Ausgabe 
13.7.1911 Zweites Blatt
 
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wird ein Eintrittsgeld do: ft willkommen. D": Präsidinm reien Studentenschaft üiüÄ Siieltion: Htl» Hemnnn Licinstvetln 911, nbcndS 8 llbr: -Nauheimer KurtheaterS. *ä,i**r dene Frau" ?w

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öweitcs Blatt

Nr. 162

161. Zahrgang

Gießener Anzeiger

Erscheint ISgllch mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Oberhefjen

DieGießener Zamiltenblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kretsblatt für den Krtts Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Lett» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Donnerstag, 15. juli 1911

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen UniversllälS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Sieben.

Redaktion. Expedition und Dnickerei: Schul- strabe 7. Expedition und Verlag: e^>51. Redaktion: 112. Tel.-Adru AnzeigerDietzen.

Zur Maul- und Klauenseuche in kjolzhcim

wird uns von bcm Kreisvetcrinäramt gesdfrteben:

Tic Maul und Klaucnseuchc ist in Golzheim in einer ganz ungewöhnlich bösartigen Form ausgetreten Während tn der oKeflcl die Seuche bei Großvieh überhaupt feine Todesfälle veranlaßt, und solche nur durch Nachlrankheitcn, besonders durch Mtoucnletben entstehen, sind dort schon zahlreiche Tiere verendet, die alle in den ersten .'krankheits- lagert gesallen sind, ost bevor noch die örtlichen SlranL hertserscheinungen eine irgendwie erhebliche Ausdehnung gewonnen halten. Auch die Ausbreitung der Seuche vt eine ungewöl)nlich rapide: von etwa 1X0 Gehöften der Gc- meinde, in denen Vieh gehalten wird, sind am Montag abend 124 verseucht gewesen. Wenn auch die Seuche glück licheuveise verhättnismäßig selten in dieser Form au,tun, io fmb ähnliche Vorkommnisse doch bekannt ; B. sind in einer Gemeinde im Ried vor einigen Jahren 50 Stück Gros; Vieh an der Seuche gesallen Besonders in Süd- und West oeutschlaud, wohin die Seuche auf dem diesjährigen Leu chengange erst verhältnismäßig spät gekommen ist, scheint sie vielsach in bösartiger Form auszutreten. In Wehr­dorf im Greife Ufingen sollen in diesem Jahre zahlreiche Tiere an der Seuche gesallen sein. Fn Württemberg sollen sich die Verluste durch plötzliche Todesfälle auf mehr als MK)000 Mark beziffern In dem zuerst betroffenen Nord osten Deutschlands ist sie durchweg mild verlausen.

Während man nun in der Lage ist, die örtlichen kraul hasten Veränderungen durch ärztliche Maßnahmen günstig zu beeinflussen, steht man der tätlich verlaufenden All- gemeinerkrankung noch ohnmächtig gegenüber. Tas beste, was geschehen kann, ist, daß man za verhüten sucht, daß die Seuche verschleppt wird. Um dies zu erreichen, ist nach Holzheim ein Gendarm stationiert worden, nicht um die schtvergetroffene Einwohnerschaft zu verbittern, sondern nm die eisrigsorgenden gegen die indifferenten zu schüfen, be­sonders aber auch zum Schuß der Nachbargemeinden. Auch Die Ueberwachuug der Abholung der gefallenen Tiere durch Die Abdeckerei, die einmal durch eine Betriebsstörung ver­zögert war, ist feine Aufgabe. Auch anderwärts, wo eine Seuche besonders stark auftritt und eine Lokalisierung doch nod) erhofft werden kann, wird uon diesem Hilfsmittel Ge brauch gemacht. Tierärzte, die täglid) durch ihren Beruf gezwungen sind, zahlreiche Stallungen zu besuchen, zu ver­anlassen, nad) Holzheim zu gehen, wäre zweifellos ein großer Fehler gewesen, da dies eine erhebliche Gefahr für ie Verbreitung der Seuche gewesen märe, während, wie aus oben gesagtem hervorgelu, ein Nüßen doch nicht zu er- leid)en gewesen wäre.

Am meisten im Interesse der Sache fann von der Be­völkerung selbst geschehen. Man hat beobachtet, daß der oösartigen Form der Maul- unb Klauenseuche am meisten 3 ierc zum Opfer fallen, die in Stallhaltung zur Milch- Produktion in sehr intensiver Fütterung gehalten werden. Auch in Holzheim sind Beweise für die Richtigkeit dieser Angabe beobachtet worden. Man füttere also Die Tiere in bedrohten Beständen weniger intensiv d. y. unter Weglassung zu großer Krastfutterrationen. Scharfwirlende Abführ­mittel sind bei tranken Tieren zu vermeiden. Besonders wichtig aber ist es, alles zu vermeiden, was einer Ver­breitung der Leuche, die fiel) nur durch Ucbertragung aus- vreitet, fördert. Man gehe nicht unnötigerweise in anderer Leute Gehöfte, und lasse niemanden in feinen Hof, der nichts drin zu suchen hat. Man vermeide and) Fannlicn- befudjc in anderen Gemeinden, durch die nachgewiesener- maßeu fd)on viele Seucheiwersdileppungen verursacht worden sind. Eine besondere Gefahr aber bedeuten die vielen Volks- feste, die jetzt gefeiert werden. Wenn sie schon, wie es i'tclfad) aus streifen der Landwirte gewünscht wird, nicht verboten werden können, so sollte es doch eine selbstver­ständliche Pflicht jedes Landwirtes, der die Seuche im Stalle hat, oder mit kranken und verdächtigen Tieren in Berührung gekommen ist, feinen Berussgenofsen gegenüber fein, daß er sich von solchen Veranstaltungen sernhält.

Zur selben Frage erhalten wir aus Holzheim noch folgende Mitteilung, die sid) mit den vorstehenden Aus­führungen vollkotnmen decken:

Dem Einsender im Gießener Anzeiger vom 10. d. Mts. erwidern wir, daß er fick) jedenfalls den polizeilichen An­ordnungen, die das Kreisamt wegen der Maul- und Miauen» seuche erlassen hat, nicht fügen will, denn sonst hätte er eine solche Notiz unmöglich verfassen können. Allerdings, Ktakehlcr und unzufriedene Leute gibt es in jeder Ortschart. Wir anderen sind im Gegenteil froh, daß uns das Mreisamt einen so tüchtigen und strebsamen Beamten gesdnckt hat, welcher es versteht, in humaner und doch vorschriftsmäßiger Weise gegen die Bewohner aufzutreten. Wir hoffen, daß uns das Mreisamt ihn nod) hier läßt, damit die getroffenen Vorsichtsmaßregeln weiter so wie jetzt gehandhabt werden. Nur bann versprechen wir uns Erfolg. Seit Wachtmeister Weber hier ist, wird das verendete Vieh zur rechten Zeit abgeholt, was für die Gemeinde eine große Beruhigung ist und wir find dem Beamten für sein tatkräftiges Ein­greifen dankbar.

Ter Arzt hat die nötigen Vorschristsmatzregeln angeord­net und seine Schuldigkeit getan unb unseres Erachtens erscheint sein Kommen, roic es der Einsender wünscht, als zwecklos.

Viele Bewohner von Holzheim.

Deutscher candwirtschaftlicher Scnofsenschaststag.

~ Hannover, 12. Juli.

Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung von Delegierten der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften aus allen Teilen des Reiches trat beute hier der unter dem Vorsitz des Präsidenten der zweiten hessischen Ständekammer und früheren Reichstagsabgeordneten Geheimrat Tr. Haas (Tarmftabt) stehende Rcichsverband der deutscl-en landwirtschaftlichen Genossenschaften zu seiner 27. ordentlichen Hauptversammlung zusammen.

Zunächst tagte heute im Gartcnsaalc desTivoli" die Haupl- versammlnng der Verbandsrevisoren, ferner die Generalversamm­lung von Molkerei-Instruktoren und der Ausschuß der Beamten wohlfahrtskassc. Ebenso hielt die Versicherungskasse des Ver­bandes ihre Hauptversammlung ab. Daran schloß sich die Be­grüßungsfeier.

Auf der Tagesordnung der zweitägigen Verdandlung sieden folgende Punkte: Stellungnahme zum Entwurf eines Versiche. rungsgcscyes für Angestellte Ter Berichterstatter, Verbands- direltor Petiljean ^Wiesbaden- schlägt dazu folgenden An­trag vor:

Ter vom Bundesrat genehmigte, dem Reichstag vorgclegte Entwurf eines Veriichcrungsgcsetzes für Angestellte vom 20. Mar 1911 entspricht den Anforderungen, welche man an den ganten Aufbau eines Bersichcrungsgesctzes für Privatangeücllte i.e.len darf, durchaus nicht. Ter gedachte Entwurf hat daher in weiten Kreisen der Beteiligten, so auch unter den Genossen- schaftsbeamten eine berechtigte Mißstimmung erregt. Ta nach dem neuen Gesetzentwurf nunmehr die ans eigener Straft her- vorgegangenen und gutentwickelten privaten Pensionseinrich hingen als Ersatzinstitute zugelassen werden können, so ist die Erivartung auszusprcchen, das; bewährte Versicherungsgrundsätze der letzteren möglichste Geltung behalten."

Einen weiteren Punkt der Tagesordnung, der vor allem un fete Handclskreise interessieren dürfte, bildet die Frage: ,,Sind Em und Verkaussgenosscuschasten, sowie aus genosienscha tlichcr Basis errichtete M o r n h ä u i c r imstande, eine richtige, den wirk lichen Verhältnissen entsprechende Notiz zu fördern?" Bericht erualtcr ju dicicm Punkte ist der bekannte agrarische Führer Zcntralgenossenschaftsdirektor Major a. T. Endell (Posen. Die von diesem hierzu vorgcschlagene Entschließung lautet:

Tie ländlichen Zentral Ein und Verkaufs-Genossenschaften sowie die gcnosscnsckiafUickien Kornl-änser sind in der Lage, durch regelmäßige Verössentlichung der von ihnen bezahlten Getreidepreise einen wirksamen Einfluß auf eine richtige Preis noticrung für Getreide zu gewinnen unb empfiehlt es sich, derartige Veröffentlichungen möglichst überall cinzusühren. Die vielfach übliche Notierung des Oktreides nach verselstedenen Klassen « gut, mittel, gering) entspricht nicht den Bedürfnissen der Landwirtschaft, gibt kein klares Bild unb ist iinnanbe, die Landwirte, namentlich die Heineren zu schädigen. Es ist er­wünscht, daß überall nur eine Notiz unb zwar die für markt­fähige bezw. backsähige Ware bcröhcntlidit wird unb ist der­selben, namentlich bei Roggen und Weizen, ein bestimmtes Gewicht zu Grunde zu legen."

Ter bcutidje landwirtschaftliche Genossenschaftstag wird ferner zur gesetzlichen Regelung des Postschcckvcrkchrs Stellung nehmen. Berichterstatter zu diesem Punkte iit Kommerzienrat Lowencck (München), der die schnelle Einbürgerung des Postscheckverkehrs bei den ländlichen Genossenschaften begrüßt und oeridnebcnc Forde­rungen aufstellt. Ter Generalsekretär des Landesötonomi'Kolle­giums Tr. von Altrock (Berlin) wird die Frage erörtern, ob die Entwickelung des Molkerei-Genossenschaftswesens einen nachteiligen Einfluß auf die Ernährungsverhältnisse der Land bevölkerung ausgeübt hat. Weitere Berhaitdlungsgegenstäudc bil den die genosscnsd>astlick)C Viehwertung, die Förderung der Wohlfahrtspflege unter Mitwirkung der landmirtschastlickxn Ge nossenschasten usw.

(8. Tagung des Zentralverbandes der deutschen Ortskrankenkassen.

~ Dresden, 12. Juli.

Ten Vorsitz in der heutigen Schlußversammluttg führt Witt i (München). Zu Beginn der Sitzung erhält zunächst Pollender (Leipzig) das Wort zur Verteidigung seiner Stellungnahme für die freie Arztwahl. Er beschwert sich namentlich über die Un­duldsamkeit seiner Gegner. Seine Ausführungen werden von der Versammlung mit eisigem Schweigen cntgcgengcitomnien. Fräß- b o r f Dresden, polemisiert gegen die Stellungnahme Pollenders in dieser für die Massen so Überaus nächtigen Frage. Er erklärt, Pollender habe dadurch lediglich erreicht, daß Verwirrung m die Reihen der Kassen getragen wurde. Ter Jubel des Leipziger Verbandes und der diesem zugetanen Presse beweise, auf welchem Wege er sich befände. (Stürmischer Beifall.)

Darauf erstattete Bureauvorsteher Frenzes Dresden) seinen Vortrag über Haushaltungsplane und innere Einrichtungen der Kassen. Er behandelt eingehend die einzelnen Organe der Kassen, deren Besugniise und Verhältnisse zueinander, sowie die Finanz gebarutig der Krankenkassen nach dem neuen Recht.

Ten Bericht des Ausschusses für, das Dari'amt erstattete Justizrat Men er «Frankenthal': die Vorschläge des Ausschusses, die die Verhältnisse der Angestellten ordnen, werben von der Versammlung einstimmig angenommen. Den Antrag der gesckfästs- sührendcn Kasse auf Abänderung der Verbandsfatznng.n begründet wiederum Justizrat Meyer .Frankenthal). Tic Abänderungs­vorschläge werden angenommen. _ _

Nach einem kurzen Bericht von F r ä ß d o r s (Ttesten) wird die beid .cunigtc Herstellung eines Musterstatuts für Ortskranken­kassen beschlossen unb mit dessen Ausarbeitung die geschästS'ührenbe Kasse beauftragt. Aus Antrag der Freien Vereinigung sächsischer Ortskranlentasscn wird ferner beschloßen, beim Rcichsversicherungs- amt dahin vorstellig zu werden, daß bei Neudruck von Ouittungs- marlen für Inval idenversicher mig 4-Wochen-Marken zur Ausgabe gelangen mögen. Sodann wirb beschlossen, eine Rechtsaustunst- iinb Beratungsstelle für die Verbandskassen zu schassen. Tic Vorschläge zur Einführung einer einheitlichen Krankenkanenscatistik werden ohne Tebatte einstimmig angenommen. Aus Antrag Ko h n .Berlin, wird hierzu noch besaüossen, beim Bundesrat dahin vor­stellig zu werden, daß eine einheitliche Statistik sämtlicher Kranken­kassen zur Turchiuhrung gelangen möge.

Zum Ort der nächsten Jahresversammlung wird Köln gc- wählt. Taraui erreichte die Tagung ihr Ende.

Rechnerverband des Kreifes Gießen.

Die gestrige Hauptversammlung der GemcInderechner des Kreises mar hmsid'tlich ihrer Verhandlungspnnkte für die Be­wohner des Kreises recht interessant. Ter Vorsitzende, Arnold- Grüningen, erörnete die gut besuchte Versammlung uuö begrüßte besonders den Vertreter ter Aufsichtsbehörde, Kanzleirat Schis s- nic-Gießen. Ten drei im Vorjahr verstorbenen Mitgliederw unb Gemcinderechnern, Schmehl - Bettenhausen, S ei p -Lollar unb Keßler- Rödgen, widmete der Vorsitzende einen herzlickicn Nachruf. Ter Schriftführer Weisel Muschenheim verlas daraus den Jahresbericht für 1910. ^orsitzenocr .1 rno 1 b erstattete Bericht über die Hauptver'ammluag des Landes-Rechneroerbandes in Frankfurt unb über bie Tätigkeit des Kreisverbandes feit der letzten Versammlung. Tic Frankfurter Tagung war leider aus Oberheffen schwach besucht, obwohl die Beratungen wichtigen Punk­ten galten. Das Kapital des Landesverbandes in Höhe von 2400 Mark soll zur Erreichung der Wünsche verwandt werden. Am 28. August 1910 wurde ein Hessischer Kommunalbeamtenverbanv gegründet, dem auch der Rechneiwerband mit 605 Mitgliedern beinah Ter Verband zählt jetzt über 1800 Mitglieder: Rechner, Bürgerrncistcreisekretäre, Straßenwärter, Fcld'chutzen und Poli.;ei- diener. In seinen Vorswnd wurden gewählt:. 1. Vorsitzen der Uebel - Dieburg, Stellvenreter A h l - Neu-Isenburg, Schnst- iührer Schäfer- Eterstadt, Rechner Arnold Grünmgen. Ter Bors in ende berichtete bann über bie neue Lanbgemeinbe- Crbitung, die am 1. April 1912 in Kraft tritt. Tie Gehalte der Rechner werben bii Gemeinden über 3009 eeelen durch Orts- itarut teftgclegt, toährend die Festsetzung ter Vergütung in Ge­meinden unter 300U Einwohnern vorläufig den Gemeinden selbst

überlassen bleibt. Mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes müiint alle prozentualen Vergütungen brr Reckmcr in feste Gehaltsbezüge mnflfnxmihlt werden Der Rechner darf in Zuktmst mdit mehr mit dem Bürgermeister, Beigeordneten oder Gemeinderat in nädyitvr Verwatidlfd'ait stehen. Ter Rechner muß künftig bie Rechnung erst Ende Oktober ab geben. ES wurden bann einzelne Punkte unb Bestimmungen aus dem neuen Gesetz behandelt unb erläutert und die Wüm'cte der Redmer zum Ausdruck gebracht. Die Er­läuterungen betraten ÄTcbinlbcridnciningcu. Zahlungsirist, Red>- nungSprüfung, Beitragserhcbuiig der Gemeindeeinküntte, Malm- verfadren, Pfändung und dergleichen mehr. Sobald das 2. Fiel nicht bezahlt ist, soll die Beitreibung erfolgen Im Mreife Gietzcn erhalten 33 Gemeindcrechner gcrcgcltnt Okbalt, 23 prozentuale Vergütung. Tie Rechner werden anfgeiordert, schon ictzt nm Regelung ihrer Bezüge als Gehalt bei der vtaneinbe einzukommen. Zu Punkt Beamtenzeitung wünscht.Ke ß l er Annerod, daß der Beitrag so erhöbt werden möge, daß jeder Rechner die Beamten- zeitung erhalten könne. Ter Antrag wird bis nädjftrS Jahr zurück- gestellt. Ten Rechnern zu Bcttenliausen unb Garbe meid» wurden die UmercihcbcikUcn abgenommen. Tic Versammlung tvümdtf, daß die Unterer Hebestellen im Interesse des ReehnungswesenS mit dein Reck/neramt vereint bleibt. Der Landesverein wird eine dahingehende Eingabe an die Regierung richten. Ten Rechnungs- beruht cri'tattcte Berlin- Londorf. f)!ach der Rechnung für 1910 betrugen die Einnahmen 192,10 Mark, die Ausgaben 166,53 Mark. Zu Revisoren wurden bestimmt K o n r a b - Kl im dach und Form - ha l s-Allcndors. Eine rege Aussprache erfolgte zu Punkt 7: Anträge zur Hauptversammlung 1911. Tie hier zum Ausdruck gebrachten Wünsche betreuen: Die Annahme als Rechner soll Ipätestens mit 40 Jain:en erfolgen, nach 5 jähriger tabelloicr Dienstzeit ist die Anstellung unwiderruflid», der Rechner er lullt in größeren Orten einen jähilickren Erholungsurlaub, bei Erkrankung des Rechners stellt die Gemeinde aus ihre Kosten einen Stell- Vertreter, die Besoldung soll periobiid) steigen Alle diese Wünsche werden in einer Denkschrift der Regierung vorgelogt. Im November 1911 findet im Saal bau zu Tarnt |t ab t eine Haupt- verfammltmg der Hefsischen Moinmuiuilbeamtcn statt. Ter Vor­sitzende sordert zum Bcsud) der Versrnnmlung auf unb schNeßt die Sitzung mit einem .Hock» auf dm Landesherrn. Kanztcirat Schis s- nie dankt noch namens der Teilnehmer tem Vorsitzenden Artwld für seine eifrige Tätigkeit im Interesse der Gmteindcrcchncr. K.

ICircbc uuö Schule.

Gemaßregelte Lehrer in Sachsen.

TerBerliner Lokalanzciger" meldet aus Dresden: Tas Kultusministerium hat aut Beschwerde von süns Dresdner Lehrern, die wegen ihres Verhaltens in sozialdemokratischen Ver­sammlungen von der Schulinspcktion zurecht gewiesen worden linnen, solgendc Entschließung gefaßt:

Das Ministerium ist weit davon entfernt, der Lehrcrschafr die mit ihrer amtlichen Stellung vereinbarliche Ausübung ihrer staatsbürgerlichen Rechte zu beschränken Aber ihr Amtscid, dem König treu und gehorsam zu sein und die.Gesetze des Landes unb bie Landesverfassung zu bcobacksteu, ist unvereinbar: mit dem Bcsuch sozialdemokratischer Versamm­lungen und der Betätigung in solchen Die Be­schwerde sei intgcrcd)(fertigt. Tic fächsiiche Lehrcrschast dürfe! mit der Sozialdemokratie nichts gemein babcu im Interesse der Erhaltung des Vertrauens der Volkssd)iile.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 11. Juli 1911. Fröhliche Ostern.

Ter Schreiner B. W. von Gicßm wohnt mit mehreren Familien in einem Hause zusammen. Es herrschten nicht eben besonders herzliche sreundnachbarliche Beziehungen Am ersten Ostcrsciertag bauten die Kinder Hasen Netter. Tie Hauswirtin aber fühlte fidi dadurch beschwört, daß in dem frisd) gereinigten Hausflur Moos und Gras zerftreut liniherlagen. Sie stellte den W. zur Rede und gab an, die Ehefrau des Neisettdeu XL. habe gesehen, daß das Kind des W. die Unordnung geschassew habe. Am Morgctt des zweiten Ostcrfeiertazs tkaf W. bic Ehe­frau K. aus dem Flur: er verlangte Recheuichast wegen der att- gcblidt unwahren Nadiredc, versetzte ihr einige Fußtritte und stieß sie die Treppe hinunter. Er ist deswegen vom Sdtöffen- gericht zu 30 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Ter Angeklagte verlangt heute, daß die Verletzte die Durch die Körperverletzung verursachten blauen Flecke durch einen Gerichtsarzt naduoeiicn solle. Da es sich um unbedeutende Verletzungen handelt, hatte das Gerickft keinen Anlaß, aut den Beweisantrag einzugehen. Es erklärte, daß die rohe Handlungsweise d^s Angeklogten durchaus zu oer- wersen sei und bestätigte bas verurteilende Erkenntnis erster Instanz.

.Ein 3uf am m cnft or nt i t der elektrischen Straßenbahn.

Ter Schtveizcr I. H. von Gießen hatte am 15. April l. Js. in der neuen Kaserne des vierten Bataillons die Speiscabfällc geholt. Als er aus bcm Käsernetttor hcraussuhr, stieß er mit der Straßen­bahn zusammen. Er wurde wegen Transvortgcfahrdung unter Anklage gestellt, vom hiesigen 2d)öifengcrid)t aber sreigejprocpcn> Da er in glaubhafter Weise barlegte, daß er och Wagen bet Straßenbahn vorher weder gesehen noch gehört habe. Aus die 'Berufung Der Staatsanwaltschaft hin wurde der Angeklagte heute zu einer allerdings nickst erheblichen Geldslrase von jüiti Mark verurteilt. Tas Gericht nahm an, daß bei Angeklagte fahr­lässig gehandelt habe: es sei ihm die Gefährlichkci: der liebet* fahrt bekannt gewesen. er.hätte deshalb nicht strikt zusahren Dünen, sondern hätte sich erst überzeugen müssen, ob nidjt cm Straßen­bahnwagen in Sicht sei.

Ein Freund des Grammophons.

Der Dienstknccht I. D. von Konsch hatte sich von einer Reklamesirma ein Grammophon gegen monatliche ratenweise Ab­zahlung bestellt. Die Firma Dirlanite jedoch, daß d-r Tiniiherr lieb als Bürge für die Zahlung verpilichte. D. fälschte nun bie Bürgschattsunterschrift, erhielt Daraufhin auch seinen Musikapparat, rourDc aber wegen Betrugs und UrkunDenfälfchung angezeigt. In der Zwischenzeit scheint ihm aber die sachc bedenklich ge­worden zu sein, denn er blieb heute unentschuldigt aus, so daß die Verhandlung vertagt werden mußte.

Eine unüberlegte Tat.

Ter Kalöinann R. K. ans Hunoen ift Unteroffizier Der Reserve und besitzt durchweg vorzügliche FnhrungSzeugnifse, da wollte es fern BerbängniS, daß er von feinem Wohnort wegzog und dabei vergas, sich beim Bezirkskonirnando abznnielDen. Um der ctiafe zu entgehen, schrieb er die Abmeldung in seinen Militärpaß selbst unb setzte einen fingierten Rainen darunter. Ter Angeklagte muß deshalb wegen Urtiindenialichnng bestraft werden. Tas Gericht erkennt auf die gesetzliche Mlnde'tstra'e von einem Tag Ge­fängnis. Auch erklärte es Dem Angeklagten, Daß eS seine Bitte um Gewährung beDingien Strafaufschubs befürworten werde.

EinVergchen gegen das Personen st andsgesetz.

Ein Biirgermeister hat in seiner Eigenschaft als Standes- eamter zwei junge Leute getraut, die nicht in seinem Bezirke