Ausgabe 
8.4.1911 Drittes Blatt
 
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Lr. 84

Drittes Blatt

M Jahrgang

Gießener Anzeiger

Erscheint ti-Ilch mit Ausnahme de? Sonntag?.

General-Anzeiger für Sberheffen

Die Gießener ^emilitnbl6ttetu werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das KreisbUitt fflr den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschoitlichen Zeit­sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Samstag, 8. April |9tt

3letttwn5bruef und Verlag der Bruhl'schen NniversitatS-Bnch- und öttmbnttfeteu R. Lange, Gießen.

Aledatrio::, Expedition und Trudeui: Sdjul- straße 7. Expedition und Verlag: e-MSbl. ^iebfl(üoM:ey^]12. Tel.-düw.: AnzeigerGießen.

Zwijchen Winter und Frühling.

Fischhausen am Schliersee, 2. April.

Wundersame Tage dürfen tetr setzt genießen Tage, die in stillem Leuchten vom Morgen bis jum Abend man dern, schneeige Wollen tut reinen Blau und zwischen uns und den hohen meisten Bergen ein Flimmern, als ob ein feiner Silbcrrcgen niederfalle: ein Rauschen aus

Tannenwald und Wildbachschlucht itnd warme Sonnenflut über allem Tage, deren Poesie der Dichter in wenig Worten zu fesseln weiß, wenn er sagt:

Es tropft und taut

Vom Hüttendach in leisem Laut

(L. Webar.1

Tann wieder Tage voll Windesbruusen, wo die ivilbc Jagd der Wolken und Ncbelfetzen vor dem Fenster vorbei- braust, durch ächzende Tannenäste sich mehr und mehr zersetzt und zerreist: wo der Sturm an den Fenstern rüttelt, in den Marn inen poltert und durch die Gänge heult. Eilt sengender Sonnenstrahl fällt dann und warnt durchs tanzende Chaos der Nebelgespenster und beleuchtet die schmutzigolivgrüuen aperen Rasenflächen, die sich da und dort aus deut Schnee inaaen, oft die wunderlichsten Figuren bildend, in denen ein geschultes Auge mit etwas Phantasie Tier und Menschengestalten siebt und die deshalb vom Volt da und dort besondere Namen erhalten habet«. Viele sind alljährlich zu gelvissen Zeiten der Tauperiodc in gleicher charakteristischer Form sichtbar.

Ob sonnig, ob windig diese Tage find, was kümmert das den Schnee' (belassen schnürt er sein Bündel und wandert bergauf. Aprilwetter, der Winter ist nm!

Wie haben wir ihn doch lieb gewonnen, den prächtigen alten Mann im weißen Haar, den ewig jungen Toll köpf mit blitzendem Ang' und kunstgeübter Hand. Wundert euch nicht über diese Toppelnatur, er besitzt sie wirklich, der liebe Winter Und ein Künstler der Plastik und Farbe ist er obendrein Farben, viel mehr Farben als man in den Tälern und Städten draußen ahnt, haben seine Bergbilder.

Wer war es wohl, der das häßliche Wort vom Toten­kleid der Erde, vom Leichentuch des Winters ersann? Ein Sohn der Berge war es gewiß nicht. Ein Mann ohne! Äug' und Herz muß es gewesen fein, einer der nie das Spiel des Lichtes, den Tanz der Reflexe an Eis und -schnee, an Fels und Firn, nie die grandiose Architektur der winterlichen Gebirgswelt gesehen, den nie das göttliche einer alpinen Winterlandschaft beglückend durchschauert hat Im Nebel der weiten Ebene, binterm Ofen, kam ihm frierend dieser fröstelnde Vergleich, und nun schreibts die Schul jugeud ihm nach, in tausend Variationen zur Verzweiflung der Lehrer.

Der Winter ist um.' Aber darf inan es magen? ungestraft wagen, jetzt im wetterwendischen April so zu sprechen? Weist ich's, ob er, dem ich heute ein Valet nach­blase, mir nicht diese Nacht noch einen Flockenwall vvrs Fenster schüttet, ob er nicht morgen die Tannen wie zur Weihnachtszeit schmückt und hohe Wächter uns tn den Weg stäubt. Gewiß, er wird's tun, noch manchmal. Dach feine Macht ist gebrochen Die Sonne verlangt ihr Recht.

Bergfrühling, (rin wunderlicher Geselle Was er heut zum Knospen und Leben erwärmt, läßt er morgen wieder erfrieren, als ob er selber nicht Kräfte genug zum Lebe«? hätte Und ist doch so sieghaft. Mit offenem Groll fallt er gegen die Schiläufer aus, die feiner allsonntäglich lachen und Abschiedsbesuche machen. Will sie des Morgens mit bretthartem Harsch abweisen und weist nicht, daß sie dem mit Fell und Harscheisen trotzen, weicht den Schnee zur Mittagsstunde auf, daß allenthalben die Wasser rieseln, mit Sonnengluten und Lichtreflexen, die Blindheit und Gletscherbrand zeugen sollen, und kairns doch nicht wehren, daß die blitzblank gewachsten Schier sich spielend im Schwünge drehen und ihre Führer sich im schütz der Schnee­brillen und der Gletschersalbe beljagliajköchteln" lassen, denn braun zu werden, eineFex'u" zu bekommen, wie der Wiener sagt, um als Pigmentgigerl auf der Parade zu stolzieren, i|t der Wunsch gar vieler. Keine Zeit und feine Gelegenheit ist geeigneter zum Sonnenbad, als die Frühlingstouren auf Schiern. Mit Vorsicht allerdings sind sie zu genießen, nur zu schnell sind schmerzhafte Ver> brenmtngserscheinungen und nächtlick>es Fieber die Folge. Gar manchen kann man jetzt, sehen, der mit verbranntem Nacken einherschleicht als hätte er Genickstarre.

Wenn die Schilaufgelcgenhciten auch immer höher und entfernter zu suchen sind, so wird man doch noch recht lange in unseren bayerischen Bergen dem Sporte hul bigen können. Mit großem Vergnügen erinnere ich mich unserer Schibummeleien im Frühling des Vorjahres, die wir allsonntäglich bis Pfingsten antraten. Und an den herrlichen Abschluß der Schisaison an den Pfingstfeiertagen In lachender Lenz Herrlichkeit standen in den Anlagen der Stadt die blühenden Kastanien und vonSpinneten" und Narrischen" sprachen die Leute, als wir am Psingstsamstag Schiern zum Bahnhof marschierten. Ein Kahn trug uns sachte über den abendstillen Schliersee, an dessen Ufern schon die ersten Sommerfrischler lustwandelten, eine Stunde mit geschulterten Schiern im Wald bergan und bann konnten wir anschnallen und in tagheller Mondnacht, seltsam durch zuckt vom Widerschein eines fernen Wetterleuchtens, weiter gleiten, der traulichen Schihütte auf der Fürstalm zu, die bann zwei Tage unser Stützpunkt war für den herrlichsten Sport und Naturgenuß, für Gipseltouren und stunden­langes Lieben im kühlen Wald, für zwanglose Sonnen bäber mit luftigen erfrischenden Schneeballschlachten, deren derbste Geschosse dem galten, der da frevelnd ins Butten- buch geschrieben:

Ter Winter ist um! Wir fahren zu Tat.

Es bleibt uns ja auch keine andere Wahl:

Wenn die Maisoime glüht,

Wenn der Crocus blüht

Und Gletscherbrand das Gesicht verhunzt, Wenn auch das Wachsein ganz utnsunft, Wenn salzig und zäh Am Hange der Schnee

Dir jeden Schwung zum Stemmbogen macht

Und das Murmeltier eben vom Schlaf erwachs

Deinen Sturz verlacht.

Tann soll ich sag es ganz unverhvlen Meinthalbeu der Teufel das Schiläufen holen.

Und als uns bann nach der Abfahrt, deren letzter Teil im eigentlichsten Sinne des Wortes über Stock und St.in gegangen, das Motorlwot über beu See gebracht halte, die Schier mit Kirschblüten und Schlehdorn geschmückt im Grase lagen und im Garten kühles Bier durch die lechzen den Kehlen rinn, haben wir dem Winter ein donnerndes Vivat gebracht und uns zu gleicher Stunde umso herz­licher übet bett Frühling gefreut je schwerer uns der Ab­schied vom Wintersport geworden

Carl I. Luther, München.

Chinesen in England.

DK. London, 5. April 1911.

Zn Liverpool und Birlönhöad gibt es nicht weniger als 800 Chinesen, dic sich dauernd mebtrgrLincn haben. K n r biff wein ungefähr 200 Chinesen auf und auch in Hnll sind sie ziemlich zahlreich vertreten. Schließlich besitzen anck Lon hon und Manchc st c r ganz ansehnliche Kolonien von Chinesen. Im Norden Englands gibt es nur nod wenige Stadle von Bedeuluny, wo sich nicht vereinzelte Chinesen als Inlwbcr von Waschhäusern niedergelassen hätten. In vielen Fällen liegt die Vermutung nahe, daß der ehrbare Beruf eines Wäschers als Trrfmantel zu weniger ehrlichen aber einträglicheren Geschäften benutzt wirb. Wenn man diesen Umstand und die Tat fad'? des fielen Anwachsens der chinesischen Bevölkerung in verschiedenen englischen Stä Jen, besonders in den lebten Jahren in Betracht zieht. Io tarnt man eine gewisse Beunruhigung nicht iinter- drücken.

Tie Chinesen kommen auf die verschiedenste Art nach En«p land. Viele werden auf aus asiatischen Häfen kommenden Tamv fern nach England befördert, die weniger als zwanzig Passagiere im ßtpndnnbcf ausweisen und demnach der Kontrolle der Ein wanterungsbe^örde entgehen, die ja die merkwürdige Bestimmung enthalt, baß schisse, die weniger als 20 Passagiere dieser Art mit sich führen, der Untersuchung durch die genannten Behörde nickt unterworfen sind. Aber auch im Falle, daß auf einem Sd/iffe die gesetzlich erlaubte Zahl von Passagieren überschritten wird, wissen sich die Chinesen aus der Verlegenheit zu Helsen, wenn sie mit dem Eimvanderungsgesetz in Konflikt geraten; in diesem Falle figurieren die Ueberzähligen einfach als zur Mann­schaft gehörig. Verlassen dieseMatrosen" an ihrem Bestimmungs­ort angenommen den Dampfer, so werden sie aus der Mannl'chasts- lifle als Deserteure gestrichen, und die ganze Angelegenheit ist zur beiderseitigen Zufriedenheit erledigt. Bei dieser Praxis bietet sich den Dampfern noch der Vorteil, daß sie die übliche Summe von 8 Sh. für jeden Zwischendeckspassagier bei der Durchfahrt durch den Suez-Kanal nicht zu entrichten brauchen, der eben als zur Mannschaft gehörig ausgezähll wird. Bezeichnend für dieses Verfahren ist die große Anzahl der alljährlich bcfertiercnbeai Chinesen, so weit nämlich englische Häfen in Frage tammen. Daß aber selbst die wirtlich zur Mannschaft gehörigen Chinesen nur idyocr der Versuchung widerstehen, zu desertieren, ist un­bestreitbar, so daß man im Liverpooler Hasen vielfach zur Praxis gegriffen hat, chinesischen Matrosen das An-Land gehen einfach zu untersagen.

Auch ein anderes Verfahren, die englische Einwanderungs­behörde zu umgehen, ist bei den Chinesen vielfach in Schwung. So verschreibt sich ein asiatischer Waschl>ausbesitzcr einfach aus China eine Anzahl sehr arbeitswilliger junger Gehilfen und llredt ihnen nicht nur dos Geld zur Ueberfabrt, sondern auch tie Summe vor, die die Einwanderer berechtigt, ans Land zu gehen: für diesen beträchtlichen Vorschuß verkauft sich aber der junge Gehilfe seinem Brotgeber auf eine ganze Reihe von-Fahren, während lüddxr Zeit er überhaupt leinen Lohn erhält und in der schamlojesten Weise ausgebeutel wird, ein Arbeitsverhältnis, das in Wirklichleit Sklaverei bedeutet.

Von großer Wichtigkeit ist jedoch ein Umftanb, der in Städten tote Liverpool schon wiederholt zur Geltung kam und die Behörden zu dec Erwägung veranlaßte, ob dem Ucbclftanbc nicht abgeholfen werden lönnte. Es tarn nämlich Läufig vor, daß junge Mädchen von Chinesen verführt oder derart betört wurden, daß sie hon dem Asiaten nicht lassen wollten und )üü selbst ins Unglück stürzten, nur um ihrer törichten Leidenschaft folgen zu können. Tas Glück vieler Familien lvurde dadurch zerstört, ohne daß irgeifb welche Mittel zur Verfügung gestanden hätten, dem liebel zu steuern. Fast alle in England lebenben Chinesen sind un­beweibt: in Liverpool soll es im ganzen trotz der beträchtlichen. 'Anzahl von männlichen Chinesen nur zwei Chinesinnen geben. Ehen von Chinesen mit Engländerinnen kommen zwar vor, aber l ochst selten, und da der Chinese gewohnt ist, in erotischer Hinsicht den Maßstab des Orients anzulegen, so ist dieser Umstand sicherlich von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

vor einigen Wochen in Paris ausgesucht, um mit ihm eine Operation seiner kranken Gemahlin zu verabreden. Proiessor le Thsry riet, diese Operation sehr bald vornehmen zu lassen, da er aus de» An- üdben des Ehemannes entnahm, daß es sich um ein gefährliche« beiden bei seiner Frau handle. Ter Russe hingegen wünschte den lag der Operation erst bann festzufetze», wenn er von feiner AuS- landsreife zurückgekehrt fein würde, und man kam überein, daß ein Telegramm den Professor nach Petersburg rufen sollte Professor le Tl)crn hatte jetzt einen Depefchemvechfel mit seinem russischen Bekannten, und das letzte Telegramm, das der Arzt erhielt, lautete:

o m in en S i e nicht zu spät!"

Ter Professor, der seit einigen Pionaten in Lyon wohnt, glaubte nach Empfang dieses Telegramms nicht mehr eine Minute zögern zn dürfen, und beflieg den nächsten Expreßzug nach Berlin, um sich von hier aus sofort nach Petersburg zu begeben. AIS er hier im vauie der Paltenlm ankam, erfuhr er zu feinem Erstaunen, daß die Patientin vor einigen Tagen verstorben und schon beerdigt war. Bei dem Wortlaut des Telegramms war ein Irrtum allerdings möglich, da zwischen dem Satz:Kommen Sie nicht" und der Fortsetzung »z u f p ä t* ein Kom m a hätte stehen muffen, oder der volle Satz hatte heißen müssen S i st z u f p ä t. '

Ter Professor hat durch die Reife nicht nur Aufwendungen gehabt, sondern er hatte neben der Muhe einen so bedeutenden Honorarausfall, daß er wohl berechtigt war, zu fordern, daß der Russe ihm das ausdehungene Honorar von 10 000 Franks bezahle. Tic Schuld an dem Mißverständnis lag nur auf feiten des Kauf­manns, der aus Cparfamkeitsrücksichten zwei Worte zu wenig tele­graphiert hatte und dadurch den Gelehrten in große Aufregung und Strapazen versetzt hatte. Ter Kaufmann weigerte sich, zu zahlen, darum sah sich Professor le Thery veranlaßt, ihn in Petersburg zu verklagen. Ta der Verklagte kurze Zett »rach bem Tode seiner Frau nach Paris übersiedelte, so wurde hier der Prozeß noch einmal gegen ibn anhängig gemacht. Ta-3 Gericht entschied, daß der Pro­fessor wohl berechtigt fei, fein Honorar in der vollen Höhe zu bean­spruchen. ES kommt bei einer solchen Konsultation die Autorität in Betracht, ebenso wie die großen Anwälte ihre Zeit sich bezahlen lassen können, gleichviel, ob der Prozeß stattsindet oder nicht. Bei einer so wichtigen Angelegenheit, wie es die Herbeirufung eines Professors in eine so entfernte Stadt ist, sei eS nicht mehr Spar­samkeit, sondern geradezu Leichtsinn, wenn man bet der Ver­schickung eines Telegramms mit zwei Worten, die das Telegramm wenigei kostet, spart.

Wladimir Lilbowitsch muffte also zahlen, und er konnte nun darüber nachdenken, wo die Sparfarnkeit richtig angewendet ist und wo mcht.

vermischtes.

Ein phönizisches Heiligtum. Aus Paris wird berichtet: In der Stabernic der Inschriften und der schönen Künste crstattetc Heron de Villesossc Berickst über die interessant« Entdeckung des Abbe L e h n a u d , der in S o u s s e die Reste eines altphönizistben Heiligtums aufgefunden hat. Die Entdeckung, lvurde bei dem Abbruch des Kirchturmes gemacht, man fand in den Grundmauern Spuren nltphönizifcher Mauern, setzte die Nach- sorschnngen fort, und es ergab sich dabei, daß man'die Reste «eines .Heiligtums vor sich hatte. Bei den weiteren Ausgrabungen sand man gegen 50 Heine Toirurnen, in baren Gebernreste enthalten waren, eine Reihe alter Steinstelen, altertümliche Lampen intb eine Inschrift, die gegenwärtig von Sackwerständigen entziffert wird.

vüchertifch.

Von der Neuen Ausgabe der Paul Linda u'schen Romane und Novellen liegen uns die Lieferungen 2426 vor, die wie die vorhergehenden von Paul Telemann mit zahl­reichen ansprechenden Illustrationen geschmückt sind. Tie Hetze 24 und 25 bringen die Fortsetzung und den Schluß des RomansTie Gehilfin". In Hest 25 beginnt ferner die NovelleElise", die iit Heft 26 schließt.

Seit mehr al8 drei Jahrzehnten hat sich der Weltruf von Scotts Emulsion alt vortreffliches Stärkungsmittel bei Entkräftung, üeberarbeitung,

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und bergt behauptet. Tiefe Wirkung?« trotz ist ;unächst dem ernzigartigen. unübertrefflichen Scottfchen Verfahren zuzufchreiben. sodann der Verwendung averseinffcr Rohstoffe, die vollkommen leicht verdaulich und wohlbekönuulich gemacht sind. Darum ist

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Gericbesßaat.

Eine oerhängriiSvolle Erbschait.

4- Beuthen i. O.-S., 6. April. Eine verhängnisvolle Erb­schaft hat die Bäckerseheleute P a w l i k und ihren Berater, den Bureauvorsteher R a s s e k, wegen Meineides bezm. Verleitung dazu vor das hiesige Schwurgericht geführt. Die Eheleute be­trieben zunächst eine eigene Bäckerei, bis sie durch den Tob eines Bruders des Ehemannes in den Besitz einer Erbschaft lantett. Tiefe Erbschaft bestand aus zwei Häusern, die allerdings mit der Verpflichtung der Ausrablmig einer Reihe von Legaten belastet waren. Infolge der geschäftlichen Unerfahrenheit kam Pawlik, da er zur Auszahlung der Legate bares Geld brauchte, in geschäftliche Schwierigkeiten, so daß er gezwungen war, Hypotheken aufzu- nehmeit. Aber Mich dadurch beffertc sich feine Lage nicht. Zudem verlor er bei dem Berkaus eines Grundstückes einige Tausend Mark. Ilm nun wenigstens einen Teil der Erbschaft zu retten, verschrieben die Eheleute einen Hypothekenbrief über 3000 Mark ihrer Tochter Emma. Als nun die Frau zum Offenbarungseide geladen wurde, verschwieg sie das Vorhandensein des Hypothekeu- b tiefes, der bei einem Notar hinterlegt war und behauptete, sie habe den Brief einem unbekannten Manne übet taffen. In der Zwffchenzeft sollte versucht werden, den Hypothekenbrief zu Geld zu machen, das hierdurch den Glänbtgern^entzogen morben wäre. Tic Frau gestand in der Verhandlung unter Tränen ihre Schuld ein, sie behauptete bei ihren Aussagen, nur den Weisungen des Bureauvorstehere Raffet gefolgt zu sein. Tie Geschworenen konnten bezüglich deS Ehemannes und des Nasiek nicht zu einem Schuld- sprach kommen, sprachen aber die Frau des Meineides schuldig. Tat, Urteil lautete auf die niedrigste Strafe von einem Jahre Zuchthaus. Tie üebenmonatlicbc Unterfiichungshaft wurde voll in Anrechnung gebracht, auch befchloffen die ^'xsichworenen, für die Frcm ein Gnadengesuch zu unterschreiben.

*

Zwei Worte, öie 10000 Franks kosteu.

Ein mtereffanter Prozeß wurde vor einigen Tagen in Paris verhandelt. Ter Kläger war Professor le Thorr», einer der be­kanntesten Chirurgen der Seiiiehauptftadt. Seine Klage wandte sich gegen den rufsischeu Großkaunnann Wladnnir Lubowitfch. und das Cbjcft der Klage waren IOüOO Franks. Ter rnisifche Groß­kaufmann, dsffen Gattin schwer erkrankt war, hatte den Chirurgen

E c b 11 * teiwlfton tottb Bob tmi «SschlirtzliL ic« gtefcai berlauft, uti> zwar nie lose noch Stimmt eher Motz, ivader» en tu Lerfiejelten CrigtBaineKien tn Äorton Btt unserer Schutz- warft iFischer mit bem Lorsch». Srott A Äomee.». nu d. H Frankfurt a. TL e

Bestandteile Feilster Medipoal-'^ebertrau 160J). trrima U))ert» Hi,0.nBterpbo4D6oTtgfa»rtr Kalk «^.uRterptzotvoortg- }anrH Satrtu 2.0, pnlv. Tragant 3,0, feinster orab. Sumnit pulv. 2A Massrr 12Bß, Sllvhol UP. Hierpi aromatlicht Gmulfiau ma Atmt», Mandel- nab SauNheriaU je 3 teepfes.

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