Sechstes Blatt
D. 290
161. Jahrgang
Eriche« tRßNch mti thtine^me kd Benntofi.
Die w<lr|f>CT JavrillenbUtttr** wrrtr dem ,Än4f!«irr* etermai a>dd)tnilt<t btigHtgi. bat eKr<tsblan fix Hb Krrb fielen*' ,menn«i »dchenilich. Die „XenöaHrflQaftlldX» Leit- erftbtmen menatltd) iweinukl
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesjen
Samstag, 9. Dezember 1911
floienontbvud unb Bola» der VrßdiAchSB UittxifuAtl - fhuh* uni 5'ftnbrudcrcL
K 8 ea e e. ®’rteu
Rebafftan fyprfttton anb Tnirfrvrt Schul- fhatt T typrOinon und Benag Mk* 6L IteOahioKfcefr 111 teL-$ihuiln*ei(jer«icben.
narb eS verflacht und sich selbst entfremdet, so sinkt eS schließlich zu bloßem Scheine herab. TaS muh and) das Individuum am eigrnm Leibe empfinden - es tonn nicht an erster stelle nach außen blicken und die Wirkung aus die Umgebung erwägen, ohne faß die Kraft des Ledens ünh und seine CiirfüMc ermatten, n«ird es dach aus innerer selbi'terHaltung ein bloscr Austausch von Wirkung und Geicnwirtung ur'prüng ie!>es Sckraff.n weicht nunmehr träger Gewöhnung, und eine geistlose Mechanisierung devnt sich weiter und weiter aus. Tie Arbeit sinkt zur Routine, und was feurige Liebe schus, das muh die Gewohnheit fas AlttogS und eine kühle Intereisenbcrechnung mühsam aufrecht erhalten. Zugleich iptidu der freudige Enthuiiasmus der fugend einem nüchternen Realismus, der Trägheitswid.rstand der Verhättniffc, den die Jugend so gering anschlug, wird nun roll anerkannt unb lähmt ahnt Cühmn AuNänvung. dasselbe jjilt von der Macht des Kleinen und Gemeinen sowie des Zufalls, der oft lange Arbeit und wohl angelegte Pläne in leichtfertigem Spiel zerstört. Ist es dem Indrvidiium zu verdenken, wenn cs unter solchen Eindrücken uiid ÜTtalmiiioeri das Verlangen nach einer Beherrfchnng der Tinge einstcllt und mögliche auf eine Anpassung an seine Umgebung b-dacht ist ? 9Iud) ist das gddlidwftlidx Leden, dem das Individuum sich jetzt dienstwillig einfügt, eifrig beflissen. Dem Gefühl innerer X.'ciTt enkgegenzuwirken, das jene Wendung nahelegt Tie Gesellschaft lüft cS an Anerkennung der Arbcits- letftung nicht fehien, iie versteht es, den Ehrgeiz des Individuums aiuuftndydn und seine Eitelkeit zu beschäftigen: auck» ersinnt sie nnt unermüdlichem Gijn Unteihaltungen und Zerstreuungen,Spiel, Sport uiw., die als Surrogate echten Lebens durch lcifanfd)aftlidK Erregung Augenblicks die X*c*rc des Ganzen verdecken möd)ten. Aber das Gefühl der Leere tKridx-udxm heißt nicht die Leere selbst überwinden: in aller künstlich erzeugten Erregung führeti die Seelen kein wahrhaftiges Leben, sind, sie innerlich tote Seelen, lind nun regt sich oft eine wehmütige Sebnfudit nach der Kindheit, nw das Leben in loeitem Ausblick vor dem Menschen lag, wo die Möglichkeiten sid) twch nidit eingeengt hatten, wo die Pulse kräftiger schlugen.
Sdtliefclid) versagen die Kräfte zur Arbeit, es gilt einen Rücktritt von ihr, das Grersenalter beginnt. Tiefer Abschied von der Arbeit, die mehr und mehr zu einer Bürde- wurde, mag zunächst rote eine Erleichterung und Befreiung mieten, zur Freude wird ieltf die Ruhe, der harte Kampf erlifd)t, eine weidwre Stimnuina kommt auf, als unbeteiligter Zuschauer wird der Mensch geredeter im Urteil. Tas Greisenalter ist die Zeit der Kontemplation, aber die Kontemplation hat sich hier von der Produklion geschieden: so hat, waS hier an Weisbeit entsteht, einen matten und unmidtttxnen EHarateer, es ist mehr geeignet, das Scheiden oom Leb.n zu erleid«ern, als diesem nnditräglid) einen Wert zu verleihen. Tie Beleuchtung, die sein Verlauf von hier aus erhält, wird eher dem Pessimismus als dem Optimismus günstig sein. Tie Natur gab ledern von uns ein Kapital in das Leben mit, aber dies Kapital war begrenzt, und wir baden es allmählich ausgezehn: waS sollen wir nun iwch beginnen'? Wir falten mancfa Erfolge, aber sie liehen die -Seele vergessen und verkümmern, und sie selbst geraten in Unsicherheit, wenn Zweifel an einem Sinn und Wert des Lebens im ganzen erwachen, dem alle Arbeit des Einzclnen dient. Und wie sollten sie hier nicht erwachen'? Wir strebten von Augenblick zu Augenblick und hofften stets mit Errrickmng der nächsten Höhe den lohten Anstieg erklommen zu haben, aber immer wieder erschienen neue Gipfel und zwangen uns weiter und weiter zu wandern. Tos Loben kam nicht zu sich selbst und faßte sich nicht ein Ganzes zusammen; io batten wir den Strom der Zeit nichts entgegenyuieben, sondern trieben wehrlos mit ihm dahin. £m Hoffen und Harren auf ein Glück, das irgendwoher kommen teilte, entrann uns die Gegenwart und schließlich daS gmue Loben, es war mehr ein Suchen und Haschen nach Leben, ein Lebenwvllen, als wahrhaftiges Leben.
Linewertvollcwaffensammlungim Berliner5eagl)aus.
Durch eine Zuwendung aus dem Dispositionsfonds des Kaisers ist eS fam Berliner Zeughaus möglich geworden, eine hochbedeutende Waffensammlung zu erwerben, Deren Reichtum an mittelalterlichen Schwertern das Zeughaus in dieser.Hinsicht zu einer der aller= reichsten Sammlungen der Welt macht lieber diese wichtige Neu erworbung gibt Tr. P o st in den Amtlichen Berichten aus den Königlichen Kunstsammlungen ausführliche Kunde.
Tie Sammlung stammt aus dem Nachlaß des ausgezeichneten Gelehrten Bietor Fav, der das ganze Gtebiet mittelalterlichen
Kunst- und Kuiturledns durchforschte und die Ergebnisse f mtt wichtigen Sammlungen u id Studien in einem Qror.cn, u in nm Lcbz.itcn nur bis zum Buchstaben G ersdüenenei, lerikalen Hand- bud'e niiderlkgte. Nach seinem Tode ging der grösste Teil Der reidifalhgrn .'hinfhamnilung, die Gan in mehr als 20 übriges Samnilertäliflfnt .uiuimmcnncbradn butte, als Bfrmui. tnv> an Den Louvre über Ein,eine '.'Ibteilungin aber nnirben veritr.g« rt, Mninter auch die umfängliche Wajicwammlung, die ein Pc. u>r Waffen Händl er auskaune. Tiefe Sammlung, die runb 170 < '.icke zähll, darunter 40 Sdxtmn-, 45 Tolche. 30 Stangen und Scklagwai'scn, 18 Sporen, L schmiedeeiserne Gesdiützrohre und btei Helme, ist nun in den Besitz des Berliner Zeugdause.' gelangt.
Tie Sammlung zeichnet sich nicht io durch hervorragende Steak von ho dem künstlerisdren Reiz aus, ald durch twllständige 'S nen von Waffen guten MiNriidüagcs. Besonders roidmg ist die Stbmerterfolge, die fast lückenlos die Entwicklui- v.-n der tränhidicn Spatba bis zum Renaffsaneesdui ert veranschaulicht. Tie sränkisdx- Spatha, die das älteste Suld Erstellt, füllt die empfindlichste Lücke in der Sdm>rrim"annnhing fa. Zen b.uifeS aus; sie ist eine vornehme Waffe, wie man auS d-.nn gut er fall cum Gesäß sehen kann, dessen Cisenteile früher noch mit edle ran Material geschmückt gewesen sein müssen. Vielleicht al. interessantestes Stück der (Sammlung darf ein frülyriymanildn..., bei Paris ausgegvabenes Scfawrt mit gut erhaltener Schcifa gelten, dessen stark verrostete und abg brochene Klinge fanilidx Spuren von TamaSziemng austveist. Mit dem Sdunert zusammen I mir ix die Oese einer silbernen EÄttelschnalle ausgegraben. u ren plumpe Pslanzenornamcnte aus vertieftem und vergoldetem Gninfa eine Tatierung in die vvrckristlidie Zeit wahrscheinlich machen. ToS Sd»rert aber kann nickst aus so früher Zeit stammen, fa die falb- kreisförmige Bildung des Knaufes die Waffe in d..-. 11 bis 12. Iahrfanderl weist. So must beim auch die^Annahme von (Wat) bezweifelt werden, der daS Schwett mit Ixt Schnalle in Zusammenhang brackste und es einem fricsisckxm Normannen auS der PZagerungszeit von Paris 885 in die Hand gab. (Sine Neifa sehr schöner Sckrvertcr mit feinen silbertauschierten Inschriften auf der Klingi- und schöngeschnittenen Sbtäuteit gehört dem 12. und 13. Jahrhundert an. Aus der großen Zeit von Scfavertern des 14. bis 16. Jahrhunderts ist eine fogennnnte Ochsenzunge bc^ merkenswert, eine derbgearbeitete nmchtiae Hausn ehr, bereu Sdwtt* beit auf ihrer Gebrauch.fähigkeit beruht Bon .> n 45 Solch-n, die vorwiigend dem 14. und Lj. Jahrhundert angelwr. n, gleicht xj't kein Stück dem anderen, und es entfaltet sich ein ‘-Hili* goti'cher irormircubiglett, bic sich an dieser leichteren Waffe freier au klebte als an dem ernsten Schwert. Einige dieser 'Tvlctzmesser sind ine Meisterwerke brr Waffenkunst.
Unter den Sdwtzwaffni der Sammlung steht in ersa-r Linie ein gotisckxr Topfhclm, her bis auf das zertrümmerte Sctr ilcL ück gut erhalten ist und eine Lucke bet Zeugfanssammlung ausfüllt. In einem lebendigen Gegensatz zu diesem ungefüge kraftvollen Kopfschutz steht eine dem 16. ober 17. Iahrhunfart angehörige elegante türkische Kessel Haube, deren Hauplzierfa die iilbertamdiicr- ten breiten Schriftzeichen, deren Sinn noch nu'. entiitjer* ist, und die vielleicht ein bloßes Tekorotionselement bilden, üarit.'icn.
$d}redensbilöer vom Leben in Tripolis.
Bon dem traurigen Schauspiel, das jetzt dir Strafen von Tripolis bieten, entnnrft im Journal der in J"rip 'ckenfa
französische Korrespondent Christian -Houel ftprccLic1 • tlfar
„Ein Mrmat ist seit der Besetzung der Stabt Trivi lis curch die Engländer verstrichen. Man müßte jetzt eine ^rlanh btj Todes aufstellen können. Aber die italienischen Bebörden sind zweifellos angesichts der riefenfaften Hekatombe vemick.lercc Menschenleben vor dieser Ausgabe mrucfaeschreckt. Man schätzlk vor der Eroberung die Bevölkerung der Stabt Tripolis aus 40 000 Seelen. Man wird von dieser Zahl heute 10000 ataivfan müssen, und vielleicht bleibe ich dabei noch hinter der Wahrh.-ii zurück. Noch immer kehren die Totenwagen, die nnauSgcsqu bi*1 Su> »t durchfahren, hvchbeladen von ihrer traurigen Nerse zunick. Zu Beginn der Dfhipation vermochten sie ityrer Aufgab nid-4 zu genügen, und der Leiter des Aerztewesens ntui,te ringeitefan: ,Lch bin gezwungen, die Toten au' der Straste liegen z» lassen, da es unmöglich ist, sie alle fortziffckwffen."
Täglich starben 400 Menschen. Man fat diese furchibaren Ste^eziffern unter der eingeborenen -’kfalfennig der 1 .ta zur Last legen wollen. Die Wahrheit aber ist, dost die meisten der Unglücklichen nicht an der Cholera, sondern Hungers starben.
Lranen-^euilleton.
Wenn Männer ihre grauen schlecht behandeln.
Salomonische Urteile fallen die Richter in Amerika. In Cbi- ligt> kam l B. jüngst ein Gfaitreitiglcitdfan zur Verhandlung, wo e- (idi darum handelte, dast der Mann seine Frau angeblich schlecht Ikbfliibelt hatte. Tic Frau war zur Verhandlung mit ihrem Balm
Ein schwierige» Problem.
Radikale Krittter haben den Töchtern und Söhnen Alteng- lands oft vorgenwrfen, sie seien das prüdeste Volk der Erbe. Der von 100 Abgeordneten aus allen Teilen Englands besuchte Kongrest der britischen Sckmnmmklubs unb Wasser'Portvereine, der gegenwärtig in London tagt, scheint bas Gegenteil zu beweisen und deutet jedenfalls daraus hin, dast Englands Tamemvelt nicht immer so prüde ist, als ihr Ruf sie erscheinen läßt Ter »ongrest sah süh genötigt, sich sehr ringe fand mit dem Badekostüm far englischen Tarnen zu beschästigen, das nickü immer in Einklang mit der strengen Lebensauffassung aller Schwimmer zu sein scheint.
Tie Vorsitzende des Darnenschwimmklubs von Brighton fühlte sich betvogen, aur dem Longrest einen Zusatz zu den Desnmmungen über ine Badetestüme zu beantragen, der eine heftige Auseinandersetzung und einen leidenschaftlichen Streit der Meinungen ennacktc. Der Antrag lautete; ,,Tarnen dürfen als Stoff zu ihrem Lafakostüm künftig mcht mehr Seide benutzen, und der Badeanzug must einen kurzen, wenigstens aber drei Zoll langen Aermri crfalten." Der Verband der Sckiwimnrklubs und Waisersportvernnc will mit dieser Bestimmung den in den letzten Iabren immer häufiger aufrreienfan Sritrfen „engherziger Serien" entgegen tret en. Tenn Altenglands schöne Töchter scheinen für ihre Kadekostüme mit Vorliebe besonders zarte und dünne Seidengewebe gen»Hi zu haben, die an Un» durcksichtigtent sehr viel zu wünschen übrig kiesten. Aber der radikale Vorschlag des Ta men i'dmrim mCute von Brighwn drang schliestlich doch nicht ganz durch. Auf allen Setten des grasten Saales der Memorial Hall sprangen die Abgeordneten auf, dem schmiegsamen Seiden ko stüm eriianoeu in der Schar der männlichen Schwimmer begeifert: Lobrcdner, und man einigte sich schliestlich barairi, dost nicht die Serbe an sich zu tadeln sei, sondern nur die mit ihr ort verbundene Turchficfargteit des Gewebes. Es emstand große Aufregung, als ein älterer Herr genauere 3uf3ämng darüber erbat, xocä man als burdflidgig betrachten dürfe, wo die Turchfichtigkeü beginne unb wo sie anffare. Schließlich endete die erregte Aus-
Das £eben -es Menlchen.
Don Geheimrat Prof. Tr. R. Eucken.
Dieser Abschnitt, den wir der neuen Auflage ,9.-12. Taufend) ®n Endens Pucfa „Ter Sinn und Wert des Lebens" entnehmen, nag unseren Lesern eine Vorstellung geben von der tief iitnerluben DarilellungSweise des Jenaer Philosophen.
Der Verlauf des Lebens durch die verschiedenen Lebensalter hindurch, wie die Grfaprung ihn zeigt, stritt sich als ein Auf- Zeigen unb ein Absteigen dar, damit aber alS ein überwiegender Seeluft, alS eine grofa Enttäuichung. Beim Eintritt in das Leben wird das Individuum Dom engen Greife der Seinignt steudig begrüstt und zärtlich gepilcgt, auch den Weg des Heran- ^vachsenfan befaren Liebe und Gute, und so wenig kleine Schmerzen '-nd Sorgen fehlen, sie stören die L> fansentiattung und die Lebens- lüft nicht wesentlich Ta die Tlbfangigkeit noch keinen Druck erzeugt, so entwickelt das Dndesaller einen Slanb farmlojni dstückes, zu b<m das spätere Leben sich oft wie zu einem verlorenen Paradiese zurücksehnt. Bann aber erwacht ein Verlangen nach Selbständigkeit, bas Leben brängt ins Freie unb Weite, der Mensch sucht eigene Dege und schliesst in Ireundscfaff und Licbc neue Verbindungen gegenüber den naturgegebenen; neue Triebe erwachen, neue Wünsche steigen out, schwrilendc finnlidK .'traft fahrt auch dem geistigen Leben fniditbare Antriebe zu. Ins Un- endliche geht hier das Sehnen und Hoffen, unbegrenzte Mög« hthteitm stellen sich zur Wahl vor den strebenden Geist, das ur- ilnüngttche Aufauellen frischer Kraft erzeugt das Otejuhl, daS dxn letzt die Welt ihren Lauf erst reckst beginne, erst jetzt die Sonne voll leuchte, erst jetzt Lust und Liebe ihren ganzen Zauber entfalten. Die Vergangenheit dünkt dabei lrickst eine bloße Vvr- ffljfc fallen, waS nun in bas Stadium der Entsck»eidung tritt, letzt wird die Zukunft geschmiedet, jetzt allen folgenden Zeiten her Weg geroieicn. Tie Jugend kann nicht so grost von sich benhn, ohne auch manche Sorgen und Schmerzen auf sich zu nehmen, die hochfliegenden Pläne selbst lassen das Unzulängliche uno Wieder strebende des Vorgefundenen Standes mit besonderer Gürte empfinden. Aber ein freudiges Sriaftberouf;6rin fdjopft daraus mehr einen Antrieb als eine Hemmung de-s Lebens: nudi eitet ein fester Glaufa an eine Macht der Vernunft und bei erechtigkeit im menicküicfan .'hrcifc, ein Glaube aud» an eine eberlegcnfait freien Hanfalns über allen starren Mechanismus.
Aus ber Zeit ber Entwürfe unb Pläne tritt ber Mensch mit dem Mannesalter in ber Zeit ber Arbeit ein, nun gilt es selbst öanb anzulegen, nun sein Vermögen durch die Tat zu erweisen: ein Berus wird ergriffen, eine eigene Häuslichkeit begrihtbet. las kann nicht gc'dufan ohne eine gewisse Verengerung dec Gebens, ohne ein Ein lenken in ruljige Bal-non. Aber wenn ber Sturm und Trang ber Iugenb verfliegt, so verflicht sich dafür bas Leben enger mit ber Wirklichkeit und gewinnt einen festeren Hoden: die Ziele stehen klarer vor Augen, und fas Wirken für he gewinnt an Sicherheit. Aus frudubarer Arbeit quillt Liebe mb Ircude hervor, sie vermag zur Hingebung und zu Opfern >u trnb.n, eine etIstsch bildende straff des Lebens ist unverkennbar 'Ukt bei aller solckxw Leistung kommt im weiteren Verlauf fac . rben (hi einen kritiscfan Punkt, den am meisten kritischen Punkt dn/eri-s ganzen Toseins. Die Werrdung zur Arbeit zwingt, fas Auge aus die Leistung zu richten, und lenkt damit den Menschen tont eignen Innern ab, sie verlegt den Schwerpunkt des Lehens nein und mehr in fas Verhältnis zur Umgebung und macht fas Individuum »um Diener ihrer Wunsche. Das ergibt so lange feine sckstvere Verwicklung, als fas Feuer der Jugend noch anhatt sind das Werk fas Tages erwärmt: aber allmählich erlischt jenes tfeuer, es erschlafft mehr unb mehr bie Jugendkrast ber Natur, tntö eS fragt sich nun, ob, was fainit verloren gebt, irgendwie rrsetzbar sei. Damit aber ist der kritisckre Punkt mrirfrt unb steh das Leben vor einer Enffckteidung. Nur geistige Kraft oerman ixe fintenbe Natttr zu ersetzen, sie könnte es aber nur, wenn bu «dfhge Anregung, die an fas Individuum flam, in ihm genügend Liurzel geschlagen Hütte, um ein selbständiges Leben zu führen und hm stamvs gegen die Hemmungen aufznnehmen. Ties aber gc ' shieht, wie rin unbestreitbarer Augenschein zeigt, in den weitaus weisten Fällen nick'!, bas geistige Leben wirb nicht sowohl burch i sich selbst als durch fas Tricbn»erf des gesellschaftlichen Lebens ! e.ffrecht gehalten: fas aber besagt gerade nach unseren Tat» kgungai iMosern ritten schroffen Widerspruch, als fas Geistes- jlcheu im Selbständigwcrden der Innerlichkeit sein Wesen hat; tzird eS demgegenüber unter eine fremde Ordnung gebeugt, so
als Ausnahme bekannt, nämlick der Richter Cleland in Chikaßo, I der felsenfest davon überzeugt ist, die meisten ehelichen Streitig* | feiten hätten ihren Grund m mangelnder Kochkunst der Ehefrau. Sobald nun dieser Richter über einen Fall zu entscheiden hat, wo die Frau ihren Gatten wegen „Grausamkeit" oder „Verlassen" vor Gericht gefordert hat, entscheidet er, zunächst habe die Frau ein paar Wochen lang für ihren Mann sehr gut zu kochen, unb wenn sic ihn eine Zeitlang von diesem Otesichtspuncie mt5 behandelt habe, könne sie ihren Fall noch einmal Vorbringen. Vor einiger Zeit soll dieser utervvürdige Richter übrigens 50 so entschiedene Fälle rum zweiten Male verhandelt haben, und das Ergebnis war, daß bei dieser zweiten Verhandlung in allen Fällen sowohl die Frauen wie die Männer bekannten, sein erstes, vorläufiges Urteil habe alle Streitigkeiten bei gelegt. St. F.
jinf dem Arm gekommen, und das erste, was der Richter nun an* । erbnrte, war, daß das Bahn dem Vater zum halten übergeben , würbe. Das Kinb befand sich in. dieser neuen Umgebung an- , fcrincnb recht wohl, und hierauf sagte der Richter: „Ich sehe, < kic können gar nicht so ein schleckner Gatte und Baler sein.
3d) verurteile Sie alte dazu, jetzt mit Ihrer Frau nach Hause , p gehen und die nächsten vier Wochen hindurch werden sic Köen Mend zwei Stunden lang mit dem Kinde aus dem Arme auf* und abgebenHierzu ist zu bemerken, faß dieses Urtril
einer Art Ebegerich! (Court of Tomestie Relations gefällt Mtbe, wie solche in vielen Staaten ber Union bestehen
Ganz eigentümliche Straten vslegen, wie eine englische Wochenschrift erzäblt, bic lalifomifthen Richter auf Grunb be- knbacr Gesetze gegen „schlecküe Ehcmärmer" zu verhäng en. Cf in Ifbtmann, der in Kattsomicn seine Frau verläßt, mutz darauf c faßt fein, zur Straßenreinigung verurteilt zu werden, kincrlei ob er nun em Crgclbrchcr ist ober zu den Spitzen der besellschaft gehört. Tatsächlid) sind solche Urteile wirklich ickwn Erhängt und auch vollstreckt worden. In Lllabama, woher diew Gesetzgebung zu stanrntzew scheint, war früher sogar eine noch bittere Art der Bestrafung üblich: Männer, bie ihre »yrauen fähigen, mußten zur Strafe die Straßenreinigung übern'•hm en ober in schlimmeren Fällen in den Kohlengruben Zwangsarbeit verrick'ten. Ter erste, auf fan dieses Gesetz angewendet wurde, 2ar ein schwerreicher Juwelier, der an fas Üppigste Leben ge- Wöbnt war. Ter Richter behandelte ihn aber nicht anders, als der ärmste Arbeiter int. gleichen Falle bcbanbeli n»rben ttäre, anb ber Juwelier mußte einen ganzen Monat hindurch bie Straften reinigen.
Einen humoristischen Beigeschmack Hat ein Urteil, bas ein itdjtcr in Brooklyn gegen einen schlechten Ehemann gefällt Haben teil, der feine Frau verlassen hatte. Tas Urteil lautete: ,,'od) »-'rurtrile isic, jede Woche mit Ihrer Frau unb Ihrem Jrinbc ftnen Ausflug nach Conen Island zu machen, sie täglich wenigstens ritmal zu füffen und ihr wöchentlich fünf Dollars zu geben, ferner müssen Sie ihr von Zeit zu Zeit einen Blumenürautz lTL:briugen. unb Ihrer Schwiegermutter dürfen Sie feine Ein* vi.ichung in den Hausbalt erlauben. Dieses Urtril bezieht sich tuf vier Wockxm. Wenn diese vorbei find, haben Sie hier bi tber zu erfcheincn, und wenn Sie das Urtril nicht befolgt klen, werden Sie wegen Widersetzlichkeit bestraft/ .
. Tie meisten der amerikanischen Eherichter neigen dazu, ffcv I cxi die Sette der Ehefrau zu stellen. Nur einer von ihnen isti
rinanbericBung mit dem Drichlusic, faß Enalcrnd-s Damen fünf zum Schwimmen nur Kostüme tragen bürrrn, „fan n S । m • durchfichtig ift7'. Damit ist freilich fas Todesurteil r jene ganz zarten, dünnen (Selbengeroebe gesprochen, bie sich bu brr bei ber badenden Damenwelt Englands einer ganz besonderen diebfa hrit errrniten. Aber bic schönen Englänfarinnen mögen sich famit trösten, faß es leicht hätte viel idjiimmer kommen können Tie w ise Mäßigung der Männer brachie wenigstens den Anttog, bie - kux - kostümc ber Tarnen mit Aerrneln zu Derfir, n, zu Fall, wenn auch im weiteren Verlaufe der Serhanblungni beschlossen wurfa, künftig Polowettkarnpfe an Wasser, bei denen bisher .Herren und Tamai gemeinsam kämpften, aufs Strengste zu verbieten.
Neber die Lpeisegerüche in der Lüche.
Wenn jemand zur Kochzeit an einer Küchentür vorubertkmmt unb es ziehen ihm seine Düfte, bie von kochenden Svrisen her- rüpren, durch bte Nate, so macht er urotMtlfirrlid) bre D<r.lerkung: ,Dm, — hier grhts was Gutes zu essen!" Diese Schlußfolgerung, so weit verbre>.!.t Re ist, ist eine irrige, bi* auf Unkenntnis her pbnfifalifchen Vorgänge, bie sich beim Kochen ber Sfaiier ab* spielen, beruht. Es müßten, wenn dieser Satz richtig wäre, bic Speisen um so besser schmecken: je feiner es vorher beim Zubereiken m ber Lüche geduftet hat, aber -s ist leider fas gerade Gegenteil ber Fall. Je ftärter cs in ber Küche nach ben einzelnen Speisen buftcl, je mehr haben dicselben an vlnonm verloren und um so fader schmecken sie nachher.
Beim Kochen auf dem .Vohlenherb, denen Fever nicht noch B^Xlri reguliert werden kann, verffüchiigen sich aber mdit nur bic aromatischen Teile ber Spriien, sondern, idäd noch schwerwiegender ist, es verdampfen auch die ^uhrialze, wodurch die Speisen an Nährwert bedeut end herabgesetzt rverben. Tiefer Umstand wurde bisher von der Hausfrau gar nicht gewertet: fic nahm es vielmehr bei ihrem alten tafaenbtrb als setbstverstandlich hin, faß beim Lochen auch ordentlich gedampft wurfa.
Heute liegt der Fall anders. Wir hab n ifasfarfa, L> renTrenner genau auf tue nötige üwchtemperatur, fac mristens sogar einige Grade unter dem Siedepunkt liegt, einstellbar find, so i ß <■; möglich ist, die Sfaifen gar zu locken, ohne faß fas Geringste daran verdampft, wodurch denselben fas volle Aroma und btc Ncchr-- salze erhalten bleiben. Lücheiidampte entstehen nur noch bei einer unaufmerksamen Köchin.
Konnten bie Verluste, so lesen wir in fam Kochbuch „T>e < '<_ Lche", von E. Ehrensberger, bie an Nährwerten bnre> t.e alte Lochmelhofa auf bem unvollkommenen Kohlcnherd <r - ' np,
auch nur annähernd gewettet werben, w würde [.nchi nach u weisen sein, faß bie Ersparnisse, bic auf einem ntofarr-m CfaeL t: mit Toppeliparorenner, nach freier Richtung erziel: werden, bei fan 6eurigen Lebeusmittelprrisen, bte Gasrccynung nahezu ccu-g.eichen.


