Genaue Abbildung in Naturgrösse. Ohne Eeklameauf druck.
161. Zayrgang
Drittes Blatt
M. 2^5
1 iiliakn
a. d. Ruhr.
Anleihe über-
steilten Stücke
riügung-
usw.
Der Neichskanzler und die Parteiführer.
Berlin, 17. £ft Der Reichskanzler Führer der Parteien im Reichstage sprech ungen ein. *
Tie natiouaüiberale Anfrage betreffs Marokkos
Mn von lO Psd.
Kilometer. a,s/
Mb. Deutscher Reichstag.
,490. Sitzung. Dienstag, den 17. Oktober.!
tim Tische de» BundeSratS: Dr. LiSco.
Dos Haus ist zur Hälfte besetzt.
_ Präs. Graf Schwerin-Läwitz eröffnet die Sitzung um 8% Uhr mit einem herzlichen WillkommenSgruß und dem Wunsch. Laß die Herren alle in der viercinhalbmonatigen Unterbrechung der Arbeiten voll gekräftigt seien, ..so das; wir noch einen möglichst großen Teil des Resteö unserer gesetzgeberischen Tätigkeit in der kurzen Frist, die un8 gepeilt ist, erledigen können."
Der Präsident gedenkt der während der Sommerpause verstorbenen Abgeordneten: Hug (Ztr.), Frauk - Ratibor (Ztr.) und Liebermann v. Sonnenberg (Wirtsch. Dgg.). Tav HouS ehrt ihr Andenken durch Erheben von den Sitzen.
Auf der Tagesordnung stehen
Petitionen.
Vereinsrecht.
Schluß 4% Uhr.
scheu ---------- .
geht an den Reichskanzler als Material, x AIS zweiter Punkt steht auf der Tagesordnung die
Erscheint »glich mit Ausnahme de» Sonntag».
Die ^»tetzener LmniliendlStler" werden dem ,Snjetfler* viermal wöchentlich beigelcgi, da» „Kreisblatt fir bea Kreis Sietzen" »weimal wöchentlich. Die „LandwirtichaftUchell oett- Iragen" erscheinen monatlrch zweimal.
Die nationalliberale Fraktion des Reichstages hat zur auswärtigen Politik folgende Anfrage eingebracht.
csst der Herr Reichskanzler bereit, über bie Auswärtige Rolittk Deutschlands, insbesondere den Stand der Marokkoverhand- lmigcn und die zum Schub deutscher Staatsbürger und deutscher Interessen in Marokko getroffenen Maßnahmen, sowie über die
durch den Krieg Italiens gegen die Türkei berbeigesübrte Aenderung der politischen Lage Ausfunsl zu geben? . .
Ist der Herr Reichskanzler bereit, zu erklären, das; bei den -wischen Deutschland und Frankreich zurzeit geführten Komv-en- sationsverbandlungen die Abtretung deutschen gebietes ausgeschlossen ist?'-
Mittwoch, 18. Moder 1911
Rotanem-druck und Verlag der vrüdl'schen UniversitätS - Buch- und SteinkturfereL R. Lange, Ließen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: 6d)ul- straße 7. Expedition und Verlag: e=#9 6L Redaktion:«-^ 112. Tel.-AdruAnzeigerL,eßen.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
denn auch sie können gemißbraucht werden, um bellimnite Gruppen 1 . aiuiiier fcon der Arbeit fern zu halten. ES herrscht Eben- foH» eine Luft, bie nicht schön ist. Zu der sonstigen Teuerung scheinen die @rubenbcfifccr auch die Kohlenfeuerung hinznsuqen ?a wollen. Sie schämen sich nicht, sich um 1 Pfennig - um Ium- niflc 150 000 Mk — an den Renten der Wilwen und Waisen zu bereichern, um auf diese Weise Gelegenheit zu bekommen, eine große Reinigung hcrbeizuführen.
'Die Petition wird zur Erwägung überwiesen.
Der Deutsche Metallarbeiterverband verlangt in einer Petition die Schaffung eines Hütt en« rbeit er schuh- Gesetzes Die Kornwisswu benr ragt, daS dem Rcichvkanzlcr als Material, aber soweit sich d.e Einzelvorschsage der Petition auf Verkürzung der Arbeitszeit, Verschorfung der De- triebskontrolle, größeren Gesundheitsschutz und Beseitigung der Unsicherheit in der Entlohnung beziehen, zur Beruckfichti* gung zu überweisen.
Abg. GieSbertS (Zentr.) spricht für den KommissionSantrag, bespricht die Arbeitsvcrhältnisse in der Hüttenindustrie und er- Hart, daß die Bundesratsverordnungen ein vollständiges Fiasko gemacht hätten. Daher müße daS Gesetz eintreten.
Aba Hue(Soz-): Es ist erfreulich, dag der Vorredner klipp und klar ausgesprochen hat, daß die bestehenden BundeSratsverord. nunqcn völlig Fiasko gemarbt haben. Leider ist aber von nefer Regierung und von diesem Reichstag keine Abhilfe zu erwarten. Der Redner schildert die Verhältnisse in den Huttenbeziiken Regierung hat sich arg versündigt. Wenn sie würde vor der Macht der Unternehmer, dann hatten wir langst daS Schutzgesetz. Wir hoffen auf den neuen ReichstagI ^er Neiner beantragt, die Petition im ganzen zur Berücksichtigung zu überweisen.
Ter stommissionSbeschluß wird auch hier bestätigt.
Tas HauS vertagt sich _
Eingegangen sind noch d^ei weitere gnterpe • f jenen : v. N 0 rmann (Kons.), 93 aff ermann (AaU.) und Ablaß (Vp.) über Marokko und die Tripolis, $f ^Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr : Auf der Tagesordnung stehen somtl'che eingegangenen sechs Interpellationen in der Reihenfolge ihres Einganges: an erster stelle die über daS
Der Mclteftenrat des Reichstages
beriet während der Plenarsitzung am Dienstag über die Gc- schäftsbehandlung der nächsten Tage Am Mittwoch wird die Besprechung der Anfragen über das Vereins- und Ver- sammlungsgesetz durchgesuhrt werden. Am Donnerstag soll dann die er|te Lesung des Privatbeamtenver siche runqsgefetzes beginnen, die man am Samstag adzu- schließen hofft. Den: Ältestenrat lvurde weiter dte amtliche Mitteilung gemacht, daß die verbündeten Regierungen aus eine Verabschiedung der S t r a f p r 0 z e ß n 0 v e l l e und der Novelle zum Gerichtskostengesetz keinen Wert mehr legen. Schließlich wurde ein Schreiben des Reichskanzlers verlesen, das no'ch amtlich veröffentlicht werden wird. Der Inhalt des Schreibens geht dahin: der Reichskanzler versteht und teilt den Wunsch, daß die auswärtige Sage im Reichstag besprochen wird. Im gegebenen Augenblick aber sei der Reichskanzler allerdings mit Rücksicht auf die schwebenden Verhandlungen und auf den Meinungsaustausch der Mächte über die I Tripolisfrage auß er st a n d e, s e l b st ö f f en tli ch S t e l- lung zu nehmen. Es schweben gegenwärtig Verhandlungen zwischen den Mächten, die auf die Beilegung des Krieges abzielen. Eine Besprechung der auswärtigen Sage im Reichstage, ohne daß die Regierungen daran teilnehmen, habe das Bedenken gegen sich, daß die Sage dadurch erschwert würde. Er müsse es gegenwärtig ablehnen, die Anfrage zu beantworten, verspreche aber, daß er, sobald die Sage es gestatte, dem Präsidenten des Reichstags davon Mitteilung machen werde, um dann die Besprechung der auswärtigen Angelegenheiten durchzuführen. Ueber dieses Schreiben des Reichskanzlers wurde im Ältestenrat lange verhandelt und allseitig her Wunsch ausgesprochen, daß möglichst bald eine öffentliche Besprechung der gesamten auswärtigen Lage stattfinde. Der Präsident konnte schließlich als die einstimmige Meinung des Ältestenrats feststellen, daß i n j e d e m Fa l l e der Reichstag seinerseits die Möglichkeit habe, eine Besprechung der auswärtigen Sage selbständig durchzuftthren.
Sport.
♦ Radsport. Der Gau IXa Sicg-Sahn des Deutsch e n R ad f a h r e r B u n d es hielt am Sonntag, lo. Oktober, in Marburg seinen Haupt-Gautag ab. Den einzelnen Berichten der Ganvorstandsmikglieder war zu entnehmen, batt der Gau mit auf der Höhe des Bundes steht, besonders war aus dem Dwichte des Gausahrivarts für Straßcnfahren.M arx G1 eßen, zu ersehen, »aß die im Vergangenen Jahre erzielten Erfolge sowie die einzelnen Leistungen der Mitglieder und mit den besten int D. R. B. zu verzeichnen, sind Ben der Bor- iandswahl wurden Braun-Laasphe l. ^'rutzender, Kirchhain 2. Vorsitzender, Sipmann-Marburg Schriftführer, Waldeck Alsfeld Zahlmeister und Marr-Gießen Fahrwart für Straßen- fairen roicbergcroäblt; Sdnnner? ffleBlar Sayrwar! tur unb Korsofahren, Weisbaupt Nidda und Lang Kirchhain als Bcintzer neugewählt Als Sri für den im Frühjahr 1912 stattfuidendcn Gautage verbunden mit Saalwettbcwerb fimrde Stcgrn bestimmt. Der am 19. November abzuhaltende Vere,>rs-Fahrwartetag wurde Gießen übertragen. Anschließeiid an die -Sitzung des Gautages wurden den Vereinen einzelne Mitglieder die un vergangenen Fahre errungenen Auszeichnungen überreicht. Den von Derrn Gauvorsitzcnden G. Ad. Brann-Laasphe für dre größte erzielte Turchschnittsbeteiligniigszahl an den Gaufvhrten, bestehe,id m einer echt silbernen Ehren Kette, unb 1. Preis errang der Jtab- 5Hub Germania-Gießen mit 59,6 Proz. Kleritgnng, den 2. Preis errang der Radfahrverern 1885, E. V. Gießen, den 3. Preis der Radfahrverein 1887 Wetzlar.
l6*»0, tzVPsg.
38,48, PMO, 80 „ Zucker billigst
Abstimmung über Antiqua und Fraktur.
Die bekannte Petition des Allgemeinen Vereins für Altschrift Snif allgemeine Zulassung der Altschrift, vor allem der Handschrift- jorm im amtlichen Verkehr der Behörden, sowie daß allgemein der erste Schreib-Leseunterrickt in den Volksschulen nut der Altschrist beginnen, der Unterricht in der Fraktur dagegen in die spateren Schuljahre verschoben und möglichst bald auf das Lesenlernen beschränkt werde, hat die PetitionSkommlssion mit 23 gegen 3 Stimmen zur Berücksichtigung empfohlen. Im Plenum wur^e dieser Antrag der Kommistion scharf bekämpft und bei der Ab- stimmung, die in einer der letzten Sitzungen vor der Sonnner- Daufc erfolgte, ergab sich bei einem Hammelsprung die Beschluß. Unfähigkeit des Hausec-, so daß die Abstimmung nun zu wiederholen ist. Sie ergibt eine erhebliche Mehrheit g eg en den Kommissionsbeschluß; ein Antrag der wirtschaft, lichen Vereinigung auf Uebergang zur Tagesordnung über bie Petition wird angenommen.
Tine Reihe von Petitionen, zu denen eine Wortmeldung nicht voriiegt, wird in der üblichen Weise durch einfachen Ausruf gemäß den Anträgen der PelitionSkommisston erledigt.
Der ZentralauSschuß der vereinigten Innung», verbände TcutschlaudS, der Bergische ^abrikantcnvercin in Remscheid, sowie u. a. eine Reihe von A r b ei t g e ber 0 rg an i- fa Honen im Transport-, Handels- und VerkehrSgewerbe verlangen in einer Eingabe den Erlaß von Bestimmungen z u m Schutze der Arbeitswilligen gegen Bedrohung unb Mißhandlung und der Gewerbetreibenden gegen Verrufs- erNarungen usw. Mit Rücksicht auf den Hinweis von Vertretern dcü Rcichsiustizamtes und des Rcichöamts deS Innern, daß auch diese Materie für den Entwurf des neuen Strafgesetz, buchs Gegenstand der Beratung sei, beantragt die Kommission Ueberweisung als Material.
Abg. Raab (Wirtsch. Vgg.) beantragt Ueberweisung zur Be- rücksichiiguna. Der Boykott wird in neuerer Zeit immer mehr Waffe der Arbeiterorganisationen und es muß dagegen in der schärfsten Weise eingeschritten werden.
Abg. Schmidt-Berlin (Soz.): Gerade Herr Raab stellt sich hm und spricht gegen den Boykott I Gerade seine Kreise sind eö, die von jeher sich dieses Mittels bedient haben. Der Redner tragt Material vor, u. a. gegen den Fleischerverband.
Der Kommissiousbeschluß wird bestätigt.
Die Hirsch-Dunckcr scheu Verbände ersuchen um schleunige Vorlegung eines Gesetzentwurfes zur Forderung pari- t ä t i f di e r Arbeitsnachweise und zu diesem Zwecke um gesetzliche Einführung einer amtlichen Kontrolle über bie Zwangsarbeitsnachweise ber Unternehmer, mn Ldurch dem System der schwarzen Listen entgegenzutreten. Die Kommission beantragt Ueberweisung dieser Petition zur Er- Wägung. m
Abg. Hile (Soz.) beantragt Ueberweisung zur Verucknchtigung. Der Redner greift (n Begründung dieser Forderung in längerer Rede besonders die Arbeitgeberschaft beS Ruhrrevier» an. Der Zechenverband ist in den Besitz der Mitgliederliste bc6 Steiger- Verbandes gelangt, offenbar durch postalischen Mißbrauch, und d„ Leute werden nut Entlastung bedroht, wenn sie aus dem Verband nicht austrcten. Eine Kontrolle der Arl»eitgebcrnachweue ist not- wendig; unter ihrer Herrschaft werden bie Leute für den ganzen Jnbustriebezirk ansgespcrrt. DaS ist eine brutale Beu^uig deS Rechts. Die Verarmung, Verelendung der ^^deiterschaft im Ruhrgebiet wächst erschreckend. In der vergangenen Woche md deSlxilb nach langer Zeit zum ersten Male die vier _^cr0°rbe*t”' verbände wieder zusarnmengetreten unb haben ;icb über cm Vor- «reben anS »lnlaß der Notlage verständigt, em Beweis, wie ernst . die Lage ist. Der Wechsel in den Belegschaften 'st außerordentlich groß. Die Stimmung ist sehr erbittert. Wir werden ,a über die Teuerung in den nächsten Tagen uns noch gründlich auS-
?bg. vrhrenS (Wirtsch. Vgg?): Das A r b e i t S k am wer- a e f r e ist von der Kommission erledigt, unb jetzt scheint me Stimmung bei der Regierung etwas flau zu Kin, benn bie .Deutsche Arbeitgeberzeitung" verrat, bie Regierung beabsichtige, baö Gesetz an Formalitäten scheitern zu lasten. Damit wurden die Arbeiter um eine Hoffnung armer sein, baß das Arbcit., ^'- iv. 1 i><ic 11 n wutlich paritätisch und unabhängig gestellt werven kann. Im Ruhrgebiet ist nicht zu viel Arbeit vorhanden trotzdem werden wöchentlich noch große Scharen von Au-landern dorten geschleppt. Dadurch wird die Stimmung unter der Arbeitcri^tt natürlich nicht günstiger. Möglich ist daß nur durch deu Zwangs- arbeitönachweiS der Zechen. Auch wir stehen auf dem Voden de paritätischen Arbeitsnachweise, aber daö Ideal sind sie mch uichi.
, Eine Eingabe des Professors der Psychiatrie an her Umberfi- tat Gießen, Dr. Sommer auf Gründung einer piychiatn- Abteilung des R e i ch S y e s u n d h e 1 t ö a m t s
Die Konservativea
haben eine Anfrage cingebracht, in ber sie de« Reichskanzler ersuchen, dem Reichstage über den «tand der Ma- roktoverhandlungcn Ausschluß zu geben Erne gleiche Anfrage wirb auch von ber sortschrtttlick^en Bolkspartei ein- gebracht werden.
DaS Zentrum
hat im Reichstage folgende A n s r a gen.gebracht:
Ist ber Herr Reichskanzler bereit, dem Reichstage Auskunft zu geben: 1. lieber bie zum Schutze der deutschen Interessen in Marokko getrossenen Maßnabmen? 2 Ueber die durch daS Borget en Italiens geschassme internationale Lage? 3. lieber den Stand ber beutschen Interessen in China? . . . -.
Ist ber Herr Reichskanzler bereit, Auskuntt zu geben, inwieweit eilte außergewöhnliche Preisste 1 ger UNS der Nahrungs unb Futtermittel nngetreten ist? Welche Braßnaliinen gedenkt ber Herr Reichskanzler zu veranlassen, um bestehenden ober drohenben Ucbclüänbcn ohne Echabigung ber ein bei mi scheu Produ ki i 011 euig'^enninirken^
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er 1911.
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Das nervöse Zeitalter.
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