Ausgabe 
15.9.1911 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt

Nr. 217

(61. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

Gefcheirü kt^ttch mtt Su?nafeme de» Eonntaßs.

General-Anzeiger für Gberhefien

Di#tffcfwtr Samllimblätler werden dem ,Mnjeiqer' viermal wöchentlich beigflegt, da» Krtiiblett (Br den Kreisleien" zweimal »chenrlich. Die ,,Lans»lrttchaftllchen Lett- fteten" erf ehernen monaUich zweimal.

Zreitag, (5. September 19«

IUt«tton4btuef und vevtag der Vrühlfchea UntperfitÄil - 8n4b und 6teinbtu(fettL 9L Lange, © eben.

Redaktion. Expedition und Trucferet: BAuW straße 7. Expedition und Verlag: en® 6L NedakNome-MSIl». TeU--td Anzeigers »e h ei,.

Die Erplosion des Ittilitärluftf'fuffesM 3".

TaS kleine Amtsstädtchen Woldegk, daS deute nach Beendigung bes SfaifennnnöDcro voll war von Truppen alk: Ylrt, von Staben und Schlachtenbummlern, wurde gegen 3 Uhr nackn itiaqs durch die Unglücksbotschaft in Aufregung gesetzt Einem B-lickterstittcr deS Berliner Tagblattes, der sich im Automobil nack der Unfall Nelle begab, begegneten unterwegs. Zmptx- von 'Vtannfdkifteii, deS Luftschikserbataillon , beladen mit iusamm ngcknüll en T u en aus Trabt, mit groftm Knäueln von Ballonstofi mit riesigen B-n rilatoren, zerbrochenen und v.rbogenen Siahlstangen und .m een Teilen des verunglückl.n Lnftsckisses Als er au eine tiefe Tal Niederung gekommen war, iah er im Grunde da gescheiterte Schiss liegen. Bon dem geroall' icn Sckinskorver, den er noch den ganzen Vormittag über dem Manövcrseid hatte hcmcn sehen, war nichts mehr übrig geblieben a 1: die Gondel Diese Gondel, die dreihundert Meter über der Erde verschivincend klein auSsiebt. liegt nun als riesiger eiserner Mol oft bewegungslos und stark beschädigt aut der Erdi Tic zwei Schrauben, die einen Turchmesscr von Mannesgröße haben, ragen zu beiden Seiten hoch in die Lust. Tic Soldaten sittd gerade damit beschäftigt, die eine Schraube abjunebmen, andere ocn'udxm, die Gondel au- dem Wirrwarr von StabUrossen, verbogenen und zertrümmer ten Stangen, Blechen und Stahlstt'icken zu befretrn. Rings um die Gondel ist eine Fläche von etwa 300 Quadrat Metern des Rasens zum Teil schon vollkommen abae brannt, zum Teil brennt er noch. Ebenholzschwarz hebt 'ich Hie verkohlte Grasslächc von ihrer grünen Umgebung ab.

Schilderung eines Fahrgastes.

LeutnantBartH vom 61. Infanterieregiment erzählt dem Berichterstatter, daß er an der UngIücksfahrt des Lust­schifies teilgenommen hatWir hatten gestern nachmittag," fahrt er fort,eine kurze Fahrt unternommen und stiegen brüte früh um 6 Uhr wieder auf Wir kreuzten den ganzen Vormtttag über dem Manöverfcld in beträchtlicher Löhe Außer mir be­fanden sich noch der Führer des Schisses, Laupttnann George, der Laupttnann im Weneralftabc Lasse, der Leutnant B r i n k e li­st e i n vorn Lustschisserbataillon und brci M on teure in der Gondel. Gesell 11 Uhr traten wir vom Manöverfeld die Rücks.ihrt nach dem Stationoort für den Ballon, dem Torf Gültz, an. Wir batten mit außerordentlich starkem, widrigem Wind zu kämpfen und wurden trotz aller Versuche, die Lalle in Gültz zu erreichen, nach Nordosten abgetrieben Ta es aus geschloffen erschien, gegen den sehr starken Wind anuifommcn, beschloß Lauptmann George, zu landen, lieber das Torf Büro w und st-1 e m v en o w schwebten wir ziemlich tief am Boden dabin Jenseits Klempenow erschien die Talniederung, in der wir uns jetzt befinden, zum tauben außer ordentlich günstig. Wir zogen die Rcißleine und bas Luftschiff sank schnell zu Boden Tie Gondel stieß mehrere Male heftig auf dem Stoppelacker auf, und im gleichen Augenblick ertönte über uns ein furchtbarer Knall Ter Gasinhalt des Ballons war explodiert, und die lichterloh brennende Lulle fiel in östlicher Richtung von dem Ballon weg auf die dürre Grasfläche, die sich sofort entzündete. Wir hatten die Geistesgegenwart nicht verloren, sprangen sofort in der entgegengesetzten Richtung aus der Gon­del und eilten in bas nabdiegenbe Weidengebüsch, weil wir befürchteten, daß auch unser Den-ininhalt explo^

b i e r e n würde. Als dies nach einiger Int glücklicherweise nicht linirat, näherten wir uns wieder dem Schiff, das icyi al» kläg­liches Wrack vor uns lag, nachdem e- uns noch kurze Jrit vorher über die Erde babtngetragen batte. Tie Ursache der Gas­explosion wird wohl darin zu suchen sein, daß fick beim Ziehen der Reiß 1 eine die Ballonhülle an der Reiß­stelle stark erhitzte und das Gas entzündete Tie Detonation war so heftig, baß im weiten Umkreise die Fensterscheiben in den Tönern zertrümmert wurden Aus Gültz wurden die nötigen Lilfsmannschaften und Lastautomobile herber beordert Auch Bauerngnvanne sind reouiriert worden, um die Reste des schiffe» fort zuschaffen Tie Gondel wird noch ;u gebrauchen sein, wenn sie weder repariert ist." Bei der Gondel blieb die Nacht über ein militärisches Wachtkommando

Berlin, 14 reut Amtlich wird mitgeteilt, daß die Lavarie desM 3" lediglich ans Reißen des Ventilators eil s rurückziiführen ist. Lierdurch konnte die Betätigung der BallonetS nicht in der nötigen Weife erfolgen und das schiff wurde ab getrieben. Der Führer entschloß sich, bei Groß Below nieder zugeben. Infolge des ftarfni Bodenwin^es in der Niederung der Tollcnfe sah er sich genötigt, das Schiff mittels der Re,ß Vorrichtung zu entleeren. Bei dieser Gelegenheit erfolgte eine Entzündung des Gafes unter Tctonalion und die .Völle brannte ab An der Maschinerie ist ein Schaden nicht wahr nebmbar Tie Besatzung verließ völlig unverletzt das Schiff Tas Versagen des Ventilatorseils bat aller Wahrscheinlichkeit nach in einem M aterialfehier seinen Grund aut die Entzün düng des Gases Tann ein Einlaß mit Bestimmtheit nicht angegeben werden Eine Einwirkung der Luftclckttizität erscheint nicht ans geschloffen.

Vermischtes.

* E i n gefährlicher Provisionsschwindlcr ist der 38 Jahre alte Kaufmann Albert Flemming, der bis vor einiger Zeit in C ha r l o 11 e n b nrg gewohnt batte Er erschien bei Restaurateuren, die angezcigt hatten, daß sie ihr (Mei(haft zu verlausen wünschten, stellte sich als Vertreter der Sckmltbeiß Brauerei vor und machte den Leuten bas Anerbieten, er werde noch einmal al» Vertreter der Brauerei inserieren, das mache einen besseren Eindruck, und man könne sicher aus Erfolg rechnen Teil Insertionspreis strich er sogleich ein und ward nicht nie! r gesehen. Zahlreiche Schreiben, die die genannte Brauekei erhielt, veranlaßten diese, der Polizei Mitteilung von dem Treiben des Betrügers zu macken, der sich bald Förster, bald Bäcker nannte. Als der Schwindler das merkte, drückte er sich schleunigst und verlegte das Feld seiner für ihn segensreichen Tätigkeit in die Provinz, besonders nach Lannover und Schleswig^L-'lstein. Lier wagte er sich kühn gemacht durch seine bisherigen Erfolge and) an größere Projekte. Besitzern von Gasthöfen, Garten- Etablisfements ufw., die einen Käufer suchten, schwindelte er vor, die Brauereien Patzenhofer oder Mönigstadt in Berlin möchten gerade so etwas erwerben. Freie Zeche erhielt er fast immer, oft auch noch eine Provision, und manchmal legte er einen Pump au. Jetzt haben nun die vielfach bei der Berliner Kriminalpohtei, z. B. aus Lübeck und Lüneburg cingegangeuen Anzeigen diese Behörde veranlaßt, jedermann vor dem Gauner zu warnen. Flem­ming ist 1,65 bis 1,75 Meter groß und blond, hat dunkelblonden. Spitzbart, gefmtdes, volles Gesicht und eine kräftige Figur.

2Ciccblid>c Nachrichten.

Evangelische Gemeind«.

Sonntag, den 17. Septem der. 14. nach Trinitatis.

olkshcnlt.

3n 6er Sta-tkirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer E ck >v a b e.

Cbnstenlehre <ür die Nenkonsirmierten aut der Markus- gemeinde.

Vormittags 9*/, Uhr: Piarrasfistent 6 d) o r l e in in e r.

Am Sonntag, den 4. September, nimmt die Uinderknche hlr die Plarkusgemeinde, am Sonntag, den 1. Oktober, im die11' .t!bäui- gemeinde wieder ihren Anfang. Die Vorbereitung für die l'larkus- gemeinde findet Freitag, den 22. Sept., nachmittags 4 Uhr. statt.

Nächstküiistigen Soimtag, den 24. September, nnbet im ^aupt« gottesdienst Beichte und heil. 2lbcnbmobl für die Matthäm.'» und PtarkliSgememde statt. 9lmnelbungen bei dem Pfarrer jeher Ge- meinbe erbeten.

Jn 6er JoHannerkirche.

Vormittags 8 Uhr : Pfarrer AuSieId.

Christenlehre für die Sleufonfirmiertcn au» der Johannes- gemeinde.

Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer B e cht o I s he i m e r.

Thttivocti, den 20. September, vormittags 9 Uhr, findet im Saale der Iohanneükirche die DekanatSfynode des Dekanat« Dießen statt.

Am Sonntag, den 24. September, wird in asten Gottesdiensten eine stostelte für den Kirchbau in der armen Gemeinde Gadern­heim erhoben.

An bemfelben Sonntag nimmt diefimderkircke für die Johannes- gemeinde, am 1. Cftobcr die für die Lukasgeineinde wieder ihren Anfaizg.

tLalholifche üetneinöe.

otte$6ien|t.

6a m Stag, den 16. September 1911:

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Sonntag, den 17. S e p t., 15. 6 o n n t a g n a ch P I i n g st e n. Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit xur hl. Beicht.

, um 7 Uhr: Die erste heil. Messe.

um 8 Uhr: Austeilung der hl. Nommunion.

, um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

, um 11 Uhr: Heil. 'Messe mit Predigt.

Nachmittags um 2 Uhr: Sakramentalifche Bruderschaft«- Andacht.

Israelitische Hdigionsgtmtinbc.

Gottesdienst in der Synagoge (Süd Anlage).

Samstag, den 16. September 1911

Vorabend: 6.15 Uhr.

Morgens: 8.30 Uhr.

Nachmittags: 4.00 Uhr

SabbatauSganq: 7.25 Uhr.

Morgengottcddicnft an Wochentagen: 6.30 Uhr.

Staatskommiesar

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