Ausgabe 
19.10.1911 Zweites Blatt
 
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16V Mrgang

Zweiter Blatt

Nr. 246

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statt.

Deutsche Meldungen aus Hankau.

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ein trifft.

Die Politik Englands.

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London, 18. Oft. Wie das Reutersche Bureau erfährt, wird sich die Politik Englands während der augen­blicklichen chinesischen Wirren darauf beschränken, alle Maßregeln zu ergreifen, die zum Schutze von Leben und Eigentum britischer Staatsangehöriger für not­wendig angesehen werden. Sollte sich die Landung von Marines old aten notwendig erweisen, so werden die erforder­lichen .Anordnungen an Ort und Stelle getroffen.

Berlin, 18. Okt. Der Kommandant derLeip­zig" meldet aus Hankau: Tag und Nacht sind ruhig verlaufen. Tie Aufständischen zogen sich zurürt. Der bri­tische Admiral traf hier ein und übernahm als ran g- ältester Offizier den Oberbefehl auf dem Wasser und am Lande über die vor Hankau versammelten .See- streitkräste. ,

Es fehlen weitere Nachrichten über den Zu,ammcnstov des deutschen Landungskorpö mit dem chinesischen Pöbel. Ties läßt daraus schließen, daß die Schutzaktion nur kurz und erfolgreich und ohne größere Bedeutung war.

Der Ehef des deutschen Kreuzergeschwaders ist an Bord derGneisenau" in Nanking eingetroffen. DieGnei- senau" bleibt wegen des fallenden Wasserstandes in Nan­king. Admiral v. Krosigk setzt auf dem Kanonenboot Iltis" die Fahrt nach Hankau fort, wo er am 19. Oktober

von - Hieran!-

EM eint täglich mit Ausnahme des Lonntag».

DieGießener LamMendlätter" werden dem Anzeiger' oiermal wöchentlich beig-legt. daS Kreisblati für den Kreis Gießen" iroetmal wöchentlich. Tie .Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich jrocimaL

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Die

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Donnerstag, 19. Gttober 1911

Rotationsdruck und Verlag der Vrübl'schea Unwersikät» - Buch- und Skeindruckerei.

R. Lange, Ließen.

Redaktion, Expedition und Dnukerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag:®5L

Redaklwme-^llLTtl.-2ldruAnzeigerGießen,

sjchen Truppenführer Verhandlungen angebahnt worden sein sollen. Ten Aufrührern scheint es an Munition zu fehlen: dabei haben sie ein planloses Schießen hinter Hankau ins Werk gesetzt, das zu weiteren Vorsichtsmaßregeln der Euro­päer Veranlassung gegeben hat.

Fcuer längs der Bahnlinie bei Hankau.

Börsenspekulanten" undGeldschneider", er rechnet ihn zur!, gciftigen Halbwelt" und schiebt ihm unter, daß er mit einer? Lordcttmusik voll giftiger Miasmen und ungesunder Dünste, denHang zur Sinnlichkeit und Lüsternheit" ausbeuten will: Seine Werkeverunreinigen" das Theater, sie seien einespeku- lalwe Versündigung an der Menschheit". Ter gute Tort, des Hauses Wahmried gerät doch allmählich merkwürdig ins Wanken, oder glaubt Siegfried Wagner, dec weder als Architekt noch als Baumeister über der Mittelmäßigkeit steht, daß ihri sein Name zu einer derartigen Kritik berechtige? Da verwechsel^ Siegfried Wagner Kritik und Beschimpfung miteinander und sa viel sollte et doch unterscheiden gelernt haben. Ta Konkurrenz- neid, der schließlich auch solche Tinge wenigstens verständlich macht! doch wohl ausgeschlossen ist, bleibt das Gebahren sehr seltsam) umsomehr, wo es sich nur um eine Sache des Verständnisses und des guten Geschmackes handelt. A

Hk. Ausstellung für soziale Hygiene m Storni Im Winter d. Js. findet in Rom eine von den Medizinal? beamten des Landes veranstalteteInternationale Ausstellung iür soziale Hygiene" statt. Nach derMünch. Med. Wochenschr." soll die italienische Abteilung bereits am 15. November d. Is.,- die internationale Abteilung aber erft etwa am 1. Januar 1912 eröffnet werden, um hierdurch eine rechtzeitige Ueberführung in Dresden und Turin ausgestellter Gegenstände zu ermöglichem Tie Ausstellung wird bis zum Schlüsse des in der ersten Woche des Monars April 1912 in Rom beginnenden Internationalen Kongresses zur Bekämpfung der Tuberkulose dauern und sich be­sonders auch auf dessen Arbeitsgebiet erstrecken.

C. K. Der Papstpalast z u Avignon als Museum^ Aus Paris wird berichtet: Eine Anzahl sehr unternehmender Herren versuchten kürzlich, den berühmien Palast der Päpste von Avignon durch Kaui in ihren Besitz zu bringen, mit der Absicht, den denkwürdigen Prachtbau in ein Theater umzuwandeln Der Plan ist durch den französischen Unterstaatssekretär der schönen stünste, Tmardin-Beaumetz, im letzten Augenblick noch glücklich durchkreuzt worden, und es steht nun fest, daß der alte Papit- palast in ein Museum umgewandelt wird, in dem eine Reihe wertvoller Kunstschätze ihre würdige Stätte finden sollen. Ter Hauptteil des neuen Museums wird sich aus Meisterwerken der griechischen und römischen Bildhauerkunst zusammen setzen, die jetzt in einer Reihe von unbedeutenderen Provinzmuseen Südfrank­reichs verstreut sind.

politische Tagesschau.

Die Etrafprozetzreform.

Unser Mitarbeiter in Berlin sendet uns folgende Aus ^Fbie Verabschiedung der Strafprozeßreform in der laufenden Session des Reichstages hat, wie wir dören die Regierung nur schweren Herzens Verzicht ge- , .stet' da sie einsah, daß der Versuch, die Strafprozeß- reform noch verabschiedeti zu wollen, scheitern mußte und höchstens die Verabschiedung des übrigen Materials in Frage gestellt haben würde. Die Regierung beabsichtigt, die Strafprozeßreform auf mindestens sechs Jahre »urückzustellen und wird sie dem Reichstage erst wieder vorlegen, wenn der Reichstag das neue Straf­gesetzbuch verabschiedet haben wird. Um das neue Straf­gesetzbuch nicht wieder dem Reichstabe am Schlüsse einer Legislaturperiode vorzulegen, ist vorläufig beabsichtigt, das Strafgesetzbuch erst dem übernächsten Reichs- tag zu unterbreiten. Dieser Reichstag wird dann auch die Strasprozeßreform, die Neuregelung des Militär­strafrechts und die Reform des Strafvollzugs zu beraten

liche Spekulationen. So kaufte er mit einem Herrn Seramont die Mine von St. Aubin für anderthalb Millionen, gründete ic mit 18 Millionen und verstand die Aktien unterzubringen. Er vermehrte seinen Reichtum durch die Heirat mit der Fürstin Sophie Trubetzkoi und hatte seine Hand in allen Geschäften, die Geld brachten, ohne dabei auf das Wohl Frankreichs sonderlich Rücksicht zu nehmen. Er war es, der wegen gewisser Geldgeschäfte Napoleon zu der verhängnisvollen Expedition nach Mexiko be­wog. Mles in allem, er war ein geschickter faiseur, ein skrupel­loser Abenteurer, aber kein Staatsmann. Das Kaiserreich, das er mit schaffen Hali, kompromittierte er oft durch seine finanziellen Transaktionen, in Rußland bereitete er, durch die Schmeicheleien des Petersburger Hofes betört, der kaiserlichen Politik Verlegen­heiten, indem er die Allianz mit England wie ein richtiger Smeler einsetzte. Als Präsident des gesetzgebenden Körpers machte er durch seine Repräsentationsgabe, seinen Witz und durch seine Un- parteilichkcit gute Figur und war infolgedesien beliebt. Als ihn kurz vor dem Staatsstreich eine Dame gefragt halle, was er tun wurde, wenn man die Kammer ausfegte, hatte er geantwortet: Madame, ich wurde versuchen, auf der Seite des Besens zu bleiben", und diese Maxime hat er immer mit großer Geschick­lichkeit befolgt. Er hat es, wie Balzac sich ausdrückt, oerftanben, auf der Menschheit wie auf einem Teppich herumzuspazieren. Sein Leben war nach seinen Begriffen glücklich, und er hat die Sint­flut die über das zweite Kaiserreich hereinbrach, nicht mehr erlebt. Er starb am 10. März 1865 und wurde auf Staats­kosten bestattet. *

Ernst v. Possark feierte am Münchener Hoftheater als Shylock sein fünfzigjähriges Bühneniubiläum unter glänzenden Gunstbezeugungen. Danach fand eine Feier auf der Bühne statt, mit einer Ansprache des Intendanten und llebergabc einer silbernen Blumenschale als Geschenk des Hof- theaterpersonals. Ter Prinz reg ent verlieh Emst von Pos- sart 5um 50sährigen Schauspieler-Jubiläum eine ungewöhnlich hohe Auszeichnung: den Stern zum Mick-aelsorden 2. Maste.

Siegfried Wagner gegen Richard Strauß. In der neuen Berliner WochenschrittDer Turm" veröf.cmlicht Siegfried Wagner, wie aus Berlin gemeldet wirv, überaus heftige Angriffe auf Richard Strauß. Wasser dem, Komponisten der Salome vorwirit, ist so ziemlich ba§_ L-chlimniste, was man einem Künstler eigentlich sagen kann. Er nennt Strauß einen

Ans Hessen.

Zur Landlagswa.l in Gieren.

Der 1. Vorsitzende des Vereins der fortschrittl. Volks- Partei, für den Reichstagswahlkreis Gießen, Herr Justizrat Metz', bittet uns um Aufnahme folgender Ausführungen:

Ter Kandidat der nationalliberalen Partei, Herr Adolf Klingspor, bat in der gestrigen Nummer Ihres Blattes eine Erklärung abgegeben, für die man dankbar fein must, da er end­lich einmal offen und ehrlich ausfpriäst, um was es sich der den Verhandlungen zwischen der Foikf christlichen Volksvailei und der nationoliibcralcn Partei aui Seiten dcr Letzteren banbclt. Tie na.ionalliberale Partei erstrebt hiernach nicht und I at in allen Stadien der Verhandlungen nicht erstrebt, eine «Äiäriung des liberalen Element im Landtag, u ich t ein Zu­sammengehen der Liberalen Hessens im Lande, sondern nur den Gewinn des für die Liberalen allein fieberen Mandats in Gießen, wie es bei allen Verhandlungen mit der nationalliberalen Partei cs sich für diese nur um die Erringung von Mandaten für die eigene Partei handelt. . ,

Würde es der nationalliberalen Partei wirklich um em fach­liches Zusammengehen aller Liberalen zu tun fein, m wurde fie cs für eine Ehrenpflicht erklären müssen, nachdem sich bei der letzten Reichstagswahl ergeben hat, daß die fortschrittliche Volks- partei die wci aus größere An.ahl Wah.er im R-nchstagswahl kreis besitzt, ohne Gegenleifiung bei der dcmnächstigen Reichstagswahl die Freifinnigen zu unterstützen, und sie würde nicht, wie fie es in den Verhaiidlungen stets getan hat und wie es Herr Klingspor in seiner gestrigen Erklärung tut, diese U n t c r st u tz » n g abhängig gemacht haben von der Neber lass ung desz weiten Landtags Mandats der «ladt Gießen seitens der Fortschrittlichen Volkspartei an die Nationalliberalen.

Ist es denn in den letzten dreißig Jahren, in welchen die Stadt Darmstadt zwei Abgeordnete in den Landtag gefcndct bat, der nalionalliberalcn Panei jemals eingefallen, ein Mandat der freisinnigen Partei zu überlassen, obgleich bie rtreiiuinigeii m Tannsiadt verhältnismäßig stärker sind als die Nationalliberalen

Gras Morny.

Ich habe ein eigentümliches Schicksal, ich muß meinen Vater Herr Graf, meinen Bruder Sire und meine Achter tfraulein nennen", diese Worte sind charakteristisch für das Leben und Wesen des Mannes, der sie sprach, des Grafen Morny. Eine der inter­essantesten Persönlichkeiten des Frankreichs vor 18/0, stellt er den Typus des Grandseigneurs dar, der zugleich Spekulant und Groß­industrieller ist und die Politik dazu benutzt, um i5manzgef chatte zu machen. In dem abgelegenen Pavillon eines alten Palastes in der Rue d'Anjou St. Honorä pflegte sich ferne Mutter, die Königin Hortense, mit ihrem Geliebten, dem Grafen ^lahault, ihrem iGroßstallmeister, zu treffen, und hier erblickte , er am 23. Oktober 1811 das Licht der Welt. Eine vertraute öofbame mußte das Geschrei des Kindes durch lautes Klavierfviel.über­tönen. Der illegitime Sprößling, ein Halbbruder des i pater en Kaisers Napoleon III., wurde für 800 000 Francs von einem ver­armten, kinderlosen Grafen Morny adoptiert, aber nicht der ^tdoptivvater, sondern der wirkliche: Flahault, und denen Mutter Mme. Souze sorgten für seine Erziehung. Seine winenichafttiche Bildung empfing er im Collöge Bourbon und trat dann in die Generalstabsschule ein, worauf er 1832 als Leutnant in einem Ulanenregiment Dienst nahm.

Er war elegant, jung und reich, sein Vater unterstützte ihn. obgleich ihm seine Mutter schon 40 000 Francs Renten lieber gelt eilt hatte. In Afrika schlug er sich gut, tat sich bei Konstantine hervor, ging aber bald wieder nach Paris, wo er eine Rolle in der galanten Welt spielte und sein Vermögen nahezu durchbrachte. Kurz ent­schlossen kaufte er sich in der Provinz an und betrieb die Zucker­fabrikation. Er hatte Glück, wurde führend in seiner Industrie und gelangte nun auch in die Teputiertenkammer, wo er ledoch nicht hervortrat. Seinem Bruder, der ihm Mißttauen entgegen- brachte, weil er sich mit den Orleans gut gestanden hatte, näherte er sich nur allmählich, dann aber erfolgte eine aufrichtige Ver­söhnung, und so wurde er der Minister des Staatsstreiches. Er war wieder in seinen Vermögensverhältnissen sehr zuruckgekommen, und so benutzte er die Nacht zum 2. Dezember zu einer Börsen­operation großen Stils. Er kaufte am 1. Dezember alles, was er bekommen konnte, und verdiente daran ungeheure Summen. Sein Verhalten während des Staatsstreiches, den er leitete, ist bekannt. er blieb Minister des Innern. Zunächst wenignens: dann gab er das Portefeuille ab und wurde Präsident der Legis­lative, Gesandter in Rußland. Vor allem aber trieb er bedenk-

in Gießen? m 3 ,,

Angeftchts der Tatsache, daß bei den letzten Rcichstagsivaylcn in Gießen und Wicseck 2262 Stimmen für die Fortschrittliche Volispartei und 925 Stimmen für die Wationalliberalc Porter abgegeben worden sind, kann man doch unmöglich das Recht der Nationalliberalen herleiten, den zweiten Landtagsadycordnetcir ür Gießen zu stellen. Man könnte dies auch dann nicht, wenn es richtig wäre, daß bei der letzten Landtagswahl des Nach­folgers des Geh. Justizrat Dr. Gutsleisch die Mehrheit der Wahl­männer auf Seiten der Nationalliberalen geroefen sei. Diese Tatsache ist aber auch ganz unrichtig, denn unter den Wayl- männern des Herrn Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch, die auch den Herrn Justizrat Grünewald wählten, waren nur wenige, ver­einzelte Nationalliberale, die von der damaligen frei­sinnigen Partei ehrenhalber ausgestellt worden waren, nadfbem die nationalliberale Partei von der ursprünglich von ihr be­absichtigten Ausstellung eines Gegenkandidaten abgesehen hatte.

Wie sehr umgekehrt die fortschrittliche Volks Par­tei im sachlichen Interesse und beseelt von dem Wunfch, eine Annäherung^der nationalliberalen und der freisinnigen Partei in Hessen und speziell im Landtag herbeizuführen, zu einer Verständigung ge­neigt war, geht ans der von Herrn Klingspor selbst hervorgehobenest Tatsache hervor, daß von freisinniger Seite angeregt worden war, unter Umständen auf das Gießener Mandat zugunsten der national-, liberalen Partei zu verzichten, roenu dagegen die Tarmstädtc^ Wationaltiberalen den dortigen freisinnigen Kandidaten unter-, stützen würden. _ t I

Wenn dieser so weit entgegenkommende von dem Landes-, ausschuß der fortschrittlichen Volkspartei genehmigte Vorschlags von den Tarmstädter Nationalliberalen abgelehnt worden ist, so,' mögen sich die Nationalliberalen Gießens, bei ihren Darmstädter/ Freunden bedanken. v

Ein weiterer Vorschlag, die Nationalliberalen in Mainz' möchten dort einen freisinnigen Kandidaten unterstützen, konMes allerdings als ernstliches Aequivalent für den Verzicht der Frei-, sinnigen auf das Gießener Mandat aus dem doppelten Grunde^ nicht in Betracht kommen, daß es einmal ganz unsicher ist, oft in Mainz auch bei gemeinschaftlichem Zusammengehen beider liberalen Parteien ein Sieg erreicht werden kann, zum anderen- aber, weil bei dem fteundschastlichen Verhältnis, in welchem biet Mainzer Freisinnigen und Nationalliberale;! zu einander stehen/ ein Zusammengehen so wie so gesichert erschien und wohl auchf

Warum zum Schluß grade Herr Klingspor in rührendes Bescheidenheit sich allein für berufen hält, ini Landtag fürs Handel, Gewerbe, Jndusttie und Arbeiierfchafl in der schwierigen«

Die Revolution in China.

In Hankau selbst herrscht wieder Ruhe, und ein aus­reichender Schutz der Fremden ist zweifellos vorhanden, nachdem auch englische Schiffe und Truppen hinzugekom­men sind. Immerhin ist die Lage sehr aespannt, denn um Hankau spielen sich Gefechte der Revolutionäre mit den Regierungstruppen ab, die noch unentschieden sein sollen. Wenn es wohl auch übertrieben ist, wenn die chinesische Regierung schon Siegesnachrichten in die Welt gehen läßt, so find doch ihre Aussichten heute zweifellos besser als vor einigen Tagen zu beurteilen. Vielleicht hat der Einfluß ^uanschikais sich schon bemerkbar gemacht. Bemerkenswert ist auch, daß zwischen den Revolutionären und dem kaiscr-

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Matur Kling1 D, uns am M i) persöulich obr n z»» i* *£

Nordd. Allg. Ztg." legt nochmals dar, wie viel der Regierung an dem Zustandekommen der Strasprozeßresorm gelegen habe: , , , . .

In freridfiebenen Zeitungen findet sich die Notiz, es sei im Seniorcnfonucnt in der gestrigen Sitzung die offizielle Mitteilung gemacht worden, daß die verbündeten Regierungen auf die Ver­abschiedung der Strasprozeßnovelle und die Novelle zuwi ®c- richtskostcngesetz keinen Wert mehr legen, .-tiefe Nachricht ist Unrichtig. Im Seniorenlonvent ist eine derartige Mtt- i eil ung nicht erfolgt und konnte auch mcht erfolgen, tu eil die verbi ideten Regierungen nach wie vor aus das Zustandklominen der «trafpro^eßreform, die von dem Reichstag seit länger denn 25 Jahren nachdrücklich ver- langt worden ist, den größten Wert legen. Viervon mochte der Präsident des Reichstages dem Seniorenkonvent Mitteilung und habe b«*?.i bemerkt, daß er dem Reichskanzler feine Zweifel an der Möglichkeit der Durchberatung dieser Gesetze geäußert habe. Ter hieraus erfolgte Beschluß des SenwreiiloiweMs, von einer Weiterberatung der Strafpozeßordnung abzufehen, beruht ionad) lediglich auf Erwägungen, die in den Kren en ber Mitglieder des Reichstages als maßgebend erachtet worden finb. t .

Ob die obigen Mitteilunaen unseres Berliner Mitarbei­ters sich bewahrheiten werden, kann aus der amtlichen Darlegung nicht herausgelesen werden.

Die Marokkofrage und die Fraktionen des Reichstags.

Man schreibt uns aus Berlin:

Wie wir hören, haben sich die meisten Fraktionen des Reichstags einverstanden erklärt, die Besprechung der An- sragetl über Marokko und Tripolis solange hinaus- z u s ch i e b e n , bis die Reichsregieruna in der Lage sein wird, sie zu beantworten. Man hat sich davon überzeugen lassen, daß eine Besprechung dieser Fragen in Abwesenheit der Regierung nicht nur aus den Gang der Verhandlungen ungünstig einwirken wird, sondern auch der Würde des Reichstags kaum entsprechen dürfte, denn die Regierung würde bei der Besprechung dieser Anfragen vor dem Ab­schluß der Verhandlungen sich nicht vertreten lassen können.

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Hankau, 18. Okt. Heute morgen 7 Uhr wurde das Feuer längs derBahnliniebeiHankau eröffnet. Aus Hanyang wurden Geschütze nach Wutschang geschafft. Man ist der Ansicht, daß die Aufständischen den geeigneten Zeitpunkt unbenutzt ließen.

Tas Gefecht entwickelte sich heute morgen zwischen 2000 Mann Regierungstruppen und 100 00 Ausslandi^ s ch e n. Admiral Sa Tsch en P ing gab seinen Kreuzern >en Befehl, Abteilungen zu landen. Tie Aufständischen rückten von Wutschang her vor und eröffneten sofort das Feuer; die Geschütze der Kreuzer antworteten. Tie fr em- den Kriegsschiffe setzten Tetachements an Land.

Tie Verstärkungen der Revolutionäre wurden beim , Ueberschreiten des Flusses etnxis in Unordnung gebracht. Tie Leute zeigen meist eine gute Haltung, beklagen sich aber.über chre Führer. Ein Eisenbahnzug Regic- rungstruppen ist heute früh angekommen. Es imrb behauptet, daß Liuhanschang die Regierungstruppen zum Abfall ausgesordert habe, aber ohne Erfolg. Das plan­lose Schießen hinter Hankau setzte sich bis nach­mittags fort. Angeblich sind 2 00 bis 300 Revo­lutionäre getötet worden, während die Regie- rungstruppen geringe Verluste erlitten haben sollen.

Hankau, 18. Okt. Das Gefecht ist bisher un­entschieden geblieben. Tie Aufständischen trie- dendieAngreifervorübergehendzuruck, dann aber begann sich der Mangel an Patronen fühlbar zu machen. Tie Aufständischen ziehen sich jetzt auf Wutsch an g zurück. Einige von ihnen er tunt).gleit ftch bei den Fremden, ob sie in den Fremdenniederlassunaen Schutz sinden würden. Es nahmen nur 2000 Aufstündftche an dem Gefecht leit Eine Abteilung der Aufständischen, welche gestern den Hanfluß aufwärts rückte, unternahm den Versuch, das in der Nähe der belgischen Niederlassung ausgeschlagene Lager der kaiserlichen Generäle durch einen Angriff von rückwärts zu nehmen. Augenblicklich finden Verhandlungen zwischen einem kaiserlichen Admiral und dem Führer der Aufständischen

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