Ausgabe 
11.3.1911 Viertes Blatt
 
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llr. 60

Erscheint ILgNch mti Au«nahme des Sonntags.

DieGießener LamillendlLtter" werden dem ,tin$eifler' »termal wöchentlich beigelegt, das 'Kreisblatt für de« Kreis «letzen" zweimal wöchentlich. Die ..candwlrtschastlichen Seit» fragen erscheinen monatlich zweunal.

ljCl, Ausgabe 145 792 Mark, mußten den Polizcikosten brr Gemeinden (ein

Redaktion, Expedition und Druckerei: vcbul- straße 7. Expedition und Verlag:

Redaktion: 112. Tel.-Adr.: '21 nzeigerGießen.

Samstag, U. März 19H

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwerüiätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

erbringe. (Zustimmung.)

Abg. Wolf- Stadecken stellt fest, daß der Abg. Bähr furcht­bar daneben gehauen habe und bittet, dessen Antrag abzulehnen.

Abg. Bach lNatl.) rügt gleichfalls scharf das Verhalten des Abg. Bähr und bittet, dessen Antrag abzulehnen. Der Ausschuß­antrag wird darauf angenommen, der Antrag Bähr einstimmig abgelehnt.

Zur Beratung gelangt nunmehr daS zurückgestellte Kap. 30, Provinzialdirektionkn und Kreisämter,

Ausgabe 653 465 Mark. Der Ausschuß beantragt gleichzeitig^ 1 Kreisamtmänner lediglich auf den Inhaber zu bemil Ligen und die Regierung zu ersuchen, mit dem Hauptvoranschlag 1912 eine neue Kreiseinteilung für die Provinz Rheinhessen unter Ein­ziehung eines Kreisamtes vorzulegen.

Abg. Dr. Winkler beantragt, diesen letzteren Ausschuß- antrag abzulehnen.

Minister des Innern v. H o m b e r g k weist zuerst verschiedene frühere Angriffe des Abg. Fulda zurück. Derselbe habe gestern abend einen ganz unberechtigten Eingriff in ein noch nicht ab­geschlossenes Berwaltungsstreitverfahren unternommen, wogegen er entschieden protestieren müsse. Er protestiere auch dagegen, daß die Kammer dazu benutzt wird, auf die Instanzen, die über Streitfragen zu entscheiden haben, durch die Verhandlungen hier im Hause einen Druck auszuüben.

Abg. Dr. Winkler wendet sich ausführlich gegen den Aus­schußantrag inbetreff der 4 Kreisamtmänner. Man solle doch nicht am unrechten Platze sparen wollen. Die Aufhebung auch nur eines der Kreisämter sei unausführbar. Die Stadt Oppen- heim würde durch Beseitigung des Kreisamtes einen jährlichen Steuerausfall von 10 000 Mark erleiden. Durch die Aufhebung der Kreisämter würde es kommen, daß die Bevölterung, die in die Städte gehen muß, um ihr Recht zu vertreten, auch ihre

bg9 Köhler (natl.) geht auf die Ausführungen de? Re­gierungsvertreters näher ein und betont, baß nach ferner Ueber- icugung die Mädchenschulen nicht das leisten, was verlangt werd.n müne, um die Mädchen für das Gymnanum vorzubtlden. Redner bespricht dann die Frage einer Ausgestaltung der rauen)cnuL?_ Tie meisten Eltern würden wohl ihre'Kinder kaum langer als zehn Jahre die Schule behuto lassen, wenn die Kinder nur so ganz allgemein ausgebildet werden. (Sine roeitcrc Ju§gc)taltung der Frauenschule sei notwendig und bie Schülerinnen derselben müßten dann eine direkte Lchrderechttgung erhalten. Wenn die Regierung sage, daß für die Eltern ja gar kein JntereN? vor­liege, den Bdädchen mehr als eine RealvorbUdung zu geben, )o müsse er das bezweifeln. Die Eltern, die ihren Töchtern eine Gvmnasialausbildung geben wollten, müßten doch ebenfalls be­rücksichtigt werden. Er bitte bie Regierung, dies in Erwägung ziehen zu wollen. , .

Abg. Bach- Mainz (natl.) erörtert ebenfalls bie Frage ber Rtädchenausbüdung. Er glaubt, baß den Frauenschulen auch direkte Berechtigungen erteilt werben könne: nach der Stprper- tonftitution allein könne man nicht beurteilen, ob ein Mädchen ohne Weiteres zum Besuch eines Gymnasiums geeignet sei oder nicht. Am meisten empfehle sich die Schaffung einer Einheitsschule, «us ber -dann später bie geeigneten Schüleirnnen übertreten tonn­ten Mit den Ausführungen des Regierungsvartreters über die Stundenzahl der Oberlehrer sei er einverstanden, er danke dem­selben auch für seine Erklärung, baß bie Erfahrungen, welche die Behörde mit den Volksschullehrern an ben höheren schulen gemacht habe, gute seien. Auch zu ben weiteren Ausführungen des Herrn Geb. Rat Süffert erklärt der Redner seine Zuitimmung.

Abg. M o l t h a n empfiehlt eine weitere Einitellung . von Lehrern mit Seminarbildung an den höheren Schulen, schon

vierter Platt lbl. Jahrgang ,

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Cberhefsen

Dumas' SchauspielAntony" gab. Ein Mißgeschick wollte, daß bet Regisseur bas Zeichen zum Fallen bes Vorhanges gab, bevor ber berühmte Schlußschlager bes Stückes, die Phrase gefallen war: Sic widerstand mir ... ich habe sie getötet!" Aber das Publikum verlangte diese Phrase, und man hörte es lebhaft ordern, daß der Vorhang sich wieder hebe. Also aut, ber Vorhang geht roieber auf, und man sieht Frau Dorval toicbet auf ihrem Sessel in ber Haltung ber Getöteten. Nun ist leibet Antony-Boeage nirgends zu entdecken. Das Publikum wird lautet und erregter, und schließlich erhebt sich Frau Dorval, tritt an die Rampe vor, und sagt, mit Mühe ihr Gelächter erstickend: Meine Tomen und Herren, ich widerstand ihm .... er hat mich getötet!" Eine peinliche Verlegenheit wurde auf diese Weise durch einen glücklichen humoristischen Einfall überwunden. Die Bühne ist ja eine Welt, die dem Ungefähr und seinem Humore den weitesten Spielraum eröffnet, und bie Annalen des Theaters sind voll von Geschichten unfreiwilliger Komik, die sich auf bet Bühne ereignet haben. Ein hübscher Aufsatz inLecturcs pour Tons" berichtet, eine Anzahl solcher Geschichtchen aus den Jahr­büchern bes Französischen Theaters. Zu den Schauspielerinnen des Theütre Fran^ais gehörte früher eine Mine. Allan, bie so korpulent war, baß Augustine Brohan ihrem Diener damit zu drohen pflegte, wenn er sich nicht zusammennehme, so müsse er zehnmal um Frau Allan herumgehen. Eines Abends es war eine Premiere sollte die umfangreiche Künsllerin als Tote von zwei Dienern auf ihrem Stuhle fortgetragen werden. Aber siehe Da! trotz oller Mühe vermochten bie Beiben die schöne Last nicht zu heben. Die Situation wurde verzweifelt, und schließlich erhob sich Frau Allan würdevoll und marschierte in die Kulisse. In demselben Theater gesckzah es einmal, daß Förauby als Grin- goire nicht zur rechten Zeit auf sein Stichwort die Bühne betrat. Seine Mitspieler waren außer sich: es entstand, was man in der französisck-en Theatersprache einenWolf" nennt: eine pein­liche Pause! Schon beginnt das Publikum zu murren, als Fe-> caudy die Bühne endlich betritt und seine Rede, der Rolle gemäß, mit den Worten beginnt:Ich komme rechtzeitig . .

Ein Sturm von Gelächter war die Antwort dieser Versicherung, Das Seitenstück zu dieser Begebenheit ereignete sich in der Großen Oper bei einer Aufführung berHugenotten", wo Telmas den Saint-Bris und Affre den Rauol gab. Saint-Bris hatte zu singen:Da ist er" aber er, nämlich Raoul, war gar nicht da, sondern kämpfte in seinem Ankleideraum verzweifelt mit einem Wamse, bas sich nicht zuknöpfen lassen wollte. Endlich erübeinfl er und antwortet auf bie Begrüßung Marcels:Wie! Zwei­felt Ihr an meiner Pünktlichkeit?" Das Publikm^ zweifelte allerdings.

in Aussicht stellen zu können, ebenso bezüglich der Frauensckmlen. Diese letzteren seien keine Berufsschulen, aber ,ie sollten ben 1 jungen Mädchen Gelegenheit geben, sich für eine iclbltanbigc Ernährung auszubilden, wenngleich breze Schulen l.a nicht die bestehenden Fachschulen ersetzen können. Trotzdem stelle er bie Frauenschule an bie Spitze ber gegenwarttgen Reformbestrebungen. Durch eine vollständige Umwandlung der höheren Arabchenschule in Gymnasien ober Realschulen mürbe der eigentliche Zweck des Mädchen-Schulunterrichts geschädigt, das könne aber nicht ut ber Absicht ber Regierung liegen. Den Wunfchen des Abg Dr. Winkler entgegnet der Redner, datz bie Regierung nicht ver­sprechen könne, keine weiteren Oberlchrer anzustellew. da ein Staatsmann nur einunmöglich' auslprechen solle, fefunba in allen Anstalten aufzuheben, halt Redner nicht für zweckmäßig. Es würde das nur m vereinzelten tfallen gc können, wo die Schülerzahl m absteigender und die Kosten in aufsteigender Linie sichbcwcgen. _^^rlehr er hatten Mi ^ahre 1910 im Turchfchmtt emc Stundenzahl von -M 6'* er füllen gehabt, abgcfelxn t4on ihren vielfach reckst wefentlichen Hausarbeiten. Eine Erhöhung der Stundenzahfer darnaÄ^woh kaum angängig. Es sei ia mit der Stundenzahl des Unt^wichts. die Arbeit eines Oberlehrers nicht erledigt, man inane and) bie Vorbereitungen mit in Betracht ziehen: auch Preutzen gehe über die bet uns übliche Stundenzahl nicht hinaus. Xie Ueberlcitung von Schülern auf kleineren Schulen fei sehr '^wierig, d.. Re- aieruna werde aber diese Frage weiter tm Auge belyaltcu. Dter mit im Zusammenhang flehe auch die Frage der Umwandlmig einzelner Gymnasien in Realschulen: die ^fcngtn in

hirirr Ricktuna sollen tortgeietzt werben. Inbetreff der <siage der Beschäftigung seminaristisch geblibeter Lehrer an ben fahren Schulen erklärt ber Rebner, da); aut über o00 akademisch gebildet, fichrcr zirka 40 Lehrer mit Volksschulbildung kamen. Dem Wunsche des Aba. Dr. Winller, den Schülern weniger häus­liche Arbeiten aufzugeben, könne nicht entsprochen werden, ^cr Redner bespricht dann noch bte mehrfach angeregte '^rjorge ür die aus der Sdjulc entlassene Jugend uitb fchließt sich tun bus bezüglichen Ausführungen des Ministers v. -Zvmbergk an, bei Prüfungen in ber Fortbildungsschule habe er sich überzeugt, wie viel dort noch geleistet werden könne. Bezüglich der O^lugcn Bemerkungen des Abg. Dr. Schmitt m bezug aus du Witwen- vension der- Lehrer stellt ber Redner fest, daN brefe Pemionen nach den Gehältern festgesetzt werden, die sich wieder nach ben Dienstjahren richten. Ebenso fer es auch bei ben Schulbicnern. Der Abg. Bach habe ja in dieser Sache ernen Antrag eingebracht, zu dem die Regierung später ihre Meinung äußern werde. (Zu-

ßeffUdie Zweite Kämmet.

R.B. Darm stabt, 10. März

Am Regitt-ungstische: Minister bes Innern m Hom b e r g t, Seheimeräte Dr. Becker, Süffert, Dr. Weber, Mun- ^Bizevr'ö^dent Morell eröffnet bie Sitzung um 9,20 Uhr Das Haus setzt bie

HaoShaltsberalong.

fort und tritt in bte Spezialberatuna bes Etats für bas Mini­sterium des Imiern ein. Kapitel 23, Mi m ste rt u m-wc i st eine Eimiahme von 5.568 Mark und eine Ausgabe von 270504 Mark für persönliche Kosten, sowie 18 600 Mark für sachliche -osten auf Ter Aussckmß ersucht die Regierung, bet Aufstellung des när. i.iäliTigcn Etats eine Grupmerung der unter Titel I, Pcrsöini '.hi-gaben, angeforbcrlcn Beamtenstellen und Gehalte mich den im Ministerium bestehenden Abteilungen vorzunehmen. Für da- laihimbe Ja Irr ist ein Vortragender Rat weniger angc- fordert märten. Der Ausschuß beantragt hierzu folgenden Zusatz: Ln geeigneten Fällen sind die Stellen ber Vortragenden Rate nut Hilfsarbeiter zu besetzen." ,

Das »aus genehmigt ohne wertere Aussprache Kapitel 23 nach dem Ansschußantrag. , . , » m

Ohne Aussprackze werden weiter genehmigt: Kapitel 24, All­gemeiner Fonds für Vertretungs- und Aushilfekosten "sw , Ein­nahme 200-l Mark, Ausgabe 75 000 Mark (Der Ausschuß hat hier die Mehrfvrdenmg von 4000 Mark gegen das Vorjahr ge­strichen ) Kapitel 25, Regierungs- intb Rcichsgeietzblatt, Aus­gabe 10150 Mark, Kapitel 26, Porto-, Telegraphen- und Fern­sprechgebühren 130 200 Mark, Kapitel 27, Hausverwaltung, Aus­gabe 16 820 Mark, Kapitel 28, Zentral-Bauwesen, Ausgabe -iyZ 000 Mark. (Der Ausschuß bat die Mehranfordcrung gegen das Vorjahr gestrickxm.) Kapitel 29, Richtstaatliche Bausachen, Ausgabe 4000 Mark, Kapi'el 30, Provinzial-Direktionen und ftrei-amter, Einnahme 1605 Mark, Ausgabe 653 465 Mark. Es wird hier bem Aussckmbantrag gemäß beschlossen, vier Kreisamt- männer lediglich auf den Inlmber zu bewilligen und die Regie­rung zu ersuchen, mit dem Hauptvoranschlag für 1912 eine neue Kreiseinteilung für die Provinz Rheinhessen unter Einziehung eines KreiSamtS vorzulegen.

Bei Kapitel 31, Genbar mene, ersucht Abg. B reibe n- bach die Regierung, die Gendarmeriestationen mit Telephon An­schluß zu versehen Der Mangel eines solchen werde besonl^rs in Nauheim Friedberg sehr empfunden, da bie Beamten im Be­darfsfälle nicht schnell genug herbeigerufen werden könnten

Minister v. H 0 m b e r g f gibt zu, baß eine solche Telephon­anlage sehr wünschenswert sein würbe. Es würden aber dazu nicht unerhebliche Ausgaben erforderlich sein, die man zurzeit

Nu»st, wiss nschast unv Leben.

Blüchers Geisteskrankheit. Daß Blücher vor gerade hundert Jahren geisteskrank war und diese Krankheit so deutlich auftrat, daß sie vielen offenbar wurde, wird wenig be- .kannt sein, da diese Krankheitsperiode des Feldherrn glücklicher­weise nur kurze Zeit währte. Blüchers Krankheit hatte offenbar die edelste Ursache, die eine solche Krankheit haben kann: glühende Vaterlandsliebe. Das Unglück Preußens und bie Untätigkeit, in der vor einem Jahrhundert König Friedrich Wilhelm III. und seine Ratgeber diesem Unglück gegenüber verharrten und zu der auch Blück/er selbst dadurch gezwungen svard, hatte ferne Krankheit hervor gerufen. Freilich waren wohl auch Triiikexzesse und andere allzu reichliche Genüsse dazu gekommen, baten ber nahezu Siebzig­jährige sich in der auf gezwungen en Mußezeit hingab. Mit, deren Ende aber auch seine Wahnvorstellungen schwanden. Wir erfahren über diese merkwürdige Episode Blückfers auS den Denkwürdig­keiten des trefflichen Geiieralfeldmarschalls Hermann von Boyen. Dieser erzählt, daß jene deutlichen Spuren von Geiftesabwesenhert Blüchers im Winter 18101811 sich zeigten. Er glaubte buck>- städlich, als Strafe für seine Sünden mit einem Elefanten ichwanger zu sein. Diese irrigen Vorstellungen wechselten hin und wieder mit anderen ähnlicher Art und wurden dann auch toieber durch ganz liebte Augenblicke unterbrodxn; eine Zeit glaubte er, daß von Frankreich aus seine Bedienten beftochen wären und ihm nun die Fußböden seiner Zimmer so heizten, daß er sich die Füße verbrennen solle, so daß er entweder nur mit aufgehobenen Beinen sitzen könne oder auf den Zehenspitzen her um­spring en müsse. In der früheren Rheinkampagne gegen die Fran­zosen hatte ein Offizier des Husarenregiments, das Blücher damals befehligte, seine Ticnstpslickst auf eine sehr grobe Art vernachlässigt. Blücher hatte dies angezeigt, und durch ein Kriegs- Beridrt mar jener Offizier zur Kasfation und zu mehrjährigem Festimgsarrest ordnungsmäßig verurteilt. In ber Krankheit nun hatte die Umgebung des Generals häufig bemerkt, baß er mit dem Ausbruckie bes heftigen Zornes ben Namen jene« ehemaligen Offiziers zwischen ben Zähnen murmelte; eine Nacht nun, als Blücher kurz vorher eingeschlafen schien, hörten seine Leute auf einmal einen ungewöhnlichen Lärm in ber Schlafstube bes Ge­nerals, sie stürzten herein unb fanden den alten Blücher, ber mit Anstrengung seiner letzten Kräfte wohlgemut einen Faustkamps gegen die Mauer führte. Er hatte nämlich plötzlich die Jbce be­kommen, daß jener Offizier ihn, mit Waffen wohl versehen, über­fallen wolle, dazu in gehöriger Positur an ber Mauer stände, unb nun rief Blücher: Das ist heimtückisch, denn Sie wissen, daß mein, gekauften Bedienten mir alle Waffen meggenommen haben, aber deswegen stehe ich Ihnen doch- mit meinen Fäusten zu Diensten Mehrere Monate dauerte diese Krankheit, unb sie brachte Blücher

auch körperlich so herunter, daß man befürchtete, er tverbe barauf- gchen. Dann aber, als sein Geist wieder frei von ben Wahn­vorstellungen war, wurde er so schnell wieder geinnd, daß er im Sommer 1811 bereits mit großer Tatkraft die Befestigung Kolbergs leiten konnte.

r- Eine neue Theorie über bie Entstehung bes Lebens. Eine von allen früheren Theorien abweichende Hypo­these über den Ursprung der lebenben Wesen auf ber Erde stellt der rusfische Biologe C. M e r e s ch k 0 w s k i in einem vor kurzem cridrienencn Buche auf. Während man sich bisher damit begnügte, als Grundlage jedes organischen Lebens ein Protoplasma an­zunehmen, das sich aus hochkonstituierten, gegen gewisse Gifte im allgemeinen sehr empfindlichen Eiweißmolekülen zusammensetzt, weist Mereschkowski auf die eigenartige Tatsache hin, büß wir heut eine ganze Welt von lebenden Körperchen kennen, die zu ihrem Fortbestel-en des Sauerstoffes der Lust nicht bedürfen, die Tem­peratur des siedenden Wassers ertragen, keine ber fhr die Pro- toplasmakörperck'en so charakteristischen amöboidenBewegungen aus- führen und vor allem die Eigenschaft besitzen, gegen die stärksten Gifte wie Morfin, Blausäure und Stryckmin immun zu sein. Das Baumaterial dieser Wesen, das Meresck/kowski als Myco­plasma bezeichnet, muß sich also von der Materie, die man gewöhnlich Protoplasma iArniboplasmai nennt, sehr wesentlich unterfck-eidcn. Tank seiner außerordentlichen Widerstandsfälstg-' feit, die es zu einem maljrenGiftfresser" stempelt, konnte es auf der Erde viel früher entstehen, als das Protoplasma unb hat sich schon gebilbet, als die Erdoberfläche in ihren meisten Teilen noch mit siedend heißen Meeren bedeckt war in deren sauerstoff- reinem Wasser giftige Salze in großen Mengen gelöst waren. Erst nach Aeonen, nachdem sich die Erdoberfläche und die Meere so weit ausgekühlt hatten, daß die meisten Metallsalze auskriftallisier- ten und eine sauerstoffhaltige Atmosphäre sich bildete, konnte, neben bem Mycoplasma, ein hoher organisierter Träger des Lebens, das Protoplasma, auftreten, aus dem sich eine andere Lebewelt der sich beroegenbm Schleimklümpchen, der Häckelschen Moneren aufzubauen begann, die anfänglich ju dem MncoPlasmawesen in feindlichem Gegensatz stehend, durch das fortgesetzte Zusammenleben gezwungen waren, sich anzupasse-.r. Dieser Gegensatz aber wurde die Ursache zur Ättstehung einer höheren Lebensform, bie zur ersten Arbeits­teilung zw«ks Erhaltung bes Lebens führte. Bewegliche Proto­plasmakörperchen, in die ein genetisch älteres Mycoplasmawesen einaewandert war, bildeten zusammen den ersten Typus der Zelle, wobei das Mycoplasma die Rolle des Zellkerns übernahm, wäh­rend das Protoplasma als Zell-Leib zu arbeiten begann.

Unfreiwilliger Humor auf bem Theater. Es war gegen das Jahr 1840, als Madame Dorval zusammen mit Bocage am Theatre Frau^ais bie Hauptrolle in Alexander

ans Ersvannsgründm. Der Rückgang in der «chulerzadl der Gymnasien dürfte doch zu Der Erwägung fuhren, ob nullt die Ülushebung des einen ober des andern Gymnasiums ei folgen könnte. Die Forderung, absolut teine neuen Oberlehrer an* zustellen, erscheine doch sehr schwer erfüllbar.

Geh Rat Süffert bedauert, datz es ihm nicht gelungert sei, den Abg. Köhler ganz zu befriebigen. Er sei ber Meinung, daß eine Spezialschule doch immer leistungsfähiger fein werde, als die Frauenschule. Deshalb könne auch die letztere mchtz dieselben Berechtigungen erhalten, wie die Fachschulen.

Das Kapitel wird darauf mit Einnahme 2 055 429 Mark unb in Ausgabe mit 3 035 330 Mark angenommen. Beim! Kapitel 34, Höhere Bürgerschulen, betragen bic Ausgaben 140146 Mark. . t t

Abg. Dr. Heibenreick wünscht hierbei, bau, bie Lehrer auf dem Lande für längere Zeit beibehalten und diesen Lehrern nicht zu große Lasten auferlegt werden. Man dürfe die schulen auf dem Lande nicht unterschätzen. . .

Tas Kapitel wirb barauf angenommen, cbenio Kapitel 40, Lehrerseminarien, pädaaogischer Kursus und Präparanben-An st alten, Ausgaben 342 722 Mark.

Bei Kapitel 41, Volksschulen, begründet Abg. Bäht einen Antrag, die Stellen von neun Schulinspektoren nur auf den Inhaber zu bewilligen. Dann bringt der Redner verschiedene Beschwerden vor, so die, daß bic Gemeinden gezwungen mürben* Neubauten für Schulen auszuführen, daß die Stunden ber Ford« lilbuiigsschulcn meist zu früh gelegt würden usw. Der Redner bespriryt bann unter großem Gelächter bes Hauses die Bestreu bungen bes Deutschen Gruß-Vereins unb plädiert bafür, daß im Interesse ber Gesundheit her Jugend auch in den Schulen diese Grußform einaeführt werben möge.

Geh. Rat Süffert widerlegt die vorgebrachten Beschlverden des Vorredners kurz und weist es ab, auf bie? übrigen Anregungen des Vorredners näher einzugel^en. Eine Verminderung ber Kreis-, schulinspektoren sei unmöglich, es müsse doch eine Schulaufsicht vorhanden sein. Enblich protestiert ber Rebner noch gegen ben Angriff bes Abg. Bähr ans den Kreisschnlmspektor von Bübingen. Ter Abgeorbnete habe in versteckter Weise einem ehrenwerten Mann den Vorwurf ber Diätenschinderei gemacht, ohne dafür auch nur ben geringsten Beweis erbringen zu können. Ein solches Verhalten gehöre auch zum Kapitel: Staatsbürgerliche Erziehung. Herr Bähr hätte doch wenigstens bie Anstanbspflickst haben sollen, bie Regierung voriger von seinen Anschuldigungen! zu verständigen. Er weise dieselbe so lange entschieden als um» wahr zurück, so lange der Abgeordnete nicht den Beweis dafür

nicht verursachen wolle. . , . , ...

Abg Breidenbach stellt dem entgegen, daß durch dreie Erspaniis die Gendarmerie rückständig werde. N

2a-5 Kapitel wird darauf in Einnahme nut 6270 Man und in Ausgabe mit 582 808 Mark genehmigt.

In Kapitel 32, Polizei, Ausgabe 145 792 Mark, mußten als Beitrag des Staates zu den Pol'»cikosten der Gemernden ein Zehntel bc; luirflid^cn Auswanbes) lo 000 Mark mehr erngcftellt Serben Das K.pitel wird ohne Aussprackw bennllrgt, ebertio itapiici 33, Vollzeikassen, 197 610 Mark Ausgabe (gegen das Vorjahr 24 000 Mark mehr infolge ber starken Steuerung ber ^erpslegungskoslen), Kapitel 34, Arbeitshaus Dreburg, Einnahme UtzOO Mark, Ausgabe 74 146 Mark.

Bei Kapitel 35, Kirchen, Ausgabe 483221 Mark, b-merkt Ma Wolf- Stadeckeir (Bbd.): Bei ben Grunbgebühren war Wer bie Lehrerbesolbung stets auf die Schule eingetragen irrorben. 3ekt verlangen nun die Kircknmbehörden, bau diese Betrage für die evangelisck^e und die katlwlllckx Kirck?e beionbers geehrt wer­den. Dem widerspricht der Redner mit dem Verlangen, baß bte sog Lehrerbesoldunqsgüter nicht auf ben Namen ber betreffenden Sär^e eingetragen, sondern der Schule verbleiben

Das Kapitel wird darach bewilligt. Kapitel 36. Landes- imkversität, wird auf Antrag des Abg. Dr. O> sann^zuruckgeittllt. frapitei 37, Technische Hock)>chule, Einnahme 333 623 Mark, ?lus- gabe 761 448 Mark, mrrb genehmigt. Bei Kapitel 38, («ymnastum, Nealgymnastnm, CberreaUdiuie usw.

kommt Geh Rat Süffert auf die von verschiedenen Rednern im Lause ber Generaldebatte geäußerten Wünsche zuruck. Be­züglich der vom Abg. Köhler-Worms angeführten Mangel der höheren Mädchenschule -hpsft der Redner eine baldige Abhifte