Verwundern ans, daß das Tiefbauamt ohne Genehmigung der Stadtverordncten-Versanrmlung überhaupt einen Brunnen von der Straße wegnehmen kann. Stadtv. Haubach sprich: sich im gleichen Sinne aus. Stadtv. Eichenauer bittet, trotzdem dem Antrag Petri zuzustimmen und zu beschließen, daß das Ablauf- berken des Brunnens so gestaltet ist, daß es als Tränke für Hunde und Vögel dienen kann. Beigeordneter Keller tritt ebenfalls für die Aufstellung eines Brunnens am Ludwigs- Platz ein. Die Versammlung beschließt demgemäß,
Für das einzig vorliegende Gesuch einer
Wirtschaftserlaubnis
des Ehr. Schuler, Licher Straße 59, der seine Schankerlaubnis auf den Borgarten ausgedehnt wissen will, wird die Bedürfnisfrage bejaht.
Eilige Anträge.
Birkenstock u. Schneider beantragen, ihnen zu gestatten, vor ihrem Neubau an der Friedrichstraße das Vorgartengitter statt in Eisen, wie dies die Bauordnung vorschreibt, in Holz Herstellen zu lassen. Ein gleicher Antrag liegt vorbetreffend des von der Stadt geplanten Bedürfnishäuschens am Lindenplatz, da^, in Fachwerk errichtet werden soll. In beiden Fällen wird den Anträgen entsprochen.
Eine Aenderung des Straßenbahnfahrplans
soll in der Weise herbeigeführt werden, daß die letzten Wagen ab Bahnhof nicht um 10 Uhr 7 Minuten, sondern um 10 Uhr 15 Minuten ihre Fahrt antreten, weil der Frankfurter Schnellzug, der 10 Uhr 6 Minuten fahrplanmäßig einlaufen soll, sehr häufig Verspätung hat. Dem Anträge wird durch Zustimmung der Stadtverordneten entsprochen.
Drei Anfragen
des Stadtvewrdntten Grünewald werden noch zuni Schluß der öffentlichen Sitzung erledigt. Er erinnert daran, daß er angeregt hat, den Wagenführern der Straßenbahn Urlaub zu gewähren. Der Oberbürgermeister habe sich damals zustimmend geäußert und er habe annehmen müssen, daß man dem Wunsch der Leute nach einigen freien Tagen nachkommen würde. Er habe nun erfahren, daß die Direktion den von den Leuten gestellten Antrag abgewiesen habe, weil sie keine Beamte seien. Und erst, wenn sie drei Jahre bei der Stadt seien, Anspruch auf Urlaub hatten. Es handle sich hier nun nm Beamte, die einen sehr verantwortungsvollen Dienst haben, denen müsse man entgegen- kommen. Beigeordneter Keller bemerkt, daß er in der Angelegen-- hett nicht informiert sei. Die Bestimmung wegen der dreijährigen Dienstzeit fei vorhanden, aber wie schwierig der Ersatz für beurlaubte Wagenführer auch sei, er persönlich wäre der Ansicht, daß man diesen Leuten einen Erholungsurlaub gewähren könne. Stadtverordneter Eichenauer wlll, daß den Wagenführern noch in diesem Jahre ein Urlaub gewährt werde. Beigeordneter Keller stellt in Aussicht, daß die Frage nach Rückkehr des Oberbürgermeisters in der nächsten Stadtverordnetensitzung erledigt werden solle.
Auf die Anfrage Grünewalds, wann endlich die Ruine in der Neustadt vom Erdboden verschwinden wird, bemerkt Beig. Keller, daß dies bereits veranlaßt worden wäre, wenn Frau Schneider nicht gebeten hätte, ihr zur Räumung ihres Hauses noch 10—14 Tage Frist zu gewähren. Auf die dritte Frage Grünewalds, woran es liege, daß mit dem Bau der Oberrealschule nicht begonnen werde, antwortet Beigeordneter Keller, daß die Fassade beim Ministerium gewisse An- stiände gefunden habe. Grünewald erllärt sich von dieser Antwort wenig befriedigt.
Wegen übler Gerüche
der Abfälle auf bent Schlachthof beklagt sich Stadtv. Plank. Beig. Keller sagt Abhilfe zu. Stadtv. Eichenauer klagt darüber, daß die Wieseck nur wenig Wasser habe und infolgedessen ebenfalls unangenehme Dünste verbreite.
Damit ist die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erschöpft.
Ans Statt unt Land.
Gießen, 14. Juli 1911.
•• Die Hauptversammlung der »Deutschen geologischen Gesellschaft", zu der ein sehr reichhaltiges Programm aufgestellt ist, findet vom 5.—20. August in Darmstadt Junb seiner Umgebung statt. Die sich an die Tagung anschließenden Exkursionen bewegen sich in der Zeit vom 17. bis 20. August in Oberhessen, wobei Quartiere in Gießen genommen werden.
•• Deutsche Gesellschaft für Kaufmanns- Erholungsheime. Die kürzlich veröffentlichte Stiftung des Geh. Kommerzienrats Heichelheim von Mk. 5000.— zu Gunsten der Deutschen Gesellschaft für KaufmannS-Erholungs- heime ist mit Rücksicht darauf ganz besonders bemerkungswert, daß durch diese Stiftung nicht nur die Gesellschaft unterstützt wird, sondern es werden den Satzungen der Gesellschaft gemäß zur freien Verfügung des Stifters alljährlich 50 kostenfreie Verpflegungstage für Angestellte gewährt. Den Angestellten steht dabei die Auswahl unter sämtlichen Heimen der Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns-Erholungsheime offen. Es wäre zu wünschen, daß dieses Beispiel lebhafte Nachahmung fände. — Wie sehr in ganz Deutschland die Bestrebungen dec Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns- Erholungsheime Anklang gefunden haben, geht daraus hervor, daß im Laufe der vorigen Woche allein für Mk. 70000.— Stiftungen erfolgten.
Landkreis Gießen.
— Wieseck, 12. Juli. Der Gesangverein Jugendgrund beschloß in seiner am 9. Juli abgehaltenen Hauptversammlung, am 16., 17., 18. Juni 1912 sein 30jähriges Stiftungsfest, verbunden mit nationalem Gesangs-Wettstreit, zu feiern.
-m. Hungen, 13. Juli. Nach mehrwöchiger Trockenheit und großer Hitze der letzten Tage brachten heute nach^ mittag mehrere über unsere Gemarkung ziehende Gewitter den so lange ersehnten durchgreifenden Regen. Es war auch höchste Zeit. Auf den Aeckern sind schon viele Dickwurzpflanzen verdorrt und zugrunde gegangen. Auch die Frucht, die Kartoffeln und die Futtergewächse haben sehr gelitten. Obstbäume stehen stellenweise ganz gelb wie im Herbst und die Früchte können sich nicht richtig entwickeln. In den Gärten mußte man fleißig durch Begießen nachhelfen. Deshalb ist auch hier ein Minderertrag zu verzeichnen. — Die Reife der Himbeere hat begonnen. Die Stauden sind dicht behangen, aber durch die Trockenheit sind die meisten Früchte klein geblieben, weil sie zur Reife kamen, ehe sie voll entwickelt waren.
Kreis Friedberg.
* Bad-Nauh eim, 12. Juli. Tre neue Trinkkuranlage ist jetzt so Igut wie sertiggestellt und teilweise bereits in Benutzung genommen. Mit seinen großzügig ausgestalteten und ungelegten Kolonnaden sowie in der Art seiner Ausgestaltung bilden die Bauten der Anlage eine Sehenswürdigkeit unseres Weltbades auch für diejenigen Besucher unserer Badestadt, die nicht der Kur wegen Herkommen. Die Baulichkeiten sind zum größten Teil in Vor- satzbekon hergestellt und durch Ornamente aus der Großh. keramischen Manufaktur Darmstadt wirkungsvoll gehoben. Wirkliche Prunkstücke Hilden der Brunnen zum Gurgelraum
und das eigentliche Brunnengebäude, zu dem Artur Gräf«-, Gießen die kunstvollen schmiedeeisernen Tore geliefert, hat, an denen der Meister volle sechs Monate gearbeitet hat. Diese Tore, von denen zwei mit dem hessischen Löwen geschmückt sind, sind in süddeutscher Renaissance geschmiedet und zeigen in ihrer Ausführung, daß die Kunst, das spröde Eisen durch Hammer und Feuer zu z-wingen, in Oberhesfen noch ausgeübt wird, wenn sich ein Besteller findet, wie in diesem- Falle der Staat, der die Kunst auch entsprechend lohnen kann. 4
Qantei unt Verkehr, Volkswirtschaft.
— Von der Elektrotechnik. Nach einer Londoner Blättermeldung vereinigten sich siinanzleute und elektrotechnische Firmen, nm große elektrische Werke in allen Teilen der Welt an- zulegen. Mehrere leitende französische und englische Institute sind an dem Unternehmen interessiert.
Verantwortlich für „Aus Stadt und Land" i. V.: K. N e u r a t h.
Müller'sche Badeanstalt^
Wasserwarme der Lahn am 14. Juli: 20° ll.
Airchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Sonntag den 16. Juli, 5. nach Trinitatis. Gottesdienst.
In der Stadtkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Matthäus-( gemeinde.
Vormittags 9V? Uhr: Pfarrer Schwabe.
Beichte und heil. Abendmahl für die Matthäus- und MarkuS- gemeinde. Anmeldung bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
Vormittags lll/4 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde.
Pfarrer Schwabe.
Zn der Iohanneskirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.
Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukas- gemeinde.
Vormittags 91/, Uhr: Professor D. Schian.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johann es gemeinde.
Pfarrer Adolph.
Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal.
katholische Gemeinde.
Gottesdienst.
Samstag den 15. Juli 1911:
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.
Sonntag den 16.Juli, 6. Sonn tag nach Pfingsten.
Vormittags von 61/- Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht.
„ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe.
, um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.
■ w um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.
, um 11 Uhr: Heil. Messe mit Predigt.
Militargottesdienft.
Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; darauf sakrameittalische Bruderschafts-Andacht.
Israelitische Reügionsgemeinde.
Sottesüienst in der Synaqoae (Süd-Anlages
Samstag den 15. Juli 1911:
Vorabend: 7.45 Uhr.
Morgens: 8.30 Uhr.
Nachmittags: 3.30 Uhr JugendgotteSdtenst.
Sabbatausgang: 9.30 Uhr.
INTERNATIONALE HY GIENE-AUSSTELLUNG
DRESDEN ign
Weltausstellung für Gesundheitspflege
MAI—OKTOBER.
Die Beurteilung ist eine feiten einmütige, wie sie eine Ausstellung feit Menschengedenlen nicht gefunden hat!
gcitaltige Tat, Industrie und
haben.
.. Tie Ausstellung stellt einen Triumph deutscher Organisattonskunst, deutscher gründlicher Arbett und Wissen- “ar- - AM0 ^^rre-^ und so reichhaltig, wie man ein,cr solchen Ausstellung auch bei hoch gestellten Ansprüchen kaum hätte erwarten können.
(Tägliche Rundschau.) c wohl das erste Mal, daß ein Problem von
solchem Ernst einem internationalen Massenpublikum vor- gelegt wird, und man kann nur hoffen, daß der Respekt, der enDc”etM$er? gezeigt wird, gerechtfertigt wird. Tas stille Dresden ist eine Weltstadt geworden.
(Schlesische Zeitung.)
... Tie Ausstellung darf als eine der großartigsten Leistungen auf diesem Gebiete betrachtet werden.
(Medizinische SUni£)
Mit der m Dresden eröffneten Hygiene-Ausstellung ist ein großartiges, m der Geschichte einzig daitehendes Werk vollendet worden. (LaPlata-Zeitung, Buenos Aires.)
Sie Ausstellung stellt eine plastische Geschichte der menschlichen Kultur dar. (Bohemia.)
... In dieser Wirkung und in der Turchdringung der breiten Masse mit hygienischer Erkenntnis liegt die Bedeutung der Ausstellung. Sie will namentlich der Aufllärung dienen.
(Kölnische Zeitung.)
So wie diese Ausstellung ausgebaut ist, wo alles darauf abzielt, Laien, und Fachleuten Wissen und Belehrung in der leichtesten, anschaulichen Form darzubieten, darf man sicher fein, baß sie nutzbringend sein werde für Millionen von Menschen. Jeder wird belehrt und bereichert in seinem Wissen um die menschliche Gesundhett und die Gefahren, die ihr gerade in unterer Zeit drohen, ...
(Königsberger Hartung sche Zeitung.)
, • • • Ihre segensreiche, nutzbringende Ausstrahlung wird unser VolS und Vaterland noch spüren, wenn sich schon längst die Pforten zum Ausstellungsplatze in Dresden wieder geschloffen haben werden. (Leipziger Tageblatt.)
Eines steht heute schon fest: Tie Internationale Hygiene-Ausstellung zu Dresden wird die deutsche Aus- stellung des Jahres 1911 sein.
(Rheinisch-Westfälische Zeitung, Essen.)
... ein epochemachendes Unternehmen ist, wohl geeignet die Gewohnheiten vieler Menschen in neue Bahnen zu lenken'
(Dxesduep Auzeigex.)
, - Es ist nicht daran zu zweifeln, daß die Internationale
Hygiene-Ausstellung nach Inhalt und äußerer Ausgestaltung die bedeutendste aller bisherigen deutschen Ausstellungen sein ‘ (Frankfurter Leitung.)
Die Dresdner Hygiene-Ausstellung... ist wohl die groß- k-tlS^UntreT,ne^un9 auf dem Gebiete der Hygiene, die je tue Äelt gesehen hat. Wiener Journal')
. - ... Diese süberwältigende Anteilnahme ist schon ein Beweis, baß bte Internationale Hygiene-Ausstellung weit über Tresben und wachsen hinaus eine Bedeutung gewonnen hat, wie sie Veranstaltungen auf diesem Gebiet bisher kaum zukamen.
(Der Tag.)
• • ■ Eine Stadt eine Stätte der Gesundheit ist diese Aus- stellung. . Ein Weck, wie es großartiger bisher nicht dem Gedanken der Hygiene biente, einer Kulturtat, auf die wir stolz tem tonnen. Und nicht nur wir, die gesamte zivilisierte Welt mit uns, ... @clie $tcic $Ie(]-e- Sicn)
... Tie internationale Hygiene-Ausstellung in Dkesden bedeutet eine: Knlturtat ersten Ranges.
(Leipziger Neueste Nachrichten.)
Dresden. Wachsens herrliche Residenz, das Wallfahrtsziel vieler Tausend© von Besuchern, birgt in diesem Jahre die * Weltausstellung für Gesundheitspflege in seinen Mauern.
7 D®r Ausstellung ist die Lösung der Aufgabe gelungen, den Menschen in leicht fasslicher Art über alle Fragen der Ge- sundheit zu belehren. Mit ganz neuartigen Methoden und Anschauungsmitteln wird der Besucher spielend unterrichtet über di© ±5eschanenheit des menschlichen Körpers in allen seinen Teilen, über seine Lebensvorgänge, über die Krankheiten und Schädigungen des Körpers und die Möglichkeit ihrer Verhütung; über alles was mit dem menschlichen Leben zusammenhängt: Arbeit und Erholung, Wohnung und Kleidung; über die Grundsätze einer richtigen Ernährung wird in besonderen grossen Abteilungen das Wissenswerteste dargestellt. &
So werden jedem Besucher gewissermassen in Unterhaltungsform Schätze an Kenntnissen geboten, di© ihm für sein ganzes spateres .Leben von ungeahntem Nutzen sein können. b
Durch künstlerische Feste aller Art, Konzerte, grosse sportliche und andere Veranstaltungen, sowie durch einen neuartigen Erholungspark, der von vielen Tausenden von Menschen täglich besucht wird, ist dem Besucher nach der Besichtigung der Ausstellung reichlich Gelegenheit zur Erholung und Zerstreuung geboten. Auf der Hauptausstellungsstrasse, der berühmten, 40 Meter breiten Herkules-Allee, flutet täglich ein gewaltiger Menschenstrom, hört man alle Kultursprachen der Erd©. Die Ausstellung bietet ein Leben und Treiben, wie man es sonst nur in einem grossen Weltkurort finden kann. 6 gfll^
... Tie Internationale Hygiene-Ausstellung bedeutet eine Tat, xu deren Ausführung sich Wissenschaft, Technik, und Kunst aus aller Herren Länder die Hand gereicht (Hamburger Nachrichten.)
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