Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Darm stabt, 10. Ch. Die Beisetzung bc5 Land^agS- «baeordneten I Pennrich m Dingm sand heute nack>mi tag cuf dem dortigen Friedhöfe unter sehr zahlreicher Beteiligung satt. U a Holle sich der Staatsminister Tr. Ervald, KreiSral Steeg-Bingen, Äbg. Korell, Vizepräsident der 2. Kammer, Bürger- meister Nefs-vingen, fom« zahlreia^ Vl-georvnete, StoDii-rr* ordnete, Parteigenossen des Verstorbenen und Freunde einge- finden. Ter Trauerzug benagte sich vom Trauerhause, wo die Reiche ausgebahrl war, nach dem gegenüber dem Niederwald- denkmal mitten un:cr Reben gelegenen Friedhof. £)icr sprach veistl. Rat Engelhard das übliche Gebet, worauf Bürgermeister Neff-Bingen in bewegten Worten der Trauer der Stadt Bingen Ausdruck gab. Vizepräsident Korell gab im Namen der Kammer und befand. rS des Präsidenten HaaZ der Trauer um Pennrich Ausdruck, dabei der h roorragenden parlamentarischen Tätigkeit Pennrichs gedenkend, die immer ver- sShncnd wirkte. $bg. v Brentano widmete dem Entschla- s-nen im Namen der Zenlrumssraklion warme Worte. Ferner sprachen noch Stadtv. Ohler-Bingen im Namen der Zen- ^umSparlei Bingen, Redakteur F. Schmidt im Namen der Redaktion und des Verlags, Setzer Mey im Namen deS Per- itmald und Bahnbcamter Soder im Namen p.r Alters- g noffen.
m. Offenbach a. M., 10. Oft. Mit dem Bahnhofs- projekl befaßte sich heute eine dringliche Sitzung der Stadt- verordneten. Vor (Eingang in die Tagesordnung gab Stadtv Ulrich namens der sozialdemokratischen Sladtperordnetcnmchrhei! rir.e Erklärung ab, die sich gegen die Entscheidung des Kreisamtec hi ver Frage der Stellvertretung des Bürgermeisters richte!, b-S den Beigeordneten Porth und nicht den von der Stadtvcr „rtnetem'crsammlung gewählten Beigeordneten Rech zu Unrechi ;vm Stellvertreter des Bürgermeisters bestimmt habe. Nur die tiingliche Angelegenheit der Bahnhvfsfrage sei für ihn und seim lkreundc bestimmend, den Verhandlungen unter dem Vorsitz bei Jj'.fi. Vorth beizuwohnen. Tie Erledigung der Dalmhofsfragi. li.dete den Gegenstand einer eingehenden, dreistündigen Erörterung l"t handelte sich um die grundiätzliche Genehmigung des von dei (isenbahndirektion der Stadt unterbreiteten EntnmrseS, dann Vv. ersorderlick>en Mittel zwecks baldiger Inangriffnahme deo Imbaues twef) in den Voranschlag eingestellt werden können. Das Ergebnis der am landcspolizcilichen Prüfungstermin vorgebrachtcn Beschwerden gegen das bestehende Projekt rmtrbc eingehend erörtert link' die auf Kosten der Stadt auszuführendcnSonderivstnsche lcbhaf. l^vrochen. Tie gewünschte Unterführung der Sprendlinger Str., die 256 000 Mk. Kosten verursachen wird, wurde gegen die cl Stimmen der bürgerlick>en Parteien abgelehnt. Tie wesentlichster kTanderungen de- bestehenden Projekts, die auf städtische Kosten lluSaefübrt werden sollen, besteben in der Verbreiterung der Grenz sraben-Unterführung mit 16 000 Mk. Kostenaufwand, der Vcr>
lepinn des GelcisanschlusseS nach der Tempelseemühle vom Per- i'7 <mbahnhof nach dem Güterbahnbof mit 500000 Mk., Unter- 1 irnnp der Karlstraste mit 80 00Ö Mk. und Unterführung dei IhifenitraRe für den Fustgäirgervcrlehr. Die Versammlung crfiärh 'üb- schließlich gnindsätzlich mit dem durclcheratencn Vertragsentwurf der Eisenbahndircktion unter Berücksichtigung der von der Stadl .üuschten Abänderungen einverstanden und genehmigte den gc orderten Zusckpiß von 300000 Mk.
b Mainz, 10. Okt. Der 73jährige Tapezierer Karl 3 i) ü ö aud Wiesbaden hat sich heute nachmittag am Krematorium eine Kugel in den Kopf geschossen. Tie Kugel ging cn der oberen Stirnseite in den Kops und lief oberhalb der Schädel itde entlang und trat am Hinterkopf heraus. Von der Sanitäts- wache wurde der Lebensmüde in5 RochuShospital gebracht. In feinem Besitze fanden sich noch 39 Pfg. vor. lieber daS Motiv , »ui Tat gab der Greis an, er bekomme nirgends mehr Arbeit, .. v habe auch kein Geld, keine Familie mehr, das Leben habe kkShatb gar keinen Zweck mehr und sei ihm deshalb alles einerlei.
Hesjen'Najjau.
4- Dillenburg, 11. Okt. Heute nacht wurde auf der fr-'igen Güterabfertigung eingebrochcn. Ter Ticb wbe gestört und floh unter Zurücklassung einer Jacke. Er b iiig vom Vorsteherzimmer aus ein, versuchte mit einem Vrech- Idlen das Kassenzimmer zu öffnen, was ihm jedoch nicht gelang, kin hiesiger Polizeihund hatte die Spur ausgenommen, aber bis jchl wurde noch kein bestimmte.' Ergebnis erzielt.
w. Wiesbaden, 10. Okt. In der Nacht auf Sonntag hm es zwischen dem in einem Kiuematograplstmtheater nnne füllten Port er K rl Ludwig und dem Kellner Cactrno Palumbo lius Palermo zu ©trciagieuen, in bereit Verlaus Ludwig von skin.-m Gegner einen Messerstich in die Lunge und das Herz «hielt. Der Gestochene ist nunmehr den Verletzungen erleg en. — Okftcrn abenb kurz nach 8 Uhr wurde der Regierungs- luutkassenbuchhaltcr Hahn an der Straßenbahnhaltestelle Erben fam von einem elektrischen Wagen derart angerauut, tast er einen Schädelbruch erlitt und sofort verschied.
Gras Wolff Metternich vor Gericht.
4 Berlin, 10. Okt. 1911.
Tie Verhattdlung gegen den Grafen Wolif-Mettcrnich wurde . falte fortgesetzt.
Als erster Zeuge wurde der Blumenhändler Wiesbcck vcr- lemmen. Ter Angeklagte hat bei diesem im Januar d. IS. iien Strauß aus seltenen und sehr teuren Rosen bestes.t, der eine Dame abgelnfert wurde. Der Angeklagte bezahlte nicht i d gab auf verschiedene Mahubriese keine Antwort. Ein "ichlungSbeschl hatte keinen Er,olg und auch eine Pfändung »er- 1 V i ergebnislos. Ter Betrag von 50 Mark wurde erst im August faablt.
8cugc Tirektor Frei vom Hotel Esplanade bekundet, daß fa Angeklagte stets bezahlt habe, aber von ihm sechst wie auch t n verichiedenen Kellnern Bardarlehen erhalten habe. Ter Zeuge '-! durch den Angeklagten selbst davon Kenn.nis erhalten, das i c "ur 30 Mark im Monat von seinem Vater erhal e.
! Zu erregten Szenen kam es bei der neuerlichen Dcr- trniung des Zeugen Pauly, dessen Eigenschaft als General- rn.'r der Staatsanwalt bezweifelte. Er sei als Major aus der .in.glichen Armee geschieden, habe dann in China, Peru und tbura:- Kriegsdienste getan, wobei er zum Generalmajor er»
■3tr. it worden sei. Taß er gegen Geld Orden vermlt.ele, sei VtDahr. ^.ie Verteidigung beantragt hierzu, den Oberhofmeister d Kaiierm, Grasen v. Mirbach, fowie zwei weitere Hosbeamte
Zeugen zu laden. Bei einer Auseinandersetzung zwischen 5? rlningung unb Staatsanwalt warf der Angeklagte in sehr «regtent Tone bic Bemerkung hin, ber Staatsanwalt könne ber Ärttibigung vorwerjen was er wolle, ohne baran gehindert ii werben, und fragte, ob das etwa Gerechtigkeit sein solle. Cr.irall tm ZuschauerraumZ
Ter nächste Zeuge, Landrichter Dr. Dreist, ber die Dor- Versuchung in ber Klage gegen Stallmann alias Baron Korss- Süij geführt hat, in bic auch Graf Wolfs-Metternich verwickelt Ml, ist von seiner vorzes^t n B.hchde zur Aus- li.-i ermächtigt worben. Er bejtrctet aufs entschiedenste, daß LT! Anweisung bes Justizministers, bie Voruntersuchung nicht schließen, niemals ergang n sei. Gegenüber den Tar.cgungeu dki Zeugen Tr. Dreist bl.nbt ber Angeklagte aus seiner Be- । Tonung bestehen, xer 3mgc erklärte auf bie Frage des Staats- mraltes, der Angeklagte habe Briefe aus der Anstalt beför- Ecn lassen, die der Kontrolle des Unlersuchungsrichiers ent- MM worden waren. Als der Staatsanwalt die Ver.esung dieser beantragte, ger et der Angeklagte in höchste Erregung und «üiQnete die Angabe des Staatsanwalts als gemeine Lüge A::s,Metternich bemerkte iveiter, er hätte seinem verfehlten Leien ein Ende gemacht, wenn er nicht seiner Frau gegen- mn den Beweis liefern wollte, daß er ungerecht beschuldigt i
~ic Verlesung der Briefe wurde vom Gericht abgelehnt.
ricriminalkommissär Krüger gibt Aufschlüsse über den 3mgen Dulio und zwar an der Hand von Aussagen des Zeugen selbst.
kam es wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Als sich Maior hinreißen ließ, eine Behauptung des Staatsanwalts all gemeine Lüge" zu bezeichnen, beantragte der Staatsanwalt
■1.0
®WtakE|.| ibaug.B 't em.
tc9et unb '•*«15;
:'ä>on<fe' «nb bl 10 OovatiiL Ät1' Öe|',ctn nod|.
als (t±.
Äebeieh von (jintriit ‘ qc
* nit|U mannet
N°ch5üdcn nt hm btr D..Z W J ,e ^Qnmamgtn ßüae &n9LaUflanb M S‘ W.SMbtaJ »uft ciltung bci kciwühge Sanitati. Sinr am rl Qlk5ilUt3rcc9 1L
Leitung. Tam nnle .tn Stanbtä nicht nn jie sich veipslichtcn. Nch emjusinben. E; nach Beendigung bei -rden, man will Haupt- :n Kenntnisse möglichst rechnet bie Sanuäts- lern eine Anzahl von -lmg ihres Mitglieder- n Zweck ber AuSoilbun« nnen schreibt Genetal- ohllat sür iedcn Bet- iglüdttn besteht darin, nsgejahr entzogen uti iiche Behandlung, Ruhe nun auch jeder aut: :i verunglückten Neben. , so ist doch nicht jeder e wirllich zum Nuden tatlos da oder ergrciser ignelen Maßregeln uri den. Denn ost ist tr bevor man die Ankue chaben zu verhüten, ji icktcn dem Tode zu cm nie ein Verletzter auf- aif hierzu keiner weü i nur einer Mruw mmt; sie ist kein erste. :n nur eine M W Mm W* du Äandgr
Mrd, um die W Mrlandsverteidiger i- , Kriegsheercn tut enlte eingeübt, Wi-- Ä® !ÄSS ü
MU* nahten rst.
snntm". wrtw können u*lv ^mflrl!r.
te««»“’1 «ii ssZ-e OsO d d°n d«rw /z r°
-lij« »y* ißen u7n(ieifni»e. etu«»Ä ww;, ti s# "J $ü i0un9.0' a . ft- b'e,tto 4“ ’
s
eine Geldstrafe von 50 Mark. Dve Verteidigung richtete an den Zeugen Krüger noch verschobene Anfragen, denen ber Zeuge ledoch auSwich.
Tie Anträge der Verteidigung auf Ladung deS Grafen Mirbach sowie anderer Mitalieder der vofgesellsckxift wurden abgelebnr, gegen den Zeugen Paulo wegen Beleidigrmg der Staatsauioall- id>aft eine vorerst nicht zu vollstreckende Strafe von 24 Stunden vafl ausgesprochen. Ter Zeuge Pauly erklärt hierauf, er „verurteile" den Vorsitzenden wegen der in den Zeitungen wieder- gegebenen Behauptungen zu 1500 Mk. Geldstrafe. Ter Angeklagte wurde wiederum wegen einer Äußerung: „DaS wollen un- oarteiische Richter seinzu tirrer Disziplinarstrafe von Kostbeschränkung aus Wasser und Brot für 48 Stunden uerurttilt, ’ie er mit den Worten hinnahm: „Meinetwegen 100 Stund.-u bei Wasser und Brot, ober auch den Kopf ab! Die Richter sind moralisch gerichtet, die Oefsentlichkeit wird mir reckzt geben." Gras Metternich forderte bann eine Pause, da er essen wolle. — Nach deren Ablauf protestierte der Angeklagte gegen jede Disziplinarstrafe, da er bie Aeußerung lebiglicb seinem Sßertcibiger gegenüber gemacht habe, als sich der Vorsitzende bereits außerhalb des Saales befand.
Sodann fand die neuerliche Demebmuna deS Oberleutnants o. Fetter statt, der sich nochmals da»u äußern soll, ob er bte Absicht gehabt habe, Frau Dolly Pinkus zu heiraten und ob er Gesck-enke angenommen habe. Ter Zeuge erklärt hierzu, er habe nie bie Absicht gehabt, bie Tochter ber Frau Wertheim zu heiraten. Wohl habe er ein größeres Darlehen erbeten und zuerst 3000 Ms auf einmal und bann weitere 3000 Mk. in Raten von je 1000 Mk. erhalten Später sei er von Frau Wertheim an die Rückzahlung erinnert worden. Die Absicht, Frau Tolly Pinkus nicht zu heiraten, habe er wieberholt, so auch seinem Regimentskommandeur gegenüber, deutlich ausgesprochen.
Zum Schluß der Verhandlung gab der Staatsanwalt noch ein Aktenstück bekannt, wonach GrafSchulenburg trotz seiner einerzeitigen Angabe, er würde bem Angeklagten auch mehrere hundert Mark auch für andere als die von ihm angegebenen Zwecke lilr Verfügung gestellt haben, diesem selbst kleinere Beträge nicht geliehen hat. Dagegen hat er, um den Angeklagten vor dem Offen- tmrungSetbc zu bewahren, einen StunbungSantrag wegen der Gerichtskosten eingereicht und um kleine Ratenzahlungen gebeten.
Nachdem der Angeklagte noch eine Zusammenstellung seiner Schulden und ber abgezahlten Saträge gegeben hatte, würbe bie Sitzung auf morgen vertagt. Bei Beginn sollen sofort die Plädoyers ihren Anfang nehmen.
»
ErklärungenvonWolfWertheimundFrauWert- 6 ei m zum Prozeß Wolff-Metternich.
In ber Verhanblung bc5 Metternich-ProzesseS sind die Vorgänge im Hause Wolf Wertheim ber Gegenstand eingehendster Befragungen gewesen. Jetzt veröffentlicht Herr Wolf Wertheim im „Kleinen Journal" eine längere Erklärung, bie nach ihrem Inhalt sensationell wirken muß und jedenfalls noch weitere AuSeinairdersetzunaen zur Folge haben wird. Es heihi darin zunächst, seine Frau werde bic Anzweiflung ihrer Glaubwürdigkeit bis ins kleinste an der Hand von unzweifelhaften Akten in einer längeren Schrift widerlegen: sie sei nach den äußeren Umftänoen berechtigt gewesen, ihre eigene Unter» idjrift anzuzweifeln. Er wolle nicht auf bte Briese entgehen, ;ie man einem nervös erregten zwölfjährigen Kinbe t ä g» i ch abgerungen habe, um das Alibi für bie Entführung 'm er Millionenerbin zu haben. Tann heißt c5 weiter: Dr. Landsberger habe sich bie Spesen seiner Entführung mit 7 00Ö0 Mark von Frau Wertheim be- .; a fj l cn lassen und nachher noch (Weiber für Geschenke cingcforbert. Dafür halte er sich bei seiner Scheidung verpflichtet, sich nicht mehr gegm bie Familie Wertheim zu wenden. Er habe Wertheims Stieftochter Tolly durch seine Geliebte entführen lassen, ,ic er auf der Hochzeitsreise besuchte, unb bei anderen Besuclzrn 5en Namen von Prof. Simmel mißbraucht. Die Erklärung roenbei ich bann »egen Oberleutnant v. Vetter, ber im Prozeß als Zeuge aufgetreten ist, der vollständig als z u kü n f t i g e r M a n n von Frau ;>olly behandelt worden sei, und mit dem es erst im Januar zum Bruch gekommen sei. v. Vetter habe vom Wider- itanb seiner Mutter gegen die Verlobung gesprochen und bie Ab- icht geäußert aus bem Regiment zu treten, weshalb er auch beim Prokuristen Wertheims kaufmännischen Unterricht genossen habe. Tie Sicherung seiner Zukunft durch Adoption unb Ankauf eines Gutes u. a. fli bereits tm September v. I. in Aussicht 'genommen worben. Aul seine Bitten fei ihm, ba sich biefe Tinge tu die Länge zogen, eine fortlaufende materielle Zuwendung gewährt worden, die er bis zum ersten Februar angenommen habe: allmonatlich habe er
1000 Mark von Frau Wertheim geholt, die er beim Abschied in eine einmalige Zahlung umg'wanvelt haben wollte. Aus diesem Verhältnis des Herrn v. Setter zur Familie folgert Herr Wertheim, daß es sich bei den Hoffnungen des Grafen Metternich nur um Utopien gehandelt habe. Tiefer habe verschwiegen, daß aleich ihm andere ber Familie gleichgültige Herren harmlose Gäste im Hause gewesen, daß im Tezember dreimal wöchentlich Tanzprobcn von Frau Tolly mit einem andern Herrn stattfanden und sich niemand um b-*n irgendwo her- umsitzenben Metternich tommcr'.e. Am Silvester war Frau Wertheim erkrankt, unb Metternich, der bie Tischkarten legte, habe sich selbst zum Tischherrn seiner Tochter gemacht. Von Gästen darüber geneckt, gab Frau Wertheim Me:ternich jenen Auftrag zum Esplanade-Hotel, welcher den Erfolg hatte, daß bic Familie Wertheim über seine Schwinbelmanöver aufgeklärt würbe unb er nicht mehr bas Wertheimsche Haus beteten durfte.
Gleichzeitig veröffentlicht die „Vossische Zeitung" eine Zuschrift von Frau Wertheim, worin diese erzählt, sie habe am 19. September an bte Staatsanwaltschaft bie Bitte gerichtet, Schriftsteller Paul Goldmann zu laben, um eiblich festzustcllen, ob er im Auftrag gehanbelt hätte, als er ihren Mann, ihre Tochter unb sie, jeben einzeln in ber intensivsten Art unb Weise, beschwor, baß sie nicht zum Metternich-Prozeß fahren sollten. Er habe gezagt, aus ber Zeugin würde eine Angeklagte, eine Kata- tropfte würbe eintreten. Er sei von ihrem Mann im Hotel lebiglich um eine Gefälligkeit ersucht worben und habe gleich das Gespräch auf den Prozeß gebracht, bann am Abend das Gleiche bei ihrer Tochter getan, worauf sie ihn um Unterrcbung ersuchte. Derr Goldmann habe ihr wiederholt gesaat, daß sie vernichtet würde und sie gewarnt, nach Berlin zu fahren. Dr. Goldmann bat vorher im „Berliner Tageblatt" erklärt, er habe Frau Dolly Landsberger auf ihre Frage seine Llnsicht geäußert unb bann auf ihren besonderen Wunsch auch mit Herrn unb Frau Wertheim darüber gesprochen.
Kleine Tageschronik.
In der zweiten Nachmittaasstunde brach am Kurfürsten- bamm 127 in Berlin ein gewaltiger Dachstuhlbrand auS, der besonders die Wohnung des Afrikareisenden sHcobeniuS gefährdete, in der wertvolle Sammlungen aufbewahrt sind. Es gelang, die Gefahr zu beseitigen und des Feuers Herr zu werden.
In Helmbrechta (Oberfranken) wurde eine 17 jährige Schubmacherstochter, die mit ihrem Bruder vom Tanz beimkehrte, vor ihrem Elternhaus von zwei Fabrikarbeitern m 11 Zaunpfä hlen erschlagen. Sowohl der Bruder, mit bem die Arbeiter zuerst Händel anfingen, als auch die beiden auf das Hilsegeschrei der Tochter herbeieilenden Eltern sind äuss roheste mißhandelt worden.
An der Stadlarenze von Luckenwalde hatten zwei Knaben einen etwa drei Meter tiefen Gang in einen Sandberg gegraben, als die Seitenwand plötzlich nachgab und einstürzte. Zahlreiche Bewohner machten sich sofort an bie Befreiung ber Knaben. Der eine wurde bereits t o t an das Tageslicht gefördert, bei bem anberen hatten bie ärztlichen Wieberbelebungsversuche Erfolg.
In bem Dorfe Sßerron bei Lafleche würbe eine Frau e_r m o r b e t_, während bie übrigen Familienmitglieber auf bem Selbe beschäftigt waren. Als Täter würben zwei Solbaten ermittelt, die bei einem Einbruchsversuch die Frau mit einem Knüppel erschlugen. Sie gestanden die Tat ein.
In der Nähe des Bahnhofes Gesete entgleiste ein Güterzug. 15 Wagen wurden umgeworfen und teilweise stark beschädigt.
Infolge eines Felssturzes an ber Lime Belfort—« befangen wurde ein Güter » ug teilweise jertrüm« mert. Ein anderer Zug rannte in bte Trumme, hinein und erlitt ebenfalls große Beschädigungen.
Der berühmte spanische Torrero Machaauito wurde in bet Madrider Arena von einem Stiere tödlich verletzt.
Aus Rio de Janeiro wird gemeldet: Nach qtringet Unterbrechung haben die seit acht Tagen herrschenden Wolkew« brüche wieder begonnen unb unberechenbaren Schaben verursacht. Besonders schwer heimgesucht wurde die fruchtbare Gegend zwischen Port Jtajahy und Blumenau im Staate Santa Satbarini sowie die Stadt Blumenau selbst, deren Eutwohner deutsche^ Ursprungs sind.
Nach Meldungen au8 Südost-Colorado unb dem Nord- osten Mexikos sind bort weite Strecken überschwemmt. Viele Personen sollen umgekommen sein. Tie entstandenen Verluste sollen sich auf fünf Millionen Dollars belaufen. Die Lage ist ernst, ba etz an Lebensrnittel, mangelt.
21mtlid}tr Wetterbericht.
Oeffentlidje Wetterdienststelle Gießen.
DeiteiaiiSuchteu in Venen am Tonneisiag, oen lS. Oktober 1611; Zunächst heuer, irocken, tags marin, leichter Nach frost; fpäiec wieder Trübung, morgen Nacht milder.
Letzte llcidiricbtcn.
Tie Landtagkwcchl in Tarmflabt.
bS. Darmstadt, 11. Olt. Der Vorstand deS national- liberalen Vereins hat gestern den Direktor der LandeS- Hypothckenbank Bastian endgültig als Kandidaten für die Landtagswahl in Darmstadt ausgestellt.
Eine Folge brr engluchen Ausstande.
Lo ndon, 10. Okt. Wie amtlich befanntgegeben wird, bildete die Regierung auS Vertretern der Arboügeber und Arbeiter einen Jnbustrrerat, ber bic Aufgabe bat, Fragen, die Gewerbe st reitigkeiten betreffen oder geeignet sind, Streitigkeiten ftciDorjurufcn, zu untersuchen und eine geeignete Tätigkeit zur Beilegung und Mkürzung industrieller Auseinandersesrungen zu entfalten. Dieser Jndustrierat wird keine ZwangSbefugnis haben. ES ge» hören ihm je sechs Vertreter ber Arbeitgeber unb Arbeiter ber Hauptinbustrien, darunter ber Eisenbahnen an. Präsident iit Sir George Asquith vom HandelSamt, der mit bemerkenswertem (Srfolg für die Beilegung der Ausstände tätig gewesen ist.
Der italicnifch-türtifche Krieg.
Rom, 10. Okt. Die Agenzia Stefani meldet: Der Regierung ist mitaeteilt worden, daß ein großer Teil der Bevölkerung von Tripolis seit einiger Zeit Manael an LebenSmitteln leidet. Sie sandte infolgedessen das Militärtransportschiss „Garigliano" mit Lebensmitteln dorthin. „Garigliano" traf heute in Tripolis ein.
Vrrmittluni im italieniidi-tiirrifdjen Krieg.
Paris, 11. Olt Nach dem „Petit Parisien" steht ein Gesamtschritt der Großmächte zur Vermittelung zwischen Italien und der Türkei bevor. Die (Großmächte hätten bereits begonnen, ihre Ansichten hierüber auszutauschcn.
Unseren Anzeigenkunden zur gefälligen Beachtung
Um den größeren Anzeigen für die <5am8tat^mtmitrei! eine sorgfältige Satzausstattung zu sichern, empfiehlt eg sich dringend, die Aufgabe ein bis zn>ei Tage vorher zu bewirken. Bei der großen Menge der Anzeigen kann nur bei rechtzeitiger Bestellung eine wirkungsvolle Anordnung ge* währleistet werden.
Verlag der Sietzener Anzeiger.
IVO
Gunft des Publikums wie
Palmin (Pflanzenfett)
redtes
ablegen
vorbild-
'. Palmin
Palmona (Pflanzen-
liehe Qualität unterer Produkte.
H.Scblinck & Cie.Fl.=6.
)t auch „welch“ (febmalzähnlich) zu h
Butter-Margarine), die ficb jeden Tag mehr bürgern sowohl als Koch- und Backfett wie < als Brotaufstrich. — Das beweisen am betten zahllosen Nachahmungen, die gewiß ein
Amtlicher leit
Bekanntmachung.
Vetr.: Maul- und Klaueuscuche im Mrcije Gießen.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Ober-Hörgem und Ettingshausen erloschen ist, werden die über diese Ge- mark,ingeu augeordncteu Sperrmaßregeln hiermit aufgehoben. Tic Geiuarkung Lber-Hörgern wird dem gebildeten Bcobachtniigsgebiet zugeteilt. Die Gemarkunge» Grliuberg, Harbach, Hattenrod, Münster, Nicder-Bcssingeu, Nouuenroth, Lber-Vesstugeu, Lueckborn, RöthgcS und Rod- Heim uit Hof Graß scheiden auS dem gc.bildeten Beob- achtungAgebiet aus.
Gießen, den 10. Oktober 1911.
Großherzogliches Kreisarnt Gießen» f . ,
I. D.i Langerrnans. * > 1 >


