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16.9.1911 Drittes Blatt
 
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Vr. 218

Dritter Blatt 161. Jahrgang

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tw'^'n rn.na.ua> ,«.«.1 General-Anzeiger für Oberheüen

Samrtag, 16. September !9fl

Retirttontbrurf und Vedas der BrSdkfchm Unt»trflt4tl»Buch- und 6ttinbru<frrtL H Sanft,ießtn.

lUbaftUn Expedition «nb Tn«fmt: Schul» ftraße 7. Expedition und Vertag: e*t 6L Redaktion:e^VV Hi. De^-?ldr-?tnze»-erGiebei^

Lm vriefwechsel zwischen Pius IX. und Viktor Lmanuel II.

Einen interefianten Beitrag zu dem Problem der Be Ziehungen bei ersten Könige von Italien zum Papste liefert dieTribun a" mit der Veröffentlichung eines Briei wechsel) zwischen Viktor Emanuel II. und Pius IX. aus der Zeit nach 18 70. Tie bisher unbekannten Tatsachen geben neben ihrer historischen Bedeutung wertvolle Bel träge zur Charakteristik de- Papstes und des Königs, die durch politische Gegensätze einander als Wegner gegen über standen und sich dabei doch als Menschen vollaui zu vcr stehen und zu würdigen schienen 2118 Viktor Emanuel die zur Hauptstadt des geeinten Italiens erkorene ewige Stadt betrat, sandle er sofort ein vertrauliches Handfchrei ben an den Papst Mit der Ueberreichung des Schreibens wurde der Marquis Giacomo Spinola betraut: der König versicherte dem Papst darin die Ergebenheit. Tas 5d)rei­ben war ein Höflichkcitsakt, aber fo sehr Pius IX. persön lich dazu neigte, den Abgesandten des Königs zu empfangen: er muBtc schließlich darauf verzichten Der bartnädige und unversöhnliche Staatssekretär des hl. Stuhls, der Kardinal Antonelli, verhinderte den Empfang des königlichen Emissärs. Doch der Einfluß Antonellis vermochte cs schließlich doch nicht zu verhindern, daß Pius IX. durch eine dritte Person den Marquis Spinola beauftragen lieh, dem König die Dankbarkeit des Papstes zu übermitteln, der die herzliche i?lbsicht jenes Schreibens vollauf zu würdigen wisse. Ms bald darauf, im Juni 1871, Pius IX. sein zwanzigjähriges Jubiläum als Papst feierte, wollte auch Viktor Emanuel eS nicht versäumen, dem heiligen Vater leine Glückwünsche zu übermitteln, und er beauftragte damit den General Dertols-Biale, den späteren Kriegs-Minister Auch diesmal war Pius IX. bereit, den Abgesandten des Königs zu empfangen, er äußerte offen diesen Wunsch aber von neuem wusste der Einfluß des Kardinals Antonell, diese Annäherung zwischen dem Vatikan und dem Quirinal zu verhindern.

Ein Jahr später aber sollte es doch zu einem regelrech ten Briefwechsel zwischen Pius IX. und dem König kommen, und diesmal mar es der heilige Vater, der sich vertrauens voll an den König wandle. Der Anlaß dieses Briefwechsels wird jetzt bekannt: er war nichts weniger als politisch, ja er entbehrt nicht amüsanter Züge. In einem der beleb testen Quartiere RomS, gegenüber einer Kirche und den-. Priesterfeminar, hatten sich eine Reihe nicht sehr sitten strenger, aber außerordentlich gastfreier Damen eingc nistet. Die häufigen Besuche bei diesen Schönen beeinträrfi tigten stark die Aufmerksamkeit der Seminaristen bei ihren Arbeiten, man mußte für den Seelenfrieden der jungen Leute furchten, die Vlblenkung vom Unterricht nahm iinmci mehr zu, und schließlich klagte der .Direktor der Anstnl' dem Kardinalvikar seine Rot. Richt wenig verlegen eilte der holfe Würdenträger zum Papste, um den heiligen Vale zu fragen, was man in dieser peinlichen Angelegenhei tun könne

Pius IX. war nicht wenig verblüfft, er sann eine Weil nach; dann aber bedeutete er dem Kardinal, zu gehen, di Sache würde geordnet werden. Und sofort ließ nun bei Papst den wachthabenden Leutnant seiner Garde rufen, den Rdarquis Erispolti.Wir haben Euch einen außerorbent lich delikaten Auftrag anzuvertrauen, Erispolti," sagte bei Papst, und als der Cffüicr sich dienstbereit verneigte, fügte Pius hinzu:Wir müssen Euch in .einer sehr vertraulichen Mission ins Ausland schicken." ,Lch werde gehen, wohin Eure Heiligkeit mich schicken," antwortete der Marquis, der dabei wohl an eine große Reise nach Konstantinopel oder nach Washington denken mochte. Der Papst forderte ihn auf, sich schleunigst Zivilkleidung anzulegen und sofort iurückzukommen. Als Erispolti bald darauf reifefcrtig er* chien, gab ihm der Papst ein Handschreiben und bemerkte abei nicht ohne eine leise Ironie:lieberbringt diesen Brief dem Empfänger zu eigenen Händen, und erwartet

die Antwort; seht Euch die Adresse ein wenig an." Und mit höchstem Erstaunen las der Marquis:An den König Viktor Emanuel im Quirinal."

Rachdem Erispolti sich von seiner Verblüffung erholt batte, eilte er in. nönigsschloß, stellte sich der Sache als Leutnant der päpstlichen Garde vor und mürbe ,;u dem Adjutanten vom Dienste geleitet.Seine Majestät ruht augenblicklich, wollen Sie den Bries nicht mir übergeben?" Aber Erispolti bestand daraus, das Schreiben dem König persönlich zu übergeben, und erklärte sich bereit, zu warten. Als Viktor Emanuel kur,; daraus enuadne, zeigte er sich nicht wenig ärgerlich darüber, daß man einen Abgesandten des heiligen VaterS habe warten lassen; er ließ den Mar quis Enspolti sofort bei sich eintreten und empfing ihn anfs freundlichste Nachdem er den Brief des Papstes ge lesen batte, versicherte er dem Marquis, baß der Wunsch seiner Heiligkeit binnen 24 Stunden erfüllt fein werde, und beauftragte den Marquis, den Papst zu bitten, jederzeit über den König zu verfügen, wo immer er Seiner Heiligkeit inen Dienst leisten fönnc. Das Schreiben, das Viktor Emanuel mit so liebenswürdiger Höflichkeit beantwortet hatte, war ein echter Pius IX Der heilige Vater erzählte ben Fall der Seminaristen und ihrer allzu anziehenden Nachbarinnen, bedauerte den Skandal unb fuhr fort:

überzeuge mich immer mehr, daß Rom nickt zugleich der Sitz des Stellvertreters Ehristi und der Sitz Belials sein kann. Möge doch Eure Majestät im Romen Ihrer Mackloefug-- nisse und im Einverständnis mit Ihrem Minister für Abhilfe sorgen. Erfüllt von väterlicher Liebe flehe ich zu Gott für Eure Maiestät, bete für Italien und bete für bie katholische Kirche."

Den wörtlichen Inhalt dieses Briefes lernten damals nur die Minister kennen, denn der König las das Schreiben im Ministerrate vor und lachte herzlich über die Erwäh imng Belials, die in diesem Zusammenhänge eigentlich 'eit König persönlich treffen mußte. Ein Mitglied des Ministerrals äußerte bann bei der Besprechung des Briefes: Eure Majestät sehen, daß der Papst tatsächlich konftitu- tioucll geworden ist."

Im übrigen hatte der König mit seiner Antwort eigent* .ich zu viel versprochen, da er nicht die Macht befaß, die täglichen Mieterinnen gewaltsam aus ihren Wohnungen zu exmittieren. lLber Viktor Emanuel hielt doch Wort, und mit Hilfe von stattlichen Abstandssummen waren die ver- ..hrerifchen Damen bald dazu bewegt, ihre Quartiere zu räumen. Die königliche Freigiebigkeit gegen die Sirenen beim Priesterseminar hatte jedoch unerwartete Folgen. Die schlauen Damen mochten wohl hoffen, noch ein zweites Mal ein so gutes Geschäft zu machen: das Ergebnis war, wenige Monate später die gastfreien Frauen sich wieder legcnüber dem Priesterseminar einquartiert hatten und von teuem den Seelenfrieden der geisllia-en Zöglinge bedrohten, lieber srürzte der Direktor zum Karbinalvikar, toieber gab 's Beratungen im Vatikan, und einer der Kardinäle meinte in wenig schüchtern:Wenn Eure Heiligkeit wieder zu enem System greifen wollten, das sich kürzlich so aut Gewährt hat? . . ." Pius aber, der von den Abstands nrnmen, die der König bezahlen mußte, erfahren hatte, chüttelte den Kopf und sagte wörtlich:Armer Sohn! Ick) will chn nicht zwingen, noch einmal Kleingeld auSzu- geben. . . .

Aus Statt und Land.

Gießen, 16. September 1911.

Die AnstellungSverhältniffe im hessischen Justiz di en st. Tie .Mitteilungen der Zentralstelle für die Landesstatistik' enthalten eine interessante Uederstcht über die AnslellungSvethällnisie im Juflizdienst, der wir nachstehendes entnehmen: Die Zahl der Assessoren betrug im Jahre 1904 127, die der Anstellungen 10, die Wartezeit von der Staats­prüfung bis zur Anstellung 6 Jahre 3 Monate bis 6 Jahre 10 Monate; 1905: 134, 12, 5 Jahre 6 Monate biS 6 Jahre

5 Monate; 1906: 139, 9, 6 Jahre biS 6 Jaine 10 Monate;

1907: 146, 4, 6 Jahre 10 Monate bis 7 Jahre 10 Monate;

1908: 146, 9, 7 Jahre 3 Monate bt3 8 Jahre 3 Monate;

1909: 144/5, 8 Jahre 3 Monate bis 8 Jahre 10 Monate;

1910: 138, 2, 9 Jahre 5 Monate. Vier Stellen waren Ende 1910 unbesetzt. Die Wartezeit hat ständig zngenommen und bereits eine Taner erreicht, die seit mehr als 25 Jahren nicht dagewesen ist. Sie nimmt noch weiter zu. Die im Januar zur Anstellung gekounnenen Assessoren haben eine Wartezeit von mehr als zehn Jahren hinter sich. Von den in den letzten 7 Jahren erfolgten 51 Anstellungen haben 22 in der Errichtung neuer Stellen ihren Qninb. Zu den im Sommer 1909 vorhandenen 144 Assessoren sind au6 den Prüfungen im Herbst 1909 und im. Frühjahre 1910 hinzugelommen 14, abgeaangen sind 20, unb zwar durch Anstellung im hessischen Justizdienst 3 (2 Richter, 1 Notar), durch Zulassung zur Rechtsanwaltschaft 7, durch Uebeitritt zum hessischen Finanz- dienst 2, zum ReichSoersicherungSaint, zur Militärjustiz und zur Marine je einer, je einer wurde Professor, Landbürger­meister, MagistratSassesior. Einer ist gestorben.

Aus dem Militärwochenblatt Mit dem 1 Oktober 1911 uir Lehr-Maschi r.

5t o m v. der Inf. -Schießschule verfehl: der zur Dienst- Iciftung bei der Jnf-Sckneßsckule kommand:ene CbrrU. Loren» im Jnf.-Leidregt iWroßbrrU'iiin (B Oiroßh Meii Rr 117. Vom 1. Oktober 191 1 a b a u f c i n 3 a l) r 3 u r Dienstleistung bei der Gewehr-Prüfung Skommission t o in ni a n * bi er t: l p, Oberlt inx Ins Regt Prinz Carl (4. Grohh. Hess.) Rr. 118. v. Teichmau 11 Logischen, Major int Leib-Drag .Regt. (2. Großh. Hess.) Rr. 24, Vvu der Stellung als Eskadr.-Ebes enthoben und zum Stabe des Real> übergetreten. Ein vordatiertes Patent seines Tienstarades verliehen: dem Rittmeister Prini zu Solms-Hohen- solms-Lick, Kommandeur dcr Leib b . sadr. des Regts. der GarbeS du Corps, vom 20. August 1900. EluPatent feines Tlcnstgrades verlieben: dem Rillmeifter und Eskadr - Ehef v P laten im Leib Trag. Regt 2. Grasch. Hess > Rr 21. Z u m überzähligen Hauptmann befördert: der Ober­leutnant v. Ho Itzendorfs im Feldart.-Regt von Scharn­horst (1. Hannov.) Rr 10, unter Ven'elmng in das 2. Großh. Hess. Feldart.-Regt. Rr. 61. v. M ü d e, Lt. im Leib.-Drag.-Regr. (2. Großh. Hess.) Rr 24, vom 1. Oktober 1911 ab als Lehrer zur Kav» Telegrapheuschule lommandieri. ;> u in Ty ä hnri

i> c 1 1: der Untcrossizicr v H e l dm a n n im >^rosil> Hesi

Bat. Rr. 18. Ter Abschied mit der gesetzlichen Pemlou bewilligt: dem Major Erbgras zu E a st e l l - R ü d e n h a u f c 11 beim Stabe des Leib-Trag Regts. '2. Grosch. Hess.^ Rr. 24; zugleich ist derselbe mit dcr Berechtig,mg zum Tragen der Uniforn Leib- Drag.-Regts. (2. Großh. Hess.. Rr. 21 zu den Ciiiv. 1 . I h. der Armee über getreten. Mit Beendigung der Hcitzstu v- n 1911 scheiden aus dem Heere wieder aus die a 1. s. dcr Armee ange* stellten und zur Tienstieistüng bei nachstehenden Truvvenreileu kommandierten Lts.: H u f s e i n H u s s n 1, beim Fni Leib Wcgt« Großherzogin (3. Großh Hess.) Rr. 117, Mehmed Ali, beim Leib^^arde-Jns.-Regt. i l. Großh. Hess.) 9<r 115, I in a i ( Hakki, beim Garde-Drog Regt -1 Großh Hess Rr. 23. Zum Regts.-Arzt ernannt unter Bcsördcrung zum Oberstabsarzt: der Stabs- und Bats.-Arzt Tr. 0)ros kurt h des II. Bats. 3nf.- Regts. Prinz Earl (4. Großh. Hess > Rr. 118, bei dem 6. siao. Jnj.-Regt. Kaiser Friedrich III. Nr. 114. Zum Bals Arzt ernannt unter Beförderung zum Stabsarzt: der Oberarzt Dr. He st er beim 6. Rhein. Zns.-Regt. Rr. 65, bei dem II. Bat. Ins.-Regis. Prin4 Carl (4. Großh. Hess.) Rr. 118.

KreiS Alsfeld.

x Alsfeld, 15. Sept. Der in Untersttchungshaft ge­nommene, der Brandstiftung verdächtige Schreiner- m e i ft e r I. D. brach heute "vormittag auf dem Wege zur Vorführung nach dem hiesigen Amt-.-gcricht bewußtlos zu­sammen. Ein zugezogener Arzt ordnete die Hebcrfübrnng in das Kreiskrankeuhaus an. D. hatte indessen das Be­wußtsein wieder erlangt.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 15. Sept. Seit einigen Jahren ist an unserem Lehrerseminar die Einrichtung geholfen, daß die Seminaristen der nlasse la und Ib gegen Herbst

Frauen-Feuilleton.

Gesucht eine Braut für einen Milliardär.

Colonel Green, der Sohn Hettv Greens, der reichsten Frau dcr Welt, denkt eirnftlim daran, sich zu verheiraten, mid seit diese seine Msickt betaunl g-worden ist, haben sich Witwen und Mädchen aller Herren Länder förmlich um ihn genffen. Wie aus Ratvork gentcldet wird, sind bis jetzt 6242 Briefe von heirats­lustigen Damen eingetroffen, lieber 1000 davon stammen Mts dem Auslande. Bor dem Ansturm dieser,vielen Heiratslumgen flüchtet fick Colonel Green nun in die Ocffentliebfeit unb gibt in einem großen Reu Yorker Blatte bekannt, was für eine tfuni er haben mochte: ,Zch will mich verheiraten, ja, mir liegt logar daran, mich zu verheiraten," fo beginnen Greens Auonihrungen. Das Aeußere seiner kündigen Frau scheint ihm gleichgültig zu fein, dennsie kann blond oder dunkel, groß oder klein iem (®recn ist ein über 6 Fuß hoher Riese), sie braucht auch nicht schön zu sein." Gegen dieSchönheit" scheint Green eine besondere Ab­neigung zu haben, denn er vergleicht sie mit Tapeten, die einem Kmächst ausnehmend gefallen, die man aber bald durch andere zu ersetzen wünscht, weil sie langweilig werden, die-, so erklärt er, ist wohl auch der Grund, warum die m ritten berühmten Schön- beiten 10 imglürflidi verheiratet oder so glücklich geschieden sind. Ein Mädck>en, ixiy mitten im arbeitsreichen Leben gestanden und die Häßlichkeit der Welt kennen gelernt hat, will Green nickt heiraten. Eine Bedingung liebt er ausdrücklich hervor, er erwartet von seiner künftigen Frau wenigstens 2 Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, (viel verlangt!) womit er wohl nur zu meinen scheint, daß er wirklich eine frauenhafte Frau und feine moderne Amerikanerin haben mill. Eins in nur bedenklich: auf rvelckem Bege soll Green feine Frau finden? Er ist ein sehr gefebärnger Mann und bat deswegen keine Zeit, einem Mädcken nack allen Regeln der .ihmft den Hof zu machen. Er stellt dabei die Forderumi aus, feine künftige Frau muß ein schüchternes, zurückhaltendes Mädchen sein, und ihm doch tartvoll auf halbem Wege emgegeti- koimuen. Green muß ein außerordentlich weitdenkender und vrak^ tisch veranlagter Mann fein, denn er hat kaum einen wichtigen $unft überleben ?ütf die wichtige Schwiegermutter frage wobei er an feine eigene Mutter denkt, geht er mit folgenden 2lus- sührungen ein:Ich rechne nicht darauf, daß ich mit meiner X?eirat meiner Öhrttcr gefallen werde, denn es ist unmöglich, auf diese Art der Ähitter irgend eines Sohnes ;u gefallen, sie glauben immer, kein Mädchen fei gut genug. Tatsächlich und sie aut der Luche und) erneut Engel und Engel gehen nicht in Humpelrocken

einher. Eigentlich muß ich sogar sagen, sind die Engel mächtig knapp gesäet. Ta gibt es vielmehr Puppen von Putzmachern und Schneiderinnen." Häusliche Eigenschasien verlangt Green auch von seiner Frau, doch verwahrt er sich ausdrücklich gegen einen Reinmacheteufel, der der Ansicht ist, Wohlergehen des Gatten und der Kinder hänge von dem guten Zustande der Teppiche und Gardinen ab. Wie die Hochzeit gefeiert werden soll, ist ihm ganz gleichgültig.Wetrn ich die Richtige gefunden habe, kann fie über bie Art unserer Hochzeit unb das spätere Leben ent­scheiden. Warn sie eine zirkusartige Hochzeit wünscht, soll sie sie haben, selbst wenn ich wie jeder Bräutigam) den Clown dabei spielen muß." Erst zuletzt berührt Greeii die Geldfrage:Sie braucht keinen Pfennig Geld M haben" das ist fern letztes Wort. Rach alledem scheint Colonel Green ein sehr wackerer und prak­tisch veranlagter Mann zu fein, dem man von ganzem Herzen wünschen kann, baß er finde, was er sucht. Rur ist $n befürchten, daß ihm das in den Vereinigten Staaten schwerlich gelingen wird.

, K. F.

Der chinesische Franenfuß. Der französische Ge­kehrte Lannelongue hat sich auf feiner jüngsten Studienreise nach Cftafien mit der Anatomie des chinesischen Frauenfußes beschäftigt und veröffentlicht darüber einen Aufsatz, dem derOstasiattiche Lloyd" interessante Einzelheiten entnimmt. Niemand bekommt den Fuß der Chinesen zu fehen, außer ihrem Ehemann, und so hatte auck Professor Lannelongue dte größten Schwierigkeiten, seine anatomischen Untersuchungen auszuführen. Durch Vermit­telung der Konsulate und der chinesischen Aerzte ist es ihm nicht gelungen, vielmehr mußte er einen dünefifeben Herbergsvater durch eine große Summe Goldes dazu veranlassen, ihm feine Untersuchun- g:n \u ermöglichen. Rack Lannelongues Angaben scheint^ c-j, als ob die Chinesen den Fuß ihrer Gattin mit bewnders eifersüchtigen Augen bewachen, weil sein Anblick ihnen einen ästhewchen Genuß gewährt. Für einen Europäer ist die« unverständlich. Lannelongue bat den verkrüppelten Fuß einer großen, kräftigen, einundzwanzig- jährigen Chinesin getehcn und beitbreibt ibn folgendermaßen: Für unsere Augen ist er ausgefproäien häßlich: er widerspricht jeber Borstellun.i von Schönheit, die wir haben. Ter Hintere Teil des Fuße^' ist groß und unförmig, etwas fäulcnartig; der untere, vordere Teil, den nur ein einziges Organ, die große 3cbe bildet, ist von ihm getrennt und ähnelt beinahe einem ver­längerten Schwanenhälse. Die übrigen Zehen verschwinden voll­ständig barmuer, weil sie nach unten gebogen sind. Sie sind außerordentlich klein und liegen flach und aneinandergepreßt unter der großen Zehe. Uuj sie überhaupt als verkümmerte Zehen iu

erkennen, muß man aufmerksam die Trennungslinien .wifck^U ihnen verfolgen. Tie Chinesin geht aus der Ferse uno r fann man sich vorstellen, was für Schwierigkeiten sie bat, um sich von einem Orte zum anderen zu bewegen. Sie must, die Bnue kuöst­lich verlängern, den Körper nach hinten beugen, damit er nicht uornt überfällt, und mit den Armen pendelnde '-Bewegungen au ^sichren, um sich im Gleichgewicht zu halten. Tas Gehen aus diesen .'Lut>t>cU fußen ist so schwer, daß die Opfer der barbarischen 2Hie cchieq Stock und manchmal sogar Krücken benutzen müssen Ter chinesische Krüppelfuß wurde bereits im frühesten Alter durch einschn.liende Bänder erzeugt, die jahrelang getragen werden müssen, damit die vier Zehen verkümmern und sich unter der fünften an ihre Zwangslage gewöhnen." Lannelongue behauptet zum Schluß, der Grund dieser körperlichen Berunstaltttng liege nuc in der Ett'ersuche der chinesischen Männer, die ihre Frauen unter allen Umstunden tat das Haus fesseln wollen. Ter verkrüppelte Fuß der Chinesin hätte damit dieselben Motive znm Grund wie der Schleier per Zur Für unb derkünstliche Scheitel" der altorthodoxen Jüdin.

Heber die Nachteile von HeiratsaazeigeA und postlagernden Korrespondenzen ist schon viel erzählt worde^ aber der Fall, der sich vor kurzem in Sebastopol er eignete, unb von dem der Rußkoje Slowo berichtet, ist hoffentlich dsck selten. Ein junger polnischer Ingenieur, G.org K . . , ließ sich in Jalta an der Krim nieder. Er war der Einsamkeit müde, unb von bart Dunsck erfüllt, eine Lebern.ge'ährtin zu gewinnen, begann er die Heiratsannonren in den polnischen Blättern zu lesen, die ,hnt aus der Heimat zugesandt wurden. Ta las er auch von einer Witwe auf der Höbe ihrer Schvnheir", die sich init r.nan jungen Mann zu verheiraten wünschte:Stattliches Vermöge«. Angebote postlagernd nach Warschau." Ta der junge In nm, cur in Warschau viele Bekannte hatte, trug er dock Bedenken, unter seinem Namen zu schreiben, er benutzte zu seinen Briesen die Schreibmaschine und schneb irgend einen Phantasienainen unter ben Bries. Bald kam eine Anttvort, ine Tarne schien cbemfo vorsichtig, sie bediente sich jedensallL der gleichen Vorsicht'maf> regeln, aber nun begann eine rege Korrespondenz, die bald ehr lewenschaftliches Gepräge annahm, unb schließlich in der Ver­abredung eines Zusammenlresiens in Sebastopol ausllang 2er ersehnte Tag ist endlich da, der junge Ingenieur läßt »ich bei der inzwischen eingetroffenen Warschauer Tarne einfübrer. ver­beugt sich im Türrahmen unb sieht sich seiner eigenen Muttee gegenüber. . t