 1. Vorsitzender; Geh. Justizrat Dr. Lahr, 2. Vorsitzender; Rechnungsrat Bergauer-Darmstadt, Kreisstraßenmeister Braun-- AlSseld, Aktuar Göbel-Offenbach, Förster Klipstein-Dormstadt, Kreisamtsbureauvorsteher Schneider-Heppenheim und Ober­buchhalter Vogel-Mainz wurde einstimmig wiedergcwählt. Der Jahresbericht, die JahreSrechnung und die Bilanz fanden die Genehmigung der Versammlung. AlS Ort der nächsten Mitgliederversammlung wurde Offenbach bestimmt. Im Geschäftsjahre 1910 sind der Kasse beigetreten: 106 Männer und 34 Frauen, zusammen 140 Personen. Gestorben sind 12 Personen, wofür das versicherte Sterbegeld mit zusammen 6800 Mk. sofort zur Auszahlung gekommen ist. Die rech­nungsmäßige Sterblichkeit betrug 30,935 Personen, es wurde sonach ein Sterblichkeitsgewinn von 61,21 Proz. erzielt. Die Eicherheitsreseroe, der wiederum 1760 Mk. zugeführt wurden, beträgt 14 300 Mk.; die Prämienreserve 10750,72 Mk. Ter Mitgliederbestand zu Ende des Geschäftsjahres beträgt 1896 Personen mit einem Gesamtversicherungskavital von 1 155 844,19 Mk. Nach Rückstellung aller Reserven ergab die Bilanz einen Ueberschuß von 11 272,84 Mk., so daß die Gewinnreserve zu Ende des Geschäftsjahres 39 771,58 Mk. beträgt. Die für das Jahr 1910 zur Verteilung kommende Dividende beträgt 35 Proz. der Jahresprämie. Nähere Auskunft erteilt das Sekretariat der Kasse.

** Stenographie. Der Stenographcnvereiu Stolz.e- Schrey beginnt am 21. April wieder einen Unterrichtskursus ür Anfänger. (S. Inserat.)

Kreis Wetzlar.

A Kinzenbach, 12. April. Die für die beiden Oster- tage vorgesehene Allgemeine Kaninchen- und Ge- jfluge laus stell ung sucht der Kleintierzucht neue Freunde

Redaktion, Expedition und Druckerei: Scbul- strahe 7. Expedltion und Vertag: bl.

Redaktion: e=« 112. Tel.-Adr: Anzeiger«,eßen.

Gericht-saal.

Eine schwere Mordtat.

--4-Hagen, 11. April. Nach mehrtägiger Verhandlung ist vor dem hiesigen Schwurgericht ein Prozeß zu Ende gegangen, der such durch die F ü l l e d c v schweren A n kl a g e p u n k t e beiDorhob. Tie Anklage richtete sich gegen den Kuhschweizer Bissig und dem Kanton Uvi. Bissig war durch Vermittlung eines Kölner Instituts zu dem Bremiereibeützer Potlhoff m Haß­linghausen in Ticnfi gekommen und führte sich hier zur Zufrieden- heit seiner Herrschaft. Kurz nach Bissig wurden die Lma Drux und die Lydia Klein als Dienflmägde eingestellt. Bissig scbeim sich nun in die Lydia Klein sofort verliebt zu haben, ohne daß aber das Mädchen seine Liebe erwiderte. Er nahm das an­scheinend ruhig bin, die Sticheleien der anderen Mädchen und bei Burschen scheinen ihn aber so erregt zu haben, daß er beschloß, das Mädchen zu erschießen, damit es keinem etneeren gehören könne.

Im Oktober v. Js. versteckte er sich in dem Milchkeller, in dem die Lydia Klein zu tun hatte. Diese, die in letzter Zeit Augst vor dem Angeklagten halte, bat die Drux, nachzusehen, ob Bissig in dem Keller wäie. Tie Drux sah sich auch im Keller um, fand aber den Bissig nicht, da dieser in einem Wandschrank steckte. Tie Klein ging darauf beruhigt in den Keller. AlS sie ihre Arbeit ansing, verließ Bissig den Wandschrank und streckte das Mädchen durch mehrere Revolverschusse, die sofort tödlich wirkten, nieder. Als die Ehefrau Poilhoff die Schüsse hörte, etile sie nach dem Keller. Bissig schoß auch auf sie, um sich den Weg frei zu machen und verletzte die ftrau schwer. Auf dem Hofe angelangt, erblickte er die Lina Drux. Er feuerte auch auf dieses Mädchen, ohne es aber zu treffen. Tie Drux halte die Geistesgegenwart, vor dem ihr folgenden Bissig im Z i ck z a ck zu flüchten. Zu ihrem Unglück fiel sie aber bin imd Bissig hatte fiel) schon in Positur gestellt, um auf die am Boden liegende zu schießen, als ein Alaun herbei* eilte, vor dem der Mörder die Flucht ergriff.

Biisig flüchtete in den Wald, worauf Gendarmerie und Polizei zu seiner Verfolgung mifqeboten wurde. Es entwickelte sich ziviicheu ihm und seinen Verfolgern ein förmliches Gefecht. Den Polizeibeamten hatte sich auch der Invalide Wind Höfel augeschlofsen. Als dieser den Bissig zu Besicht bekam und den Wachtmeister auf ihn anfmerksam machte, feuerte ihm Bissig einen Schuß in den Rucken, so daß der Gctrofjene nach wenigen Stunden starb. Daun wurden noch zwiichen Bissig und den Beamten wiederholt Schüße geivcchielt. Endlich gelang eS, den Tlörber durch Schüsse in den Kopf und in das eine Bein unschädlich zu machen. Tie Verletzungen waren übrigens nnbebcutenb, so daß er bald wieder hergeslellt war.

In der Verhandlung trug der Angeklagte ein sehr merk­würdiges Benetz in e n zur Schau ; er konnte feinen stich­haltigen Grund für die Straftaten angeben. Sem Bruder gab an, daß der Angeklagte in früher Fugend an einer Nervenkrank­heit gelitten habe. Mehrere Mitglieder der Familie von mütter­licher und väterlicher Seite sind nicht ganz richtig im Kopfe ge­wesen, eine Taute und ein Onkel sind in der Irrenanstalt gestorben. Tie Sachverständigen begiitachteten, daß mit dem Angeklagten nicht alles in Ordnung sei. Erwachte den Eindruck eines Menschen, der fein Empfinden für das hatte, was er getan. Nach dem Er­gebnis der Verhandlung müssen Zweifel an der geistigen Gesund­heit des Angeklagten bestehen. Er ist ein auf dem Gebiete seelismer Emvsiiidung minderwertiger '31 e n S ch. der nahe an die Grenze der Un;urechnungs'äbigkeit tzerankommt. Tie Geschworenen verneinten die lleberlcgunq, worauf der Gerichtshof den Angeklagten wegen zwei Totichlags'fällen und vier Totschlagsoersuchen zu drei- zehn Jahren Zuchthaus verurteilte.

Dermifcbtes.

* Aus Furcht vor dem Winter. Bor einigen Wochen erregte cs allgemeines Aufsehen, als rin Blatt zu melden mußte, daß der lange vergeblich gesuchte Mörder des Hauptmanns von Krosigk entdeckt sei; es handle sich um einen Erdarbeiter namens Fischer, der in der Provinz Hannover beschäftigt war und aus Gewifscnsbisfcn ein Geständnis abgelegt habe. Tiefes Geständnis war auch Tatsache, und so wurden denn in den folgenden Tagen durch cingehcirde Recherschen d.e Angaben Fischers nachgeprüft. Dabei stellte es sich heraus, daß Fischer unmöglich als Täter

DieGießener §<nnllienblätter" werden dem

' »Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da« Kreisblatt fir bei Kreis riehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

)( Biedenkopf, 13. April.

Redd inahausen eine männliche Leiche aus Eder gelandet. Es handelt sich um einen böhmischen Eifertbahnarbeiter namens Stuksa, der vor etwa fünf Wochen ins Wasser geriet.

= Weilburg, 12. April. Der Minister hat die Per­sonen- und Güterhaltestelle Gr äv en eck (Gießen-ävblenz> genehmigt. Der Bau des Bahnhofs soll im Einklang mit der neuen Brücke erfolgen. Tic Gemeinde hat 12 000 Mt Beitrag zu Iciften. Beim Bau der Lahnbahu hätte die Gemeinde den Bahnhof ohne Kosten haben können, später wieder einmal für 6000 Mk. Kosten Beidemal aber lehnte

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Has £orö Goschen; Erinnerungen an Bismard.

In einer soeben erschienenen neuen «roßen Biographie des bekannten englischen Politikers und Diplomaten Lord Goschen aus der Feder Arthur D. Elliots finden fick mehrere noch un­bekannte und interessante Erinnerungen Goichcns an Bismarck Lord Goschen lernte Bismarck persönlich kennen, als er 1880 auf einer Reise nach Kvnstanrinopel Berlin berührte. Er erzählt Ihar üb er selbst: .. . .

Der Mann, der so gewaltig in meuter Phanta,ie dastand, tofli in jeder ^ziehimg so groß, lvie ich mi_r_ ihn ^orgeftem hatte, und alle meine Erwartungen wurden erfüllt, jur nach- mittags 5 Uhr waren Hatzfeldt, ich, der Mtmster des Auswärtigen und Tr. Busch zu Bismarck zum Tiner geladen. Wir erschienen olle in einfachem Anzug. Er haßt die weißen Krawatten und die Fracks auf den Tod. ... In seinem ganzen Auftreten er- rnnert er mich an einen Landedelmann. Es gab ent richtige^ deutsches Mittagessen und es war sehr vergmtglich. Bismarck wandte sich ganz vertraulich an seinen Tiener (rngcl uno fragte ihn:Ist noch eine Flasche von dieser S-ortc da, Engel. Was ist das für ein Jahrgang, Engel ?" und so weiter em kapitaler Wirt. Bismarck sagte erne Menge kluge und gute Tinge; hier eine höchst charakteristische Probe:Ich beneide die englischen Staatsmänner um die Belebungen, die ihnen das Unterhaus verschafft. Sie können dort jedermann euren, ver- sluchteii höllischen Schurken nennen. So etwas ilt in unjerem politischen Leben leider Gottes nickst möglich." Aus die jrage wie er über Essen und Trinken denke beim er war tn beibett Beziehungen berühmt, sagte er: ,.,^ch habe ost bedauert, was ich gegessen, ober niemals, was ich getrunken habe. , ..Also ist Itznen das Trinken niemals schlecht bekommens - ta legte Bi-sinarck fein Glaubensbekenntnis über das ^rinfeit ob, indem er erklärte:Ich sage nicht, datz es nur niemals schlecht bekommen wäre; ich sage nur, ich habe es mental»

Höchst angenehm berührt war Goschen von Bismarcks Ge­wohnheit, seine politischen Grichäfte m völliger Unabhängigkeit von seinen Kollegen zu erledigen. ~

. ..Wir gingen," erzählt er,m erneu entlegenen Raum, wo wnr vollkommen für uns allein waren. Es fehlte nicht an Bier und Zigarren, und die berühmte Dogge tag zu des Reichskanzlers Lützen. Zu dieser ; nialcn Umgebung besprachen lvn ven nächsten iSerlaui unseres Feldzugsplanes. Fürst Bismarck hatte nie etwas .Befehlshaberisches oder Ungeduldiges in seinen HartdUmgev, und

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spanischen Meisters erwähnen ein Porttat Philipps IV., tws Velasauez im Juni 1614, während der aragonischen Reise des Königs, in Fraga geschaffen hat und von dem auch in Dokument en des Madrider Archivs wiederholt die Rede ist. Bisher bettachtete man ein Bild, das sich in der Galerie von Dulwich befindet und Philipp IV. darstellt, als jene Schöpfung des Velasauez; das fragliche Bild befand sich früher im Besitze des Bildhauers Bou- darbon und des Irondrcn. Nun tauchte aber im Londoner Kunsh- handel ein Porträt Philipps IV. auf, das dem Werke der Tulwich- Galerie gleicht und das aus den Besitztümern der Herzogsfamil« von Parma stammt. Die näheren Untersuchungen durch Sach­verständige haben ergeben, daß man es in diesem Bilde zweisellvS mit dem eigentlichen Original werke zu tun hat, der bekannte Kunst- sachversiändige de Bernete ist auf Grund genauer Vergleiche zuerst auf diese Feststellung gekommen, die mm auch von Marguillier in der Ehroniaue des art? aufgenommen wird. Die beiden Bilder weisen fast dieselben Tirneiisionen aus und stimmen auch in der Komposition miteinander nahezu überein. Aber wie verschieden ist der Eindruck, den sie Hervorrufen. Eine^anz kleine Verschiebung der Kopfhaltung, eine Verfeinerung der Schulter und der 9Irm- linie betonen imd charalterisieren in dem neuaufgefundenen Bilde meisterhaft den Eharakier des Dargestellten, und während bei dem Bilde in Dulwich eine geioisse Verschwommenheit und Unsicherheü der Ausführung auffällt, läßt die freie und kräftige Pinzelführung bei dem neuen Bilde keinen Zweifel darüber, daß man cs hier mit dem echten Velasauez zu tun Hal. Diese Ergebnisse einer ästhe­tischen Vergleichung werden auch durch die Herkunft des jetzt in London austauchenoen Bildes bestätigt. Seit dem Jahre 1848, dem Zeitpunkt, da Philipp in den Besitz des Herzogtums Parma kam, und zweifellos das Bild mitbrachte, läßt sich die Geschichte des Werkes lückenlos bis zur Gegenwart verfolgen. Als 1859 das Herzogtum Parma dem Königreich Italien rinverleibt wurde, wurde die Herzogin ermächtigt, mit den arideren FamiliemchätzLu auch das Porttät Philipps IV. rnitzunchmen, das in das Schloß Wartegg bei Zürich übergesührt wurde. Ter Sohn der Heizogin, der Herzog Robert, brachte das Bild dann nach dem Schlosse Schwartzau, und 1907, nach dem Tode des Herzogs Robert, ließ sein Erbe, Prinz Elic von Bourbon, das Porttät erst nad> Liech tenegg und später nack Wien bringen, wo es kürzlich verkauft wurde und so nach Loudon tarn.

in Frage kommen konnte, er hatte während seiner DtenstAcii ue einer ganz anderen Eskadron Dienst getan, die damals garnidt am Standorte des Hauptmanns v. Krosigk graniionicrte. A1L ihm dieses vorgehalten nnrrbc, bequemte fick Fisckter auch zu dem Geständnis, bar seine Erzählungen von bei Mordtat nickt wahv seien. Er behauptete, in der Iruntcnhrii gehanbelt zu haben. Aus Grund der angestellteii Unttrsuckungen mußte ^Fischer, der in Haft genommen war, wieder entlassen werden. Dieser Tage stellte er sich nun bei (einem alten Arbeitgeber, einem Tiefbau? Unternehmer in Colenfeld wieder ein und bat nm Besdwftigung, die ihm auch gewahrt wurde. Ans die Frage, was ihn benrt damals zu der Selbstbezichtigung getrieben hätte, die doch für ihn eventuell sehr unangenehme Folgen hätte haben können, cr- Uärte Fischer, er habe geglaubt, daß es einen sehr harten Wrntcr geben und er daher seine Arbeit am Kanal verlieren werde. Um nun für alle Fälle ein Dach über dem Kopse zu haben, bahr er das Märcken von der Erschießung des Hauptmanns v. Krosigk ersonnen.

* Gin Diebesnest, das kostbaren Inhalt barg, wurde in einer Feldscheune des Hofbesitzers Dtttniann in Struppen entdeckt. Als man daran ging, die Feldscheune, die während des Winters wenig betreten worden war, anszuräurnen, ent deckte man, daß sie häufig von HandwerkSburschen und weniger harmloseii Leuten als Schlasstätte benutzt worden fein mußte. Als der Inhalt der Scheune hcrausgeschasst worden war, fand sich in einer Ecke ein Beutel. Dieser enthielt einen kostbaren Brillant schmuck, Broschen, Ringe, Ketten, eine Uhr, ein Dolch, eine goldene Schere, einige wertvolle Kleidungsstücke u. a. in. Als die Nachricht von dem Funde in der Nachbarschaft bekannt wurde, erinnerte man sich, daß während des Winters^ in die Wohnung eines Baumeisters in Dittmannsdorf bei Nossen ein gebrochen worden sei, bei welcher Gelegenheit die Diebe beträebt- jiche Beute gemacht hatten. Der Baumeister wurde herbrizitiert und erkannte die in dem Beutel befindlichen Gegenstände als fein Eigentum wieder'. Er ist, bis auf geringfügige Kleinigkeiten, wieder vollständig zu feinem Besitz gekommen. Die beiden Knechte, die beim Aufräumen der Scheune den Beutel gesimden hatten, erhielten die für die Wiritererlangung der Sachen seiner Zeit von dem Bestohlenen ausgesetzte Belohnung von 2000 Mark.

* U e b c r ein furchtbares Erlebnis kann ein Taucher in Diensten der Londoner Hafenbehörde bericb* len, der sich kürzlich in der entsetzlichen Laae befand, als er in beträchtlicher Tiefe im Meere war, seinen eigenen Luftschlauch abschneiden zu müssen. Vor 10 Tagen ist der Dampfer Malaga im Hasen von London unweit Gravesend infolge eines schweren Zusammenstoßes mit einem anderen Schiffe gesunken. Ter erwähnte Taucher namens Thomas machte nun am Sonnabend die not­wendigen Vorbereitungen zur Hebung des gesunkenen Dampfers, indem er Drähte daran zn befestigen suchte. Zu seinem Schrecken bemerkte er hierbei, daß sich sein Luftschlanch in Gefahr befand, zwischen dem Kabelbau, welches an dem Schiffe befestigt war, und dem Leichterschiff, von welchem er in die Tiefe herabgelafsen worden war, eingeklemmt zu werden. Kaum, daß er der verlmngnisvollen Folgen, die sich für ihn daraus ergeben mußten, bewußt geworden war, und sich nach Kräften bemüht hatte, der Gefahr vorzubeugen, war die Einklemmung eingetreten, so daß er, abgesehen von dem unmittelbar drohenden Er­ft i ck u n g s t ö d e, an seiner Bewegungsfreiheit behindert war. Nun galt es, rasch zu handeln; ThomaL zog die Notleine und machte sich außerdem noch Has große Messer zu Nutze, das an seinem Taucheranzug hing. Mit demselben schnitt er nämlich den Luftschlauch durch, um glücklicher­weise sofort in einem Zustande dlicher Erschöp­fung an die Oberfläche gezogen zu werden. Als er in Todesgefahr war, befand er sich 57 Fuß tief im Wasser.

* Edi ne fische Straßennamen. Tie Straßcnbezeich- nungen Pekings muten den Europäer, der sie zum elftenmal hört, oft reckt originell an. So heißt eine Straße z.B. dieStraßoder glücklichen Spatzen", denn gerade in ihr sollen sich diese be­schwingten Gassenbuben besonders luftig tummeln. Eine andere führt den triedevollen NamenTie Straße der ewigen Ruhe". Zu­fälligerweise ist gerade sie die verkehrsreichste und lärmendste von ganz Peking. TaS WortGehorsam" als Straßenbezeichnung wirkt recht eigentümlich. Außer einerTer steinerne Tiger" benannten Verkehrsader besitzt die chinesische Hauptstadt auch eineBarbaren­straße", so benannt au Ehren der Europäer. Sackgassen nennt :1 man im Reiche der Mittetote" Straßen; das Gegenteil davon

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