kkr. 218 Erstes Blatt 161. Jahrgang Samstag, (6. September
«Siebener Ammer
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MG- General-Anzeiger für Gberheffen M-ZZ
tüTb!T^rtm!?nn” Rolatlon$dni(f und Verlag der vrühl'schen Univ.'vuch. und Steieörudertl R. Lange. Redattion. Lrpedilion und vrnckeret: Schulftratze 7. u*’h bl» Dotmütaqs s llhr. vüdingen: Fernsprecher Nr. 50 cheschastsftelle vahnhosftrahe 16a. Ante.a'emest- o."^ck
Die heutige Nummer umsaht 18 Seiten.
politische Wochenschau.
l-tehen. 16 Sept.
Auch in Jena tagten dogmenseste Genossen Aber die ravikalen Häuptlinge, an ihrer Spitze Rosa Luxemburg, Klara Zetkin, Georg Ledebour, trachten nach immer neuen Fingerzeichen der Marxistischen Offenbarungen Tn der große Kladderadatsch immer noch nicht verwirklicht wor den ist, soll man wenigstens einen Vorgeschmack davon erhalten, und alles was die Aussicht aus den dunkel rot glühenden Hori-ont versperrt, soll aus dem Wege geschleudert werden Ader das Schauspiel in Jena hatte auch eine menschlich sehr interessante - it • Tee fait 7_»jä! rrge Bebel, der mehr für seine Pttrtei getan hat, als irgend jemals ein Parteiführer tun tonnte, ist bei seinem WiedercuAreleu nach langer Sfranfhcit mit einer F-ehde, mit offenen Bos heilen empfangen worden. Das alte, wohlbekannte Bild von der Brüderlichkeit in der sozialdemokratischen Partei ist wieder um einen charakteristischen Zug bereichert wor den. Henle fühlen die obengenannten Größen sich als die Großsiegelbetvahrer, und der scharfblickende Bebel hat ihre wahren Gedanken entblößt, als er ihnen ironisch zurief, sie möchten wohl Genossen von über 50 Jahren überhaupt auS der Partei ausschalten. Eine ganz besondere Rolle auf dem Jenaer Parteitage spielte die Frau Rosa Luxemburg. Uno sie hat offenbar in der Partei viele Bewunderer. Wie sie in der „Leipziger Volkszeitung" das KautSkyschc Flugblatt herunterriß, rst bclannt. 2ie hat sich aber damit nicht begnügt, sondern gegen das nach ihrer Ansicht zaghafte und ungenügende Vorgehen des Parteivorstandes in der Marokkofrage Sturm gelaufen. Das ist bei ihrer ganzen Vergangenheit nicht weiter verwunderlich. Weibliche Mäßigung, mettschliche Rücksichten kennt sie nicht; die find ihr nie hinderlich gewesen Ihre „Haupt- verdienste" liegen in der zügellosen Agitation gegen den „BliU-aren", in der Verherrlichung politischer Mord- anschläge, in der Propaganda für den großen Gcsamt- auSstand, der alle Räder stille stehen lassen soll. Wer so gewaltige Ziele verfolgt, der fragt nicht nach zarter Diskretion, strenger Wahrheitsliebe und Sachlichkeit So hat ihr denn Bebel ein gerüttelt Maß von Zurechtweisungen erteilt^ aber am besten wurde die treibende straft in dieser merkwürdigen Frau doch von Molkenbuhr erkannt, als er meinte. Gründe der Ueberzeugung hätten sie bei ihrem Borgehen kaum geleitet; sic hatte eben nur wieder ihren Fraß haben wollen. Das Bezeichnende und Wesentliche aber ist, daß diese Tarne in der Sozialdemokratie eine durchaus tonangebende Rolle spielt; sie foirnte es sogar riskieren, Bebel verächtlich und höhnisch zu dem Beifall der süddeutschen Revisionisten zu gratulieren, was ihr allerdings einige nicht zärtliche Zwischenrufe ein trug.
Uebcrblicft man die Jenaer Redeschlacht über die Taktik des Vorstandes in der Marokkofrage weiter, so bleibt das Auge ferner an der dramatischen Gestalt Ledebours hängen. Wie oft hat ihm die Partei un Reichstag und in wichtigen Wahlkämpfen große Funktionen übertragen. Und nun beschuldigte ihn Bebel selbst der Unverschämtheit, bescheinigte ihm, baß er an Taktlosigkeit alle Parteigenossen übertrete. Und auch der Oberaenosse Fischer man ihm „persönliche Gehässigkeit und Wichtigtuerei" vor. £b der so arg gerupfte Ledebour auch künftig wieder als sozi.'.lacmokratisch.r Slolo- nialfächverständiger ins Treffen geschickt wird? Wird es noch Leute geben, die ihn ernst nehmen und die Sache, die er vertritt, für eine „großartige Kulturbewegung" zu halten geneigt find'?
Warum aber mögen Bebel und der Parteivorstand diesmal von den „radikalen Jeremiassen" wie ein Genosse sich ausdrückte) sich getrennt haben ? Bebel, der große Prophet und Optimist, hat auch in seinen alten Tagen noch hinzu- gelernt; was keine Schande ist. Mit seiner ^leidenfchaft- lichen Beredsamkeit hat er sich seine frühere Stellung^ als Parteipapst rasch zurückgewonnen. JmGegen'atz zu den , I re- miassen" erklärte er, eS märe eine Torheit gemesen, wenn gleich nach der Entsendung deS „Panthers" nach Agadir schon eine Protestagitation gemacht worden märe. Er gibt also zu, daß die Regierung damit leine Kriegsdrohung verbunden habe. Osfenbar hat Bebel erkannt, daß aus charakterloser Unterstützung der Franzosen und Engländer im kommenden Wahlkampfe kein Kapital zu schlagen ist. Er trägt der wahren Volksstimmung Rechnung und bemühte sich sogar, Licht und Schatten zu verteilen. So hat er die wirtschaftliche Zukunft Marokkos nicht abgelcugnet und Deutschlands Handelsinteressen anerkannt Warum aber, so muß man fragen, wendete Bebel seine Beredsamkeit nicht Segen Frankreich, daS doch Marokko vergewaltigen und die andelskonkurrenten benachteiligen will'?! Und gegen die Engländer, die in selbstsüchtiger Weise diesen Kvlonialraub begünstigen? Bebel hat berichtet, er habe sofort, als Eng land eingriff, sich an daS internationale Bureau gewandt mit dein Anträge, Stellung zu nehmen. Ist aber irgend« etwas darauf geschehen? Das internationale Bureuu hat offenbar schmählich versagt. Heute wird mitgeteilt, daß französische Sozialisten eine Kundgebung gegen die Kriegshetzer, das heißt, gegen die chauvinisttsmen Blätter, erlassen haben, steinern sozialdemokratischen Widerspruch aber begegnet die Regierung Frankreichs. Wenn tue Luxemburg und Lieb tu echt die Marokko Entschließung ihres Parteitages wirtlich wirksam hätten ergänzen wollen, so hätten sie, gemäß der sozialdemokratischen Lehren über Kolonialpolitik, Frankreich und England einen flammen den Protest entgegenschleudern müssen.
Bebel ist sich dieser Lucke in den crilärimgen des Partei tag es wohl bewußt. So erklärt sich vielleicht auch zu einem Teile die Vorsicht und Zurua.,auuug, c i. er anmendtte, als er auf den Widerstand des Proletariates im Kriegsfälle zu
sprechen kam Welche Mittel und Wege die Sozialdemo kratie beim Ausbruch eines Krieges gebrauchen will, wird ängstlich geheim gehalten Das i ft keine Po 1 i - tif der Ehrlichkeit. Man getraut sich nicht, sich offen auszusprechen. Ersten- fürchtet man natürlich schwere Strafen Aber das ist'o wohl nicht allein. Wie die Entführer des Ingenieurs Richter von einer geheimen Gewalt zuriickgehalten wurden, ihren Gefangenen um^ubringen, so wirkt eine geheime Ge walt and) auf die Genossen, die es nicht auszusprechen wagen, daß sie ihrem Volke in innreren Röten in den Rücken zu fallen gedenken Vielleicht traut man der internationalen Solidarität nicht ganz. Das Beispiel eines merk würdigen Doppelspieles hat man ja auf dem Parteitag selbst erlebt. Ter englische Genosse Queich hat erklärt, die englischen Arbeiter seien für die Abrüstung. Dabei hat der Parteivorstand der englischen Sozialdemokratie kürz lich als direkte Forderung ausgestellt: „Die Aufrechterbal tung einer genügend starken Flotte zur Landesverteidi guug.' Und derselbe Herr Cueld) hat damals diese Forderung begründet!
Man wird bei den fommenden Reichstagswahlen der Sozialdemokratie die zweideutige Haltung ihrer Führer an treiben, die den Arbeiter im Kriegsfälle zu Unbesonnenheiten verhetzen und hinterher sich damit hcrausreden wollen, „so sei es ja nicht gemeint gewesen." Bebel gibt sich kaum der Hoffnung hin, daß nut der „Marokkoaltton" für seine Partei bei den Wahlen irgendetwas zu holen sei. Sein zweiter Vortrag über die Reichstagswahlen brachte nichts ReueS. Seine .vauptangriffc galten dem Zentrum. Den Liberalen bewilligt er mildernde Umstände. Immer aber lauu man wieder fragen: wo bleiben denn die positiven Leistungen der Sozialdemokratie? Gewiß, wir leben in schwerer Zeit, die hohe Anforderungen stellt. Ta ist es aber mit unfruchtbarer Kritik und endloser Nörgelei nicht getan. Und der Vorgeschmack, den uns die Zukunjtsstaatler auch auf diesem Parteitage von ihrer neuen Zeit wieder bcschecrten, ist nicht gerade nach jedermanns Sinn. Zum mindesten bleiben persönliche Gehässigkeiten, und wer die größte Taktlosigkeit bei itzt, darf in der Führerrolle glänzen. Das haben die Jenaer ^ludcmcn denn auch heran- gesuhlt und einen andern Ton angestimmt. . .
Die Uebc gabc öes Lcib-yusare-iregimentr an deu Kronprinzen.
Ter deutsche Kronprinz ist Regimentskommandeur in Danzig geworden Ter Kaiser hat ihn mit einer bemerkenswerten Ansprache in sein neues Amt eingeführt:
Danzig, 15. Sept. Ter Kaiser ist um 11 Uhr 40 Min. hier, eingetroffen. Ter Kronprinz war zum Empfang am Bahnhof erschienen. Ter Kaiser und der Kronprinz begaben sich im Automobil nach dem großen Exerzierplatz, wo die Leibhusaren in geschlossenem Viereck Aufstellung genommen hatten. Der Cef des Militärkabi- netts, Freiherr von Lyncker, verlas die Kabinettsordre betreffend die Ernennung des Kronprinzen zum Kommandeur des Leibhusaren - Regim ent s.
Tie Ansprache des Kaisers.
Der Kaiser hielt folgende Ansprache:
Lcibhusarcn! Ich habe dieses Regiment ausgesucht, um es bin Händen meines Sohnes anzvvertrauen. Das Regiment ist, wie die ganze Brigade, eine Schöpfung des großen KönigM das vom ersten Augenblick seines Bestehens in treuer Pslichrerfuttung, und unentwegter Tapferkeit und in verwegenem Husarenmut seinen Tank seinem großen König und Schöpfer abgetragen hat. Tie hervorragende Geschichte des Regiments, welches iaft an allen Gefechten und Schlachten teilgenommen hat, die unter dem großen König stattgefunden, hat auch späterhin das Regiment immer wieder au neuen Taten geführt, so daß es als Auszeichnung in die Nähe der» Person des Königs von Preußen gerückt itt und als Leibhusarenregiment Seiner Majestät in der Armecliste figuriert. In den schweren Zeiten vor hundert Jahren war es dem Regiment vergönnt, dem schwer geprüften König Friedrich Wilhelm III. einen Strahl der Freude zu bescheren und ihm sogar feindliche Trophäen zu Füßen zu legen. Das Regiment hat in Krieg und Frieden danach gestrebt und es auch erreicht, die Zufriedenheit seines allerhöchsten Kriegsherrn zu erwerben. Solange ich regiere, habe ich mit stolz und Freude eure Uniform getragen, eine Uniform, die in bohern Ansehen steht in der ganzen preußischen Armee. Ich habe dieses bevorzugte Regiment ausgesucht, damit es der zukünftige Erve der Krone und des Deutschen Reiches als Reitcr- iührer befehlige. Eurer Kaiserlichen Hoheit übergebe ich nunmehr das erste Leibhusarenregiment in der Erwartung, daß Eure Kaiserliche Hoheit daS Regiment in den bc- währten Traditionen, in denen es bisher geführt worden ist, ferner führen werden und, durch Beispiel ameuernb wirkend, es als eine Säule preußischer Traduion, des Gehorsams, der Hingebung bis zum letzten Alemzug und der Treue und immer an der Spitze der Leistungen meiner Kavallerie halten werden. Ich übergebe Eurer Kaiserlichen Hoheit daS Regiment mit dem Ersuchen, es zu übernehmen.
Die Erwiderung des Kronprinzen.
Ter Kronprinz erwiderte:
Gestatten Eure Majestät, daß die Gefühle unwandelbarer Treue und des Gebor'ams, die mich und das Regiment bis zum Tode an Eure Maiestat fesseln, Ausdruck fmben m dem Rufe: Seine Majestät der Kaiser, unter oberster Kriegsherr und erhabener Regimentschef, hurra! hurra! hurra!
Die Kapellen beider Regimenter jpieltcn die Nationalhymne Als der Kaiser die Brigade nach den Kaserne- ments zurnckgesührt hatte, nahm er noch den Vorbeimarsch in Marschkolonne ab. Dann folgte Frühstück im Lffizter- fajino der Brigade. Im Verlaufe desselben trank der Kaiser auf den neuen Kommandeur des 1. Leibhusaren- regiments, der Kronprinz auf den Kaiser. Um 3 Uhr verhetzen der Kaiser und der Kronprinz das Kasino und begaben |ich zur neuen Villa des Kronprinzen und be- jiajtigten diese. Ter Kaiser reifte um JJ>S Uhr im Sonder- 511g nach Marienburg au, von wo er sich mit dem Automobil nach Eadinen begab.
Das neue Gespräch zwischen Kitcrkn und Gamben.
Berlin, 16. Sem Ter französische Bolschaf E aw l 0 n stattete gestern naikmiittaa den: ct'tii.iefretdr v Qiberlen- Wächter einen längeren Besuch ab
Tn ..Lokalanzeuzer" schildert oiünbar inspiriert in Gum- unb teihv 4fr in Fettdruck die Verhandlungen du gestern uoiidi.-n dem Botschafter Eambon und bem Ltaatsiekrrfn von x: :h- ■ h • Wachter stattqeiunden haben. Ztrn sf '1 -lu von Kid er len Wuwi.*i emvung ngchmntags 5 Ubr 11t seiner Privatwoi'iuna l'anib v: Bei der Unterredung brr beiden Staatsmänner, die bis 7 N e dauerte, stellte fick heraus, b<n> in einigenwichtigen V u n \ t P n d 1 e französische Regierung den S t a n h v u n k t der deut sch en a n g e n 0 111 m e n het In Bezug auf einia- weitere Pini/te sind noch redaktionelle T > s i e r e n » e n beseitigen, und cd konnte festgestellt werden, daß bloß über gewiss Fragen und Garantien die Anschauniige» nndi aiu*. üimitvr geb. it Bei dem nuten Willen, tvi nach wie vor beid«' Divlomaieii in ihren Unterbanblnngen leuel, fielt ;ebod) ui hoffen, oatz auch in bezug auf diese letzten Tifferenjeu ine Einigung unfchivrr • ■ erzielen sein ivixb Ferner hat iid> ergeben, i .ir geivii'e in P n 1 1 ' begangeneJnbiskretionen, ivie diejenigen. n>e!(be ihr« ,1 leichterung der Bcibandlui' nn beitrügen, und es ist bol*er uniidi v den Unterhändlern beider Reftieruuaen n 11 ■ a neue das P 1 i n z i v betont 10 0 rdcn , daß über die Tetaile b e r Verhandlungen weitere 111 e i 1 u 11 g e 11 unter feiner- leiBedittgungeherindicPresie gelangen dürfen, als bis die Verhandlungen vollkomiuen abgeschlossen find.
Harden über die Lage.
Maximilian Harden hielt am TonnerStag in der Philharmonie zu Berlin cyicu öffentlichen Vorlraq über die politische Lage Der Saal war überfüllt Der Redner machte im Laufe feiner zweistündigen Ausführungen, die am Schluffe mit langem Beisallgeklatsch belolmt wurden, intcreffante, zum Teil wichtige tatsächliche Mitteilungen Er erzählte, es habe in den letzten Tagen znnschen dein Londoner Botschafter des deutschen Reichs, Graf Wolff- Metternich, und dem britischen Staatssekretär Sir Edward Grey eine Unterredung in einem mindestens ungewöhnlichen Ton gegeben, man fötme sagen, in einem Tone, wie er sonst nur am Borabend eine- Krieges angeschlagen wird Politisch unNug sei es, den Franzosen ein Stück Land abzunehmeu, und zugleich habe man sich vor dem ganzen Islam geschändet, daß man sich ein Schweigegeld erschacherte. Harden hofft aus den Reichstag. Tann rief er in sichtlicher Bewegung aus: Wenn wir diesen Vertrag annehmen, i |t b a £ d e r .ü 1 i e g !
Harden ist bei aller Achtung, die man vor seinen publizistischen Leistungen haben mutz, immer auch ein bischen Schauspieler gewesen
Französische Sozialisten gegen die Kriegihehe.
Paris, lö. Sept. Wie die „Humanite" meldet, hat der Ausschuß der geeinigten S 0 zialisten beschlossen, angesichts der Treibereien getvisser Blätter einen Aufruf gegen bic Kriegshetze zu erlassen und an Brisson das Ersuchen zu richten, das Parlament unverzüglich einzuberufen. Die Deputierten aller Parteien sollen aufgefordert werden, diesen Aufruf mit :i unt(h> schreiben.
Beruhigung in Pari? und Brussel.
Paris, 16. Sept. Tie der Regierung nahestehenden Blätter bereiten darauf vor, daß die Unterredung EambonS mit Kiderlen- Wächter den Beginn einer höflichen, aber hartnäcki zu führenden diplomatischen A u S e 1 na n de r f e v ung bedeute, bei der die nationale Ehre keineswegs in Frage komme. Darum dürsten die Völker nicht die Geduld verlieren. Es handle sich um sehr subtile Einzelfragen. — Tod französische Kriegsminlsteriurn gibt die unmittelbar bevorstehende Heimsendung des Reservisten-Jahrgangs bekannt. Tiefe Nachricht macht allseitig den besten Eindruck.
Brüssel, 15. Sept Der Ministerrat, der heute mittag unter dem Vorsitz des Königs tagte, beschloß nach Prüfung der polUischen Lage, die zu augenblicklicher Beunruhigung keinen Anlaß biete, die Reservisten der Jahrgänge 1906, 1907 und 1908 nicht einzuberufen. Tte gestrige Ordre ist somit rückgängig gemacht worden.
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Eine Note der „Agence Hooas" erklärt: Die in den Zeitungen veröffentlichten Entwürfe über die sogenannten territorialen Abtretungen Frankreichs sind sehr häufig phantastischer Att und verpflichten nur ihre Verfasser.
Aus Tanger wird gemeldet, daß die Kolonne Bre- rn 0 n d ohne Zchwertstrich am 10. September in S ef tu eingetroffen sei
Der Anschlag auf Stolqpin.
Stolnpin wird glücklicherweise von dem Mordanschlag voraussichtlich feinen bleibenden Schaden davontragen. Die neuesten Meldungen lauten verhältnismäßig günstig:
Kiew, 15. Sept. Der Zustand Stolypins ist sehr befriedigend, die Blutung nur unbedeutend, eine Operation 1 ft unnötig. Ter Schuß scheint die Leber nicht berührt zu haben. Ter Petersburger Chirurg Zeidler ist mittels Sonderzug naa) Kiew abgereift.
PeterSbu rg, lü Scp: Heute nachmittag wurde folgender amtliche Bericht ausgeg.ben: Bei Stolypin wur den zwei durch die Feuerwafsc verursachte Wunden fest- gestellt, eine an der rechten Brustseite, eine andere an der rechten Hand. Tie Eingangsofsnung der ersten Wunde ist zwischen der sechsten und nebt-men Rippe, innerhalb der Papillarlinie; eine Ausgangsöffnung tit nicht vorhanden. Tie Kugel wurde unter der zwölften Rippe in einer Entfernung ron drei Zoll vom Rückgrat sondiert. In den ersten Stunden nach der Verwuiwung trat große Schwache ein bei heftigen Schmerzen, die der .'.'immer mü Gleichmut ertrug. Den ersten Teil der Nacht verbrachte bet


