die Arbei tgeber hätten das Ausgleichs-Ueber- einkommen vom Jahre 1907 dem Geiste und Buchstaben nach gebrochen und es sei unmöglich, eine Abstellung der Mißstände zu erlangen. Asquith schlug vor, einen königlichen Ausschuß einzusetzen, um zu prüfen, welche Abänderungen des Uebereinkommens wünschenswert seien. Während die Arbeitgeber diesem Vorschläge zustimmten, lehnten die Arbeiter ihn ab. Asquith machte die Arbeiter daraus aufmerksam, daß, wenn auch die Regierung uwparteiisch sei, sie eine allgemeine Lähmung des Eisenbahnverkehrs nicht zugeben könne und die nötigen Schritte tun werde, um diese zu verhindern.
, Im Unterhaus erklärte der Schatzkanzler Lloyd George auf eine Anfrage über den angedrohtcn Eisenbahnausstand, daß es nicht wünschenswert erscheine, Mitteilungen über den Stand der Verhandlungen, die im Gange seien, zu machen. Churchill führte aus, die ernsteste Erscheinung der Lage in Liverpool sei, daß das Ausstandskomitee die Angestellten der elektrische n Kraftanlage auf- aefordert habe, in den Ausstand zu treten. Das würde LiverPoolunddessenGebietdesLich- tes und der Straßenbahnen berauben.
Grey führte noch aus, es freue ihn, erklären zu können, daß die Unterhandlungen zwischen der Regierung und den Eisenbahnarbeitern wieder eingelcitet worden seien, um zur Annahme des Regierungsvorschlags zu führen, einen Ausschuß cinzusetzen, der unverzüglich die vorgetragenen Beschwerden untersuchen soll.
Tatsächlich wird heute schon aus Liverpool gemeldet, daß ein Teil der Arbeiter auf der elektrischen Kraststation die Arbeit niederlegte. Infolgedessen ist die elektrische Stromzufuhr sowohl für die Beleuchtung wie für Kraft in Liverpool aufgehoben. Die Kraftstationen werden von Truppen bewacht. Pöbelmacht hielt einenStraßenbabn- w a g e n a n und schlug Fensterein. Der Mob jagt Den Bäckerjungen die Brote ab. In einem Hause in dem Stadtteil Schwann fand man einen Wagenführer an die Türe gefesselt auf. Die Kriegsschiffe „Antrim", ,/Bri- stol" und „Triton" sind in Liverpool eingetroffen. Die Reeder erklären sich bereit, die Arbeitssperre der Dockarbei- ter unter gewissen Bedingungen auszuheben.
Freiwillige Schutzleute.
London, 17. Aug. Die Polizei hat einen Aufruf erlassen, durch den Freiwillige aufgefordert werden zum Dienst als Speziasschutzleute für den Fall, daß sich die Lage verschlimmern sollte. Aus verschiedenen Teilen des Landes werden Ausbrüche von lokalen Eisenbahnausständen gemeldet, durch die Störungen im Verkehr eintreten In Blackburn sind 1000 Mann in den Ausstand getreten.
Die Verhandlungen um Marolko.
Aus Wilhelms höhe wird gemeldet, daß der Reichskanzler dort am Donnerstag um 7 Uhr eingetroffen ist. Zum Empfang auf dem Bahnhof war der Gesandte von Jenisch erschienen, der den Reichskanzler im Automobil nach Schloß Wilhelmshöhe geleitete, wo er Wohnung nahm. Der Minister des Aeußern v. Kiderlen-Wächter trifft erst am Freitag früh in Wilhelmshöhe ein.
Die Franzosen scheinen es inzwischen daraus abzusehen, das deutsche Volk immer weiter zu reizen. Richt nur, daß die Pariser Blätter eine zum Teil unverschämte Sprache führen, auch im Volke macht man seiner Mißachtung gegen Deutschland Luft. Das beweist wieder ein Fall, bei dem eine deutsche Fahnö niedergezerrt worden ist. Wir erhalten darüber folgende Meldungen:
Rach einer Blätternretdung aus Aix-les-Bains hißte em dortiger französischer Gastwirt eine deutsche Fahne. Zwei Offiziere forderten einen Schutzmann auf, diese Fahne zu entfernen, und als dieser dem Auftrag nicht schnell genug nach- zukommen schien, riß einer der Offiziere die Fahne selbst herunter intb zerbrach unter dem Beifall der Menge die Fahnenstange, Der Vorfall rief in der Stadt große Aufregung hervor«
Das französische Ministerium des Innern veröffentlicht folgende Note:
Ein Morgenblatt berichtet über einen Vorfall, der sich in Aix les Bains zugetragen habe, wonach zwei französische Offiziere eine deutsche Fahne heruntergerissen und zerbrochen hätten. Der Vorfall beschränkt sich auf folgende Tatsachen: Der Eigentümer des Restaurants Beau Rivage hißte am 15. August mit einem Bündel Fahnen verschiedener Nationalitäten auch eine deutsche Fahne. Ein Industrieller aus Nancy, der diese Fahne bemerkte, ließ sie einfach von Angestellten des Restaurants entfernen. An dem Vorfall war kein Offizier beteiligt.
Wenn ein solcher Fall sich in Deutschland einmal ereignete ! Wie würden die Franzosen sich darüber erregen und — wie würde die amtliche deutsche „Norddeutsche Allg. Zeitung" dergleichen scharf zurückweisen! Die oben erwähnte Note des französischen Ministers hat nicht einmal ein Wort des Bedauerns für das Vorkommnis.
Ei« spanisch-deutsches Abkommen?
Das „Berliner Tageblatt" nietbct aus Paris: Unter ber Ueberschrift „Ein spanisch-deutsches Abkommen" teilt der „T e m p s" folgende Depesche mit, die er von )einem Spezialkorrespondenten aus Madrid erhalten hat: Hier erhält sich hartnäckig das Gerücht, nach welchem ein Abtom- men oder wenigstens der En.wurf eines Abtommens zwischen Deutschland und Spanien zustande gekommen wäre, kraft dessen Spanien seine sämtlichen Besitzungen in Guinea abtreten werde.
Wahrscheinlich ist das Gerücht auch wieder erfunden worden, um Deutschland bei Spanien und in der übrigen Welt mißliebig zu machen.
Die Vorgänge in Tarudat.
Paris, 17. Aug. Ueb.r die Vo.günge in Tarudat im Sus-Gebiet weroen folgende Einzelheiten gemeldet: Einige Huara-Leute drangen in die Stadt ein und suchten .? Kbah u (türmen, in welcher s-ch der Kaid mttdenVertreternderGebruderManncsmann besand.^^'^-heftigem Kampfe zogen die Huaras ab und hefeep - e en zuruck. Man befürchtet neue Kämpfe, an denen die vei^barten Stämme teilnehmen könnten.
--- Deutsche» Uetch.
'Donnerstag @ben u" B/Nuier Auswärtigen Amte , Staatssekretär f-Adci. en-Wachler imb dem brunchen Bot- ;wei 25 e 1 a 3 ? 11 n zeichnet, von denen einer < ffliiIliefer<6 zwischen DeutMand und britischen Pro- tftoxaten, b« dl- B-kampnmg ba Schlafkrankheit
in Togo und den benachbarten britischen Gebieten betrifft.
Die „Tägliche Rundschau" befürchtet, daß in sozialdemokratischen Kreisen auf einen großen Berliner Verkehrsaus- stand hingearbeitet werde. Im einzelnen führt das Blatt aus: Der deutsche Transportarbeiter-Verband unternimmt es augenblicklich, die Ersatzmannschaft der Großen Berliner Straßenbahn für feine Zwecke zu gewinnen. In der Sektion drei des Verbandes ist die Mitgliederzahl in den letzter! Tagen von 700 auf 6000 Personen gestiegen. Die Große Berliner Straßenbahn darf nach dem Kleinbahngesctz den Betrieb nicht einstcllen, um die Konzession nicht zu verlieren. Sie muß sich also dem Terrorismus des Verbandes bedingungslos fügen.
Ausland.
'Die Besserung des Papstes schreitet fort. Er empfing am Donnerstag die Aerzte und seine Schwestern und unterhielt sich längere Zeit mit ihnen. •
Im englischen Unterhaus hat Sir Edward Grey auf eine.Anfrage über die Bagdad-Bahn eine Antwort erteilt, die Deutschland wieder einigermaßen mißtrauisch machen fönnte. Der Konservative Lloyd fragte, ob die Unterhandlungen betreffend die Bagdad-Bahn gegenwärtig von der britischen Regierung verfolgt .würden und ob sie Auskunft geben könne über irgendwelche Ereignisse, die seit der letzten Erklärung über den Gegenstand eingetreten seien. Grey erwiderte, wie wohl bekannt sein dürste, sind seit einiger Zeit Verhandlungen im Gange hinsichtlich der Bedingungen, unter denen die britische Regierung derErhöhung der türkischen Zölle von 11 auf 14 Prozent ab balorem zustimmen wird. Diese Verhandlungen hätten auch Einfluß aus ■ i'2 Bagdad-Bohufrage. Die britische Regierung machte der tü.fischen Keg :r nj Vor ch'äge, u.n di: Wirtschaftlichc Gleichstellung <c.iN der Eilenbahn und die endgültige Regelung in der Gegend um den persischen Golf sicher zu stellen. Die Einzelheiten müssen aber vertraulich bleiben, bis die Verhandlungen beendet sind.
Die „Vossische Zeitung" meldet aus Petersburg: Die Veröffentlichung des russisch-deutschen Abkommens wird spätestens für Montag oder Dienstag erwartet. Trotz des rein wirtschaftlichen Inhalts betrachten maßgebende politische Kreise das Abkommen als eine politische Tat von großer Bedeutung.
Nach einer Meldung aus Teheran verlautet, b er früher e Schah sei ermordet worden; doch ist das Gerücht unbestätigt.
Heer und Flotte.
Ueber den Zusammenstoß zweier Depeschenboote der Hochseeflotte im Großen Belt wird amtlich gemeldet: Der Flottentender „T 21" wurde in der Nacht vom 15. auf 16. August in dem Langelands-Belt durch Zusammenstoß mit „T 14" am Vorschiff beschädigt, nach Transkjaer geschleppt und auf acht Meter Wasser verankert. Das Vorschiff liegt bis $um Maschinenoberlicht unter Wasser. „T 14" wurde nicht beschädigt. Der Kommandant lTorpedoobersteuermann), ein Unter* ofsizier und zwei Matrosen sind bei der Unfallstelle geblieben, die übrige Besatzung wurde zur Ersten Torpedodivision gebracht. Tie kaiserliche Werft in Kiel veranlaßt das Erforderliche.
Deutsche Kolonien.
Paris, 17. Aug. Ter „Temps" beschäftigt sich mit den Bahn bauten in Teutsch-Ostafrika und Kamerun und meint, gerade im Hinblick auf die gegenwärtigen deutsch- französischen Verhanblungen sei es von Interesse, daß die Deutschen mit Unterstützung englischer Gesellschaften das Riesenprojett der Afrika-Transäquatorial-Bahn für ihre eigene Rechnung ausgenommen haben. Wenn die Bahn auch nicht in ihrer ganzen Linie deutsch sein könne, so soll sie doch nach dem Plan der Berliner Kolonialpolitiker das Bindeglied zwischen den beiden großen deutschen Besitzungen des äquatorialen Afrika werden. Tie Mitbewerber Deutschlands in diesem Teil Afrikas, ob sie nun Franzosen, Belgier oder Engländer seien, könnten schon heute die unvermeidlichen Folgen dieses Planes ermessen.
Ans S-taOl und £anO.
Gießen, 18. August 1911.
*• Erledigte Lehrer stellen. Zwei mit evang. Lehrern zu besetzende Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Walldorf, eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Fränkisch - C r u m b a ch.
** Besichtigungsreisen hessischer Land- tvirte. Nachdem in diesem Jahre bereits zwei Besichtigungsreisen hessischer Landwirte nach dem Ansieblungs- gebiet in Posen und West Preußen stattgefunden haben, soll am Dienstag, 5. September, eine dritte Reise von Kafsel aus nach Pofen angetreten werden. Da in diesem Jahre noch Pachtstellen und kleine Rentenstellen zu vergeben sind, so kann es allen Landleuten mit geringem Vermögen empfohlen werden, sich an diefer Reife zu beteiligen. Im allgemeinen werden bekanntlich kleine Rentenstelien und Pachtstellen in beschränkter Zahl vergeben, und bei früheren Reisen stellte sich stets heraus, daß mehr Pachtbewerber als zu vergebende Pachtstellen vorhanden waren. Es ist auch fraglich, ob bei späteren Reifen wieder Pachtstellen und Heine Rentenstellen in derselben Anzahl wie jetzt ausliegen. Der Abschluß der Kauf- und Pachtverträge kann sofort erfolgen. Die Uebersiedlung kann ganz nach Wunsch des An,iebluntzsbewerbers in diesem Herbst oder nächstes Frühjahr stattsinden.
" Ter Vorstand der Landmirtschastskammer befaßte sich m seiner letzten Sitzung mit Umlagereklamationen. Hebei’ die Viehverwertungsslelle Frankfurt berichtete General, sekretär Leithiger. Der Betrag für die Drucklegung des Oberhess. Obstsortimentes wurde genehmigt. Der Vorstand spricht sich auf eine erfolgte Anregung dahin aus, daß Kinder mit leichter Arbeit in Haus- und lanowirtsch. Betrieben verwendet werden können. Angesichts der Futter- not soll eine vermehrte Verwendung von Waldstreu angestrebt und die Regierung ersucht werden, das Streiilaub nicht zu versteigern, sondern anzuordnen, daß das Laub zu dem Selbstkostenpreis an die Landwirte abgegeben wird. Mit Rücksicht auf die schlechten Aussichten in der Kartoffelernte soll die Regierung ersucht werden, anzuordnen, daß für das nächste Jahr ausnahmsweise das Verbot des Brennens von Mcu8 aufgehoben wird und es sollen Bestimmungen getroffen werden, daß die Landwirte, welche ausuayiusweise 'JJiais statt Kartoffeln brennen, keine Nachteile erleiden. Tadlirch wurde es möglich sein, die seither meilt zu Brennzwecken benützten norddeutschen Kartoffeln als Lpeifekartoffeln zu erhalten und eine allzu große Steigerung des KartoffelpreijeS zu vermeiden. Der Vorstand beschloß weiter, an eine Reihe von Landwirten für mustergültige Buchführung Prämien im Betrage von Mk. 10 bis zu Mk. 50 zu vergeben.
** 5 5. Allgcmeinc Versammlung berDcutschen G e o l,o g r I ch e n G e s e l l s ch a f t. Am Donnerstag vormittag besichtigten bic Teilnehmer die Tagebaue der Manganerzgruben in der Linbner Mark. Spater wurden die Sammlungen des G e o l ogisch - M i n e r a l o g i s ch c n I n st i t u t s der tt n i- versrtät Gietzeii besichtigt, wo die Teilnehmer von Professor
Kayser begrüßt wurden. Terselbe führte dann neue Demon- Itrattons-Apparate für den mineralogischen und geologischen Unter» richt vor. Die Apparate stammen von der Firma Lertz tn Wetzlar. Bergral Dr. Schottler, der Führer der oberhessischen Exknr- sionen, sprach über die physiographische Glieocrung der Basalt? in der Umgegend Gießens, die er durch Projektionen von Tünn- schliffen erläuterte. Nachmittags wurde nach Garbcnteich zum Studium der Basalte, der Trapps unb des Leuzckbasanils in der Umgegend von Watzenborn, Steinberg unb des Schisfenberges gefahren.
' Die neue Darmstädter Oberrealschule. Mit Ermächtigung des Großherzogs hat das Minilterimn des Innern bestimmt, daß der am 1. Oktober zu eröffnenden neuen Oberrealschule zu Darmstadt von dem Lehrerperwnol der Oberrealschiile zugelviesen werden: die Oberlehrer Pro- festoren Hauff, Dr. Weinsheimer, Dr. Heil, Dr. Müller, Tr. KrauZ, Hof, Dr. Todt, Balser, Dr. Lücken, Schäfer und Getrost, sowie die Reattehrer Stephan unb Frank.
** Studierende der technischen Hochschulen in Staatsbahnwerkstätten während der Ferien. Das Eisenbahnministerium hat nach Einvernehmen mit den beteiligten Ministerien, den Wünschen der Rektorate der technischen Hochschulen Rechnung tragend, schon für die diesjährige Ferienzeit die Verfügung getroffen, daß Studierende des Maschinenbaufaches der technischen Hochschulen zur Praxis in den Staatsbahn- werkstätteii zugelassen werden. Für diese Praxis konnten nur Haupt- und größere Betriebswerkstätten in Betracht gezogen werden, da nur in diesen eine Erfolg versprechende Verwendung möglich erscheint. Mit Rücksicht auf die Platz- und Arbeitsverhältuisse in den einzelnen Werkstätten sowie auf die Sicherheitsvorschriften kann in jedem der bezeichneten Betriebe nur eine beschränkte Zahl von Studierenden Aufnahme finden.
** Zusammenwirken der Kontrollorgane derStaatsbahnenmitdemPublikum. In einem vom Eisenbahnministerium an die Staatsbahndirektionen hinausgegebenen Erlaß werden diese angewiesen, dafür Sorge zu tragen, daß die Tarif- und Transportkontrolleur' bei ihren Bereisungen der Pflege des persönlichen Verkehre mit dem verfrachtenden Publikum größte Aufmerksamkeit zuwenden. Nur durch eine stete Fühlungnahme mit den Interessenten können, wie, der Erlaß hervorhebt, die Kontrollorgane den nötigen Einblick in die kommerziellen Verhältnisse gewinnen, aufgetretene Bedürfnisse inbezug auf das Tarifwesen und den Transportdienst kennen lernen, sich über einschlägige Wünsche und Beschwerden unterrichten und auf diesen Grundlagen zweckdienliche Maßnahmen an- retzen. Zugleich wurde den Kontrolleuren einHeschärft, sich bei ihren Dienstreisen zu überzeugen, daß sich auch bic Stationsorgane in einer der kaufmännischen Natur des Transportgeschästes entsprechenden Weise betätigen und beii geschäftlichen Verkehr mit den Parteien dazu benützen, um verläßliche Informationen über alte ihren Bestellbezirk berührenden Vorkommnisse aus kommerziellem Gebiete zu erhalten.
'* InS Manöver. DaS hiesige Regiment fährt am 21. A ugust in zwei Sonderzügen, die um 9 Uhr unb 947 Uhr morgens hier abgehen, ins Manöver nach Diez a. b. Lahn; am selben Tage geht auch bas Regiment 115 von Darmstadt dahin ab. Die 81er treffen am 23. August in Idstein ein. Am 28. fährt bas Pionierbataillon 25 (Mainz! nach Diez, das Regiment 168 von Butzbach unb Offenbach nach Limburg. Das Butzbacher Bataillon fährt über Gießen unb der Sonderzug Hal von 860 bis 907 vormittags hier Aufenthalt.
** 25 Jahre Seemann. Ein geborener Gießener, Kapitän Sch mehl, begeht in diesem Jahre das silberne Jubiläum als Berufes-emann. Er verließ U84 das Gießener' Gymnasium und besuchte in Hamburg bis 1886 die See- mannsstyule, um dann mit" dem Hamburger Vollschiff Rajpost als Schiffsjunge seine erste große Reise um das Kap Horn nach Valparaiso zu machen. Dann hat er als Matrose, als Steuermann und schließlich als Kapitän alle Meere besahren, u. a. hat er 2 Jahre ununterbrochen in den chinesischen, japanischen und hinterindischen Gewässern gekreuzt. Strandungen, Scyifsbruch, Zusammenstoß, Feuers not unb Peoviantmangel büeven iym auf seinen Reisen nicht erspart. In Japan würbe er in Ausübung seines Berufs an oer rechten Hand verletzt und im Atlantischen Ozean hat er bei einer Sturzsee den Knöchel des Unten Fußes gebrochen. Sechs Menschenleben hat er teilweise mit eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens gerettet, wofür er mehrere Rettungsmedaillen erhielt. Für sein Verhalten beim Brande eines mit Dynamit beiabenen DampjschUfes erhielt Schmehl von dem Kaiser den Roten Adlerorden. Wir wünschen unserm Landsmann, der jetzt wieder aus einer Reise nach Hinterindien ist, für die Zu- i'unst glückliche Fahrt.
" Der Herb |l-Pferde markt wird möglicherweise wegen der 9)laul» und Klauenseuche nicht abgehalten werben können ober verlegt werden müssen. Die Verlosung do- gegen findet unter allen Umständen an dem voraesebenen Tage statt.
" W a r n u n g ö o r b e m 3 u § u g b e u t f cf) e r 9)1 ä b d) e n n..n r?tlö‘Or . ?,nev..V.1 erscheinenden beulscheu Zeitung M kürzlich em Artikel veröffentlicht worden, der eine Warnung au deutsche Erzieherinnen unb Lehrerinnen, soivie an Kindermädchen und Dienstmädchen vor unüberlegtem Zuzuge nach Paris eiithäll und Ratschlage hir den Fall der llebersiedelnng dorlhin eitedL (_5 luirb babei haupljachlich aui die Geiabren in sillliwer Bepehnng yingewieien, die tu Paris droben und denen leider alljäurlid) eine nicht geringe Zahl zugezvgener denliwer Mädchen zum Opiec fällt. <.iejc f^elayr i|t besonders dann m ho Dem plage vorhanden, men» jiiiifle liaDd)en in vollilancnger Unkenntnis des großilädliidM Lebens und Diennverhattnilses, vielleicht lediglich auf ^ciiuiifli’ anzeigeii hin, sich nach Paris begeben, ohne vorher die eingehend' lien Erkunbigiingen enigezogen zu haben. Es sollte deshalb jedes beul|che Alabaien, bas BescyaNigung sucht, sid) vor allem hüten,«« AU jugendlichem Älter nach Paris zu gehen, vielmehr dies erst dann zu tun, wenn es schon eine gefeiltere Lebenserfahrung besitz«. Aeiiiev wird davor gewarnt, lediglich durd) Änze-gen tranzösiicher Zaniilien in deutichen Zeuungen sich zur llimohme einer Sielte verleiten zu lauen, da folaje Anzeigen in der Regel von Leulcil anegc..en, bie m Paris als schlechte Tlenilherrichaiten beiamil sind imo ourci) lein borliges Vernuelnngsbnreau mehr einen j. icnfl* holen erhallen können. Es wirb dagegen als sehr emp'ehlensivert bezeichnet, vor Einnahme einer solchen Stelle in Pans sid) mit einer Anfrage an das dortige deutsche o n j u l a t zu wende«, denen Gejchaüeiletle sich Rue de Lille 7v befindet, das zu jeder Iu9tunit6eueikmg ühec alle einschlägigen Fragen bereit ist. End' iid) wird den deutschen Aladchen noch der Rat erteilt, sich unter (emeu Umstanden von ihrer zukünuigen Pariser perrschail bas Jieucgeld schicken zu lassen, da sie meist nicht in der Lage sein werden, es zurückzuzahlen unb es ihnen dann nur unter de« fiiogten »Schwierigkeiten gelingt, von ber Stelle wieder los zu kommen.
Kreis Büdingen.
U. Ortenberg, 16. Ang. Am Astttwoch nachmittag entwendeten auf der hiesigen Station zwei Bauern-


