Ausgabe 
11.4.1911 Zweites Blatt
 
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Nr. 86

Zweites Blatt

161. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

DieSiebener $amilienbl8ttcr werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Nreisdlatt für den Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

vittlstag, 11. April 1911

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch» und Steindnrckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und $ ruderet: Schul­straße 7. Exvedition und Verlag: 51.

Redaktion:b^ll2. Tel.-Adr.:AnzergerGießen.

Lin musilpSSagogischer Kongreß

~ Berlin, 10. April.

Unter zahlreicher Beteiligung von Musiklebrern und -Lehre­rinnen, ausübenden Künstlern, Kom'civatoriiunsinhabern und an­deren interessierten Persönlichkeiten begannen heute vormittag im Sitzungssaale des Neichstagsgebäudes die Verhandlungen des 5. Musilpädaflogischen Kongresses.

Ter Vorsttzende des Musikpädagogischcu Berbaitdes, Professor K u l e n k a m p f f (Berlins, begrüßte die Erschienenen und schloß mit einem Hoch auf den Katser, den Schirmherrn der Musik, ait den ein Huldigungstelcgramm gesandt wurde. Tcm ReichStagsvräsi- benten Grafen Schwerin-Löwitz wurde telegraphisch der Tanl der Versammlung für die Ueberlassung des Äeichstagsgebäudcs zum Ausdruck gebracht. Die erste Schriftführerin Fräulein Anno Morsch (Berlin) erstattete den Bericht des Vorstandes. Er be­schäftigte sich vorwiegend mit internen Arbeiten dcS Vorstandes.

Sodann sprach Hans Schaub (Berlin) überDie soziale Lage der deutschen Musiklehrenden". Der Redner ging davon aus, daß es unbedingt ttotwendig sei, die soziale Lage der Musiklehrenden auf ein höherem Niveau zu bringen. Die Musiklchrenden würden in ihrer Stellung nicht so gewürdigt, wie sic es verdienten. Andererseits sei eine Ucbervroduktion an der gegen­wärtigen Lage der Musiklehrenden schuld. Durch das Hebet» angebot von Kräften schaffe man ein Unterangebot von Hono­raren. Es sei eine Schande, daß für Privatstunden in Musik Preise gezahlt würden, die jeder Handwerker und jeder Tage­löhner ablehnen würde. Viel Unfug werde auch mit den Titeln Konservatorium" undakademisch gebildet" getrieben. Es gebe auch heute noch von Professoren, die den Diskant vom Diskont zu unterscheiden wüßten. (Heiterkeit.) Jeder staatliche Titel sei geschützt, aber die privaten Titel könnten von jedem benutzt werden, mag es sich auch um einen früheren Gemüsehändler, einen ver­krachten Kaufmann oder einem ehemaligen Hausierer handeln. Das Aneignen solcher Titel sei nicht strafbar. Es gebe namentlich in Berlin eine ganze Menge von solchen Schwindelinstiluten, so eine Mozartschule, G. m. b. H. An ihr unterrichte ein 14jähriger Junge in Musik. Abgesehen davon, daß ein 14jähriger Junge überhaupt nicht unterrichten könne, würden dieLehrer" dort außerordentlich schlecht bezahlt. Für ca. 56 Wochenstunden erhalten sie monatlich ein Ansangsgehalt von 30 Mk., das bis zum Höchstgehalt von 80 Mk. steigt. Wenn sie 15 Jahre für das Institut gearbeitet haben, erhalten sie ein Viertel des letzten Gehalte- als Pensum, doch fällt diese Pension sofort weg, wenn Der Bezieher etwa Privatstunden erteilt. Hier kann nur eines helfen, nämlich der vom Verband geforderte Befähigungsnach-- meis zur Eröffnung eines Konservatoriums. Der Redner wendet sich ferner gegen die Konkurrenz der Volksschullehrer. 3um Schlüsse geht Redner auf die Lusibarleitsstcuer ein, die er als einen Anschlag auf die Kultur bezckämet. Sie sei die lmtst- ieiirdlichste Steuer, die man sich denken tvnne. Der Redner schließt, mit einem Appell an Presse und Oessentlichkeit, die Bestrebungen des Musitpädagogischim Verbandes zu unterstützeu.

Die folgenden VorträgeDer Einfluß des nwderuen Lebens auf die Gesangskunst und das Gesangsiustrumeut" (Frl. Cornelic nan Zanten-Berlin) und-Die wissenschaftlichen Grundlagen des sogeuanuten Tousatzes" ^Oberstabsarzt Di. Barth-Berlin) Loten lediglich fachwifseuscl/astlicheS Interesse.

In der Nachmittagssitzung sprach Frl. Auguste Sprengel ''Berlin) überDer Stand der Privatbeamtenversiche- rnng und die Allgemeine Deutschs Pensionsanstalt". Tie Referentin empfahl den Anschluß an die Allgemeine Deutsche Pensionsanstalt, um im Aller vor Sorgen und 9lot geschützt zu sein.

Lin Handschreiben der Königs von Württemberg.

Stuttgart, 10. April. Der König hat an den Bürgermeister Dr. Rettich nachfolgendes Handschrei­ben gerichtet:

Mein lieber Oberbürgermeister Tr. Rettich! Obwohl ich be­reits am Tage unserer stlbernen Hochzell Veranlassung geiwm» men habe, Ihnen als gegenwärtigen Vertreter meiner Haupt- unb Resibenzstadt Stuttgart für die namens der hiesigen Bürger- ichast ausgesprochenen Glückwünsche und die uns bereiteten Hul- oigungen mündlich zu danken, ist es der Königin und mir im Rückblick auf die so schön verlaufene Feier hoch ein Bedürfnis, unseren herzlichsten Lank nochmals auch auf schriftlichem Wege darzubringen und dabei zu betonen, wie sehr wir uns der ganzen Bürgerschaft verpflichtet fühlen, für die zahllosen, uns an diesem Tage bekundeten Sympathiebeweise aller Art, für den uns überall bereiteten herzlichen und jubelnden Empfang, für die großartigen, künstlerischen und sonstigen Veranstaltungen in der -stabt und vor dem königlichen Schloß, die sämtlich einen so harmonischen und roüröigen Verlauf genommen, haben. Noch ganz besonders haben wir für die uns von dem Gcmeinderat und dem Bürger- Ausschuß am 8. April überreichte kunstvolle Adresse zu banfen, worin u. a. auf die großartige fortschrittliä)e Entwicklung der Stadt, des Landes und des Reichs auf allen Gebieten des po- Illifchen und wirtschaftlichen Lebens während der letzten 25 Jahre hingewiesen und dabei auch unserer fördernden Teilnahme und Unterstützung in ehrenden Worten dankbar gedacht wird. Auch ich sehe auf diese Zeit mit stolzer und freudiger Genugtuung, aber auch mit Dank gegen Gott zurück. Und an den noch vor uns liegenden Aufgaben zum Wohl unserer Haupt- und Re­sidenzstadt und ihrer Bürgerschast mitzuarbeiten und sie mit un­serem Dank durch die Tat abzustatten, wird auch der^Königin und mein stetes aufrichtiges Streben fein. Indem ich Sie bitte, diesen unseren Dank zur Kenntnis der Bürgerschaft und aller derer zu bringen, die zur Verherrlickmng der Feier beigetragen haben, bin ich Ihr gnädiger König Wllhelm.

Ter Borgende des w ü r t i e m b e r gis ch e n Jour­nalisten- und Schrift steiler Vereins, Redakteur Adolf Heller, hat aus dem Königs. K ibinett ein Schreiben erhalten, das der württembergischen Presse den Dank des Königspaares für ihre Tätigkell zum silbernen Hoch­zeitsfeste übermittelt. Das Schreiben lautet:

Ich habe nicht verfehlt, die mir von Ihnen im Namen des Wirrtembergischen Journalisten- und Schriftstellervereins über­gebene Abresse Ihren Königlichen Majestäten zu überreichen, die für die freundliche Test nähme an ihrem Familienfeste und die zur heutigen Feier dargebracksten Glück- und Segenswünsche von Herzen danken lassen und bei dieser Gelegenheit den Unterzeichnern der Eingabe gern zum Ausdruck bringen, wie freudig und wohl­tuend sie durch die Art und Weise berührt waren, in der die gesamte durch Sie vertretene Presse dieser Feier gedacht und damit das Ihrige dazu beigetragen hat, den Tag zu einem fest­lichen und volkstümlichen zu gestalten. Indem ich Sie bitte, diesen allerhöchsten Dank zur Kenntnis der Beteiligten zu bringen, bin ich mit der Versicherung vorzüglicher Hock>achtung Ihr er- g eben er (gez.) v. Soden.

Der bericht des Reichsschuidenausschuffes

über seine Tätigkeit im Rechnungsjahre 1910 ist dem Reichs­tage sugegamjen. Nach diesem Bericht hat die Reichsschulden­verwaltung im Rechnungsjahr 1'JlO 20 Mill. Mark Schuld­verschreibungen der vterprozeilligen Reichsanleihe von 1910 und 5 Mlll, Mark Schuldverschreibungen der vierprozentigen Reichs­

anleihe von 1911 ausgefertigt. An Zinsen sind für Die Reichs­schuld im Rechnungsjahr 1909 157 658 413 Mark gezahlt wor­den. An Reichskassenschcinen befanden sich Ende Februar 1911 120 Mill. Mark im Umlauf und zwar für 88 097 980 Mark Zehnmarkscheine und 6 Millionen Stück Fünfmarkscheine. Die älteren von 1874 und 1882 finb eine wgen worden. Bis zum Schlüsse des Monats Januar 1911 beliefen sich die in das Reichs- schuldbuch eingetragenen Buchforderungen auf 1 005 661 800 Mk. in 16 538 Konten, das sind mehr 195 470 700 Mark und 3594 Konten gegen 1910.

Im Rechnungsjahr 1910 hat die Reichsschuldenverwaltung 33 300 000 Mk. Schuldverschreibungen der vierprozentigen deutschen Schutzgebietsanleihe von 1910 ausgefertigt. Ter Bestand des ReichSinvalidenfonos betrug Ende Januar 1911 35 478 400 Marl gegen 91010119 Mark un Jahre 1910, ist also um mehr als 55', Mill, verringert worden. Die Ver­bindlichkeiten des Reicksinvalidenfonds beliefen sich am gleichen Zeitpunkte auf über 23 Millionen Mark, so daß am Schlüsse des Rechnungsjahres 1910 ein Bestand von rund 7'/2 Mill. Mark verbleibt, weil der Kurswert der Wertpapiere des Reichsinvaliden- fonds zurzeit nur etwas mehr wie 30 Millionen beträgt. Ter Bestand des Hinterbliebenen Versicherungsfonds be­trug Ende Januar 1911 51 486575 Mark. Im Rechnungsjahr 1910 hat die Reichsdruckerei an Banknoten im ganzen 1035 650 000 Mark hergestellt.

Lusti-Wahrt.

Zeppelins Fahrt nach Frankfurt a. M.

.Wenn auch die Fahrt des Zeppelinballons nach Frankfurt schon seit längerer Zeit vorbereitet war, so mußte sie gestern doch überraschen, da die Wiiüwerhättuisse keineswegs günstig waren. Trotzdem kam es gut und wohlbehalten in Frankfurt an. Die Weiterfahrt nach Düsseldorf, mußte es aber wegen der drohenden Wetterlage nach kurzem Versuck)e als zu gewagt anfgeben, und übernachtete in Frankfurt. Wir erhielten seither tolgenbe Nach­richten:

Frankfurt a. M.,10. April. Tas LuftschiffDeutschland" fuhr mit günstigem Eüdwest von Baden-Baden bis Heidel­berg, dann bekam es Südwind. Es fuhr mit einer Ge­schwindigkeit von durchschnittlich 80 Kilometern. An der Fahrt nahmen 15 Passagiere teil, darunter der Ober­bürgermeister von Baden-Baden, der die Fahrt weiter fort» setzen will. In Fraitkfurt ist Oberbürgermeister Adickes zuge­stiegen, um nach Düsseldorf mitzufahren. Die Fahrt nach Düssel­dorf soll auf möglichst direktem Wege erfolgen. Im ganzen werden sie 18 Passagiere mitrnachen.

Frankfurt a. M., 10. ?lpril. Tas Zeppelin-Luftschiff Deutschlaird" kam um l'/s Uhr hier durch und steuerte der Landungsstelle au. In feiner Begleitung befindet sich der große Eindecker des Eulerpiloten Reichardt, der ihm von Darmstadt bis nach Frankfurt das Geleit gegeben hat. Das Luftschiff ist um 1 Uhr 36 Min. nach kurzer Bogensahrt über dec Stadt aus dem neuen Flugplatz am Robstocker Wald glatt gelandet. Ebenso der ihn begleitende Euler-Apparat. Das LuftschiffDeutschland" ist um 2 Uhr 55 Min. zur Wellerfahrt nach Düsseldorf auf­gestiegen. Unter den 18 Passagieren befindet sich auch Geheimrat Schoeller von der Diskonto-Kommanbitgesellschaft in Berlin.

Aufgabe der Weiterfahrt.

Frankfurt a. M., 10. April. Das LuftschiffDeutsch­land" schlug nach seiner Abfahrt zuerst südwestliche, bann westliche Richtung ein. Es bewegte sich, von Frankfurt aus fortwährend sichtbar, die ganze Taunuskette entlang uni) kehrte schließlich in großem Bogen nach Frankfurt zu­rück, wo es eine Viertelstunde lang über der Stadt kreuzte, um bann um 41/i Uhr auf dem Flugplätze wieder zu landen.

Frankfurt a. M., 10. April. Zur Rückkehr des Luft­schiffes ertlärtc Direktor Colsmann: Kurz vor ihrer Abfahrt seien die Lustschiffer von Aachen dringend ge­warnt worden, die Fahrt an den Rhein zu unternehmen, da die Windverhältnisse infolge einer Stärke von 1214 Meter die denkbar ungünftigtat seien. Die Luftschisser traten dennoch zu­nächst die Fahrt an. Sie merkten bann aber, daß im Gebirge sich ein Gewitter angesammelt, und daß auch die Windverhältnisse schlechter wurden. Man schwankte zunächst zwischen der Rückkehr nach Baden-Baden und einer Landung auf dem Frankfurter Landungsplatz. Sie entschlossen sich zu letzterem. Das Luft­schiff ist völlig intakt, gut verankert und wird die Nacht über in Frankfurt liegen bleiben.

Die W eiter fa hrt nach Düsseldorf.

Frankfurt, 11. April. DieDeutschland" erhob sich um 8.36 Uhr mit 15 Fahrgästen und fuhr nach dem Rheintal davon. Um 9.10 Uhr wurde sic in Wiesbaden gesichtet.

Gcrichrsjaal.

fc. Rendel in Oberhessen, 10. April. Der Milchhänd­ler Wilhelm Greb von Rendel, der wegen Milchpantscherei schon öfter die Gerichte beschäftigt hat und zuletzt deswegen zu einer dreimonatlichen Gefängnisstrafe verurteilt wurde, sollte sich heute vor dem Schöffengericht in Frankfurt a. M. wegen einer Milch taufe verantworten. Greb hatte vorher beantragt, die Sache vor dem Sck)öffengericht in Vilbel zu verhandeln, doch war der Antrag abgelehnt worden. Heute war Greb nicht erschienen und hatte sich schriftlich ent­schuldigt, worin er bemerkte, aus geschäftlichen Gründen nllht erscheinen zu können. Das Gericht erließ gegen Greb einen Haftbefehl, weil es die angeführten .Gründe für eine faule Ausrede erachtete.

fc. Wies bade n, 10. April. Tie Anwalts kammer für den Bezirk des Oberlandesgerichts Frankfurt a. M ver­urteilte den Rechtsanwalt Stryck von hier zu 2000 Mark Geldstrafe und einem Verweis. Der Vertreter der Anklage hatte Ausschluß aus dem Anwaltsstanöe beantragt.

Dcrmiicbtes.

* Die Abrechnung für das Bundes schießen in Hamburg. In der Schlußsitzung des Hauptausschusses für das 16. Deutsch Bunbesfchietjeü in Hamburg i'JUU nnuoe öie Schluß­abrechnung vorgelegt, die einen Bruttoüberschuß von 108 000. Mart aufweist. Nach Abzug der Unkosten, Ehrengaben, sowie Ueberweisung von 15000 Mark an die Erben des auf dem Feste tödlich verunglückten Schützen Schmidt, 10 000 Mark an die Abgebrannten aui oer Vogcucneie in Bresben uni» 10 000 Mark an die Schützengesellschaft verblieb ein N e 11 o ü b e r s ch u ß von 44 783. Mark, der ebenfalls der Schützengesellschast über­wiesen wurde.

* Groß-Mülhausen (Elsaß). DerMülhauser Expreß" berichtet über eine Sitzung des GmgememdungSauSichusies von Allllhausen und Dornoch, in der die Eingemeindung von Dörnach in die Stadtgemeinde von Mülhausen beschlossen wurde. Die Eingemeindung wird sich im Jahre 1914 vollziehen und die nächsten GemeinderatSwahlen werden cemnäckstt für bau]en und Dornoch zusammen, auf die verschiedenen Stadtbezirke verteilt, ausgeführt werden, .Ab 1914 wird Mülhausen zu den

beutidnm Großstädten mit über 100 000 Einwohnern zählen. Sclir wahrscheinlich wird inzwischen Riedislwim eingemcindet 1 verben Ter Beschluß des Ausschusses wird dem ganzen Gern ein berat der beiden Gemeinden unb dem Ministerium unterbreitet werden. Bekanntlich besteht in beiden (Semeinberäten eine Mehrheit für die Eingemeindung.

DK. Brandon Thomas, der Verfasser von C h a r l e y s Tante", hat während der letzten Tage sehr krank darnieder gelegen, so daß fein Zustand zu ernsten Sorgen Anlaß gab, aber jetzt ist eine entschiedene Besserung eingetreten. Thoma-: gehört der englischen Bühne an, ans der er große Erfolge zu ver­zeichnen gehabt hat. Er hat eine merkwürdige Laufbahn hinter fiel), denn er wollte zuerst Soldat werden. Er trat bann auf Wunsch seines Vaters bei den Marinetruppen ein, ließ sich aber schon nach drei Jahren auskaufen. Tann arbeitete er mehrere Jahre aiO einer Werft. Er versuchte es mit allem rnöglicheu und schließlich zog er als Sänger und Deklamator im Laude herum. Bei irgend einer Gelegenheit wurde Sw Dllbcrt Rollit auf ihn auf­merksam: er glaubte tn ihm ein großes Schauipielertalent ent deckt zu haben und gab ihm einen Empfehlungsbrief an das be­rühmte Schauspielerebepaar Kendal, üeudal ließ ihtt zum ersten Rial in einem Stück auftreten, das deit Titel The QueensShilling trug. Ter Erfolg war sofort da. Sein größter Erfolg wurde natürlich das oben genannte Stück, das seinen Dichter in der ganzen Welt berühmt gemacht hat.

' Die Vergänglichkeit der Denkmäler. Alan spricht gern von der llnvergänglichkeit eines Denkmals ans Bronze, Granit ober 'blarmor, und möchte wähnen, daß diese großen (deinem dargebrachten Huldigungen aus einig der Vergänglichkeit alles Zeit­lichen trotzen werden. Die unbarmherzige Wirklichkeit aber be­richtigt immer wieder solche frommen Hoffnungen. Erst kürzlich etikdeckte man eines Tages auf deut Pöre la Chaise, daß au dem Floguet-Tenkmal die Statue der Republik schwere Beschädigungen auhvtes, und man war zuerst geneigt, die Zerstörungswut von Gegnern des repnolikanischen Regimes für ben trostlosen Zustand des Tenknials verantwortlich zu machen. Doch bald inuüte mau sich überzeugen, daß nicht Femde der Republik, souderii die Natur selbst die vermeiirtliche Ilnvergäiiglichkeit des Denkmals ein wenig korrigiert hatte, die Malte, dte Wärme, der Regen, der Oroft, bic Sonne und die Kohlensättre. Ter Regen durchsetzt ben Kalkmörtel mit Kohlensäure und läßt die Maueruitg abbtödeln, der Frost läßt mit der Zeit die Sterne springen und brüchig werden, imb die Sonne verwandelt zähen Granit schließlich ztt stüchtigem Saiide. So hat eine Flora der Tnilerien erst kürzlich einen Finger ihrer rechten Hand opfern müssen, eine der berühmten Tänzerinnen voit Carpeaux, bie dte Große Oper schniückeii, hat der Zeit eine Fußzehe bargebracht, in Luxemburg hat Marguerite b'Anjon ben Zeigefinger verloren, und einer ber Löwen am Grand Palais wirb sich bem- nächst von ber Natur eine seiner Tatzen amputieren lassen. Die berühmten Toten, bie in ben Augen der Nachwelt dann m Bronze ober Marmor fortleben, haben auch ihre Krankheiten unb ihre Leiden. Wohl tonnen die Tenkmalsgestalteu über bie Röte ber lebenden Menschen lächeln, sie brauchen keine Ansleckung, keine Bazillen, feine Tuberkulose, keine Paralyse zu fürchten, doch auch sie haben ihre schwachen Seiten, ihre Achillesferse, vor allem die Nase und bie Finger. Auch sie haben ihre Geschwüre, ihre Wucherungen, ihre Krähe unb ihre Hautkrankheiten. So schützt selbst die "bronzene ober marmorne Unsterblichkeit nicht vor ben Nöten des Lebens, ber Krankheiten unb im Lause ber Jahrtausende vor einem zweiten Sterbenmussen.

Handel.

Berlin, 10. s2ün-ii. In bei Gesellschaftsver­sammlung des Kalisyndikats gaben Aufsichtsrat und Vorstand eine Erklärung ab, die mit eingehender Be­gründung gegen die Beschlüsse des Reichstages zu § 27 des ReichskaligeseHes und ihre Motivseimng, sowie gegen dir bisherige Mchteinziehung der Uebertonlingenlsabgabe Widerspruch erhebt. Tie Erklärung wurde von der Gesell­schaft einstimmig gebilligt. Der Absatz des Kalisyn­dikats ist in den ersten drei Monaten des Jahres um etwa 61/2 Millionen Mark höher gewesen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ter April läßt sich im 93ergleid) zum Vorjahre gut an. Wie sehr dieses Absatzcrgcbnis and) für die dem Syndikat angehörigen Werke zu begrüßen sei, so müsse doch h^rvorgehoben werden, daß der Mehrab,atz zum großen Teile auf die .Kosten der außersynditatlid)en Werke zustande kam, die wesentlich geringere Mengen nach Amerika sandten, wahrscheinlich, weil sie in diesem Jahre über Vorräte im Gegensatz zum Vorjahre nicht verfügten.

IHärhe.

Gießen, 11. April. Marktbericht. Auf heutigem Wochen- markte kostete: Butter pr. Pfd. 1,201.80 Mk^ Hühnereier 1 St. 78 Pfg., Gänfeeier 1 Stück 1520 Pfg., Släfe pr. St. 68 Pf., Kasematte pr. St. 56 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,801,00 Mk., Hühner pr. St. 1,001,60 Alk., Oahnen pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. St. 1,802,20 Mk^ Gänse bas Pfb. 7580 Pig., Ochsen- fleisch pr. Pfb. 8492 Pfg^ Rinblleisch pr. Pfunb 8488 Pfg., ttnhfleisch 70 Pfg^ Schweinefleisch pr. Pfund 7090 Pfg., Kalb­fleisch pr. Pfb. 8892 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfb. 6088 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kg. 8.00 bis 9.00 Alk., Weißkraut bas Stuck 20 bis 30 Pfg., Zwiebeln per Ztr. 10,0012,00 Alk., Milch bas Liter 20 Pfg., Birnen per Pfb. 0000 Alk., Aepfel per Ztr. 10 bis 20 Mk., Flüsse lOo Stück 5060 Pfg., per Ztr. 000 Alk., Bohnen per Pfb. 0000 Pfg. Marktzeit von 82 Uhr.

Tie Marktpreise für Äieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotprcise am 10. April 1911.

Höchste Schlachwtehpreise tu F r a n k f u r t a. Al.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kalber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 9598 Alk.

' ,Kg. Schlachtgew. 103-112131.

Vf . , 6263 ,

J/, Kg. 84-92 Pfg.

, 8488 , '/, , 70-90 ,

Getreidepreise in Mannheim

Brotpreise in Gießen

Wetzen 100 Kg..öu20.75 Alk.

Roggett 100 Kg. 18.25 00.00 Mk.

Weißbrot 2 stg. 02 p,g.

Schwarzbrot 2 Mg.54 Pig.

Time is money, sagt der Amerika ner.

Gr hat keine Seit sich ins Bett zu legen unb Schwitzkuren 3U machen, wenn er erfüllet in, unb untere bcuischen Ge- ichaftsleute machen es ebenso, haben sie sich eitältct, leiden iie an Husten, Verschleimung. Halsichmerzen ober bet= 5«^ gleichen, bann wissen iie auch, baß man aUe btese Beschwerden bequem unb sicher durch ben Gebrauch von Fans achtelt Sodener Mineral-Pastillen les werden kann, jiodj da^n Wffiy für billiges Geld, denn btc Schachtel kostet nur 85 Pfg.

Man laße sich aber feine Nachahmung ausschwatzen, is«0/^