Erstes Blatt
161. Jahrgang
Samstag, 17. Juni 1911
GiehenerAnzeiger
Veing»vret»: monaflirf)75Y'Lt>ttrte[» iährlid) SIL 2.20; burtb •Jlbhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pi.; durch diePost Mk.2.—viertel- ;abrL auvicbL Bestell a. Zeilenprei-r: lolallüPk^ nuSioärtj 20 Plenniq. Ehelredockleilr: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: Auaust (Soetz; für .Feutlle- ton', .Dennstchkes' und .GenchtSlaal": R. Neurath ; für .Stadl und Land*: E.frcß; für den Anzeigenteil: H. Beek.
Nr. 140
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Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten.
politische Wochenschau.
(Sieben, 17. Juni.
, och immer tvitt in der Politik feine Sommerruhe cm treten. Zwar erfreut sich ber deutsche Reichstag d - wohlverdienten Ruhe, ober die beiden preußischen Parka- mente haben am Freitag dieser Woche die Verhandlungen wieder nufnctiommcii und auch zahlreiche andere Vollsvei tretungen sind noch eifrig an der Arbeit.
In Oesterreich haben diese Woche die Wahlen zum .l b g c ordtteten Hause stattgesunden, die wieder ein- mal den alten Erfahrungssatz bestätigten, dost auch in der Politik Finck und Ebbe aufeinander folgen. Die Ehristlich Sozialen, die etwa unserem deutschen Zentrum enb sprechen, schienen vor 4 Zähren, bei den ersten Wahlen unter dem allgemeinen Stimmrecht, ihre Macht für lange Zeit fest begründet zu haben Sie gingen als die ftärtjtc deutsche Partei aus dem Würselfpiel der Wahl hervor und beherrschten vor allem Wien, die Reichshauplstabt, ziemlich uneingeschränkt. Der Tod ihres begabten Führers Lueger unb die Unfähigkeit feiner Nachfolger hat sie rascher, als auch der beste .Henner der Verhältnisse glaubte, von ihrer Hohe herabgestürzt. Sie haben in der Provinz keine Fort schritte gemacht und in der Reichshauptstadt eine fast ver nichtende Niederlage erlitten. Man darf aber aus dem in Wien eingetretenen Umschwung keine voreileg.m Schlüsse ziehen. Das österreichische Parlament ist schwach durch seine nationale Zerklüftung, und Neuwahlen können au der Natur des Staates nichts ändern. Jede Nationalität besitzt die ihr durch die sprachliche Abgrenzung der Wahlbezirte verbürgte Zahl von Mandaten, und politische Verschiebungen können nur innerhalb jedes einzelnen Volksstammes ein- treten. Den Deutschen kann von ihren 233 Mandaten ebenso wenig eines entrissen werde«! wie den Tschechen einer von ihren 1.07 Sitzen. Das Wahlsieber äußert sich nur in der lebhaften Erwartung, welche Erfolge die drei Hauptrich- hingen, die liberale, die klerikale und die sozialistische, erringen werden. Man weiß, daß die erste Wahl nach allge meinem Stimm recht vom Jahre 1907 bei den Deutschen eine schwere Niederlage des freisinnigen Bürgertums ge bracht hat. Von den 233 deutschen Mandaten fielen 96 den Christlich Sozialen, 75 den freiheitlichen (Kruppen unL 62 den Sozialisten zu. Bei den Slowenen und Italienern drangen zumeist die klerikalen Wahlwerber durch, und ebenso vielfach bei den Tschechen. Diesmal ist es anders gekommen. Nach einer allgemeinen Schätzung werden, wenn die zahlreichen Stichwahlen vollzogen fein werben, die Deutschfreiheitlichen die stärkste deutsche (Kruppe sein und mindestens neunzig, vielleicht einige
Stimmen mehr, zählen. Die Verluste werden von den Sozialisten und den klerikalen ge
tragen werden, wobei die ersteren sich in ber günstigeren Vage befinben. Im letzten Parlament war der christlich soziale Mlub der ansehnlichste des Hauses, so daß aus seiner Mitte ber Präsibent hervorging; das nächste Abgeordnetenhaus wird wohl unter einem liberalen Vorsitzenden tagen. Die Stimmen der Sozialisten im Reiche find nicht zurückgegangen, wohl aber die Anzahl ihrer Man bäte. Dabei ist seftzuhalten, daß die vier Millionen Deutschen Böhmens, Mährens und Schlesiens unter allen Wechselfällen des letzten halben Jahrhunderts immer liberal gewählt haben, so daß die .Hleritalen nur ein oder zwei Sitze unter ihnen zu erringen vermochten. Das Schlacht-
seld, wo sich Freisinn und nlerikalismnS gemessen haben, waren die Tonangebiete und die Alpenläi'der, besonders Wien. Hier ist die Woge bald gestiegen, bald gesunken. Der jetzige Umschwung macht sich auch bei den Tschechen geltend, wo einige klerikale ihre Mandate verlieren werden. Zu bedauern ist nur, daß die deutsch freiheitliche Partei nicht daran gedacht hat, sich eine größere Zahl geiftig hervorragender .Kandidaten zu sichern, obwohl Männer wie die früheren Minister Bärnreither und Mar- chet zur Uebernahme von Mandaten bereit gewesen wären, dlber auch bei den Liberalen haben die Bezirksarößen, die (keinen wirtschaftlichen Interessen, der Ehrgeiz der mittet mäßigen Mövfc eine Auslese der Besten verhindert. Die Stichwahlen werden leine einheitliche Front vorfinden. Zwar bemühte sich der Ministerpräsident v. Bie- nerth eifrig, eine Verständigung zwischen den Christlich sozialen unb dem deutschen Nationalverband gegen die Sozialdemokraten herbeizuführen und die Parteiführer waren auch dazu bereit, aber die Wähler und die lokalen Führer lehnten sich vielfach dagegen aus. Der Vers-ich, die deutschen bürgerlichen Parteien zu einigen, blieb daher erfolglos und es wird vielfach, namentlich in Dien, zu einem Zusammenschluß des p utschen Nationalvcrbanbes mit den Sozialdemokraten kommen.
Die Marokko-Anfrage im französischen Senate bot dem Minister des Aeußern, Cruppi, Anlaß, seine Erklärungen vor dem Kammerausschusie für äußere Angelegenheiten in noch feierlicheren unb kräftigeren Worten zu loiederholen. Er beteuerte aufs neue, daß die Franzosen mit der Zustimmung der zivilisierten Welt, besonders mit beständigen Sympathie-Bezeugungen ber englischen Freunde, n a d) Fez gegangen seien. Aber die Expedition habe nicht aus Gruno der Algeciras-Alte ftattgc'jiinben, da diese nur eine beschuüute Polizeimission Frankreichs einräume. Der Marsch sei vielmehr wegen außergewöhnlicher Umstände erjoigi, wegen der Gefahren, in denen sich die französischen Instruktoren und die europäischen Kolonien in Fez befanden. Kurz, Frankreich habe dort die ihm zustehende Pflicht des Schutzes und der Menschlichleit erfüllt. Aber in? versicherte der Minister, daß man von der Sch au ja und nicht von der Mulnya abmar,chiert sei, weit man jeden A,.,u-cin einer E oöerung oder dauernder Besetzung vermeiden wollte. Er fügte hinzu; „Frankreich wird unentwegt sein Wort halten. Es gebcntF die Atto von Algeciras und die Unverletzlichleit des Sherifenreiches zu achten. Die dem General Moinier erteilten Wei,ungen find von dieser leitenden Idee durchdrungen. Sie enthalten als Hauptpunkte die Organisierung einer Sherifenarmee, die hinreichend wäre, um das An «ehen des Sultans zu stützen und zu verbürgen, und die Beseitigung des abschcuuchen sisiaüschen Systems des Maghzen. Dann wird der General Moinier seine Soldaten nach Ca,ablanea ans dem gleichen Wege oder auf einem anderen zurückführen, wobei er noch die Zaers zu züchtigen hat, die uns für den Anschlag vom 14. Januar Genugtuung schulden." Auch bei Herrn Cruppi scheinen die Worte dazu da zu sein, die Gedanken zu verbergen. Die Kommentare zu dem französischen Vorgehen in der Pariser Presse lauteten ganz anders und auch Spanien traut offenbar den französischen Beteuerungen nicht, sondern sucht sich in Norbwest-Maroklo seinen Anteil an der Beute auf ähnliche Weise wie Frankreich zu sichern, sehr zum Acrger der französischen Schwesternation. Tie übrigen Mächte, namentlich Deutschland, begnügen sich vorläuiig mit der Rolle des Zuschauens. Hosfent- Uch warten sie nicht erst ab, bis Frankreich den marokkani
schen Bissen verdaut und Maroklo auch wirtsckwftlich voll- ständig verschluckt hat, sondern sorgen rechtzeitig für die Aufrechterhaltung des freien Wettbewerbs in dem fdicrifi schen Reiche.
Ter A u f st a n b" i n A l b a n i c n scheint im Erlöschen zu fein. Die militärische Leistungsfähigkeit der Türfei erwies sich doch als leistungsfähiger als die Ansstänbifchen und ihre montenegrinischen Freunde glaubten und die weise Mäßigung der türkischen Regierung trug dazu bei, die Verstellung friedlicher Zustände zu fördern. Die freundschaftlichen Ratschläge der österreichischen Regierung haben in Konstantinopel ein williges Gehör gefunden uns find auch in Eetinje verstanden worden, so daß der diesmal besonders gefährlich ausgetretene übliche Frühjahrsaufstand auf dem Balkan verhältnismäßig rasch beigelegt erscheint.
Unser H c ssenland hat diese Woche endgültig das direkte Wahlrecht bekommen. Es tritt mit den übrigen Veränderungen an Wahlrecht und Verfassung mit dem Anfang Juli zu erwartenden Schluß des gegenroärtiaen Landtags in Kraft unb voraussichtlich im November werden wir zum erstenmal direkt zuin Landtag wählen. Die 23 der seitherigen Abgeordneten, die vor drei Jahren gewählt worden sind, bleiben, während für die andere vor 6 Jahren gewählte Hülste Ersatzwahlen unb außerdem S Neuwahlen infolge ber Vermehrung der Lanblagsmaiibate stattzufinben haben.
Die österreichischen Neichrratrwahien.
Wien, 16. Juni. Während vorgestern zwischen der Leitung der chrisl t i ch -sozialen Partei und des deutsch- nationalen Verbandes eine gegenseitige Unterstützung bei den Stichwahlen vereinbart worden war, beschloß heute, der „Rcichöpost" zufolge, die Leitung der christlich-sozialen Partei, den Vertretern bcS deutsch- nationalen Verbandes den Beschluß bekannt zu geben, daß öte christlich-soziale Partei nicht in der Lage sei, eine all- gemeine Weisung in Bezug auf das Verhalten bei den Stichwahlen auSjugeben und es den Landesparteileitungen überlasse, in dieser Frage die Entscheidung zu treffen.
Ter »Deutsch-Böhmischen Korrespondenz" zufolge nahm der Deutsche National verband von dem Rücktritt der christlich-sozialen Parteileitung von dem Stichwahl-Kompromiß Kenntnis unb überlaßt cS den einzelnen Landesparteile itungcn unb Bezirksausschüssen, zu den Stichwahlen jene Stellung einzunehmen, die den lokalen parteipolitischen Vec- hältmffen bestens Rechnung trägt.
Den Abendblättern zusotge schlossen die Ehristlichsozialen unb die Sozialdemokraten von Oberö st erreich unb Salzburg ein Wahlkompromiß ab.
Die Marokkosrage.
kam am Freitag infolge einer Anfrage von Iaurös in der französischen Kammer zur Verhandlung, ivobet bic Regierung einen glatten Sieg über-bic Gegner ihrer Marollopolitik davontrug
Die .Hammer lehnte nämlich mit 471 gegen 112 Stimmen bic Priorität ber Tagesordnung Jauri-s ab, bic die gefährliche Politik der Gehcimverträgc verurteilt und bic Regierung aufiorbcrt, zur genauen Einhaltung der Alge- ciraealle zurückzukehren unb von einer militärischen Bc setzuug Marokkos unb vor altem, was die notwendige Freundschaft zwischen Frankreich und Spanien in Frage stellen könnte, abzuschcn. Tie Kammer'hat dagegen eine Tages-
Anekdotischer vom Turnvater Zahn.
Die große Feier, bic in den Tagen des 17. unb 18. Juni von mehr als 20 000 deutschen Turnern des Inlandes unb Auslandes in der frascnhndc bei Berlin veranstalte: wird, gilt nicht nur der Erinnerung an bic vor hundert Jahren erfolgte Eröffnung des ersten Turnplatzes, sondern and) ber Gestalt des injnelyr als einer Beziehung bis zur Heben reibung eigenartigen ,,Turnvaters^ Jahn. Sein Streben und seine Fähigkeit, an allen -Licken seines 'Jimtretend bic Führerschaft der ihm am meisten zu sagenden Richtung an sich zu reißen, brachtet ihn schon während seiner Studentenzeit in Heckte in schroffen Gegensatz zu den damals on der Universität mächtigen Landsutannschasten, io daß er »ich, loeil er iciit Leben in Gefahr glaubte, als Einsiedler m eine Höhle bei Gickst ebenste in an ber Saale zurück zog. Die cr^n.uh bestem Können durch Schießzeug unb Säbel in festungsartigen Zu- Itanb setzte; er häufte hier den ganzen Sommer 1799 mit der von ihm öffentlid) bekannt gegorenen Absicht, jeden unbe'ugtcn Gindring- 1mg abzuschlachten. Als das Mricgegemittcr des Jahres 1803 losbrach, warf er Feder und Papier in Goslar, wo er iich bei ^cinem Freunde aufhielt, in Die Ecke, um sich dem Prinzen Louis Ferdi uand, der einen Freund Jahns zu seinem Privatsekretär gemacht hatte, fürs Vaterland zur Verfügung zu stellen. Er kam zu spät. Da der Prinz bereits bet Saatfeld gefallen war und machte als Zuschauer die lochloic Flucht des preußischen Heeres nach der Schlacht bei Jena in ber Nacht vom 14. nun 15. Li lobet 1805 mit. Wie er selbst erzählt, ergraute er bauet aus Erschütterung über den Zusammenbruch int Alter von 29 Iahten. Der furchtbare Irrtum, in dem er sich mit so vielen tausend anderen Patrioten, hinsichtlich der Lebenskraft des alten, fnderizianischen Preußen bc tunbcit hatte, zeitigte in seinem Kopse die absonderltchstcn Gedanken, in denen sich Nichtiges mit wirren Phantasien mengte. Von Oesterreich erwartete er ganz unb gar nichts. Be.anders schlecht Ivar er auf Wien zu sprechen, oas er mit Lots Iran verglich, bic zu rückschauend zur Salziäulc wurde. Tic Stadt sei die sichtbare Verkörperung der Politik des Hauses Habsburg, die stromaufwärts wolle, statt: mit dein Strome zu schwimmen und nur eine „Rcichsgenossensckwst vieler besonderer Volkstümcr zusammenkleistern" könne, bic sich früher ober iuätcr wieder von einander trennen würben. Oesterreich solle seine Hegemonie an ent unter Preußens Führung neu zu gründendes Deutsches Reich abgeben, in bas er Böhmen unb Mähren unb die Alpenläuder eino er leibt zu sehen iininidjic; die* galizische:'. Polen loM.:'. Zur Sck-asfnng einer 1-absbnrgilcheit Setunoogenitur dienen. Dagegen sollte Belgrad und das gegenüberliegende, Semlüt die Haupt-ladt detz neuen Oester reiches werden, das sich .Bosnien, -Serbien,
Bessarabien und das Gebiet des heutigen Rumänien, bic Toitau- fürftentümer Moldau und Walachei zu erobern hätte.
Unter den von Jahn vorgcfchlagencn politiidKit Rezepten aber ist tun weitesten bekannt geworden und im Gedächtnis der Nacl'ivell basten geblieben sein völlig ernst gemeinter Plan, zwischen Deutschland und Frankreich eine nach Ditmarschem Dialekt als „fromme" bczeickmetc ivüste Zone einzurichtcn, in der Unvald unb Sümpfe unb allerlei wildes Raubgeticr jede Berührung von Teutscken und Franzosen verhindern sollten. Von seinen sonstigen Ansichum waren noaä die über bic Frauen mehr als mcrhuürbig. Tie Frauen waren nach seiner Meinung in ii>rer Mehrzalst die Quintessenz aller Schlechugkeitcn. Tanz- sestlichleiten, die über Mitternacht hinaus dauerten, erschienen ihm als vifentlitücr Buhl handel mit Zursckxmtragung verborgener Reize. „Wenn die Weiber," schrieb er, „als Dämmerungsvögel unb Nachtfchmctterlingc in der Nachtluft umherfchivärmen, von einem Monbsck'enigewmrde nur so viel bcUcibct, caß die Nacktheit desto mehr auf fällt, wird da nicht der 2luszchrungskeim für folgende Geschlechter genährt? Schamhafter als die heutigen Zierlinginnen," meint er bei anderer Gelegenheit, „bleiben die Wildinnen in ihrer natürlichen Blöße, beim sie lassen sich am Tage nie von ihren Männern umarmen, dagegen scheint unsere heutige Zugeiib aus dem Nachmittagsschlummer der Eltern heroor- gegangen." Die meisten Menschen seien Kinder der Langeweile ober noch schlimmerer Gcfühie unb doch solle jeder Mensch nur der Siebe sein Saidit öerbankn. Jahn war eben ein Freuird der derben und drastiststen Ausdrücke, die bei aller Lauterkeit seines Strebens mandimal sehr zum Sei e.den seiner selbst und ber von ihm vertretenen guten Sache ausschlugen und ihn zur grotesken Figur machten.
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— Ein Denkmal für Robert Koch. In Berliner medizinischen Steifen geht man mit ber Absicht um, dem berühmten Bakteriologen ein Denkmal zu errichten. Dem nächst soll ein Ausschuß gegründet werden, ber einen Aufruf zur Sammlung für ein Robert noch Denlinal erlassen wird. Man hofft, das; bas Denkmal ant 7 0. Geburtstag des Forschers, am 11. Dezember 1913, c n t hüllt werden kann.
- - 2er Schi! lerbrics der fruth Sammlung ist fü r D^u t s ch l a n d v er l o r e n. Mit Spannung et .'artete man, ob es gelingen würde, cuf der Versteigerung der Sammlung fruth in London den beriibmicn zwortcn Bner ScmÜcrs an Goethe für Deurschland zu retten, der scinerzech mir uimufgctlartc Weise aus ber Gcsanuhcit des Goethe-Schcklerschcn Bric,ioechsels t>cr>
schirmnocn ist. xer ierit-, in oem c-a>iliec eine außerorhentlicha Schüderung und Beurteilung seiner eigenen Persönlichkeit gibt, ist das einzige roid-tige Dokument, dessen Original in dcr Sammlung des Weimarer GoeU-e- uuo Schiller-Archivs fehlt. Das kostbare Stück erregte bei der Versteigerung lebhaftes Interesse, aber nach lurzem Kampfe wurden bic deutschen Bemühungen zur Erwerbung dieser Reliquie von dem Londoner rtunsthändler Quarüch abgeschlagen, ber, wakr schein lick, in amerilanischem Auftrage, den Brief für 3 500 M ark taufte. Tie unersetzliche frandschriir ist damit wohl für Deutschland endgültig -verloren, fruth Hütte seinerzeit den Brief für 185 Mark gelaust. Im Vergleich zu den anderen Preisen, oic bei der Versteigerung gezahlt wurden, hat der englische Kunsthändler den Schüler Bries verhältnismäßig billig gekauft. Denn ein Shelley-Brief vom 29. November 1821, an Joseph Sehern gerichtet, erzielte nicht weniger als 15 4 0 0 Marl, und cm Brief ber Maria Stuart an den französischen Botsck-after (ibateauneuf erreichte sogar die außer- ordentliche Summe von 2 0500 M ark. Ein Schreiben von Keots an seinen Verleger John Taylor, das fruth für 120 Mark gekauft batte, wurde mir 9000 Mark bezahlt, und ein Brief Luthers an den Herzog Jol-ann von Sachsen erzielte 9900 Mark. Dagegen erreichte ein Mozart-Bries, ein .frerzensichrci des Komponisten aii Constanze Weber, den im vergleich u den übrigen Summen nur bescheidcneii Preis "von 1240 Mark.
— Mainzer S t a d k r h c a t e r. Da die abgctaufcnc Spielzeit des Mainzer Stab.i-,-caters durch den neuen Vertrag recht ungünstig für ihren Direktor M. Behrcnd aoschloß, so kam er um andere Vertragsbebingungen ein, bic ihm jetzt auch gewährt werden sollen. Der neue Vertrag, den bic ^heaterbepuiation ausgetertigk hat, ver- pslichtet die Stadt, aus den Garoerobengelbern uno der Billettsteucr eine Summe bis zu 10000 Ms. der Thealer- bireftion zuznschießen, wenn b« ■: (vcroinn die Summe von 15000 Mt. nicht erreicht. Direktor M. Behrend wird das Theater auf drei weitere Jahre übertragen werden. Bis zum Jahre 1909 hatte das Mainzer Äabttheatcr einen jährlichen Reingewinn von 25 000 bis 35 000 Mck.
— Kurze Nachrichten aus St u n ft und Wissen- s ch a i i. Der Kaiser verlieh dem Sudpolarsorscher S h a ck 11 ; o n c:ii .völliglichen Mroncnarixm 2. Klasse. — Entgegen der gestrigen Meldung ist nicht der Maler Jules Lcföore gestorben^ sondern sein Sohn, der Bildhauer Maurice Jul cs Lc- feore.


