©onntng nachmittag 5 Uhr in der
Wetterausslchten in Hessen am Sonntag, den 12.November 1911": Unbeständig, nur geringe Niederschläge, etwas wärmer, Morgen^ nebel.
Kreis Wetzlar.
? Wetzlar, 9. Nov. Zwei verdienstvolle Lehrer unseres Kreises sind mit dein 1. November in den Ruhestand getreten: Lehrer Convclly, der seit dem Jahre 1866 der Schule in Mudersbach vorstand, und Hauptlehrer Helm in Nieder- GirmeS.
Konzert des Mannergesangvereins „M o z a r t"-Siegen ; r Neuen Universitätsaula.
Letzte r^achrichten.
Der italienisch-türkische Krieg.
Tripolis, 11. Nov. (Agenzia Stefani.) Gestern früh griffen Türken und Araber in beträchtlicher Anzahl, unter* "itzt von Artillerie, die linke Flanke der Italiener an. Kurz nach Mittag wurde der Feind durch das Feuer der Maschinengewehre, das durch die Feld- und Maschinengeschütze wirksam unterstützt wurde, auf der ganzen Linie zurückgeschlagen. Von den Verlusten ist noch nichts bekannt.
Deutsches Neich.
Der Kronprinz nahm am Donnerstag an der Abendtafel der Majestäten im Neuen Palais teil, bei der auch der Reichskanzler mit Gemahlin anwesend war.
Der Bundesrat beschloß die Abänderung des Ein fuhrscheinsystems. Mehrere Blätter wollen wissen, daß die Verwendungszeit der Einfuhrscheine auf d r e i M o - nate herabgesetzt und ihre Verwendbarkeit auf Kaffee und Petroleum aufgehoben werden soll.
Aus Stu-t und Land.
Gießen, 11. November 1911.
' Tageskalender. Stadttheater: Sonntag nachmittag 81/, Uhr: „Nora"; abends 7'/, Uhr: „Polnische W i r t s ch a s t*.
Militärkonzert auf der Liebigshöhe. Sonntag nachmittag 4% Uhr.
Volksvor st ellung des Mädchen Vereins: Sonntag nachmittag 1/14 Uhr in Steins Garten.
Kolosseum: Täglich Vorstellung.
K i n e m a t o g r a v h: Täglicb Vorstellung.
Biograph: Täglich Vorslellung.
P o l i t. A »l S b i l d u n g S k u r s des NationalvereinS für das Hb Deutschland. SamSlag abend 7'/, Uhr: Pros. Tr. Bier- mnun«Gießen: Sozialismus und Sozialdemokratie. Sonmag vormittag 10 Uhr: Parteisekretär S v t l e r - Frankilirt: Organi- satlonokunde: nachmittags 3 Uhr: Prioatdozent Dr. Vogt-Girßen! Die Vorwürfe der Antisemiten gegen die Liberalen. Lokal: »Einhorn".
8l n l a g e m u s i k am Sonntag mittag 12 Uhr in der Süd- Anlage. Spielplan: 1. „Die Kapelle" von C Kreutzer. 2. Grosze Fautasie aus der Oper „Lohcugrin" von Wagner. 3. Walzer aus „Ter Rosenkavalier" von R. Strauß. 4. Großherzog Friedrich von Baden 1 Armcemarsch Nr. 224 von Hassels.
Kleine Tageschronik.
In Erfurt fand in Anwesenheit staatlicher und kirchlichen Behörden am Freitag die feierliche Enthüllung des Gustav- Adolf-Denkmals statt. Die schwedische Regierung war durch )en schwedischen Gesandten in Berlin, v. Trolle, vertreten, die chwedische Kirche durch den Bischof von Gotland, v. Schocke.
Der seit zwölf Tagen vermißte Dampfer „Horn" lief nach mehrtägigem furchtbaren Kampf mit dem Sturm mit gebrochenen Masten und verlorener Deckladung in den Nothafen Libau ein.
Hessen-Nassau.
= H erborn, 9. Nov. Die Preise für fette Schweine, >ie vor wenigen Wochen in der Gegend auf 66—70 Pfg. für das ?funb Schlachtgewicht sich stellten, smd seitdem außerordentlich gc- allen. Die beste Ware wird von den Metzgern mit höchstens 62 Pfg. daö Pfund Schlachtgewicht bezahlt. Der Preisabschlag wird darauf zurückgeführt, weil in Frankfurt a. M., dem Haupt- absatzgebiet der überschüssigen schlachtreifen Schweine ans dem Westerwald die Ware nicht alle unterkommen kann, so daß für den Bedarf der kleineren Plätze an der Dill augenblicklich an fetten Schweinen Ueberproduktion ist.
w. Frankfurt a. M., 10. Nov. Wie der Polizei- bericht meldet, wurde gestern nachmittag im Felde hinter der Löwengasse die Leiche des Oberpostschaffners August Weil aufgefunden. Weil hatte sich mit Lysol vergiftet.
einem Protest geyen die Verleumdungen der italienischen Soldaten durch die europäische Presse. Sie richteten ferner nach der Kund machung der Annexion an den König von Italien spontan eine Depesche, in der sie ihren Dank und ihre Treue ausdrückten.
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Ofenpest, 12. Nov. Der „Pester Lloyd" kommentiert die,Meldung von der Entsendung einer italienischen Kriegsflotte in das AegäischeMeer wie folgt: Nach unserer Meinung kann die Aktion gegen Tripolis nur durcl die Beschränkung auf den derzeitigen Kriegsschauplatz boi überflüssigen Schwierigkeiten bewahrt bleiben. Wir wollen noch immer glauben, daß der Krieg gegen Tripolis ein Krieg in Tripolis bleiben und die italienische Regierung überflüssige Komplikationen vermeiden werde.
Aufruf.
Abermals ist Herbstein durch ein schweres Brandünglück heimgesucht worden. In der Nacht vom 6. auf den 7. November wurden zwölf Bauerngehöfte ein Raub der Flammen. 15 Familien ind obdachlos. Da die vom Unglück Betroffenen ausnahmslos in dürftigen Verhältnissen leben, wenden wir uns an die allgemeine Mildtätigkeit und bitten zur Linderung der Not, die infolge der schlechten Futtererrtte besonders groß ist, milde Gaben an den unterzeichneten Hilfsausschuß gelangen zu lassen. „Wer schnell gibt, gibt doppelt." „Wohltun bringt Zinsen."
Herbstein, den 9. November 1911.
_ . Der Hilfsausschuß:
Krecsrat von Bechtold-Lauterbach. Daus, kath. Pfarrer. Amtsrichter Plitt. Bürgermeister Schneider. Zinn, ev. Pfarrer.
Grohfe. er in den Siemens und Schuckert-werken.
Nürnberg, 10. Nov. In vergangener Nacht brach gegen IOV2 Uhr in den Siemens u. Schnckert-Werken ans unbekannter Ursache Großfeuer in dem Werkstättengebäude jür Schaltappa^ rate und Regulierwiderstände aus, das schnell um sich griff, so daß trotz Eingreifens der städtischen und der Fabrikfeuerwehr mit ungefähr 18 Schlauchleitungen bald der ganze Dachstuhl brannte, Das Feuer konnte erst gegen drei Uhr morgens gelöscht werden. Der Schaden an Gebäuden und Material ist ziemlich beträchtlich. Das Dachgeschoß und das zweite Obergeschoß sind fast völlig zerstört worden, der größte Teil der in den Gebäuden befindlichen Lagervorräte an Fabrikaten und Maschinen ist teils durch Feuer, teils durch Wasser unbrauchbar geworden. Eine größere Betriebsstörung tritt nicht ein, da die Fabrikation zum größten Teil in andere Räume verlegt werden kann.
verständnisvoll leise gesprochenen Stellen dem Sinne nach sehr ckücklich empfunden waren, so blieben sie doch häufig unberftänblicf) Die Schallwirkung unseres Theaters stellt hierin'den Darstellern ■efonbere Aufgaben, die vielfach zu wenig beachtet werden. Rein augenfällig war die Johanna des Fräulein Hoermann recht an- leicehm; eine treffende Mimik und kluge Gesten standen ihr in lstnreichendem Maße zur Verfügung. Der König des Herrn Schröder war darstellerisch nicht ganz Übel, aber sonst recht lläg- .ich. Es wäre vorteilhaft gewesen, wenn Herr G 0 l l, der bei den etzten Ausführungen des Werkes — vor drei Jahren — den König geiprelt hat, an seiner Stelle gestanden hätte. Die vorzüglichste Leistung des Abends bot Herr Kaiser als Dunois, ein Mcum
Delmknauf bis zu den Sporen, und neben ihm Herr Balof als Talbot. Herrn Gühnes Darstellung des Herzogs von Bur- juni) litt an einer textlichen Unsicherheit. Recht schön war der La Hire des Herrn Grosser und die Sorel des Fräuleins Schmidt. Fräulein Brehm spielte die Königin sinnvoll, gereizt und giftig. Eine schöne Leistung war auch der Thibaut oes Herrn V 0 l ck, eindrücklich und klar, nur sollte er nicht 0 häufig mit gebogenen Knien gehen und stehen: es sieht sehr unschön aus. Von den kleineren Rollen sind noch zu erwähnen Herr Goll als Erzbischof, Herr Rappe Port als Lionel, die Damen de Bruyn als Margot und Müblpfort als Louison, lOiuie Herr Norden und Fräulein Scholz als Köhlerpaar.
Die Regie des Herrn Direktors Steingoetter, der auch 'ne Rolle des Raoul übernommen hatte, war der Dichtung in allem wesentlich gerecht geworden und hatte auch für eine sinn- volle Ausstattung gesorgt. Eine kleine Unregelmäßigkeit bei der vorletzten Verwandlung störte die Stimmung ein wenig; ob oie Schuld an dem Beleuchter oder an dem Inspizienten lag, ist nebensächlich, aber es ist nicht einzusehen, warum Johanna nicht auch bei beleuchteter Bühne in Ketten zu legen gewesen wäre. Dann wäre das Eingeständnis eines Fehlers vermieden worden. Leider spann sich das kleine Mißgeschick aber auch noch fort, als oer Vorhang über diesem Austritt gefallen roar. K. N.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Professor Dr. Ado l f G 0 l d s ch m id t in Halle ist, dem Verl. Tagebl. zufolge, als Nachfolger Wölfflins, auf den Lehrstuhl für Kunstgeschichte nach Berlin berufen worden. Goldschmidt ist ein sehr verdienter Forscher auf dem Gebiete mittelalterlicher deutscher Kunst, ein Mann von feinem Wesen und Geschmack und ein hervorragend befähigter Lehrer.
•• Vom Großherzoglichen Hof. DerKönig, die Königin, der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland kamen am Freitag nachmittag 1 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Schnellzuge von Wiesbaden zu Besuch des Großh. Hofes in Darmstadt an. Der Großherzog war zum Empfang am Bahnhof anwesend und begleitete die Gäste nach dem Nestdenzschloß, wo gegen 2 Uhr Fanuliensafel statt- fand. Die Rückkehr erfolgt ebenfalls mit dem fahrplan- mäßigen Schnellzuge um 4 Uhr 35 Min. wieder nach Wiesbaden.
mc ** Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Pfarrer und Dekan, Krrchenrat Eduard Ellenberger zu Orten- berg anläßlich seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens PHUipps des Großmütigen verliehen.
q r. Übertrag en wurde dem
Lehrer Will,. Kratz m Hungen eine Lehrerstelle an der Gemeinde- fdni e yu Rodheim v. d. H.: dem Lehrer i. P. Schulverwalter M - Heuser zu Oppenheim eine Lehrerstelle an der Gemeinde- Irtyule su Oppenheim; dem Schulamtsaspiranten Konrad Merz ^rs Bergen Mreußen) die Lehr-erstelle an der Gemeindeschule zu Sri k Erledigt ist eine mit einem evanael. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Storndorf. -Art der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden.
" Stadttheater. Auf dem Spielplan der nächsten Woche ist versehentlich die Abonnementsvorstellung am Mittwoch, 15. Nov., ausgelassen worden. Es sei deshalb ausdrücklich erwähnt, daß an diesem Abend um 7 Uhr der Schwank „MeyerS" als sechste Mittwoch-AbonnementS- vorslellung gegeben wird.
'"Billigeres Angebot und Preisabschlag. Von auswärtigen Schweinehändlern wurde den hiesigen Schweinemetzgern ein billigeres Angebot in Schweinen ge- mad)t, wie sie gegenwärtig in hiesiger Gegend angeboten werden. Die Fleischer-Innung hat in Anbetracht dessen be- schlossen, den Preis des Schweinefleisches um 4, bezw. 6 Pfg. für das Pfund herabzusetzen. ES kosten von Montag ab Bratenstucke [R'ammftücfe] (seither 86 Pfg.) 62 Pfg., Kotelett- und KeulUucke und Solperfleiscb (seither 90) 86 Pfg., und Bauchfleisch (seither 70) 64 Pfg. Ein weiterer Preisabschlag wird stattftnden, sobald die Preise weiter sinken Von Händlern und Metzgern wird der Wunsch geäußert, daß beim Ausbau der Schlachthauserweiterung ein Gleisanschluß kommt, der ermöglichen rourbc, direkt von größeren Viehhöfen zu beziehen. Eine auswärtige Firma wird jetzt schon eine fahrbare Viehwage in der Nähe des GüterbahnhosS zur Auf- stellung bringen, wenn die Genehmigung dazu erteilt wird.
(PrivatteN In hiesigen politi- daß Italien die krieger7- 1 der nächsten Woche auf
tttiö Wissenschaft.
Gießener Stadttheatcr: Die Jungfrau von Orleans.
Von Friedrich Schiller.
_ _ c„, w Gießen, 11. Oft.
Sum Gedächtnis von Schillers Geburtstag ging gestern des Dichters eigenartigste Schöpfung, das sprachmächtige Jdeenwerk von dem Mädchen von Orleans, über unsere Bühne, und da^ tppiiche Propheten^Schicksal, das sich auf dem skizzenhaften, ge- chichtlichen Hintergrund abspielt, erregte wieder die lebhafteste Anteilnahme. Als jugendliche Heldin führte sich Fräulein Helene v oer mann in der Rolle der Knngsrau uon Orleans recht vor teil ha st ein und der Löwenanteil des Beifalles fiel natürlich ihr SU. Kleine Verstöße in der Sprachtcchuik schienen auf allzu bedacht sorgfältiger Erwägung zu beruhen, und wenn auch die
**WegenderBluttatinNiedermörlen steht gegen den zum Tode verurteilten Erbe Termin am 16. d. M. vor dem Reichsgericht an. Erbe war inzwischen willens, die Revision, die sein Verteidiger Rechtsanwalt Kaufmann auf seinen Wunsch verfolgt, zurückzuziehen und das ergangene Urteil anzuerkennen Erbe erklärte aber schließlich, den Ausgang feiner Sache vor dem Reichsgericht abwgrten zu wollen.
** Gieße n bei Nacht. Ein hier zugereistes Mädchen, das hier in Stellung gehen wollte, wurde heute Nacht von drei Herren angesprochen, die es angeblich in eine Wirtschaft zum llebernachten bringen wollten. Sie führten es auf die Lahnbrücll and suchten eS zu überwältigen. Auf die Hilferufe des Mädchen^, eckte ein Wächter des Wach- und Schließ-Instituts herbei, rooraui '»wei der Burschen die Flucht ergriffen. Der dritte, eine gerichts gekannte Persönlichkeit wurde von dem Wachter erkannt und der Polizei Mitteilung gemacht. — In der Süd-Anlage wurde eh besserer Herr bei einer Sachbeschädigung von demselben Wächter ertappt und der Polizei Übergeben.
•• Herzschlag. Die 18 Jahre alte, hier bedienstete Eltsabethe Thon aus Rotenburg wurde gestern morgei 0 t in ihrem Bett aufgefunden. Als Todesursache rourb ö erzschlag feilgeslellt.
Landkreis Gießen.
A Klein-Linden, 10. Nov. Zwet Strolche ver- folgten und überfielen bei Allendorf das Dienstmädchen de- MiylenbesitzerS Blitsch. Beide wurden von der Gendarmerie 0 e r h a f t c t-.
)( Grünberg, 10. Nov. Lehrer Laub er und Frau geb. Mebhut, beide geborene Grüirbcrger, feierten gestern ihr 25jähriges Ehejubiläum. Der „Märrnergesangvereiii Grünberg", dessen langjähriger Dirigent Lehrer Lauder ist, brachte dem Jubelpaare abends ein Ständchen und überreichte zum Leichen der Dankbarkeit ein silbernes Tee- Service.
Kreis Büdingen.
-i- Orten berg, 10. Nov. Dekan und Kirchenrat Ellen berger hier feierte heute sein bOjähriges Dien st- lubiläum. Der Jubilar, verschon lange als Seelsorger hier wirkt, erfreut sich noch einer seltenen körperlichen und geistigen Frische.
Kreis Alsfeld.
dl lsfeld, 9. Nov. (S t a dt v e r 0 r d ne te n si tzung.) Ter Vorsitzende gab zunächst bekannt, daß nunmehr die Veranstaltung einer gemeinsamen Lotterie zum Besten der Wledcrberstellung der Walpurgiskirche und des Rathauses die mi- nlsterielle Gmehmigung gefunden habe. Weiter wurde bezüglich des Vahnbaucs Alsfeld — Niederaula mitgeteilt, daß nach einer Mitteilung der Königl. Eisenbahn-Mrektion Frank- furt a. M. die endgückige Entscheidung des preußischen Ministers über die Limensührung Alsfeld—Eifa und damit auch über den eigentlichen 58. ginn der .Arbeiten in Kürze zu erwarten sei. — 3u dem Gesuch des I 0 Hs. Habicht um Schankwirtschaftstonzession in dem Hause Hersselder Straß c 20 wurde die Bedürfnisfrage bejaht mit Rücksicht darauf, oast es sich um den Uebergang einer bereits bestehenden, gut gehenden Wirtschaft handelt. — Tie alljährliche Aus- l1u.n.g.ber Schuldverschreibungen der Stadt und des Elektrizitätswerkes wurde vorgenommen; das Ergebnis wird außer in den Lokalblättern in der Darmstädter und Frankfurter Zeitung gemacht. — Die angelegte Rechnung der Ober- Realschule für das Rechnungsjahr 1910 wurde genehmigt, von verschiedenen Seiten wurde dabei darauf hinge- mesen, daß sich seit Ausbau der Anstalt zur Ober-Realschule das Kostenbeitragsverhältnis des Staates und der Stadt sehr zu Ungunsten der Stadt verschoben habe, die jetzt bedeutend mehr leiste als der Staat. — Von der im vergangenen Sommer angeregten Verbindung der Lochdruckwasserleitung mit der alten N i e de r d r u ck l ei t u n g beschloß man vorerst abÄufcIjen, da sich der Wasserstand im alten Behälter bedeutend geheuert bat. — Gegen die an einen auswärtigen Kunstmaler erteilte Vergebung der Malereiarbeiten im Innern des nathauses hatte sich ein hiesiger Malermeister bcschwerde- ührend an den Stadtvorstand gewandt. Mit Rücksicht auf die wn der Bauleitung und dem Denkmalpfleger Geh. Rat Walbe razu gegebenen Erklärungen sieht sich der Stadtvorstand nicht in der Lage, an dem Zuschlagsbeschluß etwas zu ändern. — Von der Clektrizitätskoinmission ist auf einem diesbezüglichen angegangenen Antrag hin empfohlen worden, den Strompreis für das elektrische Licht von 50 Pfg. auf 4.0 Pfg. her ab zu setzen mit Rücksicht auf die ziemlich erheb- 'ichen Ueberschüsse des Elektrizitätswerkes. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Die Ermäßigung soll vom nächsten Rechnungsjahr (1. April 1912) in Kraft treten. Gleichseitig soll der Elektrizitätskommission auch die Frage einer etwaigen anderweilcn Regelung des Strompreises für gewerbliche Zwecke zur näheren Prüfung überwiesen werden.
Kreis Friedberg.
1^. Dorheim, 10. Nov. Nächsten Mittwoch nachmittag wird der BezirkS-Lehrerverein Friedberg. Bad-Nau he im hier eine Feier veranstalten. Er wird das 5 0jährige Lehrerjubiläum des hiesigen Lehrers Weitz begehen. Weitz, ein LehrerSiohn aus Bodenrod, ist 50 Jahre Lehrer. Ostern 1861 verließ er das Seminar zu Friedberg und wirkte 45 Jahre in unserer Gemeinde. Körperlich und geistig frisch, will er noch weiter in feiner Schule wirken.
Ausland.
Die französische Kammer beschäftigte sich am Freitag mit den Anfragen in der Pulverfrage und der Katastrophe der „Liberty . Abgeordneter T a n i e l 0 u verlangte die Einleitung einer gerichtlichen Untersuchung. Er bemängelte, daß man den Bericht Maissins unbeachtet ge lassen habe, der am Tage nach der Explosion auf der „Jena" zahlreiche Mißstände in der Fabrikation und der Handhabung des Pulvers aufdeckte. Gvude (Sozialist) sagte, die wahre Ursache der fehlerhaften Herstellung des Pulvers beruhe aus der Tatsache, daß Maissins und Lauppe auf einander eifersüchtig seien. Cheron, der frühere Unterstaatssekretär des Krieges, sagte, der Bericht Maissins hätte niemals die Mengen des Pulvers B., die die „Li- bertä" in die Lust gesprengt haben, namentlich angegeben. Cheron erklärte ferner, das Ministerium hätte niemals den Bericht unterdrückt, sondern die Untersuchung hätte die Behauptungen Maissins entkräftet. Darauf wurde die Beratung vertagt. \
Aus London wird gemeldet: Der konservative Abgeordnete Bonar Law, einer der führenden Verteidiger der Tarifreform, wurde informell zum Nachfolger Balfours gewählt. Sämtliche Parteifreunde gaben chm die Versicherung, daß sie ihn in loyaler Weise unterstützen werden. Diese formlosen Schritte werden es der am Montag stattfindenden Versamnilung der Unionistischen Partei ermöglichen, Law einstimmig zu wählen.
:/: Athen, 11. Nov. C_:__ “ chen ‘Steifen glaubt man, daß I chen Maßnahmen schon in U. ,
das Aegäische Meer ausdehnen wird. Namentlich wird mit der Besetzung der Insel Lemnos gerechnet.
V-Parrs 11. Nov. (Privattel.) Zwischen den Großmacht e n schweben vertrauliche tBerhandlunqen wegen der Annexion von Tripolis durch Italien. Nach einem englisch-französischen Vorschlag wer- dendieGroßmachtedieAnerkennungder Annexion vorläufig verweigern
Greuel in China.
Schanghai, 11. Nov. Ein Telegramm aus Fukscha« gesagt: Die MandschuS versuchteii in der Nacht mehrmals die remden Niederlassungen anzustecken. 27 Manisch us sollen dabei festgenommen und von den Revolutionären hingerichtet worden sein. Die Regierungstruppen von Nanking brandschatzten die Stadt, plünderten die Privathäuser und machten alle zopf» 0 sen Chinesen nieder. Die Zahl der in den letzten 24 Stunden niedergemetzelten Chinesen wird auf mindestens 1000 geschätzt. 50 000 Einwohner verließen seit gestern morgen Nanking und wandten sich nach Schanghai. Die Kaiserlichen haben, wie berichtet wird, für die großen Kruppkanonen nur noch wenig Munition. In Schanghai ist die Ruhe bisher nicht gestört.
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92ewy 0rk, 11. Nov. Andrew Carnegie spendete 25 Mik- Uonen Dollars für Erziehungs-wecke in den Bereinigtes Staaten.
Tübingen, 11. Nov. Als Vertreter der Universität wurde der Professor der Staatswissenschaften Dr. Sarto^ rius in die Erste Kammer gewählt.


