suche her eine angenehme Erinnerung bewahre. Frankreich hege die aufrichtige Sympathie für Belgien. Sein Besuch sei nicht nur ein Akt der .Höflichkeit, sondern eine Bestätigung dafür, welch hohen Wert sein Land auf die Freundschaft Belgiens lege. Frankreich verfolge mit Bewunderung den raschen Aufschwung der jungen Nation, die auf alten Gebieten, der menschlichen Tätigkeit sich einen bedeutenden Platz erobern konnte. Falliöres schloß: Auch wir wünschen, daß beide Länder durch ihr gemeinschaftliches Bestreben einen immer engeren Ausgleich ihrer ökonomischen Interessen finden werden.
Aus Marokko.
Es scheint nicht, als ob der Aufstand in Marokko bald beendet werden solle. Neue französische Truppen und Kriegsmittel sind nach Casablanca unterwegs, und auch die Spanier regen sich mit ihrer „Polizeitätigkeit".
Es liegen folgenbc Meldungen vor:
London, 9. Mai. Wie das Reutersche Bureau aus Tanger meldet, haben die Truppen des Sultans einen Ausfallaus Fez gemacht, die Aufständischen geschlagen und den festen Punkt Najala Faradji genommen.
T e t u a n , 9. Mai. 250 von spanischen Offizieren befehligte Rifs schützen besetzten Fenideg in marokkanischem Gebiet. Zwei andere Punkte, von welchen einer etwa 15 Kilometer von Tctuan entfernt ist, wurden ebenfalls besetzt. Die Besetzung ist eine vorläufige und soll bis zur Bildung der in den Verträgen vorgesehenen Polizei aufrechterhalten werden.
Marseille, 9. Mai. Das Transportschiff „Vinh Long" ist heute abend mit 550 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften der Kolonial-Jnfanterie, einer Batterie Artillerie mit Material, Munition und der vollständigen Ausrüstung eines Militärhospitals nach Casablanea in See gegangen.
Aus Hetzzen.
sd. Darmstadt, 9. Mai. Der Sonderausschuß zur Beratung für die Vereinfachung im Staatshaushalt trat heute wieder unter dem Vorsitz des Staatsministers Ewald zusammen. Man beschäftigte sich in der Hauptsache mit der Oberrechnungskammer. Während die Negierung und die Mitglieder der Zweiten Kammer das seitherige System beibehalten und nur durch die Beseitigung einer Anzahl Stellen eine Vereinfachung oder Verbilligung herbeiführen wollen, hat das Mitglied der Ersten Kammer Fürst Jsenburg-Bir- ft ein in einer Denkschrift eine auf Dezentralisation hinzielende Aenderung auf der Grundlage der preußischen Anordnung beantragt. Hierüber entspann sich eine bis um 7 Uhr hin- ziehende Aussprache, doch verständigte man sich schließlich auf die Vorschläge der Negierung und Zweiten Sinmmer, also Beibehaltung des seitherigen Systems, mit entsprechender Vereinfachung. Schließlich wurde noch die Frage der Staatszuschüsse an die Landwirtschaftskammer, die Handelskammer und Handwerkskammer behandelt und । auch hier wurde nach eingehenden Darlegungen zum Ausdruck gebracht, daß eine Beschränkung der Zuschüsse zurzeit nicht angängig sei. Der Ausschuß schloß sich in seiner Mehrheit auch diesem Gedanken an. — Die Beratungen sollen am Mittwoch fortgesetzt werden. Auf der Tagesordnung stehen noch die Dienstbezüge dec Oberförster und die staatliche Lokal- kassenvecwaltung.
Deutsches Reich.
Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter begab sich, der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge, zum Kurgebrauch nach K i s s i n g e n.
Im Budgetausschuß des preußischen Abgeordnetenhauses führte dec L a u d w i r t s ch a f t s m i n i st e r folgendes aus: Menn die Staatsregierung vor einigen Jahren zu der Erkenntnis gekommen ist, daß die Ansiedlungstätigkeit dauernd ohne Enteignung in erforderlichem Umfange nicht werde fortgesetzt werden können, so habe sie die Verpflichtung gehabt, mit Vorschlägen zur Enteignung nicht zu warten, bis der Ansied- lungskommisjion genügend Stellenland nicht mehr zur Verfügung stand, sondern diese zu einer Zeit dem Landtage vorzulegen, wo eine solche schwerwiegende Maßnahme noch gründlich beraten und vielleicht auch mit deren Anwendung noch eine zeitlang gewartet werden konnte. Von diesem Gesichtspunkte ließ sich die Staatsregierung 1908 leiten. Die von Vorrednern erwähnte Tatsache, daß auch der derzeitige Vertreter der Staatsregierung die Enteignung nicht zur Anwendung gebracht hätte, spreche doch höchstens dafür, daß ihre Aulfassung der Sachlage nicht verschieden von derjenigen sei, welche gegenwärtig noch von der Staatsregierung vertreten werde. .In der letzten Sitzung habe er mit Absicht die Ent- cignungsbcsugnis als ultima ratio bezeichnet. Wenn ihm vorgeworfen werde, daß er von unangenehmen Nebenerscheinungen der Ansiedlungstätigteit gesprochen und damit einem Mißerfolg der Ansiedlungspolitik zugegeben habe, so könne er nur wiederholt hervorheben, daß die von den Vorrednern beklagten Nebenwirkungen der Enteignung seines Erachtens den Erfolg der Ansiedlungstätigkeit nicht in Frage stellen können, er habe auch keineswegs die Absicht ausgesprochen, die Enteignung nach Möglichkeit hinauszuschieben, er könne nur wiederholen, daß die Staatsregierung in einem Augenblick enteignen werde, wo die Voraussetzungen aus dem für die Enteignung in Frage kommenden Bezirken vorlägen und daß bei der Prüfung dieser Voraussetzungen lediglich sachliche Gesichtspunkte den Ausschlag geben würden. Seine am Freitag getanen Aeußcrungen über die Leitung des Ostmarkenver- e r e i ii s erläuterte der Minister dahin, daß sie sich lediglich auf die letzten Kundgebungen dieses Vereins bezogen hätten, daß er aber keine Veranlassung habe, fi) i c Tätigkeit dieses Vereins im allgemeinen zu kritisieren, nock) weniger dessen nationale Richtung und Bestrebungen zu bemängeln.
21 us S’taOt uns Land.
Gießen, 10. Mai 1911.
" Ordensverleihung. Der König von Preußen hat dem Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg zu Klein-Heubach den Kronenorden erster Klasse verliehen.
*• Erledigte Lehrerstelle. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Groß-Eichen. Mit der Stelle kann die Hälfte des Organistendienstes verbunden werden.
*e Die Genossenschaftskasse für Kommunal- F or st warte vereinnahmte im Rechnungsjahre 1909 63 054,41 Mk., nämlich 8218,72 Mk. Kassevorrat, 2456,68 Mk. Kapitalzinscn, 33 858,13 Mk. Umlagen auf die Waldbesitzer, 14 530,88 Mk. Zuschüsse des Staates, 3990 Mk. überwiesene Strafanteile. Unter den 59 829,86 Mk. Ausgaben sind hauptsächlich zu nennen 42 701,69 Mk. für Pensionen, 12 453,60 für Witwen- und Waisengelder und 2387,97 Mk. Sterbequartale. Das Kapitalvermögen der Kasse blieb mit 61000 Mk. unverändert.
** 011 der Freiw. Gailschen Feuerwehr wird lins im Anschluß an den letzten Brandbericht mitgeteilt, daß sie nur bestes und tadelloses Schlauchmaterial benutzt, das mit der bekannten und sehr empfohlenen Normalkuppelung ^System Storz" versehen sei.
1.
522
für
2.
3.
4.
rag von 29 200 Mk. ergeben. In diesen Betrag sind fämt liche Eingänge aus den Veranstaltungen usw. einbegriffen.
Abgang der Züge.
Tie Stadtbrieskasten werden geleert:
Werktags zwischen 522 und 645 V.. 8'0 und 9*5 V., 10'0 und Ilio V., 1130 und 1230 Milt., 2*5 und 3«» N., 5« und 6"> N., 650 und'80. N., 9£2 und 1022 N.
Sonntags zwischen 522 u. 650 93., IO30 und 1135 93., 7J2 und 822 N. — Genaueres ergeben die Leerungstafeln an den Briefkasten.
Die eingesannnelten Briese gelangen mit der nächsten Besör» derungsgelegenheit zur Absendung.
Vom Postamt 2 (Schulstraße) gehen werktags Versande nqch dem Postamt 1 und dem Bahnhof ab:
Lützellinden: 63»>, (310 •).
Beim Postamt 1 treten die Schlußzeiten im allgemeinen ein: für gewöhnliche Briefsendungen 10—20 Minuten, für Einschreibbriefe 25—30 Min., für Wertbriefe und Pakete 30—60 Mm. vor
915 P.*), 1115 P., 1250 gtr 155 N."), 2« N. *), 415 N.
N.'), 555 N., 655 N., 722 N., 812 N.
An Sonn- und Feiertagen: 9*? 93., 12<5 N')., 1<5 N.
*) Nur Brief post.
"Postbeförderungs-Gelegenheiten in Gießen. Nach dem Sommer-Fahrolan 1911. Folgende Züge werden zur Postbesörderung benutzt. (Es bedeuten: © Beförderung von Sendungen jeder Art, O nur Beförderung von Briefen, ®® nur Beförderung von Paketen, -s- Beförderung von Briefen in geschlossenen Beuteln, () Benutzung nur an Werktagen; alle nicht mit -st und ®(t bezeichneten Züge führen Bahnvosten mit Briefkasten).
a) Richtung nach Frankfurt (Main):
2£®, 422Ü 613, 6504-, 8100, 8’5«©, 101025©©, 12 3 0, 1210© 21’©, ü o, 558© 612©», 722©, 822©, 922®, 922®, (1014-).
b) Richtnng nach Kassel:
12210, 112©©, 121©, 42©, 716», 818®, 1018®, 12SO, 129©, 820t© 312©, 5 6 0, 81®, 101 o, 111ZO.
c) Richtung nach ö l n :
422+, 647®, 817 0, (1239®, (3234-), 613®, 10™+.
d) Rickuung nach Koblenz:
422®, 613®, 8io®, 1214©, (544-), 5564-, 912®.
e) Richtung nach Fu lda:
547®, 811 + , (1213®), (2i»4-), (3"-st), (552+), 922«.
f) Richtung nach Gelnhausen:
522®, (8I84-), (1234®), (916+), 5<O, (821+).
g) Richtung nach Lollar—Grün berg: 522®, (2 7©).
h) Richtung nach R0 dheim (Bieber): nur Werktags: (73vO), (1223»), (622®).
Die Schlußzeiten treten ci» für gewöhnliche Briefe 5 Min., Einschreibbriefe 15 Min., für Wertbriefe und Pakete 30 bis 40 Min. vor Abgang der Versande.
Der Blumentag hat in Darmstadt nach dem nun vorliegenden Zählergebnis den Be-
Starkenburg und Rheinhessen. — Darmstadt, 9. Mai.
nur Sonntags: 5°©.
i) Landposten:
nach Wiese ck—A lten ° Bufeck: 6*5® (Sonntags Botenposts (8304-). (3208), (612+)•
v Krofdorf: 715® (Sonntags Botenposts, (510O).
, S t e i n b e rg — G r ü n i n g e n: (845®).
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, den 9. Mai 1911. Eine Freisprechung.
Der Tagelöhner F. &. aus A. schuldete einem Kaufmann in Alsfeld für gelieferte Waren den Betrag von 31,40 Mk. Als er durch einen Rechtsanwalt zur Zahlung der längst fälligen Schuld auf gefordert wurde, erklärte er dem Geschäftsführer gegenüber, daß er das Geld durch seinen zwölfjährigen Jungen gesandt und Quit- nng erhalten habe. Später übergab er der Inhaberin des Gc- chäftes die Quittung, die die unzweifelhaft gefälschte Unter- d) r i f t des Geschäftsführers trug. Die eingeleitete Untersuchung ührtc dazu, daß die Staatsanwaltschaft Anllage erhob 1. gegen bic Ehefrau von £>., daß sie die Quittung gefälscht habe und 2. gegen den H. selbst, daß er wissentlich von der gefälschten Quittung Gebrauch gemacht habe, 11m die Firma um ihr Geld zu betrügen. Der zwölfjährige Sohn der Angellagten er Härte, daß er das Geld in dem ihm vorher unbekannten Geschäfte, das eine Anzahl von Leuten beschäftigt, einem ihm unbekannten Manne abgegeben und von diesem die Quittung er nahen habe. Das wichtigste Indizium bildete die Schriftvcrgleichung des bekannten Gerichtschemikers Dr. Popp von Frankfurt a. M., das dahin ging, daß die Schrift der angeklagten Ehefrau von H. und diejenige der gefälschten Quittung in einer großen Zahl wesentlicher Punttc übereinstimmen. Ein fd)lüssiger Beweis für die Schuld der beiden Angeklagten konnte jedoch nicht gesühtt werden, so daß .Frei- feregtung erfolgte.
— Altenstadt, 9. Mai. Nächsten Sonntag findet der Bezirkstag des Kriegcroereinsbezirks Altenstadt in Höchst a. d. N. statt. Der Bezirk wurde im Jahre 1887 gegründet und seit dieser Zeit sind namhafte Beträge an unterstützungsbedürftige Kameraden verteilt worden.
Kreis Alsfeld.
— Alsfeld, 9. Mai. Unter den 84 Gemeinden des Kreises Alsfeld befindet sich noch eine, nämlich Fischbach, die keine Gemcindeab gaben zu erheben braucht. Bon den übrigen erheben zwischen 50 und 100 Prozent acht Gemeinden, zwischen 100 und 200 Prozent 69 und über 200 Prozent sechs Gemeinden. Den höchsten Steuerausschlag hat Udenhausen mit 232,735 Prozent. Tie Stadt Alsseld erhebt 128,010 Prozent (= 153 852 Mk.).
x Alsfeld, 9. Mai. Die 50jährige Jubiläumsfeier der Realschule ist auf 2. und 3. Juli festgelegt worden: die Fcstwirtschaft wurde dem Gastwirt I. D. Duchardt übertragen. Von auswärts haben sich schon 300 ehemalige Schüler angemeldet. Es ist geplant, anläßlich der Jubelfeier eine Stiftung zur Unterstützung unbemittelter Schüler der Obcrrealfch.ite ins Leben zu rufen. Von ehemaligen Schülern sind bereits größere Beträge gezeichnet. Schon von 153(3 ob bestand hier eine Lateinschule, sie ging aber nach über ZOOjähingem Bestehen 1840 ein. Erst am 7. Januar 1861 wurde wieder eine höhere Schule mit 52 Schülern eröffnet. Ostern 1909 wurde die Schule Oberreaischule, am 24. Oktober 1909 wurde ihr neues, stattliches Heim, in der Schillerstraße bezogen.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 9. Mai. In den wissenschaftlichen Kreisen unserer Stadt und Umgebung bespricht man eben lebhaft die Erbauung eines WetterauerMuscums,in Verbindung mit Räumen für die Sammlung des städtischen Archivs und einer städt. Bibliothek. Die Sammlungen für das Museum sind so angewachsen, daß sie nicht mehr untergebracht werden tonnen. Tas städt. Archiv zählt gegenwärtig 30 000 Nummern und die Werke des Friedberger Geschichtsvereins sind in ganz ungenügenden Räumen unter» gebracht. Es ist Gefahr da, daß neue Funde, Sammlungen usw. für Friedberg verloren gehen. Auch die städtischen Behörden interessieren sich für die Schaffung geeigneter Räume.
± Fried ber g, 9. Mai. Nahezu 100 Geistliche Hessens hatten sich heute $ur 21. Hauptversammlung des evangelischen Pfarrvcreins für Hessen eingefunden, die im Hotel „Trapp" tagte. 'Der Versammlung ging von 2—4 Uhr eine Vorstandssitzung voraus. Um 4 Uhr eröffnete Kirchenrat Schrimpf-Darmstadt die Hauptversammlung durch ein Gebet, der Gesang des Chorals „Fahre fort" schloß sich an. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht. Dann fand die Beratung und Aenderung der Satzungen statt. Die Rechnungsablage erfolgte durch den Rechner Pfarrer Röschen-Freienfeen. Pfarrer Kleeberger-Friedberg berichtete über das geplante Lutherfenster in der Stadtkirche zu Friedberg. Im Mittelpunkt der Tagesordnung stand der Vortrag des Dekan W a g n e r - .Grünberg über „Die Frage der Aufhebung des § 51 des h es s is chen V 0 l kss chulges etz e s". Berichterstatter und Versammlung kämen zu dem Schlüsse, daß die Aushebung des § 51, betreffend Beseitigung ber Verpflichtung der Lehrer zum Organistendienst, im kirch lichen Interesse nicht empfehlenswert fei. Im Prinzip ist man jedoch nicht gegen die Aufhebung. Der Vorstand des Vereins erklärte sich gegen jede Lockerung des bisherigen Verhältnisses. Bemerkt fei hier, daß der hessische Landes- Lehrerverein seit Jahren auf eine Aenderung des § 51 und die Beseitigung der Verpflichtung des Lehrers zum Orga- niftenbienft hinarbeitet. _ Abends fand eine öffentliche Versammlung statt. Die Gesänge des Kirchengesangvereins verschönerten die Feier.. Die Hauptversammlung nimmt Mittwoch ihren Fortgang.
L. Bad-Nauheim, 9. Mai. Ein Roheitsakt ereignete sich kürzlich auf dem Weg von hier nach dem Hofe Haselheck. Von ruchloser Hand wurden mehrere O b st- b ä u m ch e ü geknickt. Der Eigentümer hat auf die Ausfindigmachung des Täters eine Belohnung von 50 Mk. ausgesetzt.
Griedel, 9. Mai. Um den Landwirten Gelegenheit zu geben Hackmaschinen und Hackgeräte zum Hacken von Getreide im Betrieb zu sehen, veranstaltet die Landwirtschaftskammer für Hessen hier eine praktische Vorführung verschiedener Maschinen und Geräte im Betrieb und zwar Donnerstag, 11. Mai. Die Landwirte sollten die Gelegenheit, verschiedene Maschinen genannter Art int Betrieb zu sehen, benutzen. Die fortschreitende Intensität der Landwirtschaft verlangt die Hackkultur bei Getreide und die Arbeitsverhältnisse zwingen den Landwirt zur Anwendung der Hackmaschinen oder arbeitersparender Hackgeräte.
R- Wohnfeld, 9. Mai. Heute wurde hier vorn KreiSveterinäramt Schotten bei Rindvieh in verschiedenen Ställen die Maul- und Klauenseuche festgestellt. Die Sperre ist bereits verhängt. Es ist sehr rätselhaft, wodurch die Seuche ausgebrochen ist, da überhaupt fein fremdes Vieh hier eingeführt wird.
Kreis Büdingen.
— Büdingen, 9. Mai. Kreisrat Boeckmann ersucht uns um Aufnahme folgender Erklärung: Aus Anlaß der Vorgänge in der Spar - und Darlehenskasse Babenhausen, bie' zu einer Liquibation ber Kasse führen, habe ich von mehreren Seiten Kenntnis bavon erhalten, baß man in ber Bevölkerung bem Kreisamt ben Vorwurf macht, seine Aufsichtspflicht nicht genügenb erfüllt zu haben, gerabe wie bei ber Mockstäbter Kasse. Ich bin beshalb zur Abwehr bieses völlig ungerechten und auf Unkenntnis beruhenden Vorwurfs zu folgender Erklärung gezwungen: Der 4. Abschnitt des Genossenschastsgesetzes regelt die Revision der Genossenschaft. Darnach sind die Einrichtungen und die Geschäftsführung ber Genossenschaft in allen Zweigen ber Verwaltung minbestens in jedem zweiten Jahr der Prüfung durch einen ber Genossenschaft nicht angehörigen, sachversfänbigeu Revisor zu unterwerfen. Für^ Genossenschaften, bie einem solchen, ben gesetzlichen Anforberungen genügenben Verbanb an gehör en, ist biesern bas Reckst verliehen, ben Revisor zu bestellen. Für Genossenschaften, bie einem solchen Revisionsverbanb nicht angehören, wirb ber Revisor burch bas Gericht bestellt. S)ie Bobeilhäuser Kasse gehört bem Verbanb ber hessischen lanb- wirtschaftlichen Genossenschaften (Darmstabt) an unb ist öfter von bem Revisor bieses Verbandes revidiert worben, wobei zahlreiche Mängel unb An stäube gefunden wurden. Das Kreisamt hat mit ber Aufsicht über Genossenschaften nicht das geringste zu tun und würde seine Befugnisse überschreite:!, wenn es Auffichts- unb Revisionsrechte in Anspruch nehmen ober burchsetzen wollte. Die Aufsicht über bie Genossenschaften ist im Gesetz nach ben Grimbsätzen ber freien Selbstverwaltung geregelt. Das habe ich schon gegenüber einer irrigen Auffassung gelegentlich bes Mockstädter Kassekrachs öffentlich klar dargelegt. Ich bedauere, genötigt zu sein, dies jetzt nochmals wiederholen zu müssen. Wenn ich mich, der großen Aufgabe unterzogen habe, das Möglichste zu tun, um die durch das Mockstädter Unglück betroffenen Kassemitglreber zu retten unb zu stützen, so geschah dies aus freiem Entschluß; jeder Private hätte dasselbe tun können. Auch Herr Pfarrer Kalbhenn, der so wacker mitgeholfen, war zur Hilfe gesetzlich oder dienstlich nicht verpflichtet, so wenig wie ich. In gleicher Weise habe ich auf Wunsch keinen Anstand genommen, der bedrängten Kaffe in Bobcnhausen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und ich hoffe, daß die Liquibation ungestört unb glatt zu Ende geführt wirb.
-l- Büdingen, 9. Mai. Der Ertrag der Sammlung am Blum en tag beziffert sich in der Stadt Bübingen auf 658 Mk. 89 Pfg. —. In ber Sitzung des Ausschusses des landwirtschaftlichen Provinzialvereins Oberheffen vom 1. Mai wurde von bem dazu bestellten Ausschuß, bem Kreisrat Boeckmann, Oeko- nomierat Schiente unb Oderverivalter Erb angchörten, Bericht erstattet über die Vorschläge, betreffend Prämiierung landwirt- chaftlicher Dienstboten und Arbeiter. Darnach sollen nach 15 Jahren treuer Arbeit bei demselben Arbcttgebev echt silberne Atedaillen mit entspreck)ender Inschrift unb allegorischer Darstellung, dazu Besitzzeugnisse, verliehen iverdcn, an Atänner als uhrmchängsel, an Frauen als Brosche. Nach 25 Jahren wird ein künstlerisch ausgeführtcs Diplom gegeben und der Tienst- und Arbeitsherr zur Hingabe einer kleinen Ehrengabe an den Jubilar angeregt. Die kosten für Beschaffung der Medaillen und der Diplome tragt der landw. Provinziaiverein; die Ein- rahinnng ber Besitzzeugnisfe unb Ehrendiplome soll von dem landw. Bezirksverein übernommen, ober wo dies nicht möglich, )en Jubilaren ober ihren Arbeitgebern überlassen iverden. Die Abbildungen der Medaillen mit Preisangaben und bas Gemälde für das Ehrenbiplom würben vorgelegt und allseitig als anss beste gelungen guwcheißen. Der landw. Be^irtsverein Büdingen, der bie Sache angeregt hat, wirb die Einrahmungs- losten übernehmen. Nach dem Beschluß der Hauptversammlung des landw. Provinzialvereins vom Dezember v. I. sollten die landw. Bezirksvereine der Provinz über die Art der Ausführung gehört und alsdamt diese ins Werk gesetzt werden. Es hat aber keiner ber anderen 5 Bezirksvereine bis jetzt der Aufforderung zur Acußerung entfprochen. Deshalb hat ber Ausschuß am Montag beschlossen, zunächst diese Aeußerungen abzuwarten und bann im Herbst endgültig Beschluß, zu fassen. Die Frage, ob der Provinzial- vercrn bald aufgelöst wird oder nicht, hat leinen entscheidenden Einfluß auf bieic Angelegenheit, da, wie Qetonomierat Schade- Altenburg bemerkte, es ein schönes Testament des Provinzialvereins roäre,' die Prämiierungsangelegenheit ins Leben gesetzt und seinen Rechtsnachsolgern, den Bezirlsvereinen, hinterlassen zu haben. +ie landwirtschaftlichen Kreise im Midinger Bezirk bringen der 'Lache großes Interesse entgegen, unb .erhoffen baldige günstige ErledtguAg, '


