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13.7.1911 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.

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in Alexandria ftntb.

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daß er int Oktober 1886 begnadigt wurde Er siedelte nach Nordamerika über und trat von dort aus ün Zähre 1868 eine Reise na6) dem Orient an, ans der er im Oktober desselben Jal-ros

Paris, 12. Juli. Tie Agcnce Havas meldet aus Gl Ksar vom 10. Juli: Oberst SYlvestre weigerte sich, den marokkanischen Soldaten, die in ihre Heimat zurück-

setzungen scheinen die Zänkereien zwischen Frankreich und Spanien zu werden.

Ter Zwischenfall in ElKfar droht unangenehme und vielleicht gefährliche Folgen an zunchmcn. Ter Fall ist folgender. Während der Abwcscn beit der Spanier fr? waren nur wenige Leute zurück geblieben - drang der französische Leutnant Tisf i er mit Truppen der am linken Ufer des Lukküs, in unmittelbarer Nähe von Ellfar stehenden Mahalla unter zwei Kaids in die Stab! ein und machte den Versuch, sich oer von den spanischen Truppen eingenommenen Quar fiere zu bemächtigen. Fernandez Sylvestre kehrte mit seinen Truppen im Eilmarsch nach Elksar zurück, nm weitere Uebergrifse der sranzösisch-fultanischen Mahalla zu verhindern.

Tie spanische Presse lobt diese entschlossene Haltung des spanischen Oberstleutnants hinsichtlich der französischen An­maßung und Ueberhebung. Oberstleutnant Fernandez Syl vestre war mit etwa 500 Mann von Ksar el SVebir nach Arsila ausgebrocl^en, um dort mit Raisuli zu ver­handel n'unb sich dann nach Tanger zu begeben, wo ihm der spanische Gesandte weitere Instruktionen erteilen würde. Tie spanische Regierung leugnete dies alles; jetzt aber muß sie, so schreibt ein Madrider Berichterstatter, sämtliche Tat' fachen zugeben; bei dem Marsch nach Arsila habe es sich aber nur nm eine einfache Hebung ohne jeglichen Hinter­gedanken gehandelt; Spanien denke durchaus nicht daran, Arsila oder gar Wasau zu besehen, wie von der französi­schen Presse in böswilliger Weise behauptet wurde. Ter Zwischenfall in Elksar, der ohne weitere Bedeutung sei, habe die bei Arsila stehenden Truppen allerdings gezwungen, unverzüglich na'ch Elksar zurückzukehren: er TrewÄse auch, das; die Spanier die Stadt künftig nicht mehr verlassen dürsten und auch ihr Führer dort bleiben müßte.

Tie Spanier geyen nun ihrerseits in El Ksar schroffer vor. Tie Agence Havas meloele aus El Ksar: Die Spa­nier rcchtsenigkcn die Entwaffnung des französischen Kaufmanns Montagne und des Direktors der drahtlosen Telegraphie Piarnan mit dem Erlaß des Obersten Sil vestre, der das Tragen von Waffen verbiete, da El Ksar in den Belagerungszustand Versetzt sei. Montagne frat Klage beim französischen Konsul eingereicht.

In einem Madrider Telegramme desDaily Tele­graph" heißt es, daß die Beziehungen zwischen den spa- nischen und den französischen Streitkräften in El Ksar von Tag zn Tag gespannter werden. Tie Ankunft Von wei­teren 1-0 spanischen O»''' n hab? mncn ^schlechten Ein druck lervorgerusen und die Gereiztheit der Franzosen noch mehr gesteigert, da sich niemand^erklären könne, warum diese Truppen eigentlich nach El Ksar gesandt wurden, da sie absolut überflüssig erschienen. Tn-5 französische und das spanische Lager liegen einander gegenüber, nur durch einen Fluß getrennt, und die Entfernung -wischen den beiden Lagern beträgt drei Kilometer. Ter spanische Oberst Silvestre hat angeordnet, daß niemand in dem Von den Spaniern besetzten Stadtteil Waffen tragen dürfe, mit Aus­nahme der spanischen Soldaten, und auch den Franzosen ivcroen, wenn sie sich innerhalb dieses Gebietes bewaffnet blicken lassen, die Schießeisen weggenommen. Der bri­tische Vizeronsul in El Ksar hat sich nach Tanger begeben, nm sich neue Instruktionen zu holen. Lluch Rai- suli fragte in Tanger an, was er tun solle.

Neue Gesetze für den Neichstag und preuhischen Landtag.

Man schreibt uns aus Berlin:

Tie parlamentslose Zeit dient vornehmlich innerhalb der Ressorts für die Vorbereitung neuer Gesetzesmaterien, die den Parlamenten im Winter zn unterbreiten sind. Tie Zahl der Vorlagen, die augenblicklich sich in Vorbereitung befinden, ist außerordentlich groß. Es steht jedoch noch nicht fest, ob alle diese Vorlagen den Parlamenten in abseh­barer Zeit zugehen werden. Für Preußen befinden sich in Vorbereitung das neue Wassergesel; mit dem Fischerei­gesetz, die neuen Steuervorlagen und eine große Reihe kleinerer Gesetze. Ob dem Landtage in der nächsten Session bereits eine Vorlage über die große Verwaltungs­reform gemacht werden wird, ist noch ungewiß. In Vor­bereitung befindet sich eine neues Fidcikommißgefetz, das aber wohl ebenfalls erst in späterer Zeit abgeschlossen wer­den wird. Bon kleineren Gesetzen ist neben den Gesetzen, die der Landtag unerledigt gelassen hat, und die ihm erneut vorgelegt werden sollen, zu erwähnen ein Fürsorgcerzieh- ungsgejef, und einige Gesetze, die sich mit den Verhältnissen in den Ostmarken beschäftigen werden, so ein Parzellierungs­gesetz für Posen und Schlesien und ein Gesetz für die Aus­füllung des Anfieblungsfonds, der trotz gegenteiliger Bc pauptung in absehbarer Zeit erschöpft fein wird.

Von den Gesetzentwürfen, die für den Reichstag sich in Vorbereitung befinden, und die wahrscheinlich erst dem neikgewählten Reichstag unterbreitet werden sollen, befindet sich in erster Linie eine Novelle zur Reform der deutschen Fahr karten st euer, die augenblicklich im Eisenbahn- Ministerium ausgearbeitet wird. Ferner befinden sich in Vorbereitung ein Entwurf betreffend die Unfallsürsorge bei Arbeiten, welche freiwillig zur Rettung von Personell und zur Bergung von Gegenständen vor genommen werden, ferner ein Entwurf eines Seeunfallgesetzes, der bestimmt ist,. das Gesetz betreffend die Untersuchung von Seeunfällen Dom Jahre 1877 abzuändern, um eine Beschleunigung der feeamtlichen Untersuchungen in Anlehnung an das gericht-

Gin Siebzigjähriger. Gelegentlich des am 13. b. M. ftattfinbcnbcii 70. Geburtstages des Verlegers derMün­chener Neuesten Nachrichten" und der fugend", Tr. Georg i r t b , übersandte der Prinzrcgent fein Bildnis mit cigeiihändigcc Unterschritt. Schon heule fanb in den Räumen derJugend" eine größere Feier statt, bei der die Mitarbeiter derJugend" einen prachtvollen Kunstfchrcin Übergaben, gefüllt mit Gemälden, Aqua­rellen und Zeichnungen bekannter Münchener Künstler mit litera­rischen Beiträgen der deutschen Schriftftellcnvcll. Die Milarbeucr derMünchener Neuesten 9iachrichtten" üiftctcn eine Marmor tascl mit oem Rcliesbild der beiden Verleger Hirth und Knorr. Aus eine Reihe von Glückwunfchansprachen antwortete Hintz mit herzlichen Tankesworten.

C n t b ü 1 l u n g d e s R e u t e r d e n k m a l s i n S t a v c n- Hagen. In Gegewvarc des Großherzogspaares, des verzog- Regcnlen von Braunschweig, des Prinzen Heinrich der Nieder­lande, sowie zahlreicher Vertreter von Reuter-Vereinen und un Beisein vieler Tausende wurde in des Ticlsters Geburtspaoi S l a v e n h a g e n aus dem Marktplatz das Tenkmal F r r tz Reu­ter-, das Professor Wandschneidcr gesct>assen hat, feierlich ent­hüll t. Bei der Vorfeier teilte Professor Golder-Rostock mit, daß in Rostock eine R e u t e r - P r o s e s s ur, der die wmensck^'t liche Pflege der plattdeutschen ^prack-c obliegen wird, errichtet werde.

K.F. Reinhold Begas als Verteidiger Böck- l i n s. Reinhold Begas, der am 1 o. I u l t s e l n 8 0. Lebens­jahr vollendet, hatte während der Zeit, wo er in Rom weckte, einmal Gelegenheit, als tatkräftiger Verteidiger fernes Freunde» Böcklin auszutreten. Wie cs dabei zuging, har jüngit Angela Böcklin in ihren Memoiren erzählt:Unsere kleine deutsche stünstlerkolonie lebte damals so reck für sich und bildete g<wiiier mären eine deutsche Kleinstadt in dem ewigen Rom. Nichts kehlte, was Miu gehörte. Auch der kleinstädtische Klatsch machte sich mit ber Zeit breit. Da war ein Maler namens Muhr, dem mein Gatte in jeder Beziehung sehr viel gelwlsen batte. Tas hinderte iljn jedoch nicht, in der Familie Oberrnayer derart auf chn zu jchimofen und ihn schlecht zu machen, daß wir plötzlich nicht mehr eingeladeu wurden. In Orient Falle bewährte sich nun die im "sahrc 1855 geschlossene und bis zu meines Gatten -tobe dauernde Freundsckwft nrit Reinhold Begas. Als dieser nämlid) mit anderen Freunden wieder einmal bei Oberrnayer eingeladen war, fing

i>cn 10. Hili 1911, dreien -es Kreils, nbgcbruchc ^clauramtid^ n, die Ihnen dcmE den Miiiiärpjliä-tigw all lafiit i argen, datz bi lieh präzis zu beri -iunde erscheinen, J wollen Sie hierher Borltc? zagen werben können, so zeigen.

)rc Lvsungsscheinc ir besonders ausmerksam motz

» der Großh. Lber-Ersch-§» in einen anderen Aushebung deren AushebMgsbezirkcn » iehen, |"o wollen Sie bien' Bei Zugängen ift ber Swint ge beizulegen.

irciiinfi rom Milita. rch den Hinweis auib' nsahigkcit ber reHc iltcrober jonltigcnui ünbet worben iinb, inten ebenialls pcrtt' cheinen. Tie Rcklarn'. ahrglcichzi'Vcginnbk behandelt.

krfonen bdonber bicraufUM en, ME es roree.ommcnnU imalioiteit nicht verbondeltwe uerden mußten, ber ber betrepenbep - Unterstützungsunsahigkelt ml

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glitten haben, imöcn c * oder beglaubigte ßeugenu

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fcfirnt wollen, die ihnen abgenommenen Waffen zurnckzn geben und ließ mehrere Briefe dcs Leutnants Thiriot, des Instrukteurs der scherisischen Truppen, welche daran' Bezug hatten, unbcaiTtivoncL Große Erregung herrscht infolge dessen unter den Soldaten des Mackisen, die auf die spani­schen Patroniklen schießen wollen, welche sich bis auf hun­dert Schritt den Schilbwackum des Lagers von Bonznali nähern. Man befürchtet, sie nicht mehr zurückhalten zu können, ebenfoivenig wie die Bewohner der ^tabt, die empört find, daß die Spanier in alle Moscheen eiichnngen. Mehrere Soldaten des Machfcn find von den Spaniern angcroorbcn und durch hohen Sold feftgehalten worden.

Ter KreuzerBerl n" in Agadir.

Mogabvr, 12. Juli. TieAgence Havas" meldet aus Agadir vom 6. Juli: Der KreuzerBerlin" ist an- gekommen. Ter Kommandant ging an Land und wechselte Besuche mit dem Pascha ber Stadt und hatte mit ihm Unterredungen über die Aufrechterhaltung ber Orb imng. Die Eingeborenen her Umgebung finb ruhig uitb erwarten, daß ber Kaid Celuli ihnen Anweisungen geben wirb, welche 5?alLung sie zu beobachten haben.

Wie das Wölfische Bureau aus Berliner Börsenkreifcn erfährt, hat man an auswärtigen Plätzen das Gerücht z u v c tb r c it en g c s u ch t, daß a d) t b cu t f d) c K riegs- fchiffevorMarorkocingetroffen seien. Offenbar hanbelt es sich um ein plumpes Börsen m a u ö v e r.

Muhr in der gcwolntteu Weise an, über Arnold zu schimpfen. Ta stand Begas plötzlich auf und erklärte:Arnold Böcklin ist mein Freund und ich dulde nicht, daß frier aus diese Weise in seiner Abwesenheit von ifrm geredet wird." Tie anderen Freunde schlossen sich dem cnergilchen Verteidiger natürlich sosort an uno mm meinte Begas, entweder verläßt Muhr das .Haus oder wir alle gehen. Taraus wurde ber Verleumder von Frau Oberrnayer an die Lust gesetzt. Natürlich unterließ es Begas nicht, meinem Gatten die Geschichte zu erzählen. Eines Nachts tras er Muhr im Kaffee Greeo. Er rief ihn heraus auf die Straße und fragte ihn, tute er dazu komme, ihn hinter seinem Rücken so nieder­trächtig zu verleumden. Mulm wollte gerade noch Antwort geben und sich rechtfertigen, da hatte er aber idion links und rechts eine Ohrfeige sitzen, die ihm die römische Luft derart verleidete, daß er am anderen Tage abreiftc."

Ein geographischer Kompaß. Aus Paris wirb uiitecm 13. Juli gemeldet: Tem Schifssfähnrich Lemaetre soll es gelungen sein, einen Kompaß zu erfinden, der nicht, den magnerisck-en, sondern den geographischen Pol au- zeigt. (Falls die Meldung auf Wahrheit beruht, iväre das für unsere, vorwiegend aus Stahl bestehenden Sckstffc von außer- orbentlitfrcT Sebciitung. Tie Red.)

ff. Sechs Millionen Mark für eine Porzellan- sammln n g. Die Richard Bennett-Sammlung von altem chinc- sischen Porzellan, wohl die vollkommenste Sammlung dieser Art auf ber Welt, die bisher im Besitze des Amerikaners Edgar Gorer war und gegenwärtig in seinen Ausstellungsräumen in Neuiwrk ;u sehen ist, ist ungeteilt an einen englischen reidien Prrpakinami verkauft worden, der sie demnächst in seine Heimat überführest will. Ter gegenwärtig für die Sammlung erzielte Preis ist ber Welt nickt ottiziell miraeteilt worden, aber wie dieDaiw Mail" . erfährt, erreicht er 6 Millionen Mark, eine Summe, die wohl den höchsten Preis darstellt, der jemals für eftte derartige Samm lung gezahlt worden ist.

Deutsches Theater-Adreßbuch. Ter 'Tuu.sche Vühnenverein, die Vereinigimg ber Leiter fast aller Hof- und 3adttf.catcr, kündigt die Herausgabe eines schon jeir langem vorbereiteten,T cut schon Theater- A die ß b u ch" an, das im Verlage Oestcrheld u. Eo. Berlin W. 15, zum i rücti Male in diesem Iahre ersck)einen wird. Ties Werk, das als Nachschlage­buch für alle Interessenten des Theaters gedacht ist, ivtro ba$ Personalverzeichnis aller deutschspielendeu Bühnen uuv in fnav^.r Form eine Fülle neuen Materi ts aus dem umfangreichen Oebicie pes Theaterwesens enthalten und sckon unmü'ttbar narfr Beginn ber Spiel reit im handlichen Taicheiisormat erscheinen.

Lin Attentat vor sünszig Zähren.

Es war am 14. Juli des Jahres Idol. Tas herrliche Karten- und Waldrevier in Baden-Baden leuchtete in Sommecgrüu und Sonnenglanz. Mönig Wilhelm weilte in dem berühmten Bad als Kurgast, um neue Spannkraft für zlörper und Geist zu gewinnen. Er bedurfte der Ausspannung um so wehr, als er eben erst die seit der Mobilmachung 1859 als Notwendigkeit erkannte Reorganisation der preußilckjen^ Armee DJllenbet hatte. Jeden Morgen pflegte er einen längeren Spazier­jang zu machen Auch am 14. Juli, vormittags zwischen acht _imb neun Uhr, schritt er mit seinem Begleiter, dem preußischen hesandlen Grasen Flemincng, langsam die schöne Lichteuthaler i llec entlang Da, mit einem Male in unmittelbarer Nähe ein k.trzcr, idjarjer Knall und das Zischen einer Kugel. Ter König putzt, macht eine Handbcwegiutg mich dem Haupte, lagt^gelanen: Es ist nichts!" und wendet sich um. Auch Gras tylemmuig jat sich umgewandt. Wenige Schritte von ihnen entfernt steht c.u junger Mann, dessen Unruhe den Täter verrät, ^.er Gras pürzt sid) auf ihn unb hält ihn fest:Wer hat gcjd)ouen Ich!"Auf was oder auf wen?"Auf den König !"Unb bie Pistole?"Dort im Grase!" Während der Graf im Verein mit herbeigeeilten Kurgästen die Derhaftitng des ,yrevlers bc- kvirkt, setzt der König, der leinen Augenblick seine Geistesgegenwart terlorcu hat, den Weg nach Lidjtenthal, den seine Gemahlin ohnungslos vorangcgangcn ist, mit einer Ruhe fort, als ob nichts vargejallen fei. Nickst mit einer Bewegung, nicht mit dem leisesten Ausdruck des Säpnerzes verrät er, daß die Kugel ihn geltreift hn. Tas aus nächster Nähe abgefeuerte Geschoß des kundigen Schützen war zwar durch den Rockkragen des Königs gedrungen, hatte aber glüfflidjenveiic nur eine blutigjintcrlaufcnc Mvntuuon in der Größe eines Talers an der linken Seite des Halses.erzeugt.

Ter Attentäter gab an, Oskar Bccker zu heißen und seit 1859 in Leipzig Rechts- und Staatswissemchait zu nubicrcn. gefragt, warum er den Mordversuch unternommen, gab er zur Antwort: weil er in der Person des Königs ein Hindernis rur bic Einigung Tentsd'lands erblicke Tie weiteren Feitstcllungen ergaben, da,; Becker am 18. Juni 1839 in Odessa geboren mar, wo sein aus Leipzig gebürtigter Vater das Amt eines Lyzeums- direktors bcflcibetc, und daß et die Tat aus freiem Antriebe ohne die Mitwissensckjaft anderer Personen ausgeübt bam\ Tas Schwurgericht zu Bruchsal verurteilte ihn zu zwanzig Zähren Zuchthaus. Tie Erregung über das Attentat mar in DnttjÄ- lant» so allgemein, daß König Wilhelm am 2. August 1861 tn einem Erlaß seinen herzlichen Tatit veröffentlichte. Für spräche des hochherzigen Königs hatte es Becker $u verbanßen,

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Die Ereignisse in MaroNo.

So ruhig die AusstUjrungen des französischen Ministers k»r Auswärtigen in der Kammer gehalten waren und so besonnen das fr^zöfische Parlament bei dieser Gelegen i t sich un allgemeinen gezeigt nm, so verwickelt unb schwierig bleibt dennoch bic Lage um bas scherisische Reid). Französische Sensa1ionsnachrid,tcn finb inzwischen als solche gekennzeichnet worben: cs fällt bett Bereinigten Staaten von Rorbamerika nicht ein, fidj in ben marokkanischen Hanbel einzumischen unb Teutschlcmb Vorhaltungen zu machen, uub wenn bic englische Politik nach ihren Vertraglichen Abmachungen mit Frankreich natürhd) unseren westlichen Acchbarn and) weiterhin alle Duldung und Nachsicht -eigen muß, so hat sie sich doch, wie wir aus der Regierungs'- erklärnng im Parlamente hörten, auf ihre eigenen Inter essen besonnen. So darf bic bentfchc Politik mit Befrie­digung auf ihren letzten aktiven Sdjritt zurückblicken. Herr de Selves hat in seiner Kammererllärutig selbst ausge­sprochen, Frankreich wolle /.vollkommene Loyalität" üben; arfo wirb bamit zugeglben, baß Teutschlanb berechtigte Interessen in Marotto besitzt. Wie vorsichtig bic deutsche likgierung km gegenwärtigen Augenblick alles in seiner L-iikung abwagt, beweist bic folgende Feststellung des deut scheu Regierungsorganes, das den Verdacht zerstreuen will, als solle in Marokko ein völlig neuer Kurs ins Werk ge­setzt werden:

Eine Feststellung der deutjchen Regierung.

TieNorbbcuti'djc Allgemeine Zeitung" schreibt: Ein Leipziger Blatt meldet aus Tanger, infolg. dfrs Einspruchs der d eut s d) en Kolonie in Eas a blanca unb der Vermittelung eines deutsck)cn Rrick)srags- abßcorbnetcn ski zur Vertretung bes beurlaubten K o n- suls Manß statt des ursprungttd) bazu bestimmten Tra- ioinans Steinführer eine anbcrc Persönlichkeit in Ans- Cjt genommen. Temgegenübev bemerken wir, baß sid) ic Ausreise Steinsührers ausfchließlid) beshalb etwas ver­zögerte, weil er außer für feine Funktion in Easablanca noch für eine besonders wichtige Mission ausersehen war, für die er noch Instruktionen abzuwarten hatte. Leider hat ein plötzlid)ev Tod diesen vorzüglichen yof.i'.ungsvoilen Beamten dem Reichsdienstc entrissen. Die Regierung ist jetzt allerdings zu ihrem Bedauern genötigt, einen anderen Vertreter für den Konsul Müntz zu entsenden. Wie wenig eine Acnderung in der Vertretung infolge einer unberufenen Einmischung ans Easablanca beabsick;tigt war, geht schon daraus yervor, daß wegen des Todes des jungen Beamten Konsul Müntz ben Antritt seines Urlaubs roiro aufschieben müssen, ba zurzeit noch kein geeigneter Vertreter bc- ftimmt ist.

Keine Einmischung Amerikas.

TieKölnische Zeitung" meldet aus Washington: Tas Staatsdepartement stellte in bestimmter Weise die von ber französischen P resse ausgcgangene Mel­dung in Abrede, ivotrnd) bic Vereinigten Staaten bei der deutschen Regierung Vorstellungen wegen des Fwifchenfalls von Agadir gemacht haben. Tie Vereinig­ten Staaten hatten keine Mitteilung gemacht und keine Be- nad)richtigung von den zwifd)en Frankreich und Deutsch­land begonnenen Verhandlungen erhallen, an denen die Union politisch lein Interesse habe.

Peinlicher als die deutsd)--französischctt Auseinander­

m. 162 Erstes Blatt 161. Jahrgang Donnerstag, 15. Inn 1911

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