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11.11.1911 Erstes Blatt
 
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Nr. 266

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16s. Zahrgang

Erstes Blatt

Samstag, st. November 1911

Veznq-vrel-: monntlid)75T'iMviertet- sädrlich 9Ht 2.20; durch Addole- u. flroetgfieUen monatlich 65 t;L; durch

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3 Chefredakteur.?! i^och.

AV Verantwortlich für den

**Wr politischen Teil: August

eneral-Anzeiger für Gberhessen MM

Rotallonrdnuk und Verlag der Vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Steindrudcrei R. Lange. Redaktion, Crpedilion und Druckerei: §chu!ftrahe I. Land': E^Ietz; iür den Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16 a. ______________________Anjeigenteii: H. Beck.

Die heutige Nummer umfafct 20 Seiten.

21 us Hessen

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gends Zustimmung.

Wird Herr v. Bethmann-Hollweg nach den vielen Stößen, die er im Reichstag erlitt, noch lange int Amre bleiben können? Ter Kronprinz hat sich gegen seine Poli­tik gewandt und seine Niederlage zu einer vollständigen ge­macht. Es ist ein ganz ungewöhnlicher und bisher noch nicht erhörter Vorgang, daß ein Thronfolger in öffentlicher Sitzung dem leitenden Manne sein Mißfallen bekundet. In normalen Zeilen müßte bas zum Wioerjpruch heraus-

men beschlo scn uno alSdann die Gesetzesvorlage im Ganzen angenommen.

Tie Reichsduma trat dann in die Beratung der Gc- etzesvorlage betreffend die Gleichberechtigung der Finn­länder mit den übrigen russischen Untertanen ein Ter Ministerpräsident wies darauf bin, daß die Beratungen dem Manifest vorn 17. Juni zugrunde gelegt werden müßten, wodurch die Einverleibung Finnlands in das russische Reich und die rechtliche Gleichstellung mit dem Reiche verlandet worden sei. Bisher genieße scdoch das russische Volk in Finnland weder in politischer noch in beruflicher Beziehung, noch hinsichtlich der Selbstverwaltung die gleichen Rechte. Tie elementare Gerechtigkeit erheische, das zu verwirk­lichen, was das Manifest verkündet habe. Nachdem sich mehrere Redner zu bet Vorlage geäußert hatten, wurde die Aussprache auf morgen vertagt.

Der italienisch-türtsiche Krieg.

Wieder ist es neuerdings zu Gefechten gekommen, die nach dem amtlichen italienischen Bericht unentschieden ge­blieben sind. Man darf also annehmen, daß die Tinge noch etwas schlechter für die Italiener stehen als hier zu­gegeben wird:

Rom, 10. Nov. TieAgenzia Skesani" meldet aus Tripolis vom 10. November 2 Uhr morgens: Gestern kam es zu wiederholten Angriffen durch kleine arabische Abteilungen, die sich gegen die ita­lienische L st front richteten. Ta Anzeichen vorhanden waren, daß stärkere Abteilungen gegen den italienischen linken Flügel sich zum Angriff sammelten, ging das acht­zehnte Infanterieregiment zum Angriff vor und nahmdie von etwa oOOArabernbesetzte Stel­lung. Als sich die Bataillone von dort wiederzurück- zogen, wurden sie aus dem Marsche von neuem vom Feinde angegriffen. Tie Bataillone gingen ihrer- fcits noch einmal vor. Mit Einbruch der Tunielheit zog sich der Feind zurück. Tas 11. Be rsaglieri-Regiment unternahm aus seiner Stellung einen Vorstoß, um die Plänkler des Feindes zu vertreiben. Auf dem äußersten rechten Flügel ging ein Bataillon auf die Lase Zanzur vor, fand aber keinen Widerstand. Tie Abteilung in Stärke eines Bataillons, einer Eskadron und einer Abteilung Ar­tillerie ging bis jenseits der Lase vor und trieb die ent­gegenkommende feindliche Kavallerie zurück. Tie italie­nischen Schiffe überwachen die Küste in der Richtung auf die tunesische Grenze; sie beschossen einige von Be­waffneten geleitete Karawanen und zerstörten die Kaserne bei Romlen.

um die «stabt vor der Cholera zu schützen, brachte man in Gärten außerhalb der Stabt ungefähr 2000 Eingeborene unter. Man hat sie gewaschen unb neu gelleioet. Man verwenbet große Sorgfalt aus bte lieber» wachung des Trinkwassers. Man entwarf einen Plan, die Wasserleitung zu Meltana zu verbessern.

Aus B e n g h a s t wird durch Funkenpruch gemeldet, daß sich dort, foroie bei Terna unb Tebruk nicht neues, ereignete.

Tripolis, 10. 9iov. Agenzia Stefani.) Tie Schcichs, Notabein untz Araber von Tripolis ergriffen hie Initianps

fordern Aber es sind hoffentlich keine normalen Zeiten, die das Reich jetzt durchmacht. Es muß eine Um­kehr erfolgen, wie sie der Reichstag cinftimmig verlangt hat. Kaiser unb Kanzler müssen bas Unhaltbare bet Lage erkannt Laben. Krieg unb Kriegsstimmung will das deutsche Volk nicht. Aber es verlangt, daß dem Ernst des deutschen Willens in der Welt wieder Glauben verschafft wird. In­dem der Reichskanzler erklärte, durch das dentsch-sran- zösische Ablommen sei auch wieder reiner Tisch mit England geschaffen worden, hat er sich von neuem mit der Volks- mcinung in Widerspruch gesetzt. Ans die wiederholten Auf- sorderungen, über die Auseinandersetzungen mit England sich ausführlicher zu äußern, hat Herr v. Bethmann nur wieder dieselbe bureaukratische Eartwright-Formcl gemur­melt. Tem Wesen der Sache näher zu treten, fällt ihm nicht ein. In London trägt man sich mit der Hoffnung, den deutscheii Konkurrenten doch noch einmal klein zu kriegen. Winston Churchill, der erste Lord der Admiralität, ist am Tonnerstag in einer Rede auf dem Lordmawr-Bankelt ziemlich deutlich geworden. Er sagte: Es wurde töricht sein, zu leugnen, daß der Flottenwett- betücrb zwischen Teutschland unb England an der Wurzel unb int Hintergrunb fast jeder Schwierigkeit liegt, welche wiederholt bte unternommenen ernsten Bemühungen, zu baldigen sreundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu gelangen, vereitelte." Mit anderen Worten: England, dessen Macht Churchill drohend unS vorhält, wird uns Steine in den Weg wälzen so lange, bis wir ihm mit der sogenannten Flotteneinichräntung entgcgcnlommen. So glaubt man drüben, mit Männern wie Bethmann fertig werden zu können. Vielleicht wird der englische Minister durch die Aussührungen der deutschen Volksvertreter, die von den Konservativen bis zur Fortschrittspartei eine ängst­liche deutsche Politik einitimmtg von der Hand weisen, sich doch eines Besseren belehren lassen.

Der Wählerliste in dem zweiten Exemplar der zuständige Bezirks- kassieret oder Untercrhebcr und hiernach der Gemeinderechner die Namen derjenigen darin ausgesührten Personen, die mit der Entrichtung ihrer direkten Staats» oder Gemeindesteuer länger als zwei Monate sich im Rückstände befinden, in roter Tinte mit dem VermerkSl.-R." zu bezeichnen sind. Tiefe Wähler dürfen nach dem Gesetz nur dann ihr Wahlrecht ausüben, wenn sie durch Vorlage der Steuerauittung nachweisen, daß sic inzwischen ihre Steuer bezahlt haben. Im Art. 37 der Ausführungsbestim- Mungen wird mit Bezug darauf bestimmt, daß auch bei der Stichwahl die Steuerrestanten zur Stimmabgabe zu zulassen sind, wenn sie durch Vorzeigung ihrer Steuer» Quittung nachweisen, daß sie inzwischen ihren Steuerrückstand beglichen haben.

--JmWahlkreiseNierstein-Nieder-Saulheim beschlossen nach einer Pressemeldung die Anhänger der Kan­didatur Reich ar d t-Nierstein für die Stichwahl die einmütige Unterstützung des bündlerischcn Kandidaten Wolf-Stadecken. Tiefem fallen dadurch etwa 630 Stimmen mehr zu.

Zu den Landta'.dstichwahlen.

Die zwölf Stichwahlen, die infolge des Ausfalls der Hauvt- wahl vom 3. November erforderlich geworden sind, werden bc- lanntlich am Freitag, 17. November, zum Auötrag gebracht werden. Tas neue Wahlgesetz schreibt in Bezug aus die Stich­wahlen vor, daß der Tag der Stichwahlen vom Wahlkommiisar nicht srühcr als acht und nicht später als vierzehn Tage nach der Ermittelung des Wahlergebnisses der ersten Wahl gelegt werden darf. Ta die amtliche Ermittelung des Wahlergebnisses am 7. November stattgefundcn Hal, so ist also diesmal ^gerade die Mitte zwischen dem frühesten unb dem spätesten Termin zum Tag der Stichwahl bestimmt worden. Im übrigen bestimmt das neue Wahlgesetz im Art. 53, daß die engere Wahl auf den- clbcn Grundlagen unb nach denselben Vorschriften ttattzuuiiden hat, wie die erile Wahl. Sic wird auf Grund derselben Wähler­listen, die nicht nochmals ossenzulcgcn sind unb nicht berichtigt werben bürsen, in denselben Äbstimmungsbezirken unb Wahl­lokalen unb bei gleicher Besetzung ber Lrtswahlkommisiioncu vor­genommen, cs sei Denn, daß eine Ersetzung einzelner Mitglieder der Lrtswahlkommiisionen oder eine Verlegung der Wahllokale geboten ist. Veränderungen in der Person der Wahlvorsteher oder ihrer Stellvertreter, sowie der Wahllokale sind vorschrifts­mäßig bekannt zu machen. Art. 54 bestimmt: Bei der engeren Wahl gewählt ist derjenige, der die nwiiten der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten hat. Tritt Stimmengleichheit ein, o entscheidet das Los, welches der Wahlkommiisar zu ziehen hat.

In den von der Regierung erlassenen Aussührungs- bestlmmungen zum Wahlgesetz werden die vorstehend er­wähnten Voxschristen zum Teil noch naher präzisiert. Von Inter­esse ist hierin besonders Art. 30, der die Feststellung der Steuerrestanten behandelt. Er bestimmt, daß nach Abschluß

politische Wochenschau. i

Gießen, 11. Nov.

CB der Marokko- unb Kongovertrag bem Ausschuß über­wiesen wirb ober nicht, sicher ist, baß ben letzten Verhanb- langen bes Reichstags noch eine nichtöffentliche Nachsitzung folgen wirb. Vielleicht hat eine solche bereits statkaefunden, nämlich zwischen Kaiser unb Kanzler. Tas überalterte Parlament, aus dessen Mitte so vielfach die Klage über Arbeitsmübigkeit unb Interesselosigkeit ertönt ist, hat noch einmal eine große, benkwürbige Musterung abgehalten. Es hat bem Reichskanzler, ber bie WahlparoleSchutz ber natio­nalen Arbeit" ausgab, klar gemacht, baß kaum einer bisher mehr gegen biefe Losung gesünbigt hat, als er selber. Und noch mehr. Auch über bie erfreulichen Fortschritte unserer Kolonialpotttik, die unter Ternburg toicbcr zu blühen be­gann, hat seine ungeschickte Hand einen Mehltau fallen lassen.Wer bie Kolonialpolitil bejaht, muß grnnbsatzlich für jeden Zuwachs kolonialen Gebietes, für jedes Stück kolonialen Neulandes sein, und eine Gebietsmasse von 750 000 qkm bedeutet zweifellos einen Vorteil gegenüber einer GebietSmasse von nur 500 000 qkm." So steht es wörtlich in jener Denkschrift zu lesen, von der Herr Wiemer gestern im Reichstage sagte, daß sie nur die Lachmuskeln in Bewegung setzen tonne. Tie Schrift, aus der wir bie wesentlichsten Stellen wiebergegeben haben, ist tatsächlich mit einem gewissen Humor verfaßt. Es geht bem Reichs- kanzler, ber für alles, also auch für bie Denkschrift, bie Verantwortung übernimmt, wie Hans in ber Glückshaut. Ter tauschte von dem Scherenschleifer für seine Gans ben ein wenig schablsttsten Wetzstein ein unb erhielt noch einen schweren Felbstein bazu, auf bem er feine alten Nagel gerade klopfen könne. Ter Wetzstein wird und in Marokko Frankreich gegenüber nicht konlurrenzfähig mad)en, und ob sich in dem erworbenen Kvngofetzen etwas gerade llopsen läßt, diese Frage wollte keinem der Parteivertreter int Reichstage überhaupt in den Kopf. Mit einem Mut unb Gottvertrauen, bie einer besseren Sache würbig wären, geht unsere Regierung ber Sck)laftrankheit entgegen, um siesyste- malisch zu bekämpfen".Erleichtert wird uns bies ba- burch, bag wir ben Herb ber Schlafkrankheit am Sanga birekt ang reifen können"; so steht es wieberum wörtlich in ber Denkschrift, unb es geht, wie man sieht, alles hübsch syste- matifd) unb bureaulratisch. Für bie marokkanische Wirt- schäft haben wir uns als Mandatar Europas ins Feuer begeben, unb nun wirb und noch bie ehrenvolle Ausgabe, für bie afrikanischen Kolonialmächte bie Schlaflranlheit zu ertöten, lieber bie Mitgift ber Konzessionsgesellschaften, bas mertoürbiae französische Etappenstraßenprojekt, braucht kaum noch ein Wort verloren zu werben. Ter ganze Reichs­tag hat dieses Meisterwerk unserer Diplomaten unter den Tisch fallen lassen. Trotzdem wird es rechtsgültig werden. Alle Anträge, die über die Erweiterung der Rechte des Reichstags, über die neu zu formulierende Verantwortlich­keit des Reichskanzlers, über die Reform des Anfrage- rechtes, gestellt worden sind, können daran nichts mehr ändern. Tie Regierung macht schon große Pläne. Ihre Denkschrift verweist auch wieder auf die Systematik, von der die Franzosen nichts verständen, unb schreibt wörtlich:Hier kommt es lediglich darauf an, zu zeigen, wie es verständlich ist, wenn unter diesem System und bei der sonstigen Ber- nachlässigung ber Kolonie burch bas Mutterlanb ihre wirt­schaftliche Entwicklung unb Erschließung nicht biejenigen Fortschritte gemacht hat, bie ben natürlichen Quellen seines Reichtums entsprechen." In einer ber nächsten Sitzungen des Reichstags könnte Herrn v. Bethmann-Hollweg die Frage vorgelegt werden, wie er sich denn die Bewilligung der nötigen Mittel für sein neues Kongosystem denke? Ob er nach dem Rücktritt des Herrn v. Lindequist und dem Urteil des Reichstags auf eine gesteigerte Kolonialfreudigkeit rechne? So rächt sich bie bureaukratische Eigenwilligkeit und Geheimiiiskrämerei, mit ber unsere hohen Unfehlbaren bie ganzen Monate hinburch bas Volk haben im Blinben tappen lassen. Wie ein selbstvergessener UnteriMzter ist der Weise von Hohenfinow ft ramm weiter marschiert, ohne Leute hinter sich zu haben. Hans hatte das Glück, seinen Feldstein zum Brunnen hinunter kollern zu lassen; was wird aber aus der neuen Kongoerrungenschaft werden? Wollte man absolut Frankreich ver,ohnen, so hätte man statt Spott herauszufordern, ihm auch diesen Kongofetzen iwch nachwerfen können. Wenn man

bedenkt, wie lange die Verhandlungen sich hingezogen haben, bis diese Wurmfortsätze auf ber Kvngokarte kon­struiert waren unb dis uns bie hilflosen Tröstungen in Marokko selbst gegönnt würben, kann man sich erst ein rechtes Bild von der Staatskunst der Berliner Herren machen. Bon Frankreich drohte, wenigstens nach Bethmann- Hollweg, der Krieg: das amtliche Teutschland hatte eben viel zu viel Friedensschalmeien geblasen, um noch recht ernst genommen zu werden. Ter Kanzler hat ein ganz schema­tisches Programm verfolgt unb tut sich etwas bar auf zu gute, sagen zu können, er habe erreichi, was ber Kaiser unb er gewollt hatten: wirtschaftliche Zusicherungeii unb Kom­pensationen. Welcher Art unb welchen Inha.ts, bas machte ihm offenbar keine Skrupel. Unb seine matten Phrasen über bte englische Einmischung erfuhren im Reichstag nir-

Lin iianosjagang der bat).ifi;en Regierung.

München, 10. Nov. In ber heutigen Sitzung ber Kammer ber Abgeordneten gab Minifterpräjident Gras von Podewils folgende Erklärung namens der ge> samten Regierung ab:

Im Finaiizausicyuß vom 8. November wurde von dem Vertreter der Mehrheitspartei die Erklärung abgegeben, baß diese wegen der Stellung des Verkehrsministers zur­zeit nicht in der Lage sei, in der sachlichen Behandlung )cr Postulale des Vertehrsministeriums sortzufahren. Dar­auf hat der Finanzausschuß den Beschluß gefaßt, den Gegen- tand bis auf weiteres von der Tagesordnung abzusenen. Meine Herren! Der Herr Staatsminister für Vertehrs- angelegenheiten hat die rein sachlichen Gründe, aus welchen er veranlaßt war, die Sitzung der Kammer am 7. Novem­ber vor Schluß zu verlassen, bereits hier im Hause mit­geteilt und auch darauf htngewiesen, daß die Meinungsver­schiedenheit zwilchen ihm und dem ersten Vizepräsidenten auf ein Mißverständnis zurückzuführen sei. Auf diese Er- tlärung wird hiermit ausdrücklich Bezug genommen. Der Beschluß des Finanzausschusses vom 8. November geht hier­nach von nicht zutreffenden Voraussetzungen aus, und die Königliche Staatsregierung gibt sich der Erwartung hin, daß die Beratungen in diesem Ausschuß wieder ausgenom­men werden.

£anötag$wal)kn in SchwarzburgNudolftadt.

Rudolstadt, 10. Nov. Bei den heutigen Landtags­wahlen ist ein starkes Anwachsen der sozialdemo­kratischen Stimmen zu verzeichnen. Gewählt wur­den sechs Bürgerliche, davon vier von den Höchstbesteuer­ten, und neun Sozialdemokraten gegen sechs im alten Landtag. Tie Stadt Rudolstadt wird in beiden Wahlkreisen sozialdemokratisch vertreten. In einem Wahl­kreis findet Stichwahl zwischen einem Bürgerlichen und einem Sozialdemokraten statt. Tie Sozialdemokra­ten verfügen nunmehr über die Mehrheit im Landtage.

Die zinnlaud polilit öcs neuen russischen IMnifterpräslSeMen.

Petersburg, 10. Nov. Tie heutige Sitzung ber Reichsbuma beschäftigte sich mit ber finnischen Vorlage betreffend bie Einverleibung zweier finnischer K i r ch s p i e l e in bas Gouvernement Wyborg. Ter M i - n i ft e r p sibent führte aus:

In finnischen Kreisen betrachtet man die Vorlagen als eine Gewalttäiiakeil gegen die finnische Verfassung, und unter der Be­völkerung Rußlands fragt man sich gespannt, warum bisher das Gesetz vom 30. Juni noch immer keine äußere Verkörperung gesunden habe. Warum hat denn bie TrelmrUionenbevölkerung Finiüands volles Reckt, alle politischen Rechte des ganzen rus­sischen Volkes zu gemeßen, während das £mnbertfünfügmillionen> voik Rußlands in den Grenzen eines kleinen Teils desselben un­trennbaren Rußlands dieser Rechte beraubt ist? In Bezug auf das Wehrpflichtgesetz sagt Kokowzow: Em besonderes fin­nisches Heer könnte in Rußland nicht existieren; das russische Selbstbewußt'ein lasse das nicht zu. Finnö'cke Elemente letzt in bie russische Armee emzuführen, würde Finnland mckt be­friedigen. Tie Wehrpflicht m natura ist nach dem klaren Willen des Kaisers auögeichlonen; demnach bleibt nur die Ablösung durch die Steuer übrig Es erscheint gerecht, die sinnliche Bevölkerung im nächsten Jahre mit einer Steuer von 150 Kopeken zu belegen.

Nach der Rede des Ministerpräsibenten sprachen die Ver­treter des Zentrums, ber Nationalisten und bei Rechten ihre Zustimmung und volle Befriedigung über das Au'- treten der Regierung aus. Tie Lppo,ition unb bic Linke erklärten bie Vorlage für antikonstitittionell unb beshalb für unannehmoar. Schließlich wuroe ber Uebergang zur Lesung ber einzelnen Paragraphen 224 gegen 10/ Sttm-