Ausgabe 
11.10.1911 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 259

Erstes Blatt

16J. Jahrgang

Mittwoch, 11. Oktober 1911

Der Slthrnrr Anzeiger erscheint tätlich, ander SonntaqS. Beilagen: viermal wöchentlich SirbenerZamllienblätter; zweimal ivöchenll.Nreir- dlatlsürdenNreirSieben <TienStag und Freitag); zweiinal monail. £anö> wirtschaflliche Zettkragen Ferniprech - Anschlnsse: WZW General-Anzeiger für Gderyessen h^n<Seiannc»numme Notatlonrdruck unb Verlag der yrühl'schen Univ.-Buch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Zernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.

ve,n aSvret»: monatlich75V^ viertel­jährlich Tlf. 2.20; durch Abhole- tu Zweigstellen monatlich 65 Pi.: durch die Post Mk. 2.viertel- jäbrl. auSschl. Bcstella. Zeilenpreis: lokal IbPs* auswärts 20 Mennig. E hefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich kur den politrschcn Teil: August Goetz: jur .Ferulle- ton', .Vermischtes' und .GenchtSsaal": R. Neu­rath; sür »Stadt und Land': E.Heß; iür den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umsafzt 12 Seiten.

Deutschland, Italien und die Türkei.

Ter Ruck an die Seite Italiens ist erfolgt. Wir können bas auch aus derKöln. Ztg " hcrauslesen, die interessante Betrachtungen aus Rom veröffentlicht, von denen man an­nehmen darf, daß sie von unserer dortigen amtlichen Ver­tretung herriihren. Es wird da zuerst gesagt, am goldenen Horn breche sich schon ietzt die Einsicht Bahn, die Fortsetzung des Widerstands der Türkei gegen Italien könne nur eine unnütze Steigerung her Ausgaben auf beiden Seiten zur Folge haben mit der Aussicht für die Türkei, am bittern Ende die Zeche bezahlen zu müssen. Tas heißt also, keine Macht, auch Deutschland denkt daran, in dieser Angelegen­heit irgendwie für Die Türkei einen Finger zu rühren. Ter amtliche Gewährsmann in Rom weiß es auci) offenbar, daß unser Botschafter in Konstantinopel bemüht ist, in diesem Sinne die Türkei bald zur Raison zu bringen. Nicht un­interessant ist die Begrünoung, die für eine solche Haltung Deutschlands ins Feld geführt wird. Zunächst glaubt man, der Türkei die Ueberzeuguug beibringen zu können, das; es für sie geradezu vorteilhaft fei, denBallast von Staats­anhängseln aus den Zeiten ihrer rein militärischen Erobc- rungsoolitik" abzuschuUeln. Und bann kommt folgender Trost für die Zukunft:

Gerade bi? engen Bande, die Deutschland mit Italien ver­knüpft, bieten, wie sie freilich auch das Maß für die (Stellung Deutschlands seinem südlichen Berbüttdelen gegenüber geliefert haben, die sicherste Gewahr für den 9htßen, welchen die Türkei sich von den Diensten Deutschlands und Oesterreichs versprechen darf. Tie amtliche Erklärung der italienischen Regierung, daß Italien den Besitzstand der Türkei, soweit ec durch seinen europäischen Zusammenhang überhaupt in sich möglich ist, erhalten will, ent­spricht durchaus den Anschauungen, die in allen mastgebenden italienischen Streifen herrschen. Ja, man darf vielleicht zeitlich unb politisch noch einen Schritt weiter gehen, indem man die Aussicht auf die Möglichkeit neuer Mächtegruppie­rungen öffnet, innerhalb Derer auch der Türket eine ehrenvolle und verheistungsreiche Rolle zugedacht sein könnte.

2er Gewährsmann derKöln. Ztg." verrät dann, es sei nicht wahr, daß der Dreibund nicht erneuert würde, es könne im Gegenteil eher eine Erweiterung auf die Mittel­meerpolitik in Frage kommen, nachdem man in Italien ein­gesehen hat, daß cS von Frankreich und England nur das erhoffen durfte, was es sich, der beständigen Mißachtung 1 einer Interessen müde, endlich selbst nahm, denn daß das englische und französische Mittelmeerabkommen nicht viel mehr als das Papier wert war, worauf es geschrieben wurde, erhellt zur Genüge aus dem, was mau über die wahre Auf­fassung in London und Paris über die italienische Aktion vernimmt: Ebenso töricht wie die Meldung von dem nahen Ende des Dreibunds sei freilich eine andere, wonach Deutsch­land als Dank für seine in diesen Zeitläuften Italien treu bewährte Freundschaft einen Hafen an der tripoti­tanischen Stufte erhalten werde. Davon könne natürlich keine Rede sein, aber es liege auf der Hand, daß unter Umständen eine Stärkung der Stellung Italiens im Mittelmeer einen Machtzuwachs des Dreibunds überhaupt bedeuten könnte.

Uns scheint das eine ziemlich phantastische Politik zu sein, zumal auch dieser römische Gewährsmann zugibt, daß in Konstantinopel eineaufgespeicherte Erregung" gegen Deutschland besteht. Und was diewahre Auffassung in London und Paris" ist, darüber gebe man sich nur feiner Täuschung hin. Sähe man in London das italienische Vor­gehen ungern, so würde Sir Edward Grey sehr bald ähnlich t'ingcgrifien haben, wie er es Deutschland gegenüber in der Marottosrage tat. Tie heute von uns verzeichnete Rede des Kriegsministers stellt ja auch die eigenen Inter­essen voran. Wir versprechen uns von dem marokka-

nisch-tripolitanischeii Zeitalter keineswegs eine S!är- tung der Stellung Deutschlands in der Welt.

Interessant ist noch, ivas in dem Artikel derKöln. Ztg." über Das Interesse Der Kuriean dem tripolita- nischcn Unternehmen, gesagt wird:

Schon als vor bald einem Jahrzehnt der früher für ganz be­sonder-, intransigent gehaltene Erzbischof Ferrari von Mailand im Heiligen Lande einem ihm zu Ehren vom italienischen Moni ul veranstalteten Festmahle beiwohnte, fetzte die Teiidenz ein, daß ^tali.ii selbst den Schuh seiner Missionen im Orient übernähme. Übcniu wie Frankreich hatte Dabei auch Italien vornehmlich wirt­schaftliche Interessen im Auge. Nicht zuletzt eine Frucht dieser wirtschaftspolitischen Spekulation ist Tripolis, wo zahlreiche Werke der Mission der Besitzergreifung vorgearbeitet haben. Neben den mit Ausnahme von Dreien unter italienischem Schutz stehenden Missionen entfaltet feit Jahren eine nur mittelbar mit der Murie zusammcnhungende Anstatt in Tripolitanien eine überaus frucht­bare Tätigkeit, der Baneo di Roma, eine Bank, Die, nut Geldern des Vatikans und der Kongregationen vor etwa einem Jahrzehnt gegründet, es mittlerweile auf ein Aktienkapital von hundert Millionen Lire ge­bracht hat und unter der genialen Leitung seines Präsidenten Pacelli wohl einer iwch gl an jcnDen Zukunft entgegengeht. Es liegt auf der Hand, daß ein so großes Unternehmen nicht in dem engen Ureis kirchcnpolitischcr Vorurteile unb Fiktionen zu bleiben vermag, uno so war denn schon längst der Weg zu gemeinschaftlich- fruchtbarer Arbeit aiigeöaljnt. Auf Die Initiative Paceltts hin hat Der Baneo di Roma leit Jahren in Tripolis ungeheure Ländereien aufgekauft, Kornmühlcn unb andere in­dustrielle Unternehmungen gegründet ober finanziert, fowie eine Zweigstelle der Bank errichtet. Ta nun das türkische Gesetz keine Gesellschaften anerkennt, sofern es nicht mittels eines tanerlichen Irodehs geschieht, io mußten alle öffentlichen Rechtsgeschäfte unter der persönlichen Firma des Herrn Pacelli erfolgen. Gerade weil aber die türkische 'Regierung wußte, baß hinter Dem einfachen Herrn Pacelli nicht nur bie mächtige römische Bank, sondern alle kolonialen Streife Italiens mit Einschluß der Regierung selbst fianben, so tat üc alles mögliche, um die Italiener an Der fricdlich- wirtschas'.lichen Erschließung Tripolitaniens, Deren die Türken ihrerseits sich doch als vollkommen unsähig erwiesen halten, zu verhindern.

Jtalicnische Versohnnngspolitik in Tripolis.

London, 10. £ ft. Der frühere Bürgermeister v o n T r i p o l i s , H a s s u n P a s ch a, ist von Den Italic- nern zum Vizegouverneur von Tripolis er­nannt worden.

Mailand, 10. Oft.Corriere dello Serra" weidet ali& Tripolis: Em A ns ch'l a g des Kommandeurs der L a n d!t n g s t r u p p e n, den die Araber neugierig lesen, besagt, Italien habe infolge Der Fehler der Türkei Tripolis beschießeit müssen, aber darnach getrachtet, bie Stabt, bet es ein Regiment der Freiheit unb Der Gerechtigkeit bringe, nicht zu schäbigen. Der zum italienischen Vizegouverneur von Tripolis ernannte frühere Bürgermeister H a s s u n, der durch seine Autori­tät die muselmanische Bevöllerung zu beruhigen wußte, hat die Stadt vor Plünderungen und Blutbad bewahrt. Ta viele tür­kische Offiziere im Hospital zurückgeblieben waren, indem sie sich als Aerzte ausgaben, so wurde bas Hospital zu einem Mittel­punkt Der Spionage, die mit den geflüchteten türkischen Truppen in Verbindung stand. Daher verfügte der Kommandeur Eagni die Ausweisung der Aerzte. Tie militärische Lage gibt nicht viel Anlaß zur Beunruhigung. Häufig eintreffenbe Ueberläufer erklären. Die türkischen Truppen hätten keine Führer und seien desorganisiert. Allnächtlich kommt es jedoch trotzdem noch zur Alarmierung, Da Die türkischen Aufklärungstr tippen sich der italienischen Vorpostenkette zu nähern versuchen. Tas Fort Sultania wurde in bie Luft gesprengt, nachdem die italienischen Truppen es geräumt hatten.

Giornale d'Jtalia" meldet, daß die Kabelverbin­dung mit Tripolis wieder hergestellt worden ist. Tribuna" veröffentlicht ausführlich Einzelheiten über den Empfang des neuen Gouverneurs von Tripolis, Admirals Borea Ricci. Tie Konsuln von Oesterreich, Deutschland, England, Frankreich, Spanien, Belgien, Griechenland, Schweden sowie dic- jenigen der Niederlande und Der bereinigten Staaten machten ihm ihre Aufwartung. Hundert arabische Häuptlinge waren zu­

gegen. Ter Gouverneur bewies ihnen gegenüber väterliches Wohlwollen unb Aufmerksamkeit. Ter Ulemma, der höchste Geistliche von Tripolis, küßte dem Gouverneur die Hand.

SiegeSfrende der Italiener.

Rom, 10. Olt.Mcssaggcro" weist auf die Bedeutung der militärischen Besetzung von M a r s a Tobru k hin, das der wichtigste Haseuplatz von Tripolis fei.Giornale d'Jtalia" meldet aus Tripolis vom 8. Cft: Zu Ehren des ersten italienischen Gouverneurs veranstal­teten die italienischen Ofsiziere in dem mit Fahnen und Bilderndes Konigspaares geschmückten Räumen des Konak einen Empfang, zu dem auch die fremden Konsuln er- schienen waren. Ter frühere Bürgermeister und jetzige Vizcgouverncur Hassun Earmauli hielt eine An­sprache, in der er Italien begrüßte, dessen Freund er stets gewesen sei. Tcr Empfang verlief sehr angeregt. In Tri­polis sind wieder n o r m a l e Z u st ä n d e emgetreten.. Mili- tärmusik spielt abends in großen Gärten bei der türkischen Kaserne. Tie Stimmung der Araber und Italiener ist günstig. Ein Teil der türkischen Truppen, der fünf Meilen vor Tripolis steht und sich in einer trostlosen Verfassung befindet, will sich ergeben.

Tie Besetzung von Marsa Tobruk.

Neapel, 10. £itII Matino" veröffentlicht über die Besetzung von Marsa Tobruk (einer der Haupt­häfen im Osten von Cyrenaika) am 5. Oktober folgende Einzelheiten: Sofort nachdem die Beschießung des Forts begonnen hatte, wurde eine Landungskompagnie ausge- schisst, die mit aufgepflanztem Bajonett unter dem Feuer von Schisfsgeschützen das Fort erstürmte und dort die italie­nische Flagge hißte. Tie aus dem Fort verjagten Türken, die sich ans die Verteidigung mit Gew ehr fe uer beschränkten, setzten das Feuer von den umlie­gen den Höhen fort. Tie nunmehr im Fort befindlichen italienischen Matrosen erwiderten mit wohlgezielten Schüssen. Allmählich hörte das Schießen der Türken auf; währenddessen hatte sich die Stadt ergeben. Sofort wurden Dispositionen für die Besetzung getroffen. Tic Stadt wurde in vier Wachoezirte eingeteilt; den Mannschaften wurde ausdrücklich anbefvhlen, sich nicht an den Frauen und an Privateigentum zu vergreisen und die religiösen .Gefühle Der Eingeborenen zu schonen. Sodann wurden die Häuser nach Waffen und Munition durchsucht und das Gefundene b^chlagnahmt. Tie Moschee unb das große Magazin er­hielten eine Schutzwache. Des Nachts feuerten die Wachen von Zeit zu Zeit aus Banden, die in räuberischer Absicht in die Stadt einzudringen versuchten. <

Weitere LaudungSvcrsuche der Italiener.

Konstantinopel, 11. Okt. Der Mutessarif von Ben Chasi telegraphierte, daß zwei italienische Panzer­schiffe in den Hasen c i n l i c f e n unb sich der Küste be- beutenb näherten, ba sie anscheinenb glaubten, die Truppen hätten bie Stadt verlassen unb sich ins Innere zurückgezogen. Die türkischen Truppen beschossen die Schiffe mit .Gra­naten unb beschädigten sie.

Nach einem Telegramm des Mubir von L o u i s o in Tri­polis sind zwei italienische Torpedoboote mit See- minen zusammengestoßen unb dadurch zum Sinken gebracht worben.

Bombardement von Terna.

Konstantinopel, 10. Okt. Dem Kriegsministerium wird gemeldet, baß am 7. Oktober ein italienisches Schlacht­schiff in Derna eine Truppenlandung versucht habe. Tie türkische Garnison habe dies verhindert. Daraus habe das Kriegsschiss die Stadt bombardiert unb die Kaserne, das Hospital unb andere össentliche Gebäude zerstört unb sei bann abgefahren. Die Türken hätten vier Tote unb 7 Verwundete gehabt.

Zwei türkische Segler anfgegriffen und wieder sreigelaffen.

Rom, 10. Okt. Zwei türkische SeglerPoseidon" und N i h a l z a d e l e r", die in den itqlienischen Gewässern beschlag-

Sabotage.

3n letzter Zeit wird bei uns, wie in allen Ländern, in Zeitungen, Witzblättern und Zeitschriften das französische Wort "Sabotage" als Bezeichnung für Llusschreitungen Der streikenden technischen Arbeiter häufig gebraucht. Tas Wort wirb zu einem internationalen Wort: deshalb wirb eS interessant sein. Die Mei­nung eines französischen Linguisten über Den Ursprung unb die Geschichte des Wortes ,/Sabotage" in seiner Sprache zu hören. Er schreibt urw: Tas Wort Sabotage ist kein neues französisches ^.ort, obgleich der ihm technisch bcigclegte Sinn neueren llr- '.pningd ist- Es stammt ausSabot", was schon im Keltischen k>a, ca, ka unD botou, wörtlich Holzschuh, bedeutet, grobes Schuh- roert und gleichfalls Hemmschuh für Karren. Tas Handwerk des Holzschuhmachens hieß schon früher Sabotage. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dem Wort auch nur diese Bedeutung bei gelegt, -tonn wurde die mit Der Techsel, dem Werkzeug des Holzschuhmachns, 'Saboteurs, verrichtete Arbeit an der Techselung

^olilchwellen sur Eisenbahnen auch Sabotage genannt. Tas ilt die ^er|te technische Anwendung des WortesSabotage" im guten 'Sinn, -tte Bedeutung von schwer tanzen, plump aus- areteit ober gar eine Arbeit wegen Ungeschicklichkeit verpfuschen, finden wir schon bei einigen Schriftstellerti des 13. Jahrhunderts; aber nur im verächtlichen Sinne. Erst durch bie organisierten Arbeiter Der letzten Jahrzehnte hat das Wort Sabotage Verwcn- Smng. gesunden als Bezeichnung sür schlecht verrichtete Arbeit, die ne aussuhren, um an gewissen Arbeitgebern tückische Rache ?u nehmen,^obne ähr Verantwortung gezogen werden zu können, ^u diesem tstnne kritisierte auch der PariserLichtkönig" Pataud La- letzte Theaterstück des Mitgliedes der Acadcmie Francaise, Äourget, mit Deriotiüierung, daß Die Arbeitergestalten Bourgcts leine richtige Sabotage aussühren. Eine Zerstörungswut, sagte ^ataub, sei keine Sabotage mehr und würde Dem Arbeiter ge- tjprlidjer als Dem Arbeitgeber, ba dieser ihn zur Verantwortung Stehen könne. Man kann Sabotage eine zum System erhobene Sorglosigkeit nennm, welche der Arbeiter durch Den Zusall enrschul- SeV?nn,- xie j^niltung dieser tückischen Gesinnung erfordert also Uebcrlegung, Um'icht und Mäßigung in der Bosheit. Tes-

fallen auch DieSaboteure" bald aus Der Rolle, wenn sie ui tcr Litze des Kampfes und des Streikes an Die direkte Zer- llorung ton ossentlicyen Einrichtungen gehen. Tiefe Wurerschei- rrungen 'ind nicht von Tauer, und können gesetzlich geahndet

werden. Dagegen ist Der Arbeitgeber beinahe machtlos gegen tückische, feige Sabotage. Der Bäckergeselle wirft eine Hand­voll Sand in den Teig '21 erger Des Meisters über das Weg­bleiben der Kunden. Jin Maschincnrauinfällt" so viel Staub in Das Schmieröl, daß alles heißläust und stillftehen muß. Bei der Montierung einer großen Maschine wird eine kleine Schraube vergessen oder eine halbgebrochene venvendet, Damit viel bezahlte Zeit verloren geht, wenn man nachher Dem Ucbel nachsorscht. Bei der Eisenbahn genügt cs, einen Draht halb zu durchschnetben, Damit ein Beamter, sobalD er das Ucbel entdeckt, alles zum Stehen bringen muß. Ter Saboteur will fein Unglück herbeisühren, "will nur Störung, '21 er g er. Leider ist eine Störung oft die erste Ursache eines Unglücks. Mit Sabotage beabsichtigen aber die Arbeiter nicht nur Rache zu nehmen, sondern auch weniger Arbeit zu leisten und mehr^Lohn zu erhalten, wenn der Arbeit­geber mürbe gemacht ist. Sabotage wird angeordnet, um einen renitenten Arbeitgeber, Den man durch BoykoNieren nicht ge- Tügig machen konnte, durch schlechte Arbeit oder durch Herbei­führung unwirtschaftlicher Umstände zu zwingen, sich den Gewerk­schaften unterwerfen. In dieser Hinsicht ist Sabotage auch eine Kraftprobe in Den modernen sozialen-npsen.

I. le Bihan.

9.

vv.v UVll

Schumann lecher für die

GießenerStadttheater. Tie Kinder der Ex­zellenz, Der bekannte Roman Ernst von Wolzogens, den der Versa,ser in Gemeinschaft mit W. Schumann leider für die Bühne bearbeitet hat, umerhielten gestern das gut besetzte Haus ein paar stunden lang. Tte jlatt durchgearbeuete Vorstellung, Die Herr Bakof leitete, hatte Schwung, und die Darsteller waren alle vor leichte Ausgaben gestellt. Tie Klischeesiguren der beiden verantwortlich zeichnenden Verfall er verlangen nichts weiter als durchschnittliche Mittel, um zu wirken. Erfteulicherweise erhoben sich einzelne Leistungen aber bedeutend über das erforderliche Maß. Herr Ba kos war cnn prächtiger, bärbeißiger Maior, Der nur im Gang ^ein wenig unmilitärisch war; un übrigen hatte ihm Die faule vriedensznt seinen Soldatenhumor treu bewahrt. Herr Kaiser radbrechte seinen Normann mit Geschick und Dernpera- ^nt, Herr G u h n e li^te seine Schwiegertochter unermüdlich, J -"och Vorschrift die Hacken zusammen und war ^Uerlemnam nur ein weniggewichtig", und auch alle Die anderen hatten ihren lebhaften Ameil am (Milden,

Besonders twch Fräulein de Brupn als liebliche Trudi und Fräulein De la Ehapelle als Asta. Fräulein Brehm war eine besorgte Mutter, Herr Rappeport ein blutjunger, glück­licher Bräutigam, Herr Volck ein wackerer Diener unD Herr Großer ein zutraulicher Verleger. Tie Harmlosigkeit unter­hielt die Zuschauer, die nicht mit ihrem Beisall kargten, anscheinend sehr gut, und auch am Schlüsse mußte sich der Vorhang noch mehrmals heben.

Fridtjof Nansen feierte am 10. Oktober in seinem Heim am Kristianiafjord feinen 50. Geburtstag. Für seine Ent­wicklung bezeichnend ist, daß er, kaum 20 Jahre alt, als ein echter Nachkomme der alten Wikinger seine erste Eismeerfahrt auf dem SeehundsfängerViking" unternahm. 1888 und 1889 führte er die allgemein bewunderte Turchquemng Grönlands aus Schneeschuhen aus. Turch seine Expeditwn hm Nansen der Be­nutzung des Schneeschuhs auch in Mitteleuropa Bahn gebrochen. Aus seiner großartigen Expedition auf der berühmtenFram" in den Jahren 189396, die er in seinem klassischen Buche In Nacht und Eis" beschrieben hat, bewies er, daß um den Nordpol kein Festland sich ausdehnt, sondern eine ungeheure über 4000 Meter tiefe Tiefsee; er machte damit all den Fabeln, die auch in der Gelehrtenwelt im Schwange waren, endgültig ctn Ende. Seiner Liebe zur Erforschung der Polarländer blieb er treu, auch während er norwegischer Gesandter in England war xjcfct erscheint von ihm ein epochemachendes WerkNebelheim" bei Brockhaus. Nansen entrollt darin ein grandioses Gemälde der unbekannten Entdeckungsgeschichte der nördlichen Länder dar­unter auch Deutschlands.

Kurze Nachrichten aus Kunst- unb Wissen- [ajaft Im Oktober gibt Hugo von Hosmannstal im Insel- Verlag einen Band gesammelter Werke heraus, der seine ge­samte Lyrik, die Vorspiele und die kleinen Trarnen, darunter Tor und -tob",Die Frau im Fenster",Der weiße Fächer" usw enthalten wird; das Buaj wird z tucarf tonen. Ausstellung }u iojia 1912 Tte internationale Ausstellung in Soüa

? croTmct und am 31. August (13. Sep»

tember, 1912 geschlossen. Xie Ausstellung wird sämtliche Er- zcugniisc der Industrie, d?s Handels, der Landwirtschaft Dei jiunit, des Unterrichtswesens, der Gesulipheitslehre, Der Nab- rungsmtttel ynD des Lportwefens umfassen. " , aHr