Ausgabe 
13.5.1911 Drittes Blatt
 
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Nr. 112

Drittes Blatt

161. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme beS Sonntags.

TieGießener Hamlllenblätler" werben bem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, bas Xrtlsblatt für den Kreis Hieben" zweimal wöchentlich. DieLavdwirlschastltchen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

Seneral-Anzciger für Sberhesten

Samstag, 15. Mai I9fl

RatatianSdruck und Verlag der Vrühllschen Unwers,löt« - Buch- unb eieindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Dnickerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: «-N8 6I.

Redaklion.«E 112.2eL-9lbr.: Anzeigerdießen.

Ächten Zwanft gegenüber Kindern

beim Eingebcn

Merlin

wendet habe.

Hessen-Nassau.

aber nur in Itaschen, wo ^foäale Qushängen.

Nur rät mit dieser Störte dem Fischer bemÄenrv<titn bei Lkottfchm Verfahrene.

getriebene Fläche wird infolge ihrer Güte und vorzüglichen Lage ein gutes Ackcrgcländc abgeben. Für die nächste Zeit steht hier Bürgermeisterwahl bevor.

lich zu sein pflegt, Wer dafür rum Ersätze zu

Scotts Emulsion

greift, wird keinen Zwang nötig haben. Hergesteüt natf) dein alten bewährten Scottschen Benabren ist Scotts Emul­sion von angenehmem Geschmack und so leicht verdaulich gemacht, daß sie fclbft von einem schwachen Magen gut vertragen und verarbeitet wird, e

LuMchissahrt.

Hannover, 11. Mai Tie städtischen Kollegien be- willigtcu für ben deutschen Runbslug 1911 an Preisen 15 000 Mk. und für lokale Flugveranstaltungcn 10 000 M!

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter Diner Ziubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaltion dem Publikum gegenüber fcincrlci Verantwortung.)

Gießen, im Mai 1911, Mine Mahnung an eitern und Erzieher. Seit einer Reihe non Jahren erscheint mit dem ersten wannen Sonnenstrahl im Frühi.ihr, noch ehe das erste Grün sich hftDor wagt, auf unseren Siriiscii und Planen eine Anzahl Gäste, die von llnnniiibigcii mit Freuden begrüßt, von wahren >hnbenTrunc*ii aber mit sehr gemischten Elesnhlcn, j.i mit großem Mißtrauen ernt fangeil werden Es finb das die Wagen unb Karren mitFrucht­eis ,Eisnaiscln ufw. uitv Welchen Ziveck diese Finger haben, davon tann sich jeher bald überzeugen, her sie unb was ihr Er­scheinen im Gefolge hat, einmal genauer ins Auge faßt. Dre Familie, die es sich leisten tann, oder die die Verpflichtung hihll. noch mehrerenGängen" ihren Gästen etwas ersrischendes zu bieten, weiß, baß sie tu linieren peinlich sauberen Mvnbitoreiai mit Gefrorenem und allem Möglichen auss beste bebinit wirt. Nun aber geht die Schule aus: da ertönt in einer her benachbarten Straßen bas beiannte Zllingelzeickfen, und eine ganze Schar un vernünftiger Äinbcr stürzt auf ben belamrlen Wagen zu unb opfert seinen Nickel, der wahrlich für etwas Besseres angelegt werben könnte, für na, fürEis". Unb mm Tbirb piesack Eis" in ben leeren Magen hineingeaessen denn bas mit- gebrachte Frühstück ist am Schulichluß von bem meist prompt arbeitenben Magen der Jugend längst verbaut und dadurch wird in vielen Fällen der Grund zu gar maitdier Beschwerde unb manchem Leiben gelegt. Unb die ärmeren rinibcr machen s benhöheren" unb denen der besser Situierten nach, unb wett lic sich von bem vielbegehrtenTis" einen ganz besonderen Gemetz versprechen, verfolgen sie bie Bier- unb Eiswagen unb esfen die herabgefallenen Eisstucke aus bem Straßenschmutz heraus. So wirb ganz systematisch bei der Jugenb der (tininb zur Näscherei gelegt Unb in bereu Gefolge ju noch v i dl« d)I im­mer cm! Denn, ist jeher Groschen, her für solchesEis" und für Näschereien veiausgabl wirb, ursprünglich dafür beihmmt gewesen? Ja, ist jeder dieser Groschen vorher einen ehr-- (i cf) c n Weg gegangen? Wir Lehrer unb Erzieher, wohl auch manche Eltern, tonnten so manchenFall" ansühien, wo der Weg eines solckien Nickels b u n t e l war ober aber nach einigem Suchen mit erschreckender Klarheit vor Augen laa. Ich will nun die bekannten Wagen nicht für alles unb nicht allem verantwortlich machen für bas, was 'S e trüb en beb auf dem an- gezogenen Okbict zutage Tommi. aber mitschuldig sind sie gewiß, inbem sie bas i'kascken usw. den Kindern nur allzu leicht machen unter Umständen, wo die je dem wachjamen Auge her Eltern und Lehrer entzogen finb, unb wo das iDoiübentcnbc Publikum es nicht immer wagen bars, sie unter seinen Schuv zu nehmen. In nnberen Städten, z. B. Frankfurt a. M., hat man, so Diel ich weiß, ben Berkaus von Eis an Kinder auf ben Straßen verboten. Ob bie Behürben das Recht haben, in dieser Richtung einzugreisen, kann ich nicht beurteilen; es stehl mir auch nicht ui, sie zu Erwägungen hierüber zu veranlassen. Aber an euch, ihr Eltern, richte ich als Freunb euerer «inber, als Lehrer unb Er­zieher, die Mahnung - .Helft uns Lehrern auch in dieser Beziehung liniere Aufgabe an der Erziehung unserer Jugeno erfüllen durch strenge Ucbcrmachung unb Kontrolle eurer Kinder. Laßt euch pslichtschulbige und wahrheitsgemäße Rechenschaft oblegen von ihnen über jeden Pfennig, den ihr ihnen gegeben: oann werdet ihr ihnen eine Wohltat erweisen an Leib und Seele! Unb wer sonst die Kinder wahrhaft lieb hat nnb ein Wort mitzureben und einen Nickel zu oerfdienten hat, tue and) also!

Ein Lehrer unb Kinderfreund..

sofern eS sich n:cht um Eigensinn, sondern um tatsilL- lüfitn Widerwillen handelt. Auf solchen wird man von gewöhnlichem Lebertran wobl meistens stoßen, der nun einmal den Kindern wie den Erwachsenen wider-

ecotte Gmulfion wird von >!N« aiirlchliktziub IM großen berfflutf. unb zwar nie lo>c nach (Btwicbt oder Viatz.orbem nur in brrflefielten CtiginalfLafAm in fiotlon mii ualrrrr Lchuy- carft (Qie-.r mu Mm Torschi. 6u>tl & Lowne, ic. m. b. H.. 3tant,un a. M.

«eftar.Mnl»: Rrnfier Tltbivnol-tebertian J5A,e, brimo Hierin',<ijiiiurt>lto«p^>iig*oureT fielt «^nnierptosbborig- laute* Uletron 2/>. pull. 2raaant 3fi. ftirjur ateb.umr- Vulv. 5,0. gyaffer 158/). «ikobvl HA Hiniu aromati'*/ OmuIRon mit Zimt«. 5Tcer.be;- unbauUbenuxil le 2 Trov'-N

X Crumbach, 11. Mai. Hier kommt setzt die Feldbereinigung zur Durchführung, bei der auch die so- genannte ,Langhecke*, jener Walddistrikt an der Straße unterhalb dem DünZberg, verschwinden wird. Die ab»

" Deffentliehe Lesehalle. Jin April wurden 2144 Bände ausgeliehen. Davon lommcn auf: Erzählende Literatur 988, ZeUschristen 259, Jugenbschrifleu 252, Literatur- gefchickfte 19, VerSdichtirngeu unö Dramen 30, Länder- und Völkerkunde 88, .«niturgcfd)iditc 29, Geschichte und Biographien 110, Kunstgeschichte Je, Naiurwisseuschast unb Tedmologie 125, öeer- unb Seewesen 22, Haut - und Landwirtschaft 13, Gesundheit^« lehre 24, Religion und Philosophie 26, Slaatswisseuschasl 17, Sprachivifsenschait 13, Frenidfprachlidfes 14 Bände. Nach aus­wärts kamen 97 Bände.

** Warnung vor einemKitte I gegen Trunk sucht. Die zur Teilung der Trunksucht empfohlenen Präparate A 1 c o I n" werden in deutschen Leitungen dem Publikum in auibnnglidier Weise angeboten. Ein Teil der Präparats be-- fteht nad) eurer Anolnse des Professors Karl Th. Möriwr in ^tod Holm aus Brechiveinslein: nach einer Warnung des ^tadtvolizei amts in Stuttgart vom ,17_ Cftober 1910 enthältAleola" neben anderen -Stoffen auch Strnchnin. Ter für bas Mittel gc forderte Preis ift übertrieben hoch Es muß vor der Firma Phmicians Eooperalive Association" in Chicago, die das Niiltel vertreibt, sowie vor dem von ihr vertriebenen Geheimmittel nadi- drücklichst gewarnt werben.

** Maßregeln gegen bie Maul- u njD Klaue n f c u d) e. Tas hessische 'AK in ine riuni des Innern Hal an die Kreisamter folgendes A ns s di r e i b e n gerichtet: In teilweiser Einsdiränkung der bisher geltenden Anordnungen über das Verbot des .Handels mit Mlaucnoicb im Umherziehen bestimmen wir auf Grund des s 56 d der Reichs-Gew. Lrbniing, daß von jept an bis auf weiteres die nachstehenden Beschränkungen dnuiorbncn sind: Händler mit Mlaiieiwich und Geflügel dürfen foldie Tiere zum Zweck des Verkaufs weder zu Fuß noch zu Wagen mit sich führen Von .Händlern verkaufte ober angetnufte Tiere sind stets aui kürzestem Wege und ohne Ament- hall an ihren Bestimmungsort zu i erbringen. Sie dürfen auf diesem Transport weder in dritte Gehöfte eingestellt, nodi brüten Personen zum Verkauf Angeboten werben. .Hänblern mit Klauen- vieh und Geflügel ist das Betreten fremder Stallungen, in denen solche Tiere untergebracht finb, auch mit Einwilligung des Besitzers nicht gestattet. Sie dürfen fremde Gehöfte ohne ausdrückliche Aufforderung des Besitzers weder beim Ausstichen vo.n Bestellungen, noch zum Zwecke des Ankaufs von Tieren be treten. Wir empfehlen Fhnen, die hier aufgeführten Beschran fungeu im .Handel mit Klauenvieh und Geflügel im Umherziehen an Stelle des zurzeit geltenden unbeschränkten Verbots dieses .Handels unter Hinweis auf die Strafbestimmungen in £148 3iff. 7 a der Reichs Tew.-Ordnung unb bes § 328 bes Reichs- strafgesctzbuchs alsbald anzuordneu.

** D i e Mäuse plage. Man schreibt uns: Land­wirte finden gegenwärtig beim Pflügen immer mehr Mäusenester, die so stark bevölkert sind wie kaum in einem Jahre. Es muß also erwartet werden, daß die diesjährige Mäuseplage trotz aller Maßnahmen außerordentlich emp- finblidi iverden wird Sind doch in einem einzigen Nest lürzlid) 21 junge Tiere gesunden worden. Es wird den wenigsten Lesern bekannt sein, in welcher Weise sich die schädlichen Nager vermehren, die folgenden Ziffern wer­den Erstaunen cniKcfen, sind aber leider richtig. Anfang März gibt cs den crftcn Mäusewurf, im Durchschnitt sieben hiÄ 14 Zunge Das geht dann bis zum Spätherbst in Zwischenräumen von etwa 6 Wochen so fort und im Alter von 79 Wochen haben auch die Zungen eine gleich zahl reiche Nachkommenschaft. Auf diese Weise kann ein einziges Paar Mäuse in einem Sommer gut über 20 000 Nachkommen haben und wenn nicht neben der Vertilgung durch die natür­lichen Feinde jährlich Millionen durch starken Regen, die Wintcrkältc, durch Seuchen und künstliche Ausrottung durch d,< Menschen zugrunde gingen, wäre es schlimm um die Feldsrüchte bestellt. Die Landwirte werden in diesem L-om- mer das Aeußerste gegen die Schädlinge tun müssen.

Starkenburg und Rheinhessen«

-o. Obertshausen, 11. Mai. Hier sollen 50- bis 60000 Mark Kirchengelder unterschlagen worden sein, ohne daß herauSzubringen wäre, wer die Unterschlagungen verübte. Seit 27 Jahren wird jährlich eine Kirchenkollekte veranstaltet und Kundige schätzen den Ertrag eines Jahres im Durchschnitt auf wenigstens 2500 Mk. Ta nun aber im ganzen nur etwa 13 000 Mk. in der Kaste finb, die dem Ban einer Kirche dienen sollen, muß die fehlende Summe unter­schlagen worden sein. Immer ungeduldiger wurde in Bürger- freiien eine Abrechnung über die eingegangenen Gelder ver­langt, und dies hat den Pfarrer, den noch niemand in einen verdacht genommen hat, veranlaßt, durch die LrtSschelle folgendes bekannt zu machen: .Hundert Mark Belohnung zahle ich demjenigen, der mir den Mann namhaft macht, welcher mir nachweist, daß ich Kirchengelder für mich ver-

3m Alfer

ist man empfindlich. Basch ist eine Erkältung da und die Stimme ist öfter belegt und heiser ah frei. Das lästige Gefühl der belegten Stimme vr-rpeht. sobald man ein paar Wybert - Tabletten zu sieh nimmt, die immer zur Hand sein --en und in allen Apotheken 1 Mark pro Schachtel kosten. Bei Erkältung lindern sie den Hu-tenreiz und bringen den Katarrh schnell zum Schwinden

Depot in tiicNMrn: Pelikan-Apotheke, Kr»-nz2. I

Att» Stadt und Larro.

Gießen, 13. Mai 1911.

"Erholungsurlaub für Angestellte. Man schreibt un? : Eine wichtige soziale Forderung: Erholungsurlaub für kaust inännische Angestellte, wird mehr unb mehr in ihrer allgemeinen Berechtigung anerkannt. Für bie angestrengt Arbeitenben in Haube! unb Fnbustrie ist eine kurze Zeil der Ausspaummg unb Erholung eine Notwendigkeit. Ter Verband Deutscher HandlimgSgeln'ilieu zu Leipzig wendet sich auS dieser Erkenntnis heraus and) m diesem Fahre wiederum an die Prinzipale mit der Bille, allen Angestellten, soweit dies nodi nicht geschieht, einen Erholungsurlaub zu gewähren. Daß er bannt einem dringenden Bedürfnis entspridft, in jedem cin- stchtigen, anf die Erhaltung der Leistungsfähigkeit feines Personals bedaditen Prinzipale längst klar. Gcschäuliche Bedenken können kaum dagegeii gellend gemacht iverden, denn die stillere Zeit ivahrend der Sommermonate crmöglid)t die abwechselungSweisc Beurlaubung deS Personals, ohne Störung für den Betrieb. Tie heiße ZaltreSzeit macht er auch bringend nötig, daß an manchen Coinmertagen das Geschäft früher geschlossen oder Versndfe nut der englischen Arbeitszeit angcstelll werden. Viettadi bemüht man sich, dein Urlaub für Aiige'iellie GesetzeSkratt zu uevid)offcn, wie er fie in Ctflerrcid) durch das neue Handlungsgehilsengesetz bereits er­hallen Hai. Ter deutsche Kaustuannssiand kann aber sdion heute zeigen, daß er auch aus sich selbst heraus bereit ist, dieser .sittlichen Pflicht der Urlaubserteilung^, ivie daS Berliner Kaufmannsgericht agt, zu genügen, unb seinen Angestellten einen Erholungsurlcmb zu gewähren.

hohenzollermeisen.

St. Petersburg London.

Kaiser Wilhelm, sowie der Kronprinz rüsten i sich in diesen Tagen, um, jener in Begleitung seiner Gc- i mahlin und Tochter (und vielleicht auch des Prinzen Joachim nach London, dieser in Begleitung der Kron 1 izessin nad) 2 t Petersburg zu gehen Beide 8t 1 e tragen, da cs sich in London um die Enthüllung eines Denkmals der verstorbenen Königin Viktoria, der Groß' j mutier Kaiser Wilhelms (16. ^iiu unb in Petersburg um die - Geburtstagsfeier des Zaren Nikolaus (19. Mai> handelt, vor- i 1 errschcnd familiären Elfaraktcr, aud) in letzten Falle bestehen ! neue verwandtsdiaftlidfe Bande zwisdfen Berlin und Peters 1 bürg 3ft doch die Mutter der deutschen Kronprinzessin, die J

I cr-? IN Witwe Anastasia von Mecklenburg Schwerin, , ihrer Geburt nach ein Mitglied der russischen Kaiserfamilie Aber gleickfzeitig werfen beide Besuchsreisen and) freund , ltche Schlaglichter aus die politischen Beziehungen zwischen ; Deutschland, England und Rußland, >vie sie sick, heraus gestaltet haben, fcitbfm England seine deutschfeindliche Vünd : nispolitit infolge des Todes König Eduards attsgegeben und Rußland in Potsdam an Deutschland Annäherung gesucht hak. Ja, irod) mehr! Geht man nur um einige Fahre weiter zutitck, so märe ein gleichzeitiger Besuch des deutschen Kaisers auf englischem und des deutschen Kronprinzen aus russischem Boden ausgeschlossen gewesen, während ihn heute das Abkommen der beiden Großmächte über Mittelasien er- , möglicht.

Was nun zuiiächst den Besuch des Kronprinzen in Petersburg anbetrifjt, so wurde er schon Ende April mit der Begründung angekündigt, daß er einen Ersatz b ben solle sür ben Besuch, den der Kronprinz eigentlich im Anschluß an seine Ostasienfahrt dort abftattcn wollte, die ihn ja nach dem ursprünglichen Rciseplan durch Sibirien und :Nußland nach Deutschland zurückfuhrcn sollte. Be fanntiid', wurde dann ja die weitere Reise des Kronprinzen nach China und Fapan in Indien abgebrochen, angeblich wegen der Pcstgefahr, dock) war cs wohl in der Hauptsache die schon damals zwischen Estland und Fapan auf der einen und China auf der anderen Seite bestehende Span nung, die den Nronprinzen veranlaßte, von einem Besuch Pekings abzusteheu, wollte er nicht das gute Lerhattnis zwischen Deutschland aind Rußland stören und autzerdeni durch seinen Aufenthalt in Tokio China Anlaß geben, gegen Deul'chland mißtrauisch zu werden Das ist ihm in Peters­burg hoch angeredmet worden, und mag er aud) schon 1903, als er seinen ersten Besuch in Petersburg machte, aufs neue einaeladen worden fein, so wird man wohl nicht fehl gehen in der Annahme, daß die zwischen Deutschland und Ruß^ land burd> die Balkanereignisse des Herbstes 1908 heraus beschworene. Spannung den Kronprinzen bisher verhinderte, dieser Einladung Folge zu geben. Aud) der Zar konnte seinen ersten Besud) in Berlin bezw. Potsdam, wenn er aud) vorher des öfteren an neutralen Drten mit Kaiser Wilhelm zusammengetroffen ist, um die historische Freund- idxrit Preußens mit tliußland, nicht die politische zu er härten, erst int Herbst 1910 ab statten, nachdem die Aus- einandersetzungen zwisdien Rußland und Deutschland in der Hauvtfad'e mdit nur beglichen waren, sondern Rußland fo­rt ar noch Anschluß an die deutsche Kaiser macht gejudn hatte, unt ui Eftafien wieder freie .Hand zu bekommen Die Ver­handlungen über das persische Abkommen sind zwar infolge der Mranfijeit Sasanows noch nicht völlig abge fchlossen, dod) beweist der Besuch des deutschen Kronprinzen in Petersburg, das; die Meldungen gewisser Blätter, sie seien auf ein totes Gelois geraten, unzutreffend finb, daß vielmehr Deutschland und Rußland sich heute in einer so seltenen. Ucbcreinftimmung hinsichtlich der politischen Fragen befinden, wie feit langen Jahren nicht. Dem Besuch des Kronprinzen in Petersburg dürfte deshalb jede politische Bedeutung fehlen. Denn es gibt zwischen Rußland und Deutschland nur Einzelfragen, wie die Angelegenheit der russischen Rüdwauderer und russischen Studenten, mit deren Ordnung man den Kronprinzen nicht bemühen wird. Sein Besudf in Petersburg kann lediglich als ein Zeichen dafür gelten, daß die Zeit der Entfremdung zwischen Berlin und Petersburg endgültig überwunden ist, unb baß die all historische Freundschaft zwischen ben beiden .Höfen auch in politischer Beziehung wieder in ihre Rechte tritt. Das aber genügt völlig, um, da auch die Annäherung zwischen Ruß fand "und Ccfterrcid^llngarn unter diesem Zeichen weitere Fortschritte macht, uns an die Erhaltung des Völkerfriedens glauben zu lassen, trotz Marokko, der Balkanfragen unb der ostasiatischen Sturmwarmlngen.

Der Aufenthalt des deutschen Kaisers in London ist dagegen uidit ohne politische Bedeutung. Wohl gibt hier die enge verwandtsdiaftlidfe Beziehung der .Hohen zollcrn zum Hause Sachsen->loburg^Gotha den Grund des Besuches an. '?(ber zwischen England und Deutschland als Nationen bestehen dod) trotz aller gegenseitigen Friedens üerfid',crungeiT auf dem Gebiet des .Handels und der nnrt- schaftlichen Erschließung fremder Länder lBagdadbahn!^ so viele, aus gegenseitiger Eifersucht hervorgegangene Lius einaiidersetzungen, daß sie auch durch den Besudf unseres Kaisers in England nicht in vollem Umfange zu schlichten finb. Allerdings ist jetzt zwischen beiden Ländern eine Zeit relativer Beruhigung eingetreten: weil England nut Veto Irin, Reichskolonialkomerenz unb Krönungsseier, sowie mi dem englisch amerikanischen Sdriedsgerichtsvertrag setzt voll auf beschäftigt ist. Dieser Umstand unb bie Geneigtheit des liberalen Mnisteriums Asquith, sich mit Deutschland au eine Erörterung der FlottenabrüfMngssrage ernzillasseff, kann Kaiser Wilhelm zu einer unverbindlichen Bc fpredmng dieses Problems mit >wnig Georg Gelegenhcu geben. x?£bei- Deutschland erwartet in dieser Beziehung die Vorschläge Effglands, und wenn diese, sowie vielleicht die Frage eines Llnschlusses Teillschlands an das bevor stehende englisch amerikanische allgemeine Schredsgerichts- abtommen während des kaiserlidfen Besudfes in England zwischen den beiden Monarchen zur Erörterung gelangen, fo nxirc dem Besuche Kaiser Wilhelms in London eine poli tische Bedeutung beizuinessen, die in sedem Falle der größten Aufmerksamkeit wert ist.